Ja! Es gibt den Job, der wirklich zu mir passt! - Guido Ernst Hannig - ebook

Ja! Es gibt den Job, der wirklich zu mir passt! ebook

Guido Ernst Hannig

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Opis

Berufliche Neuorientierung mit dem WLS-Sinn-Kompass Müssen Sie sich jeden Morgen zur Arbeit aufraffen? Fühlen Sie sich in Ihrem Beruf ausgebrannt und sinnentleert? Dann ist es Zeit für eine berufliche Veränderung! Der erfolgreiche Berufsberater Guido Ernst Hannig hilft Frauen und Männern in einer beruflichen Veränderungsphase mit dem ganzheitlichen Ansatz 'Work-Life-Sense' (WLS) zur Erfüllung ihrer Berufung. Der Autor führt Sie praxisorientiert über vier einfache Schritte zunächst zielsicher zurück zu Ihren Wünschen, Träumen und Talenten, um Ihnen dann zu helfen, sie in konkrete, realisierbare Ziele zu übersetzen. Er setzt dabei nicht bei der gängigen, rein erfolgsorientierten Betrachtung der Berufsstrategie an, sondern berücksichtigt alle relevanten persönlichen und sachlichen Faktoren der beruflichen Veränderung. Egal, ob es um ein Outplacement, den nächsten Karriereschritt oder die Umsetzung einer neuen Geschäftsidee geht – die WLS-Methode hilft bei jeder beruflichen Neuorientierung. Auf dem Weg zu Ihrer wahren Berufung zeigt dieses Buch neue Perspektiven auf und gibt hilfreiche Tipps, um die gefundene Berufung auch wirklich zum Beruf zu machen – und endlich Erfolg und Erfüllung im Job zu finden.

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EPUB

Liczba stron: 183




Für Helga.

Für Corinna.

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Copyright © 2015 Verlag »Die Silberschnur« GmbH

ISBN: 978-3-89845-994-5

1. Auflage 2015

Gestaltung & Satz: XPresentation, Güllesheim

Druck: Finidr, s.r.o. Cesky Tesin

Verlag »Die Silberschnur« GmbH

Steinstraße 1 · D-56593 Güllesheim

www.silberschnur.de · E-Mail: [email protected]

Inhalt

Vorwort

Work-Life-Sense

Die drei Komponenten der Berufung

Standortbestimmung

WLS-Sinn-Kompass

Erster Schritt: Erkenne deine Motivation

Zweiter Schritt: Erkenne deine Bestimmung

Dritter Schritt: Erkenne dein Leitbild

Vierter Schritt: Erkenne deine Mission

Magnetische Konzeptarbeit

Magnetische Positionierung

(Be-)Werbung mit Sinn

Veranstaltungen mit Guido Ernst Hannig

Literaturverzeichnis

Anmerkungen

Über den Autor

VORWORT

Viele Berufstätige fühlen sich ausgebrannt und sinnentleert. Ihnen ist längst klar, dass zur Lösung der beruflichen Krise eine neue Herausforderung gehört. Doch es fehlt eine zündende Idee und/oder das passende Konzept. Es wird zudem oft als belastend empfunden, dass sie schon über einen längeren Zeitraum nicht das tun, was wirklich in ihnen steckt.

Andere wiederum haben längst erkannt, dass zu einem geglückten Arbeitsleben gleichermaßen ein gutes Einkommen, Lebendigkeit und Sinnorientierung gehören. Sie haben ihre Berufung erkannt und glauben dennoch nicht, dass sie mit ihren Ideen und Leidenschaften den Durchbruch auf den Märkten schaffen können.

So besteht zwischen der Berufung und dem Beruf bei Millionen von Berufstätigen ein Zwiespalt, der allerdings mit dem gewohnten “Entweder-oder-Programm” nicht gelöst werden kann.

