Benimm dich! - Caroline Tiger - ebook

Benimm dich! ebook

Caroline Tiger

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Opis

Der beste Ansatz für ein friedliches Miteinander ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das heißt sowohl, sich für eigene Ausrutscher höflich zu entschuldigen, als auch, andere freundlich, aber bestimmt auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Caroline Tiger hat sich dem Thema moderne Manieren mit viel Humor gewidmet und ebenso kreative wie konstruktive Lösungen gefunden, die mal Zurückhaltung, mal tatkräftigen Einsatz erfordern. Wenn beispielsweise der Sitznachbar im Flugzeug hartnäckig auf einen einredet, muss man sich im Zweifelsfall eben selbst eine Geschichte ausdenken, die so haarsträubend ist, dass er nichts mehr darauf erwidern kann. Im Streit um die Armlehne kann einem schon mal der Ellbogen ausrutschen, wenn mit Worten nichts auszurichten ist. Doch auch beim Dating, in der Liebe und beim Sex, im Büro, im Internet und im Fitnessstudio gelten Verhaltensregeln, die dazu da sind, allen Beteiligten das Leben zu erleichtern. Die witzigen Illustrationen von Jana Moskito runden diesen anregenden Ratgeber ab.

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Caroline Tiger

BENIMM DICH!

Ein moderner Ratgeber für angesagte Manieren

VORWORT

IM KAMPF GEGEN DIE UNHÖFLICHKEIT

Sind Sie jemals in der Verlegenheit gewesen, dass Sie bei einem offiziellen Dinner nicht wussten, welche Gabel Sie benutzen sollen? Wenn ja, tut es uns leid für Sie, aber für solche oberflächlichen Probleme hat Benimm dich! keine Tipps parat – dieser Ratgeber würde höchstens fragen, wie Sie dazu kommen, an so einem spießigen Abendessen teilzunehmen. Manieren beim Teetrinken und exklusive Gabel-Fragen mögen im viktorianischen Zeitalter von Belang gewesen sein. Die Männer und Frauen von heute dagegen sind schon froh, wenn sie die Zeit finden, sich mit einem Freund oder einer Freundin auf einen Drink zu treffen. Und da ist es gut möglich, dass Sie sich auf dem Weg zu Ihrer Verabredung mit einer Menge rücksichtsloser Menschen auseinandersetzen müssen – auf Facebook, in der U-Bahn, im Taxi, auf dem Gehweg und vielleicht sogar in der Bar.

Im 21. Jahrhundert hat »Etikette« nichts mehr damit zu tun, beim Teetrinken den kleinen Finger abzuspreizen. Heute dreht sie sich eher um die Frage, was sich gehört, und darum, seinen Mitmenschen im Alltag freundlich gegenüberzutreten. Das bedeutet: den zusammengerollten Regenschirm nicht so mit sich herumzutragen, dass man andere Passanten damit ersticht; im Fitnessstudio bei Hochbetrieb nicht 55 Minuten lang das Laufband in Beschlag zu nehmen und anschließend zu vergessen, seinen Schweiß abzuwischen; sich nicht an der Schnellkasse für Kunden mit weniger als zehn Artikeln anzustellen, wenn man mehr eingekauft hat; keine Fotos von Freunden mit »bad hair days« auf Facebook zu posten; im Zug nicht laut und ungehemmt zu telefonieren. Das klingt pedantisch? Kann sein. Doch in der modernen Gesellschaft gelten ohnehin nur sehr wenige Regeln und Menschen brauchen ein paar Richtlinien, die sie davon abhalten, schamlos unhöflich zu sein.

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir keine absurden Besteck-Vorschriften mehr beachten müssen – der heutige Lebensstil ist viel freier –, aber das heißt noch lange nicht, dass es in Ordnung ist, sich rüde zu verhalten. In Benimm dich! werden wir Ihnen Vorschläge machen, wie Sie auf eine Litanei von unmöglichen Verhaltensweisen reagieren können. Die Reihe der Übeltäter ist endlos – vom gefürchteten Sitzrüttler über den Armlehnen-Belagerer und den Schweißverteiler bis hin zu Ihnen selbst. Denn nicht zuletzt zeigt Ihnen dieses Buch Möglichkeiten auf, Ihr eigenes schlechtes Benehmen zu erkennen, bevor Sie selbst der Armee der Trampel beitreten.

