Märchen aus Ägypten -  - ebook

Märchen aus Ägypten ebook

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Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie "Märchen der Welt". Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: "Märchen der Welt" bietet Ihnen stundenlange Abwechslung. Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches: König Cheops und die Zauberer. Der Schiffbrüchige. Die Abenteuer des Saneha. Das Märchen von den beiden Brüdern. Der verwunschene Prinz. Die besessene Prinzessin. Wie es Un-Amen auf seiner Reise erging. Die wunderbare Einnahme der Stadt Joppe. Prinz Setna und das Zauberbuch. König Rhampsinit und der Schatzdieb.

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Märchen aus Ägypten

Inhalt:

Geschichte des Märchens

Märchen aus Ägypten

König Cheops und die Zauberer.

Der Schiffbrüchige.

Die Abenteuer des Saneha.

Das Märchen von den beiden Brüdern.

Der verwunschene Prinz.

Die besessene Prinzessin.

Wie es Un-Amen auf seiner Reise erging.

Die wunderbare Einnahme der Stadt Joppe.

Prinz Setna und das Zauberbuch.

König Rhampsinit und der Schatzdieb.

Märchen aus Ägypten

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849603588

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Sweet Angel - Fotolia.com

Geschichte des Märchens

Ein Märchenist diejenige Art der erzählenden Dichtung, in der sich die Überlebnisse des mythologischen Denkens in einer der Bewußtseinsstufe des Kindes angepaßten Form erhalten haben. Wenn die primitiven Vorstellungen des Dämonenglaubens und des Naturmythus einer gereiftern Anschauung haben weichen müssen, kann sich doch das menschliche Gemüt noch nicht ganz von ihnen trennen; der alte Glaube ist erloschen, aber er übt doch noch eine starke ästhetische Gefühlswirkung aus. Sie wird ausgekostet von dem erwachsenen Erzähler, der sich mit Bewußtsein in das Dunkel phantastischer Vorstellungen zurückversetzt und sich, vielfach anknüpfend an altüberlieferte Mythen, an launenhafter Übertreibung des Wunderbaren ergötzt. So ist das Volksmärchen (und dieses ist das echte und eigentliche M.) das Produkt einer bestimmten Bewußtseinsstufe, das sich anlehnt an den Mythus und von Erwachsenen für das Kindergemüt mit übertreibender Betonung des Wunderbaren gepflegt und fortgebildet wird. Es ist dabei, wie in seinem Ursprung, so in seiner Weiterbildung durchaus ein Erzeugnis des Gesamtbewußtseins und ist nicht auf einzelne Schöpfer zurückzuführen: das M. gehört dem großen Kreis einer Volksgemeinschaft an, pflanzt sich von Mund zu Munde fort, wandert auch von Volk zu Volk und erfährt dabei mannigfache Veränderungen; aber es entspringt niemals der individuellen Erfindungskraft eines Einzelnen. Dies ist dagegen der Fall bei dem Kunstmärchen, das sich aber auch zumeist eben wegen dieses Ursprungs sowohl in den konkreten Zügen der Darstellung als auch durch allerlei abstrakte Nebengedanken nicht vorteilhaft von dem Volksmärchen unterscheidet. Das Wort M. stammt von dem altdeutschen maere, das zuerst die gewöhnlichste Benennung für erzählende Poesien überhaupt war, während der Begriff unsers Märchens im Mittelalter gewöhnlich mit dem Ausdruck spel bezeichnet wurde. Als die Heimat der M. kann man den Orient ansehen; Volkscharakter und Lebensweise der Völker im Osten bringen es mit sich, daß das M. bei ihnen noch heute besonders gepflegt wird. Irrtümlich hat man lange gemeint, ins Abendland sei das M. erst durch die Kreuzzüge gelangt; vielmehr treffen wir Spuren von ihm im Okzident in weit früherer Zeit. Das klassische Altertum besaß, was sich bei