Medikamente: Vorsicht, Fälschung! (GEO eBook Single) -  - ebook

Medikamente: Vorsicht, Fälschung! (GEO eBook Single) ebook

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Opis

Nachgemachte Medikamente überschwemmen die Welt. Kein Land ist vor ihnen sicher. Längst hat sich das organisierte Verbrechen des lukrativen Geschäfts bemächtigt. Bedroht ist gerade das Leben derer, die Hilfe nötig haben. Die großen Themen der Zeit sind manchmal kompliziert. Aber oft genügt schon eine ausführliche und gut recherchierte GEO-Reportage, um sich wieder auf die Höhe der Diskussion zu bringen. Für die Reihe der GEO eBook-Singles hat die Redaktion solche Einzeltexte als pure Lesestücke ausgewählt. Sie waren vormals Titelgeschichten oder große Reportagen in GEO.

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Liczba stron: 27

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Herausgeber:

GEO

Die Welt mit anderen Augen sehen

Gruner + Jahr AG & Co KG, Druck- und Verlagshaus,

Am Baumwall 11, 20459 Hamburg

www.geo.de/ebooks

Inhalt

Vorsicht, Fälschung!

Der Preis der Globalisierung

Wo die Fälscher zuschlugen

Der Pillen-Krieg

Mehr eBooks von GEO

Medizin

Vorsicht, Fälschung!

Nachgemachte Medikamente überschwemmen die Welt. Kein Land ist vor ihnen sicher. Längst hat sich das organisierte Verbrechen des lukrativen Geschäfts bemächtigt. Bedroht ist gerade das Leben derer, die Hilfe nötig haben

von Klaus Bachmann

Es ist eine Pest: Im Herbst 2006 sterben in Panama 115 Menschen, darunter viele Kinder, nachdem sie Hustensirup eingenommen haben. Der Saft ist mit Diethylenglykol vergiftet, einer süß schmeckenden Substanz, die normalerweise als Gefrierschutzmittel dient. 2007 gelangen in Großbritannien 72 000 Packungen dreier gefälschter Medikamente in den Handel: Präparate gegen Prostatakrebs, Herzinfarkt und Psychosen. Sie enthalten zu geringe Mengen Wirkstoff, lediglich zwischen 50 und 80 Prozent der auf den Schachteln gedruckten Werte. In Stichproben von Malariamitteln aus elf afrikanischen Ländern weisen Forscher 2011 statt der lebensrettenden Arzneistoffe den Schmerzstiller Paracetamol und den Viagra-Wirkstoff Sildenafil nach.

Was gibt es Infameres, als Medikamente zu fälschen? Was ist niederträchtiger, als wirkungslose oder gar giftige Kopien ausgerechnet jener Mittel herzustellen, von denen Menschen sich Heilung erhoffen? Eine schlecht nachgemachte Gucci-Handtasche oder Rolex-Uhr schaden dem Geschäft des Originalproduzenten. Aber ein Antibiotikum, das nur Kreide enthält, und ein Krebsmittel, das aus dubiosen Zutaten zusammengepanscht ist, sind brutale Anschläge auf das Leben derer, die ohnehin schon leiden.

Die Globalisierung der Pharmaproduktion hat die Verbreitung dieser Seuche gefördert; kein Land, das behaupten könnte, es sei frei davon. Das gesamte Ausmaß der Fälscherei ist nicht bekannt, doch Einzelstudien fördern Erschreckendes zutage. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass im südlichen Afrika, in Lateinamerika und Südostasien 30 Prozent der Arzneimittel unecht sind, entweder mit krimineller Absicht plagiiert oder aufgrund fahrlässiger Missachtung der Produktionsstandards von schlechter Qualität. In Industrieländern mit ausgefeilten Überwachungssystemen halte weniger als ein Prozent nicht, was die Packung verspreche – bei den Medikamenten, die über die Apotheken verkauft werden. Viel schlechter steht es auch in Europa um Präparate aus Internet-Shops.

Längst hat sich das organisierte Verbrechen des Geschäfts bemächtigt. Fälscherbanden beschaffen sich dubiose Präparate zum Beispiel in China und Indien, schleusen sie durch Freihandelszonen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Panama in die Zielländer, wobei sie, um den Ursprung zu verschleiern, die Ware über diverse Zwischenhändler verschieben. „Die Gangs gehen ein sehr kleines Risiko ein, aufzufliegen. Die Strafen sind sehr gering und die Profite sehr hoch“, sagt Aline Plançon.

Sie ist bei Interpol für Pharmakriminalität zuständig und arbeitet bei IMPACT mit, der International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce, einer Initiative, welche die WHO 2006 gemeinsam mit anderen Organisationen, darunter Verbänden von Pharmaherstellern, Medizinern und Apothekern gegründet hat.

„Einige der Fälscherbanden waren schon vorher Profis im Drogengeschäft“, hat Plançon gelernt, „und da mit Medikamenten viel zu verdienen ist, testen sie jetzt dieses neue Segment.“

Aus Sicht eines Kriminellen wäre es geradezu sträflich, den weltweiten Arzneimittelmarkt – 2012 voraussichtlich rund 755 Milliarden Euro – zu ignorieren; einen Markt, der von einer nie versiegenden Nachfrage gekennzeichnet ist. Die Gewinnspannen der Fälscher sind fantastisch: Mit einem Einsatz von 1000 Euro lassen sich 500000 Euro erlösen – ein Vielfaches mehr als mit nachgemachter Software, Falschgeld oder klassischen Drogen.