Tao Te King - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben -  - ebook

Tao Te King - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben ebook

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Opis

Inklusive eines Essays zum Taoismus von Fritz Mauthner. Das Daodejing (ältere Umschrift: Tao Te King) ist eine Sammlung von Spruchkapiteln, die einem legendären Weisen zugeschrieben wird. Die Entstehungsgeschichte ist ungewiss und Gegenstand sinologischer Forschung. Ungeachtet weiterer Übersetzungen bedeuten Dào "Weg, Prinzip" und "Sinn", und Dé "Kraft, Leben" und "Charisma, Tugend, Güte". Jing bezeichnet einen Leitfaden bzw. eine klassische Textsammlung. Die beiden namengebenden Begriffe stehen für etwas Unaussprechliches, auf dessen eigentliche Bedeutung das Buch hindeuten möchte. Aus diesem Grund werden sie auch oft unübersetzt belassen. Das Werk gilt als die Gründungsschrift des Daoismus. Obwohl dieser verschiedene Strömungen umfasst, die sich vom Dàodéj?ng erheblich unterscheiden können, wird es von den Anhängern aller daoistischen Schulen als kanonischer, heiliger Text angesehen. (aus wikipedia.de) Übersetzt von Richard Wilhelm. Inhalt: Tao Te King Einleitung Soziologisches Der Sinn 1. Verkörperung des Sinns 2. Pflege der Persönlichkeit 3. Friede auf Erden 4. Von Ewigkeit her 5. Die Wirkung der Möglichkeit 6. Das Werden der Formen 7. Verhüllung des Lichts 8. Das Wesen der Beweglichkeit 9. Selbstbeschränkung 10. Möglichkeiten 11. Die Wirksamkeit des Negativen 12. Zügelung der Begierden 13. Abscheu vor Beschämung 14. Lob des Geheimnisses 15. Wie das Leben sich zeigt 16. Rückkehr zur Wurzel 17. Reinheit des Wirkens 18. Verfall der Sitte 19. Rückkehr zur Echtheit 20. Abseits von der Menge 21. Das leere Herz 22. Wert der Demut 23. Leere und Nichtsein 24. Bittere Herrlichkeit 25. Des unzulänglichen Gleichnis 26. Wesen des Schweren 27. Weisheit im Üben 28. Rückkehr zur Einfalt 29. Vom Nichthandeln 30. Warnung vor dem Krieg 31. (Die Waffen nieder 32. Das Leben der Berufenen 33. Unterschiede des Wesens 34. Die Aufgabe der Vollendung 35. Das Leben der Liebe 36. Geheime Erleuchtung 37. Ausübung der Herrschaft Das Leben 38. Über das Leben 39.

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Tao Te King-Das Buch des Alten vom Sinn und Leben

Laotse

Inhalt:

Taoismus (Fritz Mauthner)

