Märchen aus Bulgarien -  - ebook

Märchen aus Bulgarien ebook

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Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie "Märchen der Welt". Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: "Märchen der Welt" bietet Ihnen stundenlange Abwechslung. Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches: Das kluge Mädchen wird Zarin Der geizige Zar und sein mitleidiger Sohn oder: Die gute Tat geht nie verloren Der neidische Arzt Die beiden Brüder Der Faulpelz, oder: Gutes wird mit Gutem vergolten Holzsammler, Katze, Schlange und Fisch, oder: Tu den Tieren Gutes, es wird dich nicht gereuen Drei Brüder Kaiser Konstantins Schatz, oder: Das Auge des Menschen ist unersättlich Die Taten des Zarensohnes und seiner beiden Gefährten Der Zarensohn und die dankbaren Tiere Die drei Brüder und der Schuglan Das Mädchen und der Vampir Der Teufel als Diakonus Das Glück kommt von Gott Der Hirt und die drei Samovilen Wie Adam den Tieren Namen gab und woher der Storch das Klappern gelernt hat Drei Schwestern, die jüngste wird Zarin Der heilige Georg, die Lamia und die Schlange Der Zar, seine Tochter und der Schneider Der Teufel, der das Flohfell erkannte Der Herrgott und die vier Brüder Die Jungfrau Maria segnet Spinne und Taube. Die warmen Quellen. Wie der Adamsapfel entstand.

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Märchen aus Bulgarien

Inhalt:

Geschichte des Märchens

Märchen aus Bulgarien

Das kluge Mädchen wird Zarin

Der geizige Zar und sein mitleidiger Sohn oder: Die gute Tat geht nie verloren

Der neidische Arzt

Die beiden Brüder

Der Faulpelz, oder: Gutes wird mit Gutem vergolten

Holzsammler, Katze, Schlange und Fisch, oder: Tu den Tieren Gutes, es wird dich nicht gereuen

Drei Brüder

Kaiser Konstantins Schatz, oder: Das Auge des Menschen ist unersättlich

Die Taten des Zarensohnes und seiner beiden Gefährten

Der Zarensohn und die dankbaren Tiere

Die drei Brüder und der Schuglan

Das Mädchen und der Vampir

Der Teufel als Diakonus

Das Glück kommt von Gott

Der Hirt und die drei Samovilen

Wie Adam den Tieren Namen gab und woher der Storch das Klappern gelernt hat

Drei Schwestern, die jüngste wird Zarin

Der heilige Georg, die Lamia und die Schlange

Der Zar, seine Tochter und der Schneider

Der Teufel, der das Flohfell erkannte

Der Herrgott und die vier Brüder

Die Jungfrau Maria segnet Spinne und Taube.

Die warmen Quellen.

Wie der Adamsapfel entstand.

Märchen aus Bulgarien

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Sweet Angel - Fotolia.com

Geschichte des Märchens

Ein Märchenist diejenige Art der erzählenden Dichtung, in der sich die Überlebnisse des mythologischen Denkens in einer der Bewußtseinsstufe des Kindes angepaßten Form erhalten haben. Wenn die primitiven Vorstellungen des Dämonenglaubens und des Naturmythus einer gereiftern Anschauung haben weichen müssen, kann sich doch das menschliche Gemüt noch nicht ganz von ihnen trennen; der alte Glaube ist erloschen, aber er übt doch noch eine starke ästhetische Gefühlswirkung aus. Sie wird ausgekostet von dem erwachsenen Erzähler, der sich mit Bewußtsein in das Dunkel phantastischer Vorstellungen zurückversetzt und sich, vielfach anknüpfend an altüberlieferte Mythen, an launenhafter Übertreibung des Wunderbaren ergötzt. So ist das Volksmärchen (und dieses ist das echte und eigentliche M.) das Produkt einer bestimmten Bewußtseinsstufe, das sich anlehnt an den Mythus und von Erwachsenen für das Kindergemüt mit übertreibender Betonung des Wunderbaren gepflegt und fortgebildet wird. Es ist dabei, wie in seinem Ursprung, so in seiner Weiterbildung durchaus ein Erzeugnis des Gesamtbewußtseins und ist nicht auf einzelne Schöpfer zurückzuführen: das M. gehört dem großen Kreis einer Volksgemeinschaft an, pflanzt sich von Mund zu Munde fort, wandert auch von Volk zu Volk und erfährt dabei mannigfache Veränderungen; aber es entspringt niemals der individuellen Erfindungskraft eines Einzelnen. Dies ist dagegen der Fall bei dem Kunstmärchen, das sich aber auch zumeist eben wegen dieses Ursprungs sowohl in den konkreten Zügen der Darstellung als auch durch allerlei abstrakte Nebengedanken nicht vorteilhaft von dem Volksmärchen unterscheidet. Das Wort M. stammt von dem altdeutschen maere, das zuerst die gewöhnlichste Benennung für erzählende Poesien überhaupt war, während der Begriff unsers Märchens im Mittelalter gewöhnlich mit dem Ausdruck spel bezeichnet wurde. Als die Heimat der M. kann man den Orient ansehen; Volkscharakter und Lebensweise der Völker im Osten bringen es mit sich, daß das M. bei ihnen noch heute besonders gepflegt wird. Irrtümlich hat man lange gemeint, ins Abendland sei das M. erst durch die Kreuzzüge gelangt; vielmehr treffen wir Spuren von ihm im Okzident in weit früherer Zeit. Das klassische Altertum besaß, was sich bei dem mythologischen Ursprung des Märchens von selbst versteht, Anklänge an das M. in Hülle und Fülle, aber noch nicht das M. selbst als Kunstgattung. Dagegen taucht in der Zeit des Neuplatonismus, der als ein Übergang des antiken Bewußtseins zur Romantik bezeichnet werden kann, eine Dichtung des Altertums auf, die technisch ein M. genannt werden kann, die reizvolle Episode von »Amor und Psyche« in Apulejus' »Goldenem Esel«. Gleicherweise hat sich auch an die deutsche Heldensage frühzeitig das M. angeschlossen. Gesammelt begegnen uns M. am frühesten in den »Tredeci piacevoli notti« des Straparola (Vened. 1550), im »Pentamerone« des Giambattista Basile (gest. um 1637 in Neapel), in den »Gesta Romanorum« (Mitte des 14. Jahrh.) etc. In Frankreich beginnen die eigentlichen Märchensammlungen erst zu Ende des 17. Jahrh.; Perrault eröffnete sie mit den als echte Volksmärchen zu betrachtenden »Contes de ma mère l'Oye«; 1704 folgte Gallands gute Übersetzung von »Tausendundeiner Nacht« (s. d.), jener berühmten, in der Mitte des 16. Jahrh. im Orient zusammengestellten Sammlung arabischer M. Besondern Märchenreichtum haben England, Schottland und Irland aufzuweisen, vorzüglich die dortigen Nachkommen der keltischen Urbewohner. Die M. der skandinavischen Reiche zeigen nahe Verwandtschaft mit den deutschen. Reiche Fülle von M. findet sich bei den Slawen. In Deutschland treten Sammlungen von M. seit der Mitte des 18. Jahrh. auf. Die »Volksmärchen« von Musäus (1782) und Benedikte Naubert sind allerdings nur novellistisch und romantisch verarbeitete Volkssagen. Die erste wahrhaft bedeutende, in Darstellung und Fassung vollkommen echte Sammlung deutscher M. sind die »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm (zuerst 1812–13, 2 Bde.; ein 3. Band, 1822, enthält literarische Nachweise bezüglich der M.). Unter den sonstigen deutschen Sammlungen steht der Grimmschen am nächsten die von L. Bechstein (zuerst 1845); außerdem sind als die bessern zu nennen: die von E. M. Arndt (1818), Löhr (1818), J. W. Wolf (1845 u. 1851), Zingerle (1852–54), E. Meier (1852), H. Pröhle (1853) u. a. Mit M. des Auslandes machten uns durch Übertragungen bekannt: die Brüder Grimm (Irland, 1826), Graf Mailath (Ungarn, 1825), Vogl (Slawonien, 1837), Schott (Walachei, 1845), Asbjörnson (Norwegen), Bade (Bretagne, 1847), Iken (Persien, 1847), Gaal (Ungarn, 1858), Schleicher (Litauen, 1857), Waldau (Böhmen, 1860), Hahn (Griechenland u. Albanien, 1863), Schneller (Welschtirol, 1867), Kreutzwald (Esthland, 1869), Wenzig (Westslawen, 1869), Knortz (Indianermärchen, 1870, 1879, 1887), Gonzenbach (Sizilien, 1870), Österley (Orient, 1873), Carmen Sylva (Rumänien, 1882), Leskien und Brugman (Litauen, 1882), Goldschmidt (Rußland, 1882), Veckenstedt (Litauen, 1883), Krauß (Südslawen, 1883–84), Brauns (Japan, 1884), Poestion (Island, 1884; Lappland, 1885), Schreck (Finnland, 1887), Chalatanz (Armenien, 1887), Jannsen (Esthen, 1888), Mitsotakis (Griechenland, 1889), Kallas (Esthen, 1900) u. a. Unter den Kunstpoeten haben sich im M. mit dem meisten Glück versucht: Goethe, L. Tieck, Chamisso, E. T. A. Hoffmann, Fouqué, Kl. Brentano, der Däne Andersen, R. Leander (Volkmann) u. a. Vgl. Maaß, Das deutsche M. (Hamb. 1887); Pauls »Grundriß der germanischen Philologie«, 2. Bd., 1. Abt. (2. Aufl., Straßb. 1901); Benfey, Kleinere Schriften zu Märchen-forschung (Berl. 1890); Reinh. Köhler, Aufsätze über M. und Volkslieder (das. 1894) und Kleine Schriften, Bd. 1: Zur Märchenforschung (hrsg. von Bolte, das. 1898); R. Petsch, Formelhafte Schlüsse im Volksmärchen (das. 1900).

Märchen aus Bulgarien

Das kluge Mädchen wird Zarin

Einmal gab ein Zar den Befehl: wer den und den Stein schlachtet, daß das Blut davon fließt, den will ich zum Ersten meines Reiches machen.

Von allen Seiten kamen wackre Burschen herbei, aber keiner konnte den Stein schlachten; sie fanden es nur wunderlich, wie man überhaupt einen Stein schlachten könne. In einem Dorfe gab es ein sehr wackres Mädchen, sie hütete die Schafe. Als sie davon hörte, verkleidete sie sich als Mann, ging zum Zaren und sagte zu ihm: "O Zar, ich kann den Stein schlachten." Überallhin ging das Gerücht, es habe sich ein Mensch gefunden, den Stein zu schlachten, und zahllose Leute sammelten sich, um zu sehen, wie der das machen wird.

Als der Tag kam, an dem das Mädchen den Stein schlachten sollte, zogen der Zar und alle Vornehmen aus der Stadt auf einen freien Platz, und dort vor aller Augen sollte das Mädchen ihn schlachten. Das Mädchen zog das Messer, um den Stein zu schlachten, wandte sich zum Zaren und sagte: "Zar, du willst doch, daß ich den Stein schlachten soll. So gib ihm vorher eine Seele (Leben), und wenn ich ihn dann nicht schlachte, nimm meinen Kopf."

Der Zar wunderte sich über diese Antwort und sagte: "Du bist der Klügste in meinem Reiche, und ich will dich zum vornehmsten Manne machen; wenn du mir aber noch das vollbringst, was ich dir sagen werde, so sollst du mir wie ein Sohn sein." Das Mädchen sprach: "Sage, Zar, was du sagen willst, und wenn es möglich ist, will ich mich bemühen, es zu vollbringen." Der Zar sagte ihr: "Von jetzt an in drei Tagen sollst du wieder vom Dorfe hierher kommen. Wenn du kommst, sollst du reiten und nicht reiten, sollst mir ein Geschenk bringen und nicht bringen; alle, groß und klein, wollen wir herauskommen und dich empfangen, und du sollst die Leute dahin bringen, daß sie dich empfangen und nicht empfangen."

Die Hirtin ging nun in ihr Dorf und gab den Bauern den Auftrag, drei vier Hasen und zwei Tauben lebendig zu fangen. Die Bauern taten das.

Am dritten Tag, als sie zu dem Zaren gehen sollte, steckte sie die Hasen je einen in einen Sack, gab sie den Bauern zu tragen und sagte: "Wenn ich euch sage, ihr sollt sie loslassen, dann laßt sie los." Sie selbst nahm die beiden Tauben, setzte sich rittlings auf eine Ziege und machte sich auf zu dem Zaren; einige Leute hatte sie vorausgeschickt, ihm anzuzeigen, daß sie komme.

Als der Zar das hörte, zog er aus der Stadt, sie zu empfangen mit allen Vornehmen und zahllosen Stadtleuten. Als nun das Mädchen nicht mehr weit von dem Zaren war, sah sie die Menge Menschen, die herausgekommen waren, sie zu empfangen, und als sie ihnen nahekam, befahl sie den Bauern, vor den Augen der Leute die Hasen loszulassen. Sobald die das sahen, rannten sie fort, die Hasen zu fangen.

Die Hirtin, die rittlings auf der Ziege saß, ging bald zu Fuß, die Ziege zwischen den Beinen, bald hob sie die Füße auf und ritt auf der Ziege.

Als sie zu dem Zaren hintrat, zog sie die beiden Tauben aus dem Busen und reichte sie ihm hin. In dem Augenblick, wo er die Hand ausstreckte, die Tauben zu nehmen, ließ sie sie aus der Hand, und die Tauben flogen weg.

Da sagte die Hirtin zu dem Zaren: "Du siehst, Zar, die Leute haben mich empfangen und nicht empfangen; ich bin geritten und nicht geritten; ich habe dir ein Geschenk gebracht und nicht gebracht." Da sagte ihr der Zar: "Von heute an sollst du mir wie ein Sohn sein." Sie aber flüsterte ihm ins Ohr: "Ich bin kein Bursche, ich bin ein Mädchen." Der Zar, der nicht verheiratet war, nahm sie zur Frau. Und so wurde die Hirtin durch ihre Klugheit Zarin.

Der geizige Zar und sein mitleidiger Sohn oder: Die gute Tat geht nie verloren

Es war einmal ein Zar, ein großer Geizhals, der hatte einen Sohn, und als dieser erwachsen war, gab er ihm eine Saumlast Gold und schickte ihn fort samt dem Wesir, um noch mehr zu erwerben; nach drei Jahren sollte er drei Lasten zurückbringen; wenn nicht, würde er ihm den Kopf abschlagen.

Sie gingen nun in ein anderes Reich, und als sie in eine Stadt kamen, sahen sie, wie man einen Menschen mit zusammengebundenen Füßen die Straßen entlangschleifte, und fragten: "Was hat dieser Mensch böses getan, daß man ihn so mißhandelt?" Die antworteten ihm, das sei bei ihnen Sitte; wenn einer gestorben sei, binde man ihm die Füße zusammen und schleife ihn vor die Stadt hinaus, jeder helfe ein wenig, als Seelenopfer für den Toten. Der Zarensohn, der sehr mitleidig war, kaufte ihn los, richtete eine Bahre her, führte ihn hinaus vor die Stadt, bereitete ein Grab, begrub ihn und veranstaltete einen Totenschmaus, ohne auf den Wesir zu hören. Der aber, da er sah, daß der Zarensohn das Geld verschwendete, verließ ihn und kehrte zurück; und wirklich gab der Junge mit seinen Wohltaten alles Geld aus.

Er kehrte nun in die Stadt zurück, und da er sich fürchtete, wieder nach Hause zu gehen, verdang er sich am Rande der Stadt bei einem alten Gastwirt, bei dem niemand mehr einkehrte. Der Junge brachte es aber mit seiner Bedienung dahin, daß alle wieder dort einkehrten, und in kurzer Zeit wurde der Alte reich. Einmal fragte ihn der Alte, was er für seine Arbeit haben wollte. Der Junge antwortete: "Etwas Geld, so viel, um in die Fremde zu gehen." – "Schön", sagte der Alte, wollte ihn aber nicht allein gehen lassen und suchte ihm einen Gefährten. Da begegnete ihm ein Neger, der sagte, er möge ihn nehmen. "Nein," erwiderte der Alte, "du wirst ihm nicht gefallen." – "Nimm mich nur," sagte der Neger, "und wenn er mich nicht mag, werde ich schon wieder gehen." So nahm der Alte ihn mit, und als der Junge ihn sah, gefiel er ihm.

Am nächsten Morgen machten sie sich auf die Reise. Als sie zu einem Brunnen kamen, sagte der Neger zu ihm: "Höre, Bruder, wir wollen jetzt in die Fremde gehen; laß uns hier einander schwören, daß keiner dem andern etwas verheimlichen wird, daß wir immer zusammen bleiben, Tag und Nacht, und wenn wir künftig mit Gottes Hilfe zurückkehren, daß wir bei diesem Brunnen alles, was wir erworben haben, aufs Haar gleichmäßig und brüderlich teilen." Das beschworen sie und zogen weiter.

Unterwegs kamen sie an eine Einöde, und die Leute, die ihnen begegneten, sagten ihnen, sie möchten nicht dahinein gehen, sie würden umkommen. Aber der Neger hörte auf niemand. Am Abend kehrten sie in einer verlassenen Herberge ein, der Junge legte sich in eine Stube und schlief ein, der Neger aber ging durch alle Stuben und fand eine Lamia mit drei Köpfen, die die Menschen fraß, die sich dort aufhielten, ihr Geld nahm und die ganze Stube damit anfüllte. Der Neger erschlug sie, verschloß das Zimmer mit dem Gelde und sagte dem Jungen nichts. Am Morgen zogen sie weiter und kamen in die Hauptstadt eines Zaren.

Dort war eine Tochter des Zaren, die war vielmal verheiratet gewesen, aber die Männer waren nicht am Leben geblieben, sie waren alle schon in der ersten Nacht gestorben. Der Neger ging nun zum Zaren und bewarb sich im Namen des Jungen um die Tochter. Der Zar sah sich den Jungen an und richtete sogleich die Hochzeit an. Viele Leute sagten ihm, er möge sie nicht nehmen, denn er werde in seinen jungen und blühenden Jahren sterben – der Junge war nämlich sehr schön –, aber der Neger sagte ihm, er möge unbesorgt sein, er sei ja bei ihm. In der ersten Nacht, als sich das junge Ehepaar schlafen legte, verlangte der Neger, in derselben Stube zu schlafen. Der junge Mann bat ihn, für sich zu schlafen, aber der Neger erinnerte ihn an den Schwur, und er schwieg.

Sie waren eben eingeschlafen, da machte die junge Frau den Mund auf und fing an zu schnarchen. Der Neger stand auf, zog seinen Säbel und stand über sie gebeugt still. Nach kurzer Zeit, sieh da, kam eine große Schlange aus dem Munde der Frau heraus und schickte sich gerade an, den Mann zu beißen, als der Neger ihr ein Stück abhieb, ungefähr eine Spanne lang, soweit sie herausgekommen war, samt dem Kopf. Das übrige Stück aber kroch wieder hinein. Als sie am Morgen aufgestanden waren, freute sich das ganze Schloß, daß der Schwiegersohn am Leben geblieben war.

Nach einiger Zeit rüsteten sie sich zur Abreise und nahmen von dem Zaren nichts als vierzig Maultiere und vierzig leere Säcke. Als sie zu der verlassenen Herberge kamen, belud der Neger die Maultiere mit dem Gelde der Lamia, und sie zogen nun mit der jungen Frau der Heimat zu. Eines Tages gelangten sie an jenen Brunnen. "Jetzt", sagte der Neger, "müssen wir teilen." Da teilten sie die Maultiere und alles andere zur Hälfte. "Jetzt also", sagte darauf der Neger, "wollen wir auch die Frau teilen. Faß du das eine Bein, ich nehme das andere, und wie du willst, teilen wir quer durch oder der Länge nach." "Bewahre Gott," antwortete der junge Mann, "laß ab, nimm du sie ganz, wir wollen sie doch nicht umbringen." – "Nein," sagte der Neger, "denk an den Schwur!" Es blieb nichts übrig, der Mann ergriff das eine Bein, und sowie der Neger das Messer zog, schrie die Frau auf, erbrach sich vor Schrecken und spie das übrige Stück der Schlange aus. "Da hast du sie jetzt," sprach der Neger, "das wollte ich gerade, daß auch dies Stück der Schlange herauskäme." Dann erzählte er ihm alles und auch, daß er der Mensch sei, den er ehrenvoll begraben hatte. Damit verschwand er.

Der junge Mann bekreuzigte sich und sprach: "Fürwahr, eine gute Tat geht niemals verloren." Dann stieg er zu Pferde und brachte seinem Vater vierzig Lasten Gold. Später wurde er Zar und in der ganzen Welt berühmt.

Der neidische Arzt

Es war einmal ein Zar, bei dem war ein Arzt; der konnte viel, war aber sehr neidisch und hielt nicht einmal einen Diener, damit niemand von ihm lernen könnte. Es gab aber einen klugen Burschen, der stellte sich stumm, ging in die Welt, sein Glück zu suchen, und kam auch zu dem Arzt. Als der sah, daß der Bursche stumm war, sagte er zu sich selbst: "Ah! das ist ein Diener für mich, und wenn er auch die Kunst lernt, kann er mir doch nicht gleichkommen, da er stumm ist." Und so behielt er ihn bei sich.

Der Bursche blieb sieben Jahre bei ihm, und niemand merkte, daß er sprechen konnte. Der Arzt hatte kein Geheimnis vor ihm, so daß er gelehrt wurde wie der Arzt und fast noch mehr.

Der Zar hatte eine Tochter, die schon eine Zeitlang an Kopfschmerzen litt. Da befahl der Zar dem Arzt, alles mögliche zu tun, um sie zu heilen. Der Arzt aber sagte dem Zaren: "Erhabener Zar! ihre Krankheit ist sehr schlimm; es bleibt nur die Hoffnung auf ein Mittel, das man noch versuchen kann; aber das ist schrecklich; sie kann auch daran sterben. Deswegen gib mir eine Schrift, daß du mir nichts Böses tun wirst, wenn – was Gott verhüte – deine Tochter stirbt; dann soll es versucht werden." Der Zar fragte nun seine Tochter, die aber sagte: "Mag ich sterben oder gesund werden, ich kann die Schmerzen nicht länger aushalten."

Der Zar gab dem Arzt die Erlaubnis; der schloß sich mit dem Zaren und der Tochter in ein Zimmer ein und nahm alles mit, was er brauchte, aber den Burschen ließ er nicht zusehen, daß der nicht auch das lerne; denn es war eine sehr seltene Krankheit. Der Bursche aber, der das größte Verlangen hatte, auch das zu lernen, konnte nicht davon abgehen zuzusehen. Er stieg ganz leise auf den Boden und machte dort ein Loch in die Decke, gerade so groß, daß er sehen konnte, was der Arzt machen wird. Der legte die Zarentochter auf einen Tisch, band sie ordentlich fest, daß sie sich nicht rühren konnte, betäubte sie dann, spaltete den Kopf mit einem Schnitt und öffnete ihn an der Stirn. Und was sieht er? Einen Käfer, der sich mit den Füßen im Gehirn festgeklammert hatte. Da nahm er die Zange, um ihn wegzureißen, aber sowie er ihn fassen wollte, ließ sich eine Stimme von der Decke hören: "Um Gottes willen, höre! Zieh den Käfer nicht mit der Zange heraus, sonst wird er das Gehirn zerreißen, und das Mädchen wird sterben. Sondern mach eine Nadel heiß und stich den Käfer von hinten mit der Nadel, dann wird er von selbst die Füße loslassen und abfallen, ohne das Gehirn zu verletzen." Der Arzt sah ein, daß es wirklich so besser sei, und tat, wie ihm die Stimme von der Decke anbefahl. Dann schloß er ganz sanft den Kopfspalt wieder zu und verband den Kopf mit den passenden Mitteln. Das Mädchen erwachte und fühlte, daß ihm besser war als vorher. Als sie nun wieder hübsch gesund war, rief der Zar den Arzt und sagte zu ihm: "Was willst du von mir dafür haben, daß du meine Tochter geheilt hast?" Der Arzt antwortete: "Ich verlange, daß du meinen Lehrling tötest."