Essig selbst gemacht - Klaus Hagmann - ebook

Essig selbst gemacht ebook

Klaus Hagmann

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Sauer macht lustig - Basiswissen Essigherstellung Schritt für Schritt - Essigspezialitäten wie Balsamessig und Ansatzessige sowie Rezepte mit Essig - Fehlerkompass Lust auf Essig? Sie haben reichlich Obst geerntet oder Wein und Most übrig und möchten in relativ kurzer Zeit mit einfachen Mitteln größere und auch kleinere Mengen feinen Essig herstellen? Die beiden Autoren beschreiben die wichtigsten Schritte vom Ausgangsprodukt zum fertigen Essig, geben Ratschläge zur Verfeinerung von Ansatzessigen und beantworten die wichtigsten Fragen, auf die es beim Herstellen von Essig ankommt. Das Essiglexikon klärt über die wichtigsten Essigsorten auf und über 30 Rezepte für und mit Essig laden ein, Essig auch einmal von ganz anderen Seiten zu betrachten.

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Klaus Hagmann | Helmut Graf

Essig selbst gemacht

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Inhaltsverzeichnis

Kein Hexenwerk …Rund um den EssigEssigherstellung – eine uralte KunstLebensmittelrechtliche BestimmungenWoraus entsteht Essig?Die EssigsäurebakterienEssig herstellenDie verschiedenen VerfahrenDie industrielle EssigproduktionDie halbtechnische EssigbereitungEinfache Essigherstellung zu HauseAlles Essig – und dann?Die WeiterverarbeitungEssigfehler erkennen und behebenGesundheit und GenussEssig und GesundheitEssigspezialitätenRezepte mit EssigEssige von A bis ZServiceABC der EssigherstellungBuchtipps und LiteraturWichtige AnschriftenBezugsquellenBildquellen
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Kein Hexenwerk …

 

Zum Gedenken an meinen Freund und Mitautor Dr. Helmut Graf † 13.07.2011

 

 

Im vergangenen Jahrhundert erschienen im deutschen Sprachraum nur zwei wissenschaftliche, zusammenfassende Veröffentlichungen zum Thema Essigherstellung: das „Lehrbuch der Essigfabrikation“ von H. Wüstenfeld (1930) sowie in der Enzyklopädie der technischen Chemie das von G. Haeseler bearbeitete Kapitel „Essig“ (1955). Deshalb möchten wir den heutigen Wissensstand der industriellen und häuslichen Herstellung von Essig erneut aufgreifen.

Zur Essigherstellung kamen wir aus verschiedenen Gründen: Zum einen anlässlich unseres Studiums und der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit am Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität Hohenheim in Stuttgart; zum anderen deshalb, weil wir jedes Jahr im Spätherbst zu Beginn der Apfel- und Birnen-Mostsaison vor durchaus qualitativ hochwertigen, relativ großen Mostresten des vergangenen Jahres stehen. Die Essigherstellung scheint uns eine praktikable Möglichkeit zu sein, diese Restmengen sinnvoll zu verwerten. Zudem ist es heute für viele Menschen von Bedeutung, Lebensmittel naturnah, gesund und ökologisch selbst zu gewinnen. Die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre zeigen, dass dieser Trend nicht unbegründet und durchaus vernünftig ist.

Vor noch nicht einmal hundert Jahren waren Mischungen aus Most oder Essig, eventuell verdünnt mit etwas Soda, völlig gebräuchliche Durst löschende Getränke. Mittlerweile hat man den Apfelessig neu entdeckt und rührt ihn in Fitness-Cocktails und Kochrezepte oder wendet ihn vom Essigbad bis hin zur Essigmassage äußerlich an. Was bereits die alten Römer wussten, die sich mit essighaltigen Getränken vor Infektionskrankheiten oder gegen Völlegefühl nach ausschweifenden Festgelagen schützten, wird uns heute in unvorstellbarer Vielfalt erneut präsentiert.

Die häusliche Essigbereitung ist unserer Meinung nach jedem möglich, der sich dafür interessiert. Besonders Gartenbesitzer, deren Obsternten anderweitig nicht sinnvoll verwertet werden können, dürften ihre Freude daran haben. Mit diesem Buch ist die Herstellung von Essig wirklich kein Hexenwerk! Wir wünschen viel Spaß und Erfolg dabei.

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Rund um den Essig

© Dr. Klaus Hagmann

Essigherstellung – eine uralte Kunst

Essig wurde schon immer in allen Kulturen hergestellt. Zunächst wurde er als Getränk, als Speisewürze und als Konservierungsmittel eingesetzt, später entdeckte man die Vorzüge als Reinigungsmittel und Anwendungsmöglichkeiten im medizinischen und kosmetischen Bereich.

Essig gehört zur Gruppe der fermentierten Lebensmittel, die durch die Aktivitäten unterschiedlicher Mikroorganismen entstehen. Bekannte Beispiele für fermentierte Lebensmittel sind Wein, Bier, einige Milchprodukte wie Quark, Jogurt, Käse oder Kefir und eben auch Essig. Selbst die Zubereitung von Backwaren könnten wir ohne Hefen oder Milchsäurebakterien, wie sie zur Herstellung von Sauerteigwaren benötigt werden, kaum bewerkstelligen.

Die Vorstufe der Essigbildung ist Alkohol (Ethanol, Ethylalkohol) in nicht zu hoher Konzentration. Alkohol entsteht durch die Vergärung zuckerhaltiger Lösungen mittels Hefen oder spezieller Bakterienarten. Als zuckerhaltige Lösungen dienen vor allem Säfte pflanzlicher Herkunft wie Trauben- oder Apfelsaft. Eine Zuckerbildung findet nicht nur in Weintrauben, sondern in den meisten Früchten und verstärkt in warmen Klimaten statt. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Quellen für die Alkohol- und Essigherstellung aus dem Vorderen Orient stammen. Nach Ansicht von Historikern ist die Wein- und Essigbereitung seit mehr als 10 000 Jahren bekannt. Bereits im Talmud wird erzählt, dass während der Zeit der Verschleppung der Juden aus dem Gelobten Land nach Mesopotamien beträchtliche Wein- und Biermengen verdarben und zu Essig versäuerten. Auch den dort ansässigen Babyloniern war die Herstellung und der Gebrauch von Essig schon 5000 v. Chr. bekannt. Sie verwendeten Essig hauptsächlich als Gewürz und als Konservierungsmittel für alle Arten von Lebensmitteln.

Vollreife Äpfel der Streuobstwiesen sind das ideale Ausgangsmaterial zur Herstellung naturtrüber Apfelessige. © Dr. Klaus Hagmann

Die Babylonier stellten Essig nicht nur aus Wein und Bier her, sondern auch aus dem Saft von Dattelpalmen. Hierzu wurden die Bäume im Bereich der Blüten angeritzt oder angeschnitten. Den austretenden süßen Saft leitete man in Gefäße, die an die Bäume gebunden waren. Da der Saft lediglich geringe Zuckermengen enthielt, erfolgte die Vergärung und Essigbildung in nur drei bis vier Tagen. Ein stabiler Wein wurde durch die Vergärung von Dattelhonig gewonnen, der nicht mit unserem Bienenhonig zu verwechseln ist, denn er wurde aus vollreifen und an der Sonne getrockneten Datteln mittels nicht überlieferter Methoden hergestellt. Mit dem in der Bibel häufig erwähnten Begriff Honig ist daher der aus Dattelfrüchten stammende, zähflüssige Sirup gemeint. Der aus Dattelweinen entstandene Essig wies aufgrund der höheren Zucker- und Alkoholkonzentrationen auch entsprechend höhere Säuregehalte auf als der aus den relativ dünnen Baumsäften gewonnene Essig. Deshalb eignete sich dieses stärkere Produkt besser als Konservierungsmittel. Essig aus Dattelwein wurde vorwiegend in kleinen Mengen hergestellt. Im Lauf der Zeit setzte sich in Babylon durch den Einfluss des damaligen Brauwesens mehr und mehr eine kommerzielle Essigproduktion durch. Dabei wurde das wie heute aus Getreiderohstoffen zubereitete Bier zu Speiseessig vergoren.

Ein weiterer Rohstoff zur Essigherstellung in Vorderasien, vor allem bei den Phöniziern, waren Äpfel beziehungsweise der aus diesen hergestellte Apfelmost. Das heute in Nordfrankreich beliebte Getränk Cidre ist auf die phönizische Bezeichnung „Shekkar“, Apfelmost, zurückzuführen.

Den Ägyptern war die Kunst des Weinbaus und damit die der Essigherstellung ebenfalls bereits vor über 3000 Jahren vertraut. Pharao Amenophis III. (1402 bis 1364 v. Chr.) soll dem Tempel von Luxor einen Weinberg geschenkt haben, „dessen Ernten größer waren als die Wasser des Nils bei Hochwasser“. Im Grab des Pharao Tut-ench-Amun (um 1340 v. Chr.) wurden 36 große Amphoren mit Wein gefunden.

Auch in Palästina wurde Weinbau betrieben, so war beispielsweise die Stadt Gideon im 7. Jahrhundert v. Chr. ein weithin bekanntes Weinbauzentrum. In der Bibel ist zu lesen: „Noah aber fing an und ward ein Ackersmann und pflanzte Weinberge“ (1. Moses 9,20). Da die Säuerung von Wein, also die Essigbildung, ein spontaner biologischer Prozess ist, war auch hier der Essig als Gewürz und Konservierungsmittel bekannt und verbreitet. Vermutlich kam der Weinbau und damit die Essigbereitung über die Handel treibenden Phönizier zu den Kretern und Griechen und schließlich zu den Römern. Vor allem Cato (234 bis 149 v. Chr.) beschrieb in seinen Beobachtungen und Hinweisen zur Landwirtschaft „De Agri Cultura“ ausführlich verschiedene Methoden zur Herstellung und zum Gebrauch von Essig: „Wein für die Sklaven wird durch die Vergärung von 12 Teilen Traubensaft, 2 Teilen scharfen Essigs und 50 Teilen kochenden Wassers gewonnen.“ Pocsa nannte man ein beliebtes Getränk bei den römischen Soldaten, das aus Essig, Wasser und Eiern bestand. Bei der Kreuzigung Christi wird Essig ausdrücklich erwähnt: „Sie tränkten einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf einen Stab und führten ihn an seinen Mund…“ (Johannes 19,29 bis 30). Mit der Verbreitung der Wein- und Bierherstellung wurde die Essigbereitung auch in Europa heimisch.

Bis zum frühen Mittelalter stellte man Essig nahezu ausschließlich im Haushalt her. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts entwickelte sich in Frankreich, besonders in der Gegend von Orléans, eine eigenständige Essig produzierende Kleinindustrie. Der Essig von Orléans wurde aus halbfesten Bier- und Weinmaischen mittels eines relativ langwierigen Verfahrens gewonnen. Eine modernere Variante der Essigproduktion wurde von Boerhave (1705) beschrieben, die man nach ihm benannte. Dieses Boerhave-Verfahren unterschied sich von seinen Vorläufern, indem nicht mehr eine ruhende, halbfeste Flüssigkeit zur Vergärung kam, sondern eine bewegte. Das Boerhave-Verfahren ging wiederum dem Schnellessigverfahren voraus, das besonders von Schuezenbach (1815) wesentlich weiterentwickelt wurde. Kurz darauf gelang es dem Engländer Ham (1824), das Generator-Verfahren zu etablieren, das in einer verbesserten Form heute noch gebräuchlich ist. Alle Verfahren haben gemeinsam, dass die Essigsäurebakterien an oder auf Oberflächen angesiedelt sind und dort wachsen. Man nennt diese Produktionsweisen deshalb auch Oberflächen- und Fesselgärverfahren.

1949 wurde ein so genanntes Submersverfahren, bei dem die Essigsäurebakterien frei in den Flüssigkeiten flottieren, in die Praxis der industriellen Essigproduktion eingeführt. Mit dieser völlig neuartigen Methode und dessen technischer Weiterentwicklung sind vor allem die Namen Hromatka (1952), Cohee und Steffen (1959) sowie Frings (1932) und besonders Ebner (1966) verbunden. In Abgrenzung zum Generator-Verfahren spricht man hier vom Acetator-Verfahren.

Lebensmittelrechtliche Bestimmungen

Welche Vorschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es, die den Umgang mit Essig und Essigessenz regeln? Für wen gelten diese Bestimmungen? Sie gelten für alle, die Essig oder Essigessenz in Verkehr bringen.

Deutschland

Nachfolgend werden die wichtigsten Abschnitte der Verordnung über den Verkehr mit Essig und Essigessenz wiedergegeben:

Verordnung über den Verkehr mit Essig und Essigessenz vom 25. April 1972 (BGBl. I S. 732), die zuletzt durch Artikel 8 der Verordnung vom 22. Februar 2006 (BGBl. I S. 444) geändert worden ist.

§ 1

(1) Essig im Sinne dieser Verordnung ist das Erzeugnis, das in 100 Millilitern mindestens 5 Gramm und höchstens 15,5 Gramm Säure, berechnet als wasserfreie Essigsäure, enthält und hergestellt ist

durch Essiggärung aus weingeisthaltigen Flüssigkeiten, auch unter Verdünnen mit Wasser (Gärungsessig),

durch Verdünnen von Essigsäure oder Essigessenz mit Wasser oder

durch Vermischen von Gärungsessig mit Essigsäure, Essigessenz oder Essig aus Essigessenz.

(2) Essigessenz im Sinne dieser Verordnung ist gereinigte, mit Wasser verdünnte Essigsäure, die in 100 Gramm mehr als 15,2 Gramm (15,5 Gramm je 100 Milliliter), jedoch höchstens 25 Gramm wasserfreie Essigsäure enthält.

(3) Für Weinessig gilt die Begriffsbestimmung in Anhang 1 Nr. 19 der Verordnung (EG) Nr. 1493/1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die gemeinsame Marktorganisation für Wein (ABl. EG Nr. L 179 S. 1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 2165/2005 des Rates vom 20. Dezember 2005 (ABl. EU Nr. L 345 S. 1). Im Übrigen gelten die Vorschriften dieser Verordnung.

§ 2

(1) Essig, der in 100 Millilitern mehr als 11 Gramm Säure, berechnet als wasserfreie Essigsäure, enthält, und Essigessenz dürfen gewerbsmäßig nur in verschlossenen Behältnissen in den Verkehr gebracht werden, die den zu erwartenden Beanspruchungen sicher widerstehen und aus Werkstoffen hergestellt sind, die von Essigessenz nicht angegriffen werden und mit ihr nicht in gefährlicher Weise reagieren. Die Behältnisse müssen in deutscher Sprache und in deutlich sichtbarer, leicht lesbarer Schrift mit dem Hinweis „Vorsicht! Nicht unverdünnt genießen!“ versehen sein.

(2) Inverkehrbringen im Sinne dieser Verordnung ist das Anbieten, das Vorrätighalten zum Verkauf, das Feilhalten, das Verkaufen und jedes sonstige Überlassen an andere. Dem gewerbsmäßigen Inverkehrbringen steht es gleich, wenn die Erzeugnisse für Mitglieder von Genossenschaften oder ähnlichen Einrichtungen oder in Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung abgegeben werden.

§ 4

2 Vorschriften zitieren § 4

(1) Essig darf gewerbsmäßig nur in den Verkehr gebracht werden, wenn er wie folgt gekennzeichnet ist:

Gärungsessig als „Essig“ in Verbindung mit der Angabe der Ausgangs- und Rohstoffe;

Essig aus Essigsäure als „Essig aus Essigsäure“; Essig aus Essigessenz als „Essig aus Essigessenz“;

mit Essigessenz oder Essig aus Essigessenz vermischter Gärungsessig als „Essig“ mit dem Hinweis „hergestellt unter Zusatz von Essigessenz“;

mit Essigsäure oder Essig aus Essigsäure vermischter Gärungsessig als „Essig“ mit dem Hinweis „hergestellt unter Zusatz von Essigsäure“.

(2) Essigessenz darf gewerbsmäßig nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie als solche gekennzeichnet ist.

(3) Der Gehalt an Essigsäure und anderen Säuren, die den verwendeten Ausgangs- oder Rohstoffen oder erlaubten Zusätzen entstammen (Gesamtsäuregehalt), ist, berechnet als wasserfreie Essigsäure, bei Essig in Gramm je 100 Milliliter, bei Essigessenz in Gramm je 100 Gramm mit den Worten „…% Säure“ anzugeben.

(4) Die Angaben nach den Absätzen 1 bis 3 sind in deutscher Sprache und in deutlich sichtbarer, leicht lesbarer Schrift auf oder an den Behältnissen vorzunehmen.

§ 4a

Abweichend von § 3 Abs. 1 der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung brauchen nicht angegeben zu werden:

bei Gärungsessig, der nur aus einem Ausgangs- oder Rohstoff hergestellt ist und dem keine weitere Zutat zugesetzt ist, das Verzeichnis der Zutaten,

bei Essigen (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 bis 4) das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Was gibt es bei der Essigherstellung zu beachten? © Dr. Klaus Hagmann

§ 5

(1) Nach § 59 Abs. 1 Nr. 21 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches wird bestraft, wer entgegen § 2 Essig oder Essigsäure in nicht vorschriftsmäßigen Behältnissen oder in Behältnissen ohne den vorgeschriebenen Warnhinweis in den Verkehr bringt.

(2) Nach § 59 Abs. 1 Nr. 21 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches wird bestraft, wer entgegen § 4 Essig oder Essigessenz, die nicht oder nicht in der vorgeschriebenen Weise gekennzeichnet sind, gewerbsmäßig in den Verkehr bringt.

(3) Wer eine in den Absätzen 1 und 2 bezeichnete Handlung fahrlässig begeht, handelt nach § 60 Abs. 1 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches ordnungswidrig.

Sonstiges

Gärungsessig darf geschwefelt werden, eine Kenntlichmachung ist nicht erforderlich, da der zulässige Höchstwert 50 mg/kg nicht übersteigt. Allerdings wurde erst unlängst die Höchstmenge an gesamter schwefliger Säure bei Gärungsessigen auf 170 mg/l erhöht. Überschreitet der Schwefeldioxidgehalt 50 mg/l, ist eine Kenntlichmachung durch die Angabe „geschwefelt“ vorgeschrieben. Diese Zusatzstoff-ZulassungsVO gilt auch für Weinessig, für den außerdem ein Mindestsäuregehalt von 60 g/l verbindlich vorgeschrieben ist.

Für Weinessige ist das Weingesetz verbindlich. Als Weinessig sind solche Erzeugnisse anzusehen, die ausschließlich aus Wein hergestellt sind und einen Essigsäuregehalt von mindestens 60 g/l (= 6 %) aufweisen. Obwohl nicht eindeutig durch Gesetze geregelt, soll es erlaubt sein, Weinessige mit mehr als 6 % Essigsäure mit Trinkwasser auf diesen Schwellenwert zu verdünnen, der Gehalt an Essigsäure muss jedoch ausschließlich aus der Vergärung von Wein herrühren. Es muss an dieser Stelle nochmals angemerkt werden, dass die Verdünnung von Weinessig auf einen Mindestsäuregehalt von 6 % durch Trinkwasserzusatz auch heute noch strittig ist. Der Artikel 15 Abs. 4 VO (EWG) Nr. 822/87 besagt eindeutig, dass ein Zusatz von Wasser bei den unter Artikel 1 genannten Erzeugnissen – und Weinessig ist dort ausdrücklich erwähnt – verboten ist. Hier gibt es offenbar eine Gesetzeslücke beziehungsweise eine Disharmonie zwischen nationalem und europäischem Recht. Da das europäische Recht weiterreichend ist als die nationale Gesetzgebung, ist nach juristischer Auffassung das Verdünnen von Weinessig mit Trinkwasser verboten. Essigstichige Weine dürfen zu Weinessig oder Essig verarbeitet werden, es ist aber zu beachten, dass solche Weine, wenn sie in den Warenverkehr gebracht werden, in den Begleitpapieren als essigstichig zu kennzeichnen sind. Als derartig verdorbene Weine sind anzusehen: Weißweine mit mehr als 1,08 g, Rotweine mit mehr als 1,2 g, Beerenauslesen und Eisweine mit mehr als 1,8 g und Trockenbeerauslesen mit mehr als 2,1 Gramm flüchtiger Säure pro Liter. Die Bezeichnungen Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerauslese und Eiswein dürfen im geschäftlichen Verkehr nur in Verbindung mit Wein gebraucht werden. Der Begriff Trockenbeerauslese-Weinessig beispielsweise wäre dementsprechend widerrechtlich. Möglich und auch ratsam ist die Angabe der Rebsorte des Grundweines, nicht erlaubt ist hingegen der Begriff „Erzeugerabfüllung“, der allein Weinen vorbehalten ist.

Als verdorbene Essige sind anzusehen:

Essig und Essigsäure, die in erheblichem Maße Essigälchen enthalten oder kahmig sind oder andere starke Verunreinigungen aufweisen,

Essig und Essigsäure, die als solche oder nach dem Verdünnen fremdartig riechen oder schmecken,

Essig oder Essigsäure, die aus verdorbenen Erzeugnissen oder unter Mitverwendung solcher Erzeugnisse gewonnen sind; lediglich essigstichig gewordene Erzeugnisse sind dabei nicht als verdorben anzusehen.

Österreich

Die gesetzlichen Grundlagen der Essigbereitung in Österreich sind in Kapitel B8 des Österreichischen Lebensmittelbuches (ÖL) zusammengefasst. Auch hier soll nicht der gesamte Gesetzestext wiedergegeben werden, sondern nur die wichtigsten Punkte desselben, und das nur dann, wenn diese in entscheidenden Aspekten den in Deutschland geltenden Verordnungen widersprechen.

ÖL B8. Absatz 8: Man unterscheidet Gärungsessig und Säureessig.

Gärungsessig liegt vor, wenn die Essigsäure durch doppelte Fermentation entstanden ist. Er enthält typische Fermentationsprodukte, wie 2-Ketogluconsäure, 5-Ketogluconsäure, Zitronensäure und Aminosäuren. Alle aus Wein, Obstwein oder Honig hergestellten Gärungsessige enthalten für sie charakteristische Stoffe wie Acetoin und 2,3-Butylenglykol.

Säureessig entsteht durch Verdünnen von konzentrierter Essigsäure mit Trinkwasser und enthält die in a) erwähnten Fermentationsprodukte nicht.

ÖL B8. Absatz 9: Gärungsessig wird nach den verwendeten Ausgangsmaterialien unterschieden:

Weinessig wird aus Traubenwein erzeugt. Schlempe, Geläger und Trester werden zur Herstellung von Weinessig nicht verwendet.

Obstweinessig wird aus Obstwein erzeugt. Schlempe, Geläger und Trester werden zur Herstellung von Obstweinessig nicht verwendet.

Trester-, Bier-, Malz-, Honig-, Molkenessig und andere werden, ihrer Bezeichnung entsprechend, aus Trestern (Pressrückständen), Bier, vergorener Malzwürze, vergorenem Honig, vergorener Molke und anderem erzeugt.

Weingeistessig wird aus Alkohol für Genusszwecke (Weingeist) erzeugt.

ÖL B8. Absatz 16: Essigen können andere Lebensmittel wie Fruchtmark, Fruchtsäfte, Honig, Zucker, Zuckerarten, Fruchtsüße und Salz zugesetzt werden.

ÖL B8. Absatz 17: Essigen können als Geschmacksverstärker Glutaminsäure und deren Mononatrium-, Monokalium- und Calciumsalze zugesetzt werden.

ÖL B8. Absatz 20: Gärungsessig

Restalkohol: Wein- und Obstweinessig höchstens 4 g/l, andere Gärungsessige höchstens 8 g/l.

2-Ketogluconsäure: nachweisbar; 5-Ketogluconsäure: nachweisbar; Gluconsäure: nachweisbar.

ÖL B8. Absatz 21: Weinessig

Die Beurteilung von Weinessig lässt die ausschließliche Verwendung von Wein (allenfalls nach Verdünnung mit Trinkwasser), der im Sinne des Weingesetzes zur Essigbereitung geeignet ist, erkennen.

Chemische Anforderungen:1. Acetoin: nachweisbar; 2. Sorbit: unter 0,3 g/l; 3. Fremdfarbstoff: nicht nachweisbar; 4. Konservierungsmittel: nicht nachweisbar; 5. Antioxidantien: nicht nachweisbar.Zusätzlich müssen für österreichischen Qualitäts-Weinessig bestimmte, genau definierte Verhältnisse zwischen Gesamtsäure und zuckerfreiem Extrakt sowie Gesamtsäure und Aschegehalt nachweisbar sein.

ÖL B8. Absatz 22: Obstweinessigaa) Die Beurteilung von Obstweinessig lässt die ausschließliche Verwendung von Obstwein (allenfalls nach Verdünnung mit Trinkwasser), der im Sinne des Weingesetzes zur Essigbereitung geeignet ist, erkennen. bb) Chemische Anforderungen:1. Acetoin: nachweisbar; 2. Weinsäure: unter 0,1 g/l; 3. Sorbit: in Beerenweinessig unter 0,1 g/l; 4. und 5. und Zusatzanforderungen: wie bei Weinessig.

ÖL B8 Absätze 24 bis 31 (Bezeichnungen)

Absatz 24: Die Bezeichnung „Essig“ für sich allein oder in Verbindung mit Fantasiebezeichnungen ist zur Täuschung geeignet, weil sie nichts über die besondere Beschaffenheit des Essigs aussagt. Daher wird die Bezeichnung „Essig“ allein und in Verbindung mit Fantasiebezeichnungen nicht als Sachbezeichnung verwendet.Absatz 25: Die Erzeugnisse werden deutlich sicht- und lesbar auf der Hauptetikette im Sichtfeld wie folgt bezeichnet: Gärungsessig: alle in Absatz 9a genannten Produkte als „Weinessig“, alle in Absatz 9b genannten Produkte in der Verbindung mit der jeweiligen Obstart als „… essig“ oder „… weinessig“ (z. B. als „Apfelessig“, „Apfelweinessig“). Alle in Absatz 9c genannten Produkte nach ihrer Herkunft (zum Beispiel „Tresteressig“, „Bieressig“). Alle in Absatz 9 d genannten Produkte als „Weingeistessig“.