Ein schottischer Sommer - Maryla Krüger - ebook

Ein schottischer Sommer ebook

Maryla Krüger

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Opis

„Ryan blickte mir einen Moment lang in die Augen. Ich wollte eigentlich an meine Telefonnummer denken, aber das Einzige, was ich dachte, war: Wie kann jemand nur so verdammt grüne Augen haben?“ Johannas Reportage mit dem Titel „Wer‘s glaubt, wird selig“ schlägt hohe Wellen – so hohe, dass sie tatsächlich gebeten wird, in den hohen Norden der Highlands zu kommen. Dort soll sie an einer Untersuchung seltsamer Bewandtnisse auf Caitlin Castle teilnehmen. Mit ihr kommt ein Team aus drei sogenannten Geisterjägern. Einer von ihnen ist Ryan, und Jo verliert sich sofort in seinen wunderschönen grünen Augen. Doch als plötzlich eine Frau erscheint, die Ryan besser zu kennen scheint, flüchtet Jo sich in die Arme seines Bruders Marlin. Aber Ryan will Jo nicht widerstandslos aufgeben. Wird es Jo gelingen, sich trotz aller Ränkespiele für den Richtigen zu entscheiden? Romantisch und gefühlvoll: Eine wunderschöne Liebesgeschichte vor der Kulisse der schottischen Highlands! Jetzt als eBook: „Ein schottischer Sommer“ von Maryla Krüger. dotbooks – der eBook-Verlag.

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Liczba stron: 414




Über dieses Buch:

Johannas Reportage mit dem Titel „Wer‘s glaubt, wird selig“ schlägt hohe Wellen – so hohe, dass sie tatsächlich gebeten wird, in den hohen Norden der Highlands zu kommen. Dort soll sie an einer Untersuchung seltsamer Bewandtnisse auf Caitlin Castle teilnehmen. Mit ihr kommt ein Team aus drei sogenannten Geisterjägern. Einer von ihnen ist Ryan, und Jo verliert sich sofort in seinen wunderschönen grünen Augen. Doch als plötzlich eine Frau erscheint, die Ryan besser zu kennen scheint, flüchtet Jo sich in die Arme seines Bruders Marlin. Aber Ryan will Jo nicht widerstandslos aufgeben. Wird es Jo gelingen, sich trotz aller Ränkespiele für den Richtigen zu entscheiden?

Romantisch und gefühlvoll: Eine wunderschöne Liebesgeschichte vor der Kulisse der schottischen Highlands!

Über die Autorin:

Maryla Krüger, geboren 1974 in Parchim (Mecklenburg), schrieb mit zwölf Jahren ihre ersten Geschichten auf der alten, mechanischen Schreibmaschine ihrer Mutter. Nach der Schule wurde sie jedoch Bürokauffrau, widmete sich aber weiterhin ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. Während ihrer Zeit als freie Autorin für ein Musikmagazin verlor sie die Angst vor dem eigenen schriftstellerischen Talent und eines Tages, in einem völlig verregneten Urlaub, begann sie ihren ersten Roman zu schreiben. Sie liebt karge Gebirgslandschaften und raue Küsten, daher rührt ihre unauflösliche Verbundenheit mit Schottland, wo auch ihre Romane zu Hause sind.

Die Website der Autorin: www.marylakrueger.de

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Christa Canetta – Das Leuchten der schottischen Wälder (ISBN 978-3-943835-79-3)

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Megan MacFadden – Die Gefangene des Highlanders (ISBN 978-3-95520-187-6)

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Originalausgabe Juli 2013

Copyright © 2013 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Sabine Thiele

Titelbildgestaltung: Maria Seidel, atelier-seidel.de

Titelbildabbildung: © Thinkstockphoto/Hemera; istockphoto; Maria Seidel

ISBN 978-3-95520-315-3

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Maryla Krüger

Ein schottischer Sommer

Roman

dotbooks.

Inhaltsverzeichnis
Prolog
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Epilog

Dieser Roman ist all den kleinen und großen Geistern in meinem Leben gewidmet.

Ich liebe euch, und ich bin glücklich, dass es euch gibt!