dem mythologischen Ursprung des Märchens von selbst versteht, Anklänge an das M. in Hülle und Fülle, aber noch nicht das M. selbst als Kunstgattung. Dagegen taucht in der Zeit des Neuplatonismus, der als ein Übergang des antiken Bewußtseins zur Romantik bezeichnet werden kann, eine Dichtung des Altertums auf, die technisch ein M. genannt werden kann, die reizvolle Episode von »Amor und Psyche« in Apulejus' »Goldenem Esel«. Gleicherweise hat sich auch an die deutsche Heldensage frühzeitig das M. angeschlossen. Gesammelt begegnen uns M. am frühesten in den »Tredeci piacevoli notti« des Straparola (Vened. 1550), im »Pentamerone« des Giambattista Basile (gest. um 1637 in Neapel), in den »Gesta Romanorum« (Mitte des 14. Jahrh.) etc. In Frankreich beginnen die eigentlichen Märchensammlungen erst zu Ende des 17. Jahrh.; Perrault eröffnete sie mit den als echte Volksmärchen zu betrachtenden »Contes de ma mère l'Oye«; 1704 folgte Gallands gute Übersetzung von »Tausendundeiner Nacht« (s. d.), jener berühmten, in der Mitte des 16. Jahrh. im Orient zusammengestellten Sammlung arabischer M. Besondern Märchenreichtum haben England, Schottland und Irland aufzuweisen, vorzüglich die dortigen Nachkommen der keltischen Urbewohner. Die M. der skandinavischen Reiche zeigen nahe Verwandtschaft mit den deutschen. Reiche Fülle von M. findet sich bei den Slawen. In Deutschland treten Sammlungen von M. seit der Mitte des 18. Jahrh. auf. Die »Volksmärchen« von Musäus (1782) und Benedikte Naubert sind allerdings nur novellistisch und romantisch verarbeitete Volkssagen. Die erste wahrhaft bedeutende, in Darstellung und Fassung vollkommen echte Sammlung deutscher M. sind die »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm (zuerst 1812–13, 2 Bde.; ein 3. Band, 1822, enthält literarische Nachweise bezüglich der M.). Unter den sonstigen deutschen Sammlungen steht der Grimmschen am nächsten die von L. Bechstein (zuerst 1845); außerdem sind als die bessern zu nennen: die von E. M. Arndt (1818), Löhr (1818), J. W. Wolf (1845 u. 1851), Zingerle (1852–54), E. Meier (1852), H. Pröhle (1853) u. a. Mit M. des Auslandes machten uns durch Übertragungen bekannt: die Brüder Grimm (Irland, 1826), Graf Mailath (Ungarn, 1825), Vogl (Slawonien, 1837), Schott (Walachei, 1845), Asbjörnson (Norwegen), Bade (Bretagne, 1847), Iken (Persien, 1847), Gaal (Ungarn, 1858), Schleicher (Litauen, 1857), Waldau (Böhmen, 1860), Hahn (Griechenland u. Albanien, 1863), Schneller (Welschtirol, 1867), Kreutzwald (Esthland, 1869), Wenzig (Westslawen, 1869), Knortz (Indianermärchen, 1870, 1879, 1887), Gonzenbach (Sizilien, 1870), Österley (Orient, 1873), Carmen Sylva (Rumänien, 1882), Leskien und Brugman (Litauen, 1882), Goldschmidt (Rußland, 1882), Veckenstedt (Litauen, 1883), Krauß (Südslawen, 1883–84), Brauns (Japan, 1884), Poestion (Island, 1884; Lappland, 1885), Schreck (Finnland, 1887), Chalatanz (Armenien, 1887), Jannsen (Esthen, 1888), Mitsotakis (Griechenland, 1889), Kallas (Esthen, 1900) u. a. Unter den Kunstpoeten haben sich im M. mit dem meisten Glück versucht: Goethe, L. Tieck, Chamisso, E. T. A. Hoffmann, Fouqué, Kl. Brentano, der Däne Andersen, R. Leander (Volkmann) u. a. Vgl. Maaß, Das deutsche M. (Hamb. 1887); Pauls »Grundriß der germanischen Philologie«, 2. Bd., 1. Abt. (2. Aufl., Straßb. 1901); Benfey, Kleinere Schriften zu Märchen-forschung (Berl. 1890); Reinh. Köhler, Aufsätze über M. und Volkslieder (das. 1894) und Kleine Schriften, Bd. 1: Zur Märchenforschung (hrsg. von Bolte, das. 1898); R. Petsch, Formelhafte Schlüsse im Volksmärchen (das. 1900).

