Lehrer unter Druck -  - ebook

Lehrer unter Druck ebook

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Opis

Das Buch "Lehrer unter Druck" beschreibt differenziert und praxisnah die Situation eines ganzen Berufsstandes: der Lehrer. In einer reformbedürftigen Umgebung setzen sie den Bildungsauftrag von Schule tagtäglich um. Die Erwartungen, was sie dabei zu leisten haben, sind ebenso vielfältig wie hoch. Im Fokus von Medien, Öffentlichkeit und Politik sollen Lehrer ihre Schüler für eine multikulturelle, globale und mobile Gesellschaft befähigen. Mitten im System Schule sind sie dabei die am leichtesten fassbaren Adressaten für Kritik von außen. Druck auf die Schule bedeutet deshalb immer auch Druck auf die Lehrer. In der vorliegenden Publikation berichten Lehrer und Schulleiter von ihren Erfahrungen innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers. Bildungsexperten aus dem In- und Ausland zeigen mögliche Lösungsansätze für schulische Entwicklung in einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft. Schüler-, Eltern- und Gewerkschaftsvertreter formulieren ihre Sicht auf den gesamten Bildungssektor, in dem Unterrichtsmethoden ebenso wie Lehreraus- und -fortbildung schon lange nicht mehr den veränderten Anforderungen genügen.

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB)
© 2010 E-Book-Ausgabe
2. Auflage 2007© 2007 Verlag Bertelsmann Stiftung, GüterslohAlle Rechte vorbehaltenVerantwortlich: Christiane ReuschRedaktion: Dr. Thomas Orthmann, Agentur Annuntio, HamburgHerstellung: Sabine ReimannUmschlagabbildung: © Bertelsmann Stiftung/Veit Mette, BielefeldUmschlaggestaltung: Nadine HumannGesamtherstellung: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-196-0
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Lehrer unter Druck
Vom Versagen zum Erfolg: Die Rolle der Schulinspektionen bei der Verbesserung ...
Überblick
Einleitung
Was wird geprüft?
Evaluation der allgemeinen Leistungsfähigkeit - die Kriterien
Schulen, die Anlass zur Sorge geben
Merkmale schlechter Schulen
Was hilft schlechten Schulen, sich zu verbessern?
Die Auswirkungen der Inspektion
Das Medieninteresse
Problemschulen: Wie viele davon gibt es?
Die Schlussfolgerungen für Deutschland
Aktuelle Methoden der individuellen Leistungsfeststellung bei Lehrern
Überblick
Einführung
Lehrerleistung und Lehrerkompetenzen
Entwicklung von Kompetenzlisten für Lehrer
Kompetenzlisten in den Vereinigten Staaten
Wie können Schulleiter sich über die Leistung einzelner Lehrer informieren?
Wie kann die Schulleitung vorhandene Informationen über Lehrerleistungen in ...
Literatur
Anmerkung
Von der Last und der Lust, ein Lehrer zu sein
Schwierige Schüler, große Klassen
Einzelkämpfer statt Team
Ausgebrannt und resigniert
Lehrer und Gesellschaft - ein schwieriges Verhältnis
Schlechtes Image?
Entschuldigung, ich bin Lehrer
Souveränität und Begeisterung fürs Fach
Anmerkung
Schulleiter als Dienstvorgesetzte von Lehrern
Überblick
Hilflose Schulleiter?