Tao Te King

Einleitung

Soziologisches

Der Sinn

1. Verkörperung des Sinns

2. Pflege der Persönlichkeit

3. Friede auf Erden

4. Von Ewigkeit her

5. Die Wirkung der Möglichkeit

6. Das Werden der Formen

7. Verhüllung des Lichts

8. Das Wesen der Beweglichkeit

9. Selbstbeschränkung

10. Möglichkeiten

11. Die Wirksamkeit des Negativen

12. Zügelung der Begierden

13. Abscheu vor Beschämung

14. Lob des Geheimnisses

15. Wie das Leben sich zeigt

16. Rückkehr zur Wurzel

17. Reinheit des Wirkens

18. Verfall der Sitte

19. Rückkehr zur Echtheit

20. Abseits von der Menge

21. Das leere Herz

22. Wert der Demut

23. Leere und Nichtsein

24. Bittere Herrlichkeit

25. Des unzulänglichen Gleichnis

26. Wesen des Schweren

27. Weisheit im Üben

28. Rückkehr zur Einfalt

29. Vom Nichthandeln

30. Warnung vor dem Krieg

31. (Die Waffen nieder

32. Das Leben der Berufenen

33. Unterschiede des Wesens

34. Die Aufgabe der Vollendung

35. Das Leben der Liebe

36. Geheime Erleuchtung

37. Ausübung der Herrschaft

Das Leben

38. Über das Leben

39. Die Wurzel des Gesetzes

40. Wirkungsart des Zurückgehens

41. Gleichheit und Unterschied

42. Die Wandlungen des Sinns

43. Ungehemmte Wirkung

44. Warnung

45. Überströmendes Leben

46. Mäßigung der Begierden

47. Fernschau

48. Vergessen des Erkennens

49. Das Wesen der Nachgiebigkeit

50. Die enge Pforte des Lebens

51. Pflege des Lebens

52. Rückkehr zum Ursprung

53. Beweis des Überflusses

54. Pflege des Schauens

55. Geheimnisvoller Zauber

56. Verborgenes Leben

57. Der echte Einfluß

58. Schmiegsame Bekehrung

59. Bewahrung des Sinns

60. Ausübung der Herrschaft

61. Leben der Demut

62. Verwirklichung des Sinns

63. Denken beim Anfang

64. Achtung aufs Geringe

65. Reines Leben

66. Selbstverleugnung

67. Die drei Schätze

68. Gemeinsamkeit mit dem Himmel

69. Entfaltung des Geheimnisses

70. Schwierigkeit des Verstandenwerdens

71. Erkenntnis des Leidens

72. Selbstliebe

73. Nachgiebigkeit im Wirken

74. Einschränkung des Selbstbetrugs

75. Der Schaden der Gier

76. Warnung vor der Stärke

77. Des Himmels Sinn

78. Was man dem Glauben überlassen muß

79. Festhalten an der Verpflichtung

80. Selbständigkeit

81. Entfaltung des Wesentlichen

Tao Te King, Laotse

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849600266

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Taoismus (Fritz Mauthner)

In der Sehnsucht nach einer von christlichen Zutaten freien Mystik haben uns feine Menschen seit einigen Jahrzehnten den Taoismus angepriesen. Ellissen gibt viel früher (1840) das chinesische Wort mit Dao wieder: »Wunder wohl müssen vor Dao verschwinden.« Nirgends ist diese durchaus skeptische Mystik hübscher dargestellt, als in den »Reden und Gleichnissen des Tschuang-Tse«, die wir jetzt in der deutschen Auswahl von Buber besitzen, loh möchte aber hier nur darauf hinweisen, daß wir wirklich trotz aller Untersuchungen doch nicht wissen, was der Meister Lao-Tse und was Tschuang-Tse unter dem Worte Tao verstanden. Es kommt schon in einem der ältesten chinesischen Bücher vor, wo es ungefähr die Verbindung von Yang und Yin bedeutet, den Kreisprozeß zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip. Doch erst im Gegensatz zu dem Moralprediger Confuzius hat sich der Taoismus zum System entwickelt. Wir werden durch Tao an die christliche Logoslehre erinnert, dann wieder an die Verneinungshymnen des Dionysios Areopagita, endlich an die Identitätsphilosophie. Buber hat (S. 100) sehr richtig gesehen, daß die abendländischen Versuche, Tao als eine Welterklärung aufzufassen, stets mit der jeweiligen Zeitphilosophie zusammenfielen; man sah in Tao die Natur, die Vernunft, sogar die Energie. Ich könnte mich versucht fühlen, in Tao eine uralte Sprachkritik zu entdecken; denn Lao-Tse sagt: »Der Name, der gewinnt werden kann, ist nicht der ewige Name.«

