Die Muse von Paris - Felix Lützkendorf - ebook

Die Muse von Paris ebook

Felix Lützkendorf

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Opis

Misia, Modell und Muse der jungen Künstler ihrer Zeit, Schwester, Geliebte und Freundin großer Männer. Geboren in Sankt Petersburg als Tochter eines mondänen russischen Bildhauers am 30. März 1872, gestorben am 15. Oktober 1950 in Paris, war Misia Sert während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Muse, Freundin und Förderin der großen Künstler in Paris. Mit 14 entflieht sie dem Kloster. Sie heiratet: in erster Ehe den Herausgeber einer Literaturzeitschrift, in zweiter einen Multimillionär, und schließlich in dritter, den spanischen Maler Josep-Maria Sert, der ihre große Liebe wird und dessen Namen sie noch trägt, als sie, längst von ihm verlassen, in Paris stirbt. Mit ihrer verführerischen Ausstrahlung ist sie die Attraktion der Salons, der Mittelpunkt der Bälle im Paris der Belle Époque. Ganz Paris liegt ihr zu Füßen: Ravel widmet ihr "La valse", Verlaine so manches Sonett. Den größten Malern der Jahrhundertwende, Renoir, Bonnard, Vuiliard und Toulouse-Lautrec ist sie ein begehrtes Modell. Befreundet ist sie mit Marcel Proust ebenso wie mit Jean Cocteau, mit Serge Diaghilew, dem sie den triumphalen Weg des russischen Balletts nach Paris vorbereitete, mit Caruso ebenso wie mit Picasso, dessen Trauzeugin sie wird. Misias bewegtes Leben, hier nachgezeichnet von einem Autor, der sie noch kannte, zeichnet ein schillerndes, lebenspralles Panorama der bedeutendsten und elegantesten Bohème über die zwei Weltkriege hinweg, von der Belle Époque bis zur Moderne. Über allem ist dies der Roman einer hingebungsvollen großen Liebe.

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Felix Lützkendorf

Die Muse von Paris

Der Lebensroman der Misia Sert

BsB

Alle Rechte vorbehalten

© 2015 by BestSelectBook_Digital Publishers

ISBN 978-3-86466-111-2

Der Autor

Felix Lützkendorf wurde 1906 in Leipzig geboren. Dort und später bei derBerliner Nachtausgabewar er journalistisch tätig. Als junger Lyriker und Dramatiker erregte er Aufsehen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt den Schiller-Preis der Stadt Leipzig 1932/33; den Biennale-Filmpreis 1937, den Dramatikerpreis der Kammerspiele München 1962. Für die großen Regisseure der Zeit – wie Gustaf Gründgens und Erich Engel – schrieb er die Drehbücher zu unvergesslichen Filmen. In seiner Romantrilogie »Jahre des Zorns«, zeichnet er die Geschichte seiner Generation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.

Die folgenden Romane des Autors erscheinen bis 30.Juni 2015 bei

BsB_BestSelectBook_Digital Publishers

und werden überall erhältlich sein, wo es E-Books gibt.

Ich Agnes, eine freie Amerikanerin

Milada Eine Liebe in Prag

Kein Frühling kommt zu spät

Mädchen aus gutem Hause

Die schöne Gräfin Wedel

Auf Wiedersehn Janine

Prusso und Marion

Die Muse von Paris

Florentiner Spitzen

Feuer und Asche

Märzwind

Franca

Der Roman

Misia, Modell und Muse der jungen Künstler ihrer Zeit, Schwester, Geliebte und Freundin großer Männer.

Geboren in Sankt Petersburg als Tochter eines mondänen russischen Bildhauers am 30. März 1872, gestorben am 15. Oktober 1950 in Paris war Misia Sert während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Muse, Freundin und Förderin der großen Künstler in Paris.

Mit 14 entflieht sie dem Kloster. Sie heiratet: in erster Ehe den Herausgeber einer Literaturzeitschrift, in zweiter einen Multimillionär, und schließlich in dritter, den spanischen Maler Josep-Maria Sert, der ihre große Liebe wird und dessen Namen sie noch trägt, als sie, längst von ihm verlassen, in Paris stirbt.

Mit ihrer verführerischen Ausstrahlung ist sie die Attraktion der Salons, der Mittelpunkt der Bälle im Paris der Belle Èpoque. Ganz Paris liegt ihr zu Füßen: Ravel widmet ihr "La valse", Verlaine so manches Sonett. Den größten Malern der Jahrhundertwende, Renoir, Bonnard, Vuiliard und Toulouse-Lautrec ist sie ein begehrtes Modell. Befreundet ist sie mit Marcel Proust ebenso wie mit Jean Cocteau, mit Serge Diaghilew, dem sie den triumphalen Weg des russischen Balletts nach Paris vorbereitete, mit Caruso ebenso wie mit Picasso, dessen Trauzeugin sie wird.

Misias bewegtes Leben, hier nachgezeichnet von einem Autor, der sie noch kannte, zeichnet ein schillerndes, lebenspralles Panorama der bedeutendsten und elegantesten Bohème über die zwei Weltkriege hinweg, von der Belle Epoque bis zur Moderne. Über allem ist dies der Roman einer hingebungsvollen großen Liebe.

Die Engel fliegen, weil sie sich leichtnehmen.

Chesterton

Nebelblumen pflückt man nicht

Jener Augenblick, da sie zu sich selbst erwachte, sich als Misia Godebska zum ersten Male selbst erkannte, ist ihr zeitlebens unvergesslich geblieben.

Das Schicksal hob den Taktstock, und mit einem Paukenschlag begann die Symphonie ihres Lebens.

Kaum fünfzehn Jahre alt, betrat sie an der Seite ihrer Großmutter, Madame Servais, das königliche Schloss in Brüssel und überließ nur widerstrebend die mit dem königlichen Wappen geschmückte Einladungskarte dem Kammerherrn des Empfangs. Denn es war die erste Balleinladung in ihrem jungen Leben.

Als sie neben ihrer Großmutter die Marmorstufen der Freitreppe zum Ballsaal hinaufging, bemühte sie sich, ihrem Gesicht den Ausdruck jener Langeweile zu geben, die sie den im Vestibül versammelten Hofdamen abgesehen hatte. Aber in Wahrheit schlug ihr das Herz bis in die Fingerspitzen, glühte ihr Gesicht, leuchteten ihre Augen vor glücklicher Erwartung.

Auf dem ersten Absatz der Treppe kam ihr vor dem großen Spiegel ein junges Mädchen entgegen, ein noch kindhaftes Geschöpf, dessen verträumte Schönheit ihrden Atem raubte. Die großen dunklen Augen im schmalen blassen Gesicht, die von schwarzen Locken umwehte klare Stirn, die scheue Grazie ihrer Bewegungen, eingehüllt in ein Kleid von blassblauem Tüll, das in der überschlanken Taille von einem breiten Moirégürtel gehalten wurde – hatte sie dieses blütengleiche Mädchen nicht schon einmal gesehen?

Im Traum vielleicht?

Erst als sie einige Schritte weitergegangen war, erkannte Misia, dass sie selbst sich entgegengekommen war. Sie machte auf den Absätzen ihrer blauen Seidenschuhe kehrt und lief zu dem Spiegel zurück, um, hingerissen von sich selbst, unter dem Lächeln der Lakaien ihr eigenes Spiegelbild zu küssen.

Auf diesem Ball tanzte sie mit dem Kronprinzen und hatte Flügel an den Schultern.

Indes war sie schon vor diesem Spiegelerlebnis fest davon überzeugt gewesen, es begänne das bewusste Leben eines Menschen in Wahrheit lange vor seiner Geburt. Sie hatte Beweise dafür, sie hatte bereits im Mutterleib erfahren müssen, welchen Schmerzen, welchen Beleidigungen, welchen Erniedrigungen eine Frau in dieser Welt der Männer ausgesetzt war. Als hätte das Schicksal sie als noch Ungeborene schon für ihre Zukunft als Geliebte und wieder Verstoßene bereit machen wollen.

Unter dem Herzen ihrer unglücklichen Mutter hatte sie deren Seufzer mitgeseufzt, deren Tränen mitgeweint, deren Einsamkeit und Verzweiflung mitgeatmet. Und es erschien ihr zeitlebens unerklärlich, dass sie im Augenblick ihrer Geburt den kummervollen Tod ihrer Mutter nicht mitgestorben war.

Oder war sie selbst es gewesen, die den Tod der Mutter, indem sie ins Leben drängte, erst herbeigeführt hatte? Eine imaginäre Schuld, an deren Last sie ein Leben lang trug, die sie niemals ganz von sich abschütteln konnte. Sophie Godebska, ihre junge Mutter, lebte damals in Hall bei Brüssel im Haus ihres Vaters, des berühmten Geigers François Servais, der sich auf seinen Konzertreisen ein ansehnliches Vermögen erworben hatte, das er in seinem prunkvollen Haus offen zur Schau stellte und an dem er seine zahlreichen Freunde mit der kindlichen Freude eines Musikerherzens unbegrenzt teilhaben ließ.

Fast täglich kamen Gäste aus aller Welt. Im großen Speisesaal waren zu den Hauptmahlzeiten ständig sechzig Gedecke aufgelegt. Gelächter. Übermut und Verschwendung. Und Musik natürlich,. Musik von allen Seiten. Zwei Konzertflügel im großen Salon und sieben Klaviere in den anderen Zimmern standen für Pianisten mit großen Namen, aber auch für begeisterte Dilettanten bereit. Und alle spielten Chopin oder die neue, alle Sinne aufwühlende Musik eines jungen Genies, das den Namen Richard Wagner trug.

Allein Sophie Godebska, die mädchenhaft zarte Tochter des Hauses, die damals, im Winter 1872, mit Misia im neunten Monat schwanger war, ging durch den festlichen Übermut dieser Tage wie eine lächelnde Fremde. In der Musik um sie her wuchs die Sehnsucht nach ihrem Mann, der acht Monate zuvor nach Petersburg gereist war, ins beinahe Unerträgliche. Die Prinzessin Jussupoff hatte den begabten jungen Maler und Bildhauer verpflichtet, die Wände im Zarenschloss Zarskoje Selo auszuschmücken. Eine Arbeit, die Sommer und Herbst hindurch und nun schon in den Winter hinein kein Ende zu nehmen schien.

Sophie hatte ihren Mann von der bevorstehenden Niederkunft unterrichtet und erwartete von Tag zu Tag ungeduldiger einen Brief von ihm, der ihr seine baldige Rückkehr ankündigen würde.

Und endlich lag der Brief in ihrer Hand. Sie schloss sich in ihr Zimmer ein, um Wort für Wort der geliebten Handschrift ungestört zu genießen.

Doch was sie sah, das war nicht die geniale, großzügige Handschrift ihres Mannes. Das war eine hastig auf das Papier gekleckste anonyme Denunziation, die ihr in russischer Sprache mitteilte, ihr Mann lebe schon seit seiner Ankunft in Petersburg mit einer Tante seiner Frau, der jüngsten Schwester seiner Schwiegermutter, in wilder Ehe zusammen. In einer Ehe, die bald schon mit einem Kinde »gesegnet« sein würde.

Sophie Godebska lehnte sich an die Wand, um nicht zu Boden zu stürzen, die Buchstaben verschwanden vor ihren Augen, sie glaubte zu ersticken.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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