Der tote Groupier - Wolf G. Rahn - darmowy ebook

Der tote Groupier ebook

Wolf G. Rahn

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Opis

Krimi von Wolf G. Rahn Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten. Golden King, Croupier im Casino 'Rubin Inn', ist allseits beliebt und eine Garantie für überdurchschnittlichen Umsatz. Als ihn jedoch der Spieler Norman Giess des Falschspiels bezichtigt, wird er entlassen. Tags drauf findet man die Leiche Giess' und die Polizei von Las Vegas hält Golden King für den Täter, zumal der entlassene Croupier abgetaucht ist. Weitere Leichen sollen auch auf sein Konto gehen. Verzweifelt wendet sich der Flüchtige an einen Freund und dieser mobilisiert den New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger. Gemeinsam mit seiner Assistentin June March begibt sich der Detektiv als Spieler getarnt auf Mörderfang ...

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Wolf G. Rahn

Der tote Groupier

N.Y.D. - New York Detectives / Cassiopeiapress Kriminalroman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der tote Croupier: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

Golden King, Croupier im Casino 'Rubin Inn', ist allseits beliebt und eine Garantie für überdurchschnittlichen Umsatz. Als ihn jedoch der Spieler Norman Giess des Falschspiels bezichtigt, wird er entlassen. Tags drauf findet man die Leiche Giess' und die Polizei von Las Vegas hält Golden King für den Täter, zumal der entlassene Croupier abgetaucht ist. Weitere Leichen sollen auch auf sein Konto gehen. Verzweifelt wendet sich der Flüchtige an einen Freund und dieser mobilisiert den New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger. Gemeinsam mit seiner Assistentin June March begibt sich der Detektiv als Spieler getarnt auf Mörderfang ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Die Hauptpersonen des Romans:

Golden King - Weil er seinen Job verloren hat, traut man ihm das Schlimmste zu.

Gene Simon - Möchte seinem Freund helfen, und dabei riskiert er Kopf und Kragen.

Mabel Caunter - Ist schön und zwielichtig. Als sie den Croupier hinauswirft, beginnt eine Serie von Bluttaten.

Red und Duff - Sind nicht zimperlich mit ihren Argumenten. Niemand weiß, wer diese Schläger schickt.

Malov Gray - Als er eine Leiche in seinem Haus entdeckt - ist er ziemlich ratlos.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

Während auf den wenigen Straßen von Las Vegas ein paar Megawatt verschwendet wurden, um mit gleißenden Lichtkaskaden Besucher in die Casinos zu locken, herrschte in den Spielsälen des Rubin Inn eher eine geheimnisvolle Dämmerung.

Die Gesichter der Spieler lagen zum Teil im Schatten, und den meisten war anzusehen, dass ihnen das durchaus recht war. Nicht immer waren es die eigenen Tausender, die in Form von hübschen, bunten Chips über die Tische gingen, aber das sah man den Jetons nicht an. Die Croupiers, die mit nahezu beschwörender Stimme die Einsätze forderten, interessierte ihre Herkunft auch nicht.

Golden King war einer dieser Croupiers. Ein Bilderbuchmann. Das Rubin Inn beschäftigte nur Personal, das auch optisch für die Gäste etwas zu bieten hatte. Das machte Money. Welche brillantenbehangene Engländerin konnte schon widerstehen, wenn sie ein durchdringender Blick aus verheißungsvollen Augen traf und das angedeutete spöttische Lächeln den Verdacht verriet, es könnten ihr letzten Dollars sein, von denen sie sich nicht trennen wollte. Natürlich verdoppelte sie daraufhin den Einsatz und verlor ihn genauso natürlich.

Golden King war der Joker des Rubin Inn. Seine Kasse war regelmäßig die größte. Doch sein Charme war ein kostenloses Trostpflaster für alle, die nach ein paar Stunden den Tisch enttäuscht oder gar verzweifelt verlassen mussten.

Norman Giess hatte für männlichen Charme nichts übrig. Er selbst verfügte über keinen. Was er erreichen wollte, gelang ihm auf andere Weise.

Er saß Golden King direkt gegenüber und beobachtete dessen Hände haarscharf.

