Hannuschka – Gefundenes Glück - Wilhelm Tramitzke - ebook

Hannuschka – Gefundenes Glück ebook

Wilhelm Tramitzke

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Opis

Wilhelm Tramitzke, im Februar 1926 in Wischniovka - Bessarabien, heute Moldau Republik - geboren, ist Nachfahre deutscher Kolonisten, die in den Jahren 1814 bis 1842 auswanderten. Im Jahre 1940 wurden alle Deutschstämmigen aus Bessarabien in die Gebiete von Danzig Westpreußen, Wartheland und andere Gegenden umgesiedelt. - In seiner Geschichte erzählt er das Schicksal eines Kindes, das durch die Kriegswirren seine Eltern verliert. Das Kind wird von einer polnischen Familie aufgenommen und muss als angebliches Nazi-Kind viel leiden. Das Schicksal ändert sich abrupt, als die Familie das Kind als ihr eigenes betrachtet und liebevoll aufzieht. Die Pflegeeltern, eine kinderlose Familie aus der Gegend von Kalisz, sorgt sich sehr um das Mädchen, lässt es polnische Schulen besuchen und hilft ihm, den Beruf einer »Köchin« zu erlernen. Mit Fleiß und Ehrgeiz erlernt Hannelore - ihre Pflegemutter nennt sie Hannuschka - in den renommiertesten Hotels ihren Wunschberuf und wird bald als internationale Meisterköchin bekannt. Gerade neunzehnjährig wird Hannelore aus Polen ausgewiesen und nun steht sie plötzlich allein - der deutschen Sprache kaum mächtig - einer ihr völlig fremden Welt gegenüber.

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Wilhelm Tramitzke

HANNUSCHKA –

GEFUNDENES GLÜCK

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Diese Erzählung ist frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen

Personen oder mit Ereognissen, die stattgefunden

haben, wären daher rein zufällig und

unbeabsichtigt.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Hannuschka – Gefundenes Glück

Hannelore Roßfeld geb. Köhler, schaute wehmütig, mit einem undefinierbaren Glanz in ihren Augen, als ob ihre Gedanken weit in die Vergangenheit zurückgehen würden. Ich sitze in einer verschwiegenen Ecke mit Hannelore, der Besitzerin eines der nobelsten und renommiertesten Hotels im Schwarzwald, bei einem Tässchen Kaffee, denn die Dame des Hauses wollte beim Erzählen ihrer Erinnerungen ungestört sein. Ihre Augen nahmen einen trüben Glanz an, als wollten sie die Zeit erspähen, welche nun der Anfang ihrer Geschichte ist.

Hannelore erzählte und ich hörte mir ihre aufregende und gleichzeitig beruhigende Geschichte an. Ich war in eine andere Welt versetzt, in eine Welt, die unglaublich klingt und doch so lebensnahe erscheint.

Es war das Jahr 1940, als meine Eltern von dem Ort Tramnitz in Brandenburg nach Kalisch im Warthegau gezogen sind. Besser gesagt, mein Vater wurde nach Kalisch versetzt. Damals war ich gerade mal vier Jahre und als einzige Tochter hatte ich eine schöne Kindheit verlebt. In meinem Alter bekam ich nichts von Kriegswirren und den politischen Machenschaften der Partei mit, obwohl mein Vater wegen seiner Parteizugehörigkeit als kleiner Sekretär nach Kalisch versetzt wurde, erzählte Hannelore weiter, und ich hörte ihr, ohne sie zu unterbrechen, zu.

1945 konnten meine Eltern nicht mehr flüchten und sie fielen in die Hände der polnischen Partisanen, von denen sie dann erschossen wurden. All das bekam ich mit meinen neun Jahren nicht mit und im Wirren der Zeit befand ich mich plötzlich in einem einzelnstehenden Bauernhaus bei Kalisch, dessen Besitzer ein Herr Krzysztof Wawrzyniec und dessen Ehefrau Katarzyna waren.

Zu dieser Zeit konnte ich kein Polnisch und die Wirtsleute konnten nur wenige Worte Deutsch. Immerhin konnten sie mir erklären, dass meine Eltern tot seien und ich nun bei ihnen bleiben müsste. Freundlich waren sie nicht zu mir, denn ich war für sie ein Nazikind und die hat man nicht schonend zu behandeln.

Hier fing das Martyrium an!

Alle nur erdenklichen Arbeiten musste ich ausführen, ob in der Küche, auf dem Felde und in den Ställen, überall musste ich mithelfen, und wenn es auch die schwersten Arbeiten waren.

Man nannte Hannelore die „Niemca“ (Deutsche), auch Hitlerovsca und Nazi, was Hannelore durch ihren psychischen Zustand nicht so genau wahrnahm.

Auf dem Hof der Familie Wawrzyniec arbeitete auch Josef Marek, ein junger Pferdeknecht, welcher Hannelore zur Seite stand und sie bei solchen Attacken schützte.

Auch half er ihr bei ihren schweren Arbeiten, wo er nur konnte.

Lassen wir nun die Zeit erzählen.

Pani (Frau) Wawrzynieca, sie nannte Hannelore Hannuschka, fiel auf, dass das Kind oft weinte und sich in ihren Alpträumen wälzte. Hannelore, durch ihre viele Arbeit abgelenkt, war seelisch angeschlagen und ihr Zustand bedurfte großer Fürsorge, um dass sie nicht körperlich und seelisch zugrunde geht.

Nächtelang unterhielt sich das Ehepaar Wawrzyniec über Hannelores Zukunft, denn das Ehepaar hatte keine Kinder, was sie zu folgenden Überlegungen veranlasste. Frau Wawrzynieca, welche der Hannelore gegenüber stets kühl und ablehnend gegenübertrat, muss sich nach ausgiebiger Unterhaltung mit ihrem Ehemann über Nacht zu einer Glücksfee verwandelt haben.

Hannuschka, sagte sie am nächsten Tag zu Hannelore.

Du wirst nur noch im Haushalt arbeiten und mir beim Kochen, Waschen und sonstiger Hausarbeiten helfen. Ich will, dass du in die Schule gehst und die polnische Sprache erlernst, was für dich zum Vorteil sein wird. Ich werde dafür sorgen, dass man dich nicht mehr ausschimpft und hässliche Namen für dich gebraucht. Fühle dich als unser Kind und ich hoffe, dass du durch fleißiges Lernen uns viel Freude bereitest.

Hannuschka wusste nicht, wie ihr geschah, und sie fiel Frau Wawrzynieca um den Hals, was der Frau ein paar Tränen entlockte.

Seit diesem Ereignis verging eine lange Zeit und auf dem Hof harmonisierte sich die Lage aufs Beste und es herrschte eine friedliche Idylle, die man als mustergültig bezeichnen konnte.

Hannuschka entwickelte sich als ausgezeichnete Schülerin, sie konnte bald fließend Polnisch sprechen und in der Schule hatte sie die besten Noten.

Noch hatte sich Hannuschka keine Gedanken über ihre Zukunft gemacht. Sie hatte alle Freiheiten, sie besuchte das Theater in Kalisch, ging ins Kino, zum Tanzen, doch sie übertrieb die Sache nicht und hielt sich stets im Rahmen.

Das Ehepaar Wawrzyniec und Hannuschka lebten rundum glücklich, doch über einen beruflichen Werdegang wurde nie gesprochen. Hannuschkas Kindheit verschwamm im Nebel der Zeit und sie konnte sich kaum noch an ihre leiblichen Eltern erinnern. Das Schicksal schlug so manche Bresche, und so war es auch bei Hannuschka. Sie nannte Frau Wawrzynieca liebevoll „mamusia“ (Mutti, Mama).

Eines Tages bat sie die „Mamusia“, ob sie auch mal das Frühstück zubereiten dürfte, denn sie möchte eine geschmälzte Kartoffelsuppe als Frühstück zubereiten. Staunend, aber mit großer Freude erlaubte Frau Wawrzynieca der Hannuschka das Frühstück zuzubereiten. Man kannte diese Art von Frühstück auf dem Lande, und die „Mamusia“ konnte des Lobes nicht genug ausdrücken, so hatte ihr die Kartoffelsuppe von Hannuschka geschmeckt. Mit dieser Kartoffelsuppe legte Hannuschka den Grundstein für ihren späteren Beruf.

Sie ließ sich von diesen Gedanken nicht abbringen, und wollte nun allen Ernstes „Köchin“ werden!