Und wieder sagt Lao-Tse: »Man darf es ansehen als der Welt Mutter. Ich kenne nicht seinen Namen. Will ich es bezeichnen, so nenne ich es Tao« (Tao-te-king, Übersetzung von V. v. Strauß, Kap. 25). Lao-Tse scheint, etwa 200 Jahre vor Tschuang-Tse, der Begründer des Taoismus gewesen zu sein; durch ihn wurde Tao zu einem Schlagworte (im heutigen China zum Namen eines wüsten Aberglaubens mit Priestern, Amuletten, Besprechungszaubereien usw.) für weltfremde, einsiedlerische Weisheit, für eine mystische Ablehnung des Utilitarismus von Confuzius; aber Lao-Tse wußte ebenso wenig wie seine Schüler, was dieses vielleicht schon zu seiner Zeit aus noch altern Schriften übernommene Urprinzip (zugleich des Naturerkennens und der Ethik) eigentlich zu bedeuten habe. Neuere Erklärer haben sich vergeblich bemüht, ihre eigene Weltanschauung in das Rätselwort hineinzulegen; bald ein robustes Christentum, bald eine verschwommene Naturphilosophie, bald, mit besserem Rechte, die Alleinheit der Mystik (wie Buber, dem ich hier überall folgen muß). Nur sind die Chinesen weiser als wir Abendländer, freier von der Sprache, weil ihnen Tao das Urprinzip ist, der Urgrund, ohne daß sie zu einer Bestimmung darüber gekommen wären, kommen könnten, ob dieser Urgrund der Sinnenwelt als eine Ursache gegenüberstehe, als ein gleichartiges Ur-Ding oder als ein völlig unbekanntes Ding-an-sich, gegenüber einer ganz anders unbekannten Erscheinungswelt. Weil aber Tao nur in der Bedeutung »erste Ur-Sache« unserem Gottesbegriff entspräche, nicht aber in der Bedeutung »Ding-an-sich«, darum allein steht der Taoismus höher als alle Theologie des Abendlandes; er behauptet nicht, etwas Wißbares zu lehren.

In Wahrheit wissen wir von Tao ebenso wenig wie von logos, womit Tao gern wiedergegeben wird; wenn das Wort ursprünglich Weg bedeutet hat, so mag das ein Wandertitel für moralische Bücher gewesen sein, den wir im Orient wie im Abendlande oft finden. Was Lao-Tse und Tschuang-Tse dann in das Wort hineinlegten, war die uralte und immer noch lebendige Sehnsucht der Mystik, das Unaussprechliche mit einem Worte auszusprechen. Das Wort sagt nichts, durchaus nichts, was nicht die chinesischen Mystiker aus ihrer (genialischen oder überkommenen) Seelensituation hineingelegt, hineingeheimnißt haben. Das Wort ist nicht nur für das Abendland unübersetzbar, es ist auch für China positiv nicht definierbar, höchstens negativ zu umschreiben: es ist nach Buber (S. 105) das Unerkennbare, im Werden die Ungeschiedenheit, die Ungeschiedenheit auch im Sein, in den Dingen. Wer sich im Abendlande zum Taoismus bekennt, der bekennt sich zu einem suggestiv neuen Namen für den ungenannten Gott der Stummen des Himmels. Und nachdem ich eben zwischen Tao und unserem Gottesbegriff unterschieden habe, möchte ich jetzt hinzufügen, daß wir dennoch Tao religiös, fast theologisch wiedergeben könnten, wenn wir uns von der Sprache befreien und sagen wollten: »Das Gott«. Was wieder noch unpersönlicher mir klänge als etwa: »das Göttliche«.

Ich habe das Wort gebucht, weil es in seiner ganz exotischen Fremdheit noch besser als die griechischen Wörter und ihre Lehnübersetzungen lehrt: die tiefsten Ahnungen der Philosophen lassen sich nicht aussprechen, es geschähe denn in undefinierbaren Worten, deren Gefühlston für die Gläubigen jede Klarheit ersetzen muß, – wie in der Religion.

Meinen Lesern wird es an dieser späten Stelle nicht mehr paradox erscheinen, wenn ich das gute deutsche Wort »Gott« an Undefinierbarkeit und Unübersetzbarkeit mit Tao vergleiche. Natürlich, in die romanischen und slawischen Sprachen läßt sich »Gott« sehr bequem übersetzen, weil alle diese Gemeinsprachen der christlichen Zeit miteinander durch zahllose Lehnübersetzungen zusammenhängen, weil der christliche Katechismus von einem Volke zum andern gewandert ist. Wollte aber ein gelehrter Chinese seinen Landsleuten den abendländischen »Gott« durch das Wort Tao vermitteln, so könnte ihm ein chinesischer Philosoph antworten: »Die Leute im Abendlande können das Wort Gott nicht definieren, und wir können es darum in unsere Sprache nicht übersetzen. Unsere geliebte Muttersprache aber ist der Prüfstein der Wahrheit von Begriffen.«

