Die Goldregen-Intrige - Roland Lange - ebook

Die Goldregen-Intrige ebook

Roland Lange

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Opis

Hauptkommissar Ingo Behrends steckt mitten in seinen Hochzeitsvorbereitungen und muss außerdem noch einen Pferderipper finden, der im Harz sein Unwesen treibt, als sein Freund aus einem Heißluftballon heraus einen Mord beobachtet haben will. Nur gibt es weder ein Opfer noch Spuren eines Verbrechens am vermeintlichen Tatort. Erst Tage später setzt das Auftauchen einer verstümmelten Leiche die Ermittlungen in Gang. Die Spuren führen den Hauptkommissar zur Katlenburger Kellerei, wo der Bruder des Ermordeten an der Entwicklung eines spektakulären Getränks arbeitet. Wurde ihm die geheime Kreation zum Verhängnis?

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Roland Lange

Die Goldregen-Intrige

Harz Krimi

Prolibris Verlag

Handlung und Figuren sind frei erfunden. Darum sind eventuelle Übereinstimmungen mit lebenden oder verstorbenen Personen zufällig und nicht beabsichtigt.

Evas Lied

Spürst du die Magie, mein Geliebter?

Hörst du das Wispern? Die zärtliche Stimme, die sich leise in dein Ohr schleicht? Hörst du, wie sie dir zuflüstert: Komm nur, komm! Koste mich! Trinke mich?

Sieh den samtigen Wein, wie er glänzt im Kerzenschein. Warm und betörend, wie Bernstein im Licht der sterbenden Sonne.

Du wehrst dich gegen den lockenden Zauber. Doch mit deinem Zögern wächst auch die Gier. Gebannt starrst du in die flüssige Glut, bis plötzlich ein Funke deinen Körper entflammt.

Spürst du, wie das Feuer Besitz von dir nimmt? Fühlst du, wie es in dir wächst und wächst, wie du der Versuchung nicht mehr länger widerstehen kannst?

Ganz dicht steht sie vor dir, mit sanften Konturen und schlanker Figur. Du zauderst, zweifelst, fragst: Was soll ich tun? Noch einen Schritt vor? Oder besser zurück? Dein Kopf sagt: Bleib stehen!, doch dein Herz hört das Flüstern: Komm nur, komm! Koste mich! Trinke mich!

Verheißungsvolle Worte, die dein Verlangen steigern, bis du es nicht mehr erträgst.

Deine Hände ergreifen die Flasche, umschließen ihren Körper, gleiten über die glatte, gläserne Haut. Gierig erklimmen deine Finger ihren schlanken Hals, erreichen ihr Ziel. Endlich!

Zögere nicht, Liebster! Zerbrich das Siegel, und der Himmel wird sich öffnen. Nur für dich. Sternenschauer regnen in das Bernsteinmeer, sinken hinab in die Tiefe. Kleine, schillernde Diamanten, die darauf warten, geborgen zu werden. Von dir. Sei mutig! Sei verwegen! Sei ein Freibeuter! Folge dem Zauber des Verbotenen. Sei bereit, dein Verlangen zu stillen! Tauche nach den funkelnden Sternen.

Fülle dein Glas und trinke. Trinke den Ozean leer bis auf den Grund und nimm die Schätze in deinen Besitz. Und dann, mein Geliebter, folge mir. Ich zeige dir den Weg aus der Enge der Welt. Unser Ziel ist die Unendlichkeit.

Wir fliegen durch die Nacht der Verheißung entgegen. Nie wirst du müde, vertraue mir. In deinen Adern fließt goldener Regen!

Prolog

»Meine Güte … was war das denn?«, keuchte Sandra atemlos, als sich Mario laut stöhnend von ihr heruntergerollt hatte und jetzt schwer atmend neben ihr lag. Sie drehte sich leicht zur Seite und betrachtete den Oberkörper ihres Liebhabers, der sich im schwachen Schein der indirekten Wandbeleuchtung schweißfeucht hob und senkte. »Diese Ausdauer kenne ich ja gar nicht von dir, mein kleiner Wüstling. Du übertriffst dich heute selbst! Bist du etwa gedopt?«

»Gedopt ist gut.« Mario kicherte in sich hinein, sah dabei an die Zimmerdecke, tat geheimnisvoll.

Sie kannte diesen Blick. Nicht das erste Mal verschwieg er ihr etwas und wartete nur darauf, dass sie es aus ihm herauskitzelte. Diese gelegentlichen Heimlichkeiten gehörten zu ihren Spielchen. Damit steigerten sie ihre Lust aufeinander, wenn sie sich zu ihren Schäferstündchen trafen.

