Märchen aus Finnland -  - ebook

Märchen aus Finnland ebook

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Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie "Märchen der Welt". Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: "Märchen der Welt" bietet Ihnen stundenlange Abwechslung. Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches: Das Zauberroß Geld macht nicht reich, wenn Gott nicht hilft Vom dummen Teufel Der Goldvogel Beim Teufel in der Lehre Der Mann mit dem Rindenschuh Die sieben Brüder Der starke Sohn des Schmieds Das törichte Weib Der Zauberring Die Wunderdinge Der Ochsensohn Der Besenbinder und der König Das böse Weib Bruder und Schwester und die goldlockigen Königssöhne Was ist besser: Wahrheit oder Lüge? Wie die Trauerbirke entstanden ist Die dankbaren Tiere Der Kantelespieler Wie sich der Teufel eine Seele fängt Martti Der Sünder und der Königssohn Der sprechende Baum Die Ehegatten Lügenmärchen Das rote Schaf, an dem alles hängen blieb Aschenputtel Die geraubten Töchter Der dem Teufel versprochene Königssohn Das übertretene Verbot Von einem Fisch geboren Erlenklotz "Bekennst du?" Daumerling "Lade und feuere!" Das Teufelsschloß Der Königssohn als Gärtner Der Soldat Ein Kopf Das Märchen vom roten Meere Die Tochter des Kaufmanns Die lebende Kantele Der Bauer und der Bär Das Girren der Taube Die Tiere und der Teufel Der Bär als Richter Der Wolf als Grenzwächter Vom Kranich, der dem Fuchs das Fliegen lehrte Der Kaulbarsch und der Lachs Das Eichhorn, die Nadel und der Fausthandschuh Der alte Hahn Kalevala Die Elster und die Krähe.

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Märchen aus Finnland

Inhalt:

Das Zauberroß

Geld macht nicht reich, wenn Gott nicht hilft

Vom dummen Teufel

Der Goldvogel

Beim Teufel in der Lehre

Der Mann mit dem Rindenschuh

Die sieben Brüder

Der starke Sohn des Schmieds

Das törichte Weib

Der Zauberring

Die Wunderdinge

Der Ochsensohn

Der Besenbinder und der König

Das böse Weib

Bruder und Schwester und die goldlockigen Königssöhne

Was ist besser: Wahrheit oder Lüge?

Wie die Trauerbirke entstanden ist

Die dankbaren Tiere

Der Kantelespieler

Wie sich der Teufel eine Seele fängt

Martti

Der Sünder und der Königssohn

Der sprechende Baum

Die Ehegatten

Lügenmärchen

Das rote Schaf, an dem alles hängen blieb

Aschenputtel

Die geraubten Töchter

Der dem Teufel versprochene Königssohn

Das übertretene Verbot

Von einem Fisch geboren

Erlenklotz

"Bekennst du?"

Daumerling

"Lade und feuere!"

