Warum Vater? - Wilhelm Tramitzke - ebook

Warum Vater? ebook

Wilhelm Tramitzke

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Opis

Wilhelm Tramitzke, geboren im Februar 1926 in Wischniovka, Bessarabien, ein Landstrich zwischen den Flüssen Djestr und Pruth, heute Moldaurepublik, ist Nachfahre deutscher Kolonisten in Bessarabien, welche in den Jahren 1814 bis 1842 Mutterkolonien errichteten. Bis zur Umsiedlung 1940 (Heim ins Reich) bestanden durch ihre Nachfahren bereits 150 Tochterkolonien mit deutschen Namen. Die Umsiedlung nahm ihnen ihre Heimat, und nach der Ansiedlung in Polen verloren sie 1945 zu zweiten Mal ihre Heimat. - In seiner Geschichte beschreibt er die große Liebe zwischen zwei Menschen, welche schon im Sandkasten unzertrennlich waren. Die Kinder, Sohn eines Metzgermeisters und Tochter eines Apothekers kamen, trotz ihrer großen Liebe, durch den Standesdünkel des Apothekers nicht zusammen, weil er der Meinung war, dass es unter seiner Würde wäre, einen Metzger in der Familie zu haben. Ihm schwebte ein Akademiker vor. Durch Intrigen, Verleumdungen und durch sein Verbot einer Zusammenkunft der beiden, brachte es der Apotheker fertig, dass ein Wiedersehen so gut wie unmöglich war. Dass seine Tochter bereits volljährig und eine ausgebildete Apothekerin war, scherte den Apotheker nicht. Auch der Metzgersohn hatte bereits seinen Metzgermeister gemacht, und stand beruflich voll im Trend, doch auch das scherte den Apotheker nicht. Das veranlasste den Metzgermeister, nach Argentinien auszuwandern, in der Hoffnung, dass seine große Liebe ihm nachfolge. Ihre gegenseitige Sehnsucht war unbeschreiblich, doch alles kam anders.

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Wilhelm Tramitzke

WARUM VATER?

Odyssee einer Familie

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Titelillustration © Konstantin Kornel

[email protected]

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Warum Vater?

Friedlich und still lag die Kleinstadt mit ihren Häusern, ihren historischen Monumenten, rechts und links eines Nebenflusses der Donau, eingebettet in einem Tal von grünen Wiesen und Wäldern umgeben. Die Straßenbeleuchtung schickte ihre Helligkeit in die Zimmer der Häuser, als wollte sie sagen: „Schlaft wohl ihr Bürger, wir wachen über euch und beschützen euch vor Unbill und Gefahr.“

Ein Hauch von Duft des Waldes und der Wiesen legte sich über die Dächer und strömte durch die offenen Fenster, als wollte die Natur den Menschen ein gesundes und heilendes Geschenk machen.

Das Städtchen schlief seinen gerechten Schlaf.

Aurora, die Göttin der Morgenröte, weckte die Bürger des Städtchens mit ihren leuchtend roten Strahlen und verkündete den Anfang eines neuen Tages.

Die Stadt wird lebendig und die Menschen bereiteten sich auf einen arbeitsreichen Tag vor.

Der Bäcker erschien als Erster auf der Bildfläche und so nach und nach öffneten die Geschäfte und Handwerker ihre Türen und die Fabriken ihre Tore.

Die Behörden ließen sich noch etwas Zeit, denn die Bürger sind von frühen Behördengängen nicht begeistert.

Außer Textil-, Schuh-, Juwelier-, Lebensmittel- und anderen Geschäften ist noch das Handwerk zu erwähnen. Ärzte und Apotheker sollte man in den Vordergrund stellen.

Alles in Allem: Die Stadt prosperiert durch den Fleiß ihrer Bürger.

Man kann sagen: Sie sucht ihresgleichen.

Zu erwähnen wäre noch, dass die Metzgerei Weißer durch ihre Wurst- und Fleischqualitäten weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Die Metzgerei nennt sich „Metzgerei Weißer und Söhne“.

