Protektor - Andre Wiesler - ebook

Protektor ebook

André Wiesler

0,0

Opis

Protektor - Monsterjäger mit Sockenschuss Die meisten Leute würden Klaus Holger wohl als Totalversager beschreiben. Seit er versehentlich Teile seiner illegalen Pornofilmsammlung an alle Empfänger des Firmennewsletters verschickt hat, ist er Langzeitarbeitsloser und hat wenig Antrieb. Doch sein Leben wird schlagartig spannender, als ihm Veronique begegnet, eine mysteriöse Schönheit. Danach sieht er seltsame Dinge und scheint mystische Kräfte zu besitzen. Denn sie hat ihn zum Protektor von Deutschland gemacht. Klaus muss erkennen: Das Böse ist real, es gibt Monster, Dämonen und Vampire (die NICHT glitzern!) - und er soll sie bekämpfen. Dass er dabei von einer Kuh begleitet wird, macht die Sache nicht eben leichter. Protektor mit Sockenschuss ist eine Mysterygeschichte voller Witz, frechem Humor und Spannung, mit der André Wiesler den Beweis antreten möchte: Mystery geht auch in lustig!

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Über den Autor:

André Wiesler ist ein Mann vieler Talente. Er schreibt phantastische Romane wie diesen hier, steht als Lese-Komiker auf der Bühne, lehrt das Handwerk des Schreibens, arbeitet als Projektmanager und Spieleerfinder und ist nicht zuletzt glücklich verheiratet und Vater eines Sohnes.

Mehr Informationen zu ihm

findet man auf www.andrewiesler.de

Ein lustiger Mysteryroman von André Wiesler

Besuchen Sie uns im Internet

www.verlag-torsten-low.de

© 2016 by André Wiesler

Erschienen in der Edition Schwarm

(Verlag Torsten Low, Rössle-Ring 22, 86405 Meitingen/Erlingen)

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Autors wiedergegeben werden.

Umschlaggestaltung: Thomas Michalski, Janina Wiesler

Lektorat und Korrektorat: Saskia Schulte, Janina Wiesler

Protektorlogo: Volker Konrad

Satz: Thomas Michalski

Druck und Verarbeitung:

CPI books GmbH,

Birkstraße 10,

25917 Leck

ISBN der EBookausgabe (EPUB): 978-3-940036-82-7

Widmung

Für Volker Imhoff, der Großzügigkeit und Eitelkeit in einer liebenswerten Melange vereint!

Danksagung

Ich bedanke mich herzlich bei allen Unterstützern, die dieses Buch möglich gemacht haben (sortiert nach ihren Vornamen)!

Aimée Ziegler

Alexander Borchers

Alexander Gudenau

Alexander Weise

Andre Geist

Andre Skora

Andreas G. Schramm

Andreas Haubrichs

Anja Bagus

Anja Eble

Anja Schünemann

Anke Udelhoven

Anne Wilming

Annelie Brux

Bastian Werner

Beate Senft

Benjamin Spang

Biggi Hirtz–Breitmar

Björn Weber

Boris Bernhard

Carsten Thurau

Christian Lange

Christian Vogt

Christoph Böhler

Christopher Hanke

Clemens Jaeckel

Cornelia Ulrich

Daniela Forni

Dirk Busa

Dirk Pullem

Dominic Hladek

Elina Lydia Müller

Frank Holldorff

Gabi Cervenka

Gerhard Fertl

Hendrik Höfs

Hermann Ritter

Holger Christiansen

Hubert Plattfaut

Ines Zimzinski

Inga Fernandez

Inge Thriene

Jan Kraeft

Jan Seemann

Jan–Henry Klawun

Janina Robben

Jan–Tobias Kitzel

Jen Adam

Jens Große–Brauckmann

Jens Schönheim

Johannes von Vacano

Jöarch´s Bücherregal

Jörg Häusler

Jörg Hoss

Katharina Rohlfing

Katja Kölkebeck

Juri Bender

Maik Teufer

Manuel Vögele

Marco See

Mark Kruse

Markus Sudbrock

Martin Wagner

Mathias Blühdorn

Matthias Vogel

Mia Steingräber

Michael Bisanz

Michael Braun

Michael Heide

Michael Taheri

Michael Wilming

Moritz Mehlem

Niklas Kramer

Oliver Stadler

Patrick Jedamzik

Patrick Mozer

Patrick Postorino

Philipp Lohmann

Philipp Specht

Ralf Sandfuchs

Rebecca Pähler

Regine Lukosch

Sandra Baumgärtner

Sandra Stünkel

Sascha König

Sebastian Sterz

Silke Winkelsträter

Simon Albrecht

Sören van Heek

Stefan Cernohuby

Stefan Günster

Stefan Herzmann

Stefan Holzhauer

Stefan Joss

Stefan Metzig

Stefan Rau

Stefan Rosengarten

Stefan Schweikert

Steffen Dähne

Sven Böttcher

Sven Flottmann

Sylvia Schlüter

Tanja Coen

Tecno Smurf

Thomas Bender

Thomas Blees

Thomas Braun

Thomas Markwart

Thomas Renner

Tobias Apfelbaum

Tobias Dröst

Tobias Eilers

Tom Gudella

Tom Höfle

Ulrich Strempel

Viola Plötz

Volker Konrad

Besonderen Dank an meine Protektoren in Ausbildung:

Elisabeth Engelhardt, Markus Plötz und Volker Imhoff

Zudem bedanke ich mich bei:

Jan Coenen und Christofer Rott für ihre Unterstützung in Sachen toter Sprachen; Philipp Stapff für IT–Nerdhilfe; meiner Frau Janina und meinem Sohn Lorenz, die »Ich will noch Protektor schreiben« als Trumpf für so ziemlich alles andere akzeptiert haben und mich großartig unterstützen; Johannes von Vacano für seine sprachliche Goldwaage, die im Nanogrammbereich arbeitet; die Mädels von der Schreibgruppe (Inga Fernandez–Lopez, Sonja Beck, Jasmin Kischk, Kerstin Zegay, Sandra Stünkel), Michelle Weniger, die Fachfrau für Vampire und anderes Übernatürliches und Aimée M. Ziegler, mit der ich das große Nerdtum teile.

Vorwort des Autors

Manche Bücher sind wie der Genuss eines guten Weines. Völlig überbewertet, viel zu teuer und eine Verschwendung von wertvoller Lebenszeit. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch anders ist. Eher sowas wie eine gute Currywurst (zur Not auch vegetarisch), Pommes, Schranke. Nehmen, genießen und das vage schlechte Gewissen zusammen mit den Ketchup– und Majo–Resten wegwischen.

Es hat lange gedauert, bis es vom ersten Entwurf zu diesem fertigen Prachtstück geworden ist, das Du jetzt in den Händen hältst. Es hat die bittere Ablehnung deutscher Publikumsverlage erlebt, die der Meinung waren, lustige Mystery könne nicht funktionieren.

Es hat das gnadenlose Anbiedern seines Autors bei wildfremden Leuten mit ansehen müssen, während ich mittels Crowdfunding das Geld für eine erste Auflage zusammenbettelte wie ein zu dick geratener Wandermönch.

Dann wurde es Stunde um Stunde erst ins Leben getippt und dann von kundigen Händen (vielen Dank an meine Frau Janina und meine Lektorin Saskia Schulte) so lange bearbeitet, bis es formschön dalag.

Und jetzt ist es gedruckt beziehungsweise in digitale Form gestanzt und fertig und ich schäme mich nicht, einzugestehen, dass eine einzelne Freudenträne meine Wange hinunterlief, während ich »Ende« unter den ersten Entwurf schrieb.

Sie wurde abgelöst von lauten Flüchen und mehreren Kilo Schokolade, als mir wieder einfiel, dass den ersten Entwurf eines Buches zu schreiben maximal die halbe Arbeit ist. Jetzt würde überarbeitet, korrigiert, umgeschrieben und gestrichen werden. Aber was tut man nicht alles dafür, ein Buch zu schaffen, das die deutsche Phantastikszene umkrempeln wird? Ich weiß es nicht, denn der Protektor wird ganz sicher kein solches Buch sein. Soll er auch nicht – er soll ein Buch sein, das Dich unterhält, mit dem Du Dir die Zeit vor dem Einschlafen, eine doofe Zugfahrt oder Deine nächste Therapiesitzung beim Eheberater versüßt. Und wenn Du schmunzelst, freut sich ein Engel, und wenn Du sogar laut lachst, dann hat der Teufel einen Orgasmus.

Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Buches. Wenn es Dir gefällt, lass es mich wissen, unter [email protected], auf meiner Facebook–Seite oder auf Twitter unter @Andre_Wiesler.

Wenn es Dir nicht gefällt, dann schreib Deine Meinung auf einen Zettel, steck ihn in eine Flasche und wirf ihn in einen Fluss. Wenn die Musen der Literatur Deine Meinung für wichtig genug halten, wird Deine Kritik mich erreichen.

Es gilt vielen Leuten dafür zu danken, dass es dieses Buch gibt. Zuallererst natürlich mal mir, wer hat den Kram denn schließlich geschrieben? Also, ich warte kurz, während Du mir dankst. Und dann verweise ich Dich auf die Leute, die irgendwo über diesem Vorwort stehen. Sie sind es, die mir im alltäglichen Kampf mit der Tastatur den Rücken freigehalten haben und die mir Vorschussvertrauen in Form von Crowdfunding–Unterstützungen gezollt haben. Vielen Dank an sie alle und natürlich an Dich, der oder die Du dieses Buch gekauft hast! Ohne sie und euch alle wäre dieses Buch voller leerer Seiten oder mein feuchter Traum geblieben!

Jetzt aber auf in die Welt von Klaus Holger, dem Monsterjäger mit Sockenschuss.

Dein André

P.S.: Es gibt auch ein Hörbuch zu diesem Buch.

P.P.S.: Man kann mich mit Lesungen und Comedy–Auftritten buchen: www.andrewiesler.de

P.P.P.S: Wenn Du dieses Buch hier raubkopiert hast, möge Dir das schlechte Gewissen Koliken und Aussatz bescheren. Aber ich biete Dir einen Ablasshandel an: Kauf das Buch, schenke es einem Freund, und wir sind quitt.

Ein humorvoller Mystery–Roman

Erstes Kapitel: Alte Freunde

(Knöpfe & Newsletter)

Es war Samstagabend und ich saß in meinem Fernsehsessel. Auf der Mattscheibe überboten sich dicke alte Frauen darin, die Vorteile von Stützunterwäsche anzupreisen, und tatsächlich ... vorher hatten sie einen dicken Bauch und danach hatten sie zwei dicke Bäuche, weil die eine Hälfte über der hornhautumbrafarbenen Strumpfhose herausquoll und die andere als kompaktes Paket bis auf die Oberschenkel gepresst wurde. Der Schauder des Ekels, der mich daraufhin erfasste, dauerte mehrere Sekunden.

Dass ich mir das überhaupt ansah, war purer Faulheit geschuldet. Die Batterie in meiner Fernbedienung war, während ich im Eiltempo durch die Programme zappte, ausgerechnet in dem Moment ausgefallen, als ich bei einem der unzähligen Verkaufssender landete.

Das Erschreckend–Anziehende hatte mich gepackt, wie bei einem Verkehrsunfall, bei dem man die Augen einfach nicht von der Blutwurst nehmen kann, die mal ein Porschefahrer war, oder bei den zwei sich paarenden Schnecken in diesem komischen französischen Insektenfilm.

Die übertriebene Begeisterung der Verkäuferin war zudem das Höchstmaß an Lebensfreude, das in diesen Tagen meine trübe Kammer erhellte. Seufzend lehnte ich mich über den Rand des Sessels, um das Notebook vom Boden zu klauben. Es stand, fast wie in einer modernen Installation, auf dem schmutzigen Teppich, zwischen leeren Bierdosen, eingetrockneten Single–Mahlzeiten und unkaputtbaren Cola–Light–Flaschen – ja, ich achte auf meine Linie. Ich trug übrigens ein weißes ... ehemals weißes T–Shirt und kein Feinrippunterhemd, aber trotz dieses kläglichen Versuchs, das Klischee zu durchbrechen, war es wohl nicht zu verhehlen: Ich war Langzeitarbeitsloser. Seit dem heutigen Mittag. Will sagen: Heute war der Schrieb vom Arbeitsamt eingetroffen. Entschuldigung, seit Neuestem nennt sich dieser Verein von Arbeitsverhinderern ja Agentur ... wollen wohl klingen wie die CIA, sind dabei aber so cool wie französische Barock–Lyrik. In dem Schreiben wurde mir jedenfalls mitgeteilt, dass ich ab dem nächsten Monat kein Arbeitslosengeld mehr, sondern Hartz IV beziehen würde.

Als wäre es Schicksal, hatte heute auch meine vor drei Monaten abgeschickte, letzte Bewerbung wieder im Briefkasten gesteckt, mit einem schicken Formbrief, bei dem unten der Pfad der Dokumentvorlage mit eingedruckt gewesen war: C:\Vorlagen\Bewerbungen\Absagen\Deppen_und_hoffnungslose Fälle.doc

Ich hoffte, ich zählte als einer der hoffnungslosen Fälle. Wenn sie mich angestellt hätten, wäre ihnen so ein Fauxpas übrigens nicht passiert, denn ich war IT–Fachmann und Programmierer. Oder, wie meine Mutter immer sagte: »So ein Computerhansel.« Sie sagte es nicht ohne Stolz und mit der Bewunderung der Unwissenden, aber es schwang auch immer das Bedauern mit, dass ich den Kurzwarenladen der Familie nicht hatte weiterführen wollen, als mein Vater in Rente ging. Ich dachte an den alten Kauz zurück.

Es ist 1994. Ich bin gerade sechzehn geworden und seit vier Wochen keine Jungfrau mehr, was wohl als Highlight der vergangenen Jahre angesehen werden muss, auch wenn sie fast zehn Jahre älter und fünfzig Kilo schwerer war als ich.

Mein Vater wird der Knopfkönig genannt. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass er eine Märchengestalt wäre, auch wenn er aussieht wie eine Mischung aus dem bösen Wolf und dem Froschkönig. Er hat vielmehr im Großraum Köln–Düsseldorf–Wuppertal die umfangreichste Auswahl an Horn–, Plastik– und Metallknöpfen. Es ist ein langer Neujahrstag, an dem ich volltrunken direkt von der Silvesterparty in den Laden komme, um an der Inventur teilzunehmen. Kaum bin ich drin und halte mich an der Vitrine mit den alten Schmuck– und Elfenbeinknöpfen fest, kommt mein Vater auch schon auf mich zugestapft. Er hat ein Klemmbrett vor sich, schaut darauf und sieht dann mit kaum verhohlener Vorfreude zu mir auf. Seine Oberlippe zuckt dabei, was wegen seiner großen Schneidezähne an einen Hasen beim Orgasmus erinnert.

»Klaus«, spricht er mich an. »Zähl du mich mal die Platt– und Schlupfknöpfe, Messing und Kupfer.« Ich habe es längst aufgegeben, seine Horror–Grammatik zu korrigieren, beiße die Zähne zusammen und wappne mich, denn ich weiß, was jetzt kommt.

»Und dann kannste dich die eckigen Knöpfe vornehmen.«

Diesen Scherz macht mein Vater mit der Regelmäßigkeit einer Steuerprüfung und der Verlässlichkeit einer Zugverspätung jedes Jahr wieder. Es gibt im ganzen Laden keinen einzigen eckigen Knopf – die verkauft mein Vater aus Überzeugung nicht. Ich könnte an dieser Stelle über die Physik der Knopfform ins Detail gehen, wurde sie mir doch immerhin mit der Muttermilch eingetrichtert (oder eher Vatermilch, aber das klingt irgendwie anstößig), doch das erspare ich mir.

Er starrt mich Beifall heischend an und ich sage, einen Würgereiz unterdrückend: »Ha ... örg ... ha ...«

Jetzt platzt es aus meinem Vater heraus, er lacht schallend, klopft erst sich auf die Oberschenkel und dann mir auf die Schulter, was mich beinahe zu Boden schickt, denn elf Pils machen in meinen Innereien ein paar Jägermeister zu Gejagten.

Während mein Vater sich noch immer vor Lachen ausschüttet, schlurfe ich zum Knopfregal und fange an, die in unzählige kleine Kästchen einsortierten Knöpfe zu zählen.

Das Telefon klingelt, und mein Vater verschwindet für eines seiner berüchtigten Beratungsgespräche in das Hinterzimmer, während ich bei den Messingschellen, Größe 1 (für Karneval etc. usw. o. Ä.) angekommen bin. Die kleinen, glänzenden Dinger sehen lustig aus und ich wette mit mir selbst, wie viele ich davon herunterschlucken kann, bevor mein Vater wieder auftaucht. Ich schaffe 34, was jedoch nur daran liegt, dass wir nicht mehr auf Lager haben, so viel Stolz sei erlaubt.

Dann kommt mein Vater endlich wieder zum Vorschein. Er schüttelt den Kopf und sagt: »Das war sich die alte Schamutzke ... wollte wissen, ob ich’n Radioknopf für sie haben tu.«

Das nun reißt mich, bierselig wie ich bin, in einen schellenklingenden Lachanfall, der Verstärkung von einem Schluckauf bekommt. Wenige Augenblicke später knie ich vor der Kloschüssel und übergebe mich so musikalisch wie nie zuvor.

Unkaputtbare Mehrwegflaschen waren übrigens gar nicht unkaputtbar. Wenn man genug Langeweile, eine gesunde Missachtung für die eigene Gesundheit und eine Kochplatte hatte, auf die man verzichten konnte, bekam man sie kaputt. Oder wenn man kochendes Wasser hineinfüllte und sie in ein bereitstehendes Bad mit Eiswasser fallen ließ. Und auch ein Vorschlaghammer könnte ihnen sicher mit genug Fleiß den Garaus machen, aber den Beweis dafür bleibe ich bis auf Weiteres wegen meiner übertrieben lärmempfindlichen Nachbarn schuldig.

Ich legte mir das Notebook auf den Schoß und klappte es auf. Kurz ging mir durch den Kopf, ob der Elektrosmog direkt über meinen Kronjuwelen an meinem Problem schuld sein könnte, doch dann verwarf ich den Gedanken.

Sex mit sich selbst war immerhin besser als gar kein Sex. Aber gar kein Sex hatte auch seine Vorteile. Man hatte mehr Zeit für andere Sachen.

Mein Lachen übertönte sogar den Trockenorgasmus der geriatrischen Verkäuferin auf der Mattscheibe, die gerade verkündete, dass die Unterwäsche in Hautfarben und Rosé bereits ausverkauft sei.

Das Letzte, was ich brauchte, war mehr Zeit. Ich wusste ja ohnehin kaum, wie ich die Tage herumbringen sollte. Die gängigen Drogen wirkten bei mir nicht sonderlich gut: Das Fernsehen bot mir keine Ablenkung, besaufen konnte und wollte ich mich nicht ständig und seit meine Beinahegattin mich vor fast neun Monaten verlassen hatte (da sind wir wieder beim Thema Sex und Potenz) konnte ich mich nicht mal mehr streiten.

Dabei war ich so motiviert gewesen, nachdem ich rausgeflogen war. Ich hatte Hunderte von Bewerbungen verschickt, hatte mir vorgenommen, all die Bücher endlich mal zu lesen, die sich in drei Säulen neben meinem Bett stapelten (und die mittlerweile zur Standfläche meiner »Minibar« geworden waren). Ich wollte eine weitere Fremdsprache lernen, Yoga, Töpfern oder irgendwelche anderen VHS–Kurse belegen. Aber als die ersten paar Dutzend Absagen eingetrudelt waren, die drei Monate Bezugssperre wegen »eigenverschuldeter Kündigung« meine Ersparnisse aufgezehrt hatten und Estephania (oben erwähnte Verlobte) mir das Herz herausgerissen und darauf gespuckt hatte, war der Elan recht schnell verloren gegangen.

Das Notebook brauchte lang, um einen aktiven W–LAN–Zugang zu finden. Meine Nachbarn hatten die unangenehme Eigenschaft, ihre W–LAN–Router immer auszuschalten, wenn sie nicht selbst online waren. Es war nachgerade ein Wunder, dass sie nicht auch die gesetzlich verordneten Energiesparlampen herausdrehten, wenn sie die Zimmer verließen. In meiner Lampe strahlten noch immer drei protzerische 100–Watt–Birnen mit der Sonne um die Wette. Das sparte ja auf der anderen Seite wiederum erhebliche Heizkosten.

Zum Glück wohnte unter mir ein Student, der den ganzen Tag illegal Filme in HD saugte und so seine Leitung dicht machte, dafür aber dann die ganze Nacht über World of Warcraft zockte, so dass ich ab neun meist einen zuverlässigen Anschluss besaß. Sicher war das illegal, aber was sollte ich machen? Die Telekom hatte mir den Zugang abgeklemmt, nachdem ich einen ihrer Techniker gebissen hatte (nein, dafür gibt es keine Rückblende, das ist mir heute noch peinlich), und ich traute mich nicht, einen neuen zu beantragen, weil er dann vielleicht Anzeige erstatten würde.

Während das Notebook endlich ein Netz fand und sich einloggte, nahm ich die zurückgeschickte Bewerbung noch einmal zur Hand. Sie war in der Mitte geknickt und an einer Ecke angestoßen, weil der Briefträger die Wut über seinen miesen Job und das schlechte Wetter immer an meiner Post ausließ. Vielleicht hätte ich auf seine Weihnachtsgrüße nicht antworten sollen: »Wollen Sie jetzt ein Trinkgeld? Bei der Menge an Post, die ich kriege, sollten Sie lieber mir eines geben, immerhin bezahlt mein Porto Ihr Gehalt.«

Der Knick verlief genau durch das Foto, das ich extra für die Bewerbungen hatte machen lassen, und der Mann darauf war nicht mehr der, den ich morgens im Spiegel sah. Zum einen war er rasiert und hatte kurzes, schwarzes Haar, das durch einen selbst eingefügten Photoshop–Effekt leicht schimmerte. Das Gesicht zierte ein selbstsicheres Lächeln, bei dem sich keine von Bier und Fastfood aufgeschwemmten Wangen nach außen wölbten (kaschiert nur vom struppigen Bart), und das dunkle Jackett, das weiße Hemd und die schmale Krawatte ließen ihn souverän und zuverlässig wirken. Ich blickte an meinem T–Shirt hinab und zählte Flecken von elf verschiedenen Mahlzeiten darauf. Vielleicht sollte ich es mal wechseln.

Warum hatte dieser smarte Kerl auf dem Bild bloß keinen Job bekommen? Ich blätterte weiter und das Arbeitszeugnis meiner letzten Arbeitsstelle kam mir mit einem Vertigoeffekt entgegen, als stünde Hitchcock hinter der Gardine und riebe sich die Hände.

Es war, gelinde gesagt, miserabel, und dabei noch das Beste, was meine Anwältin hatte herausholen können. Dabei bin ich, das möchte ich vorausschicken, wirklich gut in meinem Job. So gut, dass mich die Arbeit bei Jongemann und Söhne, Damenhygiene Import und Export International einfach nicht mehr als drei Stunden am Tag beschäftigt hatte. Da hatte ich eben angefangen, mich anderweitig auszulasten. Es war vermutlich tatsächlich nicht das Schlauste gewesen, meine illegalen Downloads und meine Pornosammlung auf dem Firmenserver abzulegen. Oder über den Firmenanschluss mit meinem alten Schulkollegen Hannes in Südafrika zu telefonieren. Aber das waren andere Zeiten, damals.

Heute ist wieder ein besonders öder Tag, also lade ich eine Menge Krempel auf den Firmenserver hoch, während ich mit Hannes telefoniere, der mir die Vorzüge südafrikanischen Obstes schildert. Wenigstens hoffe ich, dass er von Obst spricht.

Die Uploads sind abgeschlossen und ich packe gerade die neuesten Downloadlinks in eine Rundmail, als mich die Gerhardt per Skype annervt. Ein kleines Textfenster erscheint mit dem Geräusch einer geöffneten Flensburgerflasche auf meinem Bildschirm und verkündet: »Lieber Klaus, es wäre supi, wenn du den Newsletter HEUTE noch rauschicken könntest. Kussi, Rita.«

Allein für dieses Supi sollte ich ihre Festplatte mal formatieren, aber bevor sie mich auch morgen noch damit nervt, schalte ich rasch um, programmiere den Newsletter zu Ende. Dabei höre ich Hannes weiter dabei zu, wie er von »prallen, süßen Melonen« und »geilen, knackigen Äpfeln« spricht. Langsam werde ich misstrauisch ...

Eigentlich will die Gerhardt den Newsletter noch mal gegenlesen, aber das ist mir heute zu stressig. Also haue ich das Ding einfach so raus.

Es vergeht ungefähr eine Viertelstunde, dann klingelt mein Telefon, intern, die Nummer der Gerhardt.

»Hör mal, Hannes, wir sprechen morgen ...«

»Klar, kein Problem«, schnattert er mir ins Ohr und hat aufgelegt. Ich schaue den Hörer noch einen Augenblick an, dann nehme ich das andere Gespräch entgegen.

»Äh ... Klaus ...«, fängt sie an.

»Ja, Rita?«, frage ich und widerstehe dem Drang, das Telefon aus der Buchse zu reißen, über den Flur zu stürmen und sie mit der Schnur zu erdrosseln.

»Klaus ... da scheint im Newsletter etwas mit dem Artikel elf Strich EU Querstrich neun schief gelau...«

Ihre Stimme versagt und ich höre im Hintergrund lautes Stöhnen aus ihren Computerlautsprechern. Eis breitet sich in meinem Magen aus und ich rufe den Newsletter auf. 11–EU/9, was ist das noch mal?

Ah ja, hygienische Einmalhandschuhe, Einheitsgröße. Die sind neu im Programm, und irgendein Vollidiot hat sich gedacht, dafür bräuchte man eine Video–Anwendungsanleitung, weil die Leute ja nicht wissen, wie man beschissene Gummihandschuhe anzieht.

Ich klicke auf den Link und erstarre, als der Browser kurz nachlädt und dann ein Video abspielt, in dem zwar ebenfalls Handschuhe vorkommen und sie werden auch, im weitesten Sinne des Wortes, angewendet, aber die Art des Einsatzes entspricht mit den daran beteiligten Körperöffnungen wohl nicht den Vorstellungen meiner Chefin – oder denen unserer 14.369 Kunden, die den Newsletter erhalten haben. Und ich sage Kunden, weil davon 90 % männlich sind. Warum die einen Newsletter zu Damenhygieneartikeln beziehen, will ich gar nicht wissen. Aber sicher ist: Ich bin am Arsch.

Die Staatsanwaltschaft stellte damals das Verfahren wegen Urheberrechtsverletzung gegen eine erhebliche Geldsumme ein, die geschädigten Film– und Softwarefirmen waren weniger genügsam. Unterm Strich blieb mir vom Arbeitslosengeld darum ungefähr ein feuchter Furz, von dem ich auch noch Miete, Essen und den Rest bezahlte. Kein großer Unterschied zu Hartz IV.

Ihr werdet verstehen, dass unter diesen Umständen der Drang, einer neuen, geregelten Arbeit nachzugehen, um dann lange, lange Jahre auch nicht mehr Geld zur Verfügung zu haben, schnell nachließ. Wenn man erstmal genug Selbstwertgefühl abgelegt hat, lebt es sich ganz erholsam am unteren Rand der Gesellschaft.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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