Das Teufelsschloß

Der Königssohn als Gärtner

Der Soldat

Ein Kopf

Das Märchen vom roten Meere

Die Tochter des Kaufmanns

Die lebende Kantele

Der Bauer und der Bär

Das Girren der Taube

Die Tiere und der Teufel

Der Bär als Richter

Der Wolf als Grenzwächter

Vom Kranich, der dem Fuchs das Fliegen lehrte

Der Kaulbarsch und der Lachs

Das Eichhorn, die Nadel und der Fausthandschuh

Der alte Hahn

Kalevala

Märchen aus Finnland

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Sweet Angel - Fotolia.com

Geschichte des Märchens

Ein Märchenist diejenige Art der erzählenden Dichtung, in der sich die Überlebnisse des mythologischen Denkens in einer der Bewußtseinsstufe des Kindes angepaßten Form erhalten haben. Wenn die primitiven Vorstellungen des Dämonenglaubens und des Naturmythus einer gereiftern Anschauung haben weichen müssen, kann sich doch das menschliche Gemüt noch nicht ganz von ihnen trennen; der alte Glaube ist erloschen, aber er übt doch noch eine starke ästhetische Gefühlswirkung aus. Sie wird ausgekostet von dem erwachsenen Erzähler, der sich mit Bewußtsein in das Dunkel phantastischer Vorstellungen zurückversetzt und sich, vielfach anknüpfend an altüberlieferte Mythen, an launenhafter Übertreibung des Wunderbaren ergötzt. So ist das Volksmärchen (und dieses ist das echte und eigentliche M.) das Produkt einer bestimmten Bewußtseinsstufe, das sich anlehnt an den Mythus und von Erwachsenen für das Kindergemüt mit übertreibender Betonung des Wunderbaren gepflegt und fortgebildet wird. Es ist dabei, wie in seinem Ursprung, so in seiner Weiterbildung durchaus ein Erzeugnis des Gesamtbewußtseins und ist nicht auf einzelne Schöpfer zurückzuführen: das M. gehört dem großen Kreis einer Volksgemeinschaft an, pflanzt sich von Mund zu Munde fort, wandert auch von Volk zu Volk und erfährt dabei mannigfache Veränderungen; aber es entspringt niemals der individuellen Erfindungskraft eines Einzelnen. Dies ist dagegen der Fall bei dem Kunstmärchen, das sich aber auch zumeist eben wegen dieses Ursprungs sowohl in den konkreten Zügen der Darstellung als auch durch allerlei abstrakte Nebengedanken nicht vorteilhaft von dem Volksmärchen unterscheidet. Das Wort M. stammt von dem altdeutschen maere, das zuerst die gewöhnlichste Benennung für erzählende Poesien überhaupt war, während der Begriff unsers Märchens im Mittelalter gewöhnlich mit dem Ausdruck spel bezeichnet wurde. Als die Heimat der M. kann man den Orient ansehen; Volkscharakter und Lebensweise der Völker im Osten bringen es mit sich, daß das M. bei ihnen noch heute besonders gepflegt wird. Irrtümlich hat man lange gemeint, ins Abendland sei das M. erst durch die Kreuzzüge gelangt; vielmehr treffen wir Spuren von ihm im Okzident in weit früherer Zeit. Das klassische Altertum besaß, was sich bei dem mythologischen Ursprung des Märchens von selbst versteht, Anklänge an das M. in Hülle und Fülle, aber noch nicht das M. selbst als Kunstgattung. Dagegen taucht in der Zeit des Neuplatonismus, der als ein Übergang des antiken Bewußtseins zur Romantik bezeichnet werden kann, eine Dichtung des Altertums auf, die technisch ein M. genannt werden kann, die reizvolle Episode von »Amor und Psyche« in Apulejus' »Goldenem Esel«. Gleicherweise hat sich auch an die deutsche Heldensage frühzeitig das M. angeschlossen. Gesammelt begegnen uns M. am frühesten in den »Tredeci piacevoli notti« des Straparola (Vened. 1550), im »Pentamerone« des Giambattista Basile (gest. um 1637 in Neapel), in den »Gesta Romanorum« (Mitte des 14. Jahrh.) etc. In Frankreich beginnen die eigentlichen Märchensammlungen erst zu Ende des 17. Jahrh.; Perrault eröffnete sie mit den als echte Volksmärchen zu betrachtenden »Contes de ma mère l'Oye«; 1704 folgte Gallands gute Übersetzung von »Tausendundeiner Nacht« (s. d.), jener berühmten, in der Mitte des 16. Jahrh. im Orient zusammengestellten Sammlung arabischer M. Besondern Märchenreichtum haben England, Schottland und Irland aufzuweisen, vorzüglich die dortigen Nachkommen der keltischen Urbewohner. Die M. der skandinavischen Reiche zeigen nahe Verwandtschaft mit den deutschen. Reiche Fülle von M. findet sich bei den Slawen. In Deutschland treten Sammlungen von M. seit der Mitte des 18. Jahrh. auf. Die »Volksmärchen« von Musäus (1782) und Benedikte Naubert sind allerdings nur novellistisch und romantisch verarbeitete Volkssagen. Die erste wahrhaft bedeutende, in Darstellung und Fassung vollkommen echte Sammlung deutscher M. sind die »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm (zuerst 1812–13, 2 Bde.; ein 3. Band, 1822, enthält literarische Nachweise bezüglich der M.). Unter den sonstigen deutschen Sammlungen steht der Grimmschen am nächsten die von L. Bechstein (zuerst 1845); außerdem sind als die bessern zu nennen: die von E. M. Arndt (1818), Löhr (1818), J. W. Wolf (1845 u. 1851), Zingerle (1852–54), E. Meier (1852), H. Pröhle (1853) u. a. Mit M. des Auslandes machten uns durch Übertragungen bekannt: die Brüder Grimm (Irland, 1826), Graf Mailath (Ungarn, 1825), Vogl (Slawonien, 1837), Schott (Walachei, 1845), Asbjörnson (Norwegen), Bade (Bretagne, 1847), Iken (Persien, 1847), Gaal (Ungarn, 1858), Schleicher (Litauen, 1857), Waldau (Böhmen, 1860), Hahn (Griechenland u. Albanien, 1863), Schneller (Welschtirol, 1867), Kreutzwald (Esthland, 1869), Wenzig (Westslawen, 1869), Knortz (Indianermärchen, 1870, 1879, 1887), Gonzenbach (Sizilien, 1870), Österley (Orient, 1873), Carmen Sylva (Rumänien, 1882), Leskien und Brugman (Litauen, 1882), Goldschmidt (Rußland, 1882), Veckenstedt (Litauen, 1883), Krauß (Südslawen, 1883–84), Brauns (Japan, 1884), Poestion (Island, 1884; Lappland, 1885), Schreck (Finnland, 1887), Chalatanz (Armenien, 1887), Jannsen (Esthen, 1888), Mitsotakis (Griechenland, 1889), Kallas (Esthen, 1900) u. a. Unter den Kunstpoeten haben sich im M. mit dem meisten Glück versucht: Goethe, L. Tieck, Chamisso, E. T. A. Hoffmann, Fouqué, Kl. Brentano, der Däne Andersen, R. Leander (Volkmann) u. a. Vgl. Maaß, Das deutsche M. (Hamb. 1887); Pauls »Grundriß der germanischen Philologie«, 2. Bd., 1. Abt. (2. Aufl., Straßb. 1901); Benfey, Kleinere Schriften zu Märchen-forschung (Berl. 1890); Reinh. Köhler, Aufsätze über M. und Volkslieder (das. 1894) und Kleine Schriften, Bd. 1: Zur Märchenforschung (hrsg. von Bolte, das. 1898); R. Petsch, Formelhafte Schlüsse im Volksmärchen (das. 1900).

