HK Greif schnappt sie alle - Wolf G. Rahn - darmowy ebook

HK Greif schnappt sie alle ebook

Wolf G. Rahn

0,0

Opis

Kriminalerzählungen von Wolf G. Rahn Der Umfang dieses Buchs entspricht 87 Taschenbuchseiten. Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen. 15 Erzählungen von Wolf G. Rahn um den umtriebigen HK Greiff.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 91

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Wolf G. Rahn

HK Greif schnappt sie alle

Cassiopeiapress Kurz-Krimis

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

HK Greiff schnappt sie alle

Kriminalerzählungen von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 87 Taschenbuchseiten.

 

Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen.

15 Erzählungen von Wolf G. Rahn um den umtriebigen HK Greiff.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Kreuzfahrt in den Tod

Roland Jeckel wusste nicht viel über die Blondine auf dem Sonnendeck, doch die wenigen Fakten genügten ihm. Er wollte sie ja nicht heiraten.

Sie hieß Melanie Borchert und reiste allein. Ihr Mann musste klotzig reich sein. Dessen ungeachtet betrog sie ihn schamlos mit Jüngeren. Warum also sollte sie nicht auch an einem sportlichen Burschen wie ihm Gefallen finden?

Er näherte sich ihrem Liegestuhl mit zwei eisgekühlten Drinks und reichte ihr eines der Gläser. "Als Begrüßungstrunk", schlug er mit unwiderstehlichem Lächeln vor und betrachtete sie ungeniert. Ein Jammer, dass sie bald tot sein würde!

Melanie Borchert richtete sich erstaunt auf, schluckte jedoch ihre unwillige Antwort hinunter. Ihr Gegenüber brachte sie auf erfreuliche Gedanken.

Kurze Zeit später nannten sie sich beim Vornamen. Abends in der Bar tauschten sie die ersten Küsse.

Von nun an waren sie nahezu unzertrennlich. Doch an Bord des Kreuzfahrtschiffes 'Poseidon' fielen sie nicht auf. Hier wimmelte es von Pärchen, die sich erst auf See kennengelernt hatten. In drei Wochen würde es manch tränenreichen Abschied geben.

Derlei Sentimentalitäten waren Roland Jeckel fremd. Zudem blieb ihm das Lebewohlsagen mit Sicherheit erspart.

Melanie Borchert erwähnte ihren Mann mit keiner Silbe. Sie genoss es, umworben zu werden, und geizte nicht mit Streicheleinheiten.

Roland Jeckel musste lange zurückdenken, wann er zuletzt einen so angenehmen, wie lukrativen Auftrag ausgeführt hatte. Melanies Mann hatte bei seiner Forderung nicht mit der Wimper gezuckt und ihm die fünfzigtausend in bar und im Voraus ausgezahlt. Ein Scheck verbot sich von selbst. Womit sollte er der Polizei den Erhalt einer solchen Summe ausgerechnet vom Ehemann der Toten erklären?

Aus dem gleichen Grund hütete er sich auch, das Geld auf ein Konto einzuzahlen. Das würde den Schnüfflern ebenfalls nicht verborgen bleiben.

Auf ihn durfte nicht der geringste Verdacht fallen. Welchen Vorteil hätte er denn durch den Tod der Frau?

Ob sich Gerald Borchert nur für die Untreue an seiner Angetrauten rächen oder aber selbst für eine Andere frei sein wollte, hielt der bezahlte Mörder für unwichtig. Seinem Auftraggeber konnten die Fahnder zwar ein Motiv nachweisen, doch sein Alibi würde nicht zu erschüttern sein. Er befand sich nachweislich auf einer längeren Geschäftsreise in Japan.

Roland Jeckel war ein Profi. Er ging keinerlei Risiko ein. Sein Blutlohn lag nicht in seinem Bungalow daheim, sondern gut versteckt in seiner Kabine hier an Bord. Er traute den Kollegen von der einbrechenden Zunft nicht, und wenn auch sein Hausrat hoch versichert war, die fünfzig Mille würde ihm keine Gesellschaft ersetzen.