Märchen aus Ägypten

König Cheops und die Zauberer.

Die folgende Erzählung findet sich in einem um 1700 v. Chr. niedergeschriebenen Papyrus, der von einem Fräulein Westcar dem Ägyptologen Lepsius geschenkt wurde und aus dessen Nachlaß an das Berliner Museum gelangte. Wie bei den meisten ägyptischen Papyris, so fehlt auch hier der Anfang, der sich in der Schriftrolle zu äußerst befand und daher beim Aufrollen am stärksten abgegriffen wurde. Außerdem bricht der Text am Schlüsse mitten in der Erzählung ab. Auf Grund ähnlicher Märchen ist es aber leicht möglich den Anfang dem Sinne nach zu ergänzen. Da weiter gegen den Schluß hin geschichtliche Persönlichkeiten eine Rolle spielen, so macht es der Verlauf der historischen Ereignisse nicht schwer, sich in großen Zügen auszumalen, wie die vorliegende Erzählung geendet haben wird. Der Herrscher, dem die einzelnen Zauberkunststücke berichtet werden und der dann selbst handelnd auftritt, ist der König Cheops, der durch die Berichte Herodots als der Erbauer der größten Pyramide von Gizeh bei Kairo allgemein bekannt geworden ist. Seine Regierungszeit muß um oder richtiger wohl vor das Jahr 3000 v. Chr. gesetzt werden. Seine beiden Vorgänger Teser und Nebka, von denen am Anfange die Rede ist, haben etwa hundert Jahre vor ihm, die gegen Ende genannten Fürsten etwa hundert Jahre nach ihm geherrscht.

Die einzelnen Kunststücke werden von Leuten ausgeführt, die als "Der mit der Schriftrolle" bezeichnet werden. Es ist das der übliche Titel derjenigen priesterlichen Beamten, die bei den Opfern und sonstigen religiösen Zeremonien mit der Schriftrolle in der Hand auftraten und aus dieser die nötigen Gebete und magischen Formeln vorlasen. Durch diesen Beruf wurden sie naturgemäß in die Beschwörungsliteratur überhaupt eingeführt, lernten die alten hierauf bezüglichen Werke kennen und waren daher die berufenen Männer, wenn es galt, Zauberkunststücke auszuführen, Geister zu rufen, die Götter zur Gewährung der Wünsche von Sterblichen zu zwingen. Der Kürze halber ist der Titel im folgenden mit Zauberer wiedergegeben worden. Wie alt die in der Handschrift aufgeführten Märchen sind, ist fraglich. Die Sprache zeigt manche Altertümlichkeiten, die es wahrscheinlich machen, daß die Entstehung der Erzählungen geraume Zeit vor die uns erhaltene Niederschrift zu setzen ist. Man verlegt sie nicht ohne Grund in die Zeit, in der die Geschichten vom Schiffbrüchigen und von Saneha, die wir gleichfalls in diese Sammlung aufgenommen haben, entstanden sind, also vor das Jahr 2000 v. Chr.

