adibas - Zaza Burchuladze - ebook

adibas ebook

Zaza Burchuladze

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Opis

Stell dir vor, es ist Krieg und du bist falsch angezogen ... Es gibt eine neue Realität, in der echt und gefälscht nicht mehr zu unterscheiden sind, eine Realität, in der Konzerne und Regierungen die Medien manipulieren und Menschen ihre Körper und Gefühle. Es ist die Realität 2.0, sie ist gefährlich, der Name dafür ist: adibas. Es herrscht Krieg zwischen Russland und Georgien. Die russischen Truppen haben Tiflis eingekreist. Doch die Happy Few der Neureichen-Tiflis-Hipster und Womanizer ignorieren die Nachrichten vom Krieg vor ihrer Haustür. Mit hemmungslosem Sex, den verfügbaren Betäubungsmitteln und der Musik aus dem iPod schaffen sie sich ihre eigene Realität. Der Krieg existiert für sie vor allem in Fernsehen, Radio und Internet. Die Augen weit geschlossen, durchstreifen sie die Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. So entsteht das Panorama einer Gegenwart aus Fake-Nachrichten, Fake-Brüsten, Fake-Gefühlen und einer Vergangenheit, die vielleicht authentischer war, aber deshalb auch nicht besser. Zaza Burchuladze erzählt provokant und mit scharfem Humor von dem Gefühl, in einer endlosen Imitation gefangen zu sein, der Tiflisser Tristesse. Selbst der Krieg scheint daran kaum etwas zu ändern. Oder vielleicht doch? "Zaza Burchuladze hat ein sehr bewegendes, hochkomisches und zugleich tieftrauriges Buch geschrieben." Wladimir Sorokin. "In den letzten fünf Jahren hatte ich ein arges Problem damit, dass mir in Interviews immer wieder die Frage gestellt wurde, welches der jüngst von mir gelesenen Bücher mich wirklich beeindruckt hätte. So ein Buch gab es nicht. […] Dann las ich adibas." Aus dem Vorwort von Juri Andruchowytsch.

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MOBI

Liczba stron: 151




Informationen zum Buch

Stell dir vor, es ist Krieg und du bist falsch angezogen

Es gibt eine neue Realität, in der echt und gefälscht nicht mehr zu unterscheiden sind, eine Realität, in der Konzerne und Regierungen die Medien manipulieren und Menschen ihre Körper und Gefühle. Es ist die Realität 2.0, sie ist gefährlich, der Name dafür ist: adibas

»Zaza Burchuladze hat ein sehr bewegendes, hochkomisches und zugleich tieftrauriges Buch geschrieben.« Wladimir Sorokin

Es herrscht Krieg zwischen Russland und Georgien. Die russischen Truppen haben Tiflis eingekreist. Doch die Happy Few der Neureichen-Bohème, der Tiflis-Hipster und Womanizer erleben den Krieg vor ihrer Haustür hauptsächlich durch Fernsehen, Radio und Internet. Keiner weiß, welcher Information noch zu trauen ist. Die Augen weit geschlossen durchstreifen sie die Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Was ist echt in einer Welt aus Fake-Nachrichten, Fake-Brüsten, Fake-Gefühlen und Fake-Kriegen? Echtheit spielt nur in einer Hinsicht eine Rolle: Markenklamotten. So die profane Antwort der Protagonisten. Erst als auch diese letzte Gewissheit ins Wanken gerät, beginnen sie zu verstehen.

Zaza Burchuladze

adibas

Mit einem Vorwortvon Juri Andruchowytsch

Aus dem Georgischenvon Anastasia Kamarauliunter Mitarbeit von Tom Müller

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

[Vorwort]

[01] Multimedia am Morgen

[02] Miniaturdreiecke

[03] Der Diplomat im Diplomatenkoffer

[04] Ich könnte springen

[05] Der E-Dog

[06] Blue Velvet

[07] Vol. II / Der unglaubliche Hulk

[08] 08/08/08

[09] Warten auf Vint

[10] Etwas Japanisches

[11] Georgien

[12] adibas

[13] Irgendein dritter Weg

[14] Gedanken am Ufer der Kura II / Reality Zone

[15] Nichts Besonderes

[Anmerkungen]

Über Zaza Burchuladze

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

a|di|bas <int.> (I. Fake-adidas, II. Ersatz oder Imitation allgemein, III. Fälschung, Uneigentlichkeit im phil. u. pol. Sinn, u.a. gefälschte Nachrichten, gefälschte Körper, gefälschte Gefühle, gefälschte Kriege, IV. Roman von Zaza Burchuladze)

[Vorwort]

ANTIKRIEGSROMAN, VERSION 21. JAHRHUNDERT

Juri Andruchowytsch

In den letzten fünf Jahren hatte ich ein arges Problem damit, dass mir in Interviews immer wieder die Frage gestellt wurde, welches der jüngst von mir gelesenen Bücher mich wirklich beeindruckt hätte. So ein Buch gab es nicht. Vielleicht, dachte ich nicht ohne Wehmut, hat meine Leseerfahrung alle Grenzen der Faszination erreicht? Vielleicht ist es überhaupt Zeit, das Lesen noch nicht gelesener Bücher einzustellen?