Märchen aus Finnland

Das Zauberroß

Es war einmal ein Vater, der hatte drei Söhne. Zwei von ihnen waren klug, aber der dritte war sehr dumm, er konnte weiter nichts als Kuchen aus Asche backen. Nun wurde eines Tages bekanntgemacht, daß der König seine Tochter verheiraten wolle. Er ließ mitten im Lande eine drei Klafter hohe Diele aufrichten und darauf ein kleines Häuschen bauen. Hier hinein setzte er seine Tochter, und wer mit dem Pferde hinaufspringen konnte, sollte sie zur Frau haben. Da strömte viel Volks dorthin, und die klugen Brüder des Aschenhans waren auch dabei. Der Aschenhans aber verstand von alledem nichts, denn er war zu dumm.

Nun begab es sich aber, daß die Brüder hinter dem Hause Weizen geschnitten hatten. Da kam der Teufel in der Nacht und stahl von dem Weizen. Als sie sahen, daß der Weizen weniger geworden war, schickten sie den Aschenhans die folgende Nacht auf den Acker als Wache. Der machte sich aus Gerten drei große Ringe und sprach dabei: "Bist du ein guter Geist, so bleibst du im ersten Ring hängen, bist du ein böser, bleibst du im zweiten hängen, und bist du der Teufel selbst, dann bleibst du im dritten hängen."

Da sieht er, schon naht der Teufel mit Feuer. Eine halbe Werst senkt sich der Boden unter ihm. Wie er an das Weizenfeld kommt, schneidet er mit einem Wurf einen halben Morgen Weizen, der bleibt ihm unterm Arm hängen, und er läuft damit weg. Der Aschenhans springt ihm nach, wirft ihm einen Ring um den Hals und ruft: "Zerreiß den Ring, wenn du's kannst!" Und der Teufel zerriß ihn. Er warf ihm den zweiten Ring um den Hals: "Zerreiß auch den!" Und der Teufel zerriß auch den zweiten. Dann warf er ihm den dritten Ring zu und sagte: "Zerreiß auch den dritten!" Aber der Teufel sprach: "Das kann ich nicht!" – "Aha, das kannst du nicht, dann bist du gefangen."

Und der dumme Hans ergriff den Teufel und sagte zu ihm: "Was zahlst du mir, wenn ich dich laufen lasse?" Der Teufel sprach: "Ich gebe dir ein Pferd, das, wenn du von der einen Seite hineingehst und kommst aus der andern heraus und dann zum linken Ohr hinein- und zum rechten wieder herauskriechst, dich zum schönsten Manne der Welt macht." Und der Aschenhans fragte: "Wo ist denn das Pferd?" Da pfiff der Teufel dreimal, da kam das Pferd. Aus den Nüstern blies es Feuer drei Klafter weit vor sich her. "Was befiehlst du, mein junger Herr?" fragte es den Aschenhans. Und der dumme Hans sagte: "Ei, gar nichts, ich wollte nur einen Versuch mit dir machen." Er kroch ihm zum rechten Ohr hinein und zum linken kam er heraus, da war er so häßlich, wie er häßlicher nicht hätte sein können. Dann ging er durch die rechte Seite hinein und zur linken kam er heraus, und zum linken Ohr hinein und kam aus dem rechten heraus, da war er der schönste Mann von der Welt. Dann ließ er das Roß wieder laufen. Doch kaum war es verschwunden, so war er wieder so häßlich wie früher.

Er ging nach Hause, kroch auf den Ofen und backte dort Kuchen. Die andern Brüder hatten sich die Königstochter angesehen, und der Aschenhans fragte: "Ist es hübsch dort? Wenn ich doch auch einmal mitkäme!" Da sagten die Brüder: "Wer wird dich, Dümmling, wohl einlassen? Du bist so dumm, daß du den Menschen unter die Füße kommst." Da sprach der Aschenhans: "Wenn ihr mich nicht mitnehmt, so denkt an mich."

Als er am Morgen aufgestanden war, nahm er einen Rindenkorb in die Hand und ging in den Wald. Er versteckte seinen Korb unter einen Busch, pfiff zwölfmal und sprach: "Komm her zum dummen Hans, du flinkes Roß." Und des Teufels Pferd kam. Der Aschenhans kroch ihm zum linken Ohr hinein und zum rechten kam er wieder heraus. Da war er der schönste Mann auf Erden. Dann machte er sich auch dahin auf, wo die Königstochter angestaunt und bewacht wurde. Dort angelangt, sprach er zu seinem Pferde: "Spring zur halben Höhe der Säule, spring nicht bis hinauf!" Aber das Roß lief zu und sprang über die Säule hinweg. Da staunte das ganze Volk. War das der Böse oder war es ein Mensch? Unglaublich schien es allen, daß das Pferd so hoch springen konnte. Dann machte sich der Aschenhans auf den Heimweg. Unterwegs begegnete er seinen Brüdern, die auch von dort kamen, die drehten sich um und sagten: "Das war er." Aber sie wußten nicht, daß es ihr dummer Bruder war. Wie er nun an ihnen vorbeikam, schlug er sie zweimal mit der Knute – erst den einen, dann den andern – so fest, daß ihnen die Haut vom Buckel fiel. Dann ging er in den Wald und ließ das Roß laufen. Danach wurde er wieder alt und häßlich wie zuvor. Er sammelte Teufelspilze und brachte sie nach Hause. Da lachte der Vater: "Du Tropf, du bist wahrhaftig nicht gescheit, die Pilze bringen ja den Tod, die Krötenpilze."