Die Metzgerei läuft unter der Führung des Metzgermeisters Weißer Senior. Als Vertreter fungiert Sohn Ralf, ebenfalls Metzgermeister, dann folgt Sohn Jörg, Metzgergeselle.

Was lobend zu erwähnen ist, dass die Ehefrau und Mutter der zwei Söhne als Fachverkäuferin in der Metzgerei unentbehrlich ist.

„Ein Hoch dem Metzgerhandwerk!“

Metzgermeister Rudolf Weißer und seine Ehefrau Lieselotte Weißer, geb. Müller, haben sich kurz nach ihrer Berufsausbildung vermählt und gründeten dann die Metzgerei Weißer. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Ralf und Jörg.

Die Metzgerei lief von Anfang an mit gutem Erfolg und die Familie Weißer hatte nichts zu beklagen.

Zur selben Zeit traf das Glück in der Stadtapotheke von Apotheker Rompel, Heinrich ein. Seine Ehefrau Gerda Rompel, geb. Kugele, schenkte ihrem Mann eine gesunde Tochter, die sie auf den Namen Renate tauften.

Als die Kinder noch klein waren, sah man die Mütter oft im Park spazieren gehen und zuweilen spielten ihre Kinder fröhlich im Sandkasten. Der Metzgersohn Ralf und die Apothekentochter Renate waren bald unzertrennlich. Oftmals machten die Kinder Furore, wenn sie beim Nachhausegehen getrennt wurden. Diese Bekanntschaft der Mütter war für Frau Rompel, welche selbst gelernte Apothekerin ist, von Vorteil, denn die Frau Metzgermeisterin hatte ihr so manches saftige Steak zukommen lassen.

Im Park erschien des Öfteren eine Frau Dr. Johanna Hübner, ihres Zeichens nach Ärztin der Allgemeinmedizin und Mitarbeiterin in der Praxis ihres Mannes, Dr. Hübner, Wilhelm, auch Allgemeinmediziner.

Frau Doktor hatte einen Sohn, genannt Alfred, welcher sich auch im Sandkasten tummelte, aber er wurde nicht so richtig warm mit den anderen Kindern.

Das spielte keine große Rolle. denn auch die Frau Doktor war durch ihr arrogantes Auftreten bei den anderen Müttern nicht so beliebt.

So ging die Zeit vorüber und die Kinder wurden immer älter und älter, kamen bald in die Grundschule, Gymnasium und schließlich studierten sie.

Ralf und Renate blieben unzertrennlich.

Es werden nur die Kinder des Metzgermeisters Weißer, des Apothekers Rompel und des Arztes Hübner erwähnt, denn die Kinder sind in dieser tragischen Geschichte die Opfer unvernünftigen Denkens.

Alle Sprösslinge der genannten drei Familien traten beruflich in die Fußstapfen ihrer Eltern.

Ralf Weißer erstritt sich sein Metzgermeisterdiplom mit „Gut“, wogegen Renate Rompel sich mit einem „Summa cum laude“ als Apothekerin bei ihren Eltern vorstellte.

Der Herr Apotheker, Renates Vater, plusterte sich vor Stolz wie ein Truthahn auf, wogegen Renates Mutter sich etwas gemäßigter zeigte, doch man konnte ihr die Freude regelrecht anmerken.

Das verwöhnte Söhnchen des Ärztepaares Hübner brachte es bei seiner Prüfung zum Orthopäden zu einem „sehr gut“, was die Eltern mit Stolz erfüllte.

Die frischgebackenen Meister ihres Faches brauchten nicht langweilige und Nerven zermürbende Bewerbungsschreiben aufsetzen, denn sie wurden jeweils bei ihren Eltern gebraucht, außer Alfred, der Orthopäde.

Es ist erstaunlich, wie Renate und auch Ralf sich in ihrem Beruf vehement einsetzten und so manche Neuigkeit austüftelten.

Unser Orthopäde Alfred Hübner wurde im Kreiskrankenhaus beschäftigt und zeigte seine Künste zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten.

Allerdings dauerte es nicht lange, bis man ihn als den größten „Casanova“ bezeichnete, denn angeblich war keine Frauenschürze vor ihm sicher!

Ob sich das Gerede im Städtchen über den Orthopäden Alfred Hübner nur um eine Verleumdung handelte, daran störte sich niemand, doch dem Alfred, der von seinen Berufskollegen als Luftikus und Aufschneider genannt wurde, war alles zuzutrauen.

Die Stadt zeigte sich von ihrer schönsten Seite, denn es gab keine wohnsitzlosen Bürger, keine Land- oder Stadtstreicher, dafür sorgte die Polizei.

Das Kulturamt bot Abwechslungen, wie Theater, Kino, Tanzabende usw., was von der Bevölkerung sehr begrüßt wurde. Nicht zu vergessen sind die Vereine, welche ihre Vorstellungen in Eigenregie gaben, was wiederum die Jugend erfreute.

Renate und Ralf waren Mitglieder des Gesangsvereins „Goldene Stimme“ und es gab keine Versammlung, der sie nicht gemeinsam beigewohnt hätten. Die Beiden machten oft Spaziergänge im Wald und Flur. Ralf, der etwas sentimental veranlagt ist, saß oft mit seiner Renate am Waldesrand, summte oder sang sein Lieblingslied „Im schönsten Wiesengrunde“.

Daraufhin nahm er seine Renate liebevoll in die Arme und küsste sie leidenschaftlich.

Von diesen Zusammenkünften wusste keiner, denn Renate und Ralf wollten ihre Liebe zueinander noch nicht an die große Glocke hängen.

Ruhig liegt die Stadt an den beidseitig plätschernden Ufern des Flusses und die Bürger träumen von Glück und Wonne und der Schönheit ihrer Stadt.

Morgens, wenn das pulsierende Städtchen in vollem Gange war, sah man Menschen, welche in Scharen zu ihren Arbeitstätten gehen.

Summa summarum: Es scheint, als ob die Stadt vom Glück und Prosperität geküsst wurde!

Dunkle Wolken erschienen am Horizont und verhießen kein gutes Omen.

Renate wollte am kommenden Sonntag mit Ralf vor ihren ahnungslosen Vater treten und ihm ihre Liebe zu Ralf kundtun.

Ralf wollte dann den Herrn Apotheker um die Hand seiner Tochter bitten.

Was nun geschah, kann nur ein zerstörerisches Werk eines Despoten, eines herzlosen Vaters seiner Tochter gegenüber, sein.

Nie und nimmer wirst du einen Metzger heiraten, schrie der Apotheker seine Tochter an. Du ruinierst unseren Berufsstand, unser Ansehen. Eher stecke ich dich in ein Kloster, wetterte Apotheker Rompel weiter.

Gehe in dein Zimmer, wir sprechen uns später!

Als seine Tochter sich in ihr Zimmer zurückzog, wandte sich der Apotheker an Ralf und eröffnete seine Philippika lautstark.

Was erlaubst du dir, sich in unsere Familie einzuschleichen. Ein Metzger würde unseren Beruf erniedrigen und das hat uns gerade noch gefehlt.

Wir Apotheker heilen und ihr Metzger tötet. Siehst du nun den Unterschied unserer Berufe. Verschwinde zu deinen Viechern und zeige dich nie mehr wieder in unserem Haus.

Das war eine abscheuliche gewaltsame Trennung der Renate von ihrem so geliebten Ralf.

Renate liebte und verehrte ihren Vater sehr, obwohl er ein sehr strenger Vater ist.

Sie hat ihm viel zu verdanken und möchte ihrem Vater durch fleißiges Arbeiten in der Apotheke zeigen, dass er sie nicht umsonst den Apothekerberuf erlernen ließ.

Der Vater honorierte ihren Fleiß gelegentlich mit kleinen Geschenken, was wiederum Renate freute.

