Soziale Psychiatrie -  - ebook

Soziale Psychiatrie ebook

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Opis

Die Soziale Psychiatrie hat sich zu einer breiten Disziplin entwickelt. Aufgrund der Komplexität des Gebietes ist sie, sowohl im klinischen als auch im wissenschaftlichen Bereich, zwangsläufig multidisziplinär. Dieses Handbuch versucht, den aktuellen Kenntnisstand in den vielen Forschungs- und Tätigkeitsfeldern abzudecken. Band 1 behandelt in 33 Kapiteln die Grundlagen der sozialen Psychiatrie unter Einbezug historischer, begrifflicher, sozialwissenschaftlicher und neurobiologischer sowie ethischer und rechtlicher Aspekte. Band 2 umfasst 43 Kapitel zu praktischen Ansätzen von der Prävention psychischer Erkrankungen über Versorgungsformen bis hin zu Therapieansätzen. In vier Kapiteln kommen auch von psychischer Erkrankung selbst betroffene Menschen zu Wort. Abschnitte zum Leistungsrecht sowie zu allgemeinen Themen runden das Handbuch ab.

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Die soziale Psychiatrie hat sich zu einer breiten Disziplin entwickelt. Aufgrund der Komplexität des Gebietes ist sie, sowohl im klinischen als auch im wissenschaftlichen Bereich, zwangsläufig multidisziplinär. Dieses Handbuch versucht, den aktuellen Kenntnisstand in den vielen Forschungs- und Tätigkeitsfeldern abzudecken. Band 1 behandelt in 33 Kapiteln die Grundlagen der sozialen Psychiatrie unter Einbezug historischer, begrifflicher, sozialwissenschaftlicher und neurobiologischer sowie ethischer und rechtlicher Aspekte. Band 2 umfasst 43 Kapitel zu praktischen Ansätzen von der Prävention psychischer Erkrankungen über Versorgungsformen bis hin zu Therapieansätzen. In vier Kapiteln kommen auch von psychischer Erkrankung selbst betroffene Menschen zu Wort. Abschnitte zum Leistungsrecht sowie zu allgemeinen Themen runden das Handbuch ab.

Prof. Dr. Wulf Rössler ist emeritierter Ordinarius für Klinische Psychiatrie insbesondere Sozialpsychiatrie an der Universität Zürich und war über lange Jahre Klinikdirektor und Vorsteher an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK). Er ist jetzt Professor an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Universität Sao Paulo. Prof. Dr. Wolfram Kawohl ist Stellvertretender Chefarzt an der PUK Zürich und Privatdozent an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Er ist als Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg tätig.

Wulf Rössler Wolfram Kawohl (Hrsg.)

Soziale Psychiatrie

Das Handbuch für die psychosoziale Praxis

Bd. 1: Grundlagen

Verlag W. Kohlhammer

Pharmakologische Daten verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autor haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Eine Gewährleistung können Verlag und Autor hierfür jedoch nicht übernehmen. Daher ist jeder Benutzer angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifi sche Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufi g angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

1. Auflage 2013 Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Umschlagabbildung: Paul Klee, Senecio (Baldgreis), 1922, 181, Öl auf Kreidegrundierung auf Gaze auf Karton, originaler, gelb gefasster Rahmen, 40,3 x 37,4 cm © Kunstmuseum Basel, Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

Print: 978-3-17-021987-8

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-023839-8

epub:

978-3-17-027496-9

mobi:

978-3-17-027497-6

Inhalt

Verzeichnis der Herausgeber und Autoren von Band 1

VorwortWulf Rössler und Wolfram Kawohl

Teil 1: Begriffsbestimmung und historische Entwicklung

1 Sozialpsychiatrie – Soziale Psychiatrie: eine BegriffsbestimmungWulf Rössler

2 Soziale Psychiatrie: historische Aspekte ihrer Entwicklung in Deutschland und in der SchweizEkkehardt Kumbier, Kathleen Haack und Paul Hoff

