Opiumjagd am Roten Meer - Hans-Jürgen Raben - darmowy ebook

Opiumjagd am Roten Meer ebook

Hans-Jürgen Raben

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Opis

Ein Roberto Tardelli Thriller #24 von Hans-Jürgen Raben Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten. Eine New Yorker Mafia-Familie will einen ganz großen Rauschgift-Coup landen: Eine große Menge Roh-Opium soll über die jordanische Hafenstadt Akaba am Roten Meer durch den Suezkanal nach Marseille verschifft und in dortigen Labors für die Staaten in Heroin umgewandelt werden. Der Mafia-Jäger Roberto Tardelli, der für COUNTER CRIME – eine geheime Regierungsabteilung des Justizministeriums – arbeitet, begibt sich nach Jordanien, um die heiße Ware aufzuspüren. Kurz nach seiner Ankunft in Amman gerät er in Gefahr, von einem korrupten Polizeioffizier wegen Mordes verhaftet zu werden. Hinzu kommt, dass die Commissione ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat. Auch diesmal ist der mutige Agent im Kampf gegen die Mafia vollkommen auf sich allein gestellt ...

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Hans-Jürgen Raben

Opiumjagd am Roten Meer

Ein Roberto Tardelli Thriller #24

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Opiumjagd am Roten Meer

Ein Roberto Tardelli Thriller #24

von Hans-Jürgen Raben

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten.

 

Eine New Yorker Mafia-Familie will einen ganz großen Rauschgift-Coup landen: Eine große Menge Roh-Opium soll über die jordanische Hafenstadt Akaba am Roten Meer durch den Suezkanal nach Marseille verschifft und in dortigen Labors für die Staaten in Heroin umgewandelt werden. Der Mafia-Jäger Roberto Tardelli, der für COUNTER CRIME – eine geheime Regierungsabteilung des Justizministeriums – arbeitet, begibt sich nach Jordanien, um die heiße Ware aufzuspüren. Kurz nach seiner Ankunft in Amman gerät er in Gefahr, von einem korrupten Polizeioffizier wegen Mordes verhaftet zu werden. Hinzu kommt, dass die Commissione ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat. Auch diesmal ist der mutige Agent im Kampf gegen die Mafia vollkommen auf sich allein gestellt ...

 

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Die Hauptpersonen des Romans:

Hakim — Ein geheimnisvoller Mann, der Roberto Tardelli in allerletzter Sekunde das Leben rettet.

Al-Mansur, der Sieger — Der Mann, der nicht verlieren kann und der Roberto Tardelli hasst wie die Pest.

Rico Bandone — Ein Mafia-Killer aus Washington, der vor Freude gleich ein ganzes Magazin aus seiner MPi verfeuert, als er Roberto Tardelli endlich vor dem Lauf hat.

Roberto Tardelli — Der Mann, der allein gegen die Mafia kämpft und ihr wieder einen Millionen-Coup zerschlägt.

1

Roberto Tardelli klammerte sich mit beiden Händen an den hervorragenden Felsbrocken, dessen scharfe Kanten schmerzhaft in seine Haut schnitten. Wenige Zentimeter über seinem Kopf prallte etwas gegen den Felsen, und ein Regen von kleinen Gesteinssplittern ging über ihn nieder. Sekundenbruchteile später erst hörte er das Echo des Schusses. Der Schütze war glücklicherweise ziemlich weit entfernt.

Roberto drehte noch nicht einmal den Kopf. Er wusste, dass er den heimtückischen Schützen doch nicht entdecken würde. Millimeter um Millimeter schob er sich um die Felsnase herum, um endlich aus der Schusslinie zu gelangen. Die Treffsicherheit seines Gegners war erstaunlich. Wahrscheinlich war sein Gewehr mit einem Zielfernrohr ausgerüstet.

Wieder krachte ein Schuss, doch diesmal schlug das Geschoss mindestens zwei Meter entfernt ein, sodass es keine Gefahr für den einsamen Kletterer in der Felswand bedeutete.

Dann hatte Roberto es geschafft. Er hatte den Felsvorsprung bezwungen, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Schwer atmend lehnte sich Roberto Tardelli an die rae Wand. Auf der schmalen Kante konnte er bequem stehen und ein paar Minuten ausruhen.

