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In den kargen Bergen von Preseli wird ein uraltes Ritual vollzogen: Männer und Frauen schleppen riesige Blausteine über hunderte von Kilometern, getrieben von Aufsehern, gebunden durch Traditionen, deren Sinn längst vergessen scheint. Nkechi Osaghae entführt uns in eine archaische Welt, in der das Schweigen schwerer wiegt als Worte und jeder Schritt gezählt wird, um das Unerträgliche erträglich zu machen. Brac ist ein Schlepper. Sein Leben besteht aus Steinen, Seilen und der endlosen Wiederholung von Gesängen, deren Bedeutung ihm fremd geblieben ist. Er zählt Schritte, Rillen im Gestein, die Gesichter seiner Mitgefangenen – nicht aus Neugier, sondern um nicht zu vergessen, dass er noch lebt. An seiner Seite Mella, kleiner und dennoch unbeugsam, die von einem Leben nach Norden träumt. Über ihnen Arun, der Aufseher mit der Tätowierung auf der Stirn, dessen Eichenstab den gnadenlosen Rhythmus vorgibt. Die Erzählungen in diesem Band zeichnen sich durch eine unnachgiebige Präzision aus, mit der sie menschliche Schicksale in extremen Situationen erkunden. Osaghae schreibt in einer kargen, beinahe steinigen Sprache, die perfekt zu ihren Themen passt: Unterdrückung und stiller Widerstand, die Last von Traditionen, die Suche nach Würde unter unmenschlichen Bedingungen. Jede Geschichte ist ein Mosaik aus kleinen Beobachtungen, aus denen sich nach und nach ein erschütterndes Gesamtbild zusammensetzt. "Die Zunge der Steine" ist kein Buch für schnelle Antworten oder Trost. Es ist Literatur, die fordert und nachhallt, die unter die Haut geht wie die Tätowierungen der Tempel-Clans. Ein eindrucksvolles Debüt einer Autorin, die zu beobachten lohnt.
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Liczba stron: 157
Rok wydania: 2026
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