Teil 2: Sozialwissenschaftliche Grundlagen

3 Soziologische AspektePeter C. Meyer

4 SozialpsychologieHans-Werner Bierhoff und Elke Rohmann

Teil 3: Einflussfaktoren auf psychische Gesundheit und psychische Krankheit

5 Salutogenese, Pathogenese und subjektive KrankheitskonzepteDieter Wälte

6 LebensstileVladeta Ajdacic-Gross und Kathrin Bollok

7 Lebensübergänge und psychische GesundheitRegula Lehmann und Mike Martin

8 Epidemiologie der Erstmanifestation psychischer StörungenCornelia Witthauer und Roselind Lieb

9 Arbeit und psychische GesundheitWolfram Kawohl und Christoph Lauber

10 Gender-AspekteAnita Riecher-Rössler

11 SexualitätWolfgang Weig

12 Soziale ExklusionNicolas Rüsch

Teil 4: Diagnostik und Therapie

13 Grundlagen sozialpsychiatrischen Handelns und BehandelnsKlaus Obert

14 Diagnostik von FähigkeitsstörungenMichael Linden, Stefanie Baron und Beate Muschalla

15 RehabilitationKatarina Stengler und Thomas Becker

16 Transkulturelle Psychiatrie – eine moderne sozialpsychiatrische DisziplinMarcel G. Sieberer und Wielant Machleidt

Teil 5: Forschungsthemen

17 EpidemiologieRoselind Lieb und Jutta Mata

18 Konzepte und Stand der Stigma-ForschungNicolas Rüsch

19 Methodische Grundlagen psychiatrischer Versorgungsforschung: aktueller Stand der Forschung und Entwicklung des GebietesSteffi G. Riedel-Heller und Hans-Helmut König

20 LebensqualitätMichael Franz und Thorsten Meyer

21 Neurobiologie des SozialenMartin Brüne und Georg Juckel

Teil 6: Gesellschaftliche und politische Aspekte

22 Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland, Österreich und der SchweizJörn Moock und Steffi Giersberg

23 Das Gesundheitswesen in Österreich, in der Schweiz und in DeutschlandGerd Glaeske

24 Migrationshintergrund: Anforderungen an und Möglichkeiten der Sozialpsychiatrie/europäische PerspektivenHans-Jörg Assion und Eckhardt Koch

25 Seelische Gesundheit und Krankheit in den MassenmedienUlrike Hoffmann-Richter und Seraphina Zurbriggen

Teil 7: Ethische, rechtliche, organisatorische und ökonomische Aspekte

26 First Person Account: Die Welt dreht sich ohne michFrau A. S.

27 First Person Account: Wie ich psychotisch wurdeFrau N. S.

28 GesundheitsökonomieHans Joachim Salize und Reinhold Kilian

29 FinanzierungsmodelleArno Deister und Mark Stab

30 Das sozialpsychiatrische Team: Erfolge, Herausforderungen und GrenzenChristian Kieser und Luciana Degano Kieser

31 Ethik in der SozialpsychiatriePaul Hoff

32 Rechtliche Aspekte in der GemeindepsychiatrieKlaus Windgassen und Hanns Rüdiger Röttgers

33 Autonomie und ZwangTilman Steinert

Stichwortverzeichnis

Verzeichnis der Herausgeber und Autoren von Band 1

Herausgeber

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Militärstrasse 8

Postfach 1930

CH-8021 Zürich

[email protected]

Prof. Dr. med. Wolfram Kawohl

Privatdozent an der Universität Zürich

Gastprofessor an der Leuphana Universität

Lüneburg

Leiter Zentrum für Soziale Psychiatrie

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und

Psychosomatik

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Militärstrasse 8

Postfach 1930

CH-8021 Zürich

[email protected]

Autoren

PD Dr. phil. Vladeta Ajdacic-Gross

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Militärstrasse 8

Postfach 1930

CH-8021 Zürich

[email protected]

Prof. Dr. med. Hans-Jörg Assion

LWL-Klinik, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin,

Rehabilitation und Prävention Dortmund

Marsbruchstrasse 179

D-44287 Dortmund

[email protected]

Dr. rer. Medic. Stefanie Baron

Charité Universitätsmedizin Berlin

Lichterfelder Allee 55

D-14513 Teltow/Berlin

[email protected]

Prof. Dr. med. Thomas Becker

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Bezirkskrankenhaus Günzburg

Ludwig-Heilmeyer-Strasse 2

D-89312 Günzburg

[email protected]

Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff

Ruhr-University Bochum, Department of Psychology, Social Psychology

Universitätsstraße 150

D-44801 Bochum

[email protected]

lic. phil. Kathrin Bollok

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Militärstrasse 8

Postfach 1930

CH-8021 Zürich

[email protected]