Er wusste nur ungefähr, wo sich der heimtückische Schütze befand. Aber selbst wenn er dessen genauen Standpunkt gekannt hätte, wäre das kaum von Nutzen für ihn gewesen, denn Roberto war unbewaffnet. Ganz absichtlich, denn eine Waffe, die die Kerle bei ihm fanden, wäre gleichbedeutend mit einem Todesurteil für ihn gewesen. Aus diesem Grunde lag seine Pistole sorgfältig versteckt in seinem Hotelzimmer in Amman.

Für einen Augenblick dachte Roberto an Colonel Myer, der ihn indirekt in diese Situation gebracht hatte. Und grimmig stellte er fest, dass sein Leben keinen Cent mehr wert war. Denn er befand sich in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht beherrschte, und er stand allein gegen einen übermächtigen Gegner, den er nicht kannte. Aber trotzdem kam eines für ihn nicht infrage: aufgeben. Langsam begann er den Abstieg. Das Felsband führte ziemlich steil nach unten, und er kam schnell vorwärts. Er musste jedoch höllisch aufpassen, denn unter seinen Füßen knirschte es manchmal verdächtig, und zu seiner Rechten fiel der Fels steil ab. Ein Absturz würde tödlich sein. Aber so viel wenigstens hatte er geschafft, aus dem Bereich des Schützen zu entkommen, der es seit einer halben Stunde darauf angelegt hatte, ihn zu erledigen.

Diese vermeintliche Spur war also eine Falle gewesen. Fast hätte sie funktioniert wenn der Schütze noch ein wenig besser gewesen wäre.

Roberto hätte nie im Traum daran gedacht, dass er sich jemals hier befinden würde: in Jordanien, irgendwo im Gebirge zwischen Totem Meer und Akaba. Er erinnerte sich noch gut an Colonel Myers Worte, mit denen alles begonnen hatte.

„Wir sind einer großen Sache auf der Spur“, hatte er erklärt. „Eine der New Yorker Mafia-Familien will einen ganz großen Rauschgift-Coup starten. Wir wissen, dass es um Heroin im Wert von vielen Millionen Dollar geht. Bis vor Kurzem führte die Händlerkette über Beirut und Marseille. Aber seit dem Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges ist Beirut für die Gangster zu gefährlich geworden. Sie mussten ausweichen. Ein Informant hat uns berichtet, dass ein neuer Weg über den jordanischen Hafen Akaba am Roten Meer führt. Von dort geht es dann weiter durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Solche neuen Routen sind natürlich noch nicht so gut abgesichert wie die alten eingefahrenen Wege. Und das ist unsere Chance.“

„Ist das alles?“, hatte Roberto gefragt.

„Einen Hinweis habe ich noch. Mein Informant hat gesagt: Gehen Sie nach Amman und suchen Sie den, der gewinnt.“

Roberto Tardelli wusste bis jetzt immer noch nicht, was dieser rätselhafte Hinweis zu bedeuten hatte.

Mit zusammengekniffenen Augen musterte er die wild zerklüftete Gebirgslandschaft, in der weit und breit kein Mensch zu entdecken war. Es war heiß, und der Schweiß lief ihm in Strömen über das Gesicht. Aber gemessen an der Möglichkeit, eine tödliche Kugel verpasst zu kriegen, war das noch leicht zu ertragen.

Roberto blinzelte in die Sonne. Seinen Wagen hatte er unten im Tal gelassen, weil das Gelände von dort ab unbefahrbar geworden war. Und so sehr er ihn jetzt auch brauchte, es würden noch ein paar Stunden vergehen, bis er wieder dort sein konnte.

Roberto huschte weiter. Der Weg wurde etwas besser, und er kam schneller vorwärts.

Dann krachte wieder ein Schuss, und die Kugel schlug in unmittelbarer Nähe von Roberto ein. Blitzartig warf er sich zu Boden und robbte hinter einen Felsbrocken, der ihm etwas Deckung gab.

Der Schütze musste sich verdammt gut auskennen, denn der Abschuss war so laut gewesen, dass Roberto die Entfernung auf weniger als hundert Yard schätzte. Außerdem war der Schuss von oben gekommen also musste der Fremde ihn irgendwann überholt haben!

Roberto musterte seine Umgebung. Vorsichtig schob er sich weiter, bis er unter einer Felsnase lag, die ihm auch nach oben hin Deckung gab. Er hatte einen Verdacht, wo sich der Schütze befinden konnte.

Langsam richtete er sich auf, dabei ließ er die Stelle nicht aus den Augen, an der er den Schützen vermutete.