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In dem verlorenen Anfange wird etwa folgendes gestanden haben: Eines Tages empfand der König Cheops Langeweile und wußte nicht, wie er sich die Zeit vertreiben solle. Er ließ daher seine Räte und Verwandten kommen und frug, ob keiner von ihnen ihm eine Geschichte erzählen könne. Da trat einer seiner Söhne vor und berichtete von einem Zauberkunststücke, das einem Zauberer in der Zeit des Königs Teser gelungen war. Wie dieser Zauberer hieß und was er vollbrachte, wissen wir freilich nicht, aber mit dem Schluß dieser Episode beginnt der erhaltene Teil des Papyrus, dessen sonstige kleine Lücken sich auf Grund entsprechender Stellen im weitern Verlaufe des Textes jeweils mit Sicherheit ergänzen lassen:

Da sagte die Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Cheops, der die richtigen Worte zu sprechen weiß: "Man bringe dem Könige von Ober-und Unterägypten Teser, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, eine Opfergabe dar von tausend Broten, hundert Krügen Vier, einem Ochsen und zwei Maß Weihrauch. Ferner gebe man einen Kuchen, ein Maß Vier, ein großes Stück Fleisch und ein Maß Weihrauch dem Zauberer, der dieses Kunststück ausgeführt hat, denn ich habe einen Beweis seiner Kenntnisse erhalten." Man verfuhr so, wie es Seine Majestät angeordnet hatte.

Da erhob sich der Königsohn Chephren (der spätere König und Erbauer der zweitgrößten Pyramide von Gizeh) und sagte: "Ich werde deiner Majestät von einem Wunder berichten, das sich zurzeit deines Vorfahren, des Königs Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weih, zugetragen hat". Dieser König begab sich eines Tages zu dem Tempel des Gottes Ptah, des Herrn des Ortes "Das Leben beider Aegypten" (es war dies ein Stadtteil der damaligen Residenz Memphis). Nachdem Seine Majestät in den Tempel gegangen war, besuchte er mit seinem Gefolge auch das Haus des Schreibers und Zauberers erster Klasse Uba-aner. Die Frau des Uba-aner aber verliebte sich in einen Mann aus dem Gefolge des Königs und schickte eine Magd zu ihm mit einem Kasten voll von Kleidern und ließ ihm sagen, er soll zu ihr kommen. Und er kam mit der Magd.

Nun, viele Tage nach diesen Ereignissen, da sagte der Liebhaber (den der Text stets als Untertan bezeichnet) zu der Frau des Uba-aner, der ein Gartenhaus bei einem ihm gehörenden Teiche besaß: "Es befindet sich doch bei dem Teiche, der dem Uba-aner gehört, ein Gartenhaus. Dort wollen wir uns eine gute Stunde bereiten!" Da schickte die Frau des Uba-aner zu dem Verwalter, der über das Haus gesetzt war und ließ ihm sagen: "Laß doch das Gartenhaus in Stand setzen." Er folgte dem Befehle, und dann ging sie mit ihrem Liebhaber hin, und sie verbrachten dort den ganzen Tag und tranken zusammen. Als es aber Abend wurde, da ging der Liebhaber hinunter zu dem Teiche und badete dort und die Magd war bei ihm.

Der Hausverwalter aber sah alles. Als nun die Erde wieder hell wurde und der neue Tag erschien, da ging der Hausverwalter hin und meldete seinem Herrn alles, was sich zwischen der Frau und dem Liebhaber zugetragen hatte. Als Uba-aner dies hörte, da sagte er zu seinem Diener: "Bringe mir meinen Kasten aus Ebenholz, der mit Silbergold beschlagen ist und der mein Zaubergerät enthält!" Dann formte er ein Krokodil aus Wachs, das sieben Zoll lang war, sprach über dem Bildnis seine Zaubersprüche und befahl dem Krokodil: "Wenn der Liebhaber wie gewöhnlich kommt, um in meinem Teiche zu baden, dann verschlinge ihn." Dann gab er das Krokodil dem Hausverwalter und sagte zu diesem: "Wenn der Liebhaber in den Teich herabsteigt, wie das seine tägliche Gewohnheit ist, dann wirf das Krokodil hinter ihm her." Der Hausverwalter ging fort und nahm das Krokodil aus Wachs mit sich.

Da schickte die Frau des Uba-aner zu dem Hausverwalter, der die Aufsicht über den Teich hatte und ließ ihm sagen: "Wohlan! Lasse das Gartenhaus, das an dem See liegt, in Stand setzen, denn ich will kommen, um mich in ihm aufzuhalten". Da ward das Gartenhaus in Stand gesetzt, und sie kam und verbrachte mit ihrem Liebhaber einen vergnügten Tag. Als es Abend wurde, da ging der Liebhaber fort, wie das seine tägliche Gewohnheit war. Da warf der Hausverwalter das Wachskrokodil hinter ihm her in das Wasser. Da wurde dieses ein sieben Ellen langes wirkliches Krokodil und das ergriff den Liebhaber.

Inzwischen verweilte Uba-aner sieben Tage lang bei dem Könige. Während dieser ganzen Zeit war der Liebhaber in der Gewalt des Krokodiles und vermochte nicht zu atmen. Nach Ablauf der sieben Tage wollte aber der König von Ober- und Unterägypten Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, abreisen. Da trat der Zauberer erster Klasse Uba-aner vor ihn und sagte: "Deine Majestät möge kommen, um das Wunder zu sehen, das sich zurzeit deiner Majestät zugetragen hat." Der König ging mit Uba-aner und dieser sagte zu dem Krokodil: "Bringe mir den Liebhaber hierher!" Das Krokodil kam und brachte ihn herbei. Der Zauberer sprach seine Beschwörungen und da stand der Liebhaber da und war noch [lebendig].

Seine Majestät der König von Ober- und Unterägypten Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, sagte: "Entschuldige! Dieses Krokodil ist schrecklich." Da bückte sich Uba-aner und ergriff das Tier, da hatte er ein Wachskrokodil in der Hand. Dann erzählte der Zauberer erster Klasse Uba-aner dem Könige von Ober- und Unterägypten Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, alles, was dieser Liebhaber in seinem Hause mit seiner Frau getan hatte. Da sagte Seine Majestät zu dem Krokodil: "Nimm mit dir fort was dein ist." Da stieg das Krokodil hinab in die Tiefe des Teiches und man weiß nicht, wohin es mit dem Liebhaber gegangen ist. Dann ließ der König von Ober- und Unterägypten Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, die Frau des Uba-aner an einen Platz nördlich von dem Palaste bringen. Man verbrannte sie und warf die Asche in den Fluß.

"Siehe! Das ist das Wunder, welches zurzeit deines Vorfahren, des Königs von Ober- und Unterägypten Nebka geschah. Es wurde aber durch den Zauberer erster Klasse Uba-aner vollbracht."

Da sagte der König von Ober- und Unterägypten Cheops, der die richtigen Worte zu sprechen weiß: "Man möge dem Könige von Ober- und Unterägypten Nebka, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, ein Opfer darbringen von tausend Broten, hundert Krügen Bier, einem Ochsen und zwei Maß Weihrauch. Ferner gebe man einen Kuchen, einen Krug Bier, ein großes Stück Fleisch und ein Maß Weihrauch dem Zauberer erster Klasse Uba-aner, denn ich habe einen Beweis seines Wissens erhalten." Und es geschah alles, was Seine Majestät befohlen hatte.

Da stand der Prinz Ba-u-Râ auf und sagte: "Ich werde deine Majestät ein Wunder hören lassen, welches sich zurzeit deines Vaters, des Königs Snefru, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, zugetragen hat. Dasselbe gehört zu den Zauberkunststücken, die der Zauberer erster Klasse Tata-em-ânch vollbrachte."