Der Aschenhans aber kroch wieder auf seinen Ofen. Als die andern Brüder zur Tür hereinkamen, foppte er sie und sprach: "Haben die Hiebe gut getan?" Die Brüder sagten: "Sei still, oder wir prügeln dich."

Am folgenden Tage gingen sie wieder dorthin, und der Aschenhans bat sie wieder, ihn mitzunehmen, doch sie taten es nicht. "Wartet nur, ihr werdet an mich denken", sprach der dumme Hans zu seinen Brüdern, nahm den alten Rindenkorb und ging in den Wald, um Schwämme zu suchen. Aber er suchte gar keine Schwämme, sondern pfiff bloß zwölfmal, da kam sein Roß. "Was befiehlst du, mein junger Gebieter?" – "Wir machen heute einen großen Ritt." Dann kroch er ihm zum linken Ohr hinein, zum rechten heraus und war ein so schöner Mann, daß es auf Erden nicht seinesgleichen gab. Er machte sich auf, zwei Werst weit sank der Boden unter ihnen ein, drei Klafter weit spie das Roß Feuer. Er kam hin und sprach zu dem Rosse: "Spring so hoch, daß ich der Königstochter die Hand geben kann." Da sprang das Roß so hoch, daß der Jüngling der Königstochter die Hand geben konnte. Das ganze Volk war von Schrecken erfaßt, und sie sagten: "Das ist kein Christ mehr." Dann machte er sich wieder auf den Heimweg. Unterwegs traf er die Brüder wieder. Als er an ihnen vorbeikam, schlug er jeden viermal mit seiner Knute, daß sie kaum nach Hause gehen konnten. Im Walde aber ließ er sein Roß laufen, und danach war er wieder ebenso dumm und häßlich wie zuvor, kroch wieder in die Asche und backte Kuchen.

Die Nacht schliefen die Brüder, aber am anderen Morgen zogen sie wieder hinaus zur Königstochter. Er bat: "Nehmt mich auch zu dem Fest mit!" Doch die Brüder antworteten: "Da werden keine Dummen zugelassen." – "Wenn ihr mich nicht mitlaßt, so kommt ihr nicht auf meine Hochzeit." Da lachten die andern: "Auf wessen Hochzeit?" – "Nun, wenn ich die Königstochter heirate."

Und er ging hinter ihnen her in den Wald, pfiff zwölfmal, da kam sein Roß. Er kroch ihm zum linken Ohr hinein, zum rechten heraus und war so schön, daß dem, der ihn sah, die Augen geblendet wurden. Er ritt durch das staunende Volk mit seinem Roß, und dann befahl er ihm hinaufzuspringen. Da gab er der Königstochter die Hand und einen Kuß. Sie drückte ihm ein Zeichen auf die Stirn und steckte ihm einen goldenen Ring an den Finger. In dem Ring aber stand ihr Name. – Dann sagte er dem Mädchen Lebewohl, und im Fluge ging es heimwärts. Im Walde ließ er das Pferd laufen, und er war wieder so dumm wie früher. Doch als er nach Hause kam, umwickelte er den Ring am Finger mit Pech, daß er nicht leuchten sollte, und verband sich den Kopf, damit der Stempel nicht glänzte. Da fragte sein Vater: "Warum bindest du dir die Stirn zu?" – "Mir tut der Kopf so weh", antwortete der Aschenhans.

Nun, und dann machte sich das ganze Volk auf, um zu sehen, wie ihr der Bräutigam die Hand reichte. Alle hatten sich in Reih und Glied aufgestellt. Und die Königstochter schritt durch die Menge und suchte ihren Verlobten. Zwei Tage suchte sie nach ihm, aber sie fand ihn nicht. Da stieg der König auf den Tisch und rief: "Ist noch einer meiner Untertanen daheim?" Und die Brüder sagten: "Wir haben noch einen blöden Bruder zu Hause." – "Dann bringt ihn hierher!" Die Brüder aber meinten: "Der kann überhaupt nichts." Da schickte der König seinen Kutscher nach ihm aus, aber der Aschenhans ging nicht mit dem Kutscher. Der König ließ seine drei besten Rosse anschirren und schickte seinen eignen Bruder hin, um ihn zu holen, aber auch da kam er noch nicht, und des Königs Bruder kehrte wieder heim.

Danach sagte der Aschenhans zu seinem eignen Ofen: "Geh, Ofen, geh!" Und der Ofen ging durch die Tür und lief davon wie eine Eisenbahn. Und er kam bis unter des Königs Fenster auf seinem eignen Ofen. Da lief ein alter Soldat hinter ihm her und riß ihm die Kleider vom Leibe. Und es rührte sich alles in des Königs Schloß, und sie wollten ihn festnehmen, aber sie kriegten ihn nicht. Er lief aufs Feld, pfiff zwölfmal, da kam sein Roß zu ihm. Flink kroch er ihm zum linken Ohr hinein und zum rechten heraus und ward ein schöner Mann, daß des Königs ganzes Schloß von ihm widerstrahlte. Als er zum drittenmal gegen das Schloß anstürmte, zerbrach er alle Fenster und sprang in die große Halle, wo die ganze königliche Familie beim Mahle saß. Und sie nahmen ihn mit Ehren auf. Dann feierten sie Hochzeit und lebten im Glück bis ans Ende ihrer Tage.

