Das Land Hessen -  - ebook

Das Land Hessen ebook

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Im Jahr 2014 jährt sich zum 60. Male die Gründung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Was liegt da näher, als dieses Jubiläum zum Anlass einer aktuellen Standortbestimmung unseres Bundeslandes zu nehmen? Der vorliegende Sammelband zu Historie, Gesellschaft und Politik des Landes Hessen will einen vielfältigen und lebendigen Überblick über die wechselvolle Vergangenheit Hessens und den erfolgreichen Werdegang seiner Demokratie seit 1949 geben - ein Land in der Mitte Deutschlands und Europas, in dem sich wie in kaum einem anderen die deutsche und europäische Geschichte verdichtet hat und bis in die Gegenwart ausstrahlt: als Handels- und Verkehrsknotenpunkt, als Kultur- und Bildungslandschaft und nicht zuletzt als einer der Wegbereiter der Deutschen Einheit in den Umbruchjahren 1989/90. Einleitend befasst sich das Buch mit dem Werden Hessens: der Entstehung des Landes und seiner Identität (E. G. Franz), seinen Regionen (B. Dölemeyer) und seiner Verfassungs- und Parlamentarismusgeschichte (M. Friedel). Der politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Gegenwart widmen sich Beiträge über die Verfassungsorgane (H. Günther), die politische Kultur und das Parteiensystem (K. Arzheimer) sowie die Landesverwaltung (G. D. Falk/J.-D. Braun) Hessens, während ein weiterer Abschnitt sich mit Bevölkerung (S. Stadtmüller/A. Klocke) und Wirtschaft (R. Banken) unseres Bundeslandes befasst. Nach dem Blick auf Hessens Bildungslandschaft (G. Böhme) und der politischen Bildungsarbeit (B. Hafeneger) im Lande schließt das Buch mit einem Beitrag über Hessen und Thüringen als Vorreiter der Deutschen Einheit (W. Wolf).

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Das Land Hessen

Geschichte – Gesellschaft – Politik

herausgegeben von Bernd Heidenreich und Angelika Röming

Verlag W. Kohlhammer

1. Auflage 2014

Alle Rechte vorbehalten

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-23259-4

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-025521-0

epub:    ISBN 978-3-17-025519-7

mobi:    ISBN 978-3-17-025520-3

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Günther Böhme gewidmet

Inhaltsverzeichnis

 

 

Vorwort

Bernd Heidenreich

Das Werden Hessens

Zur politischen Landeskunde Hessens

Eckhart G. Franz

Einheit in der Vielfalt – Das Land Hessen und seine Regionen

Barbara Dölemeyer

Hessens Verfassungs- und Parlamentarismusgeschichte im 19. Jahrhundert

Mathias Friedel

Verfassung, politische Kultur und Verwaltung

Die Verfassungsorgane des Landes Hessen

Herbert Günther

Politische Kultur und das Parteiensystem in Hessen

Kai Arzheimer

Die Landesverwaltung

Georg D. Falk und Jens-Daniel Braun

Bevölkerung und Wirtschaft

Die demografische Entwicklung in Hessen

Sven Stadtmüller und Andreas Klocke

Hessen vorn? Die Entwicklung der hessischen Wirtschaft im 20. Jahrhundert

Ralf Banken

Bildung

Die Bildungslandschaft Hessens seit dem Zweiten Weltkrieg

Günther Böhme

Die politische Bildungsarbeit in Hessen in den letzten 60 Jahren

Benno Hafeneger

Hessen und Thüringen als Vorreiter der Deutschen Einheit

Die Aufbauhilfe der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen 1989 bis 1992

Werner Wolf

Anhang

Autorenverzeichnis

 

 

Bernd Heidenreich

Vorwort

 

 

Im Jahr 2014 jährt sich zum 60. Male die Gründung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Von Anfang an gehören die Entwicklung und Förderung eines freiheitlich-demokratischen Bewusstseins, die Aufklärung über Grundlagen, Institutionen und Verfahren unseres politischen Gemeinwesens zum Kern der Bildungsarbeit dieser Einrichtung. Was liegt da näher, als dieses Jubiläum zum Anlass einer aktuellen Standortbestimmung unseres Bundeslandes zu nehmen, die sich einreiht in die Schriftenreihe der Landeszentrale zur hessischen Landeskunde?

Hessen ist ein Land in der Mitte Deutschlands und Europas, in dem sich wie in kaum einem anderen die deutsche und europäische Geschichte verdichtet hat. In Frankfurt am Main sind die deutschen Kaiser gewählt und später auch gekrönt worden, hier trat 1848/49 das erste demokratisch gewählte Parlament zusammen. In Hessen haben sich von jeher Handels- und Verkehrswege gekreuzt. Es war und ist Verkehrsknotenpunkt, Warenumschlagplatz und Kapitalmarkt für Deutschland und Europa. Aber auch Kunst und Kultur haben unsere Region geprägt: In den Grenzen des heutigen Bundeslandes Hessen haben große Dichter und Denker gewirkt, wurden bahnbrechende Erfindungen gemacht und wirkungsmächtige Bücher geschrieben.

Krieg und Gewaltherrschaft haben allerdings auch in Hessen ihre Spuren hinterlassen. 2014 jährt sich zum 100. Mal der Beginn des 1. Weltkrieges. Wir erinnern uns an den 75. Jahrestag des Ausbruchs des 2. Weltkrieges, der mit Hitlers Überfall auf Polen begann. Millionen von Toten und zerstörte Städte wie Frankfurt, Darmstadt, Gießen oder Kassel sind uns Mahnung und Verpflichtung zum Frieden. Die Verbrechen des Nationalsozialismus und der Holocaust erinnern uns an die dunkelsten Kapitel der deutschen und hessischen Geschichte. Erst mit dem Fall der innerdeutschen Grenze und dem Glücksfall der Deutschen Einheit ging das Zeitalter der Weltkriege endgültig zu Ende.

Die wechselvolle Geschichte Hessens und die Erfolgsgeschichte seiner Demokratie seit 1949 sind es Wert, innezuhalten, auf das Erreichte zu schauen, die Gemeinsamkeiten wie auch die Widersprüche zu beleuchten und einen Blick auf die Zukunftsperspektiven zu richten. Wir wollen damit Grundwerte, Geschichtsbewusstsein und Identität unseres Landes stärken.

Mit dem vorliegenden Sammelband zu Land und Politik in Hessen soll diese tour d’horizon in vielfältiger Weise beschritten werden. Einleitend gibt Eckart G. Franz einen kompakten Überblick über die politische Landeskunde in Hessen und das Entstehen einer hessischen Identität, während Barbara Dölemeyer das Land Hessen und seine Regionen unter dem Signum „Einheit in der Vielfalt“ auf anschauliche Weise näher bringt und Mathias Friedel die Verfassungs- und Parlamentarismusgeschichte der Vorgängerstaaten des heutigen Bundeslandes Hessen beleuchtet. Unverzichtbares Fundament unseres politischen Gemeinwesens ist seine freiheitlich-demokratische Verfassung und die sie tragenden Verfassungsorgane, die Herbert Günther in seinem Beitrag vor dem Hintergrund seiner vielfältigen Erfahrungen in Verwaltung, Rechtspflege und Lehre erläutert. Einen Blick auf die politische Kultur und das Parteiensystem in Hessen wirft Kai Arzheimer in seinem Beitrag, während Georg D. Falk und Jens-Daniel Braun die Landesverwaltung darstellen.

Mit seiner Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur gehört Hessen, das vor großen demografischen Veränderungen steht, zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern in Deutschland. Sven Stadtmüller und Andreas Klocke beschreiben seine soziale Struktur und seine regionalen Besonderheiten, so dass ein differenzierteres Bild der Bevölkerungsentwicklung und der zukünftigen Entwicklungstrends sichtbar wird, auf die Politik und Gesellschaft neue Antworten finden müssen. Ralf Banken zeigt in seinem Beitrag zur Wirtschaft des Landes Hessen im 20. Jahrhundert die historische Entwicklung, die Fundamente und die Zukunftsaussichten der hessischen Wirtschaftsregionen.

Für eine Einrichtung wie die Hessische Landeszentrale für politische Bildung ist der Blick auf die Bildungslandschaft und ihre Vielfalt von zentraler Bedeutung. In zwei Beiträgen soll dies vertieft werden: Während Günther Böhme die Bildungslandschaft Hessens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet, widmet sich Benno Hafeneger der politischen Bildungsarbeit in ihrer ganzen Vielfalt. Werner Wolf ruft schließlich eine besonders spannende Facette der Geschichte unseres Bundeslandes wie auch der Landeszentrale für politische Bildung in Erinnerung: Die Zeit der Wiedervereinigung und des politischen Umbruchs in der ehemaligen DDR und den neuen Ländern nach 1990. Er berichtet von den engen Beziehungen zwischen Hessen und Thüringen sowie vom gemeinsamen Aufbau der politischen Bildung im neugegründeten Freistaat. Hier verdichtet sich wie unter einem Brennglas die herausragende Bedeutung staatsbürgerlicher, demokratischer Bildung für ein freiheitliches, offenes Gemeinwesen.

Mit den ausgewählten Aspekten wird das Bild eines historisch wie politisch lebendigen, traditionsbewussten, regional und sozial vielfältigen, wirtschaftlich starken und bildungspolitisch engagierten Bundeslandes Hessen gezeichnet. Wir wollen damit zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und der politischen Verfasstheit unseres Landes, mit den Grundlagen seiner Demokratie und den wichtigen Pfeilern unseres Gemeinwesens einladen. Allen Autorinnen und Autoren, die daran mitgewirkt haben, danke ich für ihre Beiträge, insbesondere meiner Mitherausgeberin Angelika Röming.

