G. F. Unger 2046 - Western - G. F. Unger - ebook

G. F. Unger 2046 - Western ebook

G. F. Unger

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Opis

Vance Logan fühlte sich als Ritter eines großen Mannes, der sich ein Königreich schaffen wollte. Doch dann verlangte sein Rancher von ihm Dinge, die er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte ... Genießen Sie ein weiteres erzählerisches Meisterwerk G.F. Ungers! Dieser Western gehört zu den Romanen, mit denen er sich in die Herzen einer weltweiten Lesergemeinde geschrieben hat!

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Inhalt

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Salvador Faba/Norma

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-9356-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Warwicks Reiter

Es begann in El Paso, denn auch ich hatte zu den Dummköpfen gehört, die in den Monaten nach dem für den Süden verlorenen Krieg dorthin geritten waren, weil sie aus irgendwelchen Gründen glaubten, in dieser Stadt auf irgendeine Art ein paar Dollar ergattern zu können.

Wir alle waren Exsoldaten der ehemaligen Konföderiertenarmee. Viele von uns kannten sich zumindest vom Sehen, weil sie alle unter Stonewall Jackson in der Texasbrigade geritten waren.

Als ich den dritten Tag in El Paso war, hing mir der Magen bis zu den Kniekehlen und ich fand immer noch keinen Job.

Die Rancher brauchten keine Cowboys, die Farmer keine Helfer, und auch für Wildpferdjäger lohnte sich die Mühe nicht. Denn selbst Pferde brachten kaum etwas ein. Es gab nicht genug Bargeld im Süden. Man machte eigentlich nur Tauschgeschäfte. Doch Satteltramps hatten nichts zu tauschen.

Am dritten Tag hing mir also der Magen bis zu den Kniekehlen. Und ein hungriger Wolf biss immer wieder hinein und knurrte zwischendurch höllisch. Doch am Abend dieses Tages hatte ich dann endlich Glück …

Ich konnte das Signalhorn, das ich einen Tag vor Kriegsende einem Hornisten der Unionskavallerie abgenommen hatte, für zwei Dollar an einen Quacksalber verkaufen, der mit einer Wundermedizin und vielerlei Salben und Tees handelte, die gegen alle möglichen Krankheiten gut sein sollten.

Ich ging mit den zwei Dollar erst einmal in eine Speiseküche und schlug mir den Bauch voll, bis nichts mehr hineinging.

Auch das hatte ich während des Krieges gelernt, weil man ja niemals wusste, wann man wieder etwas zwischen die Zähne bekommen würde.

Als ich satt und zufrieden wieder auf die Straße trat, besaß ich immer noch eineinhalb Dollar und überlegte, wie ich sie anlegen könnte, damit sie möglichst viel Gewinn brächten. In der Spielhalle war vielleicht was zu machen. Denn meine Pechsträhne konnte doch nicht ewig dauern. Sie musste ja irgendwann einmal enden, und warum sollte das nicht heute sein?

Ich besuchte noch mal mein Pferd an der Haltestange eines Saloons. Es stand dort ziemlich traurig und schnaubte nur verächtlich, als ich neben ihm verhielt und ihm den Hals klopfte.

Ich hatte das Tier schon außerhalb der Stadt weiden lassen, aber es war gewiss nicht richtig satt geworden. Es hätte mal richtiges Futter gebraucht. Doch die ganze Umgebung von El Paso war abgeweidet, vertrocknet und staubig. Mein grauer Wallach hätte mal Mais oder gar Hafer und Kleie haben müssen, damit man seine Rippen nicht so sah und sein Fell wieder zu glänzen begann.

Ich sagte: »Kamerad, eines verspreche ich dir, ganz gleich, ob ich gewinne oder verliere. Ab morgen wird es anders. Da kannst du dich drauf verlassen.«

Er schnaubte wieder verächtlich, dieser graue Wallach mit den Kriegsnarben. Offenbar traute er mir jetzt im Frieden nicht viel zu.

Ich sagte trotzig, indem ich ihm den Hals klopfte: »Du wirst schon sehen, mein Junge, du wirst schon sehen.«

Wenig später war ich in der Spielhalle und machte aus einem Dollar binnen einer Viertelstunde am Black-Jack-Tisch elf.

Am Würfeltisch wurden es dann sehr schnell siebenundzwanzig.

Und da begann ich an eine Glückssträhne zu glauben.

Ich dachte mir, dass sie sicherlich nicht ewig dauern würde, und setzte alles beim Roulett auf die Null, also auf Zero. Ja, ich wollte alles oder nichts. Und wenn die Null gekommen wäre, o weia, dann würden sich meine siebenundzwanzig Dollar um das Fünfunddreißigfache vermehrt haben.

Aber es kam die Dreiundzwanzig.

Und damit stand ich wieder am Anfang. Der einzige Unterschied war nur, dass ich jetzt einen vollen Bauch hatte und wieder drei Tage und drei Nächte hungern konnte.

Doch das wollte ich unter keinen Umständen mehr. Deshalb würde ich nun ein Bandit werden.

Denn hatte ich nicht meinem narbigen Wallach versprochen, dass es vom nächsten Tag an anders werden würde? Oh, zum Teufel, mir langte es jetzt, wie ein Hungerleider und Tramp in El Paso auf ein Wunder zu warten.

Ich musste handeln. Und so begann ich mich in der Spielhalle nach einer fetten Beute umzusehen.

Im hinteren Spielzimmer fand eine besondere Pokerpartie statt. Da saßen fünf hartgesottene Spieler am runden Tisch und spielten um Beträge, die für mich gewaltig waren. Zuschauer durften nicht hinein, aber am Durchgang, da drängten sich die neugierigen Zuschauer, und weil ich ziemlich groß war, konnte ich über die Köpfe oder zumindest Schultern hinwegsehen. Ja, da fand ein Spiel statt, von dem man in Texas gewiss bald erzählen würde.

Aber wer hatte denn jetzt in dieser miesen Zeit noch so viel Geld? Eigentlich konnte es sich da doch nur um Yankees handeln.

Ich fragte meinen Nachbarn zur Rechten: »He, Freund, wer sind die denn da drinnen? Kennst du sie?«

Der bullige Bursche grinste mich an. Er sah wie ein Frachtfahrer und Maultiertreiber aus.

»Aaah«, sagte er grinsend. »Zwei dieser Kerle sind Yankees, die hier bei den Versteigerungen alles zu Schleuderpreisen aufkaufen. Es tut richtig gut, sie verlieren zu sehen. Vielleicht haben sie dann bei den nächsten Versteigerungen nicht mehr genug Bargeld bei sich. Der dritte Bursche – der mit der Schafsnase – ist der Steuereintreiber der Yankees, mit dem die beiden gewiss gemeinsame Sache machen. Der vierte Mann ist nicht einfach nur ein Mexikaner, sondern ein ehemaliger General – ein selbst ernannter General, der früher Bandit war, sich aber auf die Seite der Franzosen schlug und gegen Benito Juarez kämpfte. Er musste über die Grenze flüchten, weil Juarez ihn gerne hängen lassen würde. Er muss drüben reiche Beute gemacht haben.«

»Und der fünfte Mann?« So fragte ich. Denn dieser Mann interessierte mich besonders, aber nicht deshalb, weil er wie ein Boss aussah, der es gewöhnt war, Befehle zu erteilen und Männer zu führen, sondern mehr aus dem Grund, weil er der Mann war, der an diesem Tisch gewann, immer wieder gewann.

Er saß auf der anderen Seite des runden Tisches im Lampenschein, sodass ich ihn genau betrachten konnte. Ja, er war gewiss ein Boss, ein beachtlicher Bursche. Vielleicht war sein Haar schon ein wenig grau geworden, aber er war gewiss nicht älter als vierzig.

Der Frachtfahrer neben mir sagte: »Den kenne ich nicht. Der ist nicht aus El Paso. Er muss sich auf der Durchreise befinden, und ich frage mich, wie lange diese vier Hurensöhne ihn noch gewinnen lassen. Besonders der mexikanische Bandit, den sie Rondo nennen, wird das nicht mehr lange ertragen. Er hat zwei Leibwächter und ständige Begleiter bei sich, gefährliche Pistoleros. Der lässt sich nicht so einfach sein Geld beim Poker abnehmen.«

Ich bedankte mich für die Auskünfte und verharrte weiter in der Gruppe.

Wie lange würde dieses Pokerspiel noch dauern? Es war ja noch nicht mal Mitternacht. Solche Pokerpartien dauerten manchmal Nächte und Tage.

Ich überzeugte mich, dass es aus diesem Hinterzimmer keinen anderen Ausgang gab, und zog mich wieder zurück. Denn nun musste ich warten. Es genügte, dass ich dann und wann mal einen Blick auf die Runde warf.

Als ich an der langen Bar entlangging, an dem die durstigen Kehlen standen, verspürte ich Neidgefühle, weil es offenbar noch genügend Burschen gab, die ein paar Cents für einen Drink hatten.

Einer wandte sich mir zu und sagte: »He, bist du nicht Vance Logan, den General Lee zum Lieutenant ernannte, weil er den Yanks fünfhundert Pferde stehlen und dadurch ein ganzes Regiment zu Fußgängern machen konnte?«

Nun, Vance Logan, das ist mein Name. Ich konnte es nicht abstreiten. Überdies konnte ich mir ausrechnen, dass ich bald einen Drink spendiert bekommen würde. Und so sagte ich: »Der bin ich. Aber dich kenne ich nicht.«

»Das glaube ich«, sagte er und grinste. »Wir waren ja auch nur angetreten, um deiner Beförderung und Belobigung den feierlichen Rahmen zu geben. Aber dann wurden die Pferde verteilt. Auch ich musste nicht mehr laufen. Dafür danke ich dir noch heute. Darf ich dir einen Drink spendieren?«

»Sicher.« Ich grinste. »Wenn du nicht von mir erwartest, dass ich mich revanchiere. Denn ich bin platt und pleite.«

Er lachte. Dann bot er mir die Hand.

»Ich bin John Langdon. Nachdem wir wieder Pferde hatten – was dir zu verdanken war -, griffen wir eine starke Artilleriestellung der Yanks an und eroberten die Geschütze. Und weil ich der Anführer war, wurde auch ich Lieutenant. Das gefiel mir damals sehr. Oha, ich muss dir dankbar sein, Vance Logan.«

Er lachte. Und auch ich lachte. Und dann tranken wir einige scharfe Sachen. Ich hatte gut gegessen und konnte sie vertragen. Wir standen lange an der Bar und unterhielten uns über den verdammten Krieg und was man jetzt tun konnte, um ein paar Dollars zu verdienen.

Und dann sah ich diesen Mann aus dem Hinterzimmer kommen, der immerzu gewonnen hatte und der wie ein Boss aussah.

Ich verabschiedete mich von John Langdon und folgte dem Mann, in dessen Taschen sich jetzt eine Menge Geld befinden musste. Denn ich war sicher, dass er auch weiterhin gewonnen und dass sich die Pokerrunde kurz nach Mitternacht deshalb aufgelöst hatte, weil die anderen Spieler nicht noch mehr verlieren wollten.

Ja, ich war entschlossen, ihm die Taschen ein wenig leichter zu machen. Ich hatte lange genug auf eine Chance gewartet, sie überall gesucht.