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Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Staat seine Bürger systematisch in die Sucht führt? Jonas Reifenberg legt mit "Der Staat als Dealer" ein beunruhigendes, tiefgründiges Werk vor, das diese Frage kompromisslos stellt. In zwölf eindringlichen Geschichten zeichnet der Autor den langen, zermürbenden Weg von Menschen nach, die gegen ein System kämpfen, das sie erst krank gemacht und dann im Stich gelassen hat. Im Zentrum steht Paul Brenner, ein Mann mit sechzehn Vorstrafen und einer Lebensgeschichte, die exemplarisch für Tausende steht. Mit dreizehn Jahren bekommt er sein erstes Bier vom Vater gereicht – ein gesellschaftlich akzeptiertes Ritual in einem Land, das Alkohol bagatellisiert, bewirbt und besteuert. Jahrzehnte später sitzt er im heruntergekommenen Büro eines überlasteten Pflichtverteidigers und verfolgt eine Mission, die aussichtslos erscheint: Er will den Staat verklagen. Nicht wegen seiner Verurteilungen, sondern wegen eines gesundheitspolitischen Versagens, das System hat. Reifenberg verbindet dokumentarische Präzision mit literarischer Kraft. Seine Protagonisten sind keine Opfer ohne Handlungsmacht, sondern Menschen, die Verantwortung differenziert betrachten: die eigene und die des Systems. Der Autor beleuchtet die Mechanismen einer Gesellschaft, die Suchtmittel legalisiert, kommerzialisiert und normalisiert, während sie Süchtige stigmatisiert und kriminalisiert. Mit kühler Sachlichkeit und eindringlicher Sprache führt er durch Behörden, Gerichtssäle und Entzugskliniken – Orte, an denen Schuld verhandelt wird, aber selten Gerechtigkeit entsteht. "Der Staat als Dealer" ist mehr als eine Anklage. Es ist eine erschütternde Bestandsaufnahme über strukturelle Gewalt, individuelle Schuld und die Frage, wann aus Eigenverantwortung Ohnmacht wird. Ein Buch, das nachdenklich macht und nachhallt.
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Liczba stron: 239
Rok wydania: 2026
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