Dr. Bernd Heidenreich

Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung

 

 

    Das Werden Hessens

Eckhart G. Franz

Zur politischen Landeskunde Hessens

Am Beginn einer hessischen Landeskunde stehen fast zwangsläufig die Kapitel 30 und 31 De Chattorum regione der Germania des römischen Geschichtsschreibers Cornelius Tacitus, die mit vollem Titel wohl De origine et situ Germanorum hieß.1 Dass die etymologische Verknüpfung der Chatten mit den erstmals in einem päpstlichen Sendschreiben von 738 an den Missionar Winfrid Bonifatius belegten Hassi nach wie vor strittig ist, hat die späteren Landgrafen von Hessen nie gehindert, sich als Cattorum princeps zu bezeichnen.2 Noch in der latinisierten Promotionsurkunde der Universität Köln aus dem Jahre 1956 erscheint der Herkunftsort des Verfassers mit ex Marpurgo Cattorum.

Der germanische Stamm der Chatten, der sich im Zuge der Völkerwanderung vor der Zeitenwende in der zuvor keltisch besiedelten Berg- und Hügellandschaft des heutigen Niederhessen um die Flüsse Fulda, Eder und Lahn festgesetzt hatte, rückte mit der Eroberung des mit einem Ring von Wallburgen befestigten Hauptorts Mattium (heute: Metze bei Gudensberg) durch das Römerheer des Augustus-Enkels Germanicus im Jahre 15 nach Christi ins Licht der Geschichte. Tacitus vergrößerte das Gewicht dieses militärischen Erfolgs, indem er die besondere Tapferkeit und Disziplin der Chatten hervorhob. Ihr Siedlungsgebiet reichte zwar, wie der lateinische Name des späteren Wiesbaden, der nach einem Teilstamm der Chatten benannten Aquae Mattiacae, belegt, bis in den Rheingau. Doch blieb der Hauptstamm letztlich außerhalb der Befestigungslinie des römischen Limes am Nordrand der Wetterau, die auch nach ihrer Zerstörung durch die in den Rhein-Main-Raum vorgedrungenen Alemannen im 4. Jahrhundert eine bis in die jüngste Zeit nachwirkende Sprach- und Kulturgrenze geblieben ist: Im Süden des Limes spricht man Rheinfränkisch, das, was der heutige Fernsehzuschauer unter Hessisch versteht, nördlich davon Mitteldeutsch, die althessische Mundart, die im Meißner- und Werraland vom Thüringischen abgelöst wird.

Die in mehrere Teilstämme aufgesplitterten Chatten verblieben in ihrem Siedlungsbereich, als sie mit der Vertreibung der Alemannen durch den Frankenkönig Chlodwig um 500 dem fränkischen Großreich eingegliedert wurden. Die Gerichts- und Verwaltungseinheiten der Gaue, zu denen neben dem bereits genannten Hessengau mit dem chattischen Kernland um die Gerichtsstätte Maden bei Gudensberg der Lahngau mit Marburg, die Wettereiba, der Niddagau wie auch der Rhein- und Maingau zählten, reichen wohl noch in die vorfränkische Zeit zurück. Mit der Franken-Herrschaft kam die Christianisierung des Landes, deren symbolischer Höhepunkt die Fällung der heidnischen Donareiche bei Fritzlar-Geismar durch den zum Missionsbischof bestellten Angelsachsen Winfrid/Bonifatius 723 werden sollte. Wirkmächtiger als sein kurzlebiges Bistum Büraburg wurden die Klostergründungen in Fulda, Hersfeld und Lorsch. Unter Karl dem Großen, der 794, wenige Jahre vor der Erneuerung der römischen Kaiserwürde, in der damit erstmals belegten Königspfalz Franconofurd eine große Reichssynode abhielt, wurde das Rhein-Main-Gebiet zum Kernland seines Reiches, während das heutige Nordhessen mit der wichtigen Weinstraße Aufmarschgebiet gegen die widerspenstigen Sachsen war.

Am Widerstand der Sachsen scheiterte der 910 als Nachfolger der Karolinger zum König des fränkischen Ost-Reichs gewählte Konrad aus dem fränkischen Grafengeschlecht der Konradiner, die mit Lahn- und Hessengau in herzogsgleicher Stellung fast den Gesamtraum des heutigen Hessen beherrschten. Unter den ottonischen Sachsenherrschern gewann das nordhessisch-thüringische Grenzgebiet an Bedeutung: Den Königshof in Eschwege schenkte Kaiser Otto II. der Byzantinerin Theophanu, deren Tochter Sophie das Kloster Cyriaxberg gründete; Stift Kaufungen am Hohen Meißner war Witwensitz der letzten Ottonenkaiserin Kunigunde. Der erste Salier-Herrscher Konrad II. berief seinen Bannerträger, den schwäbischen Grafen Werner, zum Herren des Hessengaus, während die Grafen Giso als Erben der Konradiner im Lahngau Erbauer der erst vor einigen Jahren ergrabenen Turmburg wurden, deren Reste sich unter dem Marburger Schloss befinden. Als beide Grafenfamilien zu Beginn des 12. Jahrhunderts in rascher Folge ausstarben, fiel ihr Besitz an die wenig später zu erhobenen in Thüringen. (Landgraf Thüringens und Beherrscher Hessens) nannte sich Landgraf Ludwig III. in einer Urkunde des Jahres 1189, kurz bevor er mit Friedrich Barbarossa auf dem Kreuzzug zu Tode kam.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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