Hundeschule für Schulhunde - Beate Lambrecht - ebook

Hundeschule für Schulhunde ebook

Beate Lambrecht

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Opis

Schulhunde als pädagogische Helfer haben in den letzten Jahren enorm an Verbreitung, Akzeptanz und Professionalisierung gewonnen. Was bisher fehlte, war Fachliteratur nicht nur zum Einsatz, sondern gezielt zur Eignung und Ausbildung der Hunde, die im Schulunterricht oder auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden sollen. Das Grundlagentraining wird ergänzt durch spezielle Aufgaben für verschiedene Einsatzbereiche sowie Tipps zum Umgang mit besonderen Situationen. Hundefreundliche Ausbildung unter Wahrnehmung möglicher Stress- und Überforderungssignale im Einsatz steht dabei im Vordergrund.

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Beate Lambrecht

Hundeschule für Schulhunde

Ausbildungsprogramm für Begleithunde in Pädagogik und Therapie

© 2016 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3, D-54552 Nerdlen / Daun

Telefon: 06592 957389-0

Telefax: 06592 957389-20

www.kynos-verlag.de

Grafik & Layout: Kynos Verlag

eBook (epub)-Ausgabe der Printversion

ISBN-eBook (epub): 978-3-95464-118-5

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-099-7

Bildnachweis: Alle Fotos www.tierfotografie-winter.de

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www.kynos-stiftung.de

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Hundgestützte Arbeit

Eine kleine Begriffsklärung

Tiergestützte Therapie

Tiergestützte Pädagogik

Tiergestützte Humanpflege

Tiergestützte Förderung

Tiergestützte Aktivitäten

Assistenzhunde / Blindenführhunde / Signalhunde

Anforderungen an den Hund

Eigenschaften und Wesen

Ausbildung

Wie sag ich’s meinem Hund? Etwas Theorie muss sein

Grundlagenwissen

Lernen am Erfolg

Lernen am Misserfolg

Vom richtigen Zeitpunkt

Belohnungsort

Fehlverknüpfungen

Generalisierung

Häufige Wiederholungen

Motivation: Was Hunde wollen

Signale

Abbau von Belohnungen

Trainingsschritte

Trainingsmethoden

Training über Locken

Training mit Hilfe des Clickers (oder eines Markerworts)

Praxistipps

Was jeder Schulhund können sollte

Grundlagentraining

»Sitz« als Positionierungsübung

Platz

Warten

Rückruf

Lockere Leine

Führen ohne Leine »Bei Fuß«

Ruheübungen

Ruhe belohnen

Abwarten in der Box

»Decke« – Warten auf einer Decke, in einem Körbchen oder bei der Leine

Konditionierte Entspannung

Kontaktaufnahme und Begrüßung

Begrüßung

Leckerchengabe

Kopf auf den Schoß legen

Eine Pfote aufs Knie legen

Gelassenheit

Berührungen

Ungewohnte Objekte, Menschen, Situationen

Spezielle Aufgaben für verschiedene Einsatzbereiche

Delegation

Übergaberitual

Partner- und Rollenspiele

Kommunikation und Interaktion

Blickkontakt über freies Formen

Blickkontakt über Locken

Aufmerksamkeitsspanne und Interaktion

Lob und Belohnung

Bewegung und Motorik

Beintunnel

Sprung durch Reifen als Delegationsübung

Einfacher Bewegungsparcours

Bewegungsparcours mit Delegation

Tricks

Würfeln

Einen Ball schubsen

Pfote geben

»High Five«

Klingeln

»Twist«

Slalom

»Acht«

Socken ausziehen

Kästchen öffnen

Suchen und Apportieren

Suchen mit Anzeigen

Apportieren

Lese- und Kuschelstunde

Impulskontrolle

Auf Leckerchen warten

Leckerchen liegenlassen

An der Tür warten

Umgang mit besonderen Situationen

Einführung des Hundes in die Arbeit

Vorbereitungen

Der erste Einsatz

Stress erkennen – und was dann?

Beschwichtigungssignale

Stressvermeidung und Stressreduzierung

Umgang mit unerwünschtem Verhalten

Alternativverhalten trainieren!

Abbruchsignal oder Rückruf?

