Entfalte dein erotisches Potential - Sheri Winston - ebook

Entfalte dein erotisches Potential ebook

Sheri Winston

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Opis

Viel mehr als Sex Wenn die Erregung durch Atmen, Tönen und Bewegung im Körper der Frau ihr komplexes Erektionsnetzwerk in seiner Gesamtheit entfacht, explodiert ihr erotische Potential: Wahre Verzückung und grenzenlose Wildheit verwandeln das Leben in ein Fest! Sheri Winstons reichhaltig illustrierte Landkarte des weiblichen Körpers zeigt: Frauen verfügen über ein Netzwerk an Strukturen, die für Erregung und Orgasmus verantwortlich sind und von dessen Existenz selbst Mediziner nichts wissen. Richtig genutzt kann es zu einem Quell bisher unbekannter Wonnen werden. Die bekannte Sex-Lehrerin verbindet alte Weisheit mit modernen Erkenntnissen über Sexualität zu einem lustvollen, unterhaltsamen und praktischen Ratgeber, der jeder Frau (und jedem Mann!) die geheimen Wege zu erfüllendem Sex weisen kann.

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Titel der Originalausgabe: Women’s Anatomie of Arousal © 2010 Sheri Winston First published by Mango Garden Press, USA

Sheri Winston: Entdecke dein erotisches Potential

Projektmanagement: Marianne Nentwig

Übersetzung: Frances Hoffmann

© J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld 2013

Lektorat: Regina Rademächers

Umschlaggestaltung: Morian & Bayer-Eynck, Coesfeld, www.mbdesign.de

Umschlagfoto: Fotolia_Klaus-Peter Adler

Typografie/​Satz: KleiDesign, Bielefeld

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

[email protected]

www.weltinnenraum.de

E-Book-Ausgabe 2014

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Print 978-3-89901-602-4

ISBN E-Book 978-3-89901-989-6

SHERI WINSTON

ENTFALTEdeinEROTISCHES POTENTIAL

LANDKARTE ZUR ERKUNDUNGDER WEIBLICHEN SEXUALITÄT

Übersetzung aus dem amerikanischen von Frances Hoffmann

Kommentare zum Buch

„Äußerst unterhaltsam und reich an unglaublichen Informationen. Dieses Buch wird dein Liebesleben garantiert bereichern und erweitern!“

ANNIE SPRINKLE, PH. D. –

Sexökologin, Künstlerin,

Autorin von Dr.Sprinkle’s Spectacular Sex

„Ich bin selbst Sex-Lehrerin und Autorin und ich kann nicht fassen, wie viel ich aus diesem Buch noch lernen konnte. Sheri Winston ist ein hochbegabtes Genie.“

JAIYA –

Autorin von Fass mich an! Erotische Massagen

von Kopf bis Fuß für sie und ihn

„Dieses einmalig revolutionäre Buch sollte jede Frau (und auch ihr Partner) gelesen haben, die ernstlich daran interessiert ist, ihre Wonne auf die nächste Stufe zu bringen … und darüber hinaus!“

PATRICIA TAYLOR, PH. D. –

Autorin von Expanded Orgasm und Expand Her Orgasm

Tonight! The 21-Day Programm for Partners

„Dieses leicht zu lesende, äußerst erhellende Buch ist wie ein guter Roman, ein toller Freund, eine große Schwester und ein wissender, verständnisvoller Liebhaber zugleich! Es steckt voller Informationen, die dir kein Arzt je mit solcher Leichtigkeit und Detailtreue erklären könnte.“

CARLYLE JANSEN –

Sex-Lehrerin und Gründerin der

Good For Her Sex-Boutique

„Winston gehört zu den interessantesten, engagiertesten und einmaligsten Sex-Lehrerinnen überhaupt. Egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist, du wirst bei der Lektüre definitiv noch etwas lernen. Ich jedenfalls habe noch etwas gelernt!“

JAMYE WAXMAN, M. Ed. –

Autorin von Getting Off:

A Woman’s Guide to Masturbation

Ich widme dieses Buch all den Mutigen und

Tapferen, die es wagen, den Status quo

zu hinterfragen, den Pionieren und

Visionärinnen, die über den Tellerrand

hinausschauen, und den Abenteurern,

die sich aufmachen, die Grenzbereiche zu

erforschen, nach Schätzen zu suchen und

diese zu unserer Erleuchtung

mit uns teilen.

Inhalt

Cover

Impressum

Titel

Kommentare zum Buch

Widmung

Zitat

Teil Eins

Gute Karten, gute Modelle und dumme Fehler

EINS - Sex, Sex, Sex – Alles dreht sich um Sex

ZWEI - Eine Geschichte kultureller Verwirrung

DREI - Das Lehrbuch zu einer ganzheitlichen Sexualität

VIER - Der feurige Tanz von Yin und Yang

Teil Zwei

Eine Reise zum Ursprung der Welt

FÜNF - Willkommen im Yoniversum

SECHS - Unser ganz persönliches Erektionsnetzwerk

ACHT - Zyklen, Zirkel und Zusammenhänge

Teil Drei

Der Weg zur erotischen Virtuosität

NEUN - Kopfkino und Soundtracks

ZEHN - Mit allen Sinnen

ELF - Energie-Zauber und raffinierte Schlampen-Tricks

ZWÖLF - Leichtes Spiel für schwere Jungs

Anhänge

Anmerkungen

Über die Autorin/Meine Geschichte

Über den Verlag

Fußnoten

JEAN AUGUSTE DOMINIQUE INGRES – Venus Anadyomene

Eine Frau wartet auf mich

(Auszug)

VON WALT WHITMAN

Ein Weib wartet auf mich; sie enthält alles, nichts fehlt,

doch fehlte alles, hätte das Geschlecht

und die Befruchtung des rechten Mannes gefehlt.

Alles enthält das Geschlecht,

Körper, Seele,

Bedeutung, Beweis, Reinheit,

Feinheit, Endergebnis, Weiterverbreitung,

Gesang, Befehl, Gesundheit, Stolz,

das Geheimnis der Mutterschaft, die Milch des Samens,

alle Hoffnungen, Wohltaten, Schenkungen,

alle Leidenschaft, Liebe, Schönheit, Wonnen der Erde.

Alle Regierungen, Richter, Götter und Gefolgschaften der Erde

sind im Geschlecht enthalten, als Teile seines Selbst

und als seine Selbstrechtfertigung.

Ohne Scham kennt und bekennt der Mann, wie ich ihn liebe,

seines Geschlechtes Schönheit.

Ohne Scham kennt und bekennt das Weib, wie ich es liebe,

seines Geschlechtes Schönheit.

Teil Eins

Gute Karten, gute Modelle und dumme Fehler

„Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind,

wir sehen sie so, wie wir sind.“

ANAÏS NIN, aus dem Talmud

JEHAN COUSIN – Livre de pourtraiture, 1608

EINS

Sex, Sex, Sex – Alles dreht sich um Sex

„Sexualität ist die Wurzel des Lebens und wir werden

das Leben niemals ganz zu schätzen wissen,

solange wir die Sexualität nicht verstanden haben.“

HAVELOCK ELLIS

Herzlich willkommen!

MEIN NAME IST SHERI WINSTON und ich werde dich auf eine weite und anschauliche Reise ins Land der weiblichen Genitalien, der weiblichen Sexualität und der intimsten erotischen Künste mitnehmen. Egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist, dieses Buch kann dir helfen, wunderbaren Sex zu haben – zumindest dann, wenn du selbst weibliche Körperteile hast oder wenigstens gern mit selbigen spielst. Ich beginne zunächst mit einer Liebesgeschichte, der vielleicht größten Liebesgeschichte der Welt. Sie hat ihren Ursprung in der hinduistischen Tradition.