Auf den folgenden Seiten erhalten Sie eine Auswahl an Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie Sie viele moderne Praktiken schlechten Benehmens korrigieren können. Die Strategien reichen von höflich über provokativ bis hin zu passiv-agressiv (und manchmal auch einfach nur verrückt). Falls Sie eine aggressivere Strategie wählen, betrachten Sie sich selbst am besten als Krieger im Kampf gegen die Unhöflichkeit.

Warum können wir nicht alle einfach friedlich miteinander leben? Weil die Menschen leider nicht immer nett zueinander sind – und wären sie es, wäre dieses Buch überflüssig.

1. KAPITEL

FLUGZEUGE, ZÜGE UND AUTOS

Es gibt eine Art Kontrollverlust, die die modernen Transportmittel unweigerlich mit sich bringen. Haben Sie auch nur die geringste Ahnung, weshalb Ihr Zug eigentlich Verspätung hat oder warum Sie seit Stunden auf der Startbahn festsitzen? Über Ihr Auto haben Sie zwar so viel Kontrolle, dass Sie auf die Hupe drücken und dadurch Ihre Ungeduld zum Ausdruck bringen können. Gegen einen Stau ist damit allerdings auch nichts auszurichten. Wenn Menschen keine Kontrolle über eine Situation haben, tendieren Sie dazu, sich auch unkontrolliert zu verhalten. Aber Sie können diesen Kreislauf durchbrechen, indem Sie ein paar Grundregeln beachten.

IM FLUGZEUG

Die ständige Überbuchung von Flügen; diese Grütze, die sie Essen zu nennen wagen; die ruppigen Flugbegleiter; die horrenden Gepäckgebühren; die langen Wartezeiten, während man durch unendliche Sicherheitskontrollen geschleust wird, in denen man sich die Schuhe ausziehen und anschließend mit ansehen muss, wie sie durchleuchtet werden – Flugreisen sind strapaziös. Und nichts macht das Fliegen unerträglicher als Passagiere, die die Grundregeln zivilisierten Verhaltens im Flugzeug missachten.

ARMLEHNEN-SCHICKLICHKEIT

In Sachen Armlehne gilt grundsätzlich: eine pro Passagier, egal ob Gang-, Mittel- oder Fensterplatz. Die überzählige Armlehne in der Mitte ist verhandelbar, aber der Passagier auf dem Mittelplatz sollte ein Vorrecht darauf haben – schließlich sitzt der Arme eingezwängt zwischen zwei anderen Menschen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen kuscheligen Platz zwischen zwei Fremden erwischt haben und sowohl der Mann links von Ihnen als auch die Frau rechts von Ihnen jeweils zwei Armlehnen benutzen? Sind sie besonders groß? Nein. Sind sie Ihnen gegenüber einfach unaufmerksam? Das ist sehr wahrscheinlich. In dem Fall liegt es an Ihnen, Ihre Sitznachbarn auf deren Fehlverhalten hinzuweisen.

1.Überlegen Sie sich als Erstes, wen Sie ansprechen wollen: Ihren Nachbarn auf dem Gangplatz, der von vorbeigehenden Mitreisenden angerempelt wird? Oder den auf dem Fensterplatz, der genauso wenig Beinfreiheit hat wie Sie? Eine schwierige Entscheidung ‒ am besten wenden Sie sich an die Person, die Ihnen am sympathischsten und zugänglichsten erscheint.

2.Nachdem Sie sich entschieden haben, stoßen Sie einen tiefen Seufzer aus, um die Aufmerksamkeit Ihres Sitznachbarn auf sich zu lenken.

3.Wenn er in Ihre Richtung schaut, verwickeln Sie ihn in Smalltalk. Hier sind einige Einstiegsvorschläge: Wo kommen Sie her?, Reisen Sie dienstlich oder zum Vergnügen?, Wissen Sie, ob wir auf diesem Flug eine Mahlzeit serviert bekommen?