Umorientierungssignal

Ein paar Schlussbemerkungen

Die Models

Die Autorin

Die Fotografen

Zum Weiterlesen

Hundetraining

Tiergestützte Pädagogik

Hinweise aus dem Text

Vorwort

Ein Hund als bester Freund ist der Traum fast jeden Kindes. Wer das Glück hatte, in der Kindheit einen Hund an seiner Seite gehabt zu haben, kennt das wunderbare Gefühl, mit diesem Kumpel alles teilen zu können. Er war immer da, hat zugehört, hat jeden Quatsch und jedes Abenteuer mitgemacht, hat Sicherheit gegeben. Jetzt möchten wir, dass auch andere Menschen diese wunderbaren Erfahrungen machen können – dass auch ihnen der besondere Mehrwert zuteilwird, den uns der Hund mit seinen unverwechselbaren Gaben und Fähigkeiten schenkt.

Dass Hunde in Pädagogik und Therapie diesen Mehrwert einbringen und viele positive Wirkungen ausüben können, ist inzwischen unbestritten. Seit etwa zwanzig Jahren gibt es eine zunehmende Zahl von Versuchen und Ansätzen, sowohl theoretische Grundlagen wie praktische Konzepte für den Einsatz von Hunden in diesen Bereichen zu entwickeln. So gibt es heute auf der einen Seite eine ständig weiter anwachsende wissenschaftliche Literatur, die sich mit der Wirkung von Tieren auf Menschen beschäftigt. Und auf der anderen Seite haben wir zahlreiche Praxisanleitungen, die dem Mensch-Hund-Team, das in der Schule oder in der Therapie arbeitet, ganz konkrete Hilfestellungen für die dort anfallenden Aufgaben an die Hand geben wollen.

Was aber bisher fehlt, ist ein Leitfaden für die Ausbildung und das Training der Hunde. Diese Lücke möchte ich mit meinem Buch schließen.

Kein Hund wird als perfekter Schulhund geboren. Er hat vielleicht die passenden Talente, aber diese allein qualifizieren ihn noch lange nicht hinreichend für seinen Job. Ohne solide Ausbildung, ohne das Beherrschen von gewissen Standards, ohne die notwendigen Basiskenntnisse und Grundfertigkeiten wird der Hund und wird das Mensch-Hund-Team weder für seine Kunden / Klienten noch für sich selber Fortschritte oder Erfolgserlebnisse erzielen können. Auch und vor allem der Schulhund braucht eine Hundeschule – und zwar eine ganz spezielle, die auf die Anforderungen und »Qualifikationsprofile« seines künftigen Berufs abgestimmt ist.

In meinem Buch habe ich einen kleinen »Lehrplan« für eine solche Schulhund-Hundeschule zusammengestellt. Im Mittelpunkt stehen die klassischen Basiskompetenzen, sozusagen das Kleine Einmaleins des Schulhundes, das für die spätere Arbeit unverzichtbar ist, sowie die darauf aufbauenden »arbeitsplatzspezifischen« Kompetenzen, deren Training ich als Vorbereitung für die Arbeit auf verschiedenen Einsatzgebieten unbedingt ans Herz legen möchte. Dabei bleibe ich immer möglichst praxisnah, arbeite mit Beispielen, konkreten Aufgabenstellungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die das Training leicht machen und ein stressfreies, motiviertes und freudiges Lernen fördern sollen. Alle Trainingsmethoden sind frei von Druck und Drill und basieren auf dem Prinzip der positiven Verstärkung.

In der hundgestützten Arbeit geht es oft in erster Linie um die Emotionen der Kinder / Klienten. Ebenso wichtig sollten dem Lehrer / Therapeuten die Emotionen seines Hundes sein, damit dieser nicht überfordert wird oder gar instrumentalisiert. Natürlich gibt es auch Hunde, die ohne besondere Ausbildung in der Schule Hervorragendes leisten. Die wachsenden Anforderungen in unserer immer komplexer werdenden Welt erfordern allerdings immer mehr Wissen und Umsicht im fairen Umgang mit dem Lebewesen Hund ebenso wie mit den Schülern und Klienten. Dieses faire Miteinander gehört zu den vornehmsten Zielen der tiergestützten Pädagogik und sollte daher nicht nur für unsere Trainingsinhalte, sondern auch für unsere Trainingsmethoden die innere Richtschnur sein.

Denn uns geht es nicht um »Leistungsoptimierung« und Lernerfolg um jeden Preis, sondern um das, was den eigentlichen Mehrwert ausmacht: die harmonische Mensch-Tier-Beziehung und den Spaß an der gemeinsamen Aufgabe.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude in Ihrem Engagement für die hundgestützte Arbeit.