Das Liebeslied von Shakti und Shiva

Am Anfang war das Eine. Das Eine war alles und ganze Äonen lang erfreute es sich daran, über Jahrtausende hinweg in herrlicher, allumfassender Glückseligkeit das Eine zu sein. Im Verlauf einer unvorstellbaren Zeit aber wurde das Eine von Langeweile erfasst. (Auch das Göttliche wird seiner selbst irgendwann einmal überdrüssig.) Da teilte sich das Eine in zwei. Der eine Teil war Shakti – das weibliche Element der Energie, des Fließens und der Bewegung. Der andere Teil war Shiva – das männliche Element der Bewusstheit, der Präsenz und der Ausrichtung. Sobald das Eine sich in zwei geteilt hatte, blickten diese zwei einander an und verliebten sich unsterblich ineinander. Sie wünschten sich nichts sehnlicher, als wieder eins zu werden. Sie umschlangensich leidenschaftlich und erkundeten ihre Körper auf eine Möglichkeit hin, wie sie wieder miteinander verschmelzen könnten. Sie drangen ineinander ein und lösten so die Grenzen zwischen sich auf. Über Jahrtausende hinweg machten sie Liebe, wunderbare, erotische Liebe. Und schließlich wurden sie wieder eins, als sie im selben Moment in einem gemeinsamen Orgasmus explodierten. Das war der Augenblick, in dem das gesamte Universum geboren wurde. Diesem Augenblick entsprang alles Leben und geht bis heute aus ihm hervor. Das war der Urknall!

Shakti-Shiva-Thanka

Die Geschichte von Shakti und Shiva ist eigentlich die Entstehungsgeschichte des Universums, doch sie ist auch die Geschichte eines jeden von uns. Genau wie diese beiden sehnen wir uns nach Verbindung, fühlen uns magnetisch zum anderen hingezogen und sind getrieben von der Sehnsucht, mit dem anderen eins zu werden. Genau wie bei Shakti und Shiva ist es die Leidenschaft, die uns mit dem Leben an sich verbindet, und das Verlangen ebnet den Weg zu göttlicher Vereinigung.

Sex – Essenzielle Lebenskraft

Die Erzählung von Shakti und Shiva erinnert uns daran, dass Ekstase unser Geburtsrecht und die Quelle allen Seins ist. Sie zeigt aber auch, dass Sex mehr als individuelles Verlangen, erotisches Erleben, intime Verbindung und Sexualverhalten ist. Sex ist der tiefste Ausdruck der Schöpfungskraft. Der Paarungstrieb ist eine der stärksten Kräfte: Er ist existenziell, ohne ihn wären wir gar nicht hier in dieser herrlichen Lebendigkeit inmitten der sagenhaften Vielfalt und Komplexität allen Lebens.

„Die körperliche Liebe ist die gewaltigste Kraft des Universums und das wohl magischste Mysterium, das wir mit unseren unzulänglichen Sinnen erfassen können.“

AMY LOWELL

Die geschlechtslose Reproduktion war zunächst ein guter Anfang für die Erde, doch es braucht das Verlangen, sich zu paaren und die eigenen Gene mit anderen zu mischen, um diese unvorstellbare und wundersame biologische Vielfalt hervorzubringen, wie sie in unserer Welt herrscht. Sex ist der elementare Drang, sich zu vermischen. Deine individuelle Sexualität ist dein eigener kleiner Anteil an dieser Urkraft – jener grundlegenden, pulsierenden Lebenskraft. Deine Sexualität steht in direkter Verbindung zu dieser kosmischen Energie: Sie sind ein und dasselbe, eben nur auf der Mikro- bzw. der Makroebene. Dein Verhältnis zu dieser immensen Kraft wirkt sich in hohem Maße auf dein Leben aus. Du kannst deine Sexualität unterdrücken. Du kannst sie auch nur „ein bisschen unterdrücken“ und sie herunterspielen. Oder du schlägst einen ganz anderen Weg ein und … lebst sie! Deine Sexualität kann dich auf einen heiligen, ekstatischen Weg führen, der dich auf tiefster Ebene mit allem Leben und zu allen Zeiten verbindet. Letztendlich liegt die Entscheidung bei dir. Du kannst lernen, die innere Pforte zu deiner sexuellen Lebenskraft in vollem Bewusstsein weit aufzustoßen und dir damit Zugang zu göttlicher Verzückung und eine Verbindung zu deiner ureigenen grenzenlosen Wildheit verschaffen. Diese einzigartige Verbindung zum Kosmos – und damit meine ich den erotischen Kosmos – liegt tief in deinem Innern, genau in deiner lustvollen Mitte.

SHERI WINSTON – Shakti und Shiva beim Liebesakt

Ginge es beim Sex lediglich um natürliches Paarungsverhalten, bei dem man einfach nur Stecker A in Steckdose B stecken müsste, dann wäre wohl jeder gut darin. Aber es geht beim Sex nicht nur darum, mit wem wir es tun und wie wir es tun, es geht auch nicht darum, was uns erregt oder wie wir am besten zum Orgasmus kommen. Deine Sexualität liegt im Herzen deines ureigensten Wesens. Alle deine Beziehungen, nicht nur die sexuell aktiven, wachsen aus dieser Wurzel empor.

Wenn ich sage „alle deine Beziehungen“, dann meine ich das wörtlich. Das umfasst auch deine wichtigste Verbindung überhaupt, nämlich die Beziehung zu dir selbst. Wenn du dir besseren Sex und erfüllendere intime Beziehungen wünschst, musst du bei dir selbst anfangen – und, was noch viel wichtiger ist, bei deinem Verhältnis zu deiner eigenen Sexualität.

Ein vernunftbegabtes Tier

Je besser du verstehst, wer du als sexuelles Wesen bist und wie du funktionierst, desto besser werden dir sämtliche Aspekte des Lebens gelingen – Sex eingeschlossen. Sex ist zweifelsohne etwas völlig Natürliches und bedeutet für die meisten Tiere, einfach nur ihren Fortpflanzungstrieb auszuleben. Aber wir sind Menschen – also eine ziemlich extravagante Tierart – mit ganz speziellen, großen, formbaren Gehirnen. Wir sind vernunftbegabte Tiere. Damit ist ein jeder von uns das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels eines langen und langsamen Evolutionsprozesses und unserer unmittelbaren und einzigartigen Einflüsse und Lebensumstände. Und du bist nicht nur das Ergebnis, das aus diesem Tanz zwischen Biologie und Kultur hervorgegangen ist, du selbst bist der Tanz zwischen Biologie und Kultur! In dir verbinden sich Natur und Erziehung, du verwebst Angeborenes mit Erlerntem. All diese Kräfte und Faktoren zusammengenommen erschaffen deine eigene einzigartige Sexualität. Erkenne dich selbst – erlerne dich selbst! – und du wirst den Weg zur Ekstase entdecken.

Hardware und Software

Wenn ich den Leuten erzähle, ich sei eine Sex-Lehrerin, bekomme ich manchmal zur Antwort: „Sex ist doch was Natürliches! Dafür brauche ich keinen Lehrer.“ Das ist wahr, aber auch nicht wahr. Menschen sind gewissermaßen wie Computer. Wir sind mit einer bestimmten Hardware ausgestattet, quasi einer vorinstallierten Ausrüstung, mit der wir schon auf die Welt kommen. Die Kräfte der Natur haben die Evolution maßgeblich beeinflusst und so unsere einzigartige DNA hervorgebracht, die darüber entscheidet, ob wir blaue Augen oder braune Haut bekommen. Darüber hinaus hat sie uns mit einem bestimmten Sexualverhalten ausgestattet. So weiß zum Beispiel jeder von uns über die primitiven Fick-Bewegungen der Säugetiere Bescheid. Das lernen wir nicht etwa in der Schule. Wir wissen einfach, wie’s geht.