Es dauerte fast fünf Minuten, bis er den winzigen Reflex bemerkte, den die Sonne auf dem Gewehrlauf hervorrief. Er atmete tief durch. Jetzt, wo er zum ersten Mal wusste, wo sich sein Gegner befand, fühlte er sich bedeutend besser, auch wenn das noch keine Garantie für ihn war, dass er die nächsten Minuten überlebte.

Roberto schob sich ein Stück nach hinten und sah an der steilen Felswand hoch. Er musste jetzt versuchen, den Gegner zu überraschen. Das konnte er jedoch nur, wenn er in seinen Rücken gelangte. Roberto verließ seine Deckung und huschte lautlos am Felsen entlang.

Erst hinter einem Felsvorsprung begann er, sich behutsam Yard um Yard an den Felsen hochzuziehen. Die Wand war rissig und besaß eine Menge geeigneter Vorsprünge, an denen Hände und Füße Halt fanden.

Roberto hoffte, dass der unsichtbare Schütze seine Position vorerst nicht veränderte. Er musste sich beeilen, ehe der andre misstrauisch wurde.

Schließlich hatte er es geschafft. Er hatte eine Höhe von mindestens dreißig Metern überwunden. Die Kuppe des Berges bestand aus glattem Fels deshalb hatte sein Gegner ihn also so leicht überholen können! Roberto kauerte sich hinter einen großen Geröllbrocken und versuchte, sich zu orientieren. Er konnte nur die Richtung abschätzen, in der sich der Schütze befand, erkennen konnte er ihn nicht.

Er registrierte eine Bewegung, vielleicht fünfzig Meter entfernt. Zwischen den graubraunen Felsen war für einen Augenblick ein Stück weißes Tuch aufgetaucht. Offensichtlich wechselte auch der Schütze seine Position, aber er schien noch nicht bemerkt zu haben, dass sein Opfer inzwischen die Felswand erklettert hatte.

Roberto verließ seine Deckung und kroch lautlos auf die Stelle zu, an der er seinen Gegner vermutete. Und dann sah er ihn plötzlich.

Der Mann kauerte mit dem Rücken zu ihm hinter einer Art steinerner Brustwehr, auf der er den Lauf seines Gewehres aufgestützt hatte. Es war ein älteres Lee-Enfield-Modell, wie Roberto rasch feststellte. Aber es schien gut gepflegt zu sein und besaß ein aufmontiertes Zielfernrohr, wie er schon vermutet hatte.

Der Mann selbst war allem Anschein nach ein Araber, dessen Alter Roberto nicht abschätzen konnte, da er nur den Hinterkopf sah. Der Mann trug eine landesübliche Dschellaba, ein bis auf die Füße reichendes weites Gewand. Auf dem Kopf trug er eine schwarz-weiß karierte Kefije, die mit einem schwarzen Band festgehalten wurde. Diese Kopfbedeckung war weiter nichts als ein viereckiges Tuch, das mehr oder weniger kunstvoll um den Kopf drapiert wurde. Es war in vielen Mustern erhältlich, wurde von den Einheimischen aber meist in dieser Form getragen.

Roberto bewegte sich jetzt nur noch mit größter Vorsicht. Denn das kleinste Steinchen, das unter seinem Fuß knirschte, hätte seine Anwesenheit verraten. Das aber wäre sein sicherer Tod gewesen.

Der Araber spähte angestrengt über seine natürliche Deckung nach unten. Vermutlich rechnete er damit, dass seine Zielscheibe irgendwann doch noch auftauchen würde. Aber er hatte ja Zeit und er war geduldig. Er machte nur einen einzigen Fehler: Er unterschätzte seinen Gegner.

Roberto Tardelli war inzwischen bis auf etwa acht Meter an den Araber herangekommen. Und dann passierte es!

Unter Robertos Fuß rollte ein Stein zur Seite und hüpfte über die abschüssige Fläche nach unten.

Die beiden Männer reagierten sofort, aber Roberto war schneller, da er mit einem solchen Zwischenfall gerechnet hatte. Aus seiner halb geduckten Haltung sprang er nach vorn und überwand die wenigen Meter mit einigen raschen Sätzen. Er war bei dem Araber, noch ehe der sein Gewehr herumgerissen hatte.

Für den Bruchteil einer Sekunde blickte Roberto in die schreckgeweiteten Augen seines Gegners, dann konzentrierte er sich voll auf die Waffe des anderen. Es war ihm gelungen, das Gewehr am Lauf zu packen, kurz bevor es der Araber auf ihn richten konnte. Mit aller Kraft drückte er den Lauf zur Seite und machte den letzten Schritt auf den Mann zu.

