Bora - Ruth Cerha - ebook

Bora ebook

Ruth Cerha

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Opis

Es weht die Bora auf der kleinen kroatischen Insel, der kalte böige Fallwind, der die Boote über das Meer treibt wie Nussschalen und Unruhe in das sonnensatte Inselleben bringt. Die Schriftstellerin Mara kennt das Wechselspiel der Winde, die trockene, salzige Bora und ihren Gegenpart, den schwülen, von Süden kommenden Jugo. Schon seit Jahren verbringt sie den Sommer auf der Insel, liebt den Geruch von Oleander und wildem Rosmarin und den Inseldialekt der Fischer, die im Hafen die schillernden Goldbrassen anpreisen. Doch dieser Sommer ist anders. Eine langjährige Beziehung ist in die Brüche gegangen und das Schreiben will ihr nicht mehr gelingen. Eines Morgens kommt Andrej auf die Insel - ein Fotograf, der nicht mehr fotografieren will. Er stammt aus einer der vielen Auswandererfamilien, die aus dem kommunistischen Jugoslawien nach Amerika flohen und Jahr für Jahr in den Sommermonaten in ihre alte Heimat zurückkehren. Mara und Andrej beginnen sich zu umkreisen, so als folgten sie dem Rhythmus der Winde, zart und zerrend, rau und rastlos. Als Mara beginnt, tief in die Geschichte von Andrejs Familie vorzudringen, die von Entwurzelung und der Vermischung von Kulturen erzählt und untrennbar mit der Geschichte der Insel verknüpft ist, wird eine Entscheidung unumgänglich. In hochaufgelösten Bildern erzählt Ruth Cerha von der Begegnung zweier Suchender, für die sich unerwartet die Möglichkeit einer großen Liebe auftut. Bora. Eine Geschichte vom Wind ist ein Roman von ungezähmter Schönheit, der mit viel Feingefühl um das Wagnis wirklicher Nähe und die Bedeutung einer inneren Heimat kreist.

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Liczba stron: 319

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Schon seit Jahren zieht es die Schriftstellerin Mara auf die kleine kroatische Insel, deren Geruch nach Sonne, Meer, Salz und Rosmarin sie ebenso liebt wie das launische Wechselspiel der Winde. Doch dieser Sommer ist anders: Stürmischer als sonst weht die Bora und auch Maras Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten. Eines Morgens kommt Andrej auf die Insel, ein Fotograf ohne festen Wohnsitz, der rastlos durch die Welt reist. Seine Eltern sind wie so viele Bewohner der Insel in den 60er-Jahren vor dem Tito-Regime geflüchtet und nach Hoboken, New Jersey, ausgewandert. Mara und Andrej beginnen, sich zu umkreisen, kommen sich näher, doch als Mara immer tiefer in die Geschichte von Andrejs Familie vordringt, die von Entwurzelung und der Sehnsucht nach dem Ankommen erzählt, müssen beide eine Entscheidung treffen.

In hochaufgelösten Bildern erzählt Ruth Cerha von der Begegnung zweier Suchender, für die sich unerwartet die Möglichkeit einer großen Liebe auftut. Bora. Eine Geschichte vom Wind ist ein Roman von ungezähmter Schönheit, der mit viel Feingefühl um das Wagnis wirklicher Nähe und die Bedeutung einer inneren Heimat kreist.

Für M.

Ein Wind bin ichniste sanft in deinem Haarberühre zärtlichdein Gesicht.

Ein Wind bin ichziehe Wolken herbei um deinenDurst zu löschenund vertreibe siedamit die Sonne dich wärmt.

Ein Wind bin ichMeere verwandle ich inSturmflutenreiße Bäume mit den Wurzeln ausund Dächer von den Häusern.

Nach und nach werde ich stillziehe mich zurückbereue meine Wutund weine lautlos.

(Ilija Jovanović)

Inhalt

TEIL EINS

Kapitel 1 – Er kam mit dem Boot …

Kapitel 2 – Es wurde heißer …

Kapitel 3 – Die Bora, sagte Tereza …

Kapitel 4 – Tags darauf zog die Bora …

Kapitel 5 – Die Bora überraschte mich …

Kapitel 6 – Andrej wuchs in meinem …

TEIL ZWEI

Kapitel 7 – Ich musste nach Zagreb …

Kapitel 8 – Als ich zurück auf die Insel …

Kapitel 9 – Jemand brüllte Soundcheck …

Kapitel 10 – Im Vergleich zum Juli …

TEIL DREI

Kapitel 11 – Etwas braute sich zusammen …

Kapitel 12 – Die Bora setzte spät …

Kapitel 13 – Er kam, wie immer …

Kapitel 14 – Mir blieben noch …

Danksagung

TEIL EINS

1

Er kam mit dem Boot um halb acht. Dieses Boot benutzen nur Einheimische, die Touristen schlafen um diese Zeit noch. Nicht dass es auf der Insel für Touristen viel zu sehen gäbe, außer einem bemalten romanischen Kruzifix in der ursprünglich mittelalterlichen Kirche. Später am Tag gibt es eigene Ausflugsboote, dann sieht man kleine Prozessionen von Deutschen, Italienern, Spaniern, Franzosen auf der langen Steintreppe, die vom unteren ins obere Dorf hinaufführt. Sie schwitzen und sind froh, wenn sie in die dunkle Kühle der Kirche treten können. Dort stehen sie und blicken dem gekreuzigten Christus in die weit geöffneten Augen, lauschen der Legende, nach der das Kreuz vor langer Zeit an einem dritten Mai in der Pot-Tarnak-Bucht angeschwemmt wurde. Danach essen sie im falschen Lokal zu teure Pljeskavica, werden betrunken vom muskatigen, strohgelben Wein und verbringen den restlichen Nachmittag in jener mondsichelförmigen Bucht, die gerne von Seglern frequentiert wird, wo sie sich über die Laune der Natur wundern, die hier – entgegen den geologischen Verhältnissen auf den umliegenden Inseln – große Mengen Sand angehäuft hat. Gegen Abend, wenn die blitzblaue Hitze nachlässt und die Inselbewohner langsam wieder aus ihren Häusern kommen, sich bei Vlado auf ein Bier treffen oder im Emigrant’s Pub, von manchen scherzhaft Hemingway-Bar genannt, an die wackeligen kleinen Holztischchen zum Kartenspielen setzen, steigen sie wieder in ihr Boot und fahren davon. Von der Insel wissen sie nichts.

Um halb acht bin ich oft am Hafen, weil ich gerne Fisch esse, und um diese Zeit kommen die Fischer mit ihrem Morgenfang zurück. Sie stehen in ihren schwankenden Booten und bieten die noch zappelnden, silbrig glänzenden Goldbrassen und Sardinen und Meerbarben und Seebarsche und die glitschigen weißen Tintenfische in Kübeln an. Ich liebe den Geruch der rohen, frisch gefangenen Fische und die Gespräche, die ich mit den Fischern führe.

So klein heute, die Brassen?

Nicht klein, schön! Gute Brassen!

Ich brauche aber größere als diese hier.

Sind ein bisschen kleiner vielleicht, aber dafür ganz zart.

Aber ich bekomme Männer zu Besuch, große Männer!

Dann machst du mehr Kartoffeln.

Die Unterhaltung findet in meinem Kauderwelsch aus Kroatisch und Deutsch und dem Inseldialekt der Fischer statt, der wiederum eine Mischung aus Kroatisch, Italienisch und Deutsch mit ein paar seltsamen englischen Einsprengseln ist, im Grunde genommen eine eigene Sprache, die sich der wechselvollen Geschichte der Insel und ihrer verschiedenen Herren verdankt. Ich habe gehört, dass die Leute auf dem Festland Schwierigkeiten haben, diesen Dialekt zu verstehen. Für mich spielt das keine Rolle, mein Kroatisch ist sowieso miserabel, ohne Blicke und Gesten geht gar nichts. Wir einigen uns auf einen Preis, und ich gehe mit meinen Brassen hinüber zu Hasan, um meinen ersten Kaffee zu trinken und zu hören, was es Neues gibt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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