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Seedorf, Dezember 1802. Ein Mann stirbt nachts in seinem Bett. Das Herz, sagt die Frau. Der Arzt hat es seit Jahren kommen sehen. Es gibt keinen Grund, länger hinzuschauen. Niklaus Imhof schaut trotzdem länger hin. Der Notar aus Aarau kennt das Dorf — er ist hier aufgewachsen, er kennt die Wege, die Gesichter, den Geruch nach Mist und nassem Holz im Frühjahr. Aber zwölf Jahre Abwesenheit haben ihn zu einem Fremden gemacht, der nah genug ist, um zu sehen, was Einheimische nicht mehr sehen wollen. Josef Gisler war kein geliebter Mann. Drei Söhne, die schweigen. Eine Frau, die zu früh angezogen war, als der Notar anklopfte. Ein Testament mit einer Klausel, die alles zerstört, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Und ein Dorf, das längst entschieden hat — nur nicht laut. Je länger Niklaus fragt, desto klarer wird: Jeder weiss etwas. Keiner sagt alles. Und irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage, ob etwas geschehen ist — sondern ob es einen Namen verdient. Das Haus am Föhnhang ist ein Roman über das Schweigen als Sprache, über Schuld, die sich über Jahrzehnte in Wänden festsetzt — und über einen Mann, der am Ende einen Bericht schreibt, der korrekt ist, vollständig, und mit jedem weggelassenen Satz lügt.
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Liczba stron: 130
Rok wydania: 2026
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