Wiener Herzblut - Ulrike Ladnar - ebook

Wiener Herzblut ebook

Ulrike Ladnar

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Opis

Wien am Vorabend des 1. Weltkrieges. Der rätselhafte Tod einer jungen Studentin der Philosophie beschäftigt die Wiener Polizei. Sophia von Wiesinger, Jurastudentin und Tochter des leitenden Ermittlungsbeamten, versucht, das rätselhafte Ableben ihrer Freundin auf eigene Faust aufzuklären. Bei ihrer Suche nach Hinweisen im gemeinsamen Freundeskreis stößt sie auf geheimnisvolle Zusammenhänge. War es Selbstmord? Als eine weitere Leiche eines schönen jungen Mädchens gefunden wird, kommt ein schrecklicher Verdacht auf: Treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen?

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Ulrike Ladnar

Wiener Herzblut

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Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung: Christoph Neubert

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung des Bildes »Porträt einer Dame« von Gustav Klimt;

1

Ein Sinn

Wird nur von dem gefunden, der ihn sucht.

Es fließen ineinander Traum und Wachen,

Wahrheit und Lüge. Sicherheit ist nirgends.

Wir wissen nichts von andern, nichts von uns;

Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug.

(Arthur Schnitzler, Paracelsus)

Wie das Geschickdoch manchmal von Zufällen abhängt, von Kleinigkeiten, deren Existenz einem nicht einmal bewusst ist. Natürlich sind unsere Eltern sich gesellschaftlich gelegentlich begegnet und hätten auch wir uns ohne dieses eine unbedeutende Detail, das mein Leben so entscheidend bestimmt hat, kennengelernt und hie und da gesehen. Schließlich war Ferdinands Vater einer der bekanntesten Maler der Jahrhundertwende und mein Vater einer der einflussreichsten und ranghöchsten Beamten in der Justizverwaltung des Reiches, der sich längst nur noch selten persönlich eines Kriminalfalls annahm; Nachbarn waren unsere Väter überdies. Aber deswegen wäre Ferdinand mir nie zum Schicksal geworden. Das lag allein an dem zufällig einmal, vielleicht durch die Nachlässigkeit eines Gärtners, entstandenen kleinen Loch an einer Stelle zwischen den niedrigen Stämmen der mächtigen Buchsbaumhecke, die unsere Grundstücke trennte und durch das wir uns vom frühesten Kindesalter an wahrnahmen, sahen, liebten. Als kleine Kinder konnten wir mühelos durchkriechen und in einer Ecke seines oder unseres riesigen parkähnlichen Gartens unbemerkt spielen, bis jemand nach uns rief und wir uns trennen mussten. Warum wir schon als Kinder unsere Freundschaft geheim hielten, weiß ich nicht mehr, aber das Geheimnis erhöhte ihren Wert.

In dem Loch in der Buchsbaumhecke hinterließen Ferdinand und ich häufig kleine Geschenke, Kekse, Spielzeugteile, Bilderbüchlein oder Fundstücke des letzten Beisammenseins, Steine, Schneckenhäuser, Blumensträußchen. Später, wir wurden größer, arbeiteten wir zuerst mit unseren kleinen Händen, dann mit Scheren, Laubsägen, später Gartenscheren daran, dass das Loch mit uns wuchs, sodass wir immer gerade noch durch das Buchsbaumheckenloch passten. Statt kleiner Geschenke legten wir vorsichtig Zeichen aus; rote Murmeln hießen, dass man keine Zeit hatte, grüne verhießen die Möglichkeit eines heimlichen Treffens. Noch später verriet die Zahl der grünen Murmeln die dafür vorgesehene Uhrzeit.

Niemand stand mir im Leben je so nahe wie Ferdinand.

Und ich machte mir immer Sorgen um ihn. Sein Vater war früh aus der stillen Villa, dem Elternhaus seiner Frau, in dem diese ihr ganzes Leben verbracht hatte, in ein helleres Haus mit viel Licht ausgezogen, ein Atelier, wie es hieß, um den gesellschaftlichen Schein zu wahren. Nur selten noch besuchte er Frau und Sohn. Zwei Bilder, die er von Ferdinand gemalt hatte, wurden weltberühmt. ›Der Knabe im roten Samtanzug‹ zeigt den Vierjährigen, großäugig, verträumt, mit einem Stofftier im Arm, ›Der Knabe mit der Trommel‹ den Neunjährigen als kleinen Soldaten mit einer um die schmale Taille geschnallten Riesentrommel, seltsam starr schwingt er den Schlägel. Ein späteres Bild gibt es nicht.

Ferdinand wuchs sehr frei auf, seine Mutter förderte alle seine musischen Talente, wenn sie gelegentlich ihr Klavierspiel unterbrach, was immer seltener wurde. Sie war eine in Kennerkreisen geschätzte Pianistin, die aber öffentliche Auftritt mied. Kinderfräulein, Gouvernanten, später ein Hauslehrer kümmerten sich pflichtbewusst um ihn, aber ihre Zuneigung war nur professionell.

War Ferdinand vor allem der Sohn einer Mutter, war ich die Tochter eines Vaters. Denn meine Mutter starb früh, im Jahre 1900, ich war kaum sechs Jahre alt. Mein Vater liebte mich, aber was ein Kind wirklich an Anteilnahme für seine in den Augen von Erwachsenen unbedeutenden Kümmernisse benötigte, verstand er nicht. Was war schon das abgerissene Ohr eines Plüschtiers im Vergleich zu den Morden, deren Aufklärung er damals seine Zeit widmen musste.

So waren wir eigentlich beide einsam in unseren großen Häusern und Gärten, geliebt zwar, aber nicht wirklich wichtig für die, die uns liebten. Über die Treffen zwischen Ferdinand und mir wehten Klavierklänge, die anzeigten, dass niemand ihn vermisste, und wir konnten das geschäftige Treiben in meinem väterlichen Haus hören, das immer mit Dienern und Mägden, Kollegen, Untergebenen und Gästen bevölkert war. Und so wuchsen wir zusammen; alles wusste ich von ihm, alles er von mir.

Mein erstes Geheimnis hatte ich vor Ferdinand, als ich mit dreizehn Jahren entdeckte, dass meine Liebe zu meinem Nachbarskind keine kindliche Geschwisterliebe mehr war, sondern zu der Liebe einer jungen Frau zu einem jungen Mann geworden war. Dies versuchte ich umso angestrengter vor ihm zu verbergen, je tiefer sich der heranwachsende Ferdinand selbst in verwirrende Liebesdinge verstrickte, mich wie gewohnt als Beichtmutter nutzend.

Allmählich wurden wir erwachsen, ich in dem frauenlosen Haushalt meines Vaters, Ferdinand in dem männerlosen Haushalt seiner Mutter. Ferdinand suchte früh nach Möglichkeiten, seine eigene Kreativität zu leben, die er nicht in der Farben- und Formenwelt seines Vaters und nicht in der Welt der Töne seiner Mutter suchte, sondern in der Welt der Worte. In den Kaffeehäusern der Stadt, dort, wo sich die Literaten trafen, saugte er Worte auf, Atmosphäre, Stimmungen. Der Siebzehnjährige mit den bekannten Eltern, der sich zum Dichter berufen fühlte, war bald wohlgelitten im Kreise der Großen, die Wunderkindern immer zugetan waren. Er verehrte am meisten Arthur Schnitzler, dem er seine ersten Schreibversuche zukommen lassen wollte. Manchmal, selten, begleitete ich ihn, aber seine Welt war nie die meine. So saß ich scheu und stumm da und hörte mit offenen Ohren zu, wie da in den Olymp gehoben oder aus ihm geworfen wurde. Vor allem Hermann Bahr war ein schneller, manchmal vorschneller, sehr mächtiger Kritiker. Ich war nie sicher, ob aus seinen Urteilen nicht auch die Kränkungen flossen, die er angesichts seines nicht herausragenden, sondern eher durchschnittlichen literarischen Talents in sich fühlte – er, der Größe auf einen Blick witterte, sollte sie nicht in sich haben? In der wortgeschwängerten feinen Luft Wiens kämpften viele der jungen Dichter, fast allesamt Söhne aus gutem Hause, darum, die Nachfolge der inzwischen etablierten Dichter des Jungen Wien anzutreten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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