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In einem kleinen Grenzhäuschen am Übergang Horgoš sitzt Dragan, Grenzbeamter seit über zwei Jahrzehnten. Seine Welt besteht aus Stempeln, Paragrafen und Tageskontingenten – heute: siebenundzwanzig Einreisen für alle vier Schalter, den gesamten Tag. Draußen warten bereits mehr als hundert Menschen im Nebel. Setsuko Imais Roman "Niemandsland – Wo das System endet und der Mensch beginnt" erzählt von jenem unsichtbaren Raum, der entsteht, wenn bürokratische Logik auf menschliche Wirklichkeit trifft. Mit außergewöhnlicher Präzision und einer fast atemlos ruhigen Sprache begleitet die Autorin ihren Protagonisten durch einen einzigen Arbeitstag, der sich langsam, unaufhaltsam zu einer existenziellen Zerreißprobe entwickelt. Was diesen Roman so besonders macht, ist seine konsequente Nähe zum Detail. Dragan ist kein Held, kein Schurke – er ist ein Mensch, der gelernt hat, in Verfahren zu denken, weil es einfacher ist als das Gegenteil. Die Sprache folgt ihm dabei mit sezierender Genauigkeit: die kalte Oberfläche des Stempels, das Rauschen der Durchschlagpapiere, die Stille zwischen zwei Kolleg:innen, die sich nach zweiundzwanzig Jahren nicht mehr erklären müssen. Doch dann kommt Fall fünfzehn. "Niemandsland" fragt nach Schuld und Verantwortung jenseits von Vorwurf – nach dem, was bleibt, wenn Regeln ausgeschöpft sind und trotzdem eine Entscheidung getroffen werden muss. Es ist ein Buch über die kleinen Gewalten des Alltags, über institutionelle Erschöpfung und über die Momente, in denen ein Mensch plötzlich wieder sehen muss, was er lange nicht sehen wollte. Für alle, die verstehen möchten, wie Systeme funktionieren – und warum sie manchmal aufhören müssen.
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Liczba stron: 139
Rok wydania: 2026
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