Kanada - Marcus Funck - ebook

Kanada ebook

Marcus Funck

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Opis

Kanada - das Land der atemberaubenden, unberührten Naturräume, der glitzernden Gletscher und bunten Ahornwälder, Heimat von Bibern und Bären. Gleichzeitig bietet es urbane Schauplätze wie Toronto, Montreal oder Vancouver mit multikulturellen Gesellschaften, in denen jeder schnell heimisch wird, weil Gastfreundschaft ganz oben auf der Tagesordnung steht. Marcus Funck verbrachte sieben Jahre in Kanada und hat das Land jenseits der Klischees erlebt. Er geht dem Phänomen des Multikulturalismus auf den Grund, erklärt uns, warum Hockey viel mehr als nur ein Sport ist, und untersucht das komplizierte Verhältnis des modernen Kanadiers zur Natur und zum großen Nachbarland im Süden. Ein facettenreicher Einblick in den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Alltag des modernen Kanada!

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Liczba stron: 256

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Marcus Funck

Kanada

Marcus Funck

Kanada

Ein Länderporträt

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überwww.dnb.de abrufbar.

1. Auflage, September 2012 (entspricht der 1. Druck-Auflage von Oktober 2012)

© Christoph Links Verlag GmbH Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Tel.: (030) 44 02 32-0www.christoph-links-verlag.de; [email protected] Covergestaltung unter Verwendung eines Fotos von der Skyline Vancouvers (imago/Barry Bland) Lektorat: Günther Wessel, Berlin

Inhalt

Vorwort

Kontinent Kanada

Raum, Geografie und Klima – eine kurze Vermessung

Vom Kolibri zum Grizzly – ein Streifzug durch die kanadische wilderness

Von Meer zu Meer zu Meer – Kanadas Regionen

Das Kanada der Deutschen

Kanada – ein deutscher Sehnsuchtsort?

Söldner, Flüchtlinge, professionals – die Deutschen in Kanada

Ferne Freunde – die deutsch-kanadischen Beziehungen

Ein Staat, zwei Nationen, viele Kulturen – ein historischer Abriss

Vor den Europäern – Kanadas Ureinwohner und das Zeitalter der europäischen Entdeckungen

La Nouvelle France

Das Handelsimperium der Hudson’s Bay Company

Kanada unter britischer Herrschaft

Eisenbahnen und Kriege – das (langsame) Wachsen einer Nation

Wohlstand und Wohlfahrt – Kanada nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Révolution tranquille und der Separatismus in Quebec

Auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft – Kanada als Einwanderungsland

Multikulturalismus als Prinzip der Politik

Im Epizentrum des Multikulturalismus – Kensington Market: eine Begehung

Vielfalt als Stärke – Multikulturalismus und nationale Identität

Verlierer des Multikulturalismus? First Nations, Inuit und Métis im modernen Kanada

Kanadischer Alltag und Kultur

Reden wir (noch mal) übers Wetter

Mehr als nur Sport – das Mutterland des hockey

The True North Strong and Free – Kanada als nordisches Land

Ihr liebster Feind – Kanadier und der Nachbar im Süden

Die gezügelte Gesellschaft

In the neighbourhood – ethnische Enklaven und kleine Gemeinschaften

Do you speak Canadian, eh? Kanadische Sprachbesonderheiten

Ein Streifzug durch die kanadischen Kultur(en) und Literatur(en)

Krisen und Chancen – Widersprüche des modernen Kanada

Der fragile Bundesstaat

Rohstoffabbau oder Industrie – ein Dilemma der kanadischen Wirtschaft?

Schwarzes Gold und grüne Anfänge

Rednecks oder Urbanites – wo liegt die kanadische Identität?

Ein schlafender Riese? Kanada in der Welt

Anhang

Einführende Literatur und nützliche Websites

Bildnachweis

Dank

Basisdaten Kanada

Vorwort

Als Jugendlichem ging es mir wie wohl Millionen meiner Altersgenossen: Kanada faszinierte mich, obwohl ich es überhaupt nicht kannte. Die Abenteuerromane von James Fenimore Cooper oder Jack London (beide übrigens US-Amerikaner!) lieferten ein Feuerwerk an Mythen über Wildnis, Weite, Kälte und vor allem überall lauernde Naturgefahren. Erst sehr viel später lernte ich aus Robert Gernhardts Erzählung »Blanket Creek oder Verwilderte Wünsche« (1991 in dem Band Lug und Trug erschienen), dass die kanadische Wildnis, wenn man sie als Tourist aufsucht, mitunter gar nicht so wild ist. Und dann war da noch der Globus der Eltern. Auf der einen Seite war so wenig Platz, dass die Namen der europäischen Staaten nicht ausgeschrieben werden konnten; auf der anderen Seite hingegen war so viel Platz, dass den Kartografen nichts anderes übrig blieb, als die Namen von Kleinstädten und winzigen Kaffs wie Gander, Moosonee oder Whitehorse in voller Länge auszuschreiben.

Als ich später eine erste Tour nach Nordamerika plante, stand Kanada nicht mehr ganz so hoch im Kurs. Doch reichte es immerhin für einen kurzen Grenzübertritt, der mich zum Staunen brachte und der europäischen Heimat wieder ein Stück näher zu bringen schien: zweisprachige Straßenschilder, zollbehördliche Lockerheit, allgegenwärtige Freundlichkeit, metrische Geschwindigkeitsangaben und überall das Porträt der Queen! Anlässlich der Veröffentlichung seines neuesten Romans Kanada äußerte sich der US-amerikanische Schriftsteller Richard Ford im August 2012 gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das Freiheitsgefühl, dass ihn beim Überschreiten dieser Grenze überfällt: »Ich spüre, dass ich etwas verliere, von dem ich nicht wusste, dass ich es loswerden muss […] und dass ich etwas gewinne, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche: Toleranz. Den Willen, zu akzeptieren. Empathie.« Wie viele linksliberale Amerikaner spielte auch Ford immer wieder mit dem Gedanken, sein Land in Richtung Norden zu verlassen: »Ich könnte mir ein Haus in Montreal kaufen. Die Kanadier akzeptieren Unterschiede eher als wir. Vielleicht fluchen sie innerlich auch, aber sie hängen sich keine weißen Tücher über, schneiden Sehschlitze hinein und verbrennen Kreuze. Sie sagen keine furchtbaren Sachen über Schwule bei Militärbegräbnissen. Sie sind nicht immer bewaffnet.«

Meine Vorstellungen von unberührter Wildnis und Naturreichtum wurden abgelöst von Vorstellungen einer besonderen Kultur – Weltoffenheit, Liberalität, Toleranz – im gesellschaftlichen Miteinander. Mit der Erwartung, das Beste aus der Alten und der Neuen Welt in einer ganz unaufgeregten neuen Fassung verschmolzen vorzufinden, entschied ich mich schließlich für ein Studienjahr in Kanada an einer kleinen Universität in der Nähe Torontos. In diesem Jahr gewann ich aus der Perspektive des international student einen ersten Einblick in die gesellschaftlichen Realitäten und kulturellen Befindlichkeiten eines Landes, das sich aufgrund seiner geografischen und kulturellen Dimensionen traditioneller europäischer Vorstellungskraft entzieht. Dabei wurden auf Kanutouren und tagelangen Eisenbahnfahrten die naiven und auf Abenteuer hin ausgerichteten Kindheitsträumereien erneuert und ebenso bei Stadtwanderungen und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt die jüngeren Hoffnungen auf einen grundlegend anderen, eben friedlicheren und toleranteren, sozialen Umgang miteinander bestätigt.

Als sich ein Jahrzehnt später die Gelegenheit eröffnete, langfristiger und diesmal beruflich nach Kanada zu gehen, zögerten wir keinen Moment. Nicht zuletzt wollten wir unseren Kindern die multikulturelle Gesellschaft, gelebte Vielsprachigkeit und natürlich auch einen einzigartigen Naturreichtum als reale Möglichkeit erfahrbar machen. In diesen Jahren, die mich beruflich und privat kreuz und quer durchs Land führten und mich mit den verschiedensten Kanadiern in Berührung kommen ließen, ist die Idee zu einem Kanada-Buch entstanden. Dies auch, weil ich aus der Ferne bestimmte deutsche Debatten – allen voran natürlich die völlig verquere Diskussion über das Für und Wider des Multikulturalismus – nicht mehr verstehen konnte oder wollte. Außerdem störte mich zunehmend der auf die USA fixierte Nordamerika-Blick der deutschen Öffentlichkeit. Die großen gesellschaftlichen Reformdebatten der letzten Jahre, man denke an Themen wie Bildung, Zuwanderung, Integration, hätten weitaus unaufgeregter und vielleicht auch erfolgversprechender verlaufen können, wenn das kanadische Beispiel ernster genommen worden wäre. So scheint es mir geradezu unsinnig zu sein, milliardenschwere amerikanische Elitehochschulen als Modell für eine deutsche Hochschulreform auszuwählen, wo doch das international hochgeschätzte staatliche Hochschulsystem Kanadas sehr viel näher an den deutschen Realitäten ist.

Wieder zurück in Deutschland, vermisst man neben der Großzügigkeit des Raumes zuallererst die kulturelle Vielfalt und die Offenheit sowie Gelassenheit im Umgang mit derselben. Einfach mal um die Ecke gehen und Goat Roti essen ist ebenso schwierig wie einen portugiesischen Scherenschleifer zu finden oder eine Schule, in der nahezu sämtliche Feiertage der Weltreligionen gleichberechtigt nebeneinander begangen werden, ohne dabei bigott zu wirken. Wenn eine Stadt wie Berlin das (sehr verdienstvolle) Haus der Kulturen der Welt beherbergt, dann muss man Städte wie Toronto, Montreal oder Vancouver als die eigentlichen Häuser der Weltkulturen bezeichnen. Denn dort ist die Welt nicht nur zu Gast bei Freunden, sondern sie ist ganz bei sich zu Hause.

Die Kanada-Jahre haben meinen Blick auf das Land geschärft und in mancher Hinsicht auch differenziert. Was uns von außen so leicht und locker erscheint, ist tatsächlich eine hochkomplexe und komplizierte Gesellschaft mit zahlreichen Widersprüchen und Konfliktlinien: Die doppelte Vergangenheit der Two Solitudes, so ein Roman von Hugh MacLennan aus dem Jahr 1945, der die Spannungen zwischen dem englischen und dem französischen Kanada thematisiert, die Konkurrenz der kanadischen Regionen untereinander, das zwiespältige Verhältnis zu den USA, die zahlreichen ethnischen Konfliktlinien in der multikulturellen Gesellschaft und auch die prekäre Balance zwischen Ausbeutung und Bewahrung der natürlichen Ressourcen sind einige Beispiele für Themenfelder, die auch in Kanada breit und kontrovers debattiert werden.

Hinzu kommt die unermüdliche Suche nach einer kanadischen Identität – eines der Leitthemen in der jüngeren Vergangenheit des Landes – welche die britischen Humoristen des Monty Python’s Flying Circus auf den berühmten Episodentitel Whither Canada? (»Wohin Kanada?«) brachte. Aufgrund der Diversität und Fragilität des Landes, das immerhin schon mehrfach auseinanderzufallen drohte, ist die Frage nach den gemeinsamen Identitätskernen, nach Canadianness keine ganz unbedeutende. Allein, eine allgemeingültige Antwort darauf ist noch nicht gefunden worden und wird aller Voraussicht nach auch nicht mehr gefunden werden. Der Journalist Andrew Cohen äußerte dazu: »Die kanadische Identität ist so schwer fassbar wie der Sasquatch [der kanadische Yeti, M. F.] oder der Ogopogo [ein mythisches Seeungeheuer im Okanagan Lake in British Columbia, M. F.]. Generationen von Staatsmännern, Historikern, Schriftstellern, Künstlern, Philosophen und der National Film Board wurden davon gleichermaßen angeregt wie frustriert. Kanada widersteht einer einfachen Erklärung.« In der Zwischenzeit behilft man sich mit Pragmatismus und Humor. So wie der Schriftsteller und Künstler Douglas Coupland, der in Vancouver ein spektakuläres Canada House einrichtete, eine mit Kanadiana vollgestopfte selbstironische Haus-Installation, deren Entstehungsprozess man in dem sehenswerten Film Souvenir of Canada nachvollziehen kann.

Überhaupt sind es der kanadische Humor, die Fähigkeit zur Selbstironie, manchmal auch der Hang zur Selbstunterschätzung, die dieses Land und seine Bewohner so sympathisch machen. Nur mit einem sind wir niemals ganz warm geworden – und es besteht auch kaum Hoffnung, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird: Der Winter kann jenseits des Atlantiks tatsächlich unerträglich kalt und lang sein. Schon der französische Entdecker Jacques Cartier vermutete deshalb im 16. Jahrhundert, dass dies das Land sein müsste, das Gott zur Strafe an Kain gegeben hätte. Doch auch diese Last meistern die Kanadier mit Humor, Langmut und Erfindungsreichtum. Kanada ist, in der Tat, eines der coolsten Länder der Welt.

Berlin, September 2012

Marcus Funck

Kontinent Kanada

Raum, Geografie und Klima – eine kurze Vermessung

Es ist mit knapp zehn Millionen Quadratkilometern Fläche das zweitgrößte Land der Erde und bedeckt damit ungefähr die Hälfte Nordamerikas, verfügt mit fast 250 000 Kilometern Länge über die längste Küstenlinie weltweit und umfasst sechs Zeitzonen. Der lateinische Wahlspruch Kanadas A Mari Usque Ad Mari (Von Meer zu Meer) untertreibt sogar, denn zählt man die Arktische See hinzu, ist Kanada von drei Weltmeeren – und im Süden von einer Weltmacht – umschlossen. Um Kanada angemessen verstehen zu können, muss man erst einmal die schier unvorstellbare Ausdehnung des Landes zu begreifen versuchen.

Neben eigenen Reiseerfahrungen – oft mussten wir feststellen, dass die wenigen Zentimeter auf der Landkarte eben nicht auf Nähe im europäischen Verständnis hinwiesen – helfen einige kursorische statistische Vergleiche mit dem beschaulichen »Alten Kontinent«. Die Distanz zwischen den am weitesten voneinander entfernt liegenden bekannteren Großstädten Kanadas etwa, Halifax an der Atlantik- und Vancouver an der Pazifikküste, beträgt über 6000 Kilometer oder sechs Flugstunden und ist damit nur unwesentlich geringer als die zwischen Frankfurt am Main und Halifax. Man kann das Land allerdings auch auf dem Trans-Canada-Highway von Ost nach West durchqueren, der mit seinen über 8000 Kilometern eine der längsten Straßen der Welt ist. Als längste benannte Straße der Welt im verzeichnet ist mit fast 2000 Kilometern die Yonge Street, die (nahezu ununterbrochen) unter gleichem Namen von Downtown Toronto nach Rainy River an der Grenze zum US-Bundesstaat Minnesota verläuft. Die flächenmäßig größte Provinz Quebec ist ungefähr so groß wie Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen, hat aber nur gut ein Dreißigstel der Einwohner. Noch verstärkt wird die Weite Kanadas durch die relativ niedrige Bevölkerungszahl, vor allem aber durch die extrem ungleiche Verteilung der Bevölkerung im Raum. Von den etwa 35 Millionen Kanadiern leben vier Fünftel in einem etwa 150 Kilometer schmalen Streifen entlang der kanadisch-amerikanischen Grenze und des Sankt-Lorenz-Stromes. Für manchen vielleicht überraschend, hat Kanada auch einen der höchsten Verstädterungsgrade der Welt. Nahezu neun von zehn Kanadiern leben in Städten, der Großteil von ihnen in Großstädten und sogenannten Metropolregionen. Die Einwohner der drei größten Metropolregionen des Landes, Toronto, Montreal und Vancouver, zusammengerechnet, ergeben ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl Kanadas, und fast zwei Drittel der Einwohner Kanadas leben in den südlichen Landesteilen von Ontario und Quebec. Weite Teile des Landes erscheinen oder sind unbewohnt, in den nördlichen Teilen der Provinzen kann man stundenlang mit dem Auto fahren, ohne Kontakt mit der Zivilisation zu haben, und in den drei Territorien, die etwa 40 Prozent der Fläche Kanadas ausmachen, leben gerade einmal etwas mehr als 100 000 Menschen. Kein Kanadier würde angesichts der Menschenmaß überschreitenden Raumdimensionen auf die Idee kommen, die Entfernung bei einer längeren Reise in Kilometern anzugeben. Man misst Entfernungen in Auto- oder in Flugstunden, was aufgrund der Straßenverhältnisse gerade im Norden auch ratsam und weitaus verlässlicher ist.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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