Pädagogisches Wissen -  - ebook

Pädagogisches Wissen ebook

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Opis

Der Band gibt eine grundlegende Einführung in die Erziehungswissenschaft. Auf dem aktuellen Wissensstand werden die zentralen Themen und Problemkreise pädagogischen Wissens und Könnens, zentriert auf pädagogische Aufgaben, Kontexte, Orte und Praktiken, umfassend und systematisch diskutiert. Erörtert werden Erziehung, Bildung, Sozialisation, Wissenskommunikation, Prävention und Selektion; Generation, Geschlecht und Migration; Pädagogische Felder, Organisation, Unterricht, Medien und Lebenslanges Lernen; Lehren, Lernen, Helfen, Beraten, Üben und Evaluation, Didaktik, Methodik, Disziplin und Aufmerksamkeit; Pädagogisches Ethos, Profession, Erziehungssystem, Bildungspolitik, Forschung, Praxisreflexion und das Instrumentarium und die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens. In jedem der 30 Beiträge werden die thematisch jeweils zentralen Fragestellungen vor ihrem historischen Hintergrund aufgehellt. Es werden die wichtigsten theoretischen Konzepte dargestellt, das dazu vorhandene empirische Wissen übersichtlich referiert sowie ein Ausblick auf aktuelle Problemlagen gegeben.

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Der Band gibt eine grundlegende Einführung in die Erziehungswissenschaft. Auf dem aktuellen Wissensstand werden die zentralen Themen und Problemkreise pädagogischen Wissens und Könnens, zentriert auf pädagogische Aufgaben, Kontexte, Orte und Praktiken, umfassend und systematisch diskutiert. Erörtert werden Erziehung, Bildung, Sozialisation, Wissenskommunikation, Prävention und Selektion; Generation, Geschlecht und Migration; Pädagogische Felder, Organisation, Unterricht, Medien und Lebenslanges Lernen; Lehren, Lernen, Helfen, Beraten, Üben und Evaluation, Didaktik, Methodik, Disziplin und Aufmerksamkeit; Pädagogisches Ethos, Profession, Erziehungssystem, Bildungspolitik, Forschung, Praxisreflexion und das Instrumentarium und die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens. In jedem der 30 Beiträge werden die thematisch jeweils zentralen Fragestellungen vor ihrem historischen Hintergrund aufgehellt. Es werden die wichtigsten theoretischen Konzepte dargestellt, das dazu vorhandene empirische Wissen übersichtlich referiert sowie ein Ausblick auf aktuelle Problemlagen gegeben.

Die Herausgeber lehren und forschen an den Universitäten Frankfurt a. M., Halle-Wittenberg, Kassel sowie am Deutschen Jugendinstitut in München.

Grundriss der Pädagogik/Erziehungswissenschaft Herausgegeben von Werner Helsper, Jochen Kade, Christian Lüders, Frank-Olaf Radtke und Werner TholeBand 5

Jochen Kade/Werner Helsper/Christian Lüders/ Birte Egloff/Frank-Olaf Radtke/Werner Thole (Hrsg.)

Pädagogisches Wissen

Erziehungswissenschaft in Grundbegriffen

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung in elektronischen Systemen. Alle Rechte vorbehalten © 2011 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN: 978-3-17-021144-5

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-022839-9

epub:

978-3-17-027820-2

mobi:

978-3-17-027821-9

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die Erziehungswissenschaft in dreißig Grundbegriffen

1 Aufgaben

Bildung(Jörg Zirfas)

Erziehung(Roland Reichenbach)

Sozialisation und Entwicklung(Matthias Grundmann)

Wissenskommunikation(Jochen Kade)

Prävention(Christian Lüders)

Selektion(Johannes Bellmann)

2 Bezüge

Generation(Jutta Ecarius)

Geschlecht(Barbara Rendtorff)

Migration(Isabell Diehm/Frank-Olaf Radtke)

3 Orte

Pädagogische Felder(Wolfgang Seitter)

Institutionen und Organisationen(Michael Göhlich)

Unterricht(Wolfgang Meseth/Matthias Proske)

Medien(Sigrid Nolda)

Lebenslanges Lernen(Christiane Hof)

4 Praktiken

Lehren(Werner Helsper)

Lernen(Jörg Dinkelaker)

Üben(Malte Brinkmann)

Helfen(Werner Thole/Martin Hunold)

Beraten(Volker Kraft)

Disziplinieren(Frank-Olaf Radtke)

Evaluieren(Harm Kuper)

Aufmerksamkeit(Jörg Dinkelaker)

Didaktik und Methodik(Klaus Prange)

5 Reflexionen(Sabine Seichter)

Pädagogisches Ethos(Edwin Keiner)

Disziplin und Profession(Birte Egloff)

Praxisreflexion(Jochen Kade/Frank-Olaf Radtke)

Erziehungssystem(S. Karin Amos)

Bildungspolitik(Rudolf Tippelt)

Forschen(Friedrich Rost)

Wissenschaftliches Arbeiten(Friedrich Rost)

6 Support

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Einleitung: Die Erziehungswissenschaft in dreißig Grundbegriffen

Auf Wissen über Erziehung, Bildung, Lehren und Lernen basiert nicht nur das professionelle Handeln in den verschiedenen institutionalisierten pädagogischen Feldern, wie der Schule, der Sozialpädagogik, der Sonderpädagogik und der Erwachsenenbildung. Auch das alltägliche, berufliche und politische Handeln rekurriert, bewusst oder unbewusst, auf pädagogisches Wissen. Die Erziehungswissenschaften sind der exponierte Ort der Aufzeichnung, Tradierung, Generierung und Kommunikation dieses Wissens. Erziehungswissenschaftliches Wissen ist die dominierende Ressource des in der Praxis verwendeten pädagogischen Wissens. Dennoch, und darauf weisen empirische Studien zu den verwendeten Wissensbereichen in den pädagogischen Handlungsfeldern und die Professionsforschung nachdrücklich hin, deckt sich das pädagogische Wissen nicht immer mit dem erziehungswissenschaftlich ausgewiesenen Wissen. In modernen, inzwischen vielfach als Wissensgesellschaften charakterisierten Gesellschaften ist eine Pluralisierung der Orte der Wissensproduktion zu beobachten, ohne dass ein Bedeutungsverlust der Erziehungswissenschaft folgte. Die neu entstehenden pluralen Formen pädagogischen Wissens sind nicht einfach wissenschaftsfern: Zum einen verdanken sie sich selbst zum Teil einer Veralltäglichung und Entgrenzung erziehungswissenschaftlicher Wissensbestände und wirken zum anderen auch auf diese zurück. Zudem sind unterschiedliche Perspektiven auf Wissen in den professionellen Praxisfeldern und in den wissenschaftlichen Diskursen zu erkennen: Orientieren sich die pädagogischen Praxen in den unterschiedlichen Handlungs- und Arbeitsfeldern, soweit sie an der Aktualisierung des Wissens zur Entfaltung ihrer Praxis interessiert sind, an den Handlungserfordernissen eben dieser Praxen selbst. So orientiert sich die wissenschaftliche Generierung und Weiterentwicklung des erziehungswissenschaftlichen Wissens an den wahrheitsbezogenen theoretischen und methodischen Standards des Wissenschaftssystems. Allerdings färben die mit der Qualifizierungsaufgabe verbundenen Anforderungen, die den Erziehungswissenschaften an den Hochschulen abverlangt werden und die wesentlich zu ihrem rasanten Ausbau seit den 1960er Jahren geführt haben, auch auf das erziehungswissenschaftliche Wissen im Bereich der Erziehungswissenschaft als Disziplin ab. Erziehungswissenschaftliches Wissen steht damit durchgehend im Spannungsverhältnis von Wissenschaft und Profession sowie von Theorie und Praxis.

Wie in allen anderen Wissenschaften so hat die Wissensgenerierung auch in den Erziehungswissenschaften immer zwei Gesichter. Mit der Beantwortung von Fragen entstehen zugleich immer neue Fragen. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess bleibt insofern ein in die Zukunft hin offener Prozess, auch wenn die Erfordernisse der Handlungspraxis abgeschlossenes, kanonisiertes Wissen verlangen. Mit der Erzeugung von Wissen wird unvermeidbar zugleich neues Nicht-Wissen hervorgebracht. Dieser Erkenntnisprozess führt indes nicht immer wieder auf einen imaginären Nullpunkt des Nicht-Wissens zurück. Man kommt vielmehr – um ein Bild aus der Sprache der Computerspiele zu verwenden – auf ein neues Level des Nicht-Wissen-Wissens. In dem Maße, in dem die Erziehungswissenschaften sich zu einer ‚normal science‘ entwickelt haben, haben diese ‚Levels‘ an Stabilität gewonnen, auch wenn ihr kanonischer Charakter prinzipiell immer einen Zeitindex hat. Aber diese grundsätzliche Zeitlichkeit auch des jeweils gegenwärtig akkumulierten erziehungswissenschaftlichen Wissens erstreckt sich auf größere Zeithorizonte.

Bei dem erziehungswissenschaftlichen Wissen, das dieser Einführungsband vor allem Studierenden und Professionellen zugänglich macht, handelt es sich insofern um das gegenwärtig vorliegende, gesicherte theoretische, historische und empirische erziehungswissenschaftliche Wissen, das eine Grundlage zur Beteiligung am erziehungswissenschaftlichen Diskurs eröffnet und die Nutzung der dort generierten Erkenntnisse für die Bewältigung von Aufgaben ermöglicht, die sich in je besonderen beruflichen Situationen stellen. Damit wird allerdings – um Missverständnissen vorzubeugen – nicht der Anspruch verbunden, dass das hier vorgestellte erziehungswissenschaftliche Wissen eine direkte Anleitung oder Anwendung in beruflichen Feldern finden kann. Vielmehr bietet es Erkenntnisse, liefert Reflexions- und Denkanstöße, um pädagogische Aufgaben, Kontexte, Orte und Praktiken auf der Höhe des gegenwärtigen Wissenstandes besser verstehen und befragen zu können.

In diesem Band wird das erziehungswissenschaftliche Wissen in fünf Abteilungen präsentiert, die insgesamt das Feld der Erziehungswissenschaft umfassend und systematisch abdecken. In der ersten Abteilung werden unter der Überschrift ‚Aufgaben‘ die Leistungen behandelt, die vom pädagogischen Feld erwartet werden. Es handelt sich hierbei um die erziehungswissenschaftliches Denken und pädagogisches Handeln leitenden Grundorientierungen. Im Einzelnen geht es um Bildung, um Erziehung, um Sozialisation, um Wissenskommunikation, um Prävention und Selektion. In der zweiten Abteilung werden unter der Überschrift ‚Bezüge‘ als wesentliche Kontexte der Realisierung dieser Aufgaben die Komplexe Generation, Geschlecht und Migration behandelt. In der dritten Abteilung sind unter der Überschrift ‚Orte‘ jene Beiträge versammelt, die einen Einblick in das breite Spektrum pädagogischer Felder geben, die organisationale Einbindung von Erziehung und Bildung darstellen, und neben dem Unterricht als einer zentralen pädagogischen Sozialform den zunehmend an Gewicht gewinnenden Bereich der Medien erörtern. In der vierten, der größten Abteilung, stehen unter der Überschrift ‚Praktiken‘ die Beiträge zum Lehren, Lernen, Helfen, Beraten, Üben, zur Evaluation, zur Didaktik und Methodik, zum Disziplinieren und zur Aufmerksamkeit. Die letzte, unter der Überschrift ‚Reflexionen‘ stehende Abteilung behandelt die Probleme eines pädagogischen Ethos, von pädagogischer Profession und erziehungswissenschaftlicher Disziplin, des Erziehungssystems, der Bildungspolitik, der erziehungswissenschaftlichen Forschung, der Praxisreflexion und des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die Beiträge versuchen einen breiten Überblick über den jeweiligen Problemstand zu geben. Sie erschließen den Studierenden als wissenschaftlichen Novizen bei Beginn und im Verlauf des Studiums einen kompetenten Zugang zur Erziehungswissenschaft und dienen auch Professionellen zur kontinuierlichen theoretischen Selbstvergewisserung und Selbstbeobachtung im Kontext ihrer beruflichen Arbeit. Alle Beiträge folgen, von individuellen, aus dem spezifischen Thema resultierenden Varianzen abgesehen, einem durchgehenden Schema: Ausgangspunkt ist die Frage, welches Thema mit dem jeweiligen Begriff angesprochen ist. Anschließend wird seine historische Dimension erhellt, es werden die mit dem Begriff verknüpften theoretischen Konzepte entfaltet und die wesentlichen empirischen Befunde zum jeweils angesprochenen Thema referiert. Ein Ausblick auf aktuelle Problemlagen schließt die Beiträge jeweils ab. Insgesamt bemühen sich die Beiträge dabei, den Stand des erziehungswissenschaftlichen Wissens zum jeweiligen Thema in knapper, aber ausreichend differenzierter und insofern wissenschaftlich durchaus anspruchsvoller Gestalt zu präsentieren. Die Literaturverweise haben die Aufgabe, für eine intensivere Beschäftigung die Spuren zu legen, die nach dem ersten Überblick, den die Beiträge geben, weiter zu verfolgen wären.

Dieser Fortführung dienen auch die Hinweise auf zentrale Forschungs- und Serviceeinrichtungen, auf Fachgesellschaften und auf weitere nützliche Internetadressen. Ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren schließt die Einführung ab.

Die Darstellung des erziehungswissenschaftlichen Grundwissens geschieht in der Weise, dass dreißig Begriffe ausgewählt wurden, in denen die zentralen Probleme erziehungswissenschaftlicher Reflexionen verdichtet dargestellt und erörtert werden. Mit dieser Auswahl sind der Umfang und die Tiefe des erziehungswissenschaftlichen Wissens indes keineswegs vollständig abgedeckt. So könnte etwa auf das Fehlen von Beiträgen unter den Stichworten Familie, Arbeit und Beruf, Biographie, Geschichte und Gesundheit verwiesen werden. Der Band ist – entsprechend der Offenheit des Wissens – nicht geschlossen, sondern offen. Er kann und wird sicher fortgeschrieben werden.

Für das zügige Zustandekommens dieses Bandes 5 in der Reihe „Grundriss Pädagogik/Erziehungswissenschaft“ ist zunächst den Autorinnen und Autoren zu danken, die in ihrem inzwischen ja äußerst eng gewordenen inner- und außeruniversitären wissenschaftlichen Berufsalltag noch genügend Zeit für die, zum Teil unerwartet aufwendige Arbeiten an den Beiträgen freimachen konnten. Insbesondere ist aber Herrn Dr. Klaus-Peter Burkarth im Lektorat des Kohlhammer Verlags zu danken, ohne dessen publikationserfahrenen Blick die Orientierung dieses Bandes an den Erwartungen der zukünftigen Leserinnen und Leser nicht die nun vorliegende Gestalt gewonnen hätte.

Jochen Kade

Werner Helsper

Christian Lüders

Birte Egloff

Frank-Olaf Radtke

Werner Thole

Frankfurt am Main/Halle/München/Kassel, im September 2010

1 Aufgaben

Bildung

Jörg Zirfas

1 Was meint Bildung?

Obwohl Bildung als einer der zentralen Grundbegriffe der Pädagogik gilt, fällt seine genauere pädagogische Bestimmung schwer, da es keine allgemeingültige Definition von Bildung gibt. Bildung ist einerseits ein alltagssprachlicher Begriff mit einer Fülle von Konnotationen, andererseits eine in vielen (geistes- wie natur-)wissenschaftlichen Disziplinen gebräuchliche Kategorie mit je unterschiedlichen Traditionen und schließlich auch in der Pädagogik selbst ein Konzept, das je nach pädagogischer Richtung bzw. Schule verschiedene Bedeutungen aufweist. Das heißt, dass sich die Bedeutung von Bildung nur vor dem Hintergrund von spezifischen Bildungstheorien bestimmten lässt (vgl. Hansmann/Marotzki 1988/1989): So versteht etwa die geisteswissenschaftliche Pädagogik unter Bildung die wechselseitige Erschließung von Ich und Welt, die kritische Erziehungswissenschaft identifiziert Bildung mit Emanzipation, die empirische Erziehungswissenschaft übersetzt Bildung in messbare Kompetenzmodelle und eine phänomenologische Pädagogik setzt auf Bildung als Entfaltung von Sinnlichkeit.

Als pädagogischer Begriff ist Bildung seit der Aufklärung und dem Neuhumanismus ein Indikator für zentrale Fragestellungen und Problemhorizonte der Erziehungswissenschaft, wie die Debatten um selbstzweckhafte oder utilitaristische, klassische oder moderne, humanistische oder realistische, grundlegende oder weiterführende, allgemeine oder berufliche, individuelle oder kollektive, schulische oder außerschulische etc. Bildung bis heute beweisen. Vielfach wegen seiner semantischen Uneindeutigkeit und Unbestimmbarkeit kritisiert und nach der sozialwissenschaftliche Wende in den 1960er Jahren durch Begriffe wie Selbstorganisation, Lernen, Identität u. a. m. (die den Bildungsbegriff ersetzen sollten) scheinbar obsolet geworden, ist der Bildungsbegriff für die pädagogische Diskursbildung nach wie vor unverzichtbar. Denn in ihm bündeln sich pädagogische Fragestellungen und Dimensionen wie in einem Brennpunkt.

Im Fokus des Bildungsbegriffs steht eine spezifische Problemlage, die als – abstrakt formuliert – Subjektivierung objektiver Sachverhalte und als Objektivierung subjektiver Gegebenheiten verstanden werden kann. In diesem Sinne kann man formulieren, dass der Bildungsbegriff ein Wechselverhältnis zwischen einem Einzelnen und einem Allgemeinen enthält, das – im Unterschied zum Erziehungsbegriff – die Seite des Einzelnen betont. Bildung beschreibt die Auseinandersetzung des Einzelnen mit als allgemein oder universell geltenden Bestimmungen von Welt, Vernunft, Sittlichkeit oder Humanität. In der Regel wird mit Bildung daher die Verschränkung von Individualität und Kultur, von Eigenheit und Humanität, von Selbst und Welt verstanden, wobei Kultur, Humanität und Welt als objektive Seite, Individualität, Eigenheit und Selbst als subjektive Seite der Bildung gelten. Bildung meint einen differenzierten, intensiven und reflektierten Umgang mit sich und der Welt, der zur Ausformung eines selbstbestimmten kultivierten Lebensstils führt. Sie ereignet sich als Antwort des Subjekts auf Fremdheits- und Krisenerfahrungen.

Generell wird der Bildungsbegriff dabei geprägt durch eine Dichotomie von Deskription, etwa in Bezug auf die Entwicklung von Reflexivität oder Sozialität, und von Normativität, der kontrafaktischen Unterstellung eben jener Entwicklungen. So wird der Begriff der Bildung sowohl deskriptiv als (Selbst-)Formungsprozess des Menschen als auch normativ als dessen Bestimmung, als Sinn und Zweck menschlichen Daseins verstanden.

Unter Bildung lassen sich sowohl die Prozesse selbst, darüber hinaus die Resultate dieser Prozesse, aber auch spezifische Bildungsstoffe (Bildungsinhalte, Bildungsgehalte) sowie bestimmte notwendige Voraussetzungen von Fähigkeiten und Vermögen verstehen. Bildungsresultate sind spezifische soziale bzw. individuelle habituelle Prägungen, die über Erfahrungen und mimetische Prozesse erworben worden sind. Bildungsprozesse kennzeichnen eine strukturelle transformatorische Differenz, die sowohl in zeitlicher, identifikatorischer, institutioneller oder sozialer Hinsicht bestehen kann. Die Frage nach den Bildungsstoffen (Bildungsinhalte und Bildungsgehalte) ist durch Curricula- und Kanondebatte geläufig. Als Bildungsvoraussetzungen werden kulturelle, ökonomische oder soziale Voraussetzungen bezeichnet, die wiederum die Bedingung der Möglichkeit für gelingende Bildungsprozesse und Bildungsresultate darstellen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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