Einleitung

Was wir von dem Verfasser der vorliegenden Aphorismensammlung historisch Beglaubigtes wissen, geht sehr eng zusammen. Es ist so wenig, daß die Kritik, die auf dem Gebiet der Sinologie noch in den Anfangsstadien der Schärfe ist, vielfach gar nichts mehr davon bemerkte und ihm samt seinem Werk im Gebiet der Mythenbildung den Platz anwies. Der Autor selbst würde seiner ganzen Art nach auch dagegen wenig einzuwenden haben. Auf Berühmtheit hat er nie Wert gelegt, und er hat es verstanden, sich vor den Augen der Welt gut zu verbergen, sowohl zu seinen Lebzeiten als auch nach seinem Tode. »Sein Streben war, sich selbst zu verbergen und ohne Namen zu bleiben« ist das Urteil des chinesischen Geschichtsschreibers Sï Ma Tsiën (163-85 v. Chr.) über ihn. Diesem Geschichtsschreiber verdanken wir die wesentlichen Daten über sein Leben, mit denen wir uns abzufinden haben. Der Name Laotse, unter dem er in Europa bekannt ist, ist gar kein Eigenname, sondern ein Appellativum und wird am besten übersetzt mit »der Alte«1. Er hatte den Geschlechtsnamen Li, der an Häufigkeit in China den deutschen Namen Maier noch übertrifft; sein Jugendname war Erl (Ohr), sein Gelehrtenname war Be Yang (Graf Sonne), nach dem Tode erhielt er den Namen Dan, bzw. Lao Dan (wörtlich: altes Langohr, sinngemäß übersetzt: alter Lehrer). Er stammt wohl aus der heutigen Provinz Honan, der südlichsten der sogenannten Nordprovinzen, und mag wohl ein halbes Jahrhundert älter gewesen sein als Kung, so daß seine Geburt auf das Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts fällt. Im Lauf der Zeit hatte er am kaiserlichen Hof, der damals in Loyang (in der heutigen Provinz Honan) war, ein Amt als Archivar bekleidet. Damals sei es gewesen, daß Kung bei seiner Reise an den Kaiserhof mit ihm zusammengetroffen sei. Über dieses Zusammentreffen der beiden Heroen ist in der chinesischen Literatur viel die Rede. Außer in dem erwähnten historischen Werk wird auch in dem Werk Li Gi, das der konfuzianischen Schule entstammt, ferner in den – allerdings ziemlich späten – »konfuzianischen Schulgesprächen« (Gia Yü), sowie in der taoistischen Literatur von verhältnismäßig früher Zeit an dieses Zusammentreffen direkt oder indirekt erwähnt. Jedenfalls war dieses Zusammentreffen in der Zeit der Han-Dynastie (zwei Jahrhunderte v. Chr.) schon so geläufig im Volksbewußtsein, daß wir in den berühmten Grabskulpturen in Westschantung (bei Gia Siang) eine bildliche Darstellung davon finden, wie Kung bei seinem Besuch dem Laotse als Ehrengabe einen Fasan überreicht. Über die Gespräche, die bei dieser Gelegenheit geführt wurden, finden sich mannigfaltige Berichte. Sie stimmen alle darin überein, daß Laotse über die Heroen der Vorzeit, die geehrten Vorbilder Kungs, ziemlich absprechend urteilt und ihn von der Hoffnungslosigkeit seiner Kulturbestrebungen zu überzeugen sucht, während Kung seinen Jüngern gegenüber sich voll Hochachtung über den unfaßbar tiefen Weisen äußert, indem er ihn mit dem Drachen vergleicht, der sich zu den Wolken erhebt. Im ganzen läßt sich der Stoff der aufgeführten Unterredung aus den Äußerungen des Taoteking, sowie aus den Erzählungen von dem Zusammentreffen Kungs mit den »verborgenen Weisen« in »Gespräche« Buch 18 ungefähr zusammenstellen. Es ist klar, daß sich über den Wortlaut dieser Unterredung nichts Zuverlässiges mehr feststellen läßt. Ob man die ganze Unterredung, wie Chavannes in seiner Übersetzung Sï Ma Tsiëns (Les mémoires historiques de Se-Ma Tsien, Tome V, Paris 1905, pag. 300 f.) geneigt ist, ins Reich der Fabel zu verweisen hat, ist schwer zu entscheiden. Zu denken gibt ja, daß sich in den »Gesprächen«, wo mehrere andere derartige Begegnungen erwähnt werden, nichts darüber findet2.

Als die öffentlichen Zustände sich so verschlimmerten, daß keine Aussicht auf Herstellung der Ordnung mehr vorhanden war, soll Laotse sich zurückgezogen haben. Als er an den Grenzpaß Han Gu gekommen sei, nach späterer Tradition auf einem schwarzen Ochsen reitend, habe ihn der Grenzbeamte Yin Hi gebeten, ihm etwas Schriftliches zu hinterlassen. Darauf habe er den Taoteking, bestehend aus mehr als 5000 chinesischen Zeichen, niedergeschrieben und ihm übergeben. Dann sei er nach Westen gegangen, kein Mensch weiß wohin. Daß auch an diese Erzählung sich die Sage geknüpft hat, die Laotse nach Indien führte und dort mit Buddha in Berührung kommen ließ, ist verständlich. Bei den späteren Auseinandersetzungen zwischen den beiden Religionen behaupteten beide, daß der Religionsstifter der andern bei dem der eigenen Religion gelernt habe. In Wirklichkeit ist der Han Gu-Paß nur im Westen des damaligen Staates Dschou, aber noch mitten in China. Irgendeine persönliche Berührung zwischen Laotse und Buddha ist vollkommen ausgeschlossen. Man hat da spätere Zustände in das historische Bild zurückgetragen.

Aber dabei blieb es nicht. Gerade weil das Leben des »Alten« der Forschung so wenig Anhalt bot, konnte die Sage um so freier damit schalten. Die Persönlichkeit des verborgenen »Alten« wuchs immer mehr ins Riesengroße und zerfloß schließlich zu einer kosmischen Gestalt, die zu den verschiedensten Zeiten auf Erden erschienen sei. Die albernen Spielereien mit der Bezeichnung Laotse (die auch mit »altes Kind« übersetzt werden kann) brauchen in unserem Zusammenhang nicht erwähnt zu werden. –

Aus dieser Spärlichkeit und Unsicherheit der Nachrichten ergibt sich klar, daß wir über das Werk des Laotse wenig Aufschluß gewinnen können aus seiner Lebensgeschichte. Wie alles Geschichtliche, so löst sich auch das Lebensgeschichtliche für den Mystiker auf in wesenlosen Schein. Und doch spricht uns aus den vor uns liegenden Aphorismen eine originale und unnachahmliche Persönlichkeit an, unseres Erachtens der beste Beweis für ihre Geschichtlichkeit. Aber man muß das Gefühl für solche Dinge haben, streiten läßt sich darüber nicht. Schließlich kommt der Frage kein entscheidendes Gewicht zu. Der Taoteking ist jedenfalls vorhanden, einerlei wer ihn geschrieben hat.

Weit mehr als von dem persönlichen Lebensgang des Verfassers ist von seinem Werk in der chinesischen Literatur die Rede. Zum mindesten ein Ausspruch daraus wird in den Gesprächen des Kung erwähnt und kritisiert (Buch XIV, 36, pag. 163). Nun ist ja nicht ausgeschlossen, daß dieser Ausspruch aus weiter zurückliegenden Quellen stammt, die auch unabhängig von Laotse zugänglich waren. Aber wir sind auf diese Bezeugung nicht allein angewiesen. In erster Linie wird man in der taoistischen Literatur nach Zitaten suchen müssen. Und in der Tat fehlt es hier auch nicht daran. Es läßt sich konstatieren, daß von den 81 Abschnitten des Taoteking in den bedeutendsten taoistischen Schriftstellern der vorchristlichen Zeit weitaus der größte Teil sich zitiert findet. So schon in Lië Dsï (herausgegeben im 4. Jahrhundert v. Chr.) 16 Abschnitte. Dschuang Dschou (bekannt als Tschuangtse), der glänzendste Schriftsteller des Taoismus, der im 4. Jahrhundert lebte, hat seine ganzen Ausführungen durchgängig auf die Lehren des Taoteking basiert, so sehr, daß er sich ohne sie nicht denken läßt. Han Fe Dsï, der 230 v. Chr. unter Tsin Schï Huang Di starb, hat in Buch 6 und 7 eine teilweise sehr ausführliche Erklärung von zusammen 22 Abschnitten. Huai Nan Dsï endlich, ein Zeitgenosse Sï Ma Tsiëns (gest. 120) Buch 12 erläutert der Reihe nach, meist durch historische Beispiele, 41 verschiedene Abschnitte. Im ganzen bekommen wir mindestens 3/4 der Abschnitte auf diese Weise bezeugt. Das sind ganz günstige Verhältnisse für ein Werkchen von der Kürze des Taoteking. Es spricht aber auch dafür, daß der Taoteking keine buddhistische Fälschung aus später Zeit ist, es sei denn, daß man ihn auch der großen Fabrik Sï Ma Tsiën Co. entstammen läßt, die entdeckt zu haben Mr. Allen die Ehre hat.

In der Han-Dynastie wenden sich mehrere Kaiser dem Studium des Taoteking zu, so besonders Han Wen Di (197-157 v. Chr.), dessen friedliche und einfache Regierungsart als direkte Frucht der Lehren des alten Weisen bezeichnet wird. Sein Sohn Han Ging Di (156-140) legt endlich dem Buch die Bezeichnung Taoteking (Dao De Ging, d.h. »das klassische Buch vom Sinn und Leben«) bei, die es seither in China behalten hat.

Han Wen Di soll das Buch von Ho Schang Gung (dem »Herrn am Fluß«) erhalten haben, der auch einen Kommentar dazu geschrieben habe. Über die Person dieses Mannes, dessen Namen niemand weiß, ist man sich keineswegs im klaren. Auch chinesische Autoren (allerdings aus späterer Zeit) haben seine Existenz bezweifelt. Doch beginnen von jener Zeit an die Kommentare häufiger zu werden. Im Katalog der Han-Dynastie sind allein drei aufgeführt. Der älteste der zuverlässigen Kommentare, die jetzt noch vorhanden sind, ist der von Wang Bi, dem wunderbar begabten Jüngling, der im Jahr 249 n. Chr. im Alter von 24 Jahren starb. Von da ab häufen sich die Kommentare aller Schattierungen. Selbst der Begründer der gegenwärtigen Dynastie hat unter seinem Namen einen sehr berühmten Kommentar herausgeben lassen. Es würde zu weit führen, hier das Detail aufzählen zu wollen. Daß ein Werk wie der Taoteking in den Stürmen der alten Zeit auch manches zu leiden hatte, so daß der Text keineswegs in glänzendem Zustand ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Die Erklärungen zu den einzelnen Abschnitten werden sich genauer damit zu beschäftigen haben. Die Einteilung in Abschnitte ist nicht ursprünglich, nur die zwei Hauptteile vom »SINN« (Dao) und vom »LEBEN« (De), nach den Anfangsworten der betreffenden Teile, scheinen ganz alt zu sein. Sie wurden dann in der Bezeichnung »Dao De Ging« zusammengefaßt. Die von uns beibehaltene Einteilung in 37 und 44 Abschnitte und die – nicht immer sehr zutreffenden – Überschriften gehen angeblich auf Ho Schang Gung zurück.

Die ältesten Holzschnittdrucke finden sich in der Zeit der Sung-Dynastie.

Das Licht des chinesischen Altertums konzentriert sich in den beiden Brennpunkten Kungtse und Laotse. Um ihre Wirksamkeit würdigen zu können, muß man sich die historischen Verhältnisse vergegenwärtigen, unter denen sie gelebt haben. Das ist ohne weiteres klar für Kungtse. Er lebt in der Wirklichkeit. Darum ist er mitten drin in historischen Beziehungen. Die »Gespräche« z.B. sind voll von Erwähnungen und Beurteilungen historischer Persönlichkeiten der Gegenwart und der Geschichte. Würde man diese Beziehungen alle streichen, so bliebe er unverständlich. Eben darum steht er dem europäischen Geistesleben, das andere historische Zusammenhänge hat, bis auf den heutigen Tag so fremd gegenüber, und andererseits ist das der Grund, daß er das chinesische Geistesleben Jahrtausende hindurch so ungemein stark beeinflußt hat. Was Laotse anlangt, so scheinen die Verhältnisse ganz anders zu liegen. Kein einziger historischer Name ist in seinem ganzen Büchlein genannt. Er will gar nicht in der Zeitlichkeit wirken. Darum verschwimmt er für das historisch gerichtete China in nebelhafte Fernen, da ihm niemand zu folgen vermag. Und eben das ist der Grund, warum er in Europa so große Wirkungen ausübt trotz des räumlichen und zeitlichen Abstands, der ihn von uns trennt.