Ihre

Beate Lambrecht

Hundgestützte Arbeit

Eine kleine Begriffsklärung

Die positive Wirkung von Tieren und ganz speziell Hunden auf den Menschen wird seit den 1970er Jahren intensiv erforscht und mittlerweile zweifelt kaum jemand mehr daran, dass hundgestützte Maßnahmen sinnvoll sind. Auch andere Tierarten haben sich in der tiergestützten Arbeit etabliert, wie zum Beispiel in der Delfintherapie, im therapeutischen Reiten oder in der Lamatherapie. Es gibt bisher allerdings weder offizielle Berufe im hundgestützten Bereich noch eine geregelte Ausbildung der Hunde.

Inzwischen führen die Bemühungen verschiedener Organisationen und einzelner Personen dazu, dass sich einheitliche Bezeichnungen der einzelnen Einsatzbereiche durchsetzen. Wurde vor rund 20 Jahren noch fast jeder irgendwie therapeutisch oder pädagogisch eingesetzte Hund als »Therapiehund« bezeichnet, gibt es nun ein wesentlich differenzierteres Bild. Es wird danach unterschieden, welche Ausbildung der Hundeführer hat, welche Anforderungen an den Hund gestellt werden und welche Ziele die Maßnahmen haben.

Tiergestützte Therapie

Ein Hund, der in der Theraeingesetzt wird, wird meist als »Therapiehund«, »therapeutischer Begleithund« oder »Therapiebegleithund« bezeichnet, und die hundgestützte Therapie wird von einem ausgebildeten Therapeuten ausgeführt. Das kann beispielsweise ein Psychotherapeut, Ergotherapeut oder Physiotherapeut sein. Der Einsatzbereich des Hunist die zielgerichtete therapeusche Arbeit mit Menschen mit schiedenen Beeinträchtigungen. werden relativ viele besondere Anforderungen an ihn gestellt, weshalb er eine fundierte spezifische Ausbildung haben sollte. Ebenso wichtig ist allerdings die tierbezogene Kompetenz und Ausbildung des Therapeuten.

Tiergestützte Pädagogik

In der hundgestützten Pädagogik wird der speziell ausgebildete Hund von einer pädagogischen Fachkraft geführt. Das kann etwa ein Sozialpädagoge, Lehrer, Erzieher oder Diplompädagoge sein. Der Pädagoge setzt den Hund als »Co-Pädagogen« zur Erreichung konkreter pädagogischer Ziele in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein. Ebenso wie der Therapeut benötigt der Pädagoge tierbezogene Kompetenz und sollte kynologisch geschult sein.

Je nach Einsatzbereich wird der Hund »pädagogischer Begleithund«, »Schulbegleithund«, »Schulhund«, »Klassenhund« oder – noch spezifischer – »Lesehund« genannt.

Tiergestützte Humanpflege

In der pflegenden und heilenden Arbeit von Krankenpflegern, Altenpflegern oder Heilerziehungspflegern können Hunde ebenfalls sehr erfolgreich eingesetzt werden. Auch hier ist eine spezielle Ausbildung von Hund und Mensch erforderlich, damit das Team für die anspruchsvolle Arbeit mit Menschen mit Pflegebedarf gut vorbereitet und eingeübt ist.

Meines Wissens gibt es noch keinen besonderen Begriff für diese Hunde. So werden sie oft ebenfalls »therapeutischer Begleithund« genannt.

Tiergestützte Förderung

Für hundgestützte Fördermaßnahmen muss der Hund ebenfalls eine spezifische Ausbildung haben, während der Hundeführer kein Pädagoge, Therapeut oder Pfleger sein muss, aber eine Schulung im Bereich tiergestützter Arbeit gemacht haben sollte. Er arbeitet zusammen mit dem Pädagogen / Therapeuten auf ein Förderziel hin.

Hier können die Hunde »pädagogische / therapeutische Begleithunde« genannt werden; es gibt aber ebenfalls keine besondere Bezeichnung, die sie von den oben genannten abgrenzt.

Tiergestützte Aktivitäten

Für hundgestützte Aktivitäten brauchen weder Hund noch Hundeführer eine spezielle Ausbildung. Das Tier sollte natürlich bestimmten Wesensanforderungen für diesen besonderen Einsatz entsprechen. Diese Aktivitäten sind nicht direkt zielgerichtet, sondern sollen Freude vermitteln und das allgemeine Wohlbefinden steigern.

Oft werden die Hunde hier »Besuchshunde« genannt.

Es gibt immer mehr und auch sehr individuelle Angebote in diesem Bereich wie Hundewanderungen im Schulnachmittagsprogramm, Welpenbesuch im Kindergarten, Theater-Gruppen mit Hund im Seniorenheim und ähnliche Aktivitäten.

