Nerven wie Drahtseile - Walter G. Pfaus - darmowy ebook

Nerven wie Drahtseile ebook

Walter G. Pfaus

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Opis

N WIE DRAHTSEILE und andere Krimi-Erzählungen von Walter G. Pfaus Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten. "Edgar hatte die Augen geschlossen. Die Hände waren über der Brust in die Bettdecke verkrallt. Albert trat langsam näher. Er hatte den Kopf gesenkt wie einer, der sich seiner Schuld bewusst ist. Aber in diesem Moment dachte Albert nicht an Schuld. Er war ergriffen und fühlte, wie sich seine Augen langsam mit Tränen füllten. War Edgar nicht wirklich ein guter Freund? Er trat von selbst ab, noch ehe er, Albert, zum Mörder geworden war..." Ein weiterer Band mit kurzen und längeren, knackigen und pointierten Kriminalerzählungen von Walter G. Pfaus, Autor von "KLEINSTADTKLÜNGEL."

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Walter G. Pfaus

Nerven wie Drahtseile

Kurz-Krimis

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

NERVEN WIE DRAHTSEILE

NERVEN WIE DRAHTSEILE und andere Krimi-Erzählungen

von WALTER G. PFAUS

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

 

„Edgar hatte die Augen geschlossen. Die Hände waren über der Brust in die Bettdecke verkrallt.

Albert trat langsam näher. Er hatte den Kopf gesenkt wie einer, der sich seiner Schuld bewusst ist.

Aber in diesem Moment dachte Albert nicht an Schuld. Er war ergriffen und fühlte, wie sich seine Augen langsam mit Tränen füllten.

War Edgar nicht wirklich ein guter Freund? Er trat von selbst ab, noch ehe er, Albert, zum Mörder geworden war...“

 

Ein weiterer Band mit kurzen und längeren, knackigen und pointierten Kriminalerzählungen von Walter G. Pfaus, Autor von „KLEINSTADTKLÜNGEL.“

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK EBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Ein gefährliches Spiel

Erschrocken trat Udo Tanner auf die Bremse und blickte nach hinten. Auf der Kofferraumhaube seines großen, dunklen Mercedes lag ein hübsches, schwarzhaariges Mädchen mit schmerzverzerrtem Gesicht. Sie musste, während er aus der Parklücke herausfuhr, aus dem toten Winkel gekommen sein.

Hastig stieg Udo Tanner aus. Er war ein großer, kräftiger Mann um die fünfzig. Das „Tanner Imperium“, das er sich in den vergangenen zwanzig Jahren durch harte und rücksichtslose Geschäftsmethoden aufgebaut hatte, war im ganzen Land bekannt.

Jetzt stand der Baulöwe einen Augenblick hilflos neben seinem Wagen und blickte auf das Mädchen.

Ein paar Leute waren auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen geblieben, und ein junger Mann in Jeans und Turnschuhen kam langsam näher.

„Sind Sie verletzt?“, fragte Tanner das Mädchen.

„Mein Arm“, stöhnte das Mädchen. „Ich kann ihn kaum bewegen... und meine Brust... Und mein Knie tut weh.“

„Ich habe Sie wirklich nicht gesehen“, sagte Tanner. „Sie hätten aber auch besser aufpassen können.“

„Lass dich nicht anquatschen, Mädchen“, sagte der junge Mann plötzlich. „Ich habe es genau gesehen. Er hat dich einfach über den Haufen gefahren, ohne zu gucken.“

„Halt die Schnauze, du Rotzlöffel!“, fuhr ihn Tanner wütend an. „Einen Dreck hast du gesehen. Verschwinde!“

Er wandte sich an das Mädchen. „Kommen Sie, ich fahre Sie ins Krankenhaus...“

„Nein!“, wehrte das Mädchen ab. „Nicht ins Krankenhaus!“ Tränen liefen dem Mädchen über die Wangen. „Ich komm doch gerade aus dem Krankenhaus... Ich möchte nicht noch einmal ins Krankenhaus... Bitte...“

„Sei nicht blöd, Mädchen“, mischte sich der junge Mann wieder ein. „Lass die Polizei holen und lass dich ins Krankenhaus fahren. Der Kerl hat Knete, das sieht man doch, und du hast Anspruch auf Schmerzensgeld...“

„Du fängst dir gleich einen Satz heißer Ohren ein!“, zischte Tanner. „Hau endlich ab!“ Er wandte sich wieder an das Mädchen und half ihr auf die Beine. „Kann ich irgendetwas für Sie tun? Kann ich Sie irgendwo hinfahren?“

„Nach Hause“, flüsterte das Mädchen mit tränenerstickter Stimme. „Wenn Sie mich bitte... Ich möchte nur nach Hause.“

„Natürlich“, beeilte sich Tanner zu sagen, denn langsam wurde die Sache peinlich. Es blieben immer mehr Leute stehen. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen in den Wagen.“

Der rechte Fuß des Mädchens knickte ein, und Tanner stützte sie und half ihr auf den Beifahrersitz seines protzigen Wagens. Ohne den Jungen eines Blickes zu würdigen, setzte er sich hinter das Steuer und fuhr eilig davon.

„Wie heißen Sie eigentlich?“, fragte er nachdem sie sich einige hundert Meter vom Unfallort entfernt hatten.

„Marion. Marion Steiner.“

Sie schien sich wieder etwas erholt zu haben.

„Haben Sie noch Schmerzen, Marion?“

„Es geht mir schon ein wenig besser“, sagte Marion. Sie nahm ein Tempo aus ihrer Handtasche und schnäuzte sich. Die Tasche behielt sie auf ihrem Schoß. „Ich wohne in Dierlingen“, fügte sie noch hinzu.

„Wo ist denn das?“

Sie sagte es ihm und er sah sie überrascht an. Bis zu dem Ort, den sie ihm genannt hatte, waren es gut und gern hundert Kilometer. Aber er sagte nichts. Gerade jetzt konnte er keinen Skandal gebrauchen. Und das Mädchen hätte für eine Menge Wirbel sorgen können. Da war es immer noch billiger, zweihundert Kilometer zu fahren.

Schweigend fuhr er weiter. Ab und zu warf er einen Blick in das Gesicht des Mädchens, und es kam ihm so vor, als hätte er sie schon einmal gesehen. Aber diese jungen Dinger heutzutage sehen doch alle gleich aus.

Einen Moment dachte er an das viele Geld in seinem Aktenkoffer auf dem Rücksitz. Aber ein Blick in das sanfte, kindliche Gesicht des Mädchens beruhigte ihn wieder.

Umso heftiger war dann der Schock, als das Mädchen plötzlich eine Pistole auf ihn richtete.

„He, verdammt! Was soll das? Sind Sie verrückt?“

„Wir fahren nicht nach Dierlingen“, sagte das Mädchen hart. „Sie biegen dort vorne an der Kreuzung rechts ab.“

„So ist das also“, stellte Tanner fest. Er zitterte vor Wut am ganzen Körper. „Das war eine dreckige Falle! Das war alles nur gestellt, und dieser langhaarige Affe gehört dazu.“

„Schnellmerker“, sagte das Mädchen spöttisch. „Biegen Sie jetzt ab!“

Tanner bog rechts ab. Er kannte die Gegend. Der Weg führte ins Moorgebiet.

„Was wollen Sie?“, fragte Tanner.

Das Mädchen lachte. „Was werde ich schon wollen? Die Knete, die Sie in dem Koffer da haben. Und ihre Brieftasche, ihre Uhr, den Ring an ihrem Finger und was Sie sonst noch Wertvolles bei sich haben.“

„Woher wissen Sie von dem Geld?“ Tanners Kopf flog ruckartig herum.

„Vorsicht!“, warnte Marion. „Sehen Sie auf die Straße.“

Tanner blickte nach vorne.

„Ich habe eben meine Informationen. Ich wusste, wenn Sie mit einem Aktenkoffer rauskommen, haben Sie Geld drin. Schmiergelder.“

„Und wenn ich nicht mache, was Sie von mir verlangen?“, fragte Tanner.

„Lesen Sie Zeitung?“

„Natürlich.“

„Können Sie sich erinnern, vor etwa drei Wochen einen Bericht über einen Frankfurter Geschäftsmann gelesen zu haben, den man erschossen in seinem Auto fand? Das war ich. Er wollte auch nicht tun, was ich von ihm verlangte. Vor allem wollte er mir sein Geld nicht geben.“

Tanner erinnerte sich tatsächlich, etwas Ähnliches gelesen zu haben, und er konnte nicht verhindern, dass ihm ein kalter Schauer über den Rücken rann.

Das Mädchen dirigierte ihn tatsächlich zum Moor. Tanner war zuvor noch nie hier gewesen. Ihn interessierte nur fester, bebaubarer Grund und Boden. Aber er hatte schon gehört, dass es hier einige sehr gefährliche Tümpel geben soll, die einen nicht mehr loslassen, wenn man erst mal in ihre Fänge geraten war.

„Schalten Sie den Motor ab und werfen Sie den Schlüssel auf den Boden!“, befahl das Mädchen.

Tanner tat es und sah sie abschätzend an.

„Versuchen Sie es nur, wenn Sie lebensmüde sind“, sagte das Mädchen, als hätte sie seine Gedanken erraten.

Tanner tat nichts und wartete.

Das Mädchen stieg aus dem Wagen, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Legen Sie jetzt den Aktenkoffer auf den Sitz hier, öffnen Sie ihn und werfen Sie alle wertvollen Gegenstände hinein. Vor allem Ihre Brieftasche nicht vergessen.“

Tanner räumte seine Taschen aus und legte alles in den Koffer. „Du kommst damit nicht durch, Mädchen“, sagte er und trennte sich von seinem Ring. „Sie werden dich bald schnappen.“

„Halt den Mund, Alter!“ Das Mädchen nahm den Koffer an sich, warf die Tür zu, ging auf die andere Seite des Wagens und klopfte mit der Pistole ans Fenster.

„Du trotteliger alter Mann“, sagte das Mädchen höhnisch. „Hast du immer noch nicht bemerkt, dass ich dich reingelegt habe?“

„Treib es nicht zu weit Mädchen...“

„Was denn?“, spottete das Mädchen. „Du wirst doch nicht aufbegehren wollen? Jetzt auf einmal? Du solltest dich besser auf deinen Geisteszustand untersuchen lassen. Der große, allmächtige Tanner, der sich selbst der ungekrönte König der Bauunternehmer nennt, lässt sich von einem kleinen, schwachen Mädchen hereinlegen. Der clevere Unternehmer, der seine Konkurrenten reihenweise in die Knie zwingt, merkt nicht einmal, dass man ihm mit einer Spielzeugpistole sein Geld abgenommen hat.“

Das Mädchen lachte und warf die Pistole durchs Fenster. „Hier, erschieß mich!“ Dann rannte das Mädchen ins Moor.

Tanner nahm die Pistole an sich und drückte ab. Es war eine Spielzeugpistole.

Außer sich vor Wut, riss er die Wagentür auf.

„Du Dreckstück du verdammtes!“ Er rannte hinter ihr her. „Ich erwisch dich schon!“

Das Mädchen blickte sich kurz um. Sie hatte die markierte Stelle fast erreicht. Noch eine letzte Anstrengung, dann bog sie plötzlich scharf rechts ab.

Tanner sah es, wandte sich ebenfalls nach rechts und versuchte, ihr den Weg abzuschneiden. Als er fühlte, dass der Boden unter ihm nachgab, war es schon zu spät. Bis zu den Oberschenkeln steckte er im Sumpf und ruderte wild mit den Armen.

Das Mädchen kam zurück.

„Hilf mir doch!“, schrie Tanner. „Ich versinke!“

„Mein Vater ist auch versunken“, sagte das Mädchen. „Sie hätten ihn retten können. Aber Sie haben es nicht getan. Sie haben meinen Vater in den Bankrott getrieben und zugesehen, wie er unterging. Dann haben Sie seine Firma für ein Butterbrot aufgekauft.“

„Wen habe ich in den Bankrott getrieben? Wer ist dein Vater?“

„Ich heiße Marion Wittner. Sagt Ihnen der Name etwas, Herr Tanner?“

„Mein Gott, das war doch... Weißt du, was du tust? Wenn du mir nicht hilfst, ist das Mord?“

„Nein!“, sagte das Mädchen. „Ich habe Sie nicht hineingestoßen. Sie sind von selbst hineingelaufen, und ich sehe weit und breit nichts, womit ich Ihnen helfen könnte. Das haben Sie doch auch zu meinem Vater gesagt, nicht?“

„Hör zu, Marion.“ Tanner war schon bis zur Brust eingesunken. „Ich gebe deinem Vater die Firma wieder zurück. Er kann sie wiederhaben. Ich schwöre es. Aber hilf mir jetzt hier raus.“

„Zu spät“, sagte Marion und ging auf dem schmalen Weg zurück. „Mein Vater ist tot. Er hat sich vorgestern das Leben genommen.“

„Nerven wie Drahtseile“

Christine war nicht da, als Peter Meitinger nach Hause kam. Das war zumindest ungewöhnlich. Seit sie vor zwei Jahren geheiratet hatten, war das nicht ein einziges Mal passiert. Obwohl Christine nie genau wusste, wann er heimkommen würde, war sie immer da gewesen.

Unruhig ging er in dem großen, komfortablen Wohnzimmer auf und ab. Dann nahm er das Telefon zur Hand, setzte sich in einen Sessel und rief drei Freundinnen von Christine an. Aber keine von ihnen hatte Christine an diesem Tag gesehen. Und telefoniert hatte auch keine mit ihr. Peters Unruhe wuchs.

Er wartete noch eine Stunde. Als seine Frau um halb neun immer noch nicht zu Hause war, war Peter davon überzeugt, dass ihr etwas passiert sein musste. Kurzentschlossen rief er die Polizei an. Ein Beamter mit sachlicher, ruhiger Stimme versprach ihm, sich darum zu kümmern.