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Was geschieht, wenn ein Lied tödlich ist? Wenn Musik nicht nur bewegt, sondern vernichtet? Dale Sherwoods Kurzgeschichtenband folgt dem ungarischen Komponisten und Ethnomusikologen Béla Bartók auf seinen realen Feldforschungsreisen durch das ländliche Osteuropa des frühen 20. Jahrhunderts — und entfaltet dabei einen düsteren, meisterhaft konstruierten Kosmos, in dem das Archaische und das Rationale aufeinanderprallen. In acht kunstvoll erzählten Geschichten begibt sich Bartók, ausgestattet mit Phonograph, Heft und dem unbedingten Willen des Wissenschaftlers, in Dörfer, die tiefer liegen, als die Erde es erlauben sollte. Er trifft auf Sängerinnen, deren Stimmen Grenzen überschreiten, auf Melodien, die niemand kennen will, und auf Menschen, die mehr schweigen als sprechen — und deren Schweigen lauter ist als jedes Wort. Sherwood bettet seine Erzählungen in akribisch recherchierte historische Wirklichkeit ein. Der echte Bartók, der tatsächlich jahrelang durch Ungarn, Rumänien und die Balkanhalbinsel reiste und Tausende Volkslieder aufzeichnete, dient als glaubwürdige Ankergestalt in Geschichten, die langsam, fast unbemerkt, in etwas Beunruhigendes abgleiten. Kein lauter Horror, sondern das leise, anhaltende Unbehagen einer Welt, in der die Volksseele etwas bewahrt hat, das besser hätte vergessen werden sollen. Die Sprache ist präzise und atmosphärisch zugleich — so dicht wie Herbstnebel über einem Muldenorf, so kalt wie Pálinka, der zu früh eingeschenkt wird. Wer literarischen Horror schätzt, der durch Stimmung und nicht durch Schocks überzeugt, findet hier ein außergewöhnliches Leseerlebnis zwischen Ethnologie, Musik und dunkler Phantastik.
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Liczba stron: 164
Rok wydania: 2026
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