Assistenzhunde / Blindenführhunde / Signalhunde

Während bei den obigen Einsatzbereichen die Hunde von ihren Besitzern für die Arbeit mit verschiedenen Menschen oder Gruppen ausgebildet werden, werden für Assistenzhunde, Blindenführhunde oder Signalhunde Hunde von professionellen Ausbildern für einen einzigen Menschen mit spezifischen Beeinträchtigungen trainiert. In manchen Fällen wird der Besitzer von Beginn an mit einbezogen, manchmal erfolgt das Training, bevor der Hund zu seinem Menschen kommt und wird dann gemeinsam mit ihm fortgeführt.

Anforderungen an den Hund

Eigenschaften und Wesen

Die Anforderungen, die an den Hund gestellt werden, sind abhängig von Einsatzbereich und Konzept. Gleichwohl gibt es gewisse Grund-Standards.

Zunächst einmal muss er einen ausgezeichneten Gesundheitszustand haben und frei von Schmerzen sein. Je nach Einsatzort werden dafür unterschiedliche Nachweise gefordert wie Gesundheitszeugnis und Impfnachweis. Natürlich sollte der Hund auch sauber und gepflegt sein.

Was die individuellen Eigenschaften und den Charakter des Hundes angeht, gibt es ebenfalls wünschenswerte allgemeine Grundvoraussetzungen, die aber durchaus unterschiedlich ausgeprägt sein dürfen.

Dazu zählen:

•freundliches Wesen,

•Gutmütigkeit,

•Führigkeit,

•Umweltsicherheit,

•Belastbarkeit,

•Stressresistenz und

•hohe Toleranzschwelle.

Sobald es um konkrete Einsatzbereiche geht, können ganz unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Fähigkeiten und Wesensmerkmale gefordert sein. Manche Hunde sollen ruhig und passiv sein, andere aktiv und verspielt. Manche Hunde sollen möglichst auf ihrem Platz bleiben, andere sollen selbständig auf Klienten oder Patienten eingehen. Schwierig wird es, wenn an denselben Hund je nach Situation ganz verschiedene Anforderungen gestellt werden. Einerseits soll er in der Lage sein, »cool« abzuwarten und sich durch nichts ablenken zu lassen, andererseits soll er gern mit Menschen interagieren und jederzeit zur Mitarbeit bereit sein. Das erfordert ein wirklich intensives und an den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Hundes orientiertes Training.

Manche Arbeitsstellen, Ausbildungs-Organisationen und Hundebesitzer hätten gerne einen Eignungstest, bevor der Hund die Ausbildung beginnt. Solche Tests spiegeln aber nur das wider, was der Hund gelernt hat, nicht seine Eigenschaften, sein Wesen oder seine Eignung. Wichtiger ist es meines Erachtens, dass der Hundebesitzer für seinen Hund den passenden Einsatzbereich hat, findet oder schaffen kann, für den er wirklich geeignet ist und ihn dafür mit Hilfe eines guten Hundetrainers ausbildet. Und hier sollte das Team dann auch eine Prüfung ablegen, in der es sowohl in der Theorie als auch in der Praxis beweisen muss, dass es seiner anspruchsvollen Arbeit gewachsen ist.

Es können aber beispielsweise auch Hunde geeignet sein, die in bestimmten Situationen etwas unsicher sind, in ihrer Arbeit aber nie mit den Unsicherheit auslösenden Dingen in Berührung kommen werden. Und manchmal sind es gerade diese Hunde, die in der Praxis mit den Klienten / Patienten / Kindern überraschende und unglaubliche Dinge auslösen und bewirken.

In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass der Hundebesitzer, der ja auch meistens der Pädagoge / Therapeut ist, immer für das physische und psychische Wohlergehen des Hundes und seine tierschutzkonforme Unterbringung und Betreuung verantwortlich ist.

Dazu gehört auch, dass Häufigkeit, Dauer und Intensität des Einsatzes das Tier nicht überfordern dürfen und bei Anzeichen von Stress entsprechende Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Jeder, der überlegt, seinen Hund in der pädagogischen oder therapeutischen Arbeit einzusetzen, sollte sich deshalb gründlich überlegen, ob dieser den entsprechenden Anforderungen wirklich gewachsen ist.

Ausbildung

Auch die erforderliche Ausbildung des Hundes ist abhängig vom Einsatzbereich und sollte an dessen speziellen Anforderungen orientiert sein. Wünschenswert ist immer eine gewisse Grundausbildung, die folgende Bereiche umfassen sollte:

Gute Grunderziehung ungefähr auf Niveau des BHV-Hundeführerscheins.

Hierzu gehören:

•Übungen wie »Sitz«, »Platz«, »Bleib«, Rückruf und Leinenführigkeit

•Optimale Prägung und Sozialisierung von Jugend an in Richtung Kontakt mit Menschen jeden Alters

•Umwelt- und Sozialsicherheit (ungewöhnliche Geräusche, optische Reize, Bewegungsmuster, Tierbegegnungen …)

•Besonders enge Bindung des Hundes an seine / n Menschen

Nach dieser Grundausbildung geht es dann weiter mit der »arbeitsplatzspezifischen« Ausbildung. Und auch hier werden immer wieder neue Aufgaben entstehen, neue Ideen in der Arbeit wollen umgesetzt werden. Deshalb wird die Ausbildung des Hundes niemals wirklich beendet sein.

Eines aber muss allererster Grundsatz der Ausbildung sein: Sie soll an den Bedürfnissen des Hundes und den neuesten Erkenntnissen der Verhaltensforschung orientiert sein. Veraltete Trainingsmethoden, die mit Druck, Zwang oder Bedrohung arbeiten, bringen keinen freudig arbeitenden, belastbaren Hund hervor. Es gibt bessere und »nachhaltigere« Wege. Insbesondere, wenn wir mit Kindern arbeiten, müssen wir uns vor Augen führen, dass unsere Art des Umgangs mit dem Hund eine Vorbildfunktion hat. Im Umgang mit dem Tier erwerben die Kinder soziale Kompetenzen, die sie auf ihr ganzes Umfeld übertragen (sollen).

Wie sag ich’s meinem Hund? Etwas Theorie muss sein

Grundlagenwissen

Wie wir gesehen haben, sind die Möglichkeiten, einen Hund in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit einzusetzen, sehr vielfältig. Ebenso vielfältig und individuell sind die Anforderungen, die an die Hunde gestellt werden. Für alle aber gelten die gleichen Bedingungen und Regeln, wenn es um Lernverhalten geht.

Und es sind die gleichen grundlegenden Fakten, die Sie möglicherweise in Ihrer Ausbildung über menschliches Lernen gehört haben, denn Lernen folgt bestimmten biologischen Gesetzmäßigkeiten, die bei Menschen, Hunden oder sogar Insekten gleich ablaufen.

Hunde sammeln fortwährend über alle Sinnesorgane Informationen aus der Umwelt, verarbeiten sie im Gehirn und setzen sie in Handeln um. Sie lernen rund um die Uhr. Es ist für jeden Hundebesitzer wichtig, dass er über die Lernmechanismen Bescheid weiß, weil auch die Anpassung des Hundes an sein ganz normales Leben als Familienhund über Lernen erfolgt. Umso wichtiger ist es natürlich zu wissen, wie Hunde lernen, wenn man einen Hund für eine spezielle Aufgabe ausbilden möchte.

Hier stelle ich nun die »Basics« vor, die Sie über das Lernen wissen sollten, wenn Sie Ihrem Hund etwas beibringen möchten.

Lernen am Erfolg

Eine der wichtigsten Arten des Lernens ist das Lernen durch Versuch und Irrtum, in der Wissenschaft auch operante Konditionierung genannt. Hunde (und andere Tiere sowie Menschen) lernen, welches Verhalten in einer bestimmten Situation Erfolg bringt. In den Versuchen von Thorndike (1874 – 1949) und Skinner (1904 – 1990) lernten z. B. Katzen und Ratten, dass sie auf einen bestimmten Schalter drücken mussten, um an ihr Futter zu kommen. Sie liefen im Käfig herum und kletterten überall hin. Irgendwann traten sie dann zufällig auf den Mechanismus. Durch Wiederholen, erst wieder zufällig, dann immer gezielter, kamen sie relativ schnell darauf, welches Verhalten ihnen den Erfolg brachte. Sie hatten es durch Ausprobieren gelernt.

Das Grundgesetz der operanten Konditionierung lautet: Die Konsequenzen, die ein Verhalten hat, beeinflussen sein Auftauchen in der Zukunft.

Hat ein Verhalten angenehme Konsequenzen (zeigt es Erfolg), steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in Zukunft in der entsprechenden Situation wieder gezeigt wird. Sie müssen also dafür sorgen, dass sich die Verhaltensweisen, die Sie von Ihrem Hund haben möchten, für ihn lohnen!

Wir arbeiten im Hundetraining deshalb mit verschiedenen Belohnungen, oft auch »positive Verstärkung« genannt.

Lernen am Misserfolg

Wenn ein Verhalten nicht mehr belohnt wird, stirbt es aus.