Geld macht nicht reich, wenn Gott nicht hilft

Mitten im Walde lag eine Hütte, die gehörte einem alten Mann. Da die Hütte nicht weit von der Stadt war, so kehrten dort drei Jäger auf der Jagd ein. Der Alte drehte Seile, immer bloß Seile, was anderes machte er gar nicht. Da sprachen die Jäger zu dem Alten: "Laß das Seildrehen!" Sie gaben ihm jeder drei Goldstücke und sagten: "Davon kannst du leben." Nun, der Alte nahm die Goldstücke und steckte sie zwischen die Reifen eines kleinen Fäßchens.

Da kam ein Fuhrmann ins Haus. Der Fuhrmann fragte: "Hat der Wirt kein Gefäß, woraus ich meinem Pferd Häcksel geben kann?" Da holte der alte Mann das Fäßchen und sagte: "Gib ihm hieraus den Häcksel." – Die Goldstücke zwischen den Faßreifen hatte er vergessen. – Als der Mann sein Pferd gefüttert hatte, ging er fort und warf das Fäßchen auf die Fuhre: "Das kann ich noch ein andermal zum Füttern brauchen", und er fuhr davon. Der Alte drehte wieder Seile ums liebe Brot, da sein Geld weg war und er nicht wußte, von was er sonst leben sollte.

Als die Jäger zur Jagd kamen, machten sie wieder im selben Hause Rast. Der Alte drehte immer noch Seile, und sie sagten wieder zu ihm: "Laß das Seildrehen, Alter", und gaben ihm abermals jeder drei Goldstücke. Nun hatte er aber gerade einen großen Hut auf, da steckte er das Geld in das Hutfutter. Dann gingen die Jäger fort.

Der Alte trat aus dem Hause, da kam ein großer Vogel geflogen, nahm dem Alten den Hut vom Kopf, und seine Goldstücke waren dahin. Er drehte Seile, machte daraus ein Schleppnetz und verkaufte das Netz an zwei Bauern. Dann gab er den Käufern noch einen guten Strick dazu und sprach: "Wenn ich den Strick dem Netz beigebe, so ist der erste Fang mit dem Netz mein." Sie warfen das Netz aus, aber als sie es wieder aus dem Wasser zogen, hing nur ein einziger Fisch im Netz. Den gaben sie dem Alten, und er trug ihn nach Hause.

Der Fisch aber hatte im Meer einen Stein verschluckt, und der Alte fand den Stein im Magen des Fisches, als er ihn aufschnitt. Es war ein Stein, wie ihn die Vornehmen in Ringen tragen und die feinen Damen als Ohrgehänge, ein sehr kostbarer Stein. Wieder kamen die Jäger zu ihm. Sie sahen den Stein, und er erzählte ihnen, wie er dazu gekommen war. Da half Gott dem Alten, daß er wieder Geld bekam. Die Herren gingen nach der Stadt zurück und erzählten dort von dem kostbaren Stein, den der alte Mann habe, und es kamen Käufer von dort, die kauften den Stein und gaben ihm sehr viel Geld dafür. Sie kauften ihm eine Bauernwirtschaft und forderten ihn auf, dort zu wohnen. Und der Alte zog in die Wirtschaft. Als er aber in den Hof kam, stand da sein Fäßchen. Er beguckte es und sprach: "Das ist ja mein Fäßchen, das der Mann mitgenommen hatte!" Und er sah nach: "Ob wohl das Geld noch zwischen den Faßreifen steckt?" Da war das Geld noch vorhanden. Und der Alte nahm das Geld. Dann stand dort mitten im Garten eine große Birke. In der Birke aber war ein Vogelnest, und das Nest war der Hut, den der Vogel dem Alten weggenommen hatte, in dem die andern Goldstücke steckten. So bekam der Alte auch seinen Hut und sein Geld wieder. Und er lebte in dem Bauernhof bis an sein Ende.

Vom dummen Teufel

1

Es ging ein Mann den Weg entlang und hörte, wie aus einer hohen Tanne ein Teufel um Hilfe rief. Da sprach der Mann: "Erst sag, was du mir gibst, wenn ich dir helfe." – "Was du willst." Da sagte der andere: "Soviel Gold, als ich nur tragen kann, will ich zum Lohn." Und das versprach ihm der Teufel. Und der Mann fragte: "Wie kann ich dir wohl helfen?" – "Nimm einen Strohhalm", sagte der Teufel, "und steck ihn in das Loch im Stamm, dann kann ich heraus." Da nahm der Mann einen Strohhalm und steckte ihn in das Loch, und der Teufel kam aus dem Baum hervor. Darauf lief er fort und holte einen Haufen Gold herbei, soviel der Mann nur tragen konnte. Der nahm das Gold, dann sprach er zum Teufel: "Wie bist du nur in das kleine Loch hineingekommen und dann wieder heraus? Das zeig mir doch einmal." Der Teufel machte sich klein und kroch wieder in die Tanne. Da machte der Mann ein Kreuz über dem Loch, und der Teufel blieb für immer in dem Baum sitzen.

2

Ein Bauer dünstete sich in der Darre auf dem Ofen Kohlrüben. Und der Teufel kam hin, nahm einen Stein vom Ofen und drückte ihn so fest, daß die Spuren seiner Finger in dem Stein blieben. Dann sprach er: "So drücke ich dich, Menschenkind." Der Bauer nahm flink eine gedünstete Rübe vom Ofen fort und drückte sie so, daß der Brei zwischen den Fingern durchquoll. Dabei sprach er zum Teufel: "Und so quetsche ich dich." Da sagte der Teufel: "Au, was du stark bist! Ich habe nur die Finger hineingedrückt, aber du drückst ja, daß alles zwischen den Fingern hindurchspritzt. Wenn du so stark drücken kannst, so bist du auch stark genug zum Ringen. Komm, laß uns hingehen und sehen, wer von uns beiden der Stärkste ist."