Hannuschka besuchte Seminare, durchstreifte viele Lehrgänge, die mit Ernährung und Gastronomie zu tun hatten und ließ sich nicht nehmen, auch einige Zeit als Angestellte in Hotels zu arbeiten, wo sie von der Schippe an das Handwerk eines Hoteliers lernen wollte. Sie durchlief als Zimmermädchen, als Putzfrau, als Fräulein an der Rezeption die einzelnen Arbeitsgänge, bis sie schließlich in der Küche landete.

Das war eigentlich ihr Ziel, und nun sah sie, wie eine Hotelküche organisiert und aufgebaut war. Ihr Ehrgeiz nahm kein Ende und sie ging mit voller Energie an ihre Aufgabe und ließ sich jedes noch so kleine Detail, was die Organisation und Aufbau der Arbeitsgänge betrifft, erklären.

Mit Erlaubnis und Einvernehmen ihrer Pflegeeltern lernte Hannuschka ihren Beruf als Köchin in Lodz und sie war in ihrem Lerneifer unübertrefflich. Kein Wunder, dass ihre Lehrkräfte sie über alles lobten, und dementsprechend bekam sie zum Abschluss der Lehre den besten Eintrag in ihr Diplom.

Von der Fachwelt her war man der Ansicht, dass Hannuschka mit ihren Kenntnissen und praktischen Erfahrungen bereits jetzt schon als „Chef de cuisine“ fungieren könnte, was ihren Stolz noch erhöhte. Trotz all dieser Lobhudelei blieb Hannuschka das einfache Mädchen und war zu allen ihren Bekannten stets die Freundin geblieben. Eines konnte man ihr nicht nehmen.

Sie erklärte voller Stolz ihren Pflegeeltern den Ablauf ihrer Lehre und was sie ganz besonders hervorhob, waren die „Küchenposten“ in einem besonders renommierten Hotel internationaler Prägung.

Was sie ihren Pflegeeltern erklärte, entspricht nicht der Vollständigkeit eines international renommierten Hotels. Wollte man ins Detail gehen, so würde man zeitlich gesehen stundenlang erklären müssen, was ihre Eltern dann sowieso nicht verstehen würden.

Hannuschka beschränkte sich auf das Wesentliche und erklärte nur das Notwendigste.

Küchenposten:

„Chef de partie“ (Posten-Chef)

Die verschiedenen Posten sind von Postenchefs besetzt.

Es ist zu verstehen, dass jeder Posten von einem Postenchef besetzt ist.

Die Rangordnung.

„Directeur de Cuisine.“ (Küchendirektor)

In einem Etablissement mit mehreren Küchen unterstehen die Köche dem Directeur de Cuisine.

Was Hannuschka für sehr bedeutend fand, ist ihrer Ansicht nach der Küchenchef:

„Chef de Cuisine.“

Der Küchenchef muss soweit alles im Griff haben, insbesondere muss er sich um die Wareneinkäufe, die Erstellung der Speisen sowie um die Preiskalkulation kümmern, weiterhin die Dienstpläne erstellen und sich auch um die Aus- und Weiterbildung des Küchenpersonals kümmern.

Folgend wäre noch der stellvertretende Küchenchef, „Sous Chef“ zu erwähnen.

Das Wort Stellvertreter sagt schon alles, denn er muss bei Abwesenheit seines Chefs diesen vertreten.

Das dürfte wohl die Führungsspitze sein.

Nun kann man zu den Küchenposten übergehen und einige Hinweise geben und ihre Bedeutung erklären.

„Saucier“ (Saucen-Posten)

Laut Erklärung übernimmt der Saucier den Posten des stellvertretenden Küchenchefs, wenn kein Sous-Chef vorhanden ist.

Ansonsten befasst sich der Saucier mit der Herstellung von Saucen, Brühen, Fonds und auch mit der Herstellung von Ragouts u.v.m.

„Gardemanger“ (kalte Küche)

Im Lexikon erscheint das Wort „Gardemanger als Speiseschrank, Speisekammer, doch jeder Berufsstand hat seine eigenen Ausdrücke und dabei wollen wir es belassen.

Der Gardemanger ist zuständig für die Herstellung von Salaten, kalte Saucen, kalte Büffets, Dressings u.v.m. Sollte es kein Hors d’Oevrier geben, so übernimmt der Gardemanger auch die Zubereitung der Vorspeisen.

„Hors d’Oevrier“ (Vorspeiseposten)

sagt schon, dass er die Vorspeisen zubereitet, hilft aber dem Gardemanger bei der Herstellung von Saucen und Salaten.

„Entremetier“ (Gemüse und Beilagen-Posten) Kurz und bündig. Er stellt Sättigungsbeilagen und Eierspeisen her und außerdem bereitet er Gemüse zu.

„Legumier“

ist nur für das Gemüse zuständig.

„Poissonier“

bereitet alle Fischgerichte und Fischsaucen vor mitsamt den Schalen-, Krusten- und Weichtieren“.

„Rotisseur“

ist für die Herstellung von Braten aus Schlachtfleisch, wie Rind, Schwein, Geflügel und Wildgeflügel zuständig.

„Grillardin“

sagt schon das Wort, dass es ein Fachmann (Frau) im Grillen sein muss.

„Patissier“

stellt Süßpeissen Desserts, Kuchen, Torten Gebäck uvm. Her.

„Boucher“(Schlachter, Metzger), er entbeint das Schlachtfleisch und bereitet es für andere Posten vor. Außerdem stellt er Wurstwaren her.

Nun folgt der Name „Tournant“, der so vielseitig erklärt werden kann, doch in der Gastronomie hat er einen besonderen Sinn, was seinem Namen alle Ehre macht.

„Tournant“ (Springer)

Springer klingt so nichtssagend, als ob da ein Laufbursche am Werk wäre. Dem ist nicht so! Der Springer muss alle Posten beherrschen und immer dann einspringen, wenn ein Chef de Partie ausfällt oder abwesend ist.

Alle Posten beherrschen sagt schon viel, doch im letzten Satz erkennt man, was der Tournant für eine respektable Person ist.

Die Rolle eines Tournant wird häufig von Köchen übernommen, welche vor der Prüfung zum Küchenmeister stehen.

Weiterhin erscheint ein sehr wichtiger Posten, was für einen guten Ablauf in der Gastronomie unerlässlich ist.

„Der „Annoncier“

Diese Figur ist Mitglied der Küchenbrigade, sozusagen das Bindeglied zwischen Küche und Servicepersonal.

Er gibt die Bestellungen in der Küche ab, und kontrolliert sie beim Verlassen der Küche auf ihre Richtigkeit,

„Guten Appetit“

Diese vorhergehenden Beschreibungen über das Leben in einer Großküche erklärte Hannuschka voller Stolz ihren Pflegeeltern, welche sie liebevoll in ihre Arme nahmen und vor Stolz strotzten.

Da Hannuschka ihre Berufsausbildung mit den besten Noten abgeschlossen hatte, blieb sie vorübergehend bei ihren Pflegeeltern und legte nach all diesen Strapazen eine Ruhepause ein.

Noch hatte sie keine Vorstellung, wie sie ihren Beruf anwenden wollte, denn ihr Wissen und Können in der Gastronomie gab ihr den Ehrgeiz, zu Höherem zu tendieren.

Hannuschka ging ihrer Volljährigkeit entgegen und das machte Frau Wawrzynieca und ihrem Mann große Sorgen, denn sie wussten, dass die Behörden früher oder später kommen werden, um Hannuschka vor die Wahl zu stellen, entweder sich adoptieren oder sich in die Deutsche Demokratische Republik abschieben zu lassen. Diese Alpträume machten den Pflegeeltern schwer zu schaffen, wogegen Hannuschka ahnungslos ihrer alltäglichen Arbeit nachging.

Sie half ihrer „Mamusia“, wo sie nur konnte und vergaß auch nicht, irgendwelche Eventualitäten zu organisieren. So z. B organisierte sie Kochkurse für Anfänger, welche auch sehr frequentiert wurden.

Hannuschka zeigte sich immer aktiv und war unermüdlich in ihrem Ehrgeiz.

Ihr nun liebgewonnener Freund Josef Marek hatte sich inzwischen vermählt und es lief bereits ein kleiner Hosenmatz in der Wohnung des Marek umher.

Auch hier kümmerte sich Hannuschka sehr um das Wohl des Kindes, denn sie vergaß nicht, wie ihr Marek in ihrer schweren Jugendzeit zur Seite stand. Alles schien so friedlich und still, doch die aufkommenden dunklen Wolken am Horizont sah niemand.