Maryla

„Mit der Geisterjagd ist es wie mit der Liebe, Miss Bergman“, sagte der Professor mit einem Lächeln in der Stimme. „Es gibt drei Stadien, die man durchlaufen muss: Unglaube, Prüfung und Erkenntnis.“

Prolog

Zum Auftakt

Schottland – Wester Ross – Caitlin Castle

An und für sich war es nur ein leises Klicken – als würde jemand auf der anderen Seite mit einem Kiesel gegen das Mauerwerk schlagen, sanft und beständig. Klick-klick …

Nachdem eine Woche zuvor die Abrissarbeiten am alten Lehmputz beendet worden waren, zog sich der durch Zufall entdeckte Rundbogen schließlich über knapp zehn Fuß an der Mauer empor und bestach nicht nur durch seine Größe, sondern ebenso durch die zahlreichen Verzierungen an den Seiten und vor allem durch einen in den Bogen eingravierten Aphorismus.

Selbst in den frühesten Bauplänen war nichts von einem weiteren Durchgang zu finden, doch die staunenden Gesichter der Anwesenden bestätigten seine Existenz. Es wurde spekuliert, erwogen und erörtert. Alle redeten durcheinander, und die verrücktesten Theorien wurden aufgestellt, was sich dahinter wohl verbergen mochte.

Bei der darauf folgenden Baubesprechung wurde einstimmig entschieden, den zugemauerten Rundbogen zu öffnen.

Als die ersten Lagen Lehmziegel abgetragen waren, bemerkten die Arbeiter, dass sich dahinter nur ein kurzer Hohlraum befand, als hätte man von beiden Seiten gleichzeitig den Durchgang vermauert, was wiederum zu wilden Spekulationen Anlass gab.

Einen Tag danach hatte der Meißel aus unerklärlichen Gründen seinen Geist aufgegeben, und zwei der vier Arbeiter mussten wegen einer akuten Diarrhö zu Hause bleiben.

Und nun das …

Die beiden Arbeiter hielten mitten in ihrem Lunch inne und blickten sich an. Der ältere räusperte sich und deutete mit seinem angebissenen Brot am Mauerwerk hinauf. „Is nun mal ein alter Kasten. Da ist’s normal, wenn’s knackt und knirscht.“ 

Der jüngere nickte, schien jedoch nicht ganz überzeugt. Er stand auf, ging langsam auf den Rundbogen zu und legte sein Ohr an die Ziegelmauer. Klick-klick.

„Ich weiß nicht, Mac“, sagte er. „Das scheint irgendwie von drüben zu kommen.“

„Das ist der Zahn der Zeit, der daran nagt, Kleiner. Mach dir keinen Kopf!“ Der Alte schaute dem Jüngeren ins Gesicht, legte schließlich sein Brot beiseite, rieb sich lächelnd die Hände und erhob sich von der Bank. „Weißt du, ich kenn da einen alten Reim. Den hat mir noch mein Großvater beigebracht. Soll ich?“ Er zwinkerte.

Das Gesicht des Jüngeren hellte sich merklich auf, und er nickte. „Leg los, Mac! Kann nicht schaden, denke ich.“

„Aye, also.“ Der Alte räusperte sich noch einmal, holte einen kleinen Flachmann aus der Hosentasche und stellte sich so gerade hin, wie es sein kaputter Rücken zuließ. Er hob die Flasche wie zu einem Toast und rief in der Mundart der frühen Schotten:

„Und wenn ich hier nun sterben sollt

Zwischen Heide, Moos und Stein

Wenn ihr Geister mich nun holt

Wird es nicht leicht für euch sein

Aye, ihr Teufel! Fangt an zu beten!

Denn des Whiskys brennend Geist

Wird euch in den Hintern treten.“

Beide Arbeiter brachen in haltloses Gelächter aus – bis das von fern erklingende, kaum wahrnehmbare Lachen eines Dritten mit einstimmte.

Die beiden Arbeiter verstummten. Sie blickten sich an und spürten eine Kälte, die ihnen plötzlich in den Hemdkragen kroch. Sie sahen, wie der Mörtel sich an einigen Stellen zu Staub auflöste.

Dann brach die gesamte Wand in sich zusammen.

Erster Teil

Unglaube

Glaube nicht, dass der Unglaube dir zu Hilfe kommen wird, wenn du den Tatsachen ins Auge sehen musst.