Der schien plötzlich zu erkennen, dass ihm seine Waffe in dieser Situation nichts nützte und ließ sie fallen. Roberto strauchelte, das Gewehr klirrte die Felsen hinab. Donnernd löste sich ein Schuss.

Der Araber war zur Seite gewichen. Aus den Falten seines Gewandes zog er einen leicht gebogenen Dolch, dessen polierte Klinge im Sonnenlicht aufblitzte, und im gleichen Moment stieß er zu.

Roberto erkannte, dass er es mit einem zu allem entschlossenen, höchst gefährlichen Gegner zu tun hatte.

Im letzten Augenblick warf er sich zur Seite, und der Stoß ging wirkungslos ins Leere. Dann starrte er den Araber an. Die sonnenverbrannte Haut mit den vielen Falten ließ keine genaue Altersschätzung zu. Sein Gegner mochte vierzig oder fünfzig Jahre alt sein.

Die beiden Männer standen regungslos voreinander und belauerten sich in der Hoffnung, dass einer einen Fehler beging. Der Araber behielt den Dolch in der ausgestreckten rechten Hand, die Spitze wies auf Roberto.

Roberto verlagerte unauffällig sein Gewicht, aber der andere bemerkte seine Absicht und veränderte seine Position ebenfalls. Roberto wollte zu einem Ende kommen, so oder so.

Wieder griff der Araber an. Die scharfe Klinge schlitzte ein Stück von Robertos Ärmel auf und ritzte ihm die Haut. Roberto packte zu, erwischte die Messerhand.

Roberto drängte seinen Gegner gegen die Felsbarriere.

Langsam drückte er den Araber über die steinerne Brustwehr. Sein Gegner wehrte sich verzweifelt. Er stöhnte und riss vor Schmerz den Mund auf. Deutlich sah Roberto die schwarzen Stummelzähne.

„Wer sind Sie?“, fragte Roberto gepresst.

Der Araber reagierte auf die englischen Worte nicht. Vielleicht verstand er sie wirklich nicht, obwohl in Jordanien sehr viele Menschen Englisch konnten.

„Warum wollten Sie mich umbringen?“, fragte Roberto weiter.

Auch diese Frage blieb ohne Antwort. Mit einer letzten Kraftanstrengung nagelte Roberto den Araber auf dem Felsen fest, bis dessen Widerstand schlagartig erlahmte. Der Dolch fiel aus seiner geöffneten Faust und klirrte zu Boden. Seine Muskeln zuckten unkontrolliert, als Roberto ihn losließ. Der Araber starrte ihn schweigend an, als hätte er mit seinem Leben abgeschlossen und wartete nur noch auf den tödlichen Stoß.

Roberto hob den Dolch auf und fuhr mit dem Daumen über die rasiermesserscharfe Klinge. Er war einen Schritt zurückgetreten und beobachtete seinen Gegner. Er hatte jetzt die Waffe, das gab ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Der Araber hatte die Lippen fest zusammengekniffen, und Roberto war sicher, dass der Mann nichts sagen würde, selbst wenn man ihn foltern würde. Ein Mittel, zu dem Roberto ohnehin niemals greifen würde.

In den Augen des Arabers lag ein leichtes Funkeln, als hätte er begriffen, in welcher Situation Roberto Tardelli sich befand. Es war eine absurde Szene. Die Partie stand unentschieden, obwohl Roberto allem Anschein nach im Vorteil war. Er konnte aber den Araber nicht einfach umbringen, und wenn er ihn jetzt zurückließ, musste er damit rechnen, dass ihm der Mann erneut nach dem Leben trachtete.

Roberto überlegte, wobei er den Dolch in den Händen drehte. Plötzlich nahm ihm der Araber die Entscheidung ab. Mit einem lauten Schrei stürzte er vorwärts und wollte Roberto zu Boden werfen. In einer instinktiven Abwehrbewegung riss Roberto den Dolch empor. Der Araber konnte seinen Angriff nicht mehr bremsen, und Roberto spürte den harten Schlag, der bei dem Aufprall des Arabers durch seinen ganzen Arm ging.

Der Araber brach in die Knie, und Roberto ließ den Dolch los, der bis zum Griff in der Brust seines Gegners steckte. Der Araber stöhnte, rollte zur Seite, und ein letztes Zittern lief durch seinen Körper.

Roberto starrte auf den Toten.

Dann beugte er sich zu ihm herab und durchsuchte den Toten. Das schmutzige Gewand war schon lange nicht mehr gewaschen worden. Er breitete alles, was er fand, auf dem Boden aus. Viel war es nicht.

