Grainger und der Revolver-Anwalt - Jasper P. Morgan - ebook

Grainger und der Revolver-Anwalt ebook

Jasper P. Morgan

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Opis

Western von Jasper P. Morgan Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten. Grainger ist Agent der U.S. Government Squad und soll dem Revolvermann Vince Colby und seiner Bande das Handwerk legen. Zwar kann er die Mannschaft zerschlagen, doch Colby entkommt. Aber es scheint noch ein anderer hinter dem Bandenboss her zu sein: Rand Gallagher. Einst hatte der junge Anwalt eine brillante berufliche Zukunft – und eine Verlobte, die ihm von einem zum Tode verurteilten Verbrecher auf brutale Weise genommen wurde. Von blinder Rache getrieben sieht sich der Revolver-Anwalt seither als Vollstrecker der Gerichtsurteile flüchtiger Straftäter, er jagt und tötet sie kaltblütig. Grainger hat den Auftrag, den Wahnsinnigen stoppen ...

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Jasper P. Morgan

Grainger und der Revolver-Anwalt

Western

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Grainger und der Revolver-Anwalt

Western von Jasper P. Morgan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten.

 

Grainger ist Agent der U.S. Government Squad und soll dem Revolvermann Vince Colby und seiner Bande das Handwerk legen. Zwar kann er die Mannschaft zerschlagen, doch Colby entkommt. Aber es scheint noch ein anderer hinter dem Bandenboss her zu sein: Rand Gallagher. Einst hatte der junge Anwalt eine brillante berufliche Zukunft – und eine Verlobte, die ihm von einem zum Tode verurteilten Verbrecher auf brutale Weise genommen wurde. Von blinder Rache getrieben sieht sich der Revolver-Anwalt seither als Vollstrecker der Gerichtsurteile flüchtiger Straftäter, er jagt und tötet sie kaltblütig. Grainger hat den Auftrag, den Wahnsinnigen stoppen ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Prolog

Das Bettgestell ächzte protestierend, als die üppige Blondine erwartungsvoll auf der Matratze herumhüpfte. Nein, sie konnte nicht warten, bis sich Grainger rasiert hatte. Sie zog ihn einfach zu sich ins Bett und kam über ihn wie ein Orkan. Und alles an ihr war in Bewegung, schwang auf und ab, zitterte oder bebte. Ja, sie war ein Weib nach Graingers Geschmack! Und er hätte es ihr gern sofort besorgt. Doch darauf musste er wegen dieser Schießerei noch eine Weile warten ...

1

Kaum jemand schenkte dem dunkel gekleideten Mann Beachtung, als er den Schankraum betrat. Er ließ seine Blicke durch den düsteren, von drei flackernden Kerosinlampen spärlich erhellten Raum wandern.

Der Mann war groß und breitschultrig. Er trug einen schwarzen Tuchanzug. Staub hatte sich auf dem Stoff festgesetzt. Unter dem Jackett war ein weißes Hemd und ein sorgfältig geknüpfter, schwarzer Binder zu sehen. Große Radsporen klingelten, als der Mann langsam zum Schanktisch ging.

Er hatte den flachkronigen Stetson tief in die Stirn gezogen. Das Gesicht, soweit man es im Schatten des schwarzen Hutes erkennen konnte, war schmal, mit ausgeprägter Nase, vollen Lippen und kantigem Kinn. Den dunklen Augen schien nichts zu entgehen.

Der Keeper musterte den Fremden aufmerksam. Er bemerkte den glänzenden Revolvergurt, dessen Holster vom Jackett verdeckt wurde, und die Winchester in der Hand des Mannes.

Schweigend legte der Neuankömmling eine Münze auf den Tresen. Der Keeper wieselte zum Zapfhahn, doch ein Kopfschütteln des Fremden hielt ihn zurück, bevor er Bier in ein Henkelglas rinnen ließ.

Der Barmann fischte eine Flasche Whiskey vom Regal und füllte ein Glas bis zum Rand, ließ es über die polierte Theke schlittern.

Geschickt stoppte der fremde Gast das Glas und trank bedächtig. Es schien, als würde er jeden Tropfen einzeln genießen wollen. Es dauerte deshalb lange, bis er das Glas zur Hälfte geleert hatte. Dann stellte er es ab, griff unter die Anzugjacke und zog ein gefaltetes Schriftstück hervor.

Er brauchte dem Keeper nicht zu winken. Ein langer Blick aus den dunklen Augen genügte, und der Wirt huschte herbei.