Ein Jobangebot

Schottland – Edinburgh – drei Wochen später

Es war ein geräumiges Vorzimmer mit zwei großen Fenstern, die einen herrlichen Blick auf den Park boten. Die Wände waren nur zum Teil tapeziert, ansonsten hatte man die alten Steinmauern naturbelassen. In anderen Räumen hätte dies wohl gemütlich gewirkt, doch hier hatte ich das Gefühl, dass dem Ganzen etwas Verschrobenes anhaftete. An den Wänden hingen vergilbte Fotografien von Männern mit langen Bärten und Zylindern, die seltsame Gerätschaften in die Kamera hielten. Darunter standen in der einen Ecke ein mannshoher Ficus, der unbedingt gegossen werden sollte, und daneben eine lange Reihe Vitrinen, die mit unzähligen Urkunden und Orden, weiteren obskuren Gerätschaften und Unmengen von Büchern gefüllt waren.

In der anderen Ecke blickte das gemalte und lebensgroße Abbild eines altertümlichen Schotten unter seiner keck bis auf das rechte Ohr geschobenen Mütze auf mich herab. Bei genauerer Betrachtung erweckte Braveheart den Anschein, als würde er schielen und einen Drall zur linken Seite haben – so als könne er jeden Moment aus dem Bild kippen. Ich fragte mich, ob das Modell, der Künstler oder alle beide betrunken gewesen waren, und verwandelte mein erheitertes Prusten diskret in ein Räuspern. Die ältere Dame hinter dem Schreibtisch blickte von ihrer Tastatur auf, schob ihre goldene Brille auf die Nasenspitze herab und lächelte mich an. Ich erwiderte das Lächeln, strich mir eine Haarsträhne aus den Augen und versuchte, einigermaßen seriös zu wirken, als mein Blick auf den Nachttopf fiel. Er stand im untersten Regal zwischen einer rostigen Öllampe und der bauchigen Figur einer Schwangeren und war mit kleinen, nackten, tanzenden Teufeln bemalt.

Immer mehr hatte ich das Gefühl, in einer schlechten Folge von Versteckte Kamera mitzuspielen. Ich glaubte nicht an Geister und Spuk, und trotzdem hockte ich auf diesem Stuhl, klammerte mich an meine Ledermappe und blickte zum zehnten Mal auf das goldglänzende Türschild. Der Wortlaut blieb jedoch stets der gleiche.

The Royal Crookes Institut für paranormale Phänomene

Edinburgh, Schottland

Leitung: Prof. J. R. Sutherland

Auch die Tatsache, dass ich auf eine Einladung hin hier war, machte die ganze Sache in meinen Augen nicht besser.

Wann hatte ich eigentlich den Weg einer konstruktiven Berufslaufbahn verlassen und den Pfad hin zu einer zum Scheitern verurteilten Karriere eingeschlagen?

Früh!, sagte meine innere Stimme. Sehr früh!

Meine Mutter hatte damals recht gehabt, als sie sagte: „Kind, was willst du nur mit einem Philosophiestudium?“

In meinem jugendlichen Eifer hatte ich natürlich dagegengehalten, doch dreieinhalb Semester später hatte ich mich das Gleiche gefragt und das vierte kurzerhand in den Wind geschrieben. Ich war schon immer so. Meine armen Eltern verzweifelten fast an meinen ach so kurzlebigen Hobbys und Vorhaben: Klarinette spielen, Gitarre, Kontrabass, Ballettunterricht, Tennis, Curling, Mädchenfußball, ein Buch schreiben, Ärztin werden, Tierärztin werden, Kinderärztin werden, Sängerin, Schauspielerin, Popstar. Gemessen an all den Vorhaben, hielt die Absicht, Philosophin zu werden, ziemlich lange an.

Nach dem Abbruch meines Studiums fand ich mich allein in meiner Wuppertaler Einzimmerwohnung wieder, ohne Plan und Einkommen, und überlegte, was ich mit meinem Leben nun anfangen sollte. Ich hatte nicht vor, mich schon wieder von meinen spontanen Launen leiten zu lassen. Wenigstens einmal in meinem Leben wollte ich etwas Sinnvolles, etwas Großes und Bedeutendes tun. Da klopfte Linda an meine Tür und überredete mich dazu, für ihren Science-Esquire zu schreiben.

Wäre ich doch nur an jenem Tag nicht zu Hause gewesen.