Da sprach der Bauer: "Es ist mir nicht der Mühe wert, mit dir zu ringen; aber dort auf dem Haferfeld ist mein Sohn, geh und bitte den, mit dir zu ringen. Er ist etwas schwerhörig, du mußt tüchtig schreien, damit er aufsteht und daherbrummelt." Und der Teufel ging hin. Aber als er auf den Bär zukam, packte ihn der, warf ihn unter sich und drückte ihn so, daß ihm Hören und Sehen verging. Er lief wieder zu dem Manne zurück und sprach: "Mit dir ringe ich nicht, ich habe genug an deinem Sohn, wenn der schon so unglaublich stark ist, wieviel stärker mußt du erst sein!"

Und der Böse sagte zu dem guten Manne: "Komm, laß uns um die Wette laufen und sehen, wer beim Laufen gewinnt!" – "Es ist mir nicht der Mühe wert, mit dir zu laufen", antwortete der Bauer, "aber dort im Gebüsch sitzt meine jüngste Tochter, geh zu ihr und sprich: ›Komm mit, laß uns um die Wette laufen.‹" Der Teufel sah eine Häsin im Grase sitzen, und er ging auf sie zu. Aber wie sie anfingen, um die Wette zu laufen, sah er nicht, daß sie den Boden berührte. Wieder kam er zu dem Bauer und sprach: "Mit dir lauf' ich nicht. Ich habe deine Tochter den Boden nicht berühren sehen, so ist sie gesprungen."

Hierauf holte er einen goldenen Knopf aus der Tasche und sprach: "Den wollen wir jetzt werfen." Er nahm ihn und schleuderte ihn so hoch, daß man nicht mehr als ein winziges Pünktchen davon sah. Dann sagte er zum Bauer: "Wirf du jetzt!" Und der gute Mann dachte: ›Was soll ich jetzt anfangen, wo ich nicht werfen kann wie er?‹ – "Nun", sprach der Teufel, als er ihn so dastehen und überlegen sah, "was überlegst du lange?" Der Bauer guckte an den Himmel, sah eine Wolke kommen und sprach: "Wart, wart, ich gucke, bis die Wolke da kommt, dann werf ich ihn hinauf, und du bist ihn los." Da riß ihm der Teufel den goldenen Knopf aus der Hand und rief: "Du kämest mir recht, mir meines seligen Vaters Goldknopf wegzuwerfen!" – lief davon und kam nicht wieder.

Der Goldvogel

Es war einmal ein König, der hatte vier Söhne. Er hatte einen silbernen Baum, und auf dem Baume wuchsen goldene Äpfel. In der Nacht aber kam ein Goldvogel in den Garten und stahl von den Äpfeln. Da ging der älteste Sohn hin und hielt Wache. Er wachte die ganze Nacht, aber er sah nichts. Dann ging der zweite Bruder als Wache, der sah auch nichts. Nun kam der allerjüngste Sohn zu seinem Vater und sprach: "Vater, laß mich einmal wachen!" Der Vater wollte ihn nicht gehen lassen, weil er noch so jung war, aber schließlich ließ er es zu. Der Knabe nahm ein Messer und eine Kanne voll Wasser. Mit dem Messer schnitt er sich einen Stock vom Baume und mit dem Wasser wusch er sich das Gesicht, um nicht einzuschlafen. Dann wachte er die Nacht auf dem Baume. Da kam der Vogel geflogen, und der Knabe sprang vom Baum herunter und haschte nach ihm, um ihn zu fangen, aber er hatte nur eine Feder erwischt. Die strahlte wie lauter Feuer. Früh am Morgen ging er nach Hause, und der Vater fragte ihn: "Nun, was hast du gesehen?" Und der Königssohn sprach: "Es flog ein Goldvogel in den Garten, aber als ich nach ihm griff, behielt ich nur eine Feder in der Hand."

Da schickte der Vater den ältesten Sohn aus, den Vogel zu suchen. Er gab ihm ein gutes Pferd und dreihundert Taler mit auf den Weg. Der ritt drei Tage lang, und als es Abend wurde, kam er an einen großen Wald, wo er nicht hindurchkonnte, und er kehrte wieder um. Danach zog der zweite Sohn aus und nach ihm der dritte, um den Wundervogel zu fangen. Der Vater gab jedem sechshundert Taler in den Beutel und sein allerbestes Pferd. Aber beiden erging es wie dem ältesten.

Da bat der Jüngste wieder: "Vater, laß mich ausziehen und den Vogel suchen! Ich nehme die Feder als Kennzeichen mit." Der Vater gab ihm ein Pferd und soviel Geld für die Reise, wie ein Pferd zu tragen vermochte. Und der Knabe ritt so lange, bis der Weg zu Ende war. Da kam er erst an einen großen Wald und dann vor eine große steinerne Mauer. Er ritt durch den Wald, ritt zwischen Tigern und Bären hin und kam auf eine breite Landstraße, wo drei Wegweiser standen. Auf dem ersten stand geschrieben:

"Gehst du den Weg, wirst du und dein Pferd gefressen."

Auf dem zweiten stand:

"Du wirst gefressen, das Pferd bleibt am Leben."

Und auf dem dritten war zu lesen:

"Das Pferd wird unter dir gefressen, du bleibst am Leben."

