KörperMitGefühl - Harald Xander - ebook

KörperMitGefühl ebook

Harald Xander

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Opis

KörperMitGefühl" ist der zweite Band der intendons-Buchreihe. Die Buchreihe präsentiert Übungen, um Sehnen, Bänder und Faszien gezielt zu aktivieren und dadurch besser mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Übungen beruhen auf einem einfach zu erlernenden Grundschema. Im Mittelpunkt des Buches steht die "Kunst der inneren Berührung". Dies ist die Fähigkeit, beliebe Körperstellen selbstwirksam zum Pulsieren zu bringen um diese besser zu durchbluten, zu entspannen und zu regenerieren. Die Tür zum „KörperMitGefühl“ öffnet sich besonders gut durch die Hilfestellung eines Übungspartners. Viele der Übungsvorschläge werden deshalb als Partnerübung vorgestellt. Sie können so auch ihren Platz in einem professionellen Rahmen eines Coachings oder einer Körpertherapie finden. Das Buch beschäftigt sich indessen nicht mit der Diagnose oder der Therapie gesundheitlicher Störungen. Es zeigt einen Weg, über die Aktivierung des Bindegewebes sich selbst, seinem Körper und seinen Gefühlen inspirierend zu begegnen ̶ bis hin zur Verbindung mit meditativen und spirituellen Praktiken.

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Liczba stron: 146




Inhalt

Das Buch 4

Der Autor 4

Impressum 4

0. Zum Verständnis und Gebrauch dieses Buches 5

1. Das Ei des Kolumbus 10

2. Mit dem Resultat beginnen 14

3. Zurück auf Los 18

4. Wiederholung ist der Schlüssel 20

5. Vom Tisch aufstehen 25

6. Gemeinsam intelligenter faul 26

7. Zu faul zum Umdrehen 31

8. Vom Schmelzen der Faszien 37

9. Mit ruhiger Hand 44

10. Varianten zur Einstiegsübung 45

11. Überblick 47

12. Brustschwimmen 49

13. Entspannt am Strand 52

14. Balsam für die Magengrube 55

15. Das Rad des Lebens 57

16. Das Meer teilt sich 61

17. Kniekreisen 65

18. Die doppelte Waschmaschine 67

19. Der Zufallsgenerator 69

20. Die Schlangenkraft wecken 71

21. ZweiPinselLachYoga mit Tupfen und Küssen 76

22. Die Schlangenkraft kultivieren 80

23. Immer der Nase nach … oder dem Schweif 84

24. Den Rücken entzücken 90

25. Was uns zusammenhält ─ KörperMitGefühl 96

26. Glatte Haut, vollendeter Körper, ewige Jugend 101

27. Wer nichts fühlen kann, soll (auf)hören… 105

28. Nice to have (Lendenstückchen) 109

29. Die Schlangenkraft genießen 111

30. Aufhören mit dem Anfang 114

31. Literatur und Quellen 116

Das Buch

„KörperMitGefühl ─ Die Kunst der inneren Berührung" ist der zweite Band der intendons-Buchreihe. Die Buchreihe präsentiert Übungen, um Sehnen, Bänder und Faszien gezielt zu aktivieren und dadurch besser mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Übungen beruhen auf einem einfach zu erlernenden Grundschema. Im Mittelpunkt des Buches steht die "Kunst der inneren Berührung". Dies ist die Fähigkeit, beliebige Körperstellen selbstwirksam zum Pulsieren zu bringen, um diese besser zu durchbluten, zu entspannen und zu regenerieren. Die Tür zum „KörperMitGefühl“ öffnet sich besonders gut durch die Hilfestellung eines Übungspartners. Viele der Übungsvorschläge werden deshalb als Partnerübung vorgestellt. Sie können so auch im professionellen Rahmen eines Coachings oder einer Körpertherapie eingesetzt werden.

Das Buch beschäftigt sich nicht mit der Diagnose oder der Therapie gesundheitlicher Störungen. Es zeigt einen Weg, über die Aktivierung des Bindegewebes sich selbst, seinem Körper und seinen Gefühlen inspirierend zu begegnen ̶ bis hin zur Verbindung mit meditativen und spirituellen Praktiken.

Der Autor

Harald Xander ist Autor, Verleger, Coach, Unternehmensberater, Referent und Trainer. 2011 veröffentlichte er das erste Buch zu intendons.

Impressum

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Medien.

Wichtiger Hinweis:Die Informationen in diesem Buch zielen weder auf eine Diagnose noch auf eine Behandlung oder Therapie von Krankheiten, Verletzungen oder Deformitäten. Sie sind kein Ersatz für den Gang zum Arzt, Therapeuten oder Heilpraktiker. Sie entbinden nicht von der Pflicht zu einem selbstverantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit und dem eigenen Wohlergehen. Alle Hinweise auf medizinische oder therapeutische Erkenntnisse in diesem Buch erfolgen unter dem Vorbehalt ihrer Vorläufigkeit und Zufälligkeit bezüglich ihrer Auswahl. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.

Alle Rechte vorbehalten1. Auflage 2013© 2013 by intendons e.K. · Schubertstraße 5 · D-55270 Zornheim www.intendons.com / [email protected]: Astrid Marion Grünling (www.mionar.de)Layout und Satz: Alessandra NobiliaLektorat: Sigrid Jassenkoff, Daniela Dirlenbach, Claudia BigusPrinted in Poland: Drukarnia JAKS Wydawnictwa ArtystyczneISBN 978-3-943173-20-8Elektronisch sind u.a. folgende Ausgaben erhältliche-Book (pdf): -21-5 // e-Book (epub): -22-2 // kindle (mobi): -25-3

0. Zum Verständnis und Gebrauch dieses Buches

Die Informationen in diesem Buch zielen ausdrücklich nicht auf eine Diagnose, Behandlung oder Therapie von Krankheiten, Verletzungen oder Deformitäten. Sie sind kein Ersatz für den Gang zum Arzt, Therapeuten oder Heilpraktiker. Hinweise in therapeutischer Richtung erfolgen sporadisch. Sie sind als Anregungen für die weitere Erprobung unserer Vorschläge zu verstehen. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.

intendons ist eine Übungspraxis, mit der Sie Gutes für Ihr Bindegewebe (= Faszien) tun können. Die Hauptwirkung der Übungen besteht in der besseren Versorgung und Entspannung des Gewebes. Das zugrundeliegende Wirkprinzip ist nicht unsere Erfindung. "Die Natur ist unser Vorbild" (Prof. Dr. Gerd Schnack). Wir haben die Art und Weise, wie wir Bewegungen vorbereiten, etwas genauer unter die Lupe genommen. Für alle Vorschläge dieses Buches bildet unser persönliches Erleben den Ausgangspunkt. Wir haben daraus eine einfache Praxis zur Stärkung des Gewebes abgeleitet. Wir gehen davon aus, dass die dafür notwendige Wahrnehmungsfähigkeit von fast allen Menschen entwickelt werden kann. Entscheidend dafür ist, dass wir unsere Aufmerksamkeit entsprechend ausrichten. Für die chinesische Medizin gehört es zum Grundverständnis, dass „das Qi dem Geist folgt, und das Blut dem Qi folgt.“ Mit intendons können wir dieses Erfahrungswissen auf einfache Weise für uns verfügbar machen.

Die grundlegende Übung besteht darin, Sehnen-und Muskelaktivität, soweit dies möglich ist, voneinander zu trennen. Dies hat neben der besseren Sauerstoffversorgung des Gewebes noch viele weitere positive Auswirkungen.

Sie können die Übungen ähnlich wie eine Atemübung jederzeit und überall in Ihren Alltag einbauen. Sie benötigen keine spezielle Kleidung, Ausrüstung, Trainingsräume oder Geräte. Sie müssen sich nicht einmal bewegen. Die äußerlich sichtbare Bewegung ist vielmehr ein deutliches Zeichen dafür, dass Ihre Muskeln schon zu viel arbeiten.

Das vorliegende Buch beschreibt ausgewählte Übungen, mit denen Sie zielgenau das Gewebe im ganzen Körper zum Pulsieren bringen können. Wir beschreiben dies als eine selbstwirksame Massage und deren Verfeinerung als die "Kunst der inneren Berührung". Die Übungsvorschläge bereiten Freude, verbessern das Körpergefühl und bringen uns intensiv mit uns selbst in Verbindung. Wir schlagen vor, die Übungen zu Beginn zusammen mit einem Partner bzw. einer Partnerin auszuprobieren.