4.Versuchen Sie, sich mit ihm zu verbünden, indem Sie die unmenschlichen Bedingungen der Economy Class beklagen – den traurigen Fraß eingeschlossen.

5.Sobald er anfängt, Empathie zu bekunden (durch Kopfnicken oder mitfühlendes Armtätscheln), sagen Sie freundlich: »Sie haben es wahrscheinlich selbst gar nicht bemerkt, aber Sie benutzen zwei Armlehnen. Dürfte ich mich vielleicht auf dieser hier abstützen?«

6.Unterstreichen Sie Ihre Bitte mit einem rührseligen Blick. Sie können Ihrem Nachbarn auch kurz demonstrieren, wie schwierig es ist, ein Buch auf Ihrem Schoß aufzuschlagen, ohne eine Armlehne zu benutzen.

7.Nachdem er Ihnen die Armlehne überlassen hat, bedanken Sie sich bei ihm für seine Freundlichkeit und gehen Sie während des restlichen Fluges auch auf seine Wünsche ein – sofern sie nicht völlig abwegig sind.

Wenn die direkte Ansprache nicht funktioniert

Falls sich Ihr Sitznachbar nach Schritt fünf weigert, Ihnen die Armlehne zu überlassen, können Sie getrost aggressiver vorgehen. Manövrieren Sie seinen Arm einfach von der Lehne herunter, indem Sie ein kurzes Ellbogen-Gefecht austragen.

1.Stützen Sie Ihren Ellbogen fest auf der Armlehne auf, auch wenn er dann nur zur Hälfte darauf Platz hat.

2.Dadurch werden Sie höchstwahrscheinlich mit dem Ellbogen oder dem Unterarm Ihres Sitznachbarn in Berührung kommen. Doch scheuen Sie sich nicht vor Körperkontakt.

3.Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Erwidern Sie den Druck des nachbarlichen Ellbogens, indem Sie Ihren Unterarm zwischen Ihrem Brustkorb und dem Arm Ihres Nachbarn einkeilen. Betrachten Sie die Übung als Armdrücken – nur eben mit den Ellbogen.

4.Befördern Sie den Ellbogen Ihres Nachbarn mit einem gezielten Stoß von der Armlehne.

ETIKETTE-TIPP: Improvisieren Sie. Dabei können Sie ruhig von den Requisiten um sich herum Gebrauch machen. Halten Sie beispielsweise Ihre Bloody Mary so, dass der Armlehnen-Belagerer riskiert, ein Bad darin zu nehmen, sollte er den Druck Ihres Ellbogens erwidern. (Selbst ein Trampel kommt ziemlich schnell darauf, wie unangenehm es werden könnte, in nassen Klamotten im Flugzeug zu sitzen.)

DAS BEHERRSCHEN DER SCHMALEN GÄNGE

Flugbegleiter lernen als Teil ihres vier- bis sechswöchigen Trainingsprogramms, sich geschickt und effizient durch schmale, enge Gänge zu manövrieren. Passagiere sollten sich an diesen Flugprofis ein Beispiel nehmen und

1.beim Spaziergang durch die Kabine so wenige Menschen wie möglich anrempeln;

2.möglichst nicht mit ihren Taschen an Passagieren auf Gangplätzen oder an freilaufenden Ellbogen hängen bleiben;

3.davon absehen, sich an den Lehnen Fremder festzuhalten, es sei denn, Turbulenzen zwingen sie dazu.

Wie Sie den penetranten Sitzrüttler entwaffnen

Es gibt natürlich immer Passagiere, die darauf bestehen, die maximale Zahl an Gepäckstücken mit an Bord zu nehmen. Und da eine Person unmöglich Handtasche, Rucksack und die Plastiktüte voller Snacks und Spielzeug für das schreiende Baby allein koordinieren kann, wird der Rucksack unweigerlich gegen Ihren Kopf geschleudert werden und so lange vor Ihrer Nase hin und her tanzen, bis sein Besitzer alles im Gepäckfach verstaut hat. Dann gibt es noch jene Reisende, die selbst bei den kleinsten Turbulenzen ihr Gleichgewicht zu halten versuchen, indem sie sich auf dem Weg zur Toilette an den Kopfstützen entlanghangeln – ohne Rücksicht auf die ruhenden Köpfe, die dabei durchgeschüttelt werden. Diese Sitzrüttler sind das Grauen jedes Passagiers auf einem Gangplatz. Doch dagegen gibt es ein Rezept.