Selbstverständlich ging auch sein Ticket auf Borcherts Kosten. Der musste es sich leisten können.

Einen Tag, bevor sie die Bermudas erreichten, wollte Roland Jeckel es tun. Am Abend fand ein großer Ball statt. Das kam ihm sehr gelegen.

Melanie war von seinem Vorschlag, dem Trubel auszuweichen, begeistert. "Du sprichst mir aus der Seele", hauchte sie. "Wir könnten ungestört nackt im Pool schwimmen oder sonst irgendetwas Verrücktes anstellen. Die Tage mit dir verfliegen so schnell."

"Ich lasse mir etwas einfallen", versprach Roland Jeckel schmeichelnd und verabschiedete sich vor ihrer Kabinentür.

Als das große gesellschaftliche Ereignis gestartet wurde, legte der Mörder seinen weißen Smoking an und schlenderte zum Calypso-Deck. Hier war er mit seinem blonden Opfer verabredet.

Schon bald vernahm er Schritte. Doch sie gehörten nur Jerry, dem smarten Steward. Der kam ihm ganz und gar ungelegen.

"Sie hier, Herr Jeckel?", wunderte sich der Angestellte und versicherte, dass die drei Kapellen die allgemeine Stimmung bereits in die Nähe des Siedepunktes gebracht hätten.

"Ich genieße lieber die Sternennacht", behauptete Roland Jeckel und war froh, dass sich Melanie ein wenig verspätete.

Der Steward blieb hartnäckig. "Falls ich Frau Borchert entdecke, soll ich ihr sagen, wo sie Sie finden kann?" Natürlich wusste der lästige Mensch so ziemlich alles über die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich während der letzten Tage an Bord entwickelt hatten.

Roland Jeckel nickte gnädig. "Wäre nett", murmelte er und wandte sich ab.

Jerry zog sich zurück. Von unten klang gedämpfte Musik. Tief unter dem Mann an der Reling gluckste Wasser an die Schiffswand. Sonst war alles still.

Wo Melanie nur blieb? Sicher wurde sie mit ihrem Make-up nicht fertig. Oder zog sie ein besonders raffiniertes Kleid an? Es war ihr für die letzten Minuten ihres Lebens zu gönnen.

Eine Viertelstunde verstrich. Jerry tauchte wieder auf und bedauerte, Frau Borchert nicht gefunden zu haben.

"Die Nacht ist ja noch lang", gab Roland Jeckel gleichmütig zurück und war froh, als er endlich wieder allein war.

Dann kam sie. Sie sah hinreißend aus. Das Mondlicht vertuschte einige kleine Unzulänglichkeiten. Ihr Gesicht glühte vor innerer Erregung. "Tut mir leid, dass ich dich habe warten lassen, Liebster, aber..."

Er verschloss ihren Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss und hielt gleichzeitig nach dem Steward Ausschau. Zeugen konnte er jetzt nicht brauchen.

Melanie schmiegte sich an ihn. Es war gar nicht so einfach, sich aus dieser Umklammerung zu befreien.

Sie blickte ihn irritiert an. "Bist du mir böse?", fragte sie unsicher.

"Wie werde ich denn", gab er mit verhaltenem Lachen zurück. Er schlug rasch zu, um ihren Schrei zu unterbinden. Im nächsten Augenblick stürzte sie in die Tiefe.

Ein paar Minuten später ließ sich Jerry wieder blicken. Er sah bekümmert aus.

Der Mörder beruhigte ihn. "Sie wird sich ein wenig hingelegt haben", vermutete er. "Vielleicht ist ihr nicht gut."

Am nächsten Morgen machte er ein besorgtes Gesicht, und als Jerry ihn ansprach, vertraute er sich dem Steward an. "Ihr wird doch nichts zugestoßen sein?"

Der Kapitän wurde informiert, und nach zwei Stunden war es Gewissheit: Melanie Borchert befand sich nicht mehr an Bord.

Funksprüche wurden nach Hamburg und Hamilton geschickt. Die Polizei wartete bereits am Hafen, als das Schiff anlegte. In solchen Fällen gab es genaue Untersuchungen.

Roland Jeckel, als ständiger Begleiter der Verschwundenen, wurde besonders ausgiebig verhört, doch man schenkte seiner Erschütterung Glauben und konnte ihm auch nichts Gegenteiliges nachweisen.

Seine Bestürzung war keineswegs gespielt. Nicht nur Melanie Borchert war verschwunden, sondern auch die fünfzigtausend Euro aus seiner Kabine. Jetzt ahnte er, warum sie ihn so lange hatte warten lassen. Irgendwo dort draußen im weiten Ozean schwamm sein Killerlohn.

Gerald Borchert kehrte ein paar Tage später von seiner Geschäftsreise heim. Er fühlte sich frei und aller Sorgen ledig. Endlich gehörte Melanies riesiges Vermögen ihm.

"Da kommst du ja endlich", wurde er zur Begrüßung angefaucht. Melanie, seine Frau, stürmte ihm wutentbrannt entgegen.

"Du? Aber ich dachte..."

Sie stutzte. Ihr Gesicht wechselte mehrfach die Farbe, bevor es sich für hochrot entschied. "Hier wurde eingebrochen", ächzte sie. "Verschiedener Schmuck ist verschwunden, mein Pass und sogar das Ticket für die Kreuzfahrt. Den Diebstahl kann ich ja noch begreifen, aber wieso fehlen fünfzigtausend Euro auf meinem Konto?"

Er zwang sich zu einem verzerrten Lächeln. "Dafür gibt es eine einfache Erklärung", begann er gedehnt, doch sie unterbrach ihn eisig: "Hat es vielleicht etwas mit dem Unglücksfall auf der 'Poseidon' zu tun?"

Mit diesen Worten knallte sie eine Zeitung auf den Tisch, in der mit Riesenschlagzeilen über den rätselhaften Tod der Millionenerbin Melanie Borchert berichtet wurde.

Gerald Borchert antwortete nicht. Hasserfüllte Blicke bohrten sich in den Rücken der Frau, die nach dem Telefonhörer griff und die Nummer der Polizei wählte.

Nichts für kleine Kinder

"Wenn ich noch ein einziges Mal beobachte, dass Sie in Steffis Gegenwart fernsehen, fliegen Sie." Klara Grünwald, die Frau des Prominentenarztes Dr. Hans Grünwald, funkelte das 27jährige Kindermädchen Irmi erbost an. "Mit 18 Monaten haben Kinder noch nichts vor der Mattscheibe zu suchen. Schon gar nicht, wenn diese schrecklichen Krimis gezeigt werden."

"Onkel bumm bumm!", strahlte die Kleine ihre Mutter an.

"Da hören Sie es!", schimpfte diese. "Haben Sie das etwa während Ihres pädagogischen Unterrichts gelernt?"

"Es kommt nie wieder vor", versprach Irmi.

Am Abend, als sie sich mit ihrem Freund Knut Bolte traf, machte sie allerdings ihrem Herzen Luft. "Manchmal könnte ich der Grünwald die Augen auskratzen. Ständig hat sie etwas zu meckern. Warum kümmert sie sich nicht selbst um ihre Tochter? Weil sie es keine zehn Minuten aushalten würde. Du ahnst nicht, wie verwöhnt Kinder reicher Eltern sind. Dabei sind die Grünwalds knauserig. Für den Lohn finden sie für mich keinen Ersatz."

Knut tröstete sie. "Nimm's nicht so tragisch, Schatz. Irgendwann geraten solche Typen auch mal an den Falschen."

"Die?", ereiferte sich die hübsche Irmi. "Die scheffeln doch nur so das Geld und kaufen sich ein Haus nach dem anderen."

Irmi hielt sich nur an das Fernsehverbot, wenn sie Klara Grünwald in der Nähe wusste. Sonst schaute sie sich bei jeder Gelegenheit Western, Krimis und ab und zu auch mal eine Liebesschnulze an.