Da schickte mir im Januar dieses Jahres der georgische Schriftsteller Zaza Burchuladze aus Berlin, wo er zurzeit lebt, seinen Roman adibas. Ich bin Ukrainer und, wie man sich vorstellen kann, leider des Georgischen nicht mächtig, deshalb erhielt ich vom Autor den Roman in russischer Übersetzung.

Als ich ihn las, durchfuhr mich plötzlich jenes Gefühl, das ich in den vergangenen Jahren vermisst hatte: ehrliche Begeisterung. Seitdem weiß ich, was ich auf die Frage nach meinen stärksten Leseeindrücken antworten soll. Ich erzähle dann von adibas und füge meistens hinzu, dass dieser kleine Roman momentan für uns in der Ukraine besonders aktuell ist – denn es gehe darin um den georgisch-russischen Krieg im August 2008. Meine Gesprächspartner nicken verstehend. Und mir wird sofort bewusst, dass ich sie mit meiner Präzisierung in die Irre führe, sie also eher desinformiere. Daher rate ich ihnen einfach, ihn zu lesen. Denn der Roman ist überhaupt nicht so, wie sie ihn sich nach meinen Worten vorstellen.

Also – was für ein Krieg? Ist so etwas wie Krieg denn überhaupt möglich? Gibt es Krieg denn?

Die menschlichen Wesen, die dem Leser in adibas begegnen, sind meist Bewohner der georgischen Hauptstadt Tiflis, die ihr gewöhnliches Leben leben – sie treffen sich in Bars, Cafés und »elitären Chinkali-Restaurants«, konsumieren Alkohol, MDMA und andere Drogen, denken über neue Tattoo-Motive nach, durchstöbern gespannt (verzeihen Sie das Oxymoron) die neuesten Auslagen der Second-Hand-Läden und verfolgen, in welcher Rolle Johnny Depp gerade zu sehen ist, sie fahren Taxi, verlieren ihre iPods, gehen ins Freibad, hören angesagte und nicht allzu angesagte Musik, schauen Pornos und zu guter Letzt haben sie ziemlich häufigen und hemmungslosen Sex.

Krieg? In so einer Welt kommt er nicht vor. Allenfalls der, in dem Darth Vader kämpft. Ein Unterhaltungskrieg, ein Fake-Krieg, ein Fantasy-Krieg.

Trotzdem aber hören wir Leser, wie die Figuren im Roman, mit einem Ohr ab und zu die Radio- und Fernsehsprecher und ihre »seelenlosen Rezitative«. Beiläufig erfahren wir zum Beispiel, dass General Kulachmetow (eine nicht erfundene, sondern allzu reale Person) »das Eindringen russischer Panzer nach Tiflis kategorisch dementiert«.

Die Nachrichten existieren irgendwo am Rande. Dort, in den Nachrichten, gibt es die Motorschützenbrigade der 42. Division, russische Straßensperren und Patrouillenschiffe der Marine, Kämpfer mit den grünen Bändern des Islam, die den armen (wir wissen, was später mit ihm geschieht!) Präsidenten Polens gefangen nehmen, feindliche Helikopter, jederzeit bereit, international geächtete Streubomben auf Wohngebiete abzuwerfen, und alle möglichen anderen Arten des Unrechts.

Seit mehr als einem Jahr verwenden wir in der Ukraine regelmäßig diese Terminologie. Wir haben begonnen, mit diesen Kriegsworten zu leben. Vor allem auch diejenigen, die weder direkt noch indirekt kämpfen. So hat modernstes militärisches Vokabular Einzug gehalten in unseren Alltag. In unseren Unterhaltungen und Kommentaren im Netz operieren wir gekonnt, wie es uns scheint, mit den Namen der Spezialbataillone, mit den Nummern der Fallschirmspringerbrigaden, mit den Modellen von Raketensystemen, Panzerfahrzeugen, Drohnen und Mehrfachraketenwerfern. Wir diskutieren über die taktischen Feinheiten von Kampfoperationen und markieren auf interaktiven Karten die Richtung entscheidungsbringender Gegenschläge.