Sinnend betrachtete er die Handvoll Gewehrpatronen, die Zigaretten und die Streichhölzer, die in ein Stück Papier eingewickelten Mandeln und den zusammengeknüllten Zettel. Er nahm ihn in die Hand und glättete ihn. Es war eine halb abgerissene Mitgliedskarte des Club Omayade in Amman. Roberto runzelte die Stirn und steckte das Papier ein.

Langsam wurde es Zeit zu verschwinden. Schließlich bestand die Möglichkeit, dass sich noch weitere Gegner in der Nähe befanden, und Robertos Bedarf an Heckenschützen war vorerst gedeckt.

Er machte sich endgültig an den Abstieg.

2

Roberto Tardelli durchquerte die prächtige Halle des Hotel Intercontinental in Amman. Der Portier hatte ihn erstaunt gemustert, als er seinen Schlüssel abholte, aber natürlich nichts gesagt.

Roberto grinste. Er sah in seinem Aufzug auch nicht gerade vertrauenerweckend aus. Der Tag in den Bergen und der Zweikampf mit dem Araber hatten ihre Spuren hinterlassen. Roberto wirbelte den Schlüssel um den Finger und marschierte auf die Lifts zu. Er war in diesem Hotel abgestiegen, da es in Amman nicht allzu viel Auswahl in dieser Beziehung gab, und dieses Hotel kam dem vertrauten amerikanischen Standard noch am nächsten.

Vor dem Lift sah er in einen Spiegel und bemerkte in seinem Rücken den aufmerksamen Blick eines gepflegt aussehenden Arabers in europäischer Kleidung, der in einer Ecke der Halle saß und ihn ungeniert anstarrte. Als ihre Blicke im Spiegel ineinandertauchten, senkte er rasch den Kopf wieder in seine Zeitung. Auf Robertos Stirn bildete sich eine Falte. Er glaubte nicht an Zufälle. Dieser Mann hatte ihn nicht nur aus Neugier gemustert. Dazu war sein Blick von zu professionellem Interesse gewesen. Wenn sein Verdacht richtig war, würde er es in einer halben Stunde genauso gut erfahren, denn dann würde dieser Mann immer noch dort sitzen.

Der Lift hielt, und lautlos öffnete sich die Tür. Roberto stieg ein und ließ sich nach oben tragen. Er brauchte dringend eine Dusche und frische Kleidung.

Vierzig Minuten später fühlte er sich wie neugeboren. Er betrachtete sich im Spiegel. Man würde ihn für einen jungen erfolgreichen Geschäftsmann halten können. Auf keinen Fall aber für einen Mann, dessen einziger Lebensinhalt es war, die Mafia zu bekämpfen.

Roberto Tardelli hatte sich wie jeder andere seine Eltern nicht aussuchen können. Zwar hatte man ihm lange verheimlicht, was sein Vater tat, aber als er dann schließlich unter der Wucht der tragischen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters die volle Wahrheit erfuhr, hatte es ihn nicht zerbrochen. Im Gegenteil, er hatte schlagartig die relative Ruhe seiner Jugendjahre abgeschüttelt und hatte sich in kurzer Zeit zu dem entwickelt, was er nun war: Der Gegner Nummer eins für die Mafia.

Auf seinen Kopf war ein Preis ausgesetzt, und vielleicht kam eines Tages die Stunde, in der sich jemand diesen Preis verdienen würde. Die Mafia verfügte über genug Kreaturen, die für Geld alles taten. Roberto verscheuchte die Gedanken. Er musste seinen Weg gehen, es gab kein Zurück für ihn, und er wollte es auch nicht mehr anders. Er wusste, dass er völlig allein stand, und auch das war in seinem Sinne. Selbst Colonel Myer von COUNTER CRIME, der ihn bezahlte und ihm Aufträge erteilte, würde im Ernstfall behaupten, ihn noch nie gesehen zu haben.

Roberto lächelte sein Spiegelbild schwach an, dann schüttelte er den Kopf und wandte sich zum Gehen. Er wollte gerade sein Zimmer verlassen, als ihm noch etwas einfiel. Er kramte in seinen Sachen, bis er den mattschwarz schimmernden Gegenstand gefunden hatte. Einen Augenblick betrachtete er die Pistole, dann überprüfte er sie und schob sie hinter seinen Gürtel. Nach den Erfahrungen dieses Tages war es wohl besser, sich nicht nur auf die Fäuste zu verlassen.