Der Croupier war geschickt. Wenn er die Karten mischte, hörte sich das an, als würde ein Hagelschlag auf ein Blechdach prasseln. Unmöglich die blitzschnellen Bewegungen aufzulösen. Solche Männer waren Norman Giess unheimlich.

Sie machten ihn misstrauisch.

Das Misstrauen wuchs, wenn es um sein eigenes Geld ging, und da er inzwischen achttausendzweihundert Dollar verspielt hatte, fand er, dass das reichte.

Andere Spieler hätten sich - je nach Temperament, Selbstbeherrschung und Erziehung - mit unbewegtem Gesicht oder einem zerquetschten Fluch zurückgezogen, noch einen Drink an der Bar genommen und das Casino verlassen.

Nicht so Norman Giess.

Als Golden King lächelnd seinen Einsatz einstreichen wollte, war seine Hand schneller. Er legte sie auf den fünfhunderter Chip und zog sie langsam zurück.

Der Croupier sah ihn freundlich an. Sogar seine Augen lächelten.

„Sie haben verloren, Sir“, erklärte er beinahe sanft. „Wenn ich Ihnen erklären darf ...“

„Sie brauchen mir das Spiel nicht zu erklären“, bellte Norman Giess und hob die Hand nicht hoch. „Ich habe Black Jack schon gespielt, als Sie noch mit einer Coladose Fußball gespielt haben.“

„Kompliment, mein Herr!“ Golden King lächelte noch immer. „Sie sehen jünger aus.“

Norman Giess fasste das nicht als Kompliment auf.

Vor allem brachte ihm diese Floskel seine achttausend nicht zurück.

„Ich habe schon an vielen Tischen in diesem verdammten Rubin Inn gespielt. An keinem ging es so merkwürdig zu wie an Ihrem.“

„Merkwürdig, Sir? Ich verstehe nicht. Es wird überall nach den gleichen Regeln gespielt.“

„Dann liegt es wahrscheinlich daran, dass nicht überall mit den gleichen Fingern die Karten gemischt und verteilt werden“, fauchte der Spieler, ein knochiger Typ mit vorspringender Nase und unsteten Augen.

Golden King verlor sein Lächeln. „Was wollen Sie damit andeuten, Sir?“ Er wuchs um eine Kleinigkeit.

Die Spieler die zu beiden Seiten von Norman Giess saßen, rückten ein Stück von ihm weg. Sie strichen hastig ihre Chips ein. Ein paar verließen ihren Platz.

„Sie spielen falsch!“

Diese drei Worte waren nur geflüstert, doch sie füllten den Raum wie ein Kanonenschlag. Sogar an den benachbarten Tischen stockte der Spielbetrieb.

Golden King betätigte den versteckten Knopf, der in einem entfernten Raum seine Nummerntafel aufleuchten ließ. Er versuchte, Haltung zu bewahren.

„Sir, ich schenke Ihnen Ihren Einsatz aus meiner eigenen Tasche, bitte Sie jedoch, den Tisch zu verlassen.“

Norman Giess sprang fast über den mit grünem Tuch bedeckten Spieltisch.

„Soll das heißen, dass du mich rausschmeißt?“, brüllte er unbeherrscht. „Du mieser Typ! Wenn ich mit den Fingern schnippe, bist du deinen Job los und kannst in die Zelte deiner Vorfahren zurückkehren und für die Touristen Souvenirs basteln.“

Die Anspielung auf Golden Kings indianische Abstammung war nicht sehr glaubwürdig. Seine blonden Haare straften diese Behauptung Lügen. Sie waren die Ursache für den Spitznamen des Croupiers, von den niemand wusste, wie er tatsächlich hieß.

Golden King zog die Abdeckung über die Schale mit den Chips. Er traute dem Knochigen durchaus zu, dass er diesen Wutausbruch nur inszenierte, um einen hastigen Griff in die Bank zu tun.

Norman Giess packte den Casinoangestellten an den Aufschlägen seines golddurchwirkten Smokings.

Ein paar ältere Damen mit Gesichtern wie Bulldoggen kreischten auf.

„Du Dieb!“, schrie Giess, und schlug dem Blonden ins Gesicht.

Golden Kings Hand zuckte gedankenschnell nach unten, erstarrte jedoch mitten in der Bewegung. Seine Linke zupfte ein Taschentuch hervor und wischte sich die winzige Blutspur aus dem Mundwinkel.