Prof. Dr. med. Martin Brüne

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin, Ruhr-Universität

Bochum, LWL-Universitätsklinikum

Alexandrinenstrasse 1–3

D-44791 Bochum

[email protected]

Dr. med. Luciana Degano Kieser

Praxis

Schwäbische Str. 18

D-10781 Berlin-Schönberg

[email protected]

Prof. Dr. med. Arno Deister

Zentrum für Psychosoziale Medizin,

Klinikum Itzehoe

Robert-Koch-Strasse 2

D-25524 Itzehoe

[email protected]

PD Dr. med. Michael Franz

Vitos Klinik Kurhessen, Klinik für Psychia trie und Psychotherapie Bad Emstal

Landgraf-Philippp-Strasse 9

D-34308 Bad Emstal

[email protected]

Steffi Giersberg

Leuphana Universität Lüneburg

Volgershall 1

D-21339 Lüneburg

[email protected]

Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske

Universität Bremen, Zentrum für Sozialpolitik

Mary-Somerville-Strasse 5

D-28359 Bremen

[email protected]

Dr. rer. hum. Kathleen Haack

Universitätsklinikum Rostock, Zentrum für Nervenheilkunde

Georg-Büchner-Str. 15

D-18055 Rostock

[email protected]

Prof. Dr. med. Dr. phil. Paul Hoff

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Lenggstrasse 31 Postfach 1931

CH-8032 Zürich

[email protected]

Dr. med. Ulrike Hoffmann-Richter

Suva, Versicherungsmedizin

Fluhmattstrasse 1 Postfach 4358

CH-6002 Luzern

[email protected]

Prof. Dr. med. Georg Juckel

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin, Ruhr-Universität

Bochum, LWL-Universitätsklinikum

Alexandrinenstrasse 1–3

D-44791 Bochum

[email protected]

Dr. med. Christian Kieser

Klinikum Ernst von Bergmann, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie und

Psychosomatik

In der Aue 59–61 D-14480 Potsdam

[email protected]

PD Dr. rer. soc. Reinhold Kilian

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

II der Universität Ulm

Ludwig-Heilmeyer-Str. 2

D-89312 Gu?nzburg

[email protected]

Dr. med. Eckhardt Koch

Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Giessen-Marburg

Cappeler Strasse 98 -

D-35039 Marburg

[email protected]

Prof. Dr. med. Hans-Helmut König

Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

Institut für medizinische Soziologie, Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie

Martinistr. 52

D-20246 Hamburg

[email protected]

PD Dr. med. habil. Ekkehardt Kumbier

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Universitätsmedizin Rostock

Gehlsheimer Strasse 20

D-18147 Rostock

[email protected]

Prof. Dr. med. Christoph Lauber

Departement of Psychiatry, University of Liverpool

1-5 Brownlow Street Waterhouse Building

L69 3GL Liverpool (UK)

[email protected]

Dr. phil. Regula Lehmann

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Lenggstrasse 31 Postfach 1931

CH-8032 Zürich

[email protected]

Prof. Dr. Roselind Lieb

Institut für Psychologie, Universität Basel

Missionsstrasse 60–62

CH-4055 Basel

[email protected]

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Michael Linden

Charité Universitätsmedizin Berlin

Lichterfelder Allee 55

D-14513 Teltow/Berlin

[email protected]

Prof. Dr. med. Wielant Machleidt

Medizinische Hochschule Hannover,

Zentrum für Seelische Gesundheit

Carl-Neuberg-Str. 1 D-30625 Hannover

[email protected]

Prof. Dr. Mike Martin

Universität Zürich, Psychologisches

Institut, Gerontopsychologie

Binzmühlestrasse 12/24

CH-8050 Zürich

[email protected]

Dr. Jutta Mata

Universität Basel

Missionsstrasse 62a

CH-4055 Basel

[email protected]

Prof. Dr. phil. Peter C. Meyer

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement

Gesundheit

Technikumstrasse 71

CH-8401 Winterhur

[email protected]

Prof. Dr. phil. Thorsten Meyer

Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung,

Medizinische Hochschule Hannover

Carl-Neuberg-Str. 1

D-30625 Hannover

[email protected]

Dr. Jörn Moock

Leuphana Universität Lüneburg

Volgershall 1

D-21339 Lüneburg [email protected]

Dr. phil. Beate Muschalla

Charité Universitätsmedizin Berlin

Lichterfelder Allee 55

D-14513 Teltow/Berlin

[email protected]

Dr. rer. soc. Klaus Obert

Caritasverband Stuttgart e.V.