»Kennen Sie ihn?« Der Fremde tippte mit dem Finger auf das Dokument.

Die Stimme hatte einen angenehmen Klang. Der Keeper hielt das Schriftstück dicht vor seine Augen und nickte. »William Kinsey. Sicher. Dort drüben, beim Glücksrad. Scheint heute eine Glückssträhne zu haben.«

»Sie ist bald vorbei ...«

Der Fremde nahm das Dokument und ging langsam quer durch den Raum zu den Männern, die sich vor dem ratternden Glücksrad versammelt hatten. Einer der Spieler hielt ein dickes Bündel Geldscheine in der Hand und fieberte der nächsten Zahl entgegen, die das Rad anzeigen würde.

»Zwölf!«, verkündete eine grell geschminkte Glücksfee.

Der Spieler stieß einen wilden Rebellenschrei aus und beugte sich weit über den Tisch, um seinen Gewinn einzustreichen.

»William Paul Kinsey!« Der Klang seines Namens ließ den Glückspilz erstarren. Seine Mitspieler drehten sich zu dem großen, schwarz gekleideten Mann um, der im rauchgeschwängerten Licht der Kerosinlampen irgendwie unheimlich wirkte.

»Sie haben sich verändert, William. Ich habe Sie noch mit kurzem Haar in Erinnerung. Und einen Bart trugen Sie damals auch noch nicht.«

Kinsey richtete sich langsam auf und wandte den Kopf. Seine Augen funkelten den Fremden wütend an. »Kann mich nicht erinnern, Ihnen jemals begegnet zu sein, Mister. Stehlen Sie mir nicht meine wertvolle Zeit, sonst schnappen mir die Kerle hier den Hauptgewinn weg.« Er zählte einige Scheine ab und warf sie auf den Tisch. »Die Acht! Lass rattern, Süße!«

Als sich das Girl dem Glücksrad zuwandte, flatterte der gefaltete Schriftsatz neben Kinseys Dollars auf die Tischplatte.

Das Mädchen hielt inne. Die Umstehenden murmelten untereinander.

Kinsey drehte sich um. Er stützte sich immer noch am Tisch ab und starrte den Fremden an. »Was soll das? Wieso ärgern Sie mich, Mister? Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn man mir auf den Nerven rumtrampelt!«

»Kann ich verstehen. Deshalb versichere ich Ihnen, Sie werden bald Ruhe haben, William Paul. Das heißt, wenn der Teufel es Ihnen erlaubt.«

Kinsey riss bei den nächsten Sätzen des Fremden die Augen weit auf.

»Vor vier Jahren wurden Sie von einem Bezirksgericht in Amarillo wegen Mordes rechtskräftig zum Tode verurteilt. Sie entzogen sich der Urteilsvollstreckung durch eine spektakuläre Flucht, bei der sie zwei Deputys und eine Frau erschossen. Ich bin gekommen, um die Strafe zu vollziehen.«

Ein Ruck ging durch Kinseys Körper. Er wich zurück, stieß sich schmerzhaft an der Tischkante und rief: »Das ist nicht wahr! Ich bin unschuldig! Warum, glauben Sie, bin ich abgehauen? Man hätte den Falschen aufgeknüpft.«

»Und deshalb mussten drei Menschen bei Ihrer Flucht sterben?«

»Notwehr! Sie ließen mir keine Wahl. Sie wollten mich aufhalten!«

»Eine Frau?«

Kinseys Augen flirrten. Sein Mund war weit aufgerissen. Die Zunge sauste über die Lippen. Er schluckte. Sein Körper zitterte.

Der Frage des Fremden hatte er nichts entgegenzusetzen.

Der Mann im schwarzen Anzug deutete auf das Schriftstück. »Dies ist der Strafbefehl, der an die US Marshals und die Texas Ranger erging. Ist mir schleierhaft, warum man Sie nicht schon längst geschnappt hat, William.«

»Gut, Sie haben mich also gefunden, Mister. Was wollen Sie? Mich hinter Gitter bringen? Mich hängen sehen? Warum habe ich mich wohl in diesem Nest verkrochen? Der Sheriff ist froh, wenn er nichts zu tun bekommt und drückt sogar die Hühneraugen zu, wenn es sein muss. Niemand hier wird einen Finger rühren, um Sie zu unterstützen, geschweige denn beim Bau eines Galgens.«

»Das ist auch nicht nötig.«

Kinseys Augenlider zuckten nervös und ungläubig.

