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Was bedeutet es, wenn ein Rezept keine Herkunft mehr hat – nur noch Hände, die es kennen? Katharina Preinleitner nähert sich dieser Frage mit ihrem Debüt auf eine Weise, die unvergesslich bleibt: sanft, präzise und ohne falsche Auflösung. "Baklava – Honig über alten Wunden" versammelt neun Erzählungen, die sich alle um ein einziges Motiv drehen: das Essen als Gedächtnisträger, als Streitfeld und als stille Brücke zwischen Menschen, die nicht dieselbe Geschichte teilen und dennoch denselben Tisch. Im Mittelpunkt stehen Figuren aus dem östlichen Mittelmeer und der Diaspora – eine Bäckerin in Istanbul, ein griechischer Journalist, ein armenischer Blogger –, die aufeinandertreffen, weil sie alle dasselbe beanspruchen: Herkunft. Erinnerung. Das Recht, ein Rezept das eigene zu nennen. Preinleitner erzählt mit außergewöhnlicher Genauigkeit für das Körperliche: die Temperatur von Butter, die Reihenfolge von Handgriffen, das Klingeln einer Kupferschüssel. Diese Sinnlichkeit ist kein Ornament – sie ist Argument. Denn was die Figuren nicht in Worte fassen können oder wollen, sprechen ihre Hände, ihre Küchen, ihre Gewürze. Die Autorin vertraut dem Detail mehr als der Erklärung, und genau das verleiht den Geschichten ihre besondere Wucht. Das Buch stellt keine leichten Fragen und gibt keine einfachen Antworten. Wem gehört ein Gericht? Wem gehört eine Erinnerung? Was bleibt, wenn die Menschen, die etwas weitergegeben haben, nicht mehr da sind? Diese Themen berühren Geschichte, Identität und Verlust – doch Preinleitner verhandelt sie nie abstrakt, sondern stets im Kleinen, im Menschlichen, im Geruch von Kardamom und Orange. Für alle, die Literatur suchen, die wirklich schmeckt.
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Liczba stron: 171
Rok wydania: 2026
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