Sophienstraße 1c

D-70180 Stuttgart

[email protected]

Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler

Psychiatrische Universitätspoliklinik Basel

Petersgraben 4

CH-4031 Basel

[email protected]

Prof. Dr. med., MPH, Steffi G. Riedel-Heller

Universität Leipzig, Medizinische Fakultät

Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health

Philipp-Rosenthal-Str. 55

D-04103 Leipzig

[email protected]

Dr. Elke Rohmann

Ruhr-University Bochum, Department of Psychology, Social Psychology

Universitätsstraße 150

D-44801 Bochum

[email protected]

Prof. Dr. med. Hanns Rüdiger Röttgers

Fachhochschule Münster, Fachbereich

Sozialwesen

Hüfferstrasse 27

D-48149 Münster

[email protected]

PD Dr. med. Nicolas Rüsch

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Militärstrasse 8

Postfach 1930

CH-8021 Zürich

[email protected]

Prof. Dr. Hans Joachim Salize

Arbeitsgruppe Versorgungsforschung,

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

J5

D-68159 Mannheim

[email protected]

PD Dr. med. Marcel G. Sieberer

Medizinische Hochschule Hannover,

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie

Carl-Neuberg-Str. 1

D-30625 Hannover

[email protected]

Dipl.-Kfm. Mark Stab

Klinikum Itzehoe

Robert-Koch-Strasse 2

D-25524 Itzehoe

[email protected]

Prof. Dr. med. Tilman Steinert

ZfP Südwürttemberg

Weingartshofer Strasse 2

D-88214 Ravensburg

[email protected]

PD Dr. med. Katharina Stengler

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum

Leipzig

Semmelweisstrasse 10

D-04103 Leipzig

[email protected]

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Dieter Wälte

Hochschule Niederrhein, University of

Applied Sciences, Fachbereich Sozialwesen

Richard-Wagner-Str. 101

D-41065 Mönchengladbach

[email protected]

Prof. Dr. med. Wolfgang Weig

Niels-Stensen-Kliniken, Magdalenen-Klinik

Alte Rothenfelder Strasse 23

D-49124 Georgsmarienhütte

[email protected]

Prof. Dr. med. Klaus Windgassen

Evangelische Stiftung Tannenhof, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie

Remscheider Strasse 76

D-42899 Remscheid

[email protected]iftung-tannenhof.de

Cornelia Witthauer, M. Sc.

Universität Basel

Missionsstrasse 60–62

CH-4055

Basel

Dr. phil. Seraphina Zurbriggen

Institute of Communication and Health,

Università della Svizzera italiana

Via G. Buffi 6 -

CH-6904 Lugano

[email protected]

Und zwei Patientinnen der Psychiatrischen

Universitätsklinik Zürich.

Vorwort

Wulf Rössler und Wolfram Kawohl

Schon die Psychiatrie des 19. Jahrhunderts vermutete schädliche Einflüsse der sozialen Lebenswelt auf die Entstehung und den Verlauf seelischer Erkrankungen. Menschen mit »verwirrten Sinnen« und »entordneter Vernunft« sollten aus dem vermeintlichen pathogenen Milieu ihres Lebensfeldes herausgenommen werden, um in dem idealen Milieu einer psychiatrischen Anstalt die »verlorene Ordnung ihres Lebens und ihres Geistes« wiederzufinden. Isolation in der Stille und Ruhe geographisch von den städtischen Ballungsräumen abgeschiedener Anstalten schien die angemessene Behandlungsmethode, um den Kranken von möglichst allen pathogenen Einflüssen fernzuhalten.

Ein völlig entgegengesetztes Grundsatzprogramm der Versorgung psychisch Kranker vertrat Wilhelm Griesinger. Er forderte sogenannte »Stadtasyle« für die kurzfristige Behandlung akut Erkrankter in Verbund mit den allgemeinen Stadtkrankenhäusern. Er wies darauf hin, dass die Beschränkung auf einen kurzen stationären Aufenthalt nur im intensiven Zusammenspiel zwischen stationärer Einrichtung und dem normalen Lebensumfeld des Kranken gelingen kann. Den allergrößten Teil der stationär Behandelten hielt er für entlassfähig, wenn auch manche eines geschützten Rahmens bedürften. Die von ihm vorgeschlagenen Versorgungsmaßnahmen sind heute weltweit unter dem Begriff »gemeindenahe Versorgung« umgesetzt worden.

Obwohl also bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine intensive Debatte über soziale Einflussfaktoren auf Entstehung und Verlauf und der daraus abzuleitenden Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen in Gang gekommen war, gab es noch nicht die dazugehörigen Begriffe »soziale Psychiatrie« oder »Sozialpsychiatrie«, unter denen wir heute diese Diskussion führen würden. Der Begriff der »sozialen Psychiatrie« wurde erstmals 1875 von dem deutschen Soziologen und Volkswirtschaftler Albert Schäffle (1831–1903) benutzt. Der Begriff »soziale Psychiatrie« mit eigenständigen Inhalten entstand erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts geriet die »soziale Psychiatrie« unter den Einfluss der nationalsozialistischen Rassenideologie. Damit verbunden war die soziale Kontrolle und Selektion psychisch kranker Menschen in Form von Eheverbot, Eheerschwerung, Sterilisation, Kastration und Euthanasie. Die entsetzlichen Folgen der Rassenhygiene sind weithin bekannt. Als Folge der Untaten der Nationalsozialisten war der Begriff »soziale Psychiatrie« in den deutschsprachigen Ländern nach dem zweiten Weltkrieg in Verruf geraten. Die damit verbundenen weltweiten Versorgungsentwicklungen waren damit nicht hinfällig, es erklärt aber, warum die Versorgungsreform in den deutschsprachigen Ländern z. B. im Vergleich zu den angelsächsischen mit einer deutlichen Verspätung erst in den 1960er und 1970er Jahren einsetzte. In Abgrenzung zu dem desavouierten Begriff »soziale Psychiatrie« wurde vorwiegend der Begriff »Sozialpsychiatrie« verwendet.

Obwohl die in den letzten Jahrzehnten eingeleiteten sozialpsychiatrischen Versorgungsreformen zu einer spürbaren Verbesserung des Lebens psychisch Kranker Menschen geführt haben einschließlich ihrer fortschreitenden Entstigmatisierung, hat sich die Sozialpsychiatrie als wissenschaftliche Disziplin an deutschsprachigen Universitäten nie nachhaltig etablieren können. Wir stehen gegenwärtig an einem Punkt, wo die sozialpsychiatrischen Lehrstühle an deutschsprachigen Universitäten zu Gunsten neurowissenschaftlicher Lehrstühle aufgegeben werden. Dies steht im deutlichen Kontrast zu den angelsächsischen Ländern, wo die wissenschaftliche Sozialpsychiatrie an allen medizinischen Fakultäten etabliert und weithin anerkannt ist.

Die »soziale Psychiatrie« oder »Sozialpsychiatrie« hat sich weltweit über die Auseinandersetzung mit praktischen Versorgungsfragen zu einer breitgefächerten Disziplin mit vielfältigen Arbeits- und Forschungsfeldern entwickelt. Neben der klassischen Versorgungsforschung, die sich mit der Entwicklung und Bewertung von Versorgungsinstitutionen beschäftigt, ist die Ursachen- und Verlaufsforschung psychischer Erkrankungen ebenfalls ein wichtiges Arbeitsgebiet der Sozialpsychiatrie geworden. Ausgangspunkt vieler sozialpsychiatrischer Forschungsfelder ist vor allem die psychiatrische Epidemiologie. Sie beschäftigt sich nicht nur damit, Art und Häufigkeit psychischer Störungen in der Allgemeinbevölkerung zu erfassen, sondern versucht, soziale Einflussfaktoren auf die Entstehung und den Verlauf psychischer Störungen zu identifizieren.

Die sozialpsychiatrische Forschung ist aufgrund der Komplexität des Forschungsfeldes zwangsläufig multidisziplinär. Sie benötigt neben Medizinern Sozialwissenschaftler, insbesondere Psychologen und Soziologen wie auch Biostatistiker, die die komplexen sozialen Verhältnisse mittels moderner statistischer Verfahren abbilden. Auch neurobiologische Methoden kommen mittlerweile zur Anwendung.

Aufgabe eines Handbuchs ist es, das aktuelle Wissen des jeweiligen Fachgebietes abzubilden. Das vorliegende Handbuch der sozialen Psychiatrie versucht die vielen Forschungs- und Tätigkeitsfelder dieses Gebietes abzubilden. Obwohl dieses Handbuch schon einen beträchtlichen Umfang erreicht hat, sind damit längst nicht alle Themenfelder abgebildet. Wir sind dankbar, für dieses Projekt so zahlreiche Autoren mit Expertenstatus gewonnen zu haben. Die Auswahl der Themen ist breit, dies schlägt sich im Umfang von insgesamt 76 Kapiteln nieder. Dennoch ist es möglich, dass einzelne Bereiche nur unzureichend abgehandelt wurden oder sich nicht unter dem zu erwartenden Titel finden. Für entsprechende Hinweise sind wir dankbar.

Die Einteilung des Handbuchs in zwei Bände spiegelt eine inhaltliche Aufteilung in Grundlagen und Praxis wider: Band eins behandelt in 33 Kapiteln die Grundlagen der sozialen Psychiatrie unter Einbezug historischer, begrifflicher und sozialwissenschaftlicher Aspekte. Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit und grundsätzliche diagnostische und therapeutische Aspekte werden ebenso dargestellt wie Forschungsthemen von der Epidemiologie bis zur Neurobiologie, gesellschaftliche, politische, rechtliche, ethische, organisatorische und ökonomische Inhalte. Der zweite Band umfasst 43 Kapitel zu praktischen Ansätzen, die von der Prävention psychischer Erkrankungen über Versorgungsformen bis hin zu den verschiedenen Therapieansätzen reichen. Abschnitte zum Leistungsrecht sowie zu Allgemeinen Themen runden das Handbuch ab.

Länderspezifische Besonderheiten der drei Länder mit der größten deutschsprachigen Bevölkerung wurden nach Möglichkeit berücksichtigt, dies schlägt sich zum einen in von internationalen Autorenteams verfassten Kapiteln wie z. B. demjenigen zu ambulanten Versorgungsformen (►Kap. 6, Bd. 2) nieder, zum anderen wurden die Kapitel zum Leistungsrecht von vornherein für die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz getrennt angelegt. Uns ist dabei bewusst, dass es auch in weiteren Ländern mit Deutsch als Amts-, Regional oder Verwaltungssprache Vertreter des Faches gibt, für die das vorliegende Werk von Interesse sein dürfte. Wir bitten um Verständnis, dass die jeweiligen regionalen Gegebenheiten hier nicht berücksichtigt wurden und sind mit Blick auf spätere Optimierungen für entsprechende Hinweise dankbar.

Ein besonderes Anliegen war es uns, auch von psychischer Erkrankung selbst betroffene Menschen zu Wort kommen zu lassen. Insgesamt vier Kapitel wurden durch bzw. unter Beteiligung Psychiatrieerfahrener verfasst, darunter zwei als »first person account«, also als Schilderung der eigenen Erkrankung. Wir hoffen und wünschen uns, dass dieses Handbuch den Erfolg haben wird, den das Themen- und Forschungsgebiet verdient. Die in der Bevölkerung wahrgenommenen Fortschritte der Psychiatrie sind nämlich hauptsächlich denjenigen Konzepten und Themen zuzuordnen, die in diesem Handbuch abgehandelt werden. Wir hoffen weiter, dass es sich längerfristig auch dynamisch in seinem Spektrum an Themen und Konzepten weiterentwickeln wird und kann, denn das Gebiet der sozialen Psychiatrie ist weltweit in einer ebenso dynamischen Entwicklung inbegriffen.

Zürich, im April 2013

Wulf Rössler und Wolfram Kawohl

Teil 1:Begriffsbestimmung und historische Entwicklung

1 Sozialpsychiatrie – Soziale Psychiatrie: eine Begriffsbestimmung1

Wulf Rössler

Kapitelübersicht

1.1 Einleitung

1.2 Art und Umfang psychischer Störungen in Europa

1.3 Forschungsparadigma Schizophrenie

1.3.1 Was sagt uns die Epidemiologie?

1.3.2 Kulturelle Einflüsse

1.3.3 Migrationsstudien

1.3.4 Verlaufsstudien

1.3.5 Sozioökonomische Einflussfaktoren

1.3.6 Einflüsse der näheren sozialen Umwelt

Zusammenfassung

Außerhalb des engeren Feldes der Psychiatrie gab es bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Zahl von Ärzten, welche unter dem Begriff »soziale Medizin« die Auswirkung von Industrialisierung und Urbanisierung auf die Gesundheit diskutierten. In der Psychiatrie erhielt der Begriff »sozial« zwei auch heute noch gültige Konnotationen und zwar einerseits im Sinne eines humanitären Ansatzes und einer ethischen Verpflichtung, andererseits im Sinne sozioökonomischer Lebensbedingungen. Es waren vor allem die sozioökonomischen Lebensbedingungen, auf die sich die neu aufkommende »soziale Psychiatrie« mit ambulanten Betreuungskonzepten Anfang des 20. Jahrhunderts richtete. In den deutschsprachigen Ländern ist es im Unterschied zum angloamerikanischen Sprachraum in den letzten Jahrzehnten fast nicht gelungen, Sozialpsychiatrie als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. Die Sozialpsychiatrie hat sich weltweit über die Auseinandersetzung mit praktischen Versorgungsfragen hinaus zu einer breit gefächerten Disziplin mit vielfältigen Arbeits- und Forschungsfeldern entwickelt. Die schizophrene Erkrankung eignet sich besonders gut, die sozialen Einflüsse auf Entstehung und Verlauf – neben den unbezweifelbaren biologischen Grundlagen – darzustellen. Die Einflussfaktoren reichen von kulturellen und sozioökonomischen Einflüssen zu Einflussfaktoren der frühkindlichen Umgebung der Familienatmosphäre und kritischer Lebensereignisse.

1.1 Einleitung

Schon die Psychiatrie des 19. Jahrhunderts vermutete schädliche Einflüsse der sozialen Lebenswelt auf die Entstehung und den Verlauf seelischer Erkrankung. Menschen mit »verwirrten Sinnen« und »entordneter Vernunft« sollten aus dem vermeintlich pathogenen Milieu ihres Lebensfelds herausgenommen werden, um in dem idealen Milieu einer psychiatrischen Anstalt die »verlorene Ordnung ihres Lebens und ihres Geistes« wieder zu finden. Die Isolation in der Stille und Ruhe geographisch von den städtischen Ballungsräumen abgeschiedener Anstalten schien die angemessene Behandlungsmethode, um den Kranken von möglichst allen pathogenen Einflüssen fernzuhalten. Ein völlig entgegengesetztes Grundsatzprogramm der Versorgung psychisch Kranker vertrat Wilhelm Griesinger (Rössler 1992). Er forderte so genannte Stadtasyle für die kurzfristige Behandlung akut Erkrankter im Verbund mit den allgemeinen Stadtkrankenhäusern. Er wies darauf hin, dass die Beschränkung auf einen kurzen stationären Aufenthalt nur im intensiven Zusammenspiel zwischen stationärer Einrichtung und im normalen Lebensfeld des Kranken gelingen kann. Den allergrößten Teil der stationär Behandelten hielt er für entlassfähig, wenn auch manche eines beschützten Rahmens bedürften. Die von ihm vorgeschlagenen Versorgungsmaßnahmen sind heute weltweit unter dem Begriff »gemeindenahe Versorgung« umgesetzt worden.

Obwohl also bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine intensive Debatte über soziale Einflussfaktoren auf Entstehung und Verlauf und die daraus abzuleitenden Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen in Gang gekommen war, gab es noch nicht den dazu gehörigen Begriff »soziale Psychiatrie« oder »Sozialpsychiatrie«, unter denen wir heute diese Diskussion führen würden. Der Begriff »soziale Psychiatrie« mit eigenständigen Inhalten entstand erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts (wir folgen hier und nachfolgend den Ausführungen von Priebe und Schmiedebach 1997).

Außerhalb des engeren Feldes der Psychiatrie gab es bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Zahl von Ärzten, welche unter dem Stichwort »soziale Medizin« die Auswirkungen von Industrialisierung und Urbanisierung auf die Gesundheit intensiv diskutierten. In der weiteren Entwicklung wurde der Begriff »soziale Medizin« durch den Begriff »soziale Hygiene« ersetzt. »Soziale Hygiene« beschäftigte sich mit den Wechselwirkungen häufig vorkommender Krankheitsgruppen wie Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten oder Krebserkrankungen und sozialen Lebensverhältnissen als begünstigende, vermittelnde oder beeinflussende Faktoren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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