»Ich bin nicht so weit geritten, um mich hier mit Formalitäten aufzuhalten, William. Betrachten Sie mich als Werkzeug der Justiz. Sie wurden rechtskräftig verurteilt. Haben Sie noch etwas zu sagen, bevor das Urteil vollzogen wird?«

»Geh zum Teufel!«

»Sie sollten für die vier Jahre dankbar sein, die Ihnen geschenkt wurden, William. Sie hätten die Zeit nutzen und etwas aus Ihren Fehlern lernen sollen.«

Kinsey bleckte in einem wilden Grinsen die Zähne. »Oh, ich habe viel und lange geübt, Mister«, stieß er heiser heraus und zauberte mitten im Satz den Revolver aus dem Leder.

Zu spät.

Ohrenbetäubend peitschte der Schuss durch den Schankraum, während auf Kinseys Brust ein roter Fleck erschien, der sich rasch ausbreitete. Die Wucht der .44er Kugel rammte Kinsey gegen das Glücksrad. Fassungslos und ungläubig stierte er zu dem Schützen hin, als das Gestell unter seinem Gewicht zusammenbrach und das Rad auf ihn niederstürzte.

Dass ihm das schwere Rad einige Zähne ausschlug, spürte William Paul Kinsey nicht mehr, denn sein Herz hatte bereits zu schlagen aufgehört ...

2

Graingers Nackenhaare sträubten sich.

Es gelang ihm nicht, sich auf Lolas zarten Körper konzentrieren. Ihre üppigen Brüste schaukelten vor seinen Augen. Er spürte ihre zarte Haut unter seinen Händen, doch in seinen Ohren hallte immer noch der peitschende Knall des Gewehrschusses nach.

»Tut mir leid, Süße.« Er richtete sich auf und streifte seine Hosen über. »Bin gleich wieder bei dir.«

Er schnappte sich seinen Revolvergurt und zog den .38er auf dem Weg zur Tür. Auf bloßen Füßen huschte er durch den Korridor zur Treppe, die in den Schankraum führte.

Auf dem Treppenabsatz unterbrach er seinen Lauf. Leicht geduckt stand er da, den Revolver tief an der Hüfte im Anschlag.

Und blickte in die dunkle Mündung einer Winchester!

Selten hatte er einen Mann derart schnell und fließend reagieren sehen. Er selbst hatte bisher gegen solche selbsternannten Meisterschützen bestanden, doch dieser Hombre überraschte ihn. Seine Bewegungen waren fließend. Er musste über ein ausgezeichnetes Gespür für drohende Gefahr verfügen, wie es auch bei Grainger der Fall war. Jedenfalls hatte er Graingers Anwesenheit auf dem Balkon bemerkt, bevor der Agent der U.S. Government Squad stehen geblieben war.

Das Gesicht des Mannes zeigte keinerlei Regung. Einen Augenblick lang schien es, als wollten sich Grainger und der Fremde gegenseitig abschätzen.

Im Schankraum herrschte atemberaubende Stille. Wie gebannt beobachtete die Zuschauer das Geschehen. Niemand hatte damit gerechnet, dass sich Grainger einmischen würde. Für die Leute hier war er ebenso fremd wie der Mann mit dem Gewehr.

Im Gesicht des Fremden zuckte ein Mundwinkel im Anflug eines Lächelns.

Und dann zog er den Stecher durch!

Grainger warf sich zur Seite, starrte in das grelle Mündungslicht und feuerte noch in der Bewegung zurück. Bei diesem schnellen Gegner hätte er auch keinen Sekundenbruchteil langsamer sein dürfen.

Die Gewehrkugel schrammte über das Treppengeländer und fetzte Holzsplitter heraus. Graingers Projektil verfehlte den Gegner um eine Handbreit und furchte über einen Stützbalken.

Der Stetson-Träger hielt die Winchester mit beiden Händen und repetierte rasend schnell seine Schüsse aus dem Lauf. Er deckte Grainger mit Kugeln ein. Sie hämmerten neben, unter und über Grainger in das Holz des Balkons und der Wände.

Grainger presste die Zähne zusammen und kroch auf allen vieren hinter der Balustrade entlang. Schließlich benutzte er eine Feuerpause, um in den Korridor zu hechten.

Sofort war er auf den Beinen, ging an der Korridorwand in die Hocke und spähte vorsichtig um die Ecke.

Zwei, drei Gewehrkugeln fetzten über ihm in die Holzkante. Grainger zog hastig den Kopf zurück und fluchte unterdrückt.

