Opis

Venedig 1218: Der Reliquienhändler Ignazio da Toledo erhält den Auftrag, das gefährlichste Buch der Welt zu beschaffen. In alten Schriften heißt es: Wer das "Uter Ventorum" besitzt, wird zum Herrscher des Universums. Auf der Suche nach der Handschrift gerät Ignazio in ein tödliches Intrigenspiel. Jemand scheint alle seine Schritte vorauszuahnen. Dunkle Mächte wollen das Buch um jeden Preis - und um es in ihren Besitz zu bringen, schrecken sie vor nichts zurück.

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Marcello Simoni, 1975 in Comacchio in der italienischen Provinz Ferrara geboren, studierte Literatur und arbeitete als Buchhändler und Archäologe. Sein Debütroman »Il mercante di libri maledetti« wurde über Nacht zum Weltbestseller. Der Mittelalter-Thriller gewann renommierte Literaturpreise, belegte Spitzenplätze in den Bestsellerlisten und wurde bisher in 15 Sprachen übersetzt.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel »ll mercante di libri maledetti« bei Newton Compton editori, Rom.   Aus dem Italienischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt       © Marcello Simoni © der deutschsprachigen Ausgabe 2013 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: Stephen Mulcahey/Arcangel Images Umschlaggestaltung: Weusthoff Noël, Hamburg (www.wnkd.de) eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN

PROLOG

Im Jahr des Herrn 1205. Aschermittwoch.

Eiskalte Windböen peitschten gegen die Mauern der Abtei von San Michele della Chiusa und trieben den Geruch von Harz und welken Blättern nach drinnen, Vorboten eines aufziehenden Unwetters.

Die Vesper war noch nicht vorüber, als sich Pater Viviën de Narbonne entschloss, die Klosterkirche zu verlassen. Durch die wabernden Weihrauchdämpfe und die flackernden Kerzenflammen in Unruhe versetzt, schritt er durch das Eingangsportal und eilte über den schneebedeckten Hof. Am Horizont erstickte die Dämmerung gerade die letzten Funken Tageslicht.

Ein plötzlicher Windstoß warf ihn beinahe zu Boden und jagte ihm einen Schauer über die Haut. Der Mönch hüllte sich noch enger in seine Kutte und runzelte die Stirn, als wäre ihm eine Kränkung widerfahren. Das ungute Gefühl, das ihn seit dem Aufstehen begleitete, schien ihn nicht mehr verlassen zu wollen; es hatte sich im Laufe des Tages eher noch verstärkt.

In der Hoffnung, er könne seine innere Unrast durch ein wenig Schlaf besänftigen, wandte er sich dem Kreuzgang zu und schritt zwischen dessen Säulen hindurch, bis er das beeindruckende Dormitorium der Mönche erreichte. Im gelblichen Schein der Fackeln, der ihn dort empfing, fiel ihm einmal mehr die schier endlose Aufeinanderfolge von schmalen, ja erdrückend engen Räumen auf.

Viviën schob dieses plötzliche Gefühl der Beklemmung beiseite, rieb sich die kalten Hände und durcheilte das Labyrinth aus Fluren und Treppen. Er hatte den dringenden Wunsch, sich niederzulegen, an nichts mehr zu denken, doch als er zu seiner Zelle gelangte, zuckte er jäh zusammen. In der Tür steckte ein kreuzförmiger Dolch. An seinem bronzenen Griff hing ein zusammengerolltes schmales Pergament. Der Mönch starrte es, von einer furchtbaren Vorahnung ergriffen, einen Moment lang an, bis er sich ein Herz fasste und las. Die Botschaft war kurz und schrecklich:

Viviën de Narbonne,

der Schwarzen Kunst für schuldig befunden.

So lautet das Urteil

des Geheimtribunals der Heiligen Vehme.

Orden der Freirichter.

Vor Angst benommen, sank Viviën auf die Knie. Die Heilige Vehme? Die Erleuchteten? Wie hatten sie ihn in dieser Zuflucht hoch in den Alpen aufgestöbert? Nach jahrelanger Flucht hatte er geglaubt, er hätte all seine Spuren verwischt und wäre nun in Sicherheit. Doch nein. Sie hatten ihn gefunden!