Gleichheitsmythos und Führungsloch - zur Sozialpsychologie von Lehrerkollegien
Trend zu Dienstvorgesetzten-Regelungen
Direkte und indirekte Führung
Lehrerführung als Teamleistung
Umgang mit Defiziten
Reformen sollten früh ansetzen
Literatur
»Es reicht heute nicht mehr aus, nur intelligent organisiertes Wissen zu vermitteln«
Lehrerbildung im Wandel Überlegungen zu Studienstruktur, Organisation und Eignungsfeststellung
Überblick
Einleitung
Die Lehrerbildung aus Sicht der Hochschulen
Studienstruktur im Wandel - Orientierung am Ergebnis tut not
Die Lehrerbildung muss in den Universitäten organisiert werden
Selbsterkenntnis als Weg zum Lehramt
Das Ziel: Lehrer als Lernexperten und Vorlerner
Literatur
Schlechte Lehrer, schwierige Schüler - Woran die Schule wirklich leidet
Qualitätssicherung und die Motivation der Lehrkräfte
Überblick
Einleitung
Eine pragmatische Theorie der Schulentwicklung
Der Aufbau beruflicher Kompetenzen von Lehrkräften
Motivation und Schulentwicklung
Schluss
Literatur
Anmerkungen
Rechtliche Reaktionen auf ineffizientes Lehrerverhalten
Überblick
Vorbemerkungen
Ineffizientes Lehrverhalten von Lehrern im Beamtenverhältnis
Lehrer im privatrechtlichen Beschäftigungsverhältnis
Die Bedeutung von Probezeiten
Literatur
Anmerkungen
»Lehren und Erziehen sind untrennbar miteinander verbunden«
»Ein guter Lehrer muss sich pädagogisch überflüssig machen«
»In ihren Erziehungsvorstellungen ist die Gesellschaft nach wie vor gespalten«
Die Autoren
Lehrer unter Druck
Die deutsche Schule ist reformbedürftig. Das ist nicht nur ein hinlänglich bekanntes Ergebnis aus internationalen Vergleichsstudien wie PISA. Die Notwendigkeit, Schule zu verändern und Schule zu verbessern, zeigt sich jeden Tag - im Unterricht, im Lehrerzimmer und nicht zuletzt in den Statistiken der Schulabbrecher sowie der nicht vermittelbaren Bewerber für Ausbildungsstellen.
Dort, wo Schüler heute für eine multikulturelle, globale und mobile Gesellschaft befähigt werden sollen, reicht es oftmals nicht mal mehr für die Vermittlung grundlegendster Kenntnisse und Kompetenzen. Klassen und Schulen mit hohem Migrationsanteil bilden dabei nur einen Faktor, der erfolgreichen Unterricht erschwert und bisweilen vollständig verhindert. Zahlreiche Schüler verfügen über einen persönlichen und familiären Erfahrungshintergrund, der den Schulalltag zum Teil stark belastet. Immer mehr Eltern überschreiben schließlich - zumeist aufgrund eigenen Unvermögens - ihren Erziehungsauftrag gleich ganz der Institution Schule.
Die Erwartungen, was Schule alles leisten soll, sind entsprechend hoch und vielfältig. Und der Druck von außen nimmt zu. Medien zeigen Schule - bevorzugt in Sachen Missstände -, wie sie ist, und deutlich seltener, wie sie idealerweise sein soll. Die Öffentlichkeit verlangt nach Reformen und die Politik versucht zu reagieren, wobei die Diskussionen sich schnell in unproduktiven Debatten über Strukturänderungen festfahren.
Doch ist es an dieser Stelle zu kurz gegriffen, allein in einer Reform des Schulsystems die Lösung aller Probleme zu sehen. Denn mittendrin im »System Schule« oder der »Schule als Ganzem« stehen die Lehrer. Sie sind die »vor Ort« handelnden Personen, die den Bildungsauftrag der Schule jeden Tag umsetzen. Sie sind die am leichtesten fassbaren Adressaten für Kritik von außen. Druck auf die Schule bedeutet deshalb in der Regel auch Druck auf die Lehrer.
Grund genug, sich eingehender mit dem Beruf des Lehrers im Kontext aktueller und zukünftiger Gesellschaftsbedingungen zu beschäftigen.
Ebenso wenig wie sich die Verhältnisse an einer Schule einfach auf eine andere Schule übertragen lassen, lässt sich die Unterrichtssituation eines Lehrers mit der eines anderen Lehrers vergleichen. Zu unterschiedlich sind die fachlichen Voraussetzungen, individuellen Kompetenzen und persönlichen Einstellungen. Zu unterschiedlich ist die jeweilige Situation in der einzelnen Klasse. Es bedarf deshalb einer differenzierten Betrachtung, um zunächst einmal festzustellen, ob wir in der Schule auch immer die richtigen Personen an der richtigen Stelle haben.
Überlegungen dazu müssen bereits bei der Ausbildung zum Lehrerberuf beginnen. Wie können wir zum Beispiel sicherstellen, dass nur die jungen Menschen sich im Studium und in der Praxis erfolgreich qualifizieren, die auch am besten dafür geeignet sind? Eine rein auf das Lehrfach bezogene, inhaltliche Kompetenz reicht hier bei Weitem nicht mehr aus. Doch wie soll - am besten schon vor Studienbeginn - eine sinnvolle Auswahl von Interessenten und späteren Lehramtsanwärtern erfolgen? Auf welche Weise kann ihnen eine praxisnahe und praxisgerechte Ausbildung ermöglicht werden?