1.Wenn das nächste Mal an Ihrem Sitz gerüttelt wird, springen Sie unvermittelt auf.

2.Lenken Sie höflich die Aufmerksamkeit des Sitzrüttlers auf sich (achten Sie darauf, Ihren Angreifer nicht zu berühren und keine anderen Reisenden zu stören) und machen Sie ihn freundlich, aber bestimmt auf seinen Fehler aufmerksam: »Entschuldigen Sie – Sie haben es selbst wahrscheinlich gar nicht bemerkt, aber Sie rütteln jedes Mal, wenn Sie den Gang entlanglaufen, an meiner Kopfstütze.«

3.Falls der Angesprochene Sie verständnislos ansieht, verdeutlichen Sie ihm, welche Wirkung sein Verhalten hat: »Wenn Sie an meiner Kopfstütze rütteln, wird mein Kopf hin und her geworfen [demonstrieren Sie dies, indem Sie eine Wackelkopf-Figur nachahmen], was extrem unangenehm ist.«

Im Idealfall wird sich der Sitzrüttler einfach entschuldigen und weitergehen, ohne an einem weiteren Sitz zu rütteln. Wenn er aber nicht davon abzubringen ist, müssen Sie vielleicht die folgende, extremere Taktik wählen. (Hinweis: Diese funktioniert nur, wenn der Sitzrüttler selbst einen Gangplatz hat.)

1.Spüren Sie den Platz des Sitzrüttlers auf, indem Sie ihn beobachten, wenn er von der Toilette zurückkommt. (In größeren Flugzeugen mit mehreren Kabinen und Gängen werden Sie vielleicht von Ihrem Sitzplatz aufstehen und Ihrem Angreifer heimlich folgen müssen.)

2.Stehen Sie auf und schlendern Sie auf seine Sitzreihe zu. (Es hilft, wenn dazu in Ihrem Kopf die Titelmusik von Zwei glorreiche Halunken spielt.) Verschränken Sie lässig die Arme vor der Brust.

3.Wenn Sie an seinem Sitz vorbeikommen, lassen Sie Ihren Ellbogen in einem 45-Grad-Winkel zur Seite schnellen und versetzen Sie der Kopfstütze einen kräftigen Stoß.

4.Tun Sie so, als sei nichts geschehen. Sie können vor sich hin summen oder leise singen und Ihren Blick ungeniert durch die Kabine schweifen lassen.

5.Bevor Sie zu Ihrem Platz zurückkehren, stoßen Sie beim Umdrehen noch einmal gegen seinen Sitz.

RUHE IN DER LUFT

Wenn Menschen sich in der Kabine eines Flugzeugs befinden, müssen sie nicht nur den persönlichen Raum der Passagiere um sie herum respektieren, sondern auch auf die eigene Lautstärke achten. Was für den einen Musik ist, ist für den anderen Lärm, und auf so engem Raum Geräuschen ausgesetzt zu sein, die man nicht hören will, kann einen zur Weißglut bringen.

Flugreiseexperten zufolge sollen tragbare Tonträger auf mittlere Lautstärke eingestellt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Ihre Musik über die unmittelbare Umgebung Ihres Platzes hinaus hörbar ist.

Doch was, wenn sich ein Mitreisender nicht an diese Richtlinie hält? Wenn Sie den Bass aus seinem Laptop dröhnen hören, obwohl er zwei Plätze von Ihnen entfernt sitzt?

Oder schlimmer noch: wenn er sich das neuste Album eines Künstlers besorgt hat, den Sie auf den Tod nicht ausstehen können, und Sie nicht eine einzige Seite in Ihrem Buch lesen können, ohne abgelenkt zu werden. Wie macht man diese Person auf ihre Grenzüberschreitung aufmerksam, ohne eine hässliche Szene zu provozieren?

1.Tippen Sie dem Mann auf die Schulter und bitten Sie ihn, seine Musik leiser zu stellen, da Sie zwei Plätze weiter hinten noch deutlich zu hören ist.

2.In den meisten Fällen werden Sie mit Ihrer Bitte Erfolg haben. Kann sie jedoch nichts ausrichten, müssen Sie schwerere Geschütze auffahren: Verständigen Sie die Flugbegleiterin.

3.Sobald sie eintrifft, erklären Sie ihr höflich, dass Sie die Musik jenes Mitreisenden hören können, obwohl er Kopfhörer benutzt. Die Flugbegleiterin ist darin ausgebildet, auf Beschwerden von Passagieren einzugehen und Konflikte zu lösen. Überlassen Sie die Sache ihr, sie weiß, was sie tut.

Wenn auch das nicht hilft, werden Sie auf eine drastischere Methode zurückgreifen müssen, bei der Sie laut mitsingen und zur Musik tanzen.

1.Suchen Sie sich eine Position, in der der Übeltäter Sie gut sehen kann.

2.Stimmen Sie sich auf seine Musik ein und fangen Sie an, möglichst anzüglich die Wörter mit den Lippen zu formen. (Balladen von Boygroups sind dafür besonders gut geeignet.)

3.Benutzen Sie wie alle guten Entertainer Ihre Hände, um Zeilen wie »Do you think I’m sexy« zu veranschaulichen, indem Sie zum Beispiel bei »you« auf ihn deuten, dann bei »I’m sexy« auf sich selbst und anschließend die Augenbrauen hochziehen.

4.Grooven Sie in Ihrem Sitz zur Musik und vergessen Sie nicht, ein paar übertrieben peinliche Moves einzubauen.

5.Der Clou bei dieser Methode ist, zum Beat der Musik zu tanzen, die der andere hört, damit ihm klar wird, dass er es ist, der Ihr seltsames Verhalten bewirkt.

ETIKETTE-TIPP: Peinliches Tanzen: Selbst der abgehärtetste Lautstärke-Junkie verfällt in erstauntes (und vielleicht sogar respektvolles) Schweigen, wenn er sich den albernen Tanzstil eines Erwachsenen ansehen muss.

Wie man sich gegenredselige Sitznachbarn zur Wehr setzt

Es gibt keine Regel, die Passagieren verbietet, miteinander zu reden (und zu reden und zu reden). Aber das Gesetz der Höflichkeit gebietet, rücksichtsvoll zu sein, wenn man jemanden im Flugzeug in ein Gespräch verwickelt.

Der redselige Sitznachbar ist – auch wenn er es eigentlich nur gut meint – einer der gefürchtetsten in der bunten Truppe der Flugreisenden. Er ist normalerweise schon etwas älter und hat viele Anekdoten von seinen Katzen, der entzückenden Tochter, dem reizenden Sohn oder den Enkelkindern auf Lager. Sie sind ohne Fluchtmöglichkeit an ihren Sitz gefesselt – neben einer Person, die sich selbst gern reden hört. Was tun?

1.Nehmen Sie sich ein Buch, eine Zeitschrift oder Ihr Smartphone zu Hilfe. Das ist die naheliegendste Lösung. Greifen Sie in Ihre Tasche und holen Sie irgendetwas zum Lesen heraus. Schlagen Sie es ‒ für Ihren Sitznachbarn gut sichtbar ‒ auf und stecken Sie Ihre Nase hinein. Wenn Sie lieber Musik hören wollen, setzen Sie sich Kopfhörer auf.

2.Falls Sie nicht gern Bücher lesen oder einfach vergessen haben, eines mitzunehmen, finden Sie im Netz an der Rückseite des Vordersitzes Bordmagazine. Sollte Ihr Netz beim Auffüllen vergessen worden sein, lesen Sie sich die Sicherheitshinweise oder den Aufdruck auf der Kotztüte oder was auch immer durch – Hauptsache, es stehen Wörter drauf.