Dennoch durfte er sich jetzt nicht der Verzweiflung überlassen. Wieder einmal musste er fliehen.

Mit zitternden Beinen erhob er sich, riss hastig die Tür zu seiner Zelle auf, raffte achtlos ein paar Habseligkeiten zusammen und warf sich im Laufen seinen schweren Umhang über die Schultern. Auf dem Weg zum Stall kam es ihm so vor, als würden sich die in den Fels gehauenen Flure verengen und seine klaustrophobische Angst noch schüren.

Beim Verlassen des Dormitoriums spürte er, dass sich die Luft weiter abgekühlt hatte. Der Wind trieb mit lautem Heulen die Wolken vor sich her und ließ die kahlen Zweige der Bäume hin- und herpeitschen. Seine Mitbrüder verweilten noch in der Klosterkirche, eingehüllt in die geheiligte Wärme des Hauptschiffs.

Viviën zog seinen Umhang enger und betrat die Stallungen. Er sattelte ein Pferd, stieg auf und durchritt im Trab den Innenhof von San Michele. Dicke, nasse Schneeflocken legten sich schwer auf seine Schultern und durchdrangen den Wollstoff seines Umhangs. Doch nicht die Kälte ließ ihn frösteln, sondern seine Gedanken. Er war darauf gefasst, jeden Augenblick in einen Hinterhalt zu geraten.

Als er den Durchgang in der Umfriedungsmauer fast erreicht hatte, kam ihm ein Mönch entgegen, die Kapuze seiner Kutte tief ins Gesicht gezogen. Er schlug sie zurück und enthüllte einen langen rabenschwarzen Vollbart und zwei erstaunte Augen. Es war Pater Geraldo da Pinerolo, der Cellerar des Klosters.

»Wo willst du hin, Bruder?«, fragte er. »Kehr lieber um, bevor das Unwetter losbricht.«

Viviën erwiderte nichts und ritt weiter dem Ausgang entgegen, innerlich betete er, dass es noch rechtzeitig genug für eine Flucht war … Doch am Tor erwartete ihn schon ein Karren, der von zwei Pferden, so dunkel wie die Nacht, gezogen wurde. Auf dem Bock saß ein einzelner Mann, ein Abgesandter des Todes. Viviën ritt scheinbar unbekümmert an ihm vorbei, das Gesicht unter der Kapuze verborgen und sorgfältig darauf bedacht, nicht dem Blick des Kutschers zu begegnen.

Geraldo hingegen, der Viviën hinterhergeblickt hatte, näherte sich dem Fremden und musterte ihn genau: Der Mann war hochgewachsen und kräftig, er trug einen großen Hut und einen schwarzen Umhang. Auf den ersten Blick hatte er nichts Auffälliges an sich, doch als Geraldo ihm ins Gesicht sah, konnte er seinen Blick nicht von ihm lösen: Es war blutrot, und die Lippen darin waren zu einem teuflischen Grinsen verzerrt.

»Satan!«, stieß der Kellermeister aus und wich entsetzt zurück.

Inzwischen hatte Viviën seinem Pferd die Sporen gegeben und preschte im Galopp den Abhang hinunter auf das Susatal zu. Er musste so schnell wie möglich von hier verschwinden, doch der mit Schlamm vermischte Schnee machte den Pfad unwegsam und zwang ihn zur Vorsicht.

Nun erkannte der unheimliche Kutscher den Fliehenden, wütend trieb er seine Pferde an und machte sich mit seinem Wagen an die Verfolgung.

»Bleibt stehen, Viviën de Narbonne!«, schrie er. »Ihr könnt Euch nicht auf ewig vor der Heiligen Vehme verbergen!«

Viviën drehte sich nicht einmal um, während in seinem Kopf tausend Gedanken durcheinanderwirbelten. Hinter sich hörte er die Räder des Karrens, der immer näher kam. Er hatte ihn beinahe erreicht! Wie konnte er auf einem so gefährlichen Pfad nur so schnell fahren? Das waren keine Pferde, sondern Dämonen geradewegs aus der Hölle!