Wir freuen uns über viele Leser, die sich professionell mit der Gesunderhaltung des Körpers oder speziell des Bindegewebes beschäftigen. Wir sind davon überzeugt, dass die Ideen in diesem Buch einen Beitrag dazu leisten können, die Möglichkeiten, die unsere Faszien für uns bereithalten, weiter zu erkunden und zu erschließen. Wie bei allen unseren Veröffentlichungen geht es uns zunächst um die Weitergabe unserer persönlichen Erfahrungen. Wissenschaftliche Erklärungen und therapeutische Implikationen unserer Vorschläge streifen wir nur am Rande. Bei der Darstellung der physiologischen Hintergründe beschränken wir uns auf ein Minimum und bevorzugen dabei eine bildhafte Sprache.

Wir sind uns bewusst, dass das Buch die Erwartungen einer Fachleserschaft in vielerlei Hinsicht nicht erfüllt. Dies ist kein Buch über die Faszien bzw. das Bindegewebe. Es ist auch kein Buch darüber, wie Sehnen, Bänder und Bindegewebe fachgerecht massiert oder behandelt werden sollten. Es ist ein Buch darüber, wie wir unsere Faszien zu einem sehr präzisen Instrument der Selbstmassage und der Selbsterfahrung ausbilden können, und schließlich darüber, wie wir unserem "KörperMitGefühl" begegnen.

Wie schon beim ersten Band der intendons-Reihe "Sensationen in den Sehnen … mit intendons" vollziehen wir auch hier einen Paradigmenwechsel. Unsere Aufmerksamkeit gilt der inneren und nicht der äußeren Bewegung. „KörperMitGefühl" verfeinert das Prinzip der inneren Bewegung sogar noch bis zur "Kunst der inneren Berührung".

Die Rollenverteilung der beteiligten Akteure ist deutlich anders, als wir es zum Beispiel aus dem therapeutischen Zusammenhang her gewohnt sind. In den Partnerübungen gibt es einen eher aktiven und einen eher passiven Part. Die aktive Partnerin befindet sich bei den meisten Übungen in einer liegenden Position. Sie wirkt nach außen eher passiv, ruhig und unbewegt. Sie ist aber diejenige, die die Übungen durchführt. Ihr gilt die ganze Aufmerksamkeit. Die passive Partnerin wirkt dagegen nach außen eher aktiv. Sie gibt Anweisungen, kommentiert und legt ihre Hände auf unterschiedliche Körperregionen.

Beide Partnerinnen geraten über eine wechselseitige Resonanz ihres Bindegewebes in einen sehr intensiven körperlichen Dialog. Ihre Zusammenarbeit gleicht dem Moment, an dem die Orchestermitglieder vor einem Konzert ihre Instrumente stimmen. Wir stimmen uns auf uns selbst ein, indem wir die Resonanz zu einem Gegenüber suchen. Das Resultat ist „KörperMitGefühl“.

Am Beginn unserer Kurse zum „KörperMitGefühl“ versprechen wir den Teilnehmerinnen, sie zu befähigen, eine beliebige Stelle im Bindegewebe zwischen Schultergürtel und Beckenboden so zu aktivieren, dass Sie selbst von innen ─ und bestenfalls auch Ihr Übungspartner von außen ─ die Aktivierung deutlich spüren können.

Dieses für unsere Kurse gültige Versprechen können wir leider nicht ohne Einschränkungen auf das vorliegende Buch ausdehnen. Das Buch ist kein Ersatz für die Praxis. Es kann im Rahmen des Möglichen zur Praxis anleiten. Ausgehend von wenigen Grundprinzipien präsentieren wir ein flexibles, variantenreiches, vielfältig verwendbares und dabei einfaches Repertoire an Übungsvorschlägen zur selbstwirksamen Aktivierung des Bindegewebes. Der Text ist so verfasst, dass die einzelnen Kapitel als Anleitung sowohl für die Partnerarbeit als auch für das Selbststudium verwendet werden können.

Um mit den Vorschlägensinnvoll arbeiten zu können, sollten Sie über folgende Vorkenntnisse verfügen:

Sie

sollten

das

intendons

-Prinzip

verstanden

haben

und in

der

Lage

sein

,

es

körperlich

soweit

umzusetzen

,

dass

Sie

bei

den Übungen

aus

„Sensationen in den Sehnen ...

mit

intendons

jeweils

die Aktivierung Ihres Beckenbodens

deutlich

spüren

können.

Sie sollten eine Vorstellung davon haben, wie es sich anfühlt, mit kräftigen Bewegungen Brust zu schwimmen.

Wir begrüßen den Austausch mit allen, die den Nutzen unserer Vorschläge befördern möchten. Dieses Buch hätte ohne die vielen Anregungen von fachlicher Seite nicht in der jetzigen Form zustande kommen können. Wir danken allen Menschen, die dazu beigetragen haben.

Wir haben aus Gründen der Lesbarkeit auf eine geschlechtsneutrale Formulierung verzichtet. Wir verwenden stattdessen abwechselnd die weibliche und die männliche Form. Das Prinzip der Gleichbehandlung von Frauen und Männern soll davon unberührt bleiben. Es mögen sich immer Vertreter beider Geschlechter angesprochen fühlen. Wie bereits "Sensationen in den Sehnen … mit intendons" ist dieses Buch in der ersten Person Plural verfasst. Die Wir-Perspektive entspringt einem tiefen Gefühl der Verbundenheit mit allen Menschen, Zufällen und Fügungen, die aus einem geschenkten Gedanken eine energisch schwärmende Bewegung werden ließen.

1. Das Ei des Kolumbus

Im August 2011 erschien unter dem Titel "Sensationen in den Sehnen … mit intendons" der erste Band der intendons-Buchreihe. Der Ausgangsimpuls für das Buch und für das damit verbundene Projekt einer "Sehnensuchbewegung" lag in der spontanen Erkenntnis, dass sich die Tür zu unseren Sehnen, Bändern und Faszien auf eine sehr einfache und natürliche Weise öffnen lässt. Wir benötigen dafür keine ausgefeilten Konzepte oder Programme. Alltägliche Bewegungen sind die beste Ausgangsbasis, um das Blut gezielt in einzelnen Körperregionen oder im ganzen Körper anregend pulsieren zu lassen. Den Schlüssel dazu finden wir in der Phase, die der eigentlichen Bewegung vorausgeht. Es geht um eine maximale Aktivierung der Sehnen bei minimaler Aktivierung der Muskeln.

Das Ziel und gleichzeitig der Nutzen der intendons-Übungen bestehen darin, sauerstoff-und nährstoffreiches Blut zum Bindegewebe zu befördern. Gleichzeitig gilt es zu verhindern, dass dieses Blut von den Muskeln verbraucht wird.

Das klingt komplizierter als es ist. Wir müssen lediglich unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was der Körper ohnehin schon tut. „Die Kunst der inneren Bewegung“ ist die Kunst des Weglassens der äußeren Bewegung. Sie folgt einigen wenigen Leitsätzen:

Unsere Faszien unterstützen als Gesamtheit bestmöglich jede

beliebige

Bewegung. Umgekehrt mobilisiert eine

beliebige

Bewegungsabsicht das gesamte Bindegewebe.

Die Aktivierung der Faszien ist besonders deutlich spürbar, wenn wir dafür ein gut im Körpergedächtnis gespeichertes Bewegungsmuster benutzen und die Bewegung mit starker Motivation, etwa mit der Absicht zu Flucht oder Angriff, anstoßen. Besonders geeignet sind Drehungen und Spiralbewegungen.

Der Muskeltonus sinkt mit der Zahl der Wiederholungen der Aktivierung.

Die Wahl geeigneter Haltepunkte und der der Bewegung entgegengebrachte Widerstand verbessern die Wahrnehmung für An-und Entspannung und das Erlernen des Grundprinzips.

Bei der Zusammenarbeit mit einem Partner stimmen sich die Partner so aufeinander ein, dass beide auch sich selbst besser spüren können.

Jegliche Aktivierung verändert die Spannung in der Körpermitte, im Bauch, Unterbauch und im Beckenboden.

Diese Leitsätze sind auf den ersten Blick weder besonders neu noch besonders originell. Es war für uns deshalb sehr überraschend, dass wir mit unseren Vorschlägen selbst ausgewiesene Spezialisten, vom Arzt bis zum Spitzensportler, körperlich zu einer offensichtlich für sie neuen Erfahrung führen konnten. Die vorbereitende, innere Bewegung der Faszien ist wahrscheinlich zu alltäglich, um dahinter ein weiteres Entwicklungspotential oder gar einen „Sehnenschatz“ zu vermuten.

Das Feld für theoretische Erklärungen unserer Erfahrungen ist weit offen. Es geht uns in Diskussionen mit Fachpublikum ein wenig wie Kolumbus, der sich zwar bestätigt findet, einen neuen Kontinent entdeckt zu haben, der jedoch zugeben muss, selbst nicht zu wissen, wo dieses Land in Wirklichkeit liegt. Unser reger Austausch mit Therapeuten und Wissenschaftlern konnte zumindest die nagenden Selbstzweifel und Befürchtungen ausräumen, dass wir mit intendons nur neuen Wein in alte Schläuche gießen.

Es ist wünschenswert, Erfahrungen schlüssig erklären und begründen zu können. Die schlüssige Erklärung ist andererseits nicht notwendig, um eine Erfahrung zu machen. Wir wollen es meist gar nicht wissen, warum uns etwas schmeckt oder nicht schmeckt, weshalb wir jemanden lieben oder hassen und wieso uns eine Sache großen Spaß bereitet. Wir geben uns einfach der Erfahrung hin. Wir suchen meist erst nach einer Erklärung, wenn wir einen Mangel empfinden und etwas zu verbessern wünschen. Wo die persönliche Erfahrung fehlt, fällt das Urteil immer anders aus als dort, wo uns diese zur Verfügung steht. So oder so geht die Praxis der Theorie voraus.

Wir möchten „die Kunst der inneren Berührung“ möglichst vielen Menschen möglichst einfach zugänglich machen. Entgegen unserer ursprünglichen Hoffnung können Bücher, Internetseiten, Videos oder Audios die praktische Anleitung mit direktem Augen-oder Körperkontakt nur in Einzelfällen ersetzen.

Besucher unserer Webseiten und Käufer des ersten Buches fragten etwa häufig, ob intendons eher als mentales Training oder eher als eine Art isometrische Übung zu verstehen sei. Die Antwort findet man am besten selbst heraus: intendons teilt einige Aspekte mit dem mentalen Training oder der Meditation. intendons hat auch eine Schnittmenge mit isometrischen Übungen.

Das kleine Fach, in das intendons am bestenpasst, liegt nach unserem Dafürhalten genau zwischen diesen beiden großen Schubladen. Die Übungen zielen auf eine möglichst weitgehende Aktivierung der Sehnen und Faszien ─ die beim mentalen Training eher zufällig eintritt ─ bei gleichzeitig immer weitergehender Entspannung der Muskeln. Beim isometrischen Training spielt die Bewegung vor der Bewegung keine Rolle. Hier geht es nur darum, die äußere Bewegung zu blockieren.

Wahrscheinlich wird das eigentliche Anliegen der Fragenden mit diesen Antworten nicht wirklich berührt. Die Frage hinter den Fragen lautet wohl eher:

Mache ich es

richtig

?

Die Antwort auf diese Frage finden wir ebenfalls nur in der Praxis. Im gemeinsamen Üben mit einem Partner, wie wir es vorschlagen, wird das Übungsprinzip erfahrungsgemäß schnell und nachhaltig erlernt.

Da sich die intendons-Übungspraxis am besten und einfachsten im persönlichen Kontakt vermittelt, wiegt jede Gelegenheit zu einer persönlichen Zusammenarbeit, bei der der Funken körperlich überspringen kann, mehr als jede andere Form der Informationsweitergabe. Das will natürlich nicht so richtig in unsere Zeit passen, in der sich Informationen in Windeseile per Internet um den Globus ausbreiten und in der sich in virtuellen Netzwerken auf Knopfdruck beliebig viele Kontakte knüpfen und wieder lösen lassen.

Das gemeinsame Erlernen der Faszienaktivierung führt zu spannenden und bereichernden Begegnungen. Es knüpft menschliche Verbindungen. Es führt uns eine soziale Dimension des Bindegewebes vor Augen. Die Faszien sorgen nicht nur für die richtige Gestimmtheit unseres Körpers, sondern stimmen auch Menschen bestens aufeinander ein. Die zwischenmenschliche Dimension des Bindegewebes geht über die physiologische Bedeutung der Faszien weit hinaus.

Der Wunsch nach einer eindeutigen begrifflichen Klärung und Eingrenzung ist für die Praxis nicht immer förderlich.

Wenn wir uns zum Beispiel zu sehr von der Unterscheidung von Muskel-und Sehnenaktivität leiten lassen, lenkt das eher davon ab, zu spüren, was der Körper tatsächlich tut. Unser Bild, was Muskeln und Sehnen sind, ist meist durch anatomische Konzepte geprägt, in denen das Bindegewebe noch gar keine Rolle spielte. Es geht zu Beginn um nichts anderes als um die Erfahrung, dass es in der Vorbereitung einer Bewegung eine deutlich zu erkennende Phase mit einer vorbereitenden Spannung gibt. Diese lässt sich mit etwas Übung quer durch den ganzen Körper verstärken, ohne dass die Bewegung tatsächlich einsetzt.

2. Mit dem Resultat beginnen

Was

bedeutet

„KörperMitGefühl“?

Worin besteht die „Kunst der inneren Berührung“?

Wir empfehlen Ihnen zur Erlernung der gezielten, selbstwirksamen Aktivierung des Bindegewebes die Zusammenarbeit mit einem Partner. Der genaue Ablauf und die technischen Aspekte spielen weniger eine Rolle als die Qualität des körperlichen Zusammenspiels. Ein Bild dafür liefert das Tanzen. Beim „KörperMitGefühl“ geht nicht um eine bestimmte Schrittfolge. Es geht nicht um die korrekte Haltung oder die penible Einhaltung des Rhythmus. Es geht um den Kern des Tanzes: die Art der Verbindung zwischen den Tanzenden. Es geht um das, was die Bewegungen von zwei Menschen zu einem Tanz mcht. Dieser Tanz entsteht unabhängig davon, ob er in irgendein Tanzschema passt.

Aus einer guten Verbindung der Tanzenden heraus, lässt sich fast jede Form des Tanzes meistern. Ohne Verbundenheit gelingt dies selten. „KörperMitGefühl“ resultiert vor allem aber aus der Verbundenheit mit sich selbst.

Halten Sie sich nicht allzu sehr an anatomischen Begrifflichkeiten fest. Wir benutzen die Begriffe „Faszie“ und „Bindegewebe“ konsequent synonym und ohne exakte anatomische Definition. Für den Übungserfolg ist es eher zweitrangig, welche Gewebe wir genau ansprechen. Viel entscheidender ist es, die unterschiedlichen Qualitäten der Spannung, Entspannung, Tiefe und Ausdehnung wahrzunehmen. Aus der Wahrnehmung dieser Qualitäten entsteht ein Gefühl dafür, dass es etwas gibt, was uns „im Innersten zusammenhält“. Dieses Einheitsgefühl ist sehr gut mit einer möglichen Definition von Bindegewebe vereinbar (Beuckels 2012, S. 398):

„Das Bindegewebe ist das modellierende Organ, das aus dem Körper eine plastische Matrix macht.“

Die Übungspraxis weckt und verfeinert auch unser Empfinden dafür, wie unser Körper unsere gesamte Kraft in einer Bewegung zu bündeln oder auf einen Punkt zu konzentrieren vermag. Was immer uns zusammenhält ─ es vereint maximale Stabilität mit maximaler Flexibilität (Beuckels 2012, S. 400):

Wir mögen uns dieses Etwas als ein „

lebendiges Matrixkontinuum

vorstellen, welches das Bindegewebe und Zytoskelett der Zellen im gesamten Körper und allen

großen

Systemen umfasst“ (Beuckels 2012, S. 400). Das „Zytoskelett“ ist seinerseits als ein Sammelbegriff zu verstehen. Es beschreibt die Gesamtheit dessen, was die Zelle zusammenhält und für deren Stabilität und Flexibilität sorgt. Die extrazelluläre Matrix reagiert auf die Vorspannung der

zellulären

Matrix.

Um die körperliche Qualität der inneren Bewegung zu vermitteln, beginnen wir eine individuelle Übungseinheit oder einen Übungskurs meist mit dem Resultat. Dies bedeutet