Das vorhergehende Ereignis mit ihrem Vater und Ralf schnitt tiefe Wunden in Renates Herz und hinterließ tiefe Spuren der Traurigkeit. Wie soll sie ihrem Vater gegenübertreten? Kann sie ihn noch lieben und verehren, oder soll sie ihn hassen?

Der Satz ihres Vaters: „Nie und nimmer wirst du einen Metzger heiraten!“, zerstörte Renates Glück und es traf Renate tief ins Herz und Seele, wogegen sich ihr Vater über die Tragweite seines cholerischen Benehmens keine Vorstellungen machen konnte.

Apotheker Heinrich Rompel zerstörte mit einem Federstrich das Glück seiner Tochter und versetzte Renate durch seine Strenge und Herrschsucht in einen psychischen Tiefstand.

Renate wusste nicht mehr ein noch aus und erschien geistesabwesend in der Apotheke und verrichtete stereotypisch und roboterartig ihre Arbeiten, als ob sie ein Wesen aus der Novelle von „Huxley“ wäre.

Das Ausmaß und die Folgen des seelischen Schadens, verursacht durch ihren Vater, sind mit keinen Mitteln wieder gut zu machen.

Der Apotheker wusste es zu verhindern, dass seine Tochter je wieder mit Ralf Weißer zusammentraf oder Verbindung zu ihm aufnahm. Die einzige Möglichkeit war, dass Renates Mutter, welche nach wie vor ihre Fleisch- und Wurstwaren in der Metzgerei Weißer einkauft, von ihrem heißgeliebten Ralf Grüße überbrachte.

Nach Feierabend, und wenn es die Zeit erlaubte, begab sich Renate, wie geistesabwesend, zu dem Platz am Waldesrand, wo sie glückliche Stunden mit ihrem Ralf verbrachte und konnte stundenlang dasitzen und meditieren.

Sie spürte ihren Ralf neben sich und hörte sein Lieblingslied „Im schönsten Wiesengrunde!“

doch es war die Wiese und der Wald, welche ihr die Melodie mit ihrer Naturfrische einhauchten.

Das waren nun die schönsten Stunden, welche sich Renate zu eigen machte und sie fühlte sich in Gedanken neben ihrem Ralf, glücklich.

Apotheker Rompel saß des Öfteren mit seinesgleichen am Stammtisch der Gastwirtschaft „Zum Frommen Lamm“ und man sah ausschließlich Ärzte und solche, die es werden wollten.

Mitunter erschien auch des Öfteren der Sohn des Arztes, Dr. Hübner, unser Casanova Alfred Hübner, seines Zeichens Orthopäde im Kreiskrankenhaus. So lernten sich der Apotheker und Alfred Hübner kennen.

Apotheker Rompel war von den Sprüchen und Zoten, welche unser Herr Orthopäde von sich gab, begeistert, und so reifte in seinem bornierten Hirn ein fürchterlicher Gedanke heran.

Das wäre doch der richtige „Eidam“ für eine Apothekerfamilie, sinnierte er, und kurze Zeit später hatte Alfred Hübner eine Einladung zu Mittag im Hause Rompel.

Natürlich war es ein Hintergedanke, den Orthopäden mit seiner Tochter bekannt zu machen, um seine Tochter von dem Gedanken einer Heirat mit einem Metzger abzubringen. Er war der Meinung, dass Renate beim Anblick eines Orthopäden, eines Akademikers und standesgemäßen Mannes, in Glückslaune ihm vor Freude um den Hals fallen würde.

Frau Rompel zauberte zur Feier des Tages ein ausgezeichnetes Menü auf den Tisch, was sich sehen lassen konnte. Dass das Fleisch von dem so verhassten Metzger stammte, nahm er nicht wahr. Auserlesene Weine wurden kredenzt und die Gesellschaft schien froher Laune zu sein, wozu mal der Apotheker merkte, dass Dr. Hübner seiner Tochter Avancen machte. Es ließ Renate kalt und sie verspeiste apathisch ihre Mahlzeit und begab sich dann in ihr Zimmer, ihre Familie mitsamt dem Gast hinter sich lassend.