Venus und Tannhäuser: Eine romantische Novelle - Aubrey Beardsley - ebook

Venus und Tannhäuser: Eine romantische Novelle ebook

Aubrey Beardsley

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Dieses eBook: "Venus und Tannhäuser: Eine romantische Novelle" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aubrey Vincent Beardsley (1872/1898) war ein englischer Illustrator, Dichter, Graphiker und Karikaturist. Franz Blei (1871/1942) war ein österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und Literaturkritiker. Aus dem Buch: "Durch welches Übel das Abfassen von Widmungsepisteln außer Brauch kam, ob daran die Selbstgefälligkeit der Autoren oder die Bescheidenheit der Patrone die Schuld trägt, dies weiß ich nicht. Doch aber scheint mir der Brauch so schön und gut, daß ich wagte, mich in dieser bescheidenen Form zu versuchen und mein erstes Schriftwerk mit allen Formalitäten Ihnen zu Füßen lege. Ich muß die Befürchtung einbekennen, der Vermessenheit beschuldigt zu werden, daß ich einen so erhabenen Namen wie den Ihren vor diese Geschichte stelle, aber daß man mich dessen nicht allzuleichtfertig rügen wird, hoffe ich, denn bin ich schuldig, so ist dessen Grund nur ein sehr natürlicher Stolz darüber, daß es mir die Begebenheiten meines Lebens erlauben, diese kleine Pinasse meiner Laune unter der Flagge Ihrer Protektion segeln zu lassen..."

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Aubrey Beardsley und Franz Blei

Venus und Tannhäuser: Eine romantische Novelle

Übersetzer: Franz Blei

e-artnow, 2014
ISBN 978-80-268-1343-9

Inhaltsverzeichnis

Zuerst erschienen
Verehrungswürdigster Fürst!
Erstes Kapitel, das erzählt, wie sich der Chevalier Tannhäuser in den Venusberg einführte
Zweites Kapitel, das erzählt, wie Venus coiffiert und zum Souper vorbereitet wurde
Das dritte Kapitel erzählt, wie Venus soupierte und sich danach über die ausgelassenen Streiche ihres Gefolges höchlichst unterhielt.
Das vierte Kapitel, welches erzählt, wie sich der Hofstaat der Venus ganz unerhört beim Soupee benahm.
Das fünfte Kapitel, welches berichtet von dem Ballette, das der Venus Komödianten tanzten
Das sechste Kapitel, welches berichtet von dem Liebeszweikampf zwischen Venus und Tannhäuser
Das siebente Kapitel, welches erzählt, wie Tannhäuser erwachte und sein Morgenbad im Venusberge nahm
Das achte Kapitel, welches berichtet von Adolphe's Verführung und nachfolgender Erklärung
Das neunte Kapitel, welches berichtet von Venus und Tannhäusers Frühstück und nachfolgender Spazierfahrt durch die Gärten
Das zehnte Kapitel, welches berichtet vom Stabat Mater, von Spiridon und von De La Pine
Das elfte Kapitel, welches etwas enigmatisch von den Heiligen im Venusberg berichtet
Das zwölfte Kapitel erzählt, wie der Chevalier Tannhäuser sich zu den Heiligen des Hörselberges begab
Das dreizehnte Kapitel, das vom Besuche Tannhäusers bei Herrn von Pâris berichtet
Das vierzehnte Kapitel, welches vom Besuche des Tannhäuser bei Sholeros berichtet
Das fünfzehnte Kapitel, welches von einem Liebesabenteuer des Chevalier Tannhäuser berichtet
Das sechszehnte Kapitel, welches den Schluß des Abenteuers erzählt
Das siebenzehnte Kapitel, welches berichtet, was dem Chevalier zu tun auferlegt war
Das achtzehnte Kapitel, welches berichtet, was inzwischen in Rom geschah
Epilog

Zuerst erschienen

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte von Venus und Tannhäuser, darein verflochten eine genaue Beschreibung der Bräuche am Hofstaate der Frau Venus, Göttin und Buhlerin in dem berüchtigten Hörselberge, und woran angeschlossen Tannhäusers Abenteuer daselbst, seine Bereuung, Fahrt nach Rom und Rückkehr zum Hörselberge der Liebe.

