Ich warte auf dich - Claudia Lütje - ebook

Ich warte auf dich ebook

Claudia Lütje

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Opis

Eigentlich repariert Andie nur Sandras Auto, doch völlig ungeplant landet Sandra an ihrem eigenen Hochzeitstag mit Andie im Bett. Andie gesteht Sandra ihre Liebe, Sandra jedoch will an ihrer Ehe mit Petra festhalten. Aber Andie gibt nicht auf, und Sandras altes Auto braucht irgendwann wieder eine Mechanikerin ...

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Claudia Lütje

ICH WARTE AUF DICH

Liebesgeschichte

© 2014édition el!es

www.elles.de [email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN 978-3-95609-089-9

Coverillustration: © michaltutko – Fotolia.com

»Tja, da steht wohl eine größere Reparatur an.« Die junge Mechanikerin verzog bedauernd das Gesicht, während sie sich die ölverschmierten Hände an einem fast genauso ölverschmierten Tuch abwischte, das sie danach in der Gesäßtasche ihres Overalls verschwinden ließ. »Wird nicht billig.«

Sandra hob unglücklich die Augenbrauen. »Können Sie mir ungefähr sagen, wie viel?«

Die Mechanikerin schüttelte den Kopf. »Mein Chef kann Ihnen einen Kostenvoranschlag machen.« Sie wies auf ein halbverglastes Büro am Rande des Werkstattbereichs. »Aber ich kann Ihnen gleich sagen, was er Ihnen vorschlagen wird: sich einen neuen zu kaufen.« Sie begann zu grinsen.

»Aber ich hänge an dem Auto!« Sandra strich zärtlich über den verblichenen Lack. »Wir haben so viel miteinander erlebt.«

Fast selbstverständlich legte sich die Hand der Mechanikerin neben ihre. »Das verstehe ich. Alte Autos sind ganz anders als die neuen. Ich liebe sie auch. Sie haben eine Seele.«

Sandra spürte die Wärme, die von der Hand der jungen Frau ausging, und zog ihre eigene zurück. Eine Automechanikerin, die von Liebe sprach, war im Moment etwas zu viel für sie. »Dann spreche ich wohl am besten mit Ihrem Chef«, erwiderte sie brüsk, drehte sich um und steuerte mit schnellen Schritten den Glaskasten an.

~*~*~*~

»Ich stecke bis zum Hals in Arbeit«, erklang Petras Stimme aus dem Telefonhörer. »Ich glaube, ich bleibe heute Nacht ganz im Büro.«

»Schon wieder?« Sandra holte tief Luft, um die aufsteigenden Tränen zurückzudrängen. Petra hatte ihr diesen Abend versprochen, das hatte sie wohl vergessen. »Und was wird aus dem König der Löwen?«

»Ach, war das heute?« Petra schien genauso überrascht wie desinteressiert. »Nein, das werde ich wohl nicht schaffen. Frag doch eine deiner Freundinnen. Ich überlasse ihr gern meine Karte. Du weißt, mir liegt sowieso nicht viel an Musicals.«

Sandra presste die Lippen zusammen. »Ja, ich weiß«, flüsterte sie. »Aber heute –«

»Bitte, reg dich nicht auf, Schatz.« Petras Stimme klang leicht genervt. »Wir gehen ein andermal, hm? Es muss ja nicht heute sein.« Sie machte eine kleine Pause. »Du, ich muss weitermachen. Ich habe nur angerufen, um Bescheid zu sagen. Bis morgen.«

Sie hatte aufgelegt, bevor Sandra etwas erwidern konnte.

Es muss ja nicht heute sein. Genausogut hätte Petra fragen können, ob heute ein besonderer Tag war. Offenbar wusste sie es nicht mehr.

Sandra strich sich über die Augen. Ihren zwölften Hochzeitstag hatte sie sich anders vorgestellt. Sie hatte die Karten besorgt, sie hatte sogar ein Hotelzimmer reserviert, inklusive romantisches Candlelight-Dinner, damit dieser Tag etwas ganz Besonderes werden sollte. Vielleicht würde Petra sich dann wieder einmal daran erinnern, dass sie verheiratet waren und dass es mehr auf der Welt gab, als Tag und Nacht in ihrem Büro zu hocken.

Sie hatte es vergessen. Sie hatte es einfach vergessen. Es fiel Sandra schwer, die Tränen zurückzuhalten. Schon seit einiger Zeit hatte sie das Gefühl, dass Petras Karriere ihr wichtiger war als ihre Ehe, aber nach zwölf Jahren hatte sich einiges eingespielt, und wenn es im Bett nicht mehr so leidenschaftlich zuging, nahm man das auch hin.