»Komm, sag schon«, forderte sie mit verführerischer Stimme und stupste ihn sanft in die Seite. »Was verbirgst du vor mir?«

Es hatte mehrere Gründe für sie gegeben, sich den jungen Lebensmittelchemiker umgehend ins Bett zu holen, nachdem er ihr vor etwas über zwei Jahren als Mitarbeiter zugeteilt worden war. Mario überragte sie nur um wenige Zentimeter, war schlank und sportlich, hatte kein Gramm Fett zu viel am Körper. Mit seinem ebenmäßigen, weichen Gesicht, dem dunklen Teint und den schwarzen Stoppelhaaren strahlte er genau den südländischen Charme aus, den Sandra an Männern so liebte. Allein seine verschiedenfarbigen Augen, das eine dunkelbraun, das andere etwas heller, mit einem leichten Stich ins Grüne, irritierten sie zuweilen ein wenig. Sie vermied es, wenn möglich, ihn direkt anzusehen. Dafür ließ alles Weitere an ihm keine Wünsche offen, und es war ein Genuss, ihn anzuschauen. Er gab ihr das, was sie bei ihrem Ehemann nicht fand, aber auch nie wirklich gesucht hatte. Zu heiraten war eine Vernunftentscheidung gewesen auf ihrer Suche nach Schutz und Sicherheit. Ihre sexuellen Bedürfnisse stillten andere Männer. Männer wie Mario.

Bisher war sie noch nie von ihm enttäuscht worden.

Doch sein Aussehen und seine Qualitäten im Bett allein waren es nicht, die den neuen Laborleiter für Sandra interessant machten. Seine Fähigkeiten als Lebensmittelchemiker schlugen mindestens ebenso zu Buche. Als er sich auf die freie Stelle des Laborleiters beworben hatte, konnte er mit seinen Zeugnissen die Konkurrenz locker aus dem Feld schlagen. Und sie hatten nicht zu viel versprochen. Er hatte sich nicht als ein cocktailmixender Handwerker erwiesen – solide, aber einfallslos. Er war mehr! Auf seinem Fachgebiet war er ein kreatives Genie. Ein Künstler! Mit einem beinahe unerschöpflichen Ideenreichtum. Im Laufe seiner kurzen Betriebszugehörigkeit hatte er schon einige neue Produkte kreiert, die auf dem besten Weg waren, sich zu regelrechten Szene-Getränken zu entwickeln. Die Firma konnte sich angesichts dieser Fruchtwein-Innovationen über ansehnliche Umsatzzuwächse freuen. Sandra sonnte sich als seine Chefin im Glanz, der dank seines Genies über ihrem Arbeitsplatz lag, spürte aber bereits die Bedrohung: Im Betrieb suchten die Verantwortlichen der anderen Abteilungen seine Nähe und auch für die Konkurrenz wurde er interessant.

Sie wusste, was zu tun war. Früh hatte sie die Schwächen des jungen Chemikers ausgemacht und sie für sich genutzt. Mario war eitel. Dank dieser Eigenschaft, gepaart mit einer gehörigen Portion Naivität, war er leichte Beute für eine kühl kalkulierende Frau mit ihrer Erfahrung. Es hatte sie nur wenig Überredungskunst gekostet, ihn zu ihrem Liebhaber zu machen. Zwar hatte er eine Freundin, die ihn wirklich liebte, wie er immer wieder beteuerte. Solche Kleinigkeiten waren für sie bisher jedoch noch nie ein Hindernis gewesen, sich die Männer zu nehmen, die sie haben wollte. Mario machte da keine Ausnahme. Und das war gut so. Seit er mit ihr gelegentlich das Bett teilte, hatte sie ihn besser unter Kontrolle. Das schloss seine kreative Produktivität ebenso ein wie die Informationen, die sie durch ihn von allem erhielt, was sich in der Kellerei tat – angefangen bei dem, was in ihrem Verantwortungsbereich geschah. So war sie vor Überraschungen sicher. Und das würde so bleiben, wenn es ihnen gelang, ihre Beziehung weiterhin geheimzuhalten. Solange die drei Laborantinnen, aber auch die Mitarbeiterinnen aus den anderen Abteilungen, keine Ahnung von ihrer Liaison hatten, öffneten sie ihm ihr Herz, ließen sich von der Hoffnung leiten, selbst einmal bei ihm landen zu können. Sie konnten seinem Charme nicht widerstehen. Sie waren eben nur gewöhnliche Frauen …

»Nun sag endlich, was verbirgst du vor mir?«

»Du bist mir eine Spur zu neugierig.« Mario entzog sich mit einem frechen Grinsen ihren Berührungen.

»Bin ich das?« Es würde nicht lange dauern, bis sie ihn zum Reden gebracht hatte. Sie wusste genau, wo sie ansetzen musste. Kurzerhand schwang sie sich auf seinen Bauch, stemmte sich in den Sitz und traktierte ihn nach allen Regeln der Kunst mit ihren Fingern.

»Los! Gestehen Sie!«

»Ah … nein! Hör auf! Bitte!«, winselte er Sekunden später, wehrlos ihren wirbelnden Händen ausgesetzt. Jetzt übertrieb sie es und die Schmerzen überwogen die Lust, die er sonst bei ihrer Behandlung empfand. »Ich sage, was du willst!«

Sie stellte ihre Attacken ein: »Und? Ich höre.«

Er zwang sich, seine Augen von ihren Brüsten loszureißen und ihr ins Gesicht zu blicken, ehe sie einen erneuten Angriff auf seine empfindlichsten Zonen startete.

»Wenn du mich freigibst, zeige ich dir was.«

Sie zögerte. Dann ließ sie sich zur Seite fallen: »Versuche nicht, mich auszutricksen, mein Lieber, oder du bekommst meine bittere Rache zu spüren.«

Mario stieg aus dem Bett und steuerte nackt auf die Schlafzimmertür zu.

»He, wo willst du hin?«, rief sie ihm nach.

Er hielt sich an der Türklinke fest, sah an sich hinab: »Keine Sorge, ich laufe dir nicht weg. Ich gehe nur kurz in die Küche.«

Das, was er als Küche bezeichnete, war eine Nische, in der sich auf engstem Raum Herd, Spüle, Kühlschrank und ein paar Regale zusammenzwängten. Die angrenzende Sitzecke bot kaum mehr Platz.

Als Sandra beschlossen hatte, sich neben ihrem Zuhause, dem ehelichen Anwesen in Herzberg, zusätzlich eine Wohnung zu mieten, sollte die vor allen Dingen zweckmäßig sein. Auf Größe und luxuriöse Ausstattung hatte sie keinen Wert gelegt. Wichtig war ihr ein geräumiges, mit einigen netten Extras eingerichtetes Schlafzimmer gewesen. Dort beabsichtigte sie, sich die meiste Zeit aufzuhalten, wenn sie die Nächte nicht bei ihrem Mann verbrachte. Darüber hinaus musste ein halbwegs komfortables Bad vorhanden sein. Der Rest durfte ruhig minimalistisch ausfallen.

Es dauerte gerade mal eine Minute, dann kam Mario mit einer Weinflasche und zwei Gläsern zurück.

»Oh, haben wir was zu feiern?«, wunderte sich Sandra und setzte sich neugierig im Bett auf. »Wo hast du denn das Fläschchen so schnell hergezaubert?«

»Hatte ich in meinem Rucksack.«

»Ach ja? Und was ist das für ein edler Tropfen?«

Mario hob die Flasche gegen das Licht und schwenkte sie leicht hin und her. In der bernsteinfarbenen Flüssigkeit wirbelten kleine Teilchen auf. Während sie träge auf den Boden zurücksanken, funkelten sie wie Sterne.

»Meine neue Kreation«, sagte er stolz, »ein ganz besonderer Saft. Der Stoff, der Männerträume wahr werden lässt … Frauenträume natürlich auch.«

»Das Produkt deiner Heimlichtuerei? Du hast also daran weitergearbeitet. Ich hätte es mir denken können.«

»Genau. Mein Goldregen.«

»So nennst du es?«

»Ja, ist doch ein schöner Name, findest du nicht? Die Glimmis haben mich drauf gebracht. Und die Farbe des Weins.« Er goss die beiden Gläser je zur Hälfte voll und stellte die Flasche auf dem Ecktisch unter dem Fenster ab.

Sandra ließ sich Zeit mit ihrem Urteil, nahm noch ein, zwei Schlucke, behielt den Wein im Mund, er schmeckte ganz gut, aber das reichte nicht. Sie versuchte, ihn mit Zunge und Gaumen zu ergründen, zu analysieren. Honig schmeckte sie deutlich heraus. Der gute, alte Met, dachte sie einen Augenblick enttäuscht, nicht gerade ein großer Wurf, einen Kassenschlager ein wenig zu variieren und ihr als eine geniale Entwicklung zu präsentieren. Sie hätte mehr von Mario erwartet. Allerdings war ihr die feine Aprikosennote nicht entgangen. Und dann – da war noch etwas anderes, etwas, das sie nicht zuordnen konnte – auch nicht, als sie einen weiteren Schluck nahm und ihn ausgiebig mit ihren Geschmacksnerven prüfte.

»Hm ... Honigwein. Den kenne ich natürlich. Das ist nun wirklich nichts Neues. Und dies bisschen zusätzliche Aprikose ... nennst du das innovativ?« Sie sagte das ziemlich abwertend, obwohl der Tropfen wirklich Potenzial hatte. Eine raffinierte Komposition, das musste sie zugeben. Aber es machte sie wütend, dass sie nicht hinter das Geheimnis dieses einen Inhaltsstoffes kam.

»Kenne ich? Bisschen Aprikose? Mehr nicht?« Mario, der Sandra erwartungsvoll angestarrt hatte, war enttäuscht. »Der Wein ist außergewöhnlich. Warum gibst du es nicht zu?« Seine Stimme klang flehend.

Sie lächelte, streichelte ihm mit dem Handrücken über die Wange. Er war eben immer noch ein kleiner Junge ohne Selbstbewusstsein, der um Anerkennung bettelte. Das gefiel ihr an ihm, machte ihr einmal mehr ihre Überlegenheit bewusst. Gleichzeitig vergaß sie ihren Ärger auf sich: »Ja, ich gebe es zu, mein süßer Kater: Du hast dich mal wieder selbst übertroffen. Allerdings schmecke ich da was heraus, das ich nicht zuordnen kann. Ganz schwach nur. Ich weiß noch nicht genau, ob mir das gefällt …«

»Camu-Camu! Das ist Camu-Camu!« Seine Augen blitzten vor Begeisterung. Keine Sekunde länger hätte er das Geheimnis für sich behalten können.

»Camu … was?«

»Camu-Camu ist ein weiß blühender Strauch aus der westlichen Amazonasregion und Peru«, wurde sie von Mario belehrt. Er war jetzt der Chemiker, ganz in seinem Element. »Die Früchte musst du dir vorstellen wie Kirschen, genauso groß und rot, nur mit zwei Kernen! Was diese Camu-Camu-Kirschen auszeichnet, ist ihr hoher Gehalt an Ascorbinsäure. Und sie sind sehr eisenhaltig. Die Bauern ernten sie von Dezember bis April und verarbeiten sie dann zu Saft. Du bekommst sie allerdings auch als Pulver. Das Beste ist aber«, er machte eine kurze Pause und genoss es, wie Sandra gespannt an seinen Lippen hing, »das Beste ist, dass Camu-Camu als Aphrodisiakum bekannt ist. Besonders die Japaner stehen auf das Zeug.«

»Aphrodisiakum? Du meinst, wenn man das zu sich nimmt, pur oder vermischt, wird man scharf? So eine Art biologisches Viagra?« Sie betrachtete seinen Unterleib, den er ihr verführerisch entgegenreckte. Plötzlich konnte sie nicht mehr an sich halten und brach in schallendes Lachen aus. »Heißt das, du hast vor unserem Treffen einen Selbstversuch gestartet und dich mit deiner Kreation in Fahrt gebracht?«

»Ja, und? Hat doch gewirkt, oder?« Lachte sie ihn etwa dafür aus?

»Das kannst du laut sagen!«, presste sie mühsam hervor. »Glaube soll ja bekanntlich Berge versetzen.«

»Von wegen Glaube! Es liegt an dem Zeug!« Mario wusste selbst, dass sie Recht hatte. Sein Protest fiel entsprechend schwach aus.

»Ja, ja, natürlich. Also, ich merke nichts. Allerdings …« Sie wurde schlagartig ernst. »Wenn wir es richtig vermarkten … Du sagst, die Japaner stehen auf dieses Camu-Camu?«

Er nickte: »Genau wie auf Nashornpulver, Wal-Hoden und was weiß ich für Stimulanzien.«

»Dein Wein könnte tatsächlich der Knaller auf dem asiatischen Markt werden und alles bisher Dagewesene toppen, weißt du das?« Ein vager Plan, eigentlich nicht mehr als eine Idee, geisterte plötzlich durch ihren Kopf.

»Ich bin allerdings noch nicht so weit. Bis der Goldregen wirklich marktreif ist, muss ich ein paar Dinge verändern und anpassen. Der hohe Säureanteil, die Konsistenz, die Fruchtnote … na ja, er ist geschmacklich bisher nicht so ausgewogen, wie ich mir das vorstelle. Aber mir ist etwas eingefallen, wie ich die Glimmis dem Wein zuführen kann. Wenn das klappt, ich will mich ja nicht selbst loben, aber das wäre einfach genial und gäbe einen wahnsinnigen Knalleffekt.«

Sandra blickte abwesend über ihn hinweg, hörte ihm nicht zu. Ihre Gedanken hatten sich aus den Niederungen der Tests und Laborversuche verabschiedet und kreuzten durch ein Meer voller Visionen einer im wahrsten Sinne goldenen Zukunft entgegen. »Hast du schon jemanden aus der Firma eingeweiht?«, fragte sie schließlich.

»Du bist die Erste. Außer dir weiß kein Einziger was …« Er stockte einen Sekundenbruchteil, wollte etwas hinzufügen, schloss aber den Mund und blieb stumm.

Sie hatte sein Zögern bemerkt, wurde sofort misstrauisch: »Wirklich niemand?« Sie forschte in seinem Gesicht. Unerbittlich. Ließ sich diesmal nicht von seinen verschiedenfarbigen Augen irritieren. »Na los, sag schon, wem hast du davon erzählt?«

Er wand sich, fühlte sich ertappt: »Meinem Bruder.«

»Deinem Bruder?« Sandra schnellte hoch, saß kerzengerade im Bett. »Ich denke, er ist im Knast.«

»Ist er auch. Ich bin vor ein paar Tagen zu Besuch bei ihm gewesen. Er hatte sich bei mir gemeldet und mich regelrecht angebettelt zu kommen. Na ja, er hat sonst niemanden, weißt du. Während unserer Unterhaltung habe ich von meiner Arbeit erzählt und beiläufig was angedeutet. Aber es hat ihn nicht interessiert.«

»Das hoffe ich!«

»Meine Güte, warum bist du bloß so misstrauisch? Was für ein Interesse sollte er denn daran haben? Er sitzt im Gefängnis und wird da auch noch einige Zeit verbringen.«

»Trotzdem«, beharrte Sandra, »bis alles perfekt ist, muss es ein Geheimnis bleiben – unser Geheimnis!«

»Willst du meine Idee nicht der Geschäftsleitung vorstellen?«, wunderte sich Mario.

Entschlossen schüttelte sie den Kopf: »Nein, ich habe eine andere Idee. Weißt du, deine neuen Kreationen haben der Kellerei schon so viele Umsatzrekorde beschert – wäre es da nicht an der Zeit, auch mal an uns zu denken?« Sanft nahm sie sein Gesicht in beide Hände und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.

Er entzog sich ihren Liebkosungen, stützte sich auf die Ellenbogen, musterte sie skeptisch: »Was meinst du damit: An uns denken?«

»Wir könnten dein Rezept vielleicht jemandem direkt anbieten. Auf eigene Rechnung. Ich finde, wir haben es verdient, mal ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen. Besonders du. Oder bist du zufrieden mit den kleinen Nebenbeigeschäften, die du hinten herum mit deinen Gartenlauben-Getränken machst?«

Er riss erschrocken die Augen auf, schluckte trocken: »Du weißt davon? Woher? Ich dachte ...«

»Ja, was? Was dachtest du?«, fragte sie und rümpfte höhnisch ihre Nase. »Glaubst du wirklich, mir ist es verborgen geblieben, dass du ab und zu das Labor plünderst? Bist du so naiv, zu denken, du kannst so etwas unbemerkt tun? Sieh es doch mal so: Ohne meine schützende Hand, die ich über dich halte, wärest du in dieser Firma längst Geschichte. Und was den Rest angeht – ich bin ausgesprochen neugierig. Ich mag es nun mal nicht, wenn Dinge um mich herum passieren, von denen ich nichts weiß. Ich hasse Überraschungen, die mich in Teufels Küche bringen können. Deshalb war ich natürlich sehr interessiert daran zu erfahren, was du mit all den netten Zutaten aus dem Labor anstellen wolltest. Irgendwann bin ich auf deine Laube gestoßen. Wie? Das ist mein kleines Geheimnis. Ich werde es dir auf keinen Fall verraten. Dafür drücke ich auch weiterhin beide Augen zu, einverstanden?«

Hinter Marios Stirn wirbelte ein plötzlicher Sturm die Fragen auf, die ihn in unregelmäßigen Abständen heimsuchten, seit er mit Sandra zusammen war. Schon längst hätte er sie ihr stellen sollen. Er hatte es nicht getan und würde es jetzt wieder nicht tun, aus Angst, aus einem schönen Traum zu erwachen.

Ein Jahr später, Samstag, 26. Mai, am späten Abend

Nur wenige Minuten bis Mitternacht.

Der Schatten löste sich aus dem Schutz der umstehenden Bäume und huschte über die Straße. Es war eine sternenklare Nacht, doch der Mond befand sich noch im ersten Viertel, und sein Licht reichte nicht aus, um der schemenhaften Gestalt ein Gesicht zu verleihen. Sekunden später tauchte sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder ins Dunkel ein. Seine Sorge, gesehen zu werden, war unnötig, es gab niemanden, der ihn hätte beobachten können.

Trotzdem setzte der Mann mittleren Alters jeden seiner Schritte mit Bedacht. Er beherzigte einen Grundsatz, der ihn schon so manches Mal vor unliebsamen Überraschungen bewahrt hatte: »Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste«, hieß sein Wahlspruch. Danach handelte er und war damit bisher immer gut gefahren. Allerdings hatte es in diesem verlassenen Winkel mit seinen paar Fachwerkbauten bis vor Kurzem nie wirklich Anlass gegeben, sich über die Maßen vorzusehen. Nur einer Handvoll verschüchterter Asylanten diente das Fleckchen Erde als Zuhause, von denen sich kaum einmal einer vor die Tür traute, geschweige denn, sich um das kümmerte, was der andere tat. Sicher lag das auch daran, dass er ihnen einige Male deutlich gemacht hatte, sich hier draußen besser ruhig zu verhalten, wenn sie mit ihm in Frieden leben wollten. Ob sie seine harschen Worte verstanden hatten, wusste er nicht. Auf jeden Fall gingen sie ihm aus dem Weg und er brauchte nicht zu befürchten, dass sie ihm hinterherspionierten.

Doch vor gut einem Monat war ein Neuer hier draußen aufgetaucht und in das Haus eingezogen, dem er sich gerade in weitem Bogen näherte. Ausgerechnet dieses heruntergekommene Loch hatte sich der Typ ausgesucht, nicht ahnend, dass sich in einem Winkel der dazugehörigen Scheune ein kleines Depot mit Elektrogeräten befand. Die Geräte, Beute verschiedener Einbrüche, sicherten dem Mann ein ordentliches Einkommen zusätzlich zu seinen Bezügen von der Arbeitsagentur. Damit das so blieb, hatte er ein neues Versteck für die heiße Ware suchen müssen. Bis er gestern endlich auf ein geeignetes Plätzchen gestoßen war, hatte er in ständiger Angst gelebt, der schweigsame Fremde, dessen Bewegungen so ungelenk wirkten, weil er das rechte Bein nachzog, könne zufällig über die DVD-Player, Autoradios und Receiver stolpern, sollte er in der Scheune herumschnüffeln, die er als Garage für seinen alten Benz benutzte. Heute galt es nun, das Diebesgut herauszuholen und in das neue Lager abzutransportieren. Die Nacht war wie geschaffen für sein Vorhaben.

Der Mann hatte sich seinen gewohnten Weg durch das Dickicht gebahnt und sah jetzt die rückwärtige Giebelseite des Gebäudes vor sich. Er steuerte geradewegs auf die von Holunderbüschen eingerahmten, maroden Torflügel zu, der weiche Boden dämpfte seine Schritte. Dann legte er die Hand an den schweren Holzriegel, drückte ihn nach oben aus der Halterung. Er musste umsichtig zu Werke gehen, damit die rostigen Scharniere keine zu lauten Geräusche verursachten. Wer konnte schon wissen, wie hellhörig der neue Bewohner war. Die Zunge zwischen die Zähne geklemmt, zog er den Flügel langsam ein Stück auf, sah die helle Motorhaube mit dem Stern darauf matt im einfallenden Dämmerlicht schimmern.

Plötzlich fuhr er erschrocken zusammen. Stimmfetzen wurden vom schwach wehenden Nachtwind herangetragen, zerrissen die Stille! Hart, aggressiv – wie kleine Explosionen. Dann war wieder alles ruhig. Vorsichtig nahm er die Hände vom Riegel, tastete sich mit leisen Schritten an der Giebelwand entlang und lugte zögernd um die Ecke.

In der grasbedeckten Zufahrt parkte ein Auto. Er hatte den Wagen hier noch nie gesehen. Dem Hinkebein gehörte er jedenfalls nicht. Dessen Mercedes stand ja in der Scheune. Also hatte der Typ Besuch. Er starrte auf das Fenster neben der Eingangstür. Das ausgebleichte Rollo war heruntergezogen. Nur ein schmaler Spalt ließ schwaches Licht nach draußen. Die Stimmen mussten durch das gekippte Oberlicht aus dem Zimmer dahinter gedrungen sein.

Er reckte den Kopf etwas vor, hielt den Atem an und lauschte. Ein paar Sekunden dauerte es, bis er die Wortfetzen wieder hören konnte, jetzt lauter, aber immer noch nicht deutlich genug, um zu verstehen, was im Haus geredet wurde.

Der Mann wartete angespannt, überlegte. Nur einen Augenblick. Dann sah er sich nach allen Seiten um, sog die Luft durch seine Nase tief ein, als könne er so eine drohende Gefahr wittern. Doch es gab nichts, das sein Misstrauen erregte. Die Welt um ihn herum schlief. Er schlich auf den gedämpften Lichtschein zu, setzte auf Zehenspitzen einen Schritt vor den anderen, stützte sich mit der flachen Hand an der Hauswand ab, bis er neben dem Fenster angekommen war. Hier drückte er sich mit dem Rücken gegen das Haus, verschmolz mit der Wand und blieb wie versteinert stehen. In all den Jahren, die er seiner Nebentätigkeit nachging, hatte er es gelernt, sich unsichtbar zu machen, wenn es nötig war, und alles auszublenden, was ihn irgendwie ablenken konnte.

Und jetzt, hier zwischen Haustür und dem Fenster, galt seine ganze Konzentration nur noch dem, was das Hinkebein und sein Besuch Wichtiges beredeten. Seine Ohren registrierten jeden Laut und jedes Wort, das auf der anderen Seite der Fachwerkwand gesprochen wurde.

»Hast du mich etwa nur deshalb hierher bestellt? Konntest du mir das nicht gleich sagen? Dann wäre ich gar nicht erst gekommen! Ich dachte, du brauchst meine Hilfe!«

Der Mann am Fenster schrieb die Sätze dem Besucher zu. Auch wenn er den neuen Bewohner bisher nur selten hatte sprechen hören, so wusste er, dass dessen Stimme anders klang – älter, rauer, gebrochener.

»Genau das habe ich doch gesagt! Wir sind auf deine Hilfe angewiesen – ich will dich dabei haben!«

Das war jetzt Hinkebein. Eindeutig!

»Herrgott noch mal, Simon! Ich war der Meinung, die Zeit im Knast hätte dich zur Besinnung gebracht!«, rief der Fremde wütend. »Du bist gerade erst raus. Musst du da gleich wieder mit der Scheiße anfangen?«

Na so was!, dachte der Mann am Fenster, was für ein Vogel ist uns denn da ins Nest geflattert? Hinkebein scheint ja ein ziemlich übler Finger zu sein. Jetzt wundert es mich natürlich überhaupt nicht mehr, dass der immer so zugeknöpft tut. Es ärgerte ihn, dass er nicht sehen konnte, was drinnen vor sich ging. Am liebsten hätte er sich ganz klein gemacht und wäre als Maus durch irgendeine Ritze ins Zimmer gehuscht. Dann hätte er sich auch ein besseres Bild von diesem Besucher machen können. Was war das denn bloß für einer? Der Bewährungshelfer von diesem Simon konnte es ja wohl kaum sein.

»Komm, Kleiner, hör auf, mir Moralpredigten zu halten. Dazu habe ich dich nicht herbestellt.« Plötzlich lag eine ungewöhnliche Schärfe in Hinkebeins Stimme. Eine gefährliche Kälte breitete sich aus, die bis nach draußen zu spüren war.