Steffi saß dann meistens auf dem Teppich, spielte mit Bauklötzen und Stofftieren und schielte zu den bunten Bildern hinüber, wenn es dort besonders turbulent zuging.

Zweimal täglich ging das Kindermädchen mit der Kleinen spazieren. Eine Tour musste Steffi laufen, doch auf dem Heimweg kam sie in den Sportwagen.

Diese Stunden genoss Irmi, denn häufig ergab sich die Gelegenheit zu einem Schwätzchen im Park.

An diesem Tag begegnete sie keinem Bekannten. Sie setzte sich auf eine Bank und beobachtete, wie Steffi mit den Tauben Freundschaft schloss.

Als es hinter ihr in den Büschen knackte, wollte sie sich umdrehen, doch da spürte sie etwas Kaltes an ihrem Hals, und eine gedämpfte Stimme zischte: "Hübsch ruhig bleiben, Puppe! Sonst drücke ich ab."

Der Kerl presste ihr ein Tuch vor Mund und Nase. Es roch nach Äther. Klaras Kopf kippte nach vorn.

Als sie wieder zu sich kam, war ihr übel. Ganz schlimm aber wurde es erst, als sie Steffi vergeblich suchte. Alles Rufen half nichts. Passanten hatten die Kleine nicht gesehen. Da stand fest: Das Mädchen war gekidnappt worden.

Klara Grünwald überhäufte Irmi mit Vorwürfen, nannte sie unzuverlässig und gab ihr die Schuld an dem Verbrechen.

Als ein Anruf in der Arztvilla einging und ein Lösegeld von einer halben Million in bar gefordert wurde, flippte auch der Mediziner aus. "Bin ich ein Krösus? Was glaubt der Schuft, was ich verdiene?"

Kommissar Gurgel, der die Ermittlungen führte, erfuhr, dass sich die Grünwalds mit der Absicht trugen, ein Landhaus in der Schweiz zu kaufen. Das geforderte Geld musste demnach zur Verfügung stehen.

"Wer weiß über Ihre Vermögensverhältnisse Bescheid?", wollte er wissen, nachdem Irmi ihm den Tathergang genau geschildert hatte und weitere Zeugen nicht aufgespürt werden konnten.

"Das Finanzamt natürlich", antwortete Dr. Grünwald erregt. "Sonst binde ich Keinem derartige Dinge auf die Nase. Aber den geplanten Hauskauf habe ich gelegentlich erwähnt."

Er musste eine Namensliste anfertigen, auf der Irmi an erster Stelle stand.

"Ich wurde doch selbst überfallen", verteidigte sich das Kindermädchen unter Tränen.

"Fragen Sie ihren Freund", regte Klara Grünwald an. "Der Bursche war mir noch nie sympathisch. Die Beiden haben den Plan gemeinsam durchgeführt. Meine arme Steffi!"

Knut Bolte bestritt ganz entschieden, etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben. "Kindesentführung? Bin ich verrückt, Herr Kommissar? Vielleicht ist meine Weste nicht blütenrein, aber Kidnapping verabscheue ich genauso wie Sie."

"Verabscheuen Sie auch eine halbe Million?", hakte der Kommissar nach.

"Sehr witzig."

Die übrigen Verdächtigen waren im engsten Bekanntenkreis der Arztfamilie, aber auch unter den Patienten zu suchen. Gurgel ging sehr behutsam vor, um das Leben des Mädchens nicht zu gefährden.

Dr. Grünwald stellte zähneknirschend das Lösegeld bereit. Ein zweiter Anruf forderte, dass die Summe, in Wachstuch verpackt, von einem Hubschrauber aus an einer genau bezeichneten Stelle ins Meer geworfen werden sollte.

Die Polizei stellte sich auf ein Boot oder einen Taucher ein. Die entsprechenden Maßnahmen, den oder die Täter zu fassen, wurden eingeleitet.