Leidenschaft. Sandra gab ein hohles Geräusch von sich. Wusste sie überhaupt noch, was das war? Petra schien es nicht mehr zu wissen. Wenn sie einmal nachts zu Hause war und Sandra sich an sie kuschelte, passierte rein gar nichts. Manchmal schien es Petra geradezu unangenehm zu sein. Sie drehte sich weg und murmelte, dass sie am nächsten Tag früh aufstehen müsse, und damit hatte die Sache sich erledigt.

Sandra schaute zu dem neuen Kleid hinüber, das am Schrank hing. Sie hatte es extra für heute Abend gekauft. Und noch einige andere Sachen, die sie hatte darunter tragen wollen. Nicht viel, aber dafür umso sexier. Damit Petra endlich einmal wieder wahrnahm, dass Sandra eine Frau war.

Sie stand auf und nahm den Bügel, öffnete die Schranktür, um das Kleid hineinzuhängen. Dann schloss sie die Tür wieder. Schon oft hatte Petra versprochen, mal wieder einen Abend mit Sandra zu verbringen, und es dann nicht gehalten. Aber heute . . . heute war es etwas anderes. Dies war kein normaler Tag, kein Tag wie jeder andere. Es war ihr Hochzeitstag. Und sie hatte Karten fürs Theater.

Sie nahm das Kleid vom Bügel und warf es aufs Bett. Dann ging sie zu einigen kleinen Tüten, packte sie aus, ließ die Dessous durch ihre Finger gleiten. Es war viel zu spät, um irgendeine ihrer Freundinnen zu fragen, ob sie sie begleiten würde, aber sie selbst konnte gehen. Sie würde sich diesen Abend nicht verderben lassen.

Sie würde ins Theater gehen und danach ins Hotel. Candlelight-Dinner for One – wenn schon, denn schon.

~*~*~*~

»Ein Glas Champagner?«

Sandra hatte sich in der Pause ganz in eine Ecke des Foyers zurückgezogen, sie wollte niemanden sehen, nicht per Zufall jemanden treffen, der sich vielleicht nach Petra erkundigen würde. Und nun schaute sie in die blauesten Augen in einem lächelnd fragenden Gesicht.

Zögernd nahm sie das Glas, das kräftige Finger ihr entgegenhielten. »Danke.« Sie musterte ihr Gegenüber nachdenklich. »Sie sind auch ein Fan vom König der Löwen?«

Die junge Mechanikerin, in ihrem Abendanzug kaum wiederzuerkennen, hob verlegen die Schultern. »Schuldig. Aber nur zum Teil. Ich bin mit meiner Nichte und meinem Neffen hier.«

»Andie!« Ein kleines Mädchen stürmte auf die Mechanikerin zu. »Guck mal, was ich habe!« Sie hielt einen Plüschlöwen in der Hand.

»Der ist aber toll!« Andie nahm die Kleine hoch und wirbelte sie herum.

»Als ob sie nicht schon genug Plüschtiere hätte . . .« Eine weitere junge Frau, die entfernte Ähnlichkeit mit der Mechanikerin hatte, kam auf sie zu, einen kleinen Jungen neben sich, der mit Pfeil und Bogen spielte und ein Plastikschild vor sich hertrug, das an die Dekoration des afrikanischen Stammes von der Bühne erinnerte.

Nachdem sie Andie und Sandra erreicht hatte, warf sie einen fragenden Blick in die Runde.

»Oh . . . ja. Das ist meine Schwester«, stellte Andie schnell vor. »Und das hier ist Frau –«

»Sandra«, unterbrach Sandra. »Einfach nur Sandra.«

»Sandra«, wiederholte Andie den Namen lächelnd. »Frau . . . Ich meine Sandra ist eine Kundin von mir. Sie hat einen alten Chevy.«

»Na, da bist du ja glücklich.« Andies Schwester lachte. »Da gibt es bestimmt eine Menge zu schrauben.«

»Zu viel.« Sandra verzog das Gesicht. »Ihr Chef hat mir einen Prospekt für ein neues Auto in die Hand gedrückt.«

»Das tut er immer.« Andie lachte auch. »Er versteht nicht, warum ich an den alten Sachen rumschraube. Er sagt, er hätte das nur als junger Kerl getan, weil er damals kein Geld hatte.«

»Sie –« Sandra gab sich einen Ruck. »Du bist ja auch noch jung. Also müsste er das doch verstehen.«

Andie warf ihr einen kurzen Blick zu und beugte sich dann zu ihrem Neffen hinunter, der in der Zwischenzeit klammheimlich versuchte, den Plüschlöwen seiner Schwester mit Pfeil und Bogen zu erlegen.