Wieso, verdammt, bin ich nicht bei Lola geblieben? Dieser Mist geht mich doch überhaupt nichts an!, ging es ihm durch den Kopf. Aber er konnte nun mal nicht über seinen Schatten springen. Er hatte sich ja nicht einmischen, sondern nur nach dem Rechten sehen wollen. Einem Mann in Staatsdiensten lag das einfach im Blut.

Er hörte Schritte und das Klingeln von Sporen. Im Gastraum setzte das Gemurmel wieder ein.

Grainger sprang aus seiner Deckung, erfasste mit einem Blick, dass der Gegner den Saloon verlassen hatte, und flitzte den Korridor entlang.

Mit zwei, drei gewaltigen Sätzen durchquerte er Lolas Zimmer. Das Mädchen schrie erschrocken auf, als die Zimmertür gegen die Wand donnerte und Grainger so unvermittelt im Raum stand.

Grainger schob sich durch das geöffnete Fenster auf den Außenbalkon, der über die gesamte Breite des Gebäudes verlief.

Ein Pferd wieherte. Hufschlag erklang.

Grainger hob den Remington und lag im nächsten Moment flach auf dem Boden, als ihm der Gegner vom Sattel aus seine Schüsse entgegenschickte!

Diesmal feuerte der Hombre aus allen Rohren. Seinen ausgezeichneten Reflexen hatte es Grainger zu verdanken, dass er nicht getroffen wurde.

Als er sich vorsichtig erhob, war der Fremde verschwunden. Nur eine dünne Staubwolke zeugte noch davon, dass vor Kurzem jemand durch die Straße geprescht war.

»Komm wieder ins Bett, Großer!«, lockte Lola und schob schmollend ihre Unterlippe vor. »Ich verstehe nicht, dass ihr Kerle euch immer balgen müsst.«

Grainger ließ seinen anerkennenden Blick auf Lolas vollen Brüsten verweilen. Die dunklen Brustspitzen waren hart und reckten sich ihm sehnsuchtsvoll entgegen.

»Das versteh ich manchmal selbst nicht, Schätzchen«, murmelte er, warf den Revolver auf einen Stuhl und streifte seine Hosen ab.

Das Bettgestell protestierte noch kräftiger als zuvor, und Grainger bewies der blonden Lola, dass er nicht nur mit dem Revolver umgehen konnte ...

3

Wochen später.

Vergessen war der Hombre, der Grainger aus den Armen einer schönen Frau gerissen und um ein Haar in die Hölle geschickt hatte.

Im Augenblick hatte Grainger ganz andere Sorgen. Er hatte sich in einem felsigen Hügelgelände verschanzt. Vor und unter ihm hatten sich zwei Dutzend Reiter verteilt, die ihm an den Kragen wollten.

Allen voran Vince Colby.

Der Bandenchef nahm es Grainger krumm, dass er ihm das blutige Handwerk legen wollte. Was Colby so wütend machte, war der Umstand, dass Grainger allein war. Ein einzelner Mann hatte das geschafft, was zahlreichen Marshals und Staatenreitern nicht gelungen war. Vince Colby fühlte sich in seiner Ehre gekränkt. Er hatte ganz Kansas und Teile von Missouri und Nebraska terrorisiert, und nie war es jemandem gelungen, die ständig wechselnden Schlupfwinkel der Bande ausfindig zu machen.

Bis Grainger kam ...

Die U.S. Government Squad hatte ihn auf Colby angesetzt, nachdem alle Versuche, den Fuchs in seinem Bau festzunageln, fehlgeschlagen waren. Es bedurfte wohl eines noch gerisseneren Fuchses, um Colby zu erwischen.

Grainger hatte zunächst auf die Hilfe des Gesetzes verzichtet und zwei Schlupflöcher der Bande im Alleingang ausgehoben. Das Hauptversteck aber hatte er mit einem Aufgebot gestürmt.

Nur ganz kurz hatten sich Vince Colby und Grainger gegenübergestanden. Im Feuergefecht war Colby und seinem Bruder die Flucht geglückt.

Sie hatten die versprengten Mitglieder ihrer Mannschaft zusammengezogen und zum Gegenschlag ausgeholt. Sie hatten eine Stadt dem Erdboden gleichgemacht und schon zwei Tage später auf Grainger gewartet.

Und jetzt saß er in diesen Hügeln in der Falle. Wie der Fuchs, den er hatte fangen wollen.

»Mach’s dir und uns nicht so schwer, Grainger!« Colbys Stimme brach sich zwischen den Felsen. »Komm raus, dann stirbst du wenigstens schnell und schmerzlos. Wir kriegen dich auf jeden Fall.«

Graingers Antwort war ein sorgfältig gezielter Schuss, der einen der Banditen aus dem Sattel holte.

Colby schäumte vor Wut. Grainger sah seine breitschultrige Gestalt hoch aufgerichtet im Sattel sitzen und mit den Armen fuchteln, während Befehle gebrüllt wurden. Rasch jagte Grainger einige Kugeln hinüber. Colby zog sofort den Kopf ein und ließ sich aus dem Sattel fallen.

Ein Bleigewitter ging auf Grainger nieder. Gesteinssplitter spritzten hoch. Eine scharfe Kante schrammte über Graingers Wange. Kugeln jaulten und pfiffen als Querschläger durch die Luft.

Grainger warf sich hinter einen mannshohen Felsen und wartete, bis sich die Banditen beruhigt hatten. Es dauerte eine Weile, bis das Krachen der Schüsse verklungen war.

Gelassen nahm Grainger einen Schluck aus seiner Feldflasche. Sein Pferd stand einige Yards entfernt gut geschützt unter einem Felsüberhang und wartete den Ausgang des ungleichen Kampfes ab.

»Komm endlich raus, du Stinktier! Ich will sehen, wie du an meiner Kugel krepierst!«

Grainger kletterte nach links, fand eine geeignete Stelle mit mehreren Vorsprüngen und schob sich an dem Felsen hoch. Er konnte das Gelände am Fuß der Hügel überblicken. Die Banditen hatten sich wirklich gut verschanzt.

»Bist du bereit, Lon?«

Grainger wartete auf die Antwort des jüngeren Colby-Bruders, der noch ein Halbstarker war. Er hatte den Eindruck gehabt, dass der breitkrempige Hut nur durch die abstehenden Ohren des Jungen auf dem Kopf gehalten wurde. Und die beiden Kanonen, die er mit sich herumschleppte, waren viel zu schwer für ihn.

»Es kann losgehen, Vince!«

Graingers Kopf ruckte herum, in die Richtung, aus der Lon Colbys Stimme geantwortet hatte.

Für eine winzige Zeitspanne war er abgelenkt.

Er bemerkte die fünf, sechs Banditen zu spät, die nach vorn hetzten und zwischen den verstreuten Felsbrocken Zuflucht suchten. Sobald sie in den Hügeln verschwunden waren, würden sie sich verteilen und ihn in die Zange nehmen!

»Gleich haben wir dich, Grainger. Sprich schon mal deinen letztes Gebet, wenn du an diesen Kram glaubst.«

Der große Mann hörte die Schritte der heranschleichenden Gegner. Kleine Gesteinsbrocken wurden losgetreten und polterten den Hang hinab.

Grainger schaute sich um. Der mannshohe Felsen, auf dem er kauerte, war Teil einer kleinen Felskette. Er schätzte seine Möglichkeiten ab und setzte alles auf eine Karte. Er musste verhindern, dass sie von zwei Seiten gleichzeitig auf ihn eindrangen.

Er atmete tief durch und stemmte sich hoch. Er stand auf dem Felsen, trat an die Kante und schaute nach unten.

Sein Blick fiel auf einen Hombre, der direkt unterhalb des Felsens nach oben kletterte.

»Streng dich nicht an, Sonny. Dein Weg ist zu Ende.«

Der Kopf des Mannes flog nach hinten. Verdutzt starrte er zu Grainger empor, der hoch auf gerichtet über ihm stand und in Verbindung mit dem Felsen wie ein Gigant wirkte.

Die Hände des Burschen zuckten zu den Revolvern. Grainger senkte den Lauf der Winchester und holte den Gegner von den Beinen.

Sofort wandte sich Grainger nach rechts und überwand die Kluft zum nächsten Felsen mit einem gewagten Sprung. Er rutschte ab und brach in die Knie, stürzte aber nicht.

Schüsse zerfetzten die Luft. Kugeln sirrten über den Felsbrocken, auf dem er gerade gestanden hatte.

Die Kumpane des erschossenen Banditen bemerkten Grainger zu spät. Er stützte sich auf ein Knie und jagte seine Schüsse in rasender Geschwindigkeit zu ihnen hinüber. Zwei, drei Männer wurden herumgewirbelt und zu Boden gestoßen, als Grainger auch schon über die Felskette sprang und sich zu Boden fallen ließ.