Ein paar Männer hielten Norman Giess zurück, der sich erst recht provoziert fühlte, weil sich der Croupier nicht zur Wehr setzte.

Er verteilte nach allen Seiten Schläge und gebärdete sich wie ein Wilder.

Hinter Golden King tauchte ein schlanker Mann auf, dessen Gesichtsausdruck nicht verriet, ob er den Vorfall verfolgt hatte.

„Der Boss will dich sprechen, King“, sagte er halblaut. „Ich übernehme.“

Der Blonde schob seinen Sessel zurück und erhob sich. Seine stahlharten Augen schenkten Norman Giess einen verächtlichen Blick, bevor er sich umwandte und zu einer schmalen Tür ging, um dahinter zu verschwinden.

Der Neue begrüßte die Spieler mit der Andeutung einer Verbeugung. Er sammelte die noch auf dem Filz liegenden Karten ein und legte sie ab. Dann teilte er neue aus. Eine für jeden Spieler.

Die sechs Sessel waren inzwischen wieder besetzt. Der kurze Zwischenfall hielt die Gäste nicht davon ab, ihr Geld loszuwerden.

Auch Norman Giess stand noch vor seinem Stuhl. Seine Arme waren auf den Tisch gestützt. Er atmete schwer.

„Ihr Kollege hat mich hinausgeworfen“, sagte er finster.

Der Croupier sah ihn nur flüchtig an. Das Lächeln des Rubin Inn lag auf seinen Lippen.

„Bitte, Ihre Einsätze!“, bat er gleichgültig.

Norman Giess grinste und ließ sich zurückfallen. Er schob den Fünfhunderter, den seine Hand noch immer bedeckte, in seine Box. Seine Augen glitzerten triumphierend.

2

Hinter der schmalen Tür verbarg sich ein Gang, an dessen beiden Seiten sich Tür an Tür reihte. Am Ende befand sich ein Lift. Auf diesen steuerte Golden King zu.

Das Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden. Es sah jetzt wütend aus. Dieser Croupier besaß also offensichtlich doch Gefühle.

Der dicke Läufer schluckte das Geräusch seiner Schritte. Alles lief in diesem Casino lautlos ab. Der Spielbetrieb genauso wie die notwendigen Aktivitäten hinter den Kulissen.

Typen wie dieser Knochige passten nicht hierher.

Die Lifttür schwang zurück und schloss sich hinter Golden King wieder.

Der Croupier wusste, dass er über Fernsehaugen beobachtet wurde. Das musste sein, sonst hätte ja jeder bis ins Allerheiligste vordringen können.

Nach kurzer Fahrt spie ihn der Aufzug wieder aus. Auch hier ging er über dicke Teppiche, doch in diesem Gang gab es nur zwei Türen.

Golden King wählte die linke.

Er brauchte nicht anzuklopfen. Ihm wurde geöffnet, kaum dass er davorstand.

Während der Fahrt im Lift hatte er seine Kleidung wieder in Ordnung gebracht. Der Boss hasste nichts mehr als einen sichtbaren Makel.

Bevor Golden King den Raum betreten durfte, streckte sich ihm eine geöffnete Hand entgegen.

„Gib her!“, forderte eine schnarrende Stimme, die zu einem Kleiderschrank gehörte, auf dem ein Kopf saß.

Golden King griff wortlos in seine Hosentasche und holte eine 45er ACP mit Elfenbeingriffschalen hervor, die er dem Kleiderschrank überließ.

„Der Boss ist schon ungeduldig, King.“

„Ich kann nicht schneller sein als der Lift“, giftete der Croupier. „Und wenn du mich jetzt auch noch aufhältst, dauert es noch länger, bis ich meine Meldung machen kann.“

„Zisch schon ab!“

Der Kleiderschrank, der sich bei näherem Hinsehen als Mann mit ungewöhnlichen Körpermaßen herausstellte, dessen Funktion keiner Erläuterung bedurfte, trat zur Seite und gab den Blick auf eine zweite Tür frei.

Er sagte: „Okay, Boss!“ in ein unsichtbares Mikrofon und auch diese Tür öffnete sich von selbst.