Die kleine, unscheinbare Zeitschrift über Geister und Spuk hatte sie ein Jahr zuvor ins Leben gerufen, nachdem sie ihre zahnmedizinische Laufbahn an den Nagel gehängt hatte und aus Gründen, die mit einer funktionsgestörten Glühlampe und einer missglückten Beziehung zu einem Marihuana rauchenden Veganer einhergingen, in die Esoterik-Ecke abgedriftet war. Ich begann mit harmlosen Dingen: Botengänge erledigen, kurze Textpassagen schreiben und hin und wieder ein paar Leserbriefe beantworten.

Sechs Monatsausgaben lang lief auch alles glatt, bis Linda auf die grandiose Idee kam, mich ungefragt für diese Feldforschung anzumelden, die in den unterirdischen Gängen der Wuppertaler Ölstadt vonstattengehen sollte. Das Essay, das ich danach für den Science-Esquire schrieb, verbreitete sich wie ein verdammtes Lauffeuer und brachte mich hierher.

Plötzlich ging die Tür zu Professor Sutherlands Büro ein Stück weit auf, und eine sonore Stimme rief: „Und, zum Donnerwetter noch mal, seht zu, dass ihr unter die Dusche kommt!“

Leises Gemurmel und Gelächter folgten, und schlussendlich traten drei Männer nacheinander durch die Tür. Einer von ihnen trug etwas, das einer antiken Stehlampe mit gigantischem Schirm glich. Die anderen hatten Kameras umgehängt. Ihre Kleidung war mit Spinnweben behangen und so verdreckt und staubig, dass bei jeder Bewegung kleine Schmutzwolken aufstiegen und Sand auf den spiegelblanken Parkettboden rieselte.

„Das … war zu erwarten, Jungs“, sagte die Dame am Schreibtisch mit erhobenem Finger, schob ihre Brille auf die Nasenspitze und betrachtete die drei von oben bis unten. „So, wie ihr ausseht, könnt ihr froh sein, dass der Professor euch nicht schnurstracks von Harrison mit dem Gartenschlauch abspritzen ließ. Ihr wolltet ja nicht hören. Ich hatte euch gewarnt.“

„Das hatten Sie“, erwiderten die drei, lachten und schlugen sich gegenseitig auf die Schultern, wodurch noch mehr Dreck auf den Boden fiel.

„Herr! Lehre sie Demut, wo ich versagte“, meinte die Dame nur und schüttelte den steifgelockten Kopf.

„Letzter Tag heute, was, Ethel?“, fragte einer der drei und ging um den Schreibtisch herum. „Hätte nicht gedacht, dass das alte Schlitzohr Sie wirklich gehen lässt.“

„Ihm blieb nichts anderes übrig. Mein Pensionsanspruch ist schon seit drei Monaten durch, und nun gehe ich zu meiner Schwester nach Wales und überlasse euch eurem Schicksal.“

„Sie werden uns fehlen“, sagte ein anderer.

„Vielleicht schafft es ja meine Nachfolgerin, euch ein wenig Manieren einzubleuen.“

„Sind wir wirklich so schlimm?“

„Schlimmer!“, rief sie aus, blickte von einem zum anderen, und plötzlich wurden ihre Augen feucht. „Ach Jungs! Ich werde euch auch vermissen.“

Dann lachte sie auf, ließ sich zum Abschied von den Männern auf die Wangen küssen, und ich konnte sehen, wie sie trotz ihres Alters sanft errötete.

Die drei gingen an mir vorbei, ohne mich zu beachten, doch als sie das Vorzimmer verlassen wollten, blickte der mit der Lampe zurück und musterte mich. „Ist alles okay?“, fragte er.

Ich drehte mich um, ob er vielleicht mit jemand anderem gesprochen hatte, doch neben mir befand sich nur ein nackter Kleiderständer. Lächelnd wandte ich mich ihm wieder zu. „Ähm, ja. Warum?“

„Du siehst blass aus. Du musst keine Angst vor ihm haben, hörst du?“ Er wies mit einem Kopfnicken auf Professor Sutherlands geschlossene Bürotür. „Er ist zwar manchmal etwas exzentrisch, aber nach einiger Zeit lernst du, seine Marotten zu ertragen. Ethel hat es auch geschafft.“

„Ähm. Danke.“ Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach.

Der Lampenmann lächelte und nickte mir zu, was wohl aufmunternd wirken sollte. Einen Moment später schloss sich die Tür hinter ihm.