»Das gibt wieder ein Geschrei zu Hause«, seufzte Andies Schwester.

In diesem Moment zeigte das Klingelzeichen das Ende der Pause an. Andie und ihre Familie saßen auf der anderen Seite des Theaters, und während ihre Schwester sich mit den Kindern zu ihren Plätzen begab, schien Andie zu zögern, ihr zu folgen.

Sandra fühlte sich an den Morgen in der Werkstatt erinnert, als Andies Hand neben ihrer gelegen hatte. Genauso eine Wärme strahlte nun von Andie auf sie aus. Sie wusste nicht, was sie plötzlich trieb, aber sie sagte: »Neben mir ist noch ein Platz frei.«

Andies Gesicht schien aufzuleuchten. »Tatsächlich?« Anscheinend bemerkte sie, dass ihre Freude zu offensichtlich war, denn sie fügte hinzu: »Vielleicht kommt derjenige ja noch.«

»Nein, ganz bestimmt nicht.« Sandra schüttelte den Kopf. »Da kommt niemand mehr. Der Platz war eigentlich – Ich habe die Karte.«

»Oh.« Andie wusste nicht, was sie sagen sollte. Dann verzog sie etwas schief den Mund. »Wenn es Ihnen . . . dir nichts ausmacht.«

Sandra lächelte. »Dann hätte ich nichts gesagt.«

»Ich sage meiner Schwester Bescheid!« Andie stürmte los wie eine Torjägerin.

Sie will etwas von mir, das ist ganz klar. Sandra schaute Andie hinterher. Sie ist nett. Und sehr jung. Lächelnd schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Nein, das war alles Unsinn. Sie wollte nicht länger allein in der Reihe sitzen, das war alles. Es war deprimierend mit diesem leeren Platz neben sich, auf dem eigentlich Petra hätte sitzen sollen.

Wie der Blitz kehrte Andie zurück. »Alles klar«, verkündete sie mit einem begeisterten Blinzeln in den Augen. »Meine Schwester weiß Bescheid.«

Ach, wirklich? dachte Sandra leicht amüsiert. »Das war das letzte Klingeln«, sagte sie. »Ich glaube, wir sollten reingehen.«

~*~*~*~

Während sie nebeneinander in der Vorstellung saßen, sann Sandra darüber nach, was sie eigentlich für diesen Abend geplant hatte. Sie hatte sich hier sitzen sehen, während die Musik, der Tanz und der Gesang auf der Bühne gute Laune verbreiteten und die Stimmung immer mehr hoben, langsam hätte sich Petras Hand auf ihren Schenkel geschlichen . . .

So wie früher, im Kino. Petra hatte ihre Hände damals gar nicht von Sandra lassen können. Sie konnten nirgendwo hingehen, ohne dass es in einer wilden Orgie endete, oftmals schon auf dem Weg nach Hause.

Sandra seufzte. Die Zeiten waren lange vorbei.

Andie drehte den Kopf zu ihr. »Stimmt etwas nicht? Langweilst du dich?« Sie sprach leise, aber eindeutig besorgt.

Es würde sie stören, wenn ich mich langweile. Sandra hätte beinah unwillkürlich aufgelacht. Petra merkt das überhaupt nicht. Oder es ist ihr egal.

»Nein«, antwortete sie gedämpft. »Alles in Ordnung.« Sie lächelte Andie beruhigend an.

Andies Augen schienen an Sandras Gesicht wie festgeschweißt. Sie konnten sich nicht davon lösen.

Sandra wollte den Kopf drehen, ihre Aufmerksamkeit wieder der Bühne zuwenden, aber es gelang ihr nicht. Sie fühlte sich warm umfangen von Andies Blick, gestreichelt von ihrem eindeutigen Interesse, hineingezogen in die Tiefe dieser blauen Augen.

Andies Hand legte sich vorsichtig auf ihren Schenkel. Sie schien auf etwas zu warten. Sandras Reaktion bestand nur aus einem überraschten Einatmen, aber das reichte aus, um Andie zu ermutigen. »Du bist so schön«, flüsterte sie, ganz nah zu Sandras Ohr gebeugt. »So unglaublich schön.«

Sandra war unfähig, sich gegen diese einschmeichelnde Stimme zu wehren, die ihr so gut tat, so wunderbar gut. Sie heilte die Wunde, die Petras Abwesenheit geschlagen hatte. »Du auch«, flüsterte sie zurück. »Ich liebe deine Augen.«

Liebe. Hatte sie Liebe gesagt? Wie kam sie darauf, dieses Wort zu verwenden? Das hier hatte nichts mit Liebe zu tun. Es war eine kleine Spielerei, ein Suchen nach etwas Verlorenem, aber kein Ersatz dafür.