Golden King ging selbstbewusst hindurch. Er kannte seinen Wert. Das glänzende Gehalt, das ihm gezahlt wurde, stand in keinem Verhältnis zu dem überdurchschnittlichen Gewinn, den er dem Unternehmen einbrachte. Das wusste auch der Boss.

Der Croupier sah mit blitzenden Augen die Frau an, die ihn erwartete.

„Sie wollen mich sprechen, Boss?“, fragte er überflüssigerweise.

„Setz dich, King!“

Die Stimme der Frau klang angenehm. Sie war fast wie Samt und passte nicht zu der stolzen Haltung der Schwarzhaarigen. Sie trug ein langes, türkisfarbenes Kleid ohne jeglichen Schmuck. Glitzernden Zierrat hatte Mabel Caunter nicht nötig.

Sie war eine schöne Frau, die ihre natürlichen Gaben durch diskrete Kosmetik noch zu verstärken verstand.

Ihr Gesicht war schmal, die Nase aristokratisch und doch weiblich. Ihre dunklen Augen betonte sie mit zwei raffiniert angelegten Strichen auf den Brauen. Der sinnliche Mund machte jeden Mann verrückt. Noch bevor er sich öffnete, verhieß er atemberaubende Dinge.

„Es hat Ärger gegeben, King?“

Der Croupier winkte lässig ab. „Nichts von Bedeutung, Boss. Ein alter Narr wollte den starken Mann markieren.“

„Der alte Narr besucht das Rubin Inn täglich seit drei Wochen.“

„Das gibt ihm nicht das Recht, mir unlautere Praktiken vorzuwerfen.“

„Hast du falschgespielt, King?“

„Natürlich nicht, Boss.“

„Aber es hat so ausgesehen. Es hat auch so ausgesehen, als wolltest du zur Waffe greifen, als der Mann dich schlug.“

„Ich hatte mich in der Gewalt.“

„Ich schätze Männer, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und dadurch dem Ruf des Casinos dienen. Ich schätze aber keine Männer, die unsere Gäste hinauswerfen.“

Golden King verfärbte sich.

„Der Kerl hat die Ehrlichkeit Ihrer Angestellten angegriffen, Boss“, verteidigte er sich.

„Irrtum! Er hat nur deine Ehrlichkeit in Frage gestellt.“

Mabel Caunter schlürfte an ihrem Sektglas. Sie trank stets Champagner. Ein anderes Getränk schien es für sie nicht zu geben.

„Der Flegel war im Unrecht.“

„Der Flegel war Norman Giess.“ Jetzt war die Stimme der schönen Frau plötzlich schneidend. „Weißt du, was das bedeutet?“

„Ich kenne natürlich seinen Namen.“

„Den Namen zu wissen, heißt noch lange nicht, den Mann zu kennen“, erwiderte Mabel Caunter scharf. „Du hast ihn an die Luft setzen wollen. Weißt du, wie das ist, wenn man hinausgeworfen wird?“

„Das hat sich jeder selbst zuzuschreiben“, konterte der Croupier trotzig. Er fand, dass er genug Gleichmut bewiesen hatte, als er sich schlagen ließ.

„In diesem Punkt hast du recht, King“, flötete die Frau. „Das hat sich jeder selbst zuzuschreiben. Also wirst du die Schuld wohl auch nicht bei einem anderen suchen, nicht wahr?“

Golden King wurde kreidebleich. „Sie schmeißen mich raus, Boss? Haben Sie vergessen, was ich für das Rubin Inn geleistet habe?“

„Du bist auch nicht schlecht dafür bezahlt worden“, entgegnete die Schwarzhaarige kühl.

„Ich bin Golden King. Mein Name ist eine Garantie für überdurchschnittlichen Umsatz.“

„Du bist einer von vielen Croupiers“, korrigierte die Frau, „der bei mir angestellt war. Im Moment allerdings bist du ohne Job.“

Golden King schoss senkrecht in die Höhe. Mit seiner Beherrschung war es vorbei.

„Das bereuen Sie!“, keuchte er. „Das können Sie mit mir nicht machen.“

„Willst du mir drohen?“

Der Blonde wurde verwirrt.