Genauer gesagt – so war es. Das gab es noch bis Mitte August des vergangenen Jahres 2014. Der Krieg gegen Georgien war gerade sechs Jahre her, als unsere erste militärische Katastrophe geschah – der Kessel bei Ilowaisk – und wir begannen, uns viel trauriger und zurückhaltender über den Krieg zu äußern. Ilowaisk – das ist der Ort, wo die Ukraine nach offiziellen Angaben unseres Oberkommandos mehr als 300 Soldatenleben verloren hat. Ein Dichter und guter Bekannter von mir, der seit dem 22. Juni letzten Jahres als Freiwilliger im Osten kämpft, der also diese Hölle ganz direkt gefühlt, gesehen, geschmeckt, gerochen und gehört hat, sagt: »Glaub nicht an diese offiziellen dreihundert Gefallenen. Nimm sie mal zehn, vielleicht auch mal fünfzehn.« Ich glaube meinem Bekannten. Die Gedichte über die Front fielen ihm ganz zufällig ein – zum Beispiel, nachdem er beim Patrouillieren am Asowschen Meer beobachtet hatte, wie ein Wachhabender, ohne das schussbereite Maschinengewehr aus der Hand zu lassen, eine SMS zu schreiben versuchte. Vielleicht an seine Freundin.

Der georgisch-russische Krieg 2008, seine aktive Kampfphase, dauerte ein bis zwei Wochen. Unser Krieg dauert schon mehr als ein Jahr, und seine aktiven Kampfphasen unterscheiden sich nicht substantiell von den sogenannten Waffenstillständen. Gerade heute habe ich aktuelle Angaben des Generalstabs über die Kräfte des Gegners gelesen: Im besetzten Teil des Donezbeckens halten sich derzeit 43000 Kämpfer auf, 9000 davon sind russische Soldaten. Das ist viel. Es gibt zu viel von diesem Krieg.

In Zaza Burchuladzes Roman gibt es auf den ersten Blick wenig Krieg – unbedeutende und zufällige Fragmente davon, mikroskopische Bruchstücke eines Krieges. Eine Drohne mit der unzweideutigen Markierung »РФ« (Russische Föderation) nähert sich dem Erzähler. Zwei Panzerfahrzeuge an einer Kreuzung. Der schwule Trainer Amiko wird zur Armee eingezogen. Ein paar Jagdflugzeuge am Himmel. Soldaten mit zusammengerollten und unter die Schulterklappen gesteckten Mützen rauchen am Kirchentor. Und »man weiß nicht, ist es ein religiöser Feiertag oder eine zivile Totenfeier für die Kriegsgefallenen.« Ich denke an unsere Totenfeiern. Wir versuchen weiterzuleben.

Ich denke an unsere Soldaten auf unseren Bahnhöfen. Sie werden immer mehr. In den letzten zehn Jahren wurden sie immer weniger, sie waren fast verschwunden, aber jetzt werden sie mehr, und zwar unerträglich schnell. Sie wurden zum unverzichtbaren Element unserer menschlichen Umgebung, vor allem der Bahnhofs-Umgebung. Sie reisen zu ihren Einheiten, an die Front. Oder sie kehren von dort zurück. Die einen nach Hause, die anderen von zu Hause weg, manche aus dem Lazarett, andere ins Lazarett. Manche gehen auf Krücken. Ihre offensichtlichen Verletzungen und Verwundungen lassen auch nicht den Schatten eines Zweifels – ob wir diese Realität annehmen oder nicht, wenn wir in Bars und Cafés sitzen, wenn wir Alkohol und MDMA konsumieren, über neue Tattoo-Motive nachdenken, gespannt die neuesten Auslagen der Second-Hand-Läden durchstöbern und verfolgen, in welcher Rolle Johnny Depp gerade zu sehen ist, Taxi fahren, unsere iPods verlieren, angesagte und nicht allzu angesagte Musik hören und zu guter Letzt ziemlich häufigen und hemmungslosen Sex haben –, dass am anderen Ende des Landes tatsächlich Krieg herrscht. Und ich weiß wirklich nicht, woher wir jetzt und später all die Traumatologen, Psychologen und Logopäden für unsere ganzen Soldaten nehmen sollen. Vielleicht kann uns nur Konsum retten? All die Kleider, Tattoos und Telenovelas?

Am schlimmsten aber wäre, wenn sich diese Kampagne, diese Mobilisierung, diese Verteidigung schließlich nur als Imitation erwiese. So wie »adibas« im Roman adibas von Zaza Burchuladze.

Aus dem Ukrainischenvon Sabine Stöhr

Bobo kann alles. Ihre Pasta schmeckt hervorragend, sie hat alle Folgen von Lost gesehen, und blasen kann sie wie eine Göttin: voller Hingabe und Liebe.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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