Tom Prox 35 - Western - Gunnar Kolin - ebook

Tom Prox 35 - Western ebook

Gunnar Kolin

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Opis

In Jamtown ist die Hölle los. Von den rund hundert Halunken, die den Ort am Eagle-Pass bevölkern, sind mindestens achtzig in Anthonys Saloon versammelt. Die Burschen haben einen Riesencoup gelandet und setzen jetzt einen großen Teil ihrer Beute in Whisky um. Die meisten sind schon mächtig betrunken, als die Tür auffliegt und zwei Männer eintreten, die man eigentlich für tot gehalten hat ...

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Inhalt

Cover

Impressum

IN VERWEGENER ROLLE

REITER OHNE SPOREN - Teil 5

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

Illustrationen Innenteil: duncan1890/iStockphoto; Rustic/shutterstock

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-9343-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

IN VERWEGENER ROLLE

Von Gunnar Kolin

In Jamtown ist die Hölle los. Von den rund hundert Halunken, die den Ort bevölkern, sind mindestens achtzig in Anthony’s Saloon versammelt. Die Burschen haben einen Riesencoup gelandet und setzen jetzt einen großen Teil ihrer Beute in Whisky um.

Die meisten sind schon mächtig betrunken, als plötzlich die Tür auffliegt und zwei Männer eintreten, die man eigentlich für tot gehalten hat …

Mit einem Krach flog das schwere Eisentor des Zuchthauses von Fort Worth zu. Zwei Männer standen auf der staubigen Landstraße, die vom Zuchthaus, das etwas außerhalb lag, in die Stadt führte. Missmutig sahen sie einander prüfend an.

»Mist!«, fluchte der eine von ihnen, ein kleiner, erschreckend magerer Mann von bleicher Gesichtsfarbe. »Nun stehen wir hier und können – verdammt! – zu Fuß in die Stadt latschen!«

Der andere, ein junger Mann von etwa dreißig Jahren mit sonnengebräuntem Gesicht, lachte laut und meinte: »Du bist gut! Meinst du etwa, der Direktor hätte eine Equipage stellen sollen? Los, beeilen wir uns! Habe verdammt Lust auf einen Drink!«

Die beiden so unterschiedlichen Männer setzten sich langsam in Bewegung. Man hatte ihnen im Zuchthaus halbwegs anständige Anzüge von durchaus städtischem Schnitt ausgehändigt.

Dem jungen Mann, von Mittelgröße und mit Körperbewegungen, die Kraft, Geschmeidigkeit und Energie verrieten, passten die in der Kammer des Zuchthauses verabfolgten Sachen nicht so recht. Er schien mit Gewalt hineingezwängt, während dem Kleinen sein Anzug um die hageren Glieder schlotterte.

Eine Weile marschierten sie schweigsam dahin, bis endlich der Kleine das Schweigen brach.

Er sagte: »Habe bei der Entlassung gehört, du wärst Tex Hearth. Kann mich entsinnen, dass es mal einen gefürchteten Gun-Man dieses Namens in Arizona gab! Dürfte an die drei Jahre her sein.«

Nach diesen Worten, die sein Begleiter ohne eine Erwiderung in sich aufgenommen hatte, blickte er ihn misstrauisch von der Seite an und fuhr fort:

»Wenn du Tex Hearth bist, musst du ein langes Ende Knast hinter dir haben. Will mir aber nicht in den Kopf, wieso du so braungebrannt bist! Außerdem siehst du verdammt gut genährt aus für einige Jahre Zet!«

Und als der andere immer noch schwieg und ihn außerdem noch spöttisch anlächelte, geriet der Kleine vollends aus dem Häuschen.

»Warum sagst du denn nichts, he? Mach endlich das Maul auf!«

Jetzt blieb Tex Hearth plötzlich stehen und legte dem Kleinen die Hand auf die Schulter.

»Gewiss, hast recht, Kleiner, wenn du misstrauisch bist«, sagte er in der etwas schleppenden Redeweise der Texaner. »Brauchst dir aber keine Sorgen zu machen. Bin tatsächlich Tex Hearth. Und braungebrannt hin ich, weil ich die letzten zehn Monate auf Außenkommando durfte. Wegen guter Führung. Jawohl, wegen guter Führung! Waren auf einer Farm. Gab dort verdammt gutes Futter!«

»So ist das?« Der Kleine atmete sichtlich erleichtert auf. »Kam mir wirklich höchst verdächtig vor, Hearth!«

»Glaub’s dir gern, hätte an deiner Stelle das gleiche Misstrauen gehabt! Wärest auch schön dumm! Hätte niemals einen Maschores zusammengeschlagen, Jim Reeders!«

Der Kleine zuckte zusammen, als er so unerwartet seinen Namen hörte.

»Pest noch einmal! Woher kennst du mich? Woher weißt du davon?« Wieder flackerte das Misstrauen in den tückischen Augen auf.

Aber Tex Hearth verstand zum zweiten Mal, des anderen Bedenken zu zerstreuen.

»Du bist ein Hohlkopf, Jim! Hat nicht der Beamte im Büro deinen Namen laut und deutlich genannt, als wir zwei entlassen wurden? Hast ja dort auch meinen Namen gehört. Und dass der Gefangene Jim Reeders einen Beamten zusammengehauen hat, war vor einem Jahr die große Sensation im Block C! Das hörte ich sogar in Block F, wo ich meine drei Jahre abgesessen habe.«

»Musst entschuldigen, Tex. Zwei Jahre Knast zehren eben an den Nerven, wenn man noch nie gesessen hat.«

»Pah, was sind zwei Jahre! Geh mal für fünf Jahre nach Phoenix ins Staatszuchthaus! Dort weht ein anderer Wind als hier!«

»Was wirst du jetzt tun, Hearth? Ich meine, hast du irgendwo einen Unterschlupf?«

»No. Muss ganz von vorn anfangen! Habe knapp zweihundert Dollar. Ist alles, was ich damals retten konnte. Im Knast habe ich nicht viel verdient. Kommt Zeit, kommt Rat!«

Jim Reeders wandte sein Geiergesicht dem anderen zu.

»Will verdammt sein, wenn ich nicht einen anständigen Job für dich habe, Tex! Wie ist es, willst du mit mir nach Eagle Pass kommen? Kennst du Jamtown?«

»Hm. Eagle Pass? Jamtown? Klar, kenne ich! Jamtown war damals ein richtiges Banditennest! War immer allerlei los dort unten. Wenn du dich ein bisschen besser ausquatschen wolltest, ließe sich darüber reden, Jim!«

»Ist schnell erzählt. War damals einer von den vier Assen. Die vier Asse waren gefürchtet, Tex Hearth! Gefürchtet wegen ihrer Schnelligkeit im Ziehen! Hoffe, dass ich es heute noch so kann wie damals. Gehörten zu einer großen Bandenorganisation. Der Chef war ein Mex. Die Bande existiert heute noch. Also: willst du mit?«

Tex Hearth schien eine Weile angestrengt zu überlegen. Endlich sagte er: »All right! Kann ja wieder aussteigen, wenn mir die Sache nicht gefällt. Aber nun komm! Wollen uns im Ort ein paar andere Klamotten und ein paar Gäule beschaffen. Und dann geht’s sofort weiter!«

Schweigend setzten sie ihren Weg in die Stadt fort.

Zu der gleichen Zeit, da Tex Hearth und Jim Reeders das Zuchthaus von Fort Worth verließen, führte jene Bandenorganisation, der Reeders einstmals vor seiner Verurteilung angehört hatte, einen neuen Schlag gegen eine der schon oftmals von ihr heimgesuchten Banken des Rio-Grande-Distriktes im Schilde.

Dreißig Meilen von Eagle Pass entfernt in der Ebene liegt an der North-South-Road das Städtchen Carrizo Springs. Hier befand sich die Zentrale der San-Antonio-Bank-Corporation. Sie hatte weit über fünfzig Filialen in diesem weiten Distrikt zu versorgen.

An jenem Tage nun lag wieder einmal, wie allwöchentlich, eine große Summe Bargeld in den Tresoren, hatte die Zentrale doch für den morgigen Lohnzahltag alle Zweigstellen in den anderen Orten mit Bargeld zu versehen.

Ein schwergepanzerter Spezialwagen der Bankgesellschaft hielt vor dem massiven Steinbau der Zentrale in Carrizo Springs. Beamte waren beschäftigt, Säcke und eiserne Kisten mit Geldscheinen in ihm zu verladen, streng bewacht von zehn bis an die Zähne bewaffneten Geleitmännern.

Unweit des Bankgebäudes lehnte ein schlanker Mann in mexikanischer Kleidung an einer Hauswand und rauchte eine Zigarette. Scheinbar völlig uninteressiert betrachtete er die Tätigkeit der Bankleute, nur hin und wieder blitzte es sekundenlang in seinen Augen auf, wenn ein schwerer Segeltuchsack herausgebracht wurde und schnellstens im Inneren des Wagens verschwand.

Der Mexikaner blickte auf seine Armbanduhr. Sie zeigte genau elf Uhr, als er sich langsam aufrichtete und ein Stück von der Hauswand fort trat.

Es war so weit!

Hufgetrappel kündigte plötzlich eine größere Reiterschar an und war für den Mexikaner das Zeichen zu handeln. Mit einem Sprung, der jedem Panther Ehre gemacht hätte, sprang er auf das Geldauto zu und machte mit seinen Armen zwei schleudernde Bewegungen.

Etwas sauste durch die Luft und schlug klatschend auf die Steinplatten der Straße. Ehe sich die verblüfften Wachleute besonnen hatten, war der Mexikaner schon hinter dem Panzerauto verschwunden.

Zwei Detonationen folgten, die eine dumpf, die andere hell. Zwei Stichflammen zischten hoch. Schwarzer Qualm folgte. Splitter sausten umher. Ein atemraubender Gestank verpestete die Luft.

Männer fluchten. Verwundete schrien. Schüsse knallten, und eine Trillerpfeife ertönte.

Zwanzig maskierte Reiter galoppierten heran, sprangen vor der Bank von den Pferden und rissen die Pistolen hoch. Fünf Beamte, die aus dem Gebäude zu Hilfe eilen wollten, brachen im Feuer der Geschossgarben zusammen, und die wenigen Männer, die noch im Inneren der Bank verblieben waren, zeigten sich nicht lebensmüde genug, um gleichfalls herauszulaufen.

Das Folgende spielte sich innerhalb von ein paar Minuten ab und bewies die straffe Organisation der Bande.

Zwei der Banditen verschwanden im Wagen und warfen die Säcke mit den Banknoten auf die Straße. Vierzig Sack flogen mit Schwung heraus, jeder der Reiter schnappte sich zwei Säcke, dann war der Spuk vorüber.

Wie die wilde Jagd verschwanden sie vom Schauplatz ihres Überfalls. In gestrecktem Galopp folgte ihnen der Mexikaner, jener Mann, der zwei Eierhandgranaten geworfen hatte. Die waren im Lager der Bande besonders hergestellt und mit einer starken Rauchmasse präpariert worden.

Die Yerma-Bande, benannt nach einem ihrer Anführer, hatte an diesem Vormittag zwei Millionen Dollar erbeutet und zehn Wächter schwer verwundet.

Das war zu viel! Sheriff Glennford verfolgte die Banditen mit einer in aller Eile zusammengestellten Reiterschar sowie fünf Beamten der Landespolizei, musste aber nach Stunden ergebnislos aufgeben.

Die Banditen hatten sich in die Berge verzogen, die bei Eagle Pass zusammen mit dem Rio Grande del Norte, der sie streckenweise durchfließt, die Grenze bildet.