„Miss Bergman?“, fragte die Vorzimmerdame.

Ich löste meine Augen von der Tür und drehte den Kopf. „Ja?“

Sie lächelte mich an und sagte: „Sie können jetzt hineingehen. Der Professor erwartet Sie.“ Damit erhob sie sich von ihrem Stuhl und holte Handfeger und Schaufel aus einem Schrank.

„Und? Wie ist er so?“, war Lindas erste Frage, als ich sie wie versprochen am Abend anrief. Ich stand am Fenster und beobachtete, wie die Sonne glutrot hinter Edinburgh Castle versank, zuckte mit den Schultern, schob die Vorhänge zu und sagte: „Er erinnert mich an meinen Großvater.“

Linda schnaubte vor Entrüstung. „Jo! Dieser Mann ist eine Koryphäe!“

„Das war mein Großvater auch.“

„Ja, natürlich! Was hat er denn gesagt?“

„Wer?“, fragte ich, schob meinen Koffer beiseite und ließ mich auf das Bett fallen.

„Na der Professor, du Dummchen!“

„Er hat mir noch einmal zu dem Artikel gratuliert. Mir gesagt, dass ich die Kernpunkte von paranormalen Forschungen sachlich und prägnant erfasst habe. Dass ich wohl ein Händchen und ein Näschen für die Arbeit eines Ghosthunters hätte – und er hat mir einen Job angeboten.“

Stille am anderen Ende der Leitung.

„Linda? Hallo?“

Ich schaute kurz auf das Display, aber die Verbindung bestand noch. „Linda, bist du da?“

„Über den Esquire hat er nichts gesagt?“, fragte sie endlich und klang enttäuscht.

Oh, Mist! Ich biss mir auf die Unterlippe. „Ach, weißt du, er hatte nicht allzu viel Zeit.“

„Hm.“

„Hey! Dass er es bis hierher geschafft hat, ist doch schon ein Fortschritt“, sagte ich und merkte erst dann, wie erbärmlich sich das anhörte.

In diesem Moment kam zu meiner Rettung ein zweiter Anruf herein. „Ähm, tut mir leid, Linda! Da klopft jemand an. Das könnte meine Mutter sein.“

„Na gut!“

„Ich hab dich lieb. Und ärgere dich nicht so! Hörst du?“

„Du hast gut reden“, nörgelte sie. 

Ohne etwas darauf zu erwidern, drückte ich sie weg und sagte: „Hallo?“

„Miss Bergman! Gut, dass ich Sie noch erreiche. Ich weiß, es ist schon spät.“

„Professor Sutherland!“ Ich sprang aus dem Bett und versuchte gleichzeitig mein Haar zu ordnen und meine Kleidung zu richten. „Nicht doch!“, rief ich. „Sie können mich jederzeit anrufen.“

„Danke, Miss Bergman! Haben Sie schon über mein Angebot nachdenken können?“

„Na ja, nein. Um ehrlich zu sein, ich glaube, ich stehe noch unter Schock.“

Sein Lachen war tief, warm und blieb einem noch lange im Ohr. „Meine liebe Miss Bergman!“, sagte er schließlich in väterlichem Tonfall. „Keine Sorge! Ich will nicht Ihre Seele. Mir geht es nur um Ihr Talent.“

„Das ist schön zu wissen.“

Er lachte erneut. „Wissen Sie … ich möchte Sie eigentlich nicht bedrängen.“ Er machte eine Pause und rückte schlussendlich doch mit der Sprache heraus: „Aber ich hätte gern, dass Sie mit dem Team nach Norden gehen.“

„Nach Norden?“, fragte ich.