Sie riss sich von Andies Augen los, wandte ihren Blick nach vorn. Ob Andie dasselbe tat, wusste sie nicht. Sie wagte nicht, noch einmal zu ihr zurückzuschauen. Laut fühlte sie ihr Herz in ihrer Brust schlagen.

Ich kenne diese Frau nicht! Ich kenne sie überhaupt nicht! Sie repariert mein Auto, das ist alles!

Aber es war nicht alles, das wusste sie jetzt schon. Es hatte in der Werkstatt angefangen, und jetzt setzte es sich fort, es war unaufhaltsam wie ein in wildem Tosen heranrauschender Fluss, der alles mit sich riss in seinen Strudeln.

Glücklicherweise war Andie mit ihrer Schwester da. Mit ihrer Schwester und zwei kleinen Kindern, die nach Hause ins Bett mussten. Nach der Vorstellung würden sie sich voneinander trennen, und alles wäre vorbei. Sie konnte ihr Auto auch in einer anderen Werkstatt reparieren lassen. Sie mussten sich nicht wiedersehen.

Sie durften sich nicht wiedersehen. Das war viel zu gefährlich.

Sandras Atem ging flach. Sie konnte sich nicht mehr auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren. Sie fühlte Andies Schenkel an ihrem, und sie wünschte sich, dass diese warme Empfindung bleiben würde, dass nach der Vorstellung nicht alles vorbei war.

Andies Hand begann ihren Schenkel zu streicheln, ganz sanft nur und keinesfalls fordernd, zärtlich und süß.

Sandra biss sich auf die Unterlippe. Sie durfte das nicht zulassen! Andie war eine junge Frau, ungebunden und frei, die tun und lassen konnte, was sie wollte. Aber auf Sandra traf das nicht zu.

Mit einer übermenschlichen Anstrengung schob sie Andies Hand von ihrem Oberschenkel hinunter auf den Sitz. »Ich bin verheiratet«, sagte sie leise und rückte etwas von Andie ab.

Für den Rest der Vorstellung saßen sie steif nebeneinander, und Sandra war froh, als der Vorhang fiel und sie endlich aus dieser verkrampften Stellung erlöste. So schnell sie sich an ihren Sitznachbarn vorbeidrängen konnte, eilte sie hinaus und atmete erst draußen im Foyer tief durch.

»Es tut mir leid, Sandra.«

Sie hörte Andies Stimme hinter sich, aber drehte sich nicht zu ihr um. »Schon in Ordnung.« Sie konnte es nicht verhindern zu lächeln. Die Stimme klang so jung und unsicher. »Ist ja nichts passiert.«

»Oh doch.« Andie widersprach. »Es ist schon etwas passiert, als du zum ersten Mal in die Werkstatt kamst. Bei mir jedenfalls.«

»Andie.« Nun drehte Sandra sich doch zu ihr um. »Das hat überhaupt keinen Sinn. Ich bin verheiratet und –«

»Ja, du meine Güte, bis man euch mal wiederfindet!« Andies Schwester kam mit einem Kind an jeder Hand auf sie zu. »Andie, kannst du sie mal nehmen?« Sie hob ihre Tochter auf, die kaum mehr die Augen aufhalten konnte und sofort in Andies Arm zusammensank und einschlummerte. Gleich darauf nahm sie ihren Sohn hoch, der noch tapfer versuchte, gegen den Schlaf anzukämpfen. »Wir müssen dringend nach Hause. Wenn sie mir jetzt noch mal aufwachen, schlafen sie die ganze Nacht nicht.«

»Ja. Ja, sicher.« Andie warf einen verzweifelten Blick auf Sandra. »Ich bringe sie ins Auto.«

Polternd fielen Schild, Pfeil und Bogen herunter, und auch der Plüschlöwe entglitt der schlafenden Kinderhand.

Sandra hob die Sachen auf. Sie verharrte eine Sekunde. »Ich komme mit«, sagte sie dann entschlossen. »Ihr nehmt die Kinder, ich nehme die Sachen.«

Andies Schwester nickte ihr dankbar zu und strebte zum Ausgang.

»Bist du sicher, dass du mich nicht mehr brauchst?« Andie beugte sich zu ihrer Schwester ins Auto.