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Was bedeutet es, ein Leben lang an der Seite eines anderen Menschen zu stehen – und erst nach dessen Tod zu begreifen, dass man ihn vielleicht nie wirklich kannte? Veronika Staudinger stellt in ihrem eindringlichen Roman *Das Buch, das alles las* genau diese Frage und entfaltet dabei ein vielstimmiges Panorama menschlicher Schicksale rund um ein einziges, geheimnisvolles Buch. Im Mittelpunkt steht zunächst die junge Gretl, die nach dem Tod ihrer Mutter deren Nachlass ordnet – und in einem alten, titellosem Lederbuch eine Postkarte entdeckt, die ihr Weltbild erschüttert. Unterzeichnet von einem unbekannten Emmerich, voller Sehnsucht und Zärtlichkeit, eröffnet sie einen Blick in das verborgene Leben einer Frau, die Gretl zu kennen glaubte. Doch wer war ihre Mutter wirklich? Von diesem erschütternden Augenblick ausgehend entfaltet Staudinger ihre Geschichte in acht kunstvoll miteinander verwobenen Erzählsträngen. Verschiedene Menschen, verschiedene Epochen, verschiedene Geheimnisse – und immer wieder dasselbe Buch, das von Hand zu Hand wandert und dabei stets mehr trägt als nur bedrucktes Papier. Es wird zur stillen Zeugin, zur Hüterin von Dingen, die niemand auszusprechen wagte. Die Autorin besitzt ein außergewöhnliches Gespür für das Ungesagte: für die Stille zwischen zwei Menschen, für die kleinen Gesten, die mehr verraten als jedes Wort. Ihre Sprache ist präzise und atmosphärisch dicht, ihre Figuren sind zutiefst menschlich in ihrer Unvollkommenheit. Der historische Rahmen – Wien im zwanzigsten Jahrhundert, zwischen Krieg, Verlust und Aufbruch – verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe und Wärme. *Das Buch, das alles las* ist ein Roman über Schweigen und Erinnern, über die Geheimnisse, die wir selbst von unseren Nächsten hüten – und über die Frage, was ein Buch von einem Leben wirklich zu erzählen vermag.
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Liczba stron: 158
Rok wydania: 2026
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