3.Wenn der Übeltäter weiter auf Sie einredet, obwohl Sie versuchen zu lesen (oder es zumindest vorgeben), sagen Sie höflich, aber bestimmt: »Es tut mir leid, aber ich bin gerade ganz in mein Buch/meine Zeitschrift/die Sicherheitshinweise/meine Musik vertieft. Ich will nicht unhöflich sein, nur im Moment möchte ich lieber lesen/Musik hören als reden.« Selbst Mitmenschen, die für die üblichen sozialen Signale nicht so empfänglich sind, werden die Botschaft verstehen.

Eine weitere Möglichkeit, sich gegen einen redseligen Sitznachbarn zur Wehr zu setzen, ist, auf alles, was er sagt, noch eins draufzusetzen: Egal, was für eine Geschichte er erzählt, Sie kommen immer mit einer besseren um die Ecke. Sagen wir, Sie haben eine geschwätzige Sitznachbarin, die aus ihrem Leben erzählt. Betty, ihre Tochter, hat gerade Vierlinge zur Welt gebracht? Pah, Ihre Schwester hat gerade Siebenlinge bekommen! Nicht nur das ‒ sie und ihr Mann glauben, dass sie Edgar, Ansgar, Oskar, Eliska, Franziska, Frank und Paul in ihrer zweiten Flitterwoche gezeugt haben. Ach, die beiden hatten so eine schöne Zeit! Es war ihnen gelungen, ein supergünstiges Angebot für eine Reise nach Maui zu finden und dann … Sie wissen schon. (Hinweis: Damit diese Taktik aufgeht, müssen Sie länger reden als Ihre Sitznachbarin. Wenn die Betty-Story fünf Minuten lang ist, muss Ihre 15 Minuten in Anspruch nehmen. Seien Sie so unerträglich wie möglich – andernfalls wird sie in Ihnen einen Verbündeten sehen, der genauso gern plaudert wie sie selbst.

Lassen Sie Ihren Körper sprechen

Körpersprache ist ein effektives Mittel, um Ihrem Sitznachbarn einen Hinweis zu geben.

Wenn Sie signalisieren wollen, dass Sie für ein Gespräch offen sind, verhalten Sie sich so:

1.Nehmen Sie Blickkontakt mit Ihrem Nachbarn auf.

2.Lächeln Sie ihn an.

3.Verwenden Sie eine freundliche Körpersprache (indem Sie sich ihm leicht zuwenden, seine Gestik reflektieren und so weiter).

Wenn Sie signalisieren wollen, dass Sie nicht für ein Gespräch offen sind, verhalten Sie sich so:

1.Schauen Sie woanders hin und vermeiden Sie Blickkontakt.

2.Legen Sie leicht die Stirn in Falten.

3.Verwenden Sie eine abweisende Körpersprache, indem Sie sich in Ihren Sitz sinken lassen, Ihre Nase in ein Buch stecken, Kopfhörer aufsetzen oder Ähnliches.

ETIKETTE-TIPP: Körper haben ihre eigene Sprache. Heiße Luft muss raus. Es passiert jedem von uns, durchschnittlich sogar zehn Mal am Tag. Das heißt, wir verströmen über einen Zeitraum von 24 Stunden knapp 2000 Milliliter Gas. Je länger der Flug dauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass Blähungen entweichen, vor allem wenn Sie Brokkoli, Kohl oder Bohnen gegessen haben. Da nur einer von zehn Furzen riecht, kann es gut sein, dass keiner was merkt, es sei denn, es ist gerade ein Stinkefurz. Falls er doch bemerkt wird, ist eine verlegene Entschuldigung angebracht. Und falls er von jemand anderem kommt, versuchen Sie möglichst, ihn zu ignorieren. Stehen Sie auf und laufen Sie durch die Kabine, bis sich der Gestank verflüchtigt hat.

IM PENDLERZUG

Pendlerzüge sind im Normalfall überfüllt, zu wenig oder zu stark beheizt, die Sitze sind hart und man hat keine Ellbogenfreiheit. Es gibt so viele Schilder, die Passagiere dazu ermahnen, die Füße nicht auf die Sitze zu legen, nicht zu rauchen, nicht zu essen und nicht zwischen den Waggons hin und her zu wechseln, dass man meinen sollte, die Pendler wüssten, wie sie sich zu verhalten haben. Doch stattdessen fühlen sie sich dadurch offenbar ihrer Freiheit beraubt, was sie kompensieren müssen. Das wiederum artet manchmal in grobem Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen aus.

Doch es geht auch anders. Bei den alltäglichen Herausforderungen ‒ beispielsweise sich auf dem Bahnsteig durchzumanövrieren, sich ein kleines bisschen Platz zum Zeitunglesen zu erobern oder ein Telefonat zu führen – erwerben Pendler ein Repertoire an Überlebensstrategien, die aber nicht immer auf rücksichtsloses Benehmen hinauslaufen müssen.

MENSCHENTRAUBEN AUF DEM BAHNSTEIG

Man trifft überall auf dieses bestimmte Menschengrüppchen, das genau weiß, an welcher Stelle die Tür sein wird, wenn der Zug in den Bahnhof einfährt. Manchmal gibt es mehrere solcher Stellen, manchmal nur eine. Das können Sie ganz leicht herausfinden, indem Sie beobachten, wie sich die erfahrenen Passagiere auf einer Fläche von einem halben Meter (der Breite der Tür) zusammendrängen. Folgen Sie ihnen – Menschen, die täglich pendeln, werden Sie garantiert nicht fehlleiten. Es kann höchstens passieren, dass Sie dem rücksichtslosen Verhalten am Bahnsteig zum Opfer fallen – wenn sich zum Beispiel ein Passagier mithilfe seiner Einkaufstasche in die paar Zentimeter zwischen Ihnen und einem anderen Reisenden schiebt, um sich vorzudrängeln.Vordrängeln ist der Gipfel schlechten Benehmens unter Pendlern. Man sollte sich niemals dazu hinreißen lassen (es sei denn, ein anderer provoziert es) und stets wachsam sein, falls sich jemand vordrängeln will. Wo kämen wir denn hin, wenn das alle machen würden? Es wäre das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen. Das nächste Mal, wenn jemand versucht, Ihnen Ihre 1-A-Bahnsteig-Position streitig zu machen, empfiehlt sich die folgende verbale Reaktion:

1.Sprechen Sie ihn an: »Ähm, Sie haben sich gerade vorgedrängelt.«

2.Möglicherweise wird die andere Person erwidern: »Aber hier ist ja auch keine Schlange. Das ist eher eine Menschentraube.«

3.Bleiben Sie standhaft: »Es ist vielleicht nicht genau das, was der Duden als ›Schlange‹ definieren würde, aber trotzdem gilt hier ein ungeschriebenes Gesetz. Und Sie haben sich gerade zwischen mich und die Tür gedrängt. Das ist Vordrängeln.«

4.Gewinnen Sie die Unterstützung der Menschen um Sie herum, appellieren Sie an deren Gerechtigkeitssinn. Nehmen Sie Blickkontakt zu ihnen auf und fragen Sie laut: »Habe ich recht?« Sehr wahrscheinlich werden Sie die anderen auf Ihrer Seite haben, und sobald der Vordrängler merkt, dass er in der Unterzahl ist, wird er klein beigeben.

ETIKETTE-TIPP: Wenn Sie jemanden mit Worten zurechtweisen, sprechen Sie hochgestochen und schnell – damit können Sie Ihr Gegenüber beeindrucken und es wird eine Weile dauern, bis er seine Sprache wiederfindet. »Hä? Was ist denn ein Neophyt? Und was heißt ›antropomorphisch‹? Ich muss mir schnell etwas ausdenken, das genauso schlau klingt.«

ÄRGER BEWÄLTIGEN

Ein wichtiger Grund für Etikette sind die Konsequenzen einer Welt ohne Etikette. Denn das wäre eine Welt voller Koller – Straßenkoller, Fahrstuhlkoller, In-der-Schlange-steh-Koller, Flugzeugkoller. Koller passieren. Das nationale Bündnis für seelische Gesundheit gibt folgende Tipps, wie man sie in den Griff bekommt:

•Ändern Sie etwas an Ihrer Art zu denken. Ersetzen Sie unmittelbare, wütende Gedanken durch rationale. Wandeln Sie zum Beispiel den Satz »Wie furchtbar, jetzt ist alles kaputt« um in »Das ist ziemlich frustrierend und es ist verständlich, dass ich mich darüber aufrege, aber es ist nicht das Ende der Welt«. Machen Sie sich klar, dass die Welt es nicht »auf Sie abgesehen« hat – Sie erleben einfach nur gerade die unangenehmen Seiten des Alltags, so wie jeder andere auch.

•Beginnen Sie mit der Problemlösung. Aber konzentrieren Sie sich lieber darauf, einen Umgang mit dem Problem zu finden, anstatt es gänzlich lösen zu wollen. Es liegt zwar vielleicht nicht in Ihrer Hand, dafür zu sorgen, dass der Zug pünktlich im Bahnhof einfährt. Doch Sie können die Leute, mit denen Sie verabredet sind, anrufen und ihnen mitteilen, dass Sie sich verspäten werden. Die Fahrt, die länger als gedacht ist, können Sie dazu nutzen, Arbeit zu erledigen.

•Versuchen Sie, freundlicher zu kommunizieren. Sprechen Sie nicht gleich aus, was Ihnen als Erstes durch den Kopf schießt. Hören Sie zu, wenn jemand Ihnen etwas erzählt, und denken Sie in Ruhe darüber nach, was Sie antworten wollen.

•Reagieren Sie mit Humor, sofern es angebracht ist. Nicht mit sarkastischem, fiesem, sondern mit konstruktivem Humor, der die Situation ins richtige Licht rückt. Zum Beispiel können Sie die Person, die sich gerade vorgedrängelt hat, fragen: »Wissen Sie denn nicht, wer ich bin? Mein Vater ist der Präsident der USA!«

EIN- UND AUSSTEIGEN

Manche Leute haben immer noch nicht begriffen, dass sie die Fahrgäste erst aussteigen lassen müssen, bevor sie selbst einsteigen können. (Das Gleiche gilt in Bezug auf Fahrstühle.) Der Sturm auf die Türen verursacht jedes Mal Stau, wenn diejenigen, die aussteigen wollen, mit den Einsteigenden kollidieren und es in der Tür zu Engpässen kommt. Manchmal entstehen regelrechte Tumulte, weil die aussteigenden Passagiere in Panik verfallen, nicht rechtzeitig rauszukommen und eine Station weiterfahren zu müssen. Es kann sogar passieren, dass jemand niedergetrampelt wird!

Wie können Sie am geschicktesten Ihre Mitreisenden erziehen und gleichzeitig sichergehen, dass Sie selbst sich in einer guten Einsteige- oder Aussteigeposition befinden? Indem Sie mit gutem Beispiel vorangehen natürlich. Die folgende Taktik funktioniert am besten, wenn Sie in der Gruppe der Einsteigenden ganz vorn stehen.

1.Sobald sich die Türen des einfahrenden Zuges öffnen, treten Sie einen Schritt zurück, um zuerst die Passagiere aussteigen zu lassen.

2.Falls sich jemand in die Lücke drängt, die Sie für die Aussteigenden freigelassen haben, erklären Sie ihm: »Sie haben es wahrscheinlich nicht bemerkt, aber es sind noch nicht alle Leute ausgestiegen, die raus wollen. Solange die nicht raus sind, können wir nicht einsteigen.«

3.Auch wenn es so aussieht, als hätte die letzte aussteigende Person den Waggon verlassen, werfen Sie einen kurzen Blick hinein, um sich zu vergewissern. Denn es kann ja sein, dass ein älterer Fahrgast oder einer mit viel Gepäck länger braucht.

4.Wenn niemand mehr in Sicht ist, steigen Sie ein.

Hinweis: