Psychotherapie in der Spätadoleszenz -  - ebook

Psychotherapie in der Spätadoleszenz ebook

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Opis

Mit Beiträgen u. a. von B. Boothe, V. King, I. Seiffge-Krenke, K. Schmeck, A. Streeck-Fischer, K. Wölfling. Durch den gesellschaftlichen Wandel, der in veränderten Familienstrukturen und Sozialisationsbedingungen sowie in neuen Anforderungen an die berufliche und persönliche Identitätsbildung wirksam wird, ist die Lebensphase der Adoleszenz länger und störungsanfälliger geworden. Dadurch sind Veränderungen im Bedarf psychotherapeutischer Versorgung entstanden. In diesem Zusammenhang etabliert sich die Adoleszenzpsychiatrie und -psychotherapie zunehmend als eigenständiger Bereich. Das Werk gibt einen praxisorientierten Überblick über Entwicklungsbedingungen im 21. Jahrhundert und zentrale Konflikte im Prozess des Erwachsenwerdens, über in der Adoleszenz häufige Störungsbilder und deren Behandlung sowie über Besonderheiten in verschiedenen Therapiesettings. Themen sind u. a. Essstörungen, Suizidalität, emotionale Instabilität, Computerspiel-/Internetsucht, ADHS, Störungen des Sozialverhaltens und Traumafolgestörungen.

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Mit Beiträgen u. a. von B. Boothe, V. King, I. Seiffge-Krenke, K. Schmeck, A. Streeck-Fischer, K. Wölfling. Durch den gesellschaftlichen Wandel, der in veränderten Familienstrukturen und Sozialisationsbedingungen sowie in neuen Anforderungen an die berufliche und persönliche Identitätsbildung wirksam wird, ist die Lebensphase der Adoleszenz länger und störungsanfälliger geworden. Dadurch sind Veränderungen im Bedarf psychotherapeutischer Versorgung entstanden. In diesem Zusammenhang etabliert sich die Adoleszenzpsychiatrie und -psychotherapie zunehmend als eigenständiger Bereich. Das Werk gibt einen praxisorientierten Überblick über Entwicklungsbedingungen im 21. Jahrhundert und zentrale Konflikte im Prozess des Erwachsenwerdens, über in der Adoleszenz häufige Störungsbilder und deren Behandlung sowie über Besonderheiten in verschiedenen Therapiesettings. Themen sind u. a. Essstörungen, Suizidalität, emotionale Instabilität, Computerspiel-/Internetsucht, ADHS, Störungen des Sozialverhaltens und Traumafolgestörungen.

Dr. Bernhard Grimmer, PD Dr. Isa Sammet und Dr. Gerhard Dammann sind in leitender Funktion als Fachärzte bzw. Fachpsychologen in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen am Bodensee tätig.

Psychotherapie in Psychiatrie und Psychosomatik

Herausgegeben von Gerhard Dammann Isa Sammet Bernhard Grimmer

Bernhard Grimmer Isa Sammet Gerhard Dammann (Hrsg.)

Psychotherapie in der Spätadoleszenz

Entwicklungsaufgaben, Störungen, Behandlungsformen

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrofilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

1. Aufl age 2012 Alle Rechte vorbehalten © 2012 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN 978-3-17-022169-7

E-Book-Formate

pdf:

epub:

978-3-17-027510-2

mobi:

978-3-17-027511-9

Inhaltsverzeichnis

Reihenvorwort

Vorwort

Entwicklungsaufgaben

1 Entwicklungspsychologie der Adoleszenz: Erwachsen werden im 21. JahrhundertInge Seiffge-Krenke

1.1 Noch lange nicht erwachsen: Was sind die Indikatoren?

1.2 Verfrühung in den adoleszenzspezifischen Aufgaben und Retardierung in den erwachsenenspezifischen Aufgaben

1.3 »Identitätskrise« im jungen Erwachsenenalter und Entpathologisierung des verlängerten Übergangs

1.4 Ursachen für die verlängerte Adoleszenz

1.5 Überlegungen für Beratung und Therapie

1.6 Zusammenfassung

2 Adoleszente Identitätssuche und Ablösung – Entwicklungsanforderungen und Krisenpotenziale in GenerationenbeziehungenVera King

2.1 Krisen und Dynamik der Identitätsbildung

2.2 Psychische Anforderungen und Entwicklungsaufgaben im adoleszenten Generationenverhältnis

2.3 Generativität der Adoleszenten

2.4 Welche Potenziale der Verhinderung in adoleszenten Generationenverhältnissen finden sich? Wodurch sind sie begründet?

2.5 Spätmoderne Verschleierungen von Generationsdifferenzen

Störungen und ihre Behandlung

3 Der kleine Prinz – Suizidalität bei AdoleszentenGerhard Dammann

3.1 Definitionen, Epidemiologie und Grundlagen

3.2 Ursachen und Risikofaktoren

3.3 Psychodynamik des suizidalen Zusammenbruchs

3.4 Chronische Suizidalität

3.5 Therapie

3.6 Zusammenfassung

4 ADHS und BeziehungsstörungenTill Afflerbach

4.1 Die ADHS-Kontroverse

4.2 Entwicklungspsychologische und neurophysiologische Konzepte zum Erwerb der Selbst- und Beziehungsregulation

4.3 ADHS und die Entwicklung von Selbstpathologien

4.4 Aspekte für die Psychotherapie von Menschen mit kognitiven Defiziten und Selbstpathologien

5 Computerspiel- und Internetsucht in der (Spät-)Adoleszenz: Phänomenologie – Diagnostik – therapeutische ImplikationenKlaus Wölfling

5.1 Demografischer Wandel, Digitale Revolution und Mediennutzung

5.2 Internet- und Computerspielsucht: ein eigenständiger Symptomkomplex?

5.3 Die neurowissenschaftliche Perspektive auf Internet- und Computerspielsucht

5.4 Behandlungsverfahren und -angebote

6 Therapie der Störung des Sozialverhaltens in der AdoleszenzBruno Rhiner

6.1 Faktoren, die die Entwicklung einer Störung des Sozialverhaltens begünstigen

6.2 Multisystemische Therapie (MST)

6.3 Functional Family Therapy (FFT)

6.4 Multi Dimensional Treatment Foster Care (MTFC)

6.5 Therapie und Prävention vor der Adoleszenz

6.6 Positive Parenting Program – Triple P

6.7 Nurse Family Partnership

6.8 Zusammenfassung

7 Essstörungen in der Adoleszenz und ihre BehandlungIsa Sammet

7.1 Essstörungen: Erkrankungen der weiblichen Adoleszenz

7.2 Entstehung der Essstörungen im Kontext der Adoleszenz

7.3 Ein Fallbeispiel

7.4 Therapie

7.5 Fazit

8 Komplexe Traumafolgestörung und ihre Behandlung in der AdoleszenzAnnette Streeck-Fischer

8.1 Definition von Trauma in der Entwicklung

8.2 Diagnostische Probleme bei traumatischen Belastungen in der Entwicklung

8.3 Was hat die Traumatisierung in der Entwicklung zur Folge?

8.4 Zur Behandlung

9 Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen in der AdoleszenzSusanne Schlüter-Müller, Klaus Schmeck und Pamela Foelsch

9.1 Forschung und störungsspezifische Behandlungsansätze bedürfen der Diagnosestellung

9.2 Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung im klinischen Alltag

9.3 Identitätskrise vs. Identitätsdiffusion

9.4 Spezifische Behandlungskonzepte für Adoleszente

9.5 Abschließende Betrachtungen

Stationäre und ambulante Therapie

10 Stationäre psychodynamische Psychotherapie in der SpätadoleszenzBernhard Grimmer

10.1 Indikation für eine stationäre Psychotherapie in der Spätadoleszenz

10.2 Stationäre psychodynamische Psychotherapie

10.3 Besonderheiten in der stationären Psychotherapie mit Spätadoleszenten

10.4 Entwicklungsfördernde therapeutische Funktionen

11 »Was soll ich eigentlich hier?« – Ein Therapieverlauf auf der Station für Adoleszentenpsychiatrie und -psychotherapie K3Angela Liesner und Jörg Engeli

11.1 Stationärer Rahmen und Therapiesetting

11.2 Fallbeispiel

11.3 Schluss

12 Wirkfaktor Peergroup: Gruppenpsychotherapie mit Spätadoleszenten im stationären und ambulanten SettingHolger Salge

12.1 Allgemeine Aspekte zur Spätadoleszenz

12.2 Peergroup und Gruppentherapie

12.3 Gruppentherapie

13 »Den Laden aufmischen« – ein adoleszenter TraumHanspeter Mathys und Brigitte Boothe

13.1 Klara

13.2 Ein narrativer Zugang zum Traum

13.3 Klaras Traum

13.4 Eine »schaurige Lust«, den Laden aufzumischen

13.5 Traumdramaturgie zwischen Wunsch und Angst

13.6 »Intrasubjektives Rendezvous«

13.7 Die »ewige Tochter«

Verzeichnis der Autoren und Autorinnen

Stichwortverzeichnis

Die Reihe»Psychotherapie in Psychiatrie und Psychosomatik«

Der psychotherapeutische Ansatz gewinnt gegenwärtig in der Psychiatrie, neben dem dominierenden neurobiologischen und psychopharmakologischen Modell (»Biologische Psychiatrie«), wieder zunehmend an Bedeutung. Trotz dieser Renaissance gibt es jedoch noch vergleichsweise wenig aktuelle Literatur, die psychiatrische Störungsbilder unter vorwiegend psychotherapeutischem Fokus beleuchtet.

Die Bände dieser neuen Reihe dokumentieren aktuelle Entwicklungen in der Psychotherapie und greifen folgende Aspekte auf:

störungsspezifische Ansätze

Evidenzbasierung in der Psychotherapie

integrative Therapieansätze, die Aspekte von kognitiv-behavioralen und psychodynamischen Verfahren umfassen

die Tendenz, pharmakotherapeutische und psychotherapeutische Strategien weniger getrennt zu sehen

besondere theoretische Ansätze (etwa die Epigenetik oder die Bindungstheorie), aktuelle Möglichkeiten, mit biologischen Verfahren psychotherapeutische Veränderungen messbar zu machen

die Entwicklung einer individuelleren, subgruppen- und altersorientierten Perspektive (»personalisierte Psychiatrie«)

neu entstehende Brücken zwischen den bisher stärker getrennten Fachdisziplinen »Psychiatrie und Psychotherapie«, »Psychosomatische Medizin und Psychotherapie« und »Klinische Psychologie«

die Wiederentdeckung wichtiger psychoanalytischer Perspektiven (Beziehung, Übertragung, Beachtung der konflikthaften Biografie etc.) auch in anderen Psychotherapie-Schulen

Die Bände dieser Reihe sind eng verbunden mit einer Tagungsreihe, die wir in Münsterlingen am Bodensee durchführen. Die 1839 gegründete Psychiatrische Klinik Münsterlingen – heute akademisches Lehrkrankenhaus – hat, in der schweizerischen psychiatrischen Tradition stehend, eine starke psychotherapeutische Ausrichtung und in den letzten Jahren auch eine störungsspezifische Akzentuierung erfahren. Hier entwickelte und entdeckte der Psychoanalytiker Hermann Rorschach um 1913 den Formdeuteversuch und der phänomenologische Psychiater Roland Kuhn im Jahr 1956 mit Imipramin das erste Antidepressivum.

Die Bände der Reihe »Psychotherapie in Psychiatrie und Psychosomatik« sollen jedoch mehr als reine Tagungsbände sein. Es werden aktuelle Felder aus dem Gebiet der gesamten Psychiatrie und Psychosomatik praxisnah dargestellt. Eine theoretische Vollständigkeit wie bei Lehrbüchern wird nicht angestrebt. Der Schwerpunkt liegt weniger auf der Ätiologie oder Diagnostik als auf den psychotherapeutischen Zugängen in schulenübergreifender und störungsspezifischer Sicht.

Gerhard Dammann, Bernhard Grimmer und Isa Sammet

Vorwort

In den westlichen Gesellschaften verändern sich die Vorstellungen von den Entwicklungsaufgaben, die typischerweise im Lebensabschnitt der Jugend und des jungen Erwachsenenalters zu bewältigen sind. Insbesondere der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen scheint heute mehr denn je auf individuell verschiedene Art und in unterschiedlichem Tempo vor sich zu gehen. Dabei wird es immer unklarer, was denn Erwachsen-sein in einer einerseits zunehmend überalterten und andererseits der Hoffnung auf ewiger Jugendlichkeit verfallenen Gesellschaft eigentlich impliziert.

Noch nie scheint es so viele Möglichkeiten für die berufliche und persönliche Identitätsfindung gegeben zu haben wie heute. Dies stellt ein hohes Maß an potenzieller Wahlfreiheit dar, aber auch große Anforderungen an die Flexibilität und Kompetenz des Einzelnen, den eigenen, viel weniger als früher vorgezeichneten Lebensweg zu gestalten. Durch die partielle Auflösung traditioneller Strukturen und Bindungen in Familie und Gesellschaft wächst zugleich die Gefahr, haltloser zu werden und sich im Explorationsprozess von Lebenswegen zu verlieren. Die Lebensphase des Erwachsenwerdens, die Adoleszenz, hat sich in diesem Kontext deutlich verlängert. Das seit einigen Jahren diskutierte Konzept des »Emerging Adulthood« beschreibt diese Ausdehnung der Spätadoleszenz als eine eigenständige Entwicklungsphase bis zum Alter von Mitte bis Ende 20.

Auch wenn der große Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem Alter bereits einen sehr hohen Entwicklungsstand aufweist und deshalb nicht verallgemeinernd von einer pathologisch prolongierten Adoleszenz gesprochen werden kann, gibt es gleichzeitig eine Vielzahl von Spätadoleszenten, die schwere Identitäts- und Selbstwertkrisen erleben oder in diesem Alter ernsthaft psychisch erkranken und behandlungsbedürftig sind.

Das psychiatrische und psychotherapeutische Versorgungssystem war lange Zeit nicht optimal auf diese Gruppe der Spätadoleszenten zugeschnitten. Für die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie waren Adoleszente oft in ihrer Entwicklung schon zu fortgeschritten. Die gemeinsame Behandlung mit deutlich Jüngeren konnte dann einen regressiven Sog auslösen und weitere altersgemäße Entwicklungsschritte verhindern. Auf Psychotherapiestationen für Erwachsene hingegen gerieten sie häufig entweder in die Rolle der von den älteren Mitpatienten behüteten und versorgten Kinder oder aufgrund ihres oppositionellen und provokativen Verhaltens sowie dem altersgemäßen Kommunizieren über (Probe-)Handlungen in Konflikte mit den Behandlern, was nicht selten zu disziplinarischen Entlassungen oder im ambulanten Bereich zu Therapieabbrüchen führte.

Ihre hohe Ambivalenz gegenüber intensiven und stabilen therapeutischen Beziehungen, die raschen Stimmungswechsel, Abbrüche und Neubeginne im Rahmen der Identitätssuche stellen hohe Anforderungen an die Flexibilität der Therapeuten und machen die Arbeit mit Spätadoleszenten oft wenig planbar.

Mit dem zweiten Band unserer Reihe Psychotherapie in Psychiatrie und Psychosomatik widmen wir uns dieser Patientengruppe der Spätadoleszenten. Renommierte Experten, Forscher und Kliniker beleuchten praxisorientiert verschiedene Entwicklungsaspekte, psychische Störungen sowie deren Behandlung und geben einen Einblick in die spezifische stationäre und ambulante Psychotherapie Adoleszenter.

Bernhard Grimmer

Gerhard Dammann

Isa Sammet

Münsterlingen, im Juli 2012

Entwicklungsaufgaben

1 Entwicklungspsychologie der Adoleszenz: Erwachsen werden im 21. Jahrhundert

Inge Seiffge-Krenke

Die Entwicklungspfade zum Erwachsenwerden haben sich in allen westlichen Industrienationen, so auch in Deutschland und der Schweiz, auf bemerkenswerte Weise verändert. Schon seit mehreren Dekaden ist zu bemerken, dass sich die Adoleszenz durch den zeitlich früheren Beginn der Pubertät auf Kosten der Kindheit ausgedehnt hat. Die in den letzten zehn Jahren neu entstandene Entwicklungsphase, die zwischen Jugendalter und Erwachsenenalter liegt, das sogenannte »Emerging Adulthood«, ist dadurch gekennzeichnet, dass typische Marker für das Erwachsenenalter (Auszug aus dem Elternhaus, der Start in das Berufsleben, das Eingehen fester Partnerbeziehungen bzw. Heirat und Familiengründung) nicht länger einer Standardsequenz folgen und zeitlich hinausgeschoben werden. Es handelt sich keineswegs um eine »pathologisch prolongierte Adoleszenz«, sondern für die meisten jungen Leute um eine normative Entwicklung, die zudem Konsequenzen für die Elternschaft und die therapeutische Arbeit hat. Auch die Eltern gehen mit ihren Kindern anders um als noch vor einigen Jahrzehnten und sie sehen sich einer längeren Elternschaft gegenüber. Dieser Beitrag verdeutlicht, dass das Erwachsenwerden nicht nur von harten Fakten wie Geschlecht, sozialem Status, wirtschaftlicher Situation und kulturellem Hintergrund beeinflusst wird, sondern zahlreiche psychologische Faktoren Einfluss nehmen. Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass Kinder und Eltern heute mit Individuation und Verbundenheit anders umgehen als noch vor einigen Dekaden, eine Veränderung, die auch für die therapeutische Arbeit wichtig ist und diese – nicht selten! – schwierig macht.

1.1 Noch lange nicht erwachsen: Was sind die Indikatoren?

Damit Therapeuten sinnvoll arbeiten können, etwa mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch in der Elternarbeit, wären klare Strukturen und Altersmarkierungen für die kindliche Entwicklung hilfreich. Die Einschätzbarkeit des Verlaufs der kindlichen Entwicklung, der Anfang und das Ende bestimmter Entwicklungsphasen, die für frühere Generationen so vertraut waren, sind inzwischen jedoch alles andere als klar. Mehr noch, die gesamten Lebensphasen haben sich ineinander verschoben und die Generationsgrenzen sind stark verwischt. Diese Entwicklung betrifft alle Altersphasen, besonders aber die jüngeren Altersgruppen. Die Einflüsse gesellschaftlicher Veränderungen waren schon immer bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen am ehesten zu beobachten bzw. wurden von ihnen auch verstärkt aufgegriffen und zum Anstoß für weitere gesellschaftliche Umwälzungen. Das sieht die Psychoanalyse positiv (»Unreife ist eine Kostbarkeit des Jugendalters. Sie bringt die aufregendsten Formen geistiger Kreativität, neue unverbrauchte Gefühle und Lebenspläne mit sich. Die Gesellschaft muss bei den Wünschen und Hoffnungen der Nichtverantwortlichen aufgerüttelt werden«, Winnicott 1971, S. 165), es bleibt allerdings die Frage, ab wann das Erwachsenenalter mit Selbstverantwortlichkeit zeitlich zu verorten ist.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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