Diese Fragen setzen sich im Schulalltag sowohl für Lehrer als auch für Schulleiter fort. Sie müssen sich an dem Ort, an dem sie unseren Kindern Wissen, Kompetenzen und Werte als Grundlage für alle nachfolgenden Generationen vermitteln, auch auf sich verändernde Gesellschaftsstrukturen und Anforderungen einstellen können.
Welche Möglichkeiten der Fortbildung und des Kompetenzerwerbs werden den Lehrern dafür geboten? Wie lassen sich berufliche Motivation und persönliches Engagement dauerhaft hochhalten oder im Zweifel wieder aufbauen? Welche Unterstützung erfahren Lehrer, die ihre bisher noch nicht genutzten Potenziale ausbauen wollen; und wie geht Schule schließlich mit Lehrern um, die entweder bestimmte Leistungen verweigern oder gar nicht mehr in der Lage sind, notwendige Leistungen zu erbringen?
All dies sind nur wenige Facetten aus einem komplexen Berufsumfeld, welches vor allen Dingen eines immer zu berücksichtigen hat: die darin handelnden Personen. Schulen sind keine uniformen Produktionsstätten, die am Ende normgerechte Werkstücke bereitstellen. Schulen sind vielmehr geprägt durch die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der an ihr beteiligten Menschen - ob Schulleiter, Lehrer, Schüler oder Eltern. Das aber ist zugleich auch die größte Herausforderung der Institution Schule, und es ist der Umstand, aus dem für die Lehrer der meiste Druck resultiert.
Die vorliegende Publikation bringt die Vielfalt der an Schule Beteiligten und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Lehrer bereits durch die Auswahl der verschiedenen Autoren zum Ausdruck. Sie beleuchtet die aktuelle Situation der Lehrer und des Umfelds Schule aus sehr unterschiedlichen Perspektiven - sei es aus Sicht von Schulleitern, Schulinspektoren, Gewerkschaftsvertretern, Bildungsexperten, Schülern oder auch der Lehrer selbst.
Aus seiner langjährigen Berufspraxis als Schulinspektor in Großbritannien berichtet zum Beispiel Timothy Key. Er erläutert nicht nur das dortige Inspektionssystem, welches im europäischen Vergleich bereits eine lange Tradition hat, sondern stellt auch dar, welche Rolle der Schulinspektion bei der Verbesserung von Schule grundsätzlich zukommt. Sein Beitrag beschreibt die Kriterien, nach denen englische Schulen bewertet werden, nennt kennzeichnende Merkmale »schlechter« Schulen und arbeitet heraus, was Schulen bei ihrer Verbesserung und Weiterentwicklung helfen kann.
Key zeigt auch eine Besonderheit im unmittelbaren Umfeld britischer Schulen und Schulinspektionen auf. So stehen diese mit ihren Ergebnissen und Leistungserfolgen im direkten Fokus der Medien. Sowohl regionale als auch überregionale Medien beobachten fortlaufend den Leistungsstand einzelner Schulen, was eine englische Kultur der Transparenz widerspiegelt. In seinen Schlussfolgerungen fasst Timothy Key schließlich zusammen, inwieweit Deutschland vom englischen Inspektionsmodell lernen kann.
Internationale Vergleiche zwischen Deutschland und anderen Ländern zieht auch der niederländische Bildungsexperte Johan C. van Bruggen. Er befasst sich in seinem Beitrag mit einem sensiblen Thema, das für Lehrer eng mit dem Gefühl des Drucks von außen verbunden ist: van Bruggen diskutiert aktuelle Methoden der individuellen Leistungsfeststellung bei Lehrern.
Leistungskontrolle im schulischen Bereich ist ein Instrument, das zunächst die Schüler betrifft. Viele Lehrer fühlen sich interessanterweise schon unter Druck gesetzt, wenn ihre eigenen Leistungen regelmäßig erfasst und bewertet werden sollen - was in einem Lernumfeld eigentlich ein Paradoxon darstellt. Autor van Bruggen illustriert anhand eines Beispiels aus den Niederlanden, dass diese Form der Beurteilung aber durchaus im Interesse und von Vorteil für jede einzelne Lehrkraft ist. So bietet sie den Lehrern wichtige Orientierung im Hinblick auf ihre eigenen Stärken und Schwächen sowie die damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten bzw. -anforderungen. Darüber hinaus liefert eine regelmäßige Leistungsbestimmung die notwendige Grundlage zur Ermittlung des Status quo schulischer Arbeit sowie zur Formulierung von Qualitätsstandards, Kompetenzanforderungen und Entwicklungszielen.
