Wein oder nicht sein - Uwe Kauss - ebook

Wein oder nicht sein ebook

Uwe Kauss

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Opis

Der Weinsammler Kurt Gilser geht mit seinen Freunden, dem Weinhändler Sebastian Renz und dem bekannten Kritiker Paul Winterburg, in den Keller, um weltberühmte Bordeaux zu probieren. 35.000 Flaschen lagert Gilser in einem alten Luftschutzbunker unter dem großen Garten seines Hauses. Da schließt sich die alarmgesicherte Stahltür. Hinter den Stahlbetonwänden gibt es kein Handynetz, die verzweifelten Befreiungsversuche der drei scheitern. Eingesperrt hat sie der mittellose Rentner Martin Baumgärtner, der ein alter Bekannter von Kurt Gilser ist. Danach beginnt er seine Spätschicht beim Sicherheitsdienst, als sei nichts geschehen. Doch warum? Die drei Männer sind gefangen in der Kälte des Kellers mit ihrer Panik, ihrer Hoffnung, mit den besten Weinen der Welt - und einem Geheimnis. Ein intelligent verwobener, fesselnd erzählter Roman über Obsession und Wein, Schuld und Schulden, Männer und Freundschaft sowie den feinen Unterschied in unserer Gesellschaft.

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Zum Autor

Uwe Kauss, geboren 1964, wuchs in Frankfurt am Main auf. Er absolvierte dort ein Studium der Germanistik (M.A.) und arbeitet als Journalist, Autor und Lektor. Kauss war lange als Redakteur, Reporter und Chefredakteur tätig und veröffentlichte Beiträge in der Frankfurter Rundschau, im Spiegel, dem Handelsblatt, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dem Computermagazin Chip sowie in Online- und Fachpublikationen. Seit vielen Jahren schreibt er Reportagen und Porträts zum Thema Wein, zudem hat er über ein dutzend Sachbücher für Kinder und Erwachsene publiziert. Uwe Kauss lebt in Offenbach und ist verheiratet.

Uwe KaussWein oder nicht seinRoman

TitelgestaltungManfred NachtigalTitelfotoRalf Braum, Frankfurt

© CoCon-VerlagIn den Türkischen Gärten 13, 63450 HanauTel 06181 17700, Fax 06181 181333E-Mail: [email protected] 978-3-86314-268-1Hanau 2014

Uwe Kauss

WEIN

oder nichtsein

Roman

Inhalt

Der erste Tag

Der zweite Tag

Der dritte Tag

Der vierte Tag

Der fünfte Tag

Der sechste Tag

Der siebte Tag

Glossar

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig.

Der erste Tag

Kurt drehte die leere Bordeauxflasche in der Hand. Seine Augen folgten dem Etikett, wie es verschwand, wieder erschien und verschwand. Die Standuhr in der Ecke schlug dreimal. Er sah auf seine Armbanduhr. Viertel vor fünf. Kurt stellte die leere Flasche auf den Couchtisch aus Rauchglas und goss sich einen Schluck Rotwein aus der Dekantierkaraffe ins bauchige Glas. Einen Moment lang beobachtete er die Bläschen, die auf der Oberfläche tanzten und verschwanden. Kurt ließ den dunkelroten Wein kreiseln, senkte seine Nase hinein, inhalierte die Aromen und kostete einen Schluck. Er ließ ihn am Gaumen hin- und herfließen und betrachtete wieder die Flasche mit dem roten Schriftzug und der fast komischen Figur des bärtigen Jesusjüngers. Seine Augen verengten sich, er goss den Inhalt des Glases zurück in die Karaffe und blickte auf die Bücherwand, in der die Weinführer aus den vergangenen Jahrzehnten aufgereiht waren. Dieser Pétrus 1990 galt als Legende, als Mythos, Tausende Euro teuer. Er schmeckte ganz gut. Aber nicht mehr. Ein bisschen langweilig. Wie vor fünf Jahren schon. Aus der Küche war das Rauschen eines Wasserhahns zu hören, Geschirr klapperte. Noch einmal kostete Kurt, schluckte den Wein aber hinunter, ohne sich weiter mit ihm zu beschäftigen.

„So geht das doch nicht!“

Mit den Fingernägeln zerzauste er seinen kerzengeraden, grauen Scheitel. Wieder klapperte Geschirr.

„Wie soll ich mich da konzentrieren? Verdammt, diese Unruhe!“

Er schob das Glas über den Tisch, blickte zu den Büchern und zur Flasche, sah wieder nach hinten zur Standuhr und verglich die Position der matten Zeiger mit seiner Armbanduhr. Sie stimmten überein. Kurt zog aus dem Bücherregal ein dickes, gebundenes Schreibheft, auf dem vorne „Verkostungsnotizen 2006“ stand, und ließ sich damit in den braunen, rissigen Ledersessel fallen. Zum ersten Mal seit langer Zeit blätterte er wieder in dem Heft, in dem er akribisch seine Eindrücke zu sämtlichen Weinen in diesem Jahr notiert hatte. Er hatte viele getrunken und gekostet. Kurt setzte seine Lesebrille auf, überflog Seite um Seite und fand die Notiz, die er zu diesem Pétrus aufgeschrieben hatte. „Viel Blaubeeren, Zwetschgen, etwas Tomate, intensive Holznoten. Kein großer Wein! Langweilig, banal, plump!!“ Er hackte mit dem Zeigefinger auf die Ausrufezeichen. „Das würde ich jetzt wieder so schreiben. Die Legende ist nur ein schlichtes, einfaches Weinchen. Man lernt nie aus.“

Vielleicht hatte die Flasche einen Fehler. Um sicherzugehen, müsste er noch eine aufmachen. Zu teuer, beschloss er, das geht doch nicht. Er knöpfte seine Strickjacke auf, wuchtete sich aus dem Sessel und blickte durchs Fenster ins neblige Grau. Die Obstbäume im Garten waren dick mit Eis eingepackt, obwohl es schon März war.

Kurt trug die Karaffe, das Glas und die Flasche zum Buffet. Er ging am Esstisch vorbei, auf dessen gebügelter Leinentischdecke vier weitere Karaffen voll Rotwein und daneben Pétrus-Flaschen standen, bog ab in den Flur, griff nach dem messingfarbenen Geländer und stieg die Treppe nach oben ins Ankleidezimmer, vorbei an Landschaftsfotos mit Reben und Weinbergen, die er auf seinen Reisen mit Irene aufgenommen hatte. Schnell zog sich Kurt ein frisches Hemd und ein braunes Sakko über, das ihn seit vielen Jahren begleitete. Aus dem Bad polterte es, als im Wohnzimmer die Uhr schlug. Er hörte nicht hin. Krawatte? Doch nicht für Bordeaux 1993.

In seinem Kalender, der auf dem Tischchen im Schlafzimmer vor seinem Bett stand, las er „Pétrus!“ und darunter, in roter Schrift, den Termin zur Verkostung von „feinem Bordeaux für wenig Geld“ aus dem Jahrgang 1993. Eingeladen hatte ihn die Weinhandlung Sterneck im noblen Frankfurter Westend, zu deren Stammkunden er zählte. Dem gedruckten Brief war ein handgeschriebener Gruß des Inhabers an den „lieben Kurt“ beigefügt gewesen. Beides lag griffbereit neben dem Kalender. Der Wein dieses unbedeutenden Jahrgangs interessierte ihn nicht im Geringsten, er wollte nur einen Abend mit seinen Freunden Paul Winterburg und Sebastian Renz verbringen. Die Gäste von Sternecks monatlichen Verkostungen bewunderten ihn als Experten, man fragte ihn um Rat und schätzte sein Urteil. Das ertrug er leichter, als wieder alleine mit einer Flasche Wein im Sessel zu sitzen – auch wenn es der Pétrus 1990 in der Karaffe wäre, der ihm nicht mehr aus dem Kopf ging.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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