»Nein, das war mir schon klar, als ich zu dir gekommen bin. Ich wusste allerdings nicht, dass meine Hilfe darin besteht, dir und deinen Kumpanen bei einer krummen Sache zu helfen.« Der Kleine, wie ihn dieser Simon nannte, bebte vor Erregung, klang immer schriller.

»Menschenskind, kannst du vielleicht aufhören, so laut zu plärren? Halt einfach die Klappe und hör dir meinen Vorschlag erst mal an.«

Schritte. Drinnen regte sich etwas. Der Lauscher draußen schob sich ein Stück vom Fenster weg, versuchte, sich noch ein bisschen dichter an die Wand zu pressen, sich dünnzumachen wie eine Tapete. Aus den Augenwinkeln erblickte er Hinkebein, der das Rollo angehoben hatte und sich am gekippten Oberlicht zu schaffen machte. Regungslos starrte er geradeaus und schickte ein stummes Stoßgebet zum Himmel. Er war ein kleiner Dieb, ein schlechter Mensch also, dessen war er sich bewusst. Aber in solch brenzligen Momenten hoffte er, dass Gott auch für Leute seines Schlages ein offenes Ohr hatte.

Das Fenster wurde geschlossen. Er hörte es mehr, als dass er es sah. Pech. Damit war seine Lauschaktion wohl beendet. Doch fast im gleichen Atemzug öffnete Hinkebein einen der beiden größeren, unteren Flügel:

»Eine Scheißluft ist das hier drin«, fauchte er, wich zurück und ließ das Rollo sinken.

Der Mann hatte echt Nerven. Schien nicht im Traum daran zu denken, dass er heimliche Zuhörer haben könnte. Aber warum sollte er auch? In diesem Moment war dem Lauscher klar, dass Hinkebein nicht zufällig in dieser Einsiedelei gelandet war, sondern seinen neuen Wohnsitz mit Bedacht gewählt hatte. Er schob sich vorsichtig wieder näher heran, an die Stelle, wo er kurz zuvor gestanden hatte.

»Also, Kleiner«, hörte er Hinkebein beinahe versöhnlich zu dem Anderen sagen, »du musst nicht glauben, dass wir auf dich angewiesen sind. Ich kenne genug Leute, die sich um diesen Job reißen würden. Aber du bist Chemiker. Wir könnten deine Hilfe wirklich gut gebrauchen. Es gibt einfach zu viele Stümper in der Branche. Wenn du dabei wärest, wüsste ich wenigstens, dass es nicht schiefgeht. Und dein Anteil ist auch nicht von schlechten Eltern, glaub mir!«

»Wer ist das eigentlich – wir? Wer außer dir und mir macht da noch mit? Kenne ich einen von denen?«

Klang da bei dem Fremden etwa Interesse durch? Der Mann am Fenster grinste in sich hinein. Er hatte es geahnt. Kaum war vom großen Geld die Rede, konnte niemand widerstehen. Auch dieser Chemiker nicht.

»Gute Freunde, Kleiner. Aber keiner, dem du je begegnet bist«, erwiderte Hinkebein ausweichend.

»Freunde? Seit wann hast du denn Freunde? Du hattest nie welche.«

Das hörte sich so an, als kannten sich die beiden schon länger.

»Im Knast läuft das nicht so wie draußen. Da bist du Gleicher unter Gleichen«, erklärte Hinkebein. »Da wirst du von den Mitgefangenen respektiert und nicht wie ein Stück Scheiße behandelt, weil du anders tickst, als die sogenannten anständigen Bürger. Da giltst du was, und Freundschaft hat noch einen Wert.«

»Gleicher unter Gleichen! Respekt! Mir kommen die Tränen. Als ich dich da drin besucht habe, warst du nicht so euphorisch. Da drinnen herrscht das Gesetz des Stärkeren, das waren damals deine Worte, erinnerst du dich? Also, was sind das für Typen, mit denen du das durchziehen willst?«

Hinkebein blieb ausweichend: »Du wirst sie kennenlernen, falls du mitmachst. Na los, was ist jetzt?«

»Nein, Simon. Ich mache das nicht«, entgegnete der Fremde energisch. Dann nahm seine Stimme einen flehenden Unterton an: »Versteh das doch! Ich habe einen guten Job, ich verdiene ganz ordentlich. Warum soll ich das alles aufs Spiel setzen? Es ist schon schlimm genug, dass ich von eurer Aktion etwas weiß. Wenn es schiefgeht, steht die Polizei sicher eines Tages vor meiner Tür und fragt mich aus. Das will ich nicht.«

»Nein, das willst du natürlich nicht!«, bellte Hinkebein. »Du willst sauber bleiben, dir nicht die Hände dreckig machen! Mein Gott, was bist du doch für ein verlogener Scheißkerl! Was ist denn mit deinen kleinen Wein-Geschäften, hä? Die sind auch nicht ganz legal, oder täusche ich mich da?«

Der Mann draußen an der Wand wurde unruhig. Die Diskussion nahm an Schärfe zu, was seine Spannung und Neugier weiter steigerte. Er war versucht, noch ein Stück dichter an das Fenster heranzuschleichen, vielleicht sogar einen Blick durch den Spalt zu werfen, den das Rollo ließ. Gleichzeitig mahnte er sich zur Vorsicht. Ein unbedachter Schritt, und einer der beiden da drinnen würde ihn bemerken. Gar nicht gut in der sich aufheizenden Atmosphäre!

»Woher weißt du das mit dem Wein?« Der Fremde war tief erschrocken. Das konnte der Lauscher an seiner Stimme erkennen.

Hinkebein lachte auf. Kalt und hämisch. »Man hat halt so seine Verbindungen. Du siehst, mit deiner Saubermannfassade kannst du bei mir nicht landen.« Einlenkend fügte er hinzu: »Sei ganz beruhigt, ich bin der Einzige, der das von meinem Kontakt erfahren hat, er wird niemandem sonst davon erzählen. Und ich … na ja, ich werde natürlich auch schweigen, Kleiner. Ehrensache. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dich in die Pfanne zu hauen.«

Plötzlich entstand drinnen eine Pause. Kein Wort wurde mehr gesprochen, aber die Stimmung blieb aufgeladen. Der Mann am Fenster spürte die knisternde Spannung auf seiner Haut. Ein Frösteln überzog seinen Körper trotz der lauen Nacht. Er wäre am liebsten ein paar Schritte gegangen, hätte sich gern die Arme gerieben. Doch er konnte nicht. Noch nicht!

Dann wurde nach einer halben Ewigkeit wieder geredet: »Pass auf, Kleiner, ich mache dir einen Vorschlag«, sagte Hinkebein. »Eine Woche hast du Zeit, dir unser Angebot zu überlegen. Danach will ich eine Entscheidung von dir. So blöd kannst du nicht sein, dass man dir das ganz große Geld für einen ungefährlichen technischen Hilfsdienst anbietet und du sagst Nein. Wenn die Sache gelaufen ist, brauchst du keinen Wein mehr verhökern. Weder legal, noch illegal. Denk darüber nach. Vielleicht schaffst du es ja, der Welt weiszumachen, dass du ein anständiger Kerl mit weißer Weste bist. Bei mir gelingt dir das nicht. Du stehst doch selbst mit einem Bein in der Scheiße, nur mit dem Unterschied, dass bei deinem Kleinkram herzlich wenig herausspringt, bei vergleichbar hohem Risiko. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Geschäfte unbemerkt bleiben. Irgendwann kommt dir mal jemand drauf. Und der ist dann nicht so verschwiegen wie mein Informant.«

»Willst du mir drohen?«, fragte der Fremde aufgebracht und verfiel dabei wieder in diesen durchdringenden, gar nicht erwachsen klingenden Ton.

»Dir drohen? Hör zu, Kleiner, ich würde dir nie drohen. Es ist nur ein gut gemeinter Rat. Mehr nicht. Ich will nur dein Bestes, das musst du wissen. Also überlege gut, was du tun wirst.«

Hinkebein, du bist echt eine miese Ratte!, dachte der Lauscher am Fenster. Keine Drohung? Dass ich nicht lache! Wenn der Kleine nicht ganz blöd ist, dann weiß er, was die Stunde geschlagen hat. Umso erstaunter war er, als er dessen heftige Reaktion hörte.

»Meine Antwort kannst du sofort haben, Simon. Sie lautet Nein! Das ist mein letztes Wort. Und du solltest ebenfalls die Finger von der Sache lassen.«

»Na schön. Wie du willst. Damit ist wohl alles gesagt, und du gehst jetzt besser.«

Hinkebeins Aufforderung an den Fremden, das Haus zu verlassen, war auch für den Mann am Fenster das Signal, so schnell wie möglich abzuhauen. Er löste sich von der Wand und huschte leise wie eine Katze wieder nach hinten zum Scheunentor. Dort angekommen, verharrte er tief atmend einen Augenblick, dann zwängte er sich erneut durch die Holunderbüsche und lugte noch einmal um die Ecke. Genau in dem Moment stürmte der Fremde heraus und schlug krachend die Tür zu. Er schwang sich in sein Auto, setzte mit durchdrehenden Reifen zurück und raste kurz darauf die Straße hinunter.

Der Mann sah den Rücklichtern nach, bis sie hinter der ersten Kurve verschwanden. Noch einige Sekunden starrte er ins Dunkel, warf dann einen schnellen Blick zur Haustür. Er konnte Hinkebein nirgends ausmachen. Vermutlich war der in seiner Wohnung geblieben. Er seufzte und wandte sich dem Tor zu. Die Nacht war zu kurz, um länger herumzutrödeln. Höchste Zeit, die Ware endlich in das neue Versteck zu schaffen. Weit genug weg von diesem unsicheren Ort. Bis es hell wurde, musste alles erledigt sein. Nach dem, was er jetzt über diesen Simon wusste, war es sicherer, um das Haus und seinen Bewohner in Zukunft einen großen Bogen zu machen. Hier würde noch einiges passieren. Das sagte ihm sein untrügliches Gespür für Gefahr. Und da war es besser, nicht in der Nähe zu sein.

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