Aus diesem Grund setzt das Buch nicht bei der gängigen rein erfolgsorientierten Betrachtung der Berufsstrategie an. Mit dem ganzheitlichen Ansatz “Work-Life-Sense” (WLS) entwickelt der Leser zunächst ein Verständnis für das “Sowohl-als-auch” der wesentlichen Komponenten. Egal, ob er durch ein Outplacement den nächsten Karriereschritt anstrebt oder als Freiberufler eine neue Geschäftsidee für die Erweiterung des Betriebes sucht: Das Modell berücksichtigt, beginnend mit der Standortbestimmung bis zur werbewirksamen Platzierung auf dem Markt, die relevanten persönlichen und sachlichen Faktoren der Veränderung.

Im zweiten Teil des Buches wird der Leser auf der Basis von Work-Life-Sense das praktische Instrument des Sinn-Kompasses kennen- und nutzen lernen. Mit diesem kompakten Praxistool gehen die Leser die vier wichtigen Schritte zu der eigenen Berufung. Ein repräsentativer Outplacement-Praxisfall macht die Hintergründe jeder Übung deutlich.

Dieses Buch geht über einen normalen Praxisratgeber zur Visionssuche hinaus. Neben einem analytischen Blick auf die Perspektiven der Märkte, berücksichtigt das Buch im dritten Teil die Notwendigkeit einer magnetischen Konzeptarbeit. Essenziell für den Ansatz WLS ist die erfolgreiche Beziehung mit den neuen Marktpartnern. Das heißt, das neue Ziel muss auf mindestens ein Nutzenbedürfnis auf dem Markt treffen. Sonst bleibt eine Berufung eigentlich nur ein Hobby. Berufung hat aber immer auch einen Sinn für andere.

Das Buch richtet sich an ganzheitlich denkende Frauen und Männer; männliche Formulierungen dienen lediglich der Vereinfachung. Dieser Ratgeber soll insbesondere den Fach- und Führungskräften sowie Selbstständigen helfen, die sich in einer beruflichen Veränderungsphase befinden. Da es viele Übungen und Impulse enthält, ist es ideal für Berufstätige, die sich auf ein Outplacement oder eine Unternehmerberatung praktisch vorbereiten wollen.

WORK-LIFE-SENSE

»Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk, der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.«

(Albert Einstein)

Wer sich auf den Weg zur beruflichen Neuorientierung macht, verbindet das oft mit der Vorstellung einer abenteuerlichen Reise. Wir Outplacement- und Existenzgründungsberater schreiben Bücher, entwickeln Beratungskonzepte und fühlen uns manchmal wie Reiseführer. Anders als in den Reisebeschreibungen von Reiseautoren kennen wir in diesem Kursbuch allerdings weder das genaue Ziel des Teilnehmers, seine bisherigen Erfahrungen noch alle wichtigen Erwartungen an den gemeinsamen Weg. Aber alle Teilnehmer verbindet mit diesem Kurs die Hoffnung, einen Weg zu einem glücklicheren Berufsleben finden zu können. Das ist das zentrale Anliegen dieses Ratgebers.

Deshalb ist es wie bei jeder professionellen Abenteuerreise notwendig, dass wir uns vor dem Start ausreichend viel Zeit zur Vorbereitung nehmen. Stellen wir uns also geistig vor, wir halten zu Beginn eine Lagebesprechung ab, denn von Ihrem Kursführer benötigen Sie wichtige Grundlageninformationen. Gleichzeitig ist es in solchen Lagebesprechungen üblich, dass Sie Ihre Erwartungen klären. Schließlich müssen Sie viele Stunden Ihrer Zeit investieren, bis Sie mit Hilfe des Kurses Ihren beruflichen Neustart mit Erfolg bewältigt haben. Selbst wenn Sie niemals einen Präsenzkurs buchen und somit keinen unmittelbaren Dialog mit mir führen werden, werde ich Ihnen in den einzelnen Etappen auf Augenhöhe begegnen. Meine eigenen Erfahrungen und die Erlebnisse des Teilnehmers in dem Praxisfall werden Ihnen helfen zu lernen, mit den Herausforderungen gut umzugehen.

Doch wie bei jeder Reise ist auch der Weg zu einer ganzheitlichen Neuorientierung an Maßstäbe geknüpft, die der Kursleiter formuliert hat. In dieser ersten Etappe des gemeinsamen Weges werde ich Ihnen die Prinzipien beziehungsweise Komponenten vorstellen, die für die weitere Kurssystematik grundlegend sind. Behauptungen und persönliche Meinungen lassen sich dabei nicht gänzlich vermeiden. So behaupte ich, dass der Weg zum beruflichen Glück nur über die Verwirklichung der eigenen Berufung führt. Work-Life-Sense ist ein Maßstab, der die eigene Berufung in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Im ersten Schritt wird es somit für Sie darum gehen, ob Sie die drei Komponenten erkennen, akzeptieren und anwenden können. Wie bei jeder Beratung muss es für Sie am Startpunkt darum gehen, mit der Philosophie und der Vorgehensweise des Kursleiters einen Konsens herzustellen.

Weiterhin gehört zu jeder Lagebesprechung die kritische Bestandsaufnahme des Ist-Zustands. Selbst wenn die Sehnsucht nach dem beruflichen Glück sehr groß sein sollte, können persönliche Gründe dafür sprechen, die Erkenntnisarbeit noch nicht zu starten. Doch selbst wenn Sie nur die kritischen Momente mit Hilfe der Standortbestimmung identifizieren, werden Sie sich besser auf die Gefahrenpunkte entlang unseres gemeinsamen Weges einstellen können.

Die drei Komponenten der Berufung

Für viele Menschen ist das Wort “Berufung” ein sehr mächtiges Wort. Sie denken dabei an hohe Ansprüche, die es für den Berufenen zu erfüllen gilt. Aber ist die Berufung tatsächlich nur den geistigen Größen wie Einstein oder Berufenen wie Buddha vergönnt? Ist der intuitive Geist nicht ein Geschenk, ein siebter Sinn, den man schon in Kindergärten und auf Sportplätzen beobachten kann? Es kann leider nur beim Glauben bleiben. Bekanntlich können wir einiges in diesem Bereich wissenschaftlich nicht exakt beweisen. Und so muss der Workshop mit einer meiner Überzeugungen starten:

Ihre Berufung ist Ihnen bereits geschenkt!

Hat der intuitive Geist mir eine Berufung geschenkt, hat er auch Ihnen eine geschenkt. Können Sie nachweisen, dass Sie keine Berufung geschenkt bekommen haben, hatte bisher auch kein anderer Mensch auf Erden eine Berufung. In Anbetracht der Fülle an Wunder, die Sie und ich kennen, dürfte meine Behauptung also richtig sein: Ihre Berufung ist Ihnen bereits geschenkt! Jeder Mensch hat eine geschenkte Berufung, die Sie sich nicht verdienen müssen. Im Übrigen muss sie nicht gefunden oder erschaffen werden. Sie war schon immer und wird bleiben. Wir können Sie nur erkennen, annehmen und fortan mit ihr glücklich sein.

Wenn wir im Leben mit Dingen, Menschen und Ereignissen in Berührung kommen, die unsere Seele zum Tanzen bringen, können wir gewiss sein: Unsere ureigene Berufung ist nicht weit. Deshalb wird es im WLS-Sinn-Kompass darum gehen, ehrliche Emotionen zu erzeugen und einen Zugang zu Ihrer Freude zu gewinnen. Dann erst kann der rationale Geist, das für uns so sinnvolle Werkzeug, die anstehenden Aufgaben erledigen. Geist ist er auch, weil zu ihm unsere geistigen Fähigkeiten gehören. Dadurch erwachsen alle praktischen Fortschritte, die die beruflichen Funktionen und vorherigen Qualifikationen erst ermöglicht haben. Mit der Hilfe der geistigen Fähigkeiten hat der Mensch Fertigkeiten und Kenntnisse entwickelt, um lebenswichtige Aufgaben zu verrichten. Erst die bewusste Aufgabenteilung führte zur Geburtsstunde von Berufen. Der Beruf ist also der Diener der Berufung. Einen Beruf, einen akademischen Grad oder selbst einen Doktortitel erwirbt man, sofern die Fähigkeiten ausreichen und das Umfeld die Möglichkeiten dazu bietet. Was der rationale Geist in der Lage ist zu leisten, bestimmt die Qualität der beruflichen Qualifikation. Daran will auch der Glaube an die Berufung nichts ändern. Aber zivilisierte Gesellschaften haben zu lange die Wertigkeit des intuitiven und des rationalen Geistes verkehrt. Der Berufstätige hat vergessen, wozu er arbeitet und wer er in Wirklichkeit ist. Der Beruf als Teil der Wirtschaft wurde für jede Gesellschaftsform maßgebend. Egal, ob Sie in einem demokratisch geprägten westlichen Industriestaat oder in einer eher sozialistischen Staatswirtschaft aufgewachsen sind, ob Sie von streng religiösen oder eher von liberal denkenden Menschen erzogen wurden: Der rationale Geist gewann vielfach die Oberhand, und die Konsequenzen können wir in den gewaltigen beruflichen und persönlichen Krisen ablesen.

Doch wenn wir ein glückliches und ethisch verantwortliches berufliches Leben anstreben, müssen wir die Berufungsfrage zur Kardinalfrage machen. Und es sind drei Fragen:

Dient die Tätigkeit der Erfüllung deiner Bedürfnisse?

Entwickelst du durch deine Aufgaben Lebendigkeit?

Wirkt dein Tun für dich und andere sinnstiftend?

Wer alle drei Fragen konstant positiv beantworten kann, wird mit seinen beruflichen Aufgaben Glück finden und empfinden. Ein Berufstätiger, der auf diese Fragen stets mit Ja antworten kann, spürt Zufriedenheit.

Work-Life-Sense geht von drei Komponenten aus, die in den drei Ausgangsfragen angesprochen wurden. Eine Berufung ist wichtig, weil jeder Mensch nur glücklich sein kann, wenn er den intuitiven Geist und somit seine Berufung erkennt, umsetzt und lebt. Im Ansatz Work-Life-Sense, nachfolgend WLS, sind diese drei Komponenten vertreten:

Menschen werden zu Berufstätigen, weil sie ihre Bedürfnisse erfüllen wollen. Einkommen, Lebendigkeit und Sinn sind die Grundbedürfnisse im Ansatz von WLS. Schon immer strebten Menschen danach, die verschiedensten Bedürfnisse durch einen Beruf zu befriedigen. Schon in den frühen Phasen der Menschheit kümmerten sich Menschen um Fragen der Gesundheit und der Nahrung. Und auch die Frage nach dem Sinn wurde bereits vor vielen tausend Jahren gestellt. Man könnte fast den Eindruck haben, dass es in der Frühzeit gelungen ist, dem natürlichen “Sowohl-als-auch” besser zu entsprechen. Je moderner unsere Zivilisation wurde, desto wichtiger wurden die Komponenten “Work” und “Life”. Der rationale Geist trennte die beiden Komponenten vom “Sense”. Der menschliche Verstand hat zwar für die Berufs-, Gesundheits- und Freizeitbranche Bahnbrechendes geleistet. Der Sinn wurde jedoch abgespalten und zu einer Sache der Religion beziehungsweise zur Dekoration unserer hohen Festtage. Der Sinn und die Berufung insgesamt haben die Arbeitswelt weitgehend verlassen. Wo er auftaucht, geben wir ihm verschreckt einen anderen Namen oder ordnen ihn verdeckt anderen Disziplinen zu. Das Heilende, der innere Reichtum, den uns der intuitive Geist im Berufsleben schenken kann, bleibt dadurch vielen verborgen. Bedauerlicherweise wurde die Frage nach der Berufung für viele Berufstätige zu esoterischem Geschwätz, doch die folgenden drei Komponenten bestimmen gleichberechtigt den ganzheitlichen beruflichen Veränderungsprozess:

Work steht für Fülle, weil jeder Mensch eine einzigartige Vielfalt an Bedürfnissen hat. Somit arbeitet ein Mensch, weil er mit einem guten Einkommen seine Bedürfnisse erfüllen möchte.

Life steht für Lebendigkeit, weil jeder Mensch von Natur aus im Fluss sein möchte. Somit arbeitet ein Mensch, weil er mit seiner Schöpferkraft seine eigene Gesundheit und Vitalität am Leben hält.

Sense steht für Sinnorientierung, weil jeder Mensch Zugang zu einer tieferen Energie hat. Somit arbeitet ein Mensch für und mit anderen Menschen, weil er dadurch Liebe und Freude erfahren möchte. Weil jeder Mensch ein Leben nach seiner eigenen Bestimmung und seinen eigenen Wertvorstellungen führen möchte.

Doch wer von uns kennt einen Menschen, der alle drei Komponenten gleichzeitig und dauerhaft leben kann? Mir persönlich ist noch keiner begegnet. Aber ein Ideal ist nicht sinnlos, sondern das Ideal gibt die Richtung vor und erinnert bei Abwesenheit an ein rechtzeitiges Gegensteuern. Natürlich bleibt auch mit einem Bewusstsein für alle drei Komponenten das Berufsleben von Höhen und Tiefen geprägt. Das Gefühl von “Flow” ist immer an einen Zeitpunkt gebunden. Der Berufene erlebt Durststrecken und kann nicht ständig den erreichten Glückszustand halten.

Die notwendige Krise

Aber wie kommt es, dass das so wichtige Frühwarnsystem abhandengekommen ist? Denn nur eine kleine Minderheit scheint ein Bewusstsein für die eigene Berufung zu haben. Solange wir noch Kinder waren, hatten wir Zugang zu einer Magie, die vom intuitiven Geist inspiriert wurde. Die Welt der Geschenke und die damit verbundene Vorfreude spielte dabei eine große Rolle. In den Jahren der Jugend verlor sich die Erinnerung an den Auftrag des intuitiven Geistes.

Als ich in den 80er-Jahren meine kaufmännische Lehre und mein Studium der Betriebswirtschaft absolvierte, waren viele Geschenke aus meiner Kindheit in Vergessenheit geraten. Die kindliche Freude wich einem Nützlichkeits- und Prestigedenken. Meine Familie, das Schulsystem und die Gesellschaft formulierten Erwartungen, die ich rational für überzeugend hielt. Aus mir wurde ein Mann, der sich gewissenhaft konservativen Lebensvorstellungen zuwandte. Ich hatte jedenfalls einen gewaltigen Vorrat an Meinungen, die sich mit keiner eigenen Lebenserfahrung deckten. Der auf die Vernunft und Logik konzentrierte Twen verharrte im Entweder-oder-Programm. Zwar hatte ich schon während meiner Studien- und Ausbildungszeit ein gewisses Unbehagen gegenüber meinen beruflichen Zielen gespürt. Die Berufswahl war eher eine Antwort auf die sachlichen Perspektiven am Arbeitsmarkt gewesen. So legten psychologische Eignungstests den ökonomisch aussichtsreichsten aller möglichen Berufswege für mich offen. Mit meiner Begabung für Zahlen und meinem guten Struktur- und Planungsverständnis wurde aus mir ein Betriebswirt mit dem Schwerpunkt für Bilanzrecht und Personalwesen. Der Diener war längst der einzige Herr in meinem Haus.

Doch etwas fühlte sich irgendwann nicht mehr stimmig an. Hatte ich bis dahin die Seele verdrängt, kam es gerade nach dem erfolgreichen Studium zum inneren Debakel. Mit einem guten Examen in der Tasche entstand eine tiefe Traurigkeit, und ich fühlte mich krank. Für meine soziale Umgebung war es ein nicht nachvollziehbares Szenario. Als nach vielen Monaten meine Einkommenssituation bedrohliche Farben annahm, begann ich in das Erwerbsleben zurückzukehren. Dank der wieder entspannten finanziellen Lage konnte ich eine junge Heilpraktikerin in meiner Geburtsstadt Köln aufsuchen. Da ich schon nach kurzer Zeit ein Trainee-Angebot in Bad Homburg erhielt, mussten wir die Behandlung allerdings beenden. In unserem letzten Gespräch gab sie mir den Rat: “Vergessen Sie Ihre Berufung nicht!” Zu diesem Zeitpunkt verstand ich noch nicht, was sie damit meinte.

Auf meinem Weg durch die Welt der Finanzinstitute meldete sich der intuitive Geist nur noch sporadisch und eher mit leisen Tönen. Manchmal erinnerte ich mich an die Worte der Heilpraktikerin. So auch an einem Weihnachtsabend, als mir meine Frau das Buch von Shirley MacLaine schenkte: Der Jakobsweg: Eine spirituelle Reise. Es brauchte noch etwas Zeit. Aber dann brach ich auf, und die Pilgerschaft führte mich nicht nur in den Wallfahrtsort in Spanien. Später schrieb ich eine theologische Hausarbeit zum Thema dieses Buches und absolvierte Coaching- und Seelsorgeausbildungen. Immer begegnete mir das Thema Berufung – und es fesselte mich. In den Jahren der praktischen Arbeit mit Menschen in Umbruchsituationen wurde mir klar, dass die Krisen ein sinnvolles Element im Veränderungsprozess sind. In gewisser Weise ist der Sinn erst durch seine Abwesenheit erfahrbar. Dann erst kann die Umkehr zu einer zentralen Chance werden. Durch die Vielzahl von Gesprächen mit qualifizierten und talentierten Berufstätigen wurde mir bewusst: Glück und Erfolg sind davon abhängig, ob wir die berufliche Neuorientierung in Krisen ganzheitlich bewältigen. Ganzheitlich heißt für mich, dass wir sowohl den intuitiven Geist als auch den rationalen Geist dankbar würdigen.

Irgendwann erkannte ich, dass es meine eigene Berufung ist, Menschen dabei zu helfen, ihre Brücke zwischen der Berufs- und Berufungswelt zu bauen. Für mich wurde deutlich, dass die Brücke zwischen der Berufung und dem Beruf der Sinnfaktor ist. Die Symbolik der Brücke verwende ich deshalb, weil Menschen zu Lebensumständen berufen sein können, die sich nicht oder nur teilweise durch eine berufliche Aufgabe verwirklichen lassen. Zu den Lebensumständen können die Gründung einer Familie, die Liebe zu einem Freizeitsport oder der Dienst in einem Verein werden.

Sie haben erkannt, dass dieser Kurs für ein “Sowohl-als-auch”, für ein gleichzeitiges Miteinander und Nebeneinander steht. Manche Menschen nennen diesen Ansatz paradox oder nicht logisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lösungen häufig eher durch ein Aushalten von Gegensätzen entstehen als durch vorschnelle Entweder-oder-Strategien. Meine Arbeit führte zu einem Konsens. Dieser Konsens betrifft zum einen die personalwirtschaftlichen bis psychologischen Ansätze der Arbeitswelt und zum anderen die spirituellen bis religiösen Ansätze der menschlichen Weisheitslehren. Meist stark voneinander getrennt, setzen sich die verschiedenen Disziplinen mit der Berufungsfrage auseinander. Der Ansatz Work-Life-Sense hingegen will die natürliche Spannung zwischen den sachlich-funktionalen Faktoren und den humanen Aspekten des Berufslebens nutzen. Er folgt dem Glauben, dass erwerbswirtschaftliches Streben durch ganzheitliches Denken und Handeln beseelt werden kann.

Erinnern wir uns an die drei grundlegenden Fragen. In diesen drei Fragen sind drei Komponenten enthalten, die lange Zeit wie zerstrittene Geschwister lebten. Ich nehme das Beispiel der Geschwister deshalb, weil die drei Komponenten der Berufung in einer natürlichen Beziehung zueinander stehen und dennoch Konflikte austragen und voneinander abhängig sind. Erfahrungsgemäß konzentrieren wir uns im Berufsleben meist auf nur eine Komponente und vernachlässigen eine oder manchmal sogar zwei andere. Nehmen wir alle drei Komponenten in den Blick, halten wir allerdings die Eintrittskarte für ein glückliches berufliches Wirken in den Händen, selbst wenn damit eine lebensverwandelnde Krise verbunden sein kann.

Standortbestimmung

Bevor Sie eine Neuorientierung starten, also eine grundlegende berufliche Richtungsentscheidung treffen, wird eine Standortbestimmung hilfreich sein. “Bevor ich freiwillig meine Arbeitsstelle verlasse, möchte doch zunächst wissen, welchen Preis ich dafür zahlen muss”, sagte einmal eine Senior-Referentin, die von ihrem Arbeitgeber ein Abfindungsangebot erhielt. Die persönliche Bestandsaufnahme stellt die Frage, ob der Workshop zur beruflichen Neuausrichtung und die Konzeption eines magnetischen Veränderungskonzepts bereits jetzt Sinn machen.

Werfen Sie allerdings zu Beginn ein waches Auge auf den Teil in Ihnen, der sich gegen die Veränderung sträubt. Das Leben ist ein einziger Veränderungsprozess. In der Geschichte der Menschheit haben sich Völker unentwegt auf den Weg gemacht. Sobald die eigene Heimat nicht mehr genug Nahrung für das weitere Leben versprach, musste sich das Volk entscheiden. Vorher brauchte es die Gewissheit, dass am bisherigen Ort auf lange Sicht Mangel herrschen würde. Das ist heute noch so: Europa wird an seinen Grenzen eingezäunt und schützt sich vor Zuwanderern aus anderen Kontinenten. Gut ausgebildete Facharbeiter aus südlichen EU-Mitgliedsstaaten ziehen mit ihren Familien in nördliche Industriestandorte. Die Treue zur Heimat und die Verbundenheit mit der Komfortzone erhalten im Falle von Nahrungsknappheit einen anderen Stellenwert. Die Globalisierung hat nichts anderes als eine moderne Völkerwanderung ausgelöst. Sie betont allerdings einseitig die Komponente Work in der Phase der Neuorientierung.

Menschen sind aber sowohl rationale als auch emotionale Wesen. So entschied sich einmal eine Kundin zur Auswanderung nach Südfrankreich. Sie kündigte ihre sehr lukrative Stelle in Deutschland, um das zu befreien, das ihrem Leben mehr Sinn versprach. Ihre Liebe zur Provence und der Traum einer Unternehmensgründung in unserem Nachbarland wurden so stark, dass sie sich auf den Weg machte. Menschen können also zu enormen Kraftanstrengungen bereit sein, wenn etwas in der Nahrungskette nicht mehr stimmt oder wenn ganz einfach eine neue Nahrung ruft. Work-Life-Sense geht von einem “Nahrungsbegriff” aus, der sowohl die Überlebens- als auch die Lebensemotionen mit einschließt. Der Mensch ist eine Körper-Seele-Geist-Einheit und setzt sich dann in Bewegung, wenn mindestens eine der Komponenten nach einer neuen oder anderen Nahrung ruft. Im ersten Schritt wird es darum gehen, ein Nahrungsdefizit zu ermitteln und persönlich zu bewerten. In diesem Kurs werde ich wiederholt betonen, dass in einem ganzheitlichen Veränderungsprozess alle drei Komponenten in den Blick genommen werden. Für das Überleben und für das Wohlgefühl benötigen wir Einkommen zur Bedürfniserfüllung und fördernde Umstände, die Gesundheit und Vitalität ermöglichen. Die Seele benötigt als Nahrung Sinn. Nur wenn wir es schaffen, allen Komponenten gerecht zu werden, eine Balance dieser Komponenten herzustellen, können wir von einem glücklichen und erfüllten Berufsleben sprechen.

Der Praxisfall

Um Ihnen diesen ausgewogenen Weg auch praktisch zu erläutern, schildere ich Ihnen einen Praxisfall. So werden Sie einen besseren Zugang zur Systematik und Vorgehensweise erhalten.

Einige Leser meiner Publikationen fragen mich manchmal, ob sie die vorgestellten Teilnehmer der Praxisfälle kontaktieren können. Sie erkennen Gemeinsamkeiten und würden sich gerne mit der Person in einem sozialen Netzwerk verbinden. Das ist naheliegend und ich verbinde gerne passende Kunden untereinander, das Einverständnis beider Personen vorausgesetzt. Im Falle von Carsten J. Graf, dem Beispielkunden in diesem Buch, ist das jedoch nicht möglich. Carsten ist eine Person, die sich aus Merkmalen von gleich vier real existierenden Kunden zusammensetzt. Das musste geschehen, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren. Das mindert allerdings nicht die konkrete Erfahrung von Carsten, der den gesamten Prozess von mehreren Monaten durchlaufen hat. Es kann somit sein, dass sie ihm durchaus einmal in einer Veranstaltung meines Netzwerks Work-Life-Sense begegnen werden.

Carsten kontaktierte mich, als er von seinem Arbeitgeber eine Zusage für ein klassisches Outplacement erhalten hatte. Der 45 Jahre alte Diplom-Ingenieur und Familienvater war zum Zeitpunkt seiner Vereinbarung fast zwanzig Jahre im Unternehmen und hatte zuletzt eine Abteilung geleitet. Ihm waren die Überlegungen der Geschäftsleitung, die Abteilung ins Ausland zu verlagern, schon länger bekannt gewesen. Der Gedanke an einen Umzug nach Südfrankreich bereitete seiner Familie und ihm Kopfzerbrechen. Für seine Frau hätte ein Umzug das vorläufige Ende ihrer beruflichen Karriere bedeutet. So entschied er sich dafür, alles in seinem Leben einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Seine ursprüngliche Berufswahl war nämlich eine einseitige und weitgehend von außen gesteuerte Entscheidung gewesen. Die Komponente Work, also die auf Einkommen, Leistung und Effektivität ausgerichteten Kräfte, wurden schon in Schulzeit und Studium vordergründig gepflegt. Es entsprach bis dahin auch seinem Rollenverständnis, dass er in erster Linie eine Berufs- und Studienwahl zu treffen hatte, die seinem Männerbild entsprach. “Für mich war es immer wichtig, dass ich mit meinem Beruf Geld verdienen kann. Ich wollte Familie, und mir war klar, dass meine Frau für die Erziehung der Kinder da ist.”

Carsten war zu diesem Zeitpunkt sehr stolz auf das erreichte Arbeitsergebnis, und es war in der Übung der Standortbestimmung ablesbar. In den Aufbaujahren geht es für Männer im Wesentlichen um die wichtigen Marktkriterien, die Carsten exzellent beherrschte. Doch hatte er eine Komponente seiner Berufung besonders betont und ein eher unausgewogenes Selbstbild kultiviert.