Lassiter 2479 - Western - Jack Slade - ebook

Lassiter 2479 - Western ebook

Jack Slade

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Opis

Der Schrei, der durch die dünne Wand aus dem Nebenzimmer an Lulus Ohren drang, brachte ihr eigenes pflichtschuldiges Stöhnen zum Verstummen. Denn die Stimme von nebenan klang so grauenvoll, dass die Dirne unwillkürlich den Atem anhielt. Dann riss der für einen Mann eigentlich zu hohe Laut plötzlich ab und ging in ein Gurgeln über. Lulu ahnte, weshalb, und alle Farbe wich aus ihrem Gesicht, während sie sich von ihrem Freier löste, der offenbar nichts mitbekommen hatte. "Hey!", rief der Mann aus, der überall außer auf seinem Schädel dicht behaart war. "Was soll das, warum hörst du auf?" Lulu stieg aus dem Bett und funkelte den Freier an. "Bist du taub? Nebenan wurde gerade jemandem die Kehle aufgeschlitzt!"

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Liczba stron: 149




Inhalt

Cover

Impressum

Ein Fluch namens Rebecca

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelfoto: Boada/Norma

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-9296-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Fluch namens Rebecca

Der Schrei, der durch die dünne Wand aus dem Nebenzimmer an Lulus Ohren drang, brachte ihr eigenes pflichtschuldiges Stöhnen zum Verstummen. Denn die Stimme von nebenan klang so grauenvoll, dass die Dirne unwillkürlich den Atem anhielt.

Dann riss der für einen Mann eigentlich zu hohe Laut plötzlich ab und ging in ein Gurgeln über. Lulu ahnte, weshalb, und alle Farbe wich aus ihrem Gesicht, während sie sich von ihrem Freier löste, der offenbar nichts mitbekommen hatte.

»Hey!«, rief der Mann aus, der überall außer auf seinem Schädel dicht behaart war. »Was soll das, warum hörst du auf?«

Lulu stieg aus dem Bett und funkelte den Freier an. »Bist du taub? Nebenan wurde gerade jemandem die Kehle aufgeschlitzt!«

Der Dicke stützte sich mit seinen Unterarmen auf der Matratze ab, und seine Augen verengten sich zu verärgerten Schlitzen, während er Lulu dabei zusah, wie sie sich das dünne, zerschlissene Nichts von einem Bademantel überstreifte und die Schublade des Toilettentischs aufzog, um den kleinen Derringer hervorzuholen.

»Was redest du da für einen Unsinn, verdammt?«, brummte der Freier und starrte missmutig auf seine schrumpfende Erektion. »Ich hab nichts gehört. Und wenn du jetzt nicht weitermachst, will ich mein Geld zurück!«

Lulu ignorierte ihn, griff nach dem Türknauf und atmete kurz durch, bevor sie die Tür öffnete und hinaus spähte auf den Flur. Das schummrige Licht dünner Öldochte hinter den Glaszylindern der Lampen an den stoffbespannten Wänden erhellte den Korridor nur unzureichend. Sie schluckte, als sie sah, dass die Tür des Nachbarzimmers weit offen stand und eine dunkle Gestalt in einem langen weiten Mantel hastig durch den Flur davon rannte.

»Haltet ihn!«, wollte sie rufen, doch die Worte schafften es nur als ersticktes Krächzen durch ihre von Panik zugeschnürte Kehle.

»Haltet den Mörder …« Sie hob in einer hilflosen Bewegung den stupsnasigen Doppellauf ihres Derringer, doch im selben Moment wurde einige Yards weiter eine andere Tür aufgerissen. Daisy, eine mollige Kollegin, streckte ihr rundes Mopsgesicht zum Flur hinaus. Als sie Lulu sah, strich sie sich fahrig die ramponierte Lockenpracht aus der Stirn und riss die Augen so weit auf, dass Lulu befürchtete, sie im nächsten Moment über den Teppich kullern zu sehen.

»Was zur Hölle ist passiert, Lulu?«, fragte Daisy entgeistert, während hinter ihr die Gestalt bereits auf der gewundenen Treppe verschwand, die nach unten zum Hinterausgang des Horny Corny führte. »Hast du das auch gehört?«

Lulu sparte sich eine Antwort und ging stattdessen auf nackten Füßen und Beinen, die sich anfühlten, als hätten sich Knochen, Sehnen und Muskeln in eine Art Melasse verwandelt, auf die Tür zu, die zwischen ihr und Daisy lag.

»Tu das nicht!«, zischte Daisy, und ihr blasses Pfannkuchengesicht erweckte im fahlen Licht der Ölfunzeln den Eindruck, als wäre im Flur des Bordells gerade der Vollmond aufgegangen. »Lass uns Richy rufen, das ist sein Job!«

Beschwörend streckte Daisy ihre Hand in Lulus Richtung aus, als könne sie sie damit stoppen, doch die dunkelhäutige Dirne ließ sich davon nicht aufhalten.

Obwohl ihr das Herz bis zum Hals klopfte und sich der kleine Griff des Derringer in ihrer rechten Faust plötzlich so glitschig anfühlte, dass er ihr aus der Hand zu gleiten drohte, schob sie sich vor bis an die Türkante und spähte vorsichtig daran vorbei in das Zimmer.

Um kurz darauf scharf die Luft durch gespitzte Lippen einzusaugen.

Der Mann auf dem Bett lag in ähnlicher Position auf den Laken wie ihr Freier im Nebenzimmer; die Beine gespreizt, auf dem Rücken und beide Arme ergeben ausgestreckt wie ein Gekreuzigter.

»Jesus Christus«, flüsterte Lulu und hielt sich am Türrahmen fest, weil sie spürte, wie Schwindel und Übelkeit von ihr Besitz ergriffen.

»Jetzt sag doch was, Lulu – was ist denn da?«, hörte sie Daisy fragen, doch sie konnte nur den Kopf schütteln und den Blick nicht abwenden von dem grauenhaften Anblick, der sich ihr darbot.

Es sah aus wie ein scharlachroter Kragen, den der Mann vor ihr um den Hals trug; doch es war dunkelrot glänzendes Blut, das im warmen Licht der brennenden Kerzen auf dem Nachttisch unheilvoll leuchtete. Mitten im Rot sah sie die klaffende Wunde, die wie ein zweiter Mund quer über der Kehle des Toten klaffte.