Eines Tages wußte der König Snefru nicht, was er anfangen sollte und befragte die Angehörigen des Königshauses, damit sie ihm eine Zerstreuung verschafften, aber sie fanden keine. Da sagte er: "Bringet mir eiligst den Zauberer erster Klasse Tata-em-ânch hierher." Man führte ihn sogleich herbei, und Seine Majestät sagte zu ihm: "Ich habe alle Angehörigen des Königshauses befragt, damit sie mir eine Zerstreuung verschafften, aber ich fand keine." Da sagte Tata-em-ânch zu dem Könige: "Deine Majestät möge sich zu dem See begeben, der zu dem Palaste des Pharao, dem Leben, Heil und Gesundheit zuteil werden möge, gehört. Dort bemanne eine Barke mit allen schönen Mädchen deines Palastes. Dein Herz wird sich freuen, wenn du siehst, wie sie hin- und herrudern. Wenn du die schönen Sumpflandschaften deines Sees erblickst, und wenn du seine schönen Gefilde und Ufer betrachtest, dann wird dein Herz hierdurch erfreut werden. Ich aber werde die Fahrt leiten. Wohlan! Lasse mir zwanzig Ruder aus Ebenholz bringen, die mit Gold ausgelegt sind und deren Griffe aus feinem Holz bestehen und mit Silbergold ausgelegt sind. Dann lasse mir zwanzig Mädchen bringen mit schönen Gliedern, Brüsten und Locken, die noch keine Kinder geboren haben, und lasse mir zwanzig Netze bringen und gieb diese Netze den Frauen und sie sollen sie als ihre Kleider anziehen".

Man tat alles, was Seine Majestät (die demnach dem Rate des Zauberkünstlers gefolgt war) befahl. Die Mädchen ruderten hin und her und das Herz Seiner Majestät war froh, als er sie rudern sah. Da stieß sich eines der Mädchen mit dem Ruder an das Haar und ihr Schmuck in Fischgestalt, der aus neuem Malachit gefertigt war, fiel in das Wasser. Da schwieg sie (denn sie hatte vorher gesungen, was der Erzähler als eine bei ägyptischen Ruderern vollständig selbstverständliche Sache, nicht besonders zu erwähnen für notwendig gehalten hat) und ruderte nicht mehr. Da schwiegen alle, die auf ihrer Seite ruderten, und ruderten nicht mehr. Da sagte Seine Majestät: "Warum rudert ihr nicht?" Da sagten die Mädchen: "Unsere Genossin schweigt und rudert nicht." Da sagte Seine Majestät zu ihr: "Warum ruderst du nicht?" Sie sagte zu ihm: "Mein Schmuck in Fischgestalt, der aus neuem Malachit gefertigt ist, ist in das Wasser gefallen." Da sagte Seine Majestät: "Rudere nur weiter, ich werde dir zum Ersatz einen andern Schmuck schenken." Sie aber sagte: "Ich will meinen eigenen Schmuck wiederhaben."

Da sagte der König: "Holt mir den Zauberer erster Klasse Tata-em-ânch herbei." Man brachte denselben schleunigst zum Könige, und da sagte Seine Majestät: "O Tata-em-ânch, mein Bruder! Ich habe das getan, was du mir gesagt hast, und das Herz meiner Majestät war erfreut, als ich die Mädchen rudern sah. Da fiel aber der aus neuem Malachit bestehende Schmuck in Fischgestalt des einen jungen Mädchens in das Wasser, und da schwieg sie und ruderte nicht mehr und da hörte ihre ganze Reihe auf. Da sagte ich zu ihr: Warum ruderst du denn nicht? Da sagte sie zu mir: Mein aus neuem Malachit bestehender Schmuck in Fischgestalt ist in das Wasser gefallen. Da sagte ich zu ihr: Rudere doch, ich werde dir zum Ersatz einen anderen Schmuck geben. Sie aber sagte: Ich will meinen eigenen Schmuck wieder haben."

Da sprach der Zauberer erster Klasse Tata-em-ânch seine Formeln, und sagte Zaubersprüche her. Dann legte er die eine Seite des Sees auf die andere Seite, er fand den Schmuck auf einer Erhöhung liegen, er brachte ihn seiner Herrin zurück. Das Wasser war aber in der Mitte zwölf Ellen tief gewesen; jetzt, wo es aufeinander gelegt worden war, stand es vierundzwanzig Ellen hoch. Dann sprach er wieder und sagte seine Zaubersprüche her und brachte hierauf das Wasser des Sees wieder auf seinen früheren Stand. Der König verbrachte mit dem königlichen Haushalt, dem Leben, Heil und Gesundheit zuteil werden möge, einen vergnügten Tag. Dann belohnte er den Zauberer erster Klasse Tata-em-ânch mit allerhand schönen Dingen.

Wohlan! Das war ein Wunder, daß sich zurzeit deines Vaters, des Königs von Ober- und Unterägypten Snefru, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, zutrug, und es gehört zu den Taten des Zauberers erster Klasse, des Bücherschreibers Tata-em-ânch.

Da sagte die Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Cheops, der die richtigen Worte zu sprechen weiß: "Man möge eine Opfergabe von tausend Broten, hundert Krügen Bier, einem Ochsen und zwei Maß Weihrauch dem Könige von Ober- und Unterägypten Snefru, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, darbringen. Ferner gebe man einen Kuchen, ein Maß Bier und ein Maß Weihrauch dem Zauberer erster Klasse, dem Bücherschreiber Tata-em-ânch, denn ich habe einen Beweis seines Wissens er halten." Und es geschah alles, was Seine Majestät befohlen hatte.

Da stand der Königsohn Hor-dudu-f (den auch andere Texte als weisen Mann und Entdecker wichtiger religiöser Urkunden preisen) auf und sagte zu dem Könige: "Du hast jetzt Beispiele von dem Wissen von Leuten gehört, die bereits dahin gegangen sind und bei denen man nicht weiß, ob die Sache auch wahr ist. Ich kann aber Deiner Majestät einen Zauberer zeigen, der in deiner eigenen Zeit lebt und den deine Majestät noch nicht kennen gelernt hat." Da sagte Seine Majestät: "Wer ist denn das, o Hor-dudu-f?" Da sagte der Königssohn Hor-dudu-f: "Es lebt jetzt ein Untertan (ein Diener Deiner Majestät) mit Namen Deda, er wohnt in dem Orte Ded-Snefru, er ist ein Untertan, dessen Alter hundertundzehn Jahre beträgt, er verzehrt bis zum heutigen Tage regelmäßig fünfhundert Stücke Brot, ferner das Fleisch einer Rindskeule, dazu trinkt er dann hundert Krüge Bier. Er weiß, wie man abgeschnittene Köpfe wieder an ihre Stelle setzt, er kann es dahin bringen, daß der Löwe ihm folgt, auch wenn die Leine, an die das Tier angebunden war, auf die Erde gefallen ist. Er kennt die Zahl der Bücherkisten im Heiligtume des Gottes (der Weisheit und besonders der Zauberformeln, die im Diesseits und im Jenseits nützen können) Thoth."

Nun hatte die Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Cheops, der die richtigen Worte zu sprechen weiß, schon lange Zeit damit verbracht, daß er die Bücherkisten des Heiligtums des Gottes Thoth suchte, da er eine Abschrift ihres Inhaltes für seine Grabpyramide herstellen zu lassen gedachte. Es sagte daher Seine Majestät: "In eigener Person, o Hor-dudu-f, mein Sohn, bringe mir den Mann hierher." Da rüstete man Fahrzeuge für den Königsohn Hor-dudu-f aus, und er fuhr nilaufwärts nach dem Orte Ded-Snefru.

Nachdem man hier die Schiffe am Ufer fest angelegt hatte, begab er sich landeinwärts. Dabei saß er in einem Tragstuhl von Ebenholz, dessen Tragbalken aus Johannisbrotbaumholz bestanden, das Holz aber hatte man mit Gold beschlagen. Als er nun zu Deda gekommen war, ließ er die Sänfte hinstellen und ging hin, um den Mann zu begrüßen. Er fand ihn am Eingange seines Hauses auf einem niederen Bette liegend, ein Diener stand an dessen Kopfende und kratzte ihn, ein zweiter rieb ihm die Füße.