„N...nein, natürlich nicht. Es ist nur ... ich bin enttäuscht. Das habe ich nicht verdient.“

„Vielleicht versuchst du es im Cristal Palace“, meinte die Frau spöttisch.

Golden Kings Augen sprühten Funken.

„In diesem Schuppen?“, schrie er. „Dort würde ich nicht arbeiten, und wenn es das einzige Casino in ganz Vegas wäre. Die Kerle, die sich da Croupier nennen, schaffen es nicht mal, von einer Schicht zur anderen die Spielregeln zu behalten. Es sind lauter verkrachte Existenzen.“

„Das passiert einem manchmal schneller, als man glaubt, King. Brack! Der ehemalige Kollege möchte gehen.“

Die letzten Worte sagte Mabel Caunter, nachdem sie einen Knopf auf ihrem Schreibtisch betätigt hatte. Ein zweiter Drücker öffnete die Verbindungstür.

Golden King starrte die schöne Frau ungläubig an. Es war, als würde er von einer Sekunde zur anderen um zehn Jahre altern.

Brack, der Kleiderschrank, räusperte sich nachdrücklich.

„Los, King!“, knurrte er. „Der Boss hat noch mehr zu tun.“

Wie in Trance verließ der gefeuerte Croupier das Allerheiligste, in dem er bisher stets mit Anerkennung für sein Geschick bedacht worden war. Er nahm von Brack seine Automatic in Empfang, von der er wusste, dass ihr Magazin inzwischen geleert worden war. Reine Vorsichtsmaßnahme.

Er taumelte auf den Gang und betrat den wartenden Lift, der ihn in sausender Fahrt nach unten brachte.

Im Kellergeschoss befanden sich die Garderobenräume für die Angestellten. Er hatte nicht viel zu holen. Er zog sich gar nicht erst um, sondern stopfte seinen Straßenanzug in eine große Tasche.

Wenig später verließ er das Casino durch einen Hinterausgang und gelangte erst nach zwei Ecken auf die Fremont Street.

Als er sah, dass ausgerechnet in diesem Augenblick Norman Giess sichtlich gut gelaunt das Rubin Inn verließ, prallte er zurück. Er drängte sich in einen Winkel. Schatten gab es bei dieser Lichtfülle nirgends.

Er beobachtete, dass der Mann, dem er diesen schmählichen Rausschmiss zu verdanken hatte, sich nach Norden wandte. Dort befand sich der Bahnhof. Weiter außerhalb begann die Wüste.

Golden King ließ seinen Wagen stehen und folgte dem Knochigen in einigem Abstand zu Fuß. Seine Zähne pressten sich gegeneinander, bis die Kiefer schmerzten.

Als Norman Giess seine Schritte beschleunigte, erhöhte auch Golden King sein Tempo, und bei jedem Schritt schlug die 45er ACP in der Tasche gegen seinen Schenkel.

3

Norman Giess war im Grunde zufrieden mit dem heutigen Abend. Endlich zeigten sich erste Erfolge. Der Einsatz begann sich zu lohnen.

Er ließ die Glitzerfassaden hinter sich und strebte dem Rande der Stadt zu. Dort wurde es sehr schnell dunkel. Las Vegas bestand nur aus ein paar Straßen und ein paar Kreuzungen. Dahinter kam die Wüste. Die Wüste der Hoffnungen, die Wüste der Träume, Zuflucht für die Verlorenen.

Der Knochige schlug ein scharfes Tempo an. So schnell gingen die Leute sonst nur, wenn sie die Casinos aufsuchten. Danach waren ihre Schritte eher zögernd. Von einigen Ausnahmen natürlich abgesehen.

Norman Giess war offenbar eine solche Ausnahme. Von seinen verlorenen achttausendzweihundert Dollars hatte er sechshundertfünfzig zurückgewonnen. Blieb ein Verlust von siebentausendfünfhundertfünfzig, aber Norman Giess pfiff leise vor sich hin.

Um das Bahnhofsgelände machte er einen Bogen. Er hatte nicht die Absicht, die Stadt zu verlassen. Jetzt nicht. Er kam gerade so richtig in Fahrt.

Hinter ihm ebbte das Lärmen langsam ab. Norman Giess kannte keine Stadt der Welt, in der man so allein sein konnte wie in Las Vegas, zweihundert Yards vom Strip entfernt.