Da überlegte der Knabe drei Tage lang, wohinaus er gehen sollte, und er ging schließlich den Weg, wo geschrieben stand: "Das Pferd wird gefressen, du bleibst am Leben." Kaum hatte er den Weg betreten, als ein Löwe auf ihn lossprang, und sein Pferd zerfiel unter ihm in zwei Hälften. Da weinte der Knabe drei Tage lang. Aber der Löwe kam und sprach: "Setz dich auf meinen Rücken." Er tat, wie ihm geheißen wurde, und der Löwe sprang mit ihm drei Werst auf einmal. Als er ihn drei Tage getragen hatte, fragte er den Knaben: "Wohin willst du denn eigentlich?" Da sagte der Knabe: "Zu dem Goldvogel." Da lief er wieder drei Tage mit dem Jungen auf dem Rücken.

Sie kamen an einen hohen Hügel, der maß sieben Klafter, und der Löwe sprang mit dem Jungen den Hügel hinauf. Dort war ein Zaun von großen Apfelbäumen, und an dem Zaun hing ein prächtiger goldener Käfig, darin saß der Vogel. "Nimm den Vogel", sprach der Löwe, "aber den Käfig nimm nicht!" Der Knabe sah auf, gewahrte den schönen Vogel und den noch schöneren Käfig und nahm den Vogel mit dem Käfig. Da kamen sie mit Stangen und Piken und fingen den Knaben. Sie ließen ihn nicht eher fort, als bis er versprach, ihnen aus dem andern Königreich ein flachsmähniges Roß zu bringen. Da lief er zu dem Löwen und sprach: "Sie haben mich gepackt und mir befohlen, aus dem andern Königreich ein flachsmähniges Roß zu bringen." Da schalt ihn der Löwe tüchtig und sprach: "Den Vogel solltest du nehmen, aber nicht den Käfig."

Dann setzte sich der Knabe wieder auf den Rücken des Löwen, und sie liefen in das andere Königreich und gingen dort in die königlichen Ställe, wo ein flachsmähniges Roß stand. Da sprach der Löwe: "Das Pferd nimm, aber den Zaum nimm nicht!" Er ging auf das Pferd zu. Das Pferd war schön, doch der Zaum noch schöner, er konnte das Pferd nicht ohne den Zaum wegführen. Er warf ihm das Zaumzeug über den Kopf, aber es fing an zu klirren, so daß sie ihn ergriffen. Dann sagten sie zu ihm: "Wir geben dir nur dann das Pferd, wenn du hingehst und uns aus dem dritten Königreich die allerschönste Jungfrau bringst, die schöne Marina."

Nun, da machten sie sich nach dem dritten Königreich auf, und sie kamen unter des Königs Fenster. Dort war ein großer Garten. Der Löwe ging hinein, versteckte sich unter einem Apfelbaum und wartete auf die Jungfrau. Als sie in den Garten kam, nahm er sie auf den Rücken und lief davon, und der Knabe setzte sich hinter das Mädchen. Da jagten ihnen drei Wächter nach. Der Löwe legte das Ohr an den Boden, um zu hören, ob sie verfolgt würden, und er hörte, daß sie ihnen nachjagten, denn der Boden zitterte. Er ließ den Knaben und das Mädchen in den Wald laufen und zerriß alle drei Wächter. Dann nahm er beide wieder auf den Rücken, und sie liefen dahin, wo der Knabe die Jungfrau hinbringen sollte. Da verwandelte sich der Löwe selbst in ein Mädchen und sprach zu dem Knaben: "Wenn drei Tage vergangen sind, so rufe mich!" Nach drei Tagen rief ihn der Knabe, und er war wieder bei ihnen. Dann liefen sie dorthin, wo sie das flachsmähnige Roß haben wollten. Der Löwe machte sich selbst zum Rosse und sprach: "Wenn du fünf Tage mit dem Rosse gewartet hast, so rufe mich!" Da riefen sie lange, aber der Löwe kam nicht.

Doch zuletzt bekam der Knabe alles! Das Mädchen bekam er, das flachsmähnige Roß mit dem Zaum und den Goldvogel in dem Käfig. Sie machten sich auf den Heimweg und gelangten zu dem Platze, wo der Löwe das Pferd gefressen hatte. Da war der Löwe wieder bei ihnen, und der Knabe dankte dem Löwen, daß er ihm so viel Gutes getan hatte. Dann zog er mit seiner jungen Braut weiter, und sie ritten auf dem flachsmähnigen Rosse der Heimat zu. Am Wege aber stand ein Eichbaum, so schön, wie noch niemand einen gesehen hatte. Und der Knabe und das Mädchen waren so müde, daß sie sich nicht mehr auf dem Pferde halten konnten. Sie stiegen ab, banden das Pferd an den Baum und legten sich unter die Eiche, um zu schlafen. Den Goldvogel hängten sie mit dem Käfig in den Baum an einen Ast. Da kam der älteste Bruder des Weges daher. Er sah, wie der jüngste mit seiner Braut schlief, sah an dem Baumstamm das flachsmähnige Roß angebunden und den Goldvogel in dem goldenen Käfig an dem Aste schaukeln. Da ärgerte er sich, daß sein jüngster Bruder alles bekommen hatte. Er fiel über ihn her und tötete ihn. Dann nahm er den Vogel, das Mädchen und das flachsmähnige Roß und ging nach Hause.

Aber der Löwe wurde gewahr, daß jener Mann den Knaben getötet hatte, der mit ihm gegangen war, lief unter die Eiche und deckte seinen Leichnam mit Blättern zu. Es kamen aber ein Schwan und ein Rabe herbeigeflogen, die begannen an dem Knaben zu picken. Da sprang der Löwe aus dem Versteck, packte die Vögel und sprach zu ihnen: "Wenn ihr Wasser des Lebens und Wasser des Todes bringt, lasse ich euch fliegen." Und die Vögel brachten ihm Wasser vom Lebensquell. Da las er alle Stücke zusammen, die abgehauen waren, und bestrich sie mit dem Wasser des Todes, da wurde der Körper wieder ganz, und die Wunden schlossen sich. Dann benetzte er mit Lebenswasser seine Lippen, und der Knabe wurde wieder lebendig. Er stand auf und sprach: "Huhu, huhu, wie lange hab' ich geschlafen!" Der Löwe antwortete ihm: "Du hättest bis in alle Ewigkeit geschlafen, wenn ich nicht gewesen wäre." Dann hieß er ihn flink heimgehen, wo sie alles zur Hochzeit bereiteten, denn der älteste Bruder wollte seine Braut freien.

Da bat der Knabe den Löwen, ihn so schnell wie möglich nach Hause zu bringen. Er kam heim zu seinem Vater, und der Löwe ging mit ihm und sprach: "Wenn Ihr die Hochzeit nicht verhindert, zerreiße ich alle Hochzeitsgäste in Stücke." Da wurde die Hochzeit abgesagt. Und der Knabe erzählte alles, wie es sich zugetragen hatte, daß er mit Hilfe des Löwen alles bekommen hatte, wie er sich mit seiner Braut unter die Eiche gelegt, um zu schlafen, und der Bruder gekommen war, ihn getötet und beraubt hatte. Da gab der Vater Befehl, den ältesten Bruder an den Schweif des flachsmähnigen Rosses zu binden, und ließ den jüngsten damit in den Wald jagen. Dort aber schleifte dieser den Betrüger so lange, bis kein Glied mehr am andern war.

Beim Teufel in der Lehre

In einem Dorfe lebten ein alter Mann und eine alte Frau. Sie hatten nur einen einzigen Sohn, den wollten sie etwas Ordentliches lernen lassen. Eines Morgens nahm der Vater seinen Sohn, und beide gingen zum Schloß. Unterwegs begegnetete ihnen der Böse, der fragte: "Wo willst du denn mit dem Jungen hin?" – "Ich bringe ihn ins Schloß, er soll etwas lernen." – "Gib ihn mir in die Lehre", sagte der Böse. Da fragte der alte Mann: "Wer bist du denn, und was soll er bei dir lernen? Ich will, daß mein Junge ein Schmied wird." – "Ich bin ein Schmied", sprach jener. – "Wo wohnst du denn?" – "Ich wohne hier." – Da stand plötzlich ein großes Gehöft vor ihnen. Nun, da gab ihm der Alte seinen Sohn für fünf Jahre und ging nach Hause. Sie hatten aber abgemacht, daß er ihn während dieser fünf Jahre nicht besuchen dürfe. Er kam nach Hause, und da schalt die Mutter: "Warum hast du ihm den Jungen gegeben?"

Daraufhin ging er am nächsten Morgen wieder zum Schloß. "Ich hole den Jungen fort und geb' ihn anderswo in die Lehre!" Er kam zu der Stelle, wo sie sich getrennt hatten, ging durch das ganze Gehöft, fand aber niemand.

Fünf Jahre waren vergangen, die Lehrzeit seines Sohnes war zu Ende, und der Vater wollte ihn abholen. Als er sich aber aufmachte, flog ein Knäuel Garn zum Fenster herein, fiel auf die Erde, und auf einmal stand sein Junge vor ihm und sprach: "Vater, morgen kommst du, um mich abzuholen, aber sie geben mich dir nicht. Man läßt zwölf Tauben fliegen, und ich bin die dritte von links, da sollst du raten, welche dein Sohn ist. Wenn du es rätst, bekommst du mich, wenn nicht, so bleibe ich dort. Ich bin beim Teufel in der Lehre." Dann verschwand der Knabe wieder als Knäuel, wie er gekommen war.

Am andern Morgen ging der Vater fort. Das Gehöft war groß. Da kam ihm der Böse entgegen und fragte: "Nun, willst du deinen Jungen holen?" – "Jawohl, das will ich." – "Dann komm!" Und sie gingen zusammen weiter. Da ließ der Böse zwölf Tauben fliegen und sprach zu dem Alten: "Wenn du deinen Jungen darunter herausfindest, kriegst du ihn." Der Alte sprach: "Ich habe dir keine Tauben gegeben, du gibst mir jetzt den Jungen heraus!" Und der Böse antwortete: "Wenn du ihn nicht heraussuchen willst, mach, daß du fortkommst! Den Jungen kriegst du nicht." Da sagte der Alte: "Die dritte von links ist mein Junge." Aber der Böse sprach: "Heut' geb' ich ihn dir noch nicht, du mußt dreimal raten, bis du ihn bekommst."

Der Vater ging nach Hause und erzählte seiner Frau alles. Das Fenster war offen, da flog wieder ein Ball herein und fiel auf die Diele, und es war wieder sein Sohn, der sprach: "Ach, Vater, morgen mußt du wieder raten. Es sind unser zwölf Knaben, davon sieht einer aus wie der andere, ich bin rechts von außen der zweite."