„Ja. Wester Ross, um genau zu sein. Ist eine wirklich schöne Gegend da oben.“

„Wann?“

„Nun, das ist das Prekäre. Sie müssten sich schnell entscheiden. Der Flieger geht morgen früh um sieben Uhr zweiundvierzig.“

„Und können Sie mir sagen, was mich dort oben erwartet?“

„Sie erfahren alles Nötige auf dem Flug. Nur so viel: Es ist eine alte Burg, die Sie aufsuchen werden. Haben Sie keine Angst! Ich verlange nichts Unmögliches von Ihnen. Sehen Sie es als Einladung zu einer Hospitation. Und wenn es Ihnen gefällt, reden wir danach noch einmal über mein Jobangebot.“

„Das klingt fair.“

„Denken Sie darüber nach, und wenn Sie sich entschieden haben, dann finden Sie sich morgen früh am Flughafen ein. Ein Ticket ist dort für Sie hinterlegt, und Ryan erwartet Sie am Gate.“

„Danke, Professor!“

„Ich habe zu danken, meine Liebe! Gute Nacht!“

„Ach, Professor?“

„Ja?“

„Warum ich?“

Er lachte wieder, diesmal jedoch leise und so, als hätte seine Heiterkeit mehr als einen Grund. „Sagen wir, es ist nicht so leicht, Geisterjäger zu finden, die nicht an Geister und Gespenster glauben. Doch das ist in meinen Augen eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen Job.“

„Diese Voraussetzung kann ich erfüllen.“

„Ich weiß“, sagte er, und der gewisse Unterton klang erneut mit. „Gute Nacht, Miss Bergman!“

„Gute Nacht, Professor!“

Ich legte auf und registrierte erst im Nachhinein, was er gesagt hatte. Wenn Sie sich entschieden haben …

Anscheinend war sich der Professor ziemlich sicher.

Ich hatte die halbe Nacht wachgelegen und hin und her überlegt. Auf der einen Seite war Linda, meine beste Freundin seit Kindertagen, die viel Vertrauen in mich gesetzt, die mir Arbeit gegeben hatte und stets mit Rat und Tat an meiner Seite war und der ich nun etwas zurückgeben konnte – Loyalität. Auf der anderen Seite war da ein unentdecktes Gebiet, das es zu erobern galt. Loyalität gegen Abenteuerlust. Und während ich noch all die Dinge aufzählte, die Linda und ich gemeinsam durchgemacht hatten, sah ich mich schon in alten, von Gold, Geschmeide und Gespenstern wimmelnden, unterirdischen Gängen umherkriechen.

Die Highlands

Daher war es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass ich mich am nächsten Morgen ziemlich müde und mit einem Kaffee in der Hand vor der Anzeigetafel des Flughafens von Edinburgh wiederfand. Inverness also. Zumindest stand dies auf dem Ticket. Ich blickte hoch Gate zwölf , drehte mich um mich selbst auf der Suche nach dem fraglichen Terminal, nahm einen Schluck von meinem Kaffee und machte mich auf den Weg in mein erstes vielleicht richtiges Abenteuer.

Ich hoffte sehr, dass dieser Ryan wusste, wer ich war oder wie ich aussah, denn ich hatte keine Ahnung, an wen ich mich wenden sollte. Doch als ich am Terminal ankam, musste ich zwar zweimal hinsehen zumal ich ihn so attraktiv nicht in Erinnerung hatte , doch ja, da stand der Lampenmann an eine Säule gelehnt und blickte mir freundlich lächelnd entgegen.

Und ich hatte gedacht, du bist die neue Ethel, sagte er und reichte mir seine Hand.

Nein, tut mir leid. Ich bin nur Jo.

Hi, Jo! Ich bin Ryan. Das sind Finn und Lucas.

Was Wasser und Seife doch so alles bewirken können, dachte ich und betrachtete die drei, die nun wie aus dem Ei gepellt vor mir standen. Sie waren alle größer als ich was nicht weiter schwer war bei meinen knapp einen Meter fünfundsechzig und ein wenig älter, aber irgendwie strahlten sie etwas Jungenhaftes aus. Ich vermutete, dass dies an ihren Jobs lag, denn ein reifer Erwachsener würde sicher nicht sein Geld mit der Jagd auf Gespenster verdienen.

Als ich jedoch die Uhr an Ryans Handgelenk entdeckte, staunte ich nicht schlecht. Immerhin schien die Geisterjagd in Schottland doch recht einträglich zu sein.

So! Du bist also die mit dem Essay, meinte Finn kopfnickend. Nicht schlecht, Kleine! Wie war das noch? Er runzelte die Stirn. Und vom philosophischen Standpunkt aus gesehen, liegt die Vermutung, dass in der Ölstadt Geister umgehen, in der abgeklärten Geschichte des Stadtteils begründet und dem tief in uns verwurzelten Wunsch, Geister der Vergangenheit nicht nur in uns selbst zu finden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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