SHERI WINSTON –Hardware and Software

Nun bestehen wir aber nicht nur aus Hardware. Man hat uns auch eine ganze Menge Software mit auf den Weg gegeben – eine umfassende Programmierung, die man auch gern als kulturell erworbenes Verhalten bezeichnet. Wenn es um das Lernen geht, ist die Spezies Mensch der Spitzenreiter aller Arten. Ein Großteil unserer Sexualität besteht aus erworbenem Wissen, das wir uns im Laufe unseres Lebens beim Schmoren im Hexenkessel der Kulturen angeeignet haben. Unsere jeweilige Kultur lehrt uns, wie man küsst und zärtlich ist, was gemeinhin akzeptiert wird, was tabu ist, was scharf ist und was nicht. Mit anderen Worten: Sex ist sowohl etwas Natürliches als auch etwas Erlerntes. Und weißt du was? Wenn man es lernen kann, dann kann man auch lernen, wie man es besser macht. Wir können uns schlechte Angewohnheiten wieder abtrainieren und neue Fähigkeiten hinzugewinnen. Das gilt fürs Tauchen oder für das Erlernen einer Fremdsprache genauso wie für den Sex. Natürlich bringt jeder Einzelne von uns ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit, aber egal, wie geübt oder ungeübt wir sind, wir alle haben die Voraussetzungen dafür, unsere erotische Kunstfertigkeit zu verfeinern. Man kann seine Software schließlich aufrüsten. Wenn du zu denjenigen gehörst, die der Meinung sind, Sex sei etwas, was man eben tut, und nicht etwas, was man lernen kann, dann möchte ich dich einladen, diese Sichtweise noch einmal zu überdenken. Sie ist nämlich nur zum Teil richtig und vor allem nicht besonders nützlich. Warum solltest du dein Potential unnötigerweise einschränken? Wenn du meinst, mehr als dein aktueller sexueller Status quo sei nicht möglich, dann wirst du auch nie darüber hinauswachsen. Wenn du aber überzeugt bist, dass du es zur erotischen Meisterschaft bringen kannst, dann wirst du das auch schaffen, sofern deine Überzeugung von fester Entschlossenheit und weiser Führung untermauert wird. Wir alle befinden uns auf einer lebenslangen Forschungsreise. Wenn du die Sexualität ganz bewusst zu einem Teil dieser Reise erklärst, kannst du damit dein ganzes Leben zum Besseren wenden – du wirst mehr Freude, mehr Kraft und mehr Verbundenheit erfahren.

Der Planet der fehlenden Information

Dieses Buch basiert auf einer Reihe von Grundlagen, die ich als „ganzheitliche Sexualität“ zusammenfasse und die sich mit der Vision von einer gesunden, liebevollen, verantwortungsbewussten, respektvollen und ekstatischen Sexualität befassen. Eine ganzheitliche Sexualität weiß um die Weisheit alter Kulturen, die dem Sex gegenüber sehr aufgeschlossen waren, sie berücksichtigt aber auch aktuelle wissenschaftliche Forschungen und legt zudem großen Wert auf die Verbindung von Körper, Seele und Herz. Klar spielt auch die Anatomie eine Rolle – eine sehr große sogar! –, doch letzten Endes geht wirklich guter Sex weit über die körperlichen Voraussetzungen hinaus.

„Du wirst gar nichts verändern, wenn du gegen die Gegebenheiten ankämpfst. Wenn du etwas verändern willst, solltest du ein neues Vorbild schaffen, das das alte Vorbild unnötig macht.“

BUCKMINSTER FULLER

Eine der elementaren Prämissen für ganzheitliche Sexualität lautet: Wenn wir unser erotisches Potential voll ausschöpfen wollen, brauchen wir entsprechende Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Dummerweise fehlen in der sexuellen Kartensammlung unserer Kultur eine Menge Seiten, und ein Großteil der existierenden Landkarten verbreitet schlichtweg Fehlinformationen. Besonders schwer haben wir es mit unserem Verständnis der Frauen, womit sowohl die Besonderheiten der weiblichen Anatomie als auch die schwer greifbaren Konzepte, wie weibliche Energie und Kraft gemeint sind. Es gibt nur wenige wirklich hilfreiche und realistische Modelle für die weibliche Sexualität, und genau deshalb bilden sie auch den Schwerpunkt dieses Buches. Es ist schwer zu glauben, dass selbst in unserer heutigen Zeit so viele grundlegende Dinge über die Anatomie der weiblichen Genitalien in der Wissenschaft, den Medien und unseren Gedanken immer noch unerwähnt bleiben. Natürlich wissen wir, dass da unten „irgendwas“ ist, doch erstaunlicherweise ist unsere gegenwärtige Vorstellung von den weiblichen Genitalien unvollständig und fehlerhaft. Zahlreiche Mechanismen, die für die Erregung und den Orgasmus verantwortlich sind, fehlen entweder vollständig in unseren Modellen oder werden schlicht missverstanden. Frauen und ihre Liebhaber sind also gezwungen, ganz auf sich allein gestellt und ohne eine Landkarte, die ihnen bei der Orientierung helfen könnte, nach dieser Stelle zu suchen, die das Tor zum legendären Mega-Orgasmus darstellt. Dieses Buch zeigt dir genau dieses bislang fehlende Modell. Hier hältst du endlich eine Landkarte in Händen, mit deren Hilfe du das Potential weiblicher Sexualität – sei es nun die deiner Partnerin oder deine eigene, vielleicht auch euer beider? – in seiner Gesamtheit begreifen kannst.

LEONARDO DA VINCI – Studie zum Sexualakt, 1519

Das Herz (oder eher der Unterleib) des Buches bezieht sich auf die Anatomie weiblicher Sexualität, einschließlich sämtlicher weiblicher Körperteile (auch der unsichtbaren), und ihr Zusammenspiel als ganzheitliches System. Frauen verfügen über ein ganzes Netzwerk ineinander übergehender Körperstrukturen, die alle zusammenwirken, um für sexuelle Erregung und Orgasmen zu sorgen. Bedauerlicherweise sind sich nur die wenigsten Frauen der Gesamtheit ihrer Ausstattung bewusst. Und wenn das schon bei den Frauen der Fall ist, die immerhin diesen wundersamen Apparat ihr eigen nennen dürfen, was sollen da erst die Männer sagen? Wenn du dich in dem, was ich gerade gesagt habe, wiedererkennst, sei nicht traurig! Kaum eine weiß über diese Körperstellen Bescheid und versteht in Gänze, inwiefern diese sowohl Reproduktion als auch erotische Ekstase ermöglichen. Und ich spreche hier nicht nur von „Laien“. Auch viele Profis, darunter Sex-Lehrer und Gynäkologen, haben nur fehlerhafte oder unvollständige Landkarten zur Hand. Die Mehrheit aller Frauen nutzt lediglich einen Bruchteil ihrer Ausstattung, mit der sie doch die Musik der Stimulation anstimmen, den Tanz sexueller Erregung eröffnen und auf den Wellen ihrer orgastischen Möglichkeiten reiten könnte. Sicherlich braucht man nicht unbedingt das gesamte System, um überwältigende erotische Erfahrungen machen zu können. Allerdings wirst du, wenn du mit dem ganzen Apparat sexueller Erregung arbeitest und diese Fähigkeit zur Meisterschaft treibst, wirklich jedes orgastische Klischee erleben können, von dem du je gehört hast – und vielleicht entdeckst du sogar noch ein paar neue. Auch du kannst dich zu einer erotischen Virtuosin mausern!

Was ich damit sagen will? Ich will damit sagen, dass du lernen kannst, dich blitzschnell erregen zu lassen, wenn du das willst, und dass du dich mit Leichtigkeit in Zustände höchster Erregung versetzen kannst. Du kannst die Bandbreite dich sexuell erregender Reize dermaßen erweitern, dass es keine Rolle mehr spielt, ob dein Partner gerade an deinem kleinen Finger saugt oder an deiner Klitoris – es bringt dich einfach nur noch zum Kochen. Darüber hinaus kannst du auch deinen Partner oder deine Partnerin über alle Maßen beglücken, und zwar nicht nur aufgrund deiner technischen Fertigkeiten, sondern auch damit, dass er oder sie es versteht, dich so unglaublich heiß zu machen! (Ja, ehrlich: Es kann dich außer Rand und Band und sogar bis zum Orgasmus treiben, wenn du deinen Schatz außer Rand und Band bringst!) Und nicht zuletzt kannst du es zur Meisterschaft in der weiten, wilden, wunderbaren Welt des Orgasmus bringen. Du wirst Multi-Orgasmen, Mega-Orgasmen und noch viele andere „-gasmen“ erleben. Auf all das darfst du dich schon mal freuen, denn dieses Buch umfasst alle Informationen, die du dafür brauchst.

LEON COMERRE – Danae und der Goldregen

In den Gefilden von Erregung und Orgasmus

Erotische Virtuosität beginnt mit einem fundierten Fachwissen über sexuelle Erregung und Orgasmen. Beginnen wir also mit einer kleinen Forschungsreise in diese weiten Gefilde. Sexuelle Erregung ist ein veränderter Bewusstseinszustand. Ein veränderter Bewusstseinszustand ist ein beliebiger Zustand von Körper und einen anderen Bewusstseinszustand erlangen müssen, um die Wehen erfolgreich zu meistern und ein Kind zur Welt zu bringen? Geist, der gänzlich anders funktioniert als dein Alltagsbewusstsein und der das gewöhnliche Bewusstsein transzendiert. Träumen ist ein solcher Zustand. Meditation und Tagträumerei sind weitere. Und wusstest du schon, dass Frauen tatsächlich einen anderen Bewusstseinszustand erlangen müssen, um die Wehen erfolgreich zu meistern und ein Kind zur Welt zu bringen?

„An orgasm a day keeps the doctor away.“

MAE WEST

Wenn wir erregt werden, treten wir in einen Zustand nicht alltäglicher Wirklichkeit ein. Charakteristisch für die Trance der Erregung sind eine hochsensible Körperwahrnehmung, ein gesteigertes Schmerzempfinden und oft auch ein Gefühl der Zeitlosigkeit. Unser gesteigertes Entzücken kann zu Euphorie und Ekstase führen. Unser Herz rast, unsere Atmung beschleunigt sich, wir versinken vollständig im gegenwärtigen Augenblick und sind wie verzückt. Das Selbstbewusstsein verschwimmt und ein Gefühl entspannter Konzentration erfüllt uns. Wenn du erregt bist, musst du weder planen noch denken. Die Erregung selbst übernimmt die Führung: Du folgst ihr einfach, wohin sie dich auch führt. Sexuelle Erregung führt auch dazu, dass wir uns intensiv auf unser unmittelbares körperliches und emotionales Empfinden konzentrieren. Die Wahrnehmung unserer Sinne wird hochsensibel; unsere Vorstellungswelt quillt schier über vor sinnlicher Empfindsamkeit. Wir lassen unsere alltägliche Existenz weit zurück und tauchen mitten hinein in das Reich der Ekstase. Erregung verändert sowohl unser Schmerz- als auch unser Lustempfinden. Wenn wir erregt sind, nehmen wir unsere eigene Lust zunehmend stärker wahr. Gleichzeitig wird unser Schmerzempfinden reduziert, was zu Schmerzunempfindlichkeit unterschiedlicher Gradierungen führen kann. So kommt es, dass eine Berührung, die wir eben noch als unangenehm, schmerzhaft oder einfach abtörnend empfunden haben, uns plötzlich intensive Wonne bereiten kann.

Wenn wir erregt sind, verschiebt sich die Grenze zwischen Lust und Schmerz permanent – ein weiterer Grund dafür, dass die Partner immer wieder kommunizieren müssen, was ihnen gerade gefällt und was nicht. Zwar werden wir bereits mit der Fähigkeit, in Erregung zu geraten, geboren, wir können darüber hinaus aber auch lernen, unsere Erregungstrance zu vertiefen und immer neue Wege zu finden, die uns zu jenem wonnigen, veränderten Bewusstseinszustand führen. Je besser es uns gelingt, uns dieser Trance einfach hinzugeben, desto besser können wir auch die Praktiken kultivieren, die uns in diesen Zustand führen, und desto eher werden wir auch genau den überirdischen Sex haben, von dem wir immer träumen.

Die Leiter der sexuellen Erregung

Sexuelle Erregung ist eine Reise in ein verwunschenes Land, ein Ausflug in einen zutiefst veränderten Bewusstseinszustand. Der Vorgang der Erregung lässt sich dem Erklimmen einer Leiter mit zehn Stufen vergleichen. Der Boden steht für die alltägliche Wirklichkeit. Wenn wir uns schon leicht erregt fühlen, erklimmen wir die erste Stufe, und je stärker unsere Erregung sich entfaltet, desto höher steigen wir. Allerdings können wir immer nur eine Stufe nach der anderen nehmen. Es ist nicht möglich, vom Boden aus mit einem gewaltigen Satz direkt auf die höchste Stufe zu springen. Vielmehr brauchen wir den Reiz einer physiologischen Rückkopplungsschleife, der uns zur jeweils nächsten Stufe der Erregung emporträgt, darum müssen wir wohl oder übel eine Stufe nach der anderen hinaufsteigen. Wir können natürlich lernen, diese Stufen sehr schnell zu erklimmen oder den Vorgang umgekehrt zu verlangsamen, um eine bestimmte Stufe länger auszukosten und die Erfahrung zu vertiefen.

ALEXANDRE CABANEL – Geburt der Venus, 1863

Man kann sich diesen zehnstufigen Erregungsvorgang in drei Phasen unterteilt vorstellen, welche wiederum aus jeweils drei Stufen bestehen. Hinzu kommt noch die ganz besondere zehnte Stufe. Die ersten drei Stufen entsprechen einer sanften Erregung, die mittleren drei Stufen einer mittelstarken und die letzten drei einer sehr heftigen Erregung. Was die zehnte Stufe betrifft, nun ja, die ist etwas ganz Besonderes. Auf diese Stufe gelangen wir erst, wenn der Erregungsprozess abgeschlossen ist und wir im orgastischen Orbit angelangt sind. In dieser Sphäre reiten wir dann nur noch auf den Wellen unserer Orgasmen. In einem gewissen Maße haben wir das, was in diesem Orbit stattfindet, unter Kontrolle. Wir können unser orgastisches Erleben durch eine bestimmte Intention, durch unsere Atmung, Laute und Bewegungen beeinflussen. Ja, wir können unsere sexuellen Fähigkeiten dazu verwenden, immer noch weiter aufzusteigen!

Ich möchte dir sehr ans Herz legen, dass du es dir nicht zum obersten Ziel machst, immer zur zehnten Stufe aufzusteigen, auch wenn es durchaus etwas Tolles ist, sehr schnell dorthin zu kommen. Ich rate dir dennoch, es dir zur Gewohnheit zu machen, dich eine Zeitlang auf den einzelnen Stufen auszutoben. Die einzelnen Stufen der Erregungstrance können sehr tief gehen – mal mehr und mal weniger tief, je nachdem, wie viel Zeit du dir für jede einzelne Phase nimmst. Je tiefer du in Trance gerätst, umso besser. Je tiefer du dich den einzelnen Schritten der Erregung hingibst, desto leichter wird es dir fallen, zur nächsten Stufe überzugehen, und desto geringer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass du dich ablenken lässt und die bereits erklommenen Stufen wieder herunterpurzelst. Je mehr Zeit du dir für deine Erregung nimmst, desto mehr Energie steht dir auch zur Verfügung, um diese Welle zu reiten und dich darauf auszutoben. Je verzückter du in deiner Verzückung bist, desto fantastischer wird dann auch dein Höhepunkt werden.

Orgastische Vielfalt

Früher habe ich geglaubt, es gäbe im Wesentlichen nur eine Art des Orgasmus. Dieser wäre ein kurzes, starkes Empfinden im Genitalbereich, das aus aufeinander folgenden Wellen von Lustzuckungen besteht. Nach dieser Vorstellung ist ein Orgasmus so etwas wie eine Klimax – oder anders gesagt: ein Finale. Und ja, für die meisten Menschen ist es genau das (das trifft auf die meisten Männer zu, aber auch auf viele Frauen). Aber ein Orgasmus kann noch viel mehr sein:

GERDA WEGENER – Satyr, ca. 1900

Er kann aus lauter aufeinander folgenden Wellen der Ekstase bestehen, die viele Minuten lang anhalten. Es ist möglich, in einen allgemeinen Zustand des Orgasmus zu verfallen, in dem du dich immer wieder aufbäumst und fallen lässt und den Gipfel der Lust wieder und wieder erklimmst.

Orgasmen kannst du in wirklich jedem Teil deines Körpers spüren, auch in deinen Energiezentren oder Chakras.

1

Du kannst Orgasmen haben, die nur in einem Teil deiner Genitalien stattfinden (in deiner Klitoris zum Beispiel) oder solche, die jeden Millimeter deines Körpers umfassen.

Ein Orgasmus kann dazu führen, dass du dich selbst als göttliches Wesen wahrnimmst.

Er kann auch die Gestalt eines gemeinsamen „Liebes-Gasmus“ annehmen, der in deinem Herzen und im Herzen deines Liebsten stattfindet. (Tatsächlich kann man jeden dieser Orgasmen sowohl allein als auch mit einem Partner erleben.)

Wenn du dich erst einmal zu einer erotischen Virtuosin entwickelt hast, kannst du lernen, ganz leicht und oft zu kommen. Vielleicht wirst du ja die reinste Abenteurerin, sozusagen eine „Orgasmonautin“, und unternimmst ausgedehnte Forschungsreisen in die weiten Gefilde orgastischen Erlebens.

Die erweiterten Bewusstseinszustände von Orgasmia

Hier eine kurze Liste (okay, vielleicht keine ganz so kurze Liste!) von Orgasmusarten, die ich selbst erlebt habe:

Kleine, kitzlige GenitaliennieserGroße, größere und sogar noch größereMega-Gasmen (unglaublich riesige, die ewig zu dauern scheinen) Multi-multi-multi-GasmenLach-GasmenWein-GasmenLiebes-GasmenChakra-GasmenLosgelöste Wellen des Fließens, „völlige Hingabe“- (oder Yin-) OrgasmenFest umklammernde, voranpreschende (Yang-) OrgasmenMini-Orgasmen und „Nachbeben“ (im Tantra bezeichnet man sie als kriyas)Energie-Orgasmen, angefangen bei kleinen zitternden bis hin zu markerschütternden Orgasmen, die deinen ganzen Körper erbeben lassenOrgasmen in verschiedenen Körperteilen und Sexualzentren: Mund, Hals, Herz, Brüste und Nippel, Klitoris, Scheide, Uterus, ArschGanzkörper-OrgasmenProjektil-, Spritz- und Sprudel-Orgasmen (Orgasmen mit weiblicher Ejakulation)Überraschungsorgasmen, die sich frech von hinten anschleichenTelepathische beiderseitige Kopf-Orgasmen, wenn du spürst, dass du dich mit deinem Partner in vollkommener intuitiver Vereinigung befindest

Wenn ich solche Orgasmen hatte, dann kannst du sie auch haben!

Werde dir deines sexuellen Potentials bewusst

Die Informationen in diesem Buch stammen aus zahlreichen Quellen: meinem persönlichen Leben, jahrzehntelanger Arbeit als Hebamme, dem Vertrieb von Pflegeprodukten für Frauen, meiner Tätigkeit als ganzheitliche Heilerin und Sexlehrerin, Erkenntnissen aus den Grenzwissenschaften, modernen Forschungen in den Sexualwissenschaften und heiligen Sexualpraktiken aus der Antike. Es ist eine sehr persönliche Reise gewesen, die mich dorthin geführt hat, wo ich heute stehe. Auch für dich wird es eine persönliche Reise werden (wenn auch unter Anleitung). Dieses Buch folgt nur einem Zweck: Es soll dir deine Reise vereinfachen. Du hast bereits alles, was du brauchst, um dich mit deiner Eigenmacht zu verbinden, um Beziehungen einzugehen, die in Liebe und Integrität wurzeln, und um ein erotisch ekstatisches Leben zu führen.

„Glaube nichts, nur weil du es von einem Experten gehört hast oder weil es angeblich von den Engeln selber stammt oder von Gott oder sonst einer inspirierten Quelle. Glaube nur das, was du selbst mit eigenem Herzen, eigenem Geist und eigenem Körper ergründet und für wahr befunden hast.“

BUDDHA

Du selbst bist das Tor, durch das du gehen musst. Du bist deine eigene Expertin. Jeder, der in seinem Leben schon viel Zeit bei Ärzten verbracht hat, weiß, dass sie, obwohl sie den weißen Kittel tragen, der sie als Experten kennzeichnet, und obwohl ihre Aussagen den Anschein der Zuverlässigkeit erwecken, dennoch nicht immer die richtigen Antworten parat haben. Generell ist man gut beraten, sich gegenüber offiziellen Experten, die dir etwas über deinen Körper erzählen und dich beraten wollen, was du anders oder besser machen sollst, eine gesunde Skepsis zu eigen zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass wir geradezu verpflichtet sind, die Autoritäten infrage zu stellen. Nur weil etwas in einem Buch verewigt ist oder die Mehrheit der Menschen daran glaubt, ist es noch lange nicht wahr. Das trifft natürlich auch auf dieses Buch und auf mich als Expertin zu. Ich behaupte, dass die weiblichen Genitalien über Bestandteile verfügen, die in unserer Kultur in Vergessenheit geraten sind. Wenn du aber meine Expertenmeinung hören willst: Glaube mir lieber nicht! Vielmehr solltest du meine Behauptungen eigenhändig überprüfen, und zwar im Laboratorium deines eigenen Körpers. In der Praxis bedeutet das: nicht nur lesen, selbst machen! Werde selbst zur unerschrockenen Erforscherin deiner Genitalien und deines sexuellen Potentials. Arbeite wissenschaftlich und trage eigene Daten zusammen. Wenn du das erledigt hast, kennst du die Wahrheit, und zwar nicht, weil irgendein Experte oder ein Buch dich darüber aufgeklärt hat, sondern weil du aus eigener Erfahrung sprechen kannst.

Mehr als Sex

ANTONIO CORREGGIO – Venus und Amor mit einem Satyr

„Von allen Freuden dieser Welt ist dem Menschen der Geschlechtsakt die liebste, und doch hat er sie aus seinem Himmelreich verbannt.“

MARK TWAIN

Ich zolle dir meinen tiefen Respekt dafür, dass du den Mut aufgebracht hast, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Gut für dich (und auch für deine/​n Partner/​in!). Ich bin sicher, du hast es zumindest teilweise deshalb getan, weil du dir wünschst, mehr Lust zu bereiten und zu empfangen und weil du gern erfüllendere erotische Beziehungen hättest. Es geht aber in diesem Buch nicht allein darum, wie man zu besserem Sex gelangt. Es geht auch darum, deine Verbindung zu dir selbst zu vertiefen, mehr Freude in alle Aspekte deines Lebens zu bringen, nährende, authentische und lustvolle intime Beziehungen zu führen und dich mit dir selbst einfach rundum wohl zu fühlen. Es geht darum, dich für die Freiheit zu entscheiden, diese Freiheit in vollen Zügen zu genießen und dich in deiner Göttlichkeit zu erleben – all dies ist möglich, wenn du es wagst, durch das Tor deiner eigenen Sexualität zu gehen. Stell dir nur einmal vor, wie es wäre, wenn deine Sexualität in dein gesamtes Wesen integriert wäre – in deinen erstaunlichen Verstand, deinen wundervollen Körper, dein liebendes Herz und deine heilige Spiritualität. Stelle dir dich selbst vor, wie du deine Leidenschaft voll und ganz annimmst, in deiner Lust schwelgst und dich an deiner Sexualität ergötzt. Stelle dir dich selbst als wahrhaft freies Wesen vor, das nur gesunde Beziehungen eingeht, die dich in allen Bereichen deines durch und durch ermächtigten Lebens unterstützen. Stelle dir vor, wie es wäre, deinen eigenen Körper zu lieben … voll und ganz. Nimm dir einen Augenblick Zeit, dir vorzustellen, du befändest dich – vielleicht zusammen mit deiner/​m Liebsten – in einem herrlichen Tempel, in dem Sex ein Sakrament ist, durch das deine erotischen Wünsche als göttliche Verbindung zu allem Sein gefeiert werden. Siehst du es vor dir? Dieses Bild wartet nur darauf, lebendig zu werden.

Eine Anmerkung zur Sprache

Wie wir an späterer Stelle in diesem Buch noch ausführlicher diskutieren werden, gibt es in unserer Kultur kein besonders gutes Vokabular, um über Sex zu reden. Es gibt wissenschaftliche Begriffe („Vagina“, „Penis“), Babysprache („Popo“ und „Pipi“), Euphemismen („da unten“) und überladene, sogenannte schmutzige Worte oder Dirty Talk wie (ja, ich werde sie wirklich in den Mund nehmen) „Pussy“ und „ficken“. Diese letzten beiden Worte und andere dieser Art gelten als so schockierend und provokant, dass man sie im Radio oder Fernsehen schon gar nicht mehr zu hören bekommt. Dabei sind es nur Worte, nur eine Aneinanderreihung von Lauten und Silben, denen wir kollektiv eine bestimmte Aussage zuschreiben. Sie bedeuten nur das, was wir ihnen an Bedeutung geben, und „schmutzig“ sind sie nur dann, wenn wir so denken.

UTAGAWA KUNISADA – Japan

Als Heilerin, Lehrerin und Buchautorin muss ich mich permanent durch die Untiefen unserer Sprache hindurch manövrieren. Das ist gar nicht so einfach: Meist bleibt nur die Wahl zwischen einer formellen oder gar wich(Babysprache und Euphemismen) oder einer provokativen Sprache (der Dirty Talk). Ich persönlich versuche immer, in meiner Sprache zu variieren. Manchmal nutze ich sehr sachliche Begriffe oder meine eigenen Variationen. Hin und wieder wähle ich auch Begriffe aus dem Sanskrit, der heiligen Sprache des alten Indiens – dort heißen die weiblichen Genitalien „Yoni“ und der Penis „Lingam“ –, die immerhin den Vorteil haben, dass sie heilig sind, aber auch den Nachteil, dass nicht jeder etwas damit anfangen kann. Oder ich bediene mich einer deftigeren Sprache, aber nicht etwa, um zu schockieren oder zu provozieren. Es ist vielmehr eine sehr bewusste und gewissermaßen auch eine politische Entscheidung. Die schlichte Wahrheit ist doch, dass wir ein direkteres, angenehmeres Vokabular brauchen, um über Sex reden zu können, als es unsere heutige Sprache bereit hält. Eine Möglichkeit, das zu bewerkstelligen, ist, eben jenen Worten, mit denen man gern einmal aneckt oder provoziert, ihre Schärfe zu nehmen. Wenn ich „ficken“ oder „Pussy“ sage, dann tue ich das aus zwei Gründen. Zum einen haben sie etwas sehr Direktes und Beschreibendes (und oft auch etwas Lüsternes, Witziges und Unbeschwertes). Zum anderen verleiht es diesen Worten eine gewisse Normalität, wenn man einfach so tut, als hätten sie keinen provokanten Beigeschmack. Vor einigen Jahren sorgte Eve Enslers Die Vagina-Monologe dafür, dass das V-Wort endlich aus der Gosse gefischt wurde und Vaginas zu etwas Respektablem wurden. Irgendwann einmal, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, werden auch „Pussy“ und andere sogenannte schmutzige Worte ebenso unverkrampfte Gültigkeit haben.

Die besten Hausaufgaben aller Zeiten

Dieses Buch ist in drei Teile und zwölf Kapitel unterteilt:

Im ersten Teil (

Gute Karten, gute Modelle und dumme Fehler

) werden die Grundlagen geschaffen für alles, was danach folgt. Er umfasst vier Kapitel, in denen unsere verirrte kulturelle Betrachtungsweise der Sexualität unter die Lupe genommen, der Rahmen für die transformierende Kraft ganzheitlicher Sexualität geschaffen und alte taoistische Weisheiten als Leitfaden zum Verständnis unserer Sexualität zu Rate gezogen werden.

Der zweite Teil (

Eine Reise zum Ursprung der Welt

) besteht ebenfalls aus vier Kapiteln. Er gibt Auskunft über alles, was du schon immer über die weiblichen Genitalien wissen wolltest (und vermutlich nie zu fragen wagtest).

Der dritte und letzte Teil dieses Buches (

Der Weg zur erotischen Virtuosität

) ist eine Art Anleitung dafür, wie du das, was du in den beiden vorangegangenen Teilen gelernt hast, zur Anwendung bringen und dein volles sexuelles Potential entfalten kannst. In diesem Teil ist ein Kapitel enthalten, das sich speziell an die Männer richtet.

„Ich bin nur deshalb so ein guter Liebhaber,

weil ich so viel an mir selbst übe.“

WOODY ALLEN

ACHILLE DEVERIA – Frau bei der Selbstbefriedigung, 1857

Du findest in diesem Buch viele Anregungen für Experimente zur Selbsterfahrung. Du kannst sie als Spielchen, Übungen, Praktiken, Rituale oder sonst etwas bezeichnen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass du nichts von alledem tun musst. (Ich bin schließlich nicht deine Mutter und du hörst ja sowieso nicht auf das, was sie dir sagt!) Ich lade dich lediglich dazu ein, über meine Vorschläge nachzudenken. Wenn sie dir gefallen, probier sie aus! Betrachte sie einfach als Sammelsurium von Möglichkeiten. Nimm daraus mit, was für dich stimmig ist, und vergiss den Rest! Versuche auch mal ein paar neue Spielarten, die du noch nicht kennst, oder rufe sie dir später noch einmal in Erinnerung, falls sich deine Wünsche geändert haben sollten. Es handelt sich lediglich um hilfreiche Anregungen und nicht etwa um Anweisungen.

Das Buch enthält jede Menge Bildmaterial. Ich möchte dich ermutigen, dir dafür etwas Zeit zu nehmen, denn es wird dein Verständnis der weiblichen Genitalien vertiefen und dir gleichzeitig einen Einblick gewähren, wie die unterschiedlichen Kulturen unser Verständnis des weiblichen Körpers verfälscht und entstellt haben. Allerdings genügt es nicht, einfach nur hinzuschauen. Wenn du dich mit deiner Ausstattung nicht vertraut machst, sie betrachtest, spürst, berührst und mit ihr spielst, dann verringerst du deine Chancen, deine eigenen Pfade und dein wahres Potential zu entdecken. Ganz genau! Frauen, ich sage euch, spielt an euch herum, und das meine ich ernst! Männer, ihr seid herzlich eingeladen, mitzuhelfen, wenn eure Göttin dies wünscht. Geht ihr zur Hand … und zwar wörtlich! Wenn ihr dieses Mysterium wirklich verstehen wollt, müsst ihr gemeinsam die Verwandlung erleben und erfahren, die sich durch sexuelle Erregung vollzieht. Diese Veränderungen werden euch helfen, wirklich zu verstehen, was es da so gibt, wie es funktioniert und wie man sich damit wunderbar vergnügen kann.

Was ich dir im Besonderen empfehlen möchte, ist Folgendes: Während du die Kapitel zur Anatomie liest, schlägst du gleich die Brücke zur Praxis, indem du alles an deinem eigenen Körper (oder dem einer Freundin) überprüfst … (natürlich nur, wenn sie damit einverstanden ist!). Fast alle Stellen, die ich beschreibe, lassen sich mit Leichtigkeit ertasten und die meisten davon sind sogar sichtbar. Beginne zu einem Zeitpunkt, da du oder deine Partnerin nicht erregt (b)ist, dann befühle und betrachte erneut diese Stellen während unterschiedlicher Phasen der Erregung. Dir wird schon sehr bald klar werden, dass die in diesem Buch enthaltenen Beschreibungen der weiblichen Genitalien absolut präzise sind. Ganz nebenbei erledigst du gleich noch deine Hausaufgaben und hast jede Menge Spaß dabei. Eigentlich sollten wir es „Hausspielchen“ nennen, denn Arbeit ist damit eigentlich nicht verbunden! Liebe Frauen, ich schlage vor, beim ersten Mal unternehmt ihr diese Reise im Alleingang. Wenn ihr einen Partner oder eine Partnerin habt, macht die Reise einfach ein zweites Mal, dann könnt ihr eure Liebsten in die Wunder eures Körpers einführen. Um das Lernen noch zu erleichtern und dem Ganzen noch einen Spaßfaktor hinzuzufügen, haben wir dem Text zahlreiche Zusatzinformationen und Anregungen in speziellen Rahmen beigefügt. Es gibt insgesamt fünf Arten von Rahmen:

Guided Tour

Schritt-für-Schritt-Instruktionen für die Führung durch die Welt der weiblichen Genitalien. Folge diesen Zeichen und du wirst das Bestmögliche aus deinen Heimspielchen zur Sexploration herausholen.

Besitzerinnenhandbuch

Eingehende Informationen zu gynäkologischen Belangen, die für Frauen besonders nützlich sind.

Göttinnen-Führer

Möglichkeiten für Frauen, sich mit der spirituellen Kraft ihrer Körper und ihrer Sexualität zu verbinden und diese zu zelebrieren.

Spiel und Spaß

Aktivitäten, Übungen, Spiele und Anregungen, die dir dabei helfen, deine erotischen Künste zu verfeinern und mehr Spaß an der Selbsterkundung zu finden.

Heiße Tipps für den Mann

Die Informationen in diesen Kästen sollen Männern dabei helfen, die wundersame Pussy und die Frau, der sie gehört, zu ehren, sich auf sie einzulassen, einen guten Umgang mit ihr zu finden und sie zu beglücken. Liebe Männer, wenn es euch nur um das Wesentliche geht, schaut euch diese Kästen an und lest das kurze Kapitel mit der Zusammenfassung.

Egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist, ich möchte dich ermutigen, dieses Buch voller Abenteuerlust, Optimismus und Aufgeschlossenheit zu lesen. Warum die allgemein gültigen Halbwahrheiten über Sex hinnehmen, wenn du sagenhafte Selbsterfahrungen machen kannst? Warum noch länger warten, ehe du dein Repertoire des Möglichen erweiterst?

Vielen Dank, dass Sie sich für diese Reise zu Ihrem ureigensten authentischen, lustvollen Selbst entschieden haben! Bitte schnallen Sie sich an, wir heben ab.

ZWEI

Eine Geschichte kultureller Verwirrung

„Jede Erotik ist den jeweiligen [kulturellen] Gepflogenheiten unterworfen … jeder sexuelle Akt wird nach genau denselben moralischen Gesetzen als moralisch oder unmoralisch eingestuft wie jedes andere menschliche Gebaren auch; alle weiteren Regeln der Sexualität entspringen der Gewohnheit – lokalen Gebräuchen wie auch flüchtigen Modeerscheinungen. Es gibt mehr moralische Vorschriften im Bezug auf sexuelle Sitten als ein Hund Flöhe hat – und sie alle haben gemeinsam, dass sie, gottgewollt’ sind.“

ROBERT A. HEINLEIN

Doppelbotschaften

DIE SEXUALITÄT ISTAUFGRUND IHRER UNGEHEUREN URKRAFT seit jeher eine große Herausforderung für die menschliche Gesellschaft. Alle Kulturen waren sich einig, dass man dem Sexualtrieb nicht einfach gestatten kann, ungezügelt seinen Lauf zu nehmen. In solchen Kulturen, die dem Sex gegenüber positiv eingestellt sind, wird der Trieb in einem geheiligten Rahmen in Form von Ritualen und Zeremonien gefeiert, um der Kraft der Fruchtbarkeit und der Schöpfungsmagie Raum zu geben. Dem Sex gegenüber negativ eingestellte Kulturen tun genau das Gegenteil. Sie kontrollieren den Sexualtrieb mit unbeugsamen Gesetzen, halten ihn mit unterdrückenden Glaubenssätzen im Zaum und bestrafen jeden Regelverstoß hart und gnadenlos. Allen Kulturen ist es irgendwie gelungen, diese Zügellosigkeit zu kontrollieren. Unsere eigene Kultur bildet da keine Ausnahme.

SHERI WINSTON – Moderner Sex

„Das Leben in Lubbock, Texas, hat mich zwei Dinge gelehrt: Das eine ist, dass Gott dich liebt und du in der Hölle schmoren wirst. Das zweite ist, dass Sex die wunderbarste, schmutzigste Sache der Welt ist, die du dir für jemanden aufheben solltest, den du wirklich liebst.“

BUTCH HANCOCK

Es gibt niemanden, der dem Sex gegenüber neutral eingestellt ist. Jeder Mensch hat seine feste Meinung, Gefühle, Überzeugungen und Wertvorstellungen. Und zu einem Großteil ist unsere Kultur für unsere Meinungsbildung verantwortlich. Wie auch immer sich unsere persönliche Situation darstellt und ganz egal, wie gesund (oder ungesund) unser Verhältnis zu unserer eigenen Sexualität auch sein mag, eines trifft wohl auf jeden von uns zu: Unsere Kultur ist regelrecht besessen von Sex, aber auch stark verwirrt. Schauen wir uns zunächst die Besessenheit an. Überall in unserer Umgebung stoßen wir auf sexuelle Darstellungen und Anspielungen. Uns wird permanent eingetrichtert, dass es ungeheuer wichtig sei, sexy und begehrenswert zu sein, wobei man uns eine Fassade sexueller Zügellosigkeit verkauft. Die Bilder, die mitgeliefert werden, sind nicht nur vorhersehbar, sondern schränken uns auch ein. Da werden uns schlanke, kurvenreiche Körper gezeigt, die in einer Fantasiewelt zu Hause sind, in der jedermann jung ist (oder zumindest jung aussieht). Schönheit wird hier an einem unrealistischen Standard gemessen, den nur ein Bildbearbeitungsprogramm zustande bringt. Nun zum Thema Verwirrung: Gleichzeitig mit den offenkundigen Botschaften, wie cool es doch ist, jung und schick zu sein, und wie scharf es ist, wenn man sexy herausgeputzt ist und sich auch entsprechend verhält, werden wir mit noch viel deutlicheren Botschaften überschwemmt, die uns überzeugen wollen, dass echter Sex schändlich und peinlich ist. Der logische Schluss ist, dass wir Körper abstoßend finden (ganz besonders die echten Körper, die schwitzen und bluten und sich absolut nicht in die engen Maße eines Model-Schönheitsideals zwängen lassen) und sie idealerweise transzendieren, indem wir die profane Welt des Körperlichen einfach hinter uns lassen. Das haben wir unseren puritanischen Sitten zu verdanken, die besagen, dass Vergnügen Sünde sei und wir keinesfalls zu viel Spaß haben sollten.

Willkommen im Land der Doppelbotschaften! Sexuelle Attraktivität ist eine Voraussetzung dafür, einen Partner und damit auch das große Glück zu finden, aber wenn man zu sinnlich ist, ist das schon wieder abtörnend, wenn man zu freizügig ist, ist das gefährlich und falsch. Du solltest fantastisch im Bett sein (je zügelloser, desto besser!), aber auch keine Schlampe. Du solltest nicht zu prüde sein, aber auch nicht zu übersprudelnd. Sag einfach „Nein“. Sag einfach „Ja“. Sag am besten gar nichts und mach’s einfach! Ist schon in Ordnung, wenn du zügellos bist (vor allem, wenn du zu deiner Verteidigung hervorbringen kannst, dass du in einen Rausch verfällst), aber wenn du zu deiner grenzenlosen sexuellen Natur wirklich Zugang haben willst, dann wirst du damit – so sagt man es uns immer wieder – deine Beziehung kaputt machen und direkt auf deinen Untergang zusteuern. Solche widersprüchlichen Botschaften stürzen die Menschen in Verwirrung, sind Grund für Schmerz und Scham, führen zu allgemeiner Unzufriedenheit und letztlich zu verantwortungslosem, verletzendem Verhalten. Und zu echt schlechtem Sex.

Unsere sexfeindliche Vergangenheit holt uns eins

„Warum sollten wir vom Papst einen Rat zum Thema Sex annehmen? Davon versteht er doch gar nichts – und wenn doch, kann da etwas nicht stimmen.“

GEORGE BERNARD SHAW

Im Laufe der Geschichte wurden in westlichen Kulturen Sinnlichkeit, Sexualität und Ekstase immer wieder abgelehnt, mit Schamgefühlen beladen und verboten. Konzepte westlicher Glaubensvorstellungen, wie z.B. die Erbsünde, stellen das erotische Verlangen auf eine Stufe mit dem Bösen. Im Christentum gilt unser irdischer Körper von vornherein als schlecht und muss transzendiert werden, um spirituell sein zu können. Daher kommt auch die Überzeugung, der zölibatär lebende männliche Priester käme dem Einen männlichen Gott am nächsten und wäre ein unverzichtbarer Kanal zum Göttlichen.

JOHN COLLIER– Lilith

Unsere moderne Kultur hat ganze Jahrtausende unterdrückter Sexualität, der Geschlechterungleichheit, Aggression, Angst, Gottverlassenheit und Beklemmung im Gepäck. Diese kulturelle Bürde nährt Angst, Scham und Ignoranz und ist die Grundlage für eine sexuelle Entmachtung. Zudem versucht sie, eine Kultur des Herrschenden mit all ihren Facetten zu rechtfertigen – angefangen bei der Sklaverei bis hin zur Vergewaltigung der Erde und sämtlichen Formen von Gewalt.

Wohin du auch gehst, der Sex ist schon da

In unserer multikulturellen und vielfältigen Einflüssen ausgesetzten Umgebung sind wir einem nie dagewesenen Bombardement sexueller Botschaften und Darstellungen ausgesetzt. Unsere allgegenwärtigen (und aufdringlichen) modernen Medien benutzen das Thema Sex, um so ziemlich alles zu verkaufen. Sie engen damit das Wissen der Menschen darum, worum es beim Sex eigentlich geht, im großen Maße ein. Unsere Kultur sagt dem Menschen nur wenig darüber, wie man besseren Sex bekommt oder gesunde und harmonische Liebesbeziehungen führt. Obschon eine kleine, der Sexualität positiv gegenüber eingestellte Subkultur aufkeimt, ist es nach wie vor schwierig, unsere Sexualität zu verstehen, etwas über sie in Erfahrung zu bringen, sie integrieren zu können oder sexuelle Wunden zu heilen. Da draußen herrscht das reinste Durcheinander: Wir leben inmitten eines irrsinnigen Mischmaschs aus kommerzieller Zurschaustellung sexueller Fantasien, allgegenwärtigen negativen Einstellungen zum Thema Sex und einer aufkeimenden gegenkulturellen, sexpositiven Welle. Das Durcheinander unserer Kultur ist zur gleichen Zeit ganz klar (und auf ungesunde Weise) sexuell, erstaunlich gehemmt und offen für die Möglichkeit sexueller Gesundheit und Freiheit.

Wo liegt der Fehler in diesem Bild?

Schauspielerinnen im Film scheinen immer dann zum Höhepunkt zu kommen, wenn sie gerade ungezügelt, leidenschaftlich und ungestüm vögeln. Ob es nun der Klempner oder der Mann ihrer Träume ist, der Märchenprinz oder einfach der heiße Typ von nebenan – er steckt ihn rein, rammelt drauf los, und schon kommt sie. Meistens kommen beide zusammen, laut stöhnend in jenem sagenumwobenen, simultanen Orgasmus just in dem Moment, da das Feuerwerk explodiert. Wo liegt der Fehler in diesem Bild? Zunächst einmal ist es überhaupt nicht real – und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens wird hier nur gespielt (was jedem klar sein dürfte). Zweitens erzählt es eine Geschichte von Erregung und Orgasmus, die mit der Realität kaum etwas gemeinsam hat. Die meisten Frauen funktionieren nämlich gar nicht so.

Das Bild, das unsere Kultur von Sexualität zeichnet, ist in vielerlei Hinsicht schlicht unzutreffend. Zunächst einmal definiert es „echten Sex“ als mit Penetration durch Penis in Vagina verbundenen Hetero-Sex. Um diesen Fehler zu beheben, müssen wir zuallererst unsere Definition von Sex insofern erweitern, dass all die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie Menschen sämtlicher sexueller Neigungen ihre erotischen Energien und Aktivitäten ausleben und miteinander teilen, mit eingeschlossen werden. Beim Sex müssen noch nicht einmal unbedingt die Fortpflanzungsorgane zum Einsatz kommen! Wenn der ganze „andere Kram“ außer Acht gelassen wird, verpassen wir eine Menge erotischer Aktivitäten, die ebenso wichtig für unsere sexuellen Vergnügungen sind. Küssen ist etwas Sexuelles. Händchenhalten kann sexuell sein! Alles, was dich anmacht, ist „echter Sex“.

FRANÇOIS BOUCHER – Herkules und Omphale, ca. 1750