Ein besonderes Augenmerk van Bruggens liegt auf den grundlegenden Kompetenzen, die für die Lehrerausbildung und den Lehrerberuf definiert und gefordert werden. So stellt der Bildungsexperte verschiedene Kompetenzlisten aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien sowie den Niederlanden vor und zeigt neben zahlreichen Parallelen auch interessante Besonderheiten auf, welche die Kompetenzanforderungen einzelner Länder auszeichnen.
Besonders für Schulleiter bedeuten die abschließenden Ausführungen van Bruggens einen zentralen Beitrag innerhalb der gesamten Publikation. Hier erläutert der Autor detailliert die verschiedenen Möglichkeiten, die ein Schulleiter zur individuellen Leistungsermittlung bei Lehrern zur Verfügung hat und welche Vor- und Nachteile mit diesen im Einzelnen verbunden sind.
Was aus der Lust am Lehrerberuf eine Last werden lässt, beleuchtet Katja Irle, Redakteurin der »Frankfurter Rundschau«. Sie lässt in ihrem Bericht verschiedene Lehrer zum Alltag und zu den gesellschaftlichen Bedingungen von Schule Stellung nehmen und führt auf, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Berufsund Stresssituation bei Lehrkräften existieren.
Der Pauschalkritik und den Vorurteilen gegenüber Pädagogen versucht die Journalistin mit einem differenzierten Bild des Lehrerberufes entgegenzutreten. Dabei bleiben Probleme auf Lehrerseite bzw. mit einzelnen Lehrern aber nicht ungenannt, wie beispielsweise fehlende Kommunikationsbereitschaft oder mangelnde Teamfähigkeit bis hin zu gezieltem Mobbing im Lehrerzimmer.
Problemen mit Lehrern widmet sich auch Bildungsforscher Hans-Günter Rolff in seinem Kapitel über Schulleiter und ihrer Rolle als Dienstvorgesetzte von Lehrern. Neben einer einführenden Betrachtung ihrer Position in der Schule - und speziell im Lehrerkollegium - diskutiert Rolff die unterschiedlichen Kompetenzen, Pflichten und Befugnisse von Schulleitern. Er setzt diese in Beziehung zum weit verbreiteten beruflichen Selbstverständnis der Lehrer, wonach Lehrerkollegien weitestgehend hierarchiefrei und Lehrer sowie Schulleiter grundsätzlich gleichgestellt sind. Rolff macht deutlich, inwieweit aus diesem falschen »Kollegialitätsprinzip« sowie auch dem tabuisierten Umgang mit Unterschieden zwischen einzelnen Lehrern Führungsdefizite und verpasste Chancen zur Verbesserung von Schule resultieren.
Der Beitrag zeigt jedoch nicht nur bestehende Defizite und Problembereiche auf, sondern bietet auch Lösungsansätze, insbesondere im Hinblick auf mögliche Führungsformen von Schulleitern oder den konsequenten Umgang mit Defiziten bei Lehrern.
Der Alltag in der Schule wird am besten von Akteuren aus der Schule kommentiert. Karl-Heinz Heinemann, Fachjournalist für Bildungsthemen, hat sich deshalb mit Schulleiterin Claudia Langer vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde getroffen und sie interviewt. Seine Fragen berühren zahlreiche Themen aus der Praxis, die im vorliegenden Buch aus verschiedenen Perspektiven auch von den anderen Autoren angesprochen werden.
Dazu zählen ebenso die veränderten Bedingungen von Schule und schulischer Arbeit über die letzten Jahre wie auch der Umgang mit engagierten oder demotivierten und desinteressierten Kollegen. Heinemann fragt nach, wie eine Schulleiterin von heute sich das Schulsystem von morgen vorstellt und welche grundsätzliche Haltung sie zu Themen wie »Personalführung«, »Leistungskontrolle«, »Arbeitszeitmodelle« oder aber »Qualitätsentwicklung« in der Schule hat.
Wer beim Thema »Schulentwicklung« auf die Qualität der Lehrer setzt und defizitäre Leistungen in der Schule eingrenzen will, der muss auch dafür sorgen, dass im Lehramtsbereich die richtigen Studierenden nachrücken. In direkter Folge müssen diese dann eine gute Ausbildung erhalten.
Die Sozialwissenschaftler Florian Buch und Detlef Müller-Böling untersuchen und erörtern in ihrem Beitrag den aktuellen Stand und die Entwicklungen im Bereich der Lehrerbildung. Sie befassen sich dabei ebenso mit der Studienstruktur wie auch mit der Organisation von Lehrerfortbildung. Dazu gehören neben der Definition von Ausbildungsstandards auch die Zuordnung von Kompetenzen sowie die Einbindung von Fort- und Weiterbildung in den Berufsalltag von Lehrern. Buch und Müller-Böling beschließen ihr Kapitel mit der Diskussion um individuelle Eignungsfeststellungen im Rahmen von Lehramtsstudium und Lehrerberuf.
Weitere schulische Erfahrungen aus erster Hand greift »Zeit«-Redakteur Jan-Martin Wiarda auf. In seinem Beitrag zum Alltag im Klassenzimmer kommen vor allem Eltern- und Schülervertreter zu Wort und berichten von manch befremdendem Ansatz pädagogischer Alltagsarbeit, wie er hinter einigen verschlossenen Klassentüren praktiziert wird. Wiarda knüpft an diesen Beispielen an und fragt auch hier, ob wir in der Schule mit den vorhandenen Lehrern überhaupt die richtigen Personen haben? Ist eine Generalschelte für den Berufsstand der Lehrer wirklich gerechtfertigt oder sind es einzelne unbegabte und unmotivierte Pädagogen, die das Gesamtbild prägen?
Der Bericht illustriert dabei sowohl die Hilf- und Machtlosigkeit auf Seiten der Eltern und Schüler als auch die Erkenntnis, dass viele Lehrer häufig mit einem ähnlichen Gefühl der Ohnmacht ihren Job ausüben. Auch Lehrer sind direkt von Inkompetenz und Leistungsdefiziten im Kollegenkreis betroffen, und Wiarda macht deutlich, wie mühsam es für alle Akteure in der Schule ist, gegen das daraus resultierende Bild des unfähigen Pädagogen anzugehen.
Der tägliche Druck auf Lehrer - egal ob tatsächlich vorhanden oder nur persönlich empfunden - hat Folgen. Selbst Lehrer, die engagiert ins Berufsleben starten, können unter den Bedingungen des zuweilen grauen Schulalltags langfristig ihre Motivation verlieren. Die Zahl der Lehrer mit physischen und psychischen Problemen ist hoch. Immer weniger Lehrkräfte erreichen das reguläre Pensionsalter. Wie lassen sich Motivation und Leistungsbereitschaft von Lehrern auch noch nach Jahrzehnten im Beruf aufrechterhalten oder zumindest wieder zurückgewinnen? Dieser Frage geht der Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers nach.
Wenn alle Bemühungen um einen guten Start ins Berufsleben langfristig scheitern, Weiterbildungsmaßnahmen nicht greifen und Inspektionen, Leistungsbeurteilungen oder Evaluationen nicht helfen, muss es in letzter Konsequenz Lösungen für den Fall geben, dass Lehrer entweder nicht willens oder aber nicht fähig sind, gute Leistungen zu erbringen. In welcher Form kann individuellem Lehrerversagen jedoch angemessen und mit Aussicht auf Erfolg begegnet werden? Welche rechtlichen Reaktionen auf Lehrerversagen sind möglich und im Einzelfall notwendig?
Auf diese und weitere Fragen rund um die Leistungserbringung sowie Pflichterfüllung von Lehrkräften geht Rechtsexperte Helmut Schnellenbach in seinem Beitrag ein. Dabei erläutert er ebenso innerschulische Instrumente zur Begegnung defizitären Verhaltens wie auch arbeitsrechtliche Folgen, die mit Leistungsverweigerung oder beständig unzureichender Leistung verbunden sind.
In drei Einzelinterviews der Journalistin Sybille Wilhelm schildern schließlich Verbands- und Gewerkschaftsvertreter ihre Sicht von der beruflichen Situation der Lehrer. Wie wirkt sich ihrer Meinung nach der gesellschaftliche Wandel auf die allgemeine Berufssituation in der Schule aus? Was für Folgen hat dieser für die Lehrer und welche Unterstützung von außen erfahren sie innerhalb einer sich auch verändernden Schule? Wie sehen die Gewerkschaften die Lehrerausbildung in der Zukunft? Welchen Beitrag leisten die Gewerkschaften zur Veränderung der Lehrerprofessionalität? Welche Unterstützungs- und Anreizsysteme müssen geschaffen werden? Zu Wort kommen dabei Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), sowie Heinz-Peter Meidinger als Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes.
Lehrer stehen seit jeher »an der Front« der Institution Schule und müssen sich an den Leistungserfolgen ihrer Schüler messen lassen. Die damit verbundene Verantwortung der Lehrer ist nicht neu, ebenso wenig wie die mit dem Lehrerberuf verknüpften grundsätzlichen Anforderungen. Das Buch räumt in diesem Zusammenhang entschieden mit dem Vorurteil auf, dass jedes neue Instrument zur Schul- und Lehrerentwicklung bzw. jede neue, den Umständen notwendigerweise angepasste Anforderung an den Lehrerberuf gleich auch eine ungerechtfertigte Belastung und somit Druck darstellt. Die Bildungsexperten differenzieren deutlich, welche Veränderungen dringend notwendig sind und inwieweit diese sogar eine Chance für die Lehrer sowie Schule als Ganzes bedeuten.
Ein Bildungssystem, das auch in Zukunft den gesellschaftlichen Anforderungen genügen will, muss schließlich die gleiche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zeigen, die es von seinen Akteuren (Schülern, Lehrern usw.) erwartet. Das gilt insbesondere für die Bereiche Lehrerausbildung und -fortbildung. Denn nur hier können gesellschaftliche Veränderungen und Anforderungen aufgenommen, bildungsrelevant adaptiert und nachfolgend auch in den Berufsalltag von Lehrern integriert werden.
Durch Positivbeispiele aus anderen Ländern illustriert das Buch, welche dauerhaften Erfolge durch unterschiedliche Methoden und Instrumente zur Qualitätsverbesserung und Schulentwicklung erzielt werden können. Somit bietet es eine Motivation für alle an Schule Beteiligten, die ihr Engagement oder auch ihre anfängliche Begeisterung erhalten haben. Den anderen, die ihre innere Kündigung bereits ausgesprochen haben bzw. die nur noch ihre Zeit bis zur Frühpensionierung absitzen, führt es vor Augen, dass für sie in einer Schule von heute - und erst recht in einer Schule von morgen - kein Platz mehr sein kann.
Lehrer müssen also ihre Scheu oder Distanz gegenüber neuen bzw. bisher noch nicht angewendeten Anforderungen und Methoden ablegen. So sind zum Beispiel Leistungskontrollen und Evaluation als Instrumente individueller und systemischer Qualitätsentwicklung auch Bestandteile zahlloser weiterer Berufe, und auch dort erstrecken sie sich über alle Hierarchieebenen.
Last but not least: Defizite im System bzw. in der Institution Schule können von Lehrern allein weder aufgefangen noch kompensiert werden. Dieser Punkt wird häufig übersehen, wenn Eltern oder Medienvertreter individuelles oder kollektives Schülerversagen bei den vermeintlich »zuständigen« Lehrern reklamieren. Umgekehrt stehen einzelne Lehrer oder einzelne Schulen nicht für das ganze Bildungssystem. Hier ist gerade bei der Suche nach Verantwortlichkeit oder Zuständigkeit eine differenziertere Betrachtung notwendig. Erst eine ganzheitliche Sicht in der Bildungspolitik auf regionale Bildungslandschaften mit ihren vielen Akteuren und Schnittstellen zur Jugendhilfe und Sozialhilfe kann zu einem produktiven Umgang mit der Differenzierung und Vielfalt vor Ort führen.
Dr. Johannes MeierMitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung
Gütersloh, im Januar 2007
Vom Versagen zum Erfolg: Die Rolle der Schulinspektionen bei der Verbesserung von Schulen
Timothy Key

Überblick

Einer der wesentlichen Erfolge der englischen Behörde für Bildungsstandards (Ofsted - Office for Standards in Education) innerhalb der letzten zehn Jahre war die Identifizierung und Verbesserung von Problemschulen (»Failing Schools«) im eigenen Land. Dieser Beitrag, geschrieben von einem Schulinspektor, beschreibt die Kriterien, nach denen englische Schulen bewertet werden, nennt die kennzeichnenden Merkmale »schlechter« Schulen und arbeitet heraus, was diesen Schulen bei ihrer Verbesserung und Fortentwicklung helfen kann.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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