Eine romantische Novelle von Aubrey Beardsley.

Aus dem Englischen in das Deutsche übertragen von Prokop Templin und mit einigen, des englischen Meisters Fragment abschließenden Kapiteln versehen von Franz Blei.

»La Chaleur Du Brandon Venus« Le Roman de la Rose, vers 22051

Seiner Eminenz dem durchlauchtigsten und verehrungswürdigsten Fürsten Giulio Poldo Pezzoli, Kardinal der hl. Römischen Kirche, Titular-Bischof von Sta. Maria in Trastevere, Erzbischof von Ostia und Velletri, Nuntius des hl. Stuhles in Nicaragua und Patagonien, dem Vater der Armen, dem Wiederhersteller der kirchlichen Disziplin, der Leuchte der Gelehrsamkeit, Weisheit und Heiligkeit des Lebens ist dieses Buch gewidmet mit gebührender Ehrfurcht von seinem untertänigen Diener, von dem Schreiber und Zeichner weltlicher Dinge, der dieses Buch verfertigt, Aubrey Beardsley.

Verehrungswürdigster Fürst!

Inhaltsverzeichnis

Durch welches Übel das Abfassen von Widmungsepisteln außer Brauch kam, ob daran die Selbstgefälligkeit der Autoren oder die Bescheidenheit der Patrone die Schuld trägt, dies weiß ich nicht. Doch aber scheint mir der Brauch so schön und gut, daß ich wagte, mich in dieser bescheidenen Form zu versuchen und mein erstes Schriftwerk mit allen Formalitäten Ihnen zu Füßen lege. Ich muß die Befürchtung einbekennen, der Vermessenheit beschuldigt zu werden, daß ich einen so erhabenen Namen wie den Ihren vor diese Geschichte stelle, aber daß man mich dessen nicht allzuleichtfertig rügen wird, hoffe ich, denn bin ich schuldig, so ist dessen Grund nur ein sehr natürlicher Stolz darüber, daß es mir die Begebenheiten meines Lebens erlauben, diese kleine Pinasse meiner Laune unter der Flagge Ihrer Protektion segeln zu lassen.

Leicht könnte ich mich also reinsprechen von solcher Beschuldigung, doch mehr Worte der Rechtfertigung muß ich noch sagen. Denn mit welcher Stirn könnte ich Ihnen ein Buch widmen, das von einer so eitlen und phantastischen Sache wie der Liebe handelt?

Ich weiß, verliebte Leidenschaft wird nach der Ansicht vieler Leute für schmachvoll und lächerlich gehalten, und man muß auch in der Tat zugeben, daß um der Liebe willen mehr Menschen schamrot wurden als aus irgend anderer Ursache, und daß Liebespaare ein dauerndes Gelächter abgeben. Da man nun aber finden wird, dieses Buch enthalte Tieferes als nur die Lust der Sinne, und um so mehr, als es von der reumütigen Zerknirschung seines Helden handelt und an seinem Orte sogar von kanonischen Dingen, so bin ich nicht ohne Hoffnung, Eure Eminenz werden meiner Abfassung vom Venusberge, dessen Darstellung meine Jugend entschuldige, Nachsicht angedeihen lassen.

Ich muß des weiteren auch um Ihre Verzeihung dafür bitten, daß ich mich in einer anderen Sprache als der lateinischen an Sie wende. Aber meine nur geringe Fähigkeit im Lateinischen erlaubt es mir nicht, mich außerhalb des Sprachbrauches meiner Heimat zu ergehen. Um alles in der Welt möchte ich nicht, daß Ihr feingebildetes südliches Ohr von dem barbarischen Ansturm rüder und gotischer Wörter verletzt werde; aber es dünkt mich, keine Sprache sei so ungeschlacht, daß sie sich nicht höflicher Autoren rühmen könnte; und es haben in alten Zeiten hier in diesem Lande nicht wenige geblüht, die unsere gemeine Alltagssprache zu höchster Schönheit brachten. In diesen unseren Zeiten wurden hélas! unsere Schreibfedern von unberufenen Autoren und groben Kritikern genotzüchtigt, welche mehr eine Zerstörung, denn ein Bauwerk hervorbrachten, eine Wüstenei eher als einen Garten. Aber was nützt es, Tränen um Vergangenes zu vergießen? Doch werde ich und will ich nicht weiter von unseren eigenen Unzulänglichkeiten sprechen, sondern ich muß von Ihren Verdiensten reden, soll ich nicht die Pflicht hintanstellen, die ich auf mich nahm, da ich Eurer Eminenz diese Schrift widme. Denn von Ihrem Adel und Ihrer Tugend – so bekannt sie auch aller Welt sind –, von Ihrem Geschmacke und Geiste, von Ihrer ernsten Liebe zum Schrifttum und Ihrem so großen Interesse an den Künsten, dessen Herold zu sein obliegt mir.

Obwohl es nun so ist, daß jedermann hinreichend die Fähigkeit besitzt, ein Urteil über dies oder jenes zu fällen, und nicht wenige so schamlos sind, solches auch zu drucken – was man dann Kritiker nennt – so war ich doch immer der Meinung, daß die kritische Fähigkeit weit seltener sei als die erfinderische. Nun ist dies eine Kunst, so Eurer Eminenz in so hohem Maße eignet, daß Lob wie Tadel aus Ihrem Munde immer Orakel und Ihr Urteilsspruch unfehlbar ist wie das Genie oder eine sehr schöne Frau. Wie ich weiß, ergötzt sich Ihr Verstand an scharfsinnigen Analysen und den subtilsten Hervorbringungen des Geistes, folgt er, daß man ihn bewundern muß, allem nach, bedächtig bedenkend und ohne Hast entscheidend. Es ist betrübend, daß solcher allervollkommenster Mäcenas keinen Horaz haben sollte, dem er Freund sein, keine Georgica haben sollte, deren Widmung er annehmen könnte; aber es müssen wohl eines Mäzens oder Patrons Pflichten und Beruf in einem Zeitalter unbedeutender Männer und geringer Werke notwendig auch geringer werden. In anderen Zeiten war es großer Fürsten und Staatsmänner nicht unwürdig, ihre Neigung und Gunst auch Poeten angedeihen zu lassen, da sie dabei gleiche Ehre gewannen als sie austeilten. Nahm doch Prinz Festus mit Stolz Julians Meisterwerk unter seinen Schutz, und war die Aeneis nicht das entzückendste Geschenk an einen Cäsar?

Kenntnis ohne Urteil, dieses ist ein Nichts, doch weiß ich nicht, welches an Eurer Eminenz das Größeste ist, Ihre Liebe und Kenntnis der Künste oder Ihr Wissen und Urteil über sie. So kann es niemanden erstaunen, daß ich Ihnen gefallen und Ihre Patronanz gewinnen möchte. Wie zu tiefst dankbar ich bin für bewiesene Teilnahme, dies wissen Sie, und haben Ihre große Güte und Freigebigkeit meine kleinen Verdienste und nicht größeren Talente, die irgendeine Gunst kaum wert sind, weit übertroffen. Es ist leider nur eine hinfällige Gabe, die ich hier darbringe, aber wenn Sie, etwa an einem Abend auf Ihrer Terrasse, darin blätternd es eines entlegenen Winkels in Ihrer fürstlichen Bibliothek würdig finden, könnte das Bewußtsein, daß das Werkchen hier aufbewahrt wird, mich für meine Mühe vollkommen belohnt machen und dem Vergnügen, dieses unbedeutende Büchlein geschrieben zu haben, die Krone des Glückes aufsetzen. Eurer Eminenz untertänigster treugehorsamster Aubrey Beardsley.

Erstes Kapitel, das erzählt, wie sich der Chevalier Tannhäuser in den Venusberg einführte

Inhaltsverzeichnis

Der Chevalier Tannhäuser war vom Pferd gestiegen und stand nun zaudernd einen Augenblick in dem dämmrigen Torweg des Venusberges, von exquisiter Angst gepeinigt, der Ritt des Tages könnte die zierliche Anmut seiner Kleidung zu grausam in Unordnung gebracht haben. Seine Hand, schlank und ausdrucksvoll wie jene der Marquise du Deffand auf der Porträtzeichnung von Carmontelle, fingerte nervös in dem Goldhaar, das gleich einer feinlockigen Perücke auf seine Schultern fiel, und weiter wanderten von Stelle zu Stelle einer sehr genauen Toilette nervöse Finger, kleinen Aufruhr der Spitzen zu beschwichtigen, Wellen der Halskrause zu glätten.

Es war um die Zeit der Kerzen, da die müde Erde ihren Abendmantel von Nebel und Schatten umlegt, die verzauberten Wälder leichten Schritt und zarte Stimme der Elfen in ihr Geflüster bergen, alle Luft geschwängert ist vom Unnennbaren und sogar die Beaux vor ihrem Toilettentisch ein wenig ins Träumen kommen.

Fahle, namenlose, im Mentzelius nicht zu findende Kräuter wucherten. Riesige Nachtfalter, mit Flügeln, reich ornamentierten, als ob sie auf Tapeten und fürstlichen Brokaten Mahlzeit gehalten hätten, flatterten die Pfeiler des Torwegs hin, mit Augen, brennend, berstend im Geäder und starrend. Der Pfeiler mattfarbiger Stein stieg auf wie ein Hymnus zum Preise der Göttin und war vom Kapital zur Basis in verliebten Skulpturen ziseliert, von so lustiger Erfindung und so seltsamer Kennerschaft, daß Tannhäuser eine ganze Weile brauchte, das Zierwerk sich anzusehen. Nichts war dagegen was Japan in seinen maisons verts erfinderisch gestaltet hatte, oder was die entzückenden Badezimmer des Kardinals de la Motte berühmt machte, und unbedeutend wurden daneben die verblüffenden Illustrationen in Jones Nursury Numbers.

Ein scharmantes Portal, sagte leise der Chevalier und ordnete die Falten seiner Schärpe. Wie Antwort auf seine Worte, kaum atmendem Hauche gleich, tönte ein hinsterbender Klang singender Stimmen aus dem Berge, getragen von einer weichen Musik, fremdartig und seltsam wie die Tonlegenden des Meeres, die man aus den Muscheln hört. »Wohl die Vesper der Göttin,« sagte Tannhäuser und griff ganz leicht einige Akkorde auf seiner kleinen Laute. Das Lied aus dem Berge glitt über die zauberumsponnene Schwelle, legte sich wie Kranzgewinde um die schlanken Säulen, schien die dunklen Falter der Leidenschaft zu wecken, denn sie regten sich leise im Schlafe. Einer aber war von den stärkeren Lautenakkorden erwacht und taumelte ins Innere des Berges. Das nahm Tannhäuser für Wink und Mahnung, einzutreten. Sein »Adieu« begleitete eine vollendete Geste, und da in diesem Augenblick des Mondes kühle Scheibe wunderbar und ganz voller Zauber aufstieg, sagte er, mit einem Timbre von Gefühl in der Stimme: »Leb wohl, Madonna.«

»Gebe der Himmel,« seufzte er, »daß mir ein Spiegel die Zuversicht zu meinem Debüt restauriere. Wenn ich auch nicht zweifle, daß ihre Göttinnenaugen, vom Anblick des Vollkommenen übersättigt, nicht allzu ungehalten sein werden, krönt ein kleiner Mangel die Vollendung.«

Eine wilde Rose hatte sich in den Besatz seines Muffs verfangen und in einer ersten Wallung von Ärger wollte er die beleidigende Blume grob entfernen, aber die schlimme Laune verflog rasch, denn es lag etwas so rührend Sinnloses in dem kühnen Angriff des köstlichen Blumenwesens, daß der Chevalier die rächende Hand zurückholte und damit einverstanden war, die wilde Rose an dem Muff zu lassen, als einen Paß aus der oberen in die untere Welt.

Und während er eine kleine Verknotung an der Troddel seines Stockes löste, trat er in den dämmrigen Gang, der ins Herz des blassen Hügels führte, schritt er durch den Gang mit der admirablen Sicherheit und der ungefalteten Anmut Don Juans.

Zweites Kapitel, das erzählt, wie Venus coiffiert und zum Souper vorbereitet wurde

Inhaltsverzeichnis