Die Worte seines Verfolgers ließen keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Abgesandten der Freirichter handelte. Die Erleuchteten wollten das Buch! Und sie würden alles dafür tun, um es in ihren Besitz zu bringen. Sie würden ihn foltern, bis er vor Schmerz wahnsinnig würde, allein um das Wissen zu erlangen und zu lernen, wie man aus der Weisheit der Engel schöpfen konnte. Dann besser sterben!

Mit Tränen in den Augen packte er die Zügel fester und trieb den Zelter an. Dabei geriet das Pferd zu nahe an den Rand des Abhangs, und das vom Schneeregen aufgeweichte Erdreich gab unter seinem Gewicht nach.

Das Tier rutschte ab und Viviën mit ihm, gemeinsam stürzten sie die Bergflanke hinab. Die Schreie des Mönchs während des Sturzes vermischten sich mit dem entsetzten Wiehern des Pferdes und hallten lange nach, bis sie sich im Heulen des Sturms verloren.

Der Karren hielt an. Der unheimliche Kutscher stieg vom Bock und suchte mit Blicken die Schlucht ab. Nun gibt es nur noch einen Menschen, der davon weiß, nämlich Ignazio da Toledo, dachte er. Wir müssen ihn finden.

Er legte die rechte Hand an sein Gesicht und berührte etwas, das zu kalt und zu hart war für ein menschliches Antlitz. Beinahe widerwillig presste er die Finger auf seine Wangen und nahm die rote Maske ab, die sein wahres Gesicht verbarg.

ERSTER TEIL

DAS KLOSTER DER LÜGEN

»Von ihnen hörte ich alle Dinge und verstand, was ich sah; das, was geschehen wird nicht in diesem Geschlecht, sondern in einem Geschlecht, welches kommen wird in ferner Zeit, um der Auserwählten willen.«

Das Buch Henoch, I, 2

1

Niemand wusste mit Sicherheit zu sagen, wer Ignazio da Toledo wirklich war. Manche hielten ihn für weise und gebildet, andere für heimtückisch und den Schwarzen Künsten ergeben. Für viele war er jedoch schlicht ein Pilger, der auf der Suche nach Reliquien, die er den Gläubigen und den Mächtigen verkaufen konnte, von einem Land ins andere umherzog.

Obwohl er es vermied, seine Herkunft zu enthüllen, sprachen doch seine maurischen Gesichtszüge, die allerdings durch eine helle Hautfarbe gemildert wurden, zu offensichtlich dafür, dass er von den Christen abstammte, die in Spanien in engem Kontakt mit den Arabern gelebt hatten. Sein kahl rasierter Schädel und der dunkelgraue Bart ließen ihn wie einen Gelehrten aussehen, aber vor allem seine Augen fielen auf: Sie waren smaragdgrün, eindringlich und von scharfen Falten umrahmt. Die graue Tunika unter dem Kapuzenumhang verströmte den Wohlgeruch orientalischer Stoffe, die des langen Transports wegen mit Düften besprüht wurden. Groß und schlank von Gestalt, stützte er sich beim Gehen auf einen Pilgerstab.

Das also war Ignazio da Toledo, und so sah ihn der junge Uberto das erste Mal, als sich am regnerischen Abend des 10.Mai 1218 das Eingangsportal der Klosterkirche Santa Maria del Mare öffnete und eine hochgewachsene Gestalt mit tief in die Stirn gezogener Kapuze eintrat, gefolgt von einem blonden Mann, der eine große Truhe hinter sich herschleifte.

Abt Rainerio da San Donnino, der gerade die Vesperlitanei beendet hatte, erkannte den Fremden unter der Kapuze sofort und ging ihm entgegen.

»Meister Ignazio, wie lange ist es her!«, rief er freundlich und bahnte sich durch die Scharen von Mönchen seinen Weg zu ihm. »Ich habe die Nachricht von Eurem Besuch erhalten und bereits ungeduldig auf Eure Ankunft gewartet.«

»Ehrwürdiger Rainerio«, sagte Ignazio und verneigte sich leicht. »Da verlasse ich Euch als einfachen Mönch und finde Euch nun als Abt wieder.«

Rainerio war ebenso groß wie der Händler aus Toledo, jedoch kräftiger gebaut. Das Auffälligste an seinem Gesicht war die markante Adlernase. Seine kastanienbraunen Locken fielen ihm wirr in die Stirn. Bevor er Ignazio antwortete, senkte er den Blick und schlug ein Kreuz.

»Das war der Wille des Herrn. Maynulfo da Silvacandida, unser voriger Abt, ist im vergangenen Jahr von uns gegangen. Ein schwerer Verlust für unsere Gemeinschaft.«

Bei dieser Nachricht stieß der Händler einen bitteren Seufzer aus. Er glaubte nicht an die Legenden über das Leben der Heiligen und zweifelte an den wundertätigen Eigenschaften der Reliquien, die er oft aus fernen Ländern mitbrachte. Doch Maynulfo war wirklich ein Heiliger gewesen. Nicht einmal nachdem er zum Abt ernannt worden war, hatte er auf sein Eremitenleben verzichtet. Regelmäßig zog er sich für eine gewisse Zeit an einen Ort abseits des Klosters zurück, um in der Abgeschiedenheit zu beten. Er ernannte einen Stellvertreter, schulterte eine Tasche und suchte eine im Schilf der nahen Lagune gelegene Einsiedelei auf, wo er ganz allein in der Zwiesprache mit dem Herrn fastete.

Ignazio erinnerte sich noch genau an die Nacht, in der sie einander zum ersten Mal begegnet waren. Zu jener Zeit war er verzweifelt auf der Flucht gewesen und hatte in dessen Eremitenklause Schutz gesucht. Maynulfo hatte ihn aufgenommen und ihm seine Hilfe angeboten, und Ignazio hatte erkannt, dass er ihm sein Geheimnis anvertrauen konnte.

Seitdem waren fünfzehn Jahre vergangen. Rainerios dröhnende Stimme vertrieb die Erinnerungen: »Er ist in der Klause an der Winterkälte gestorben. Wir alle haben ihn nachdrücklich gebeten, seinen Rückzug in die Abgeschiedenheit auf den Frühling zu verschieben, doch er sagte, der Herr rufe ihn zur inneren Einkehr. Sieben Tage später habe ich ihn tot in seiner Zelle gefunden.«

Hinten im Kirchenschiff hörte man einige Mönche traurig seufzen.

»Aber sagt mir doch, Ignazio«, fragte Rainerio, der bemerkt hatte, dass der Händler die Stirn runzelte, »wer ist Euer stummer Begleiter?«

Der Abt musterte den blonden Mann neben dem Händler, der beinahe noch als Jüngling gelten konnte. Die langen, leicht gewellten Haare fielen ihm bis auf die breiten Schultern und umrahmten seinen kräftigen Hals. Seine blauen Augen wirkten jungenhaft, doch die Züge seines Gesichts erhielten durch die aufeinandergepressten Kiefer etwas Strenges und Entschlossenes.

Der junge Mann trat einen Schritt vor und verbeugte sich zur Begrüßung. Er sprach mit dem Akzent des Languedoc, in den sich eine nicht näher bestimmbare exotische Färbung mischte: »Willalme de Béziers, ehrwürdiger Vater.«

Der Abt zuckte leicht zusammen. Er wusste allzu gut, dass die Stadt Béziers der Schlupfwinkel einer Ketzersekte gewesen war. Erschrocken wich er zurück und zischte leise: »Albigensis …«

Bei diesem Wort verhärtete sich Willalmes Miene. Seine Augen blitzten wütend auf, doch dann huschte ein Ausdruck von Traurigkeit über sein Gesicht, als quäle ihn noch immer ein unbewältigter Schmerz.

»Willalme ist ein guter Christ und hat nichts mit der Ketzerei der Albigenser oder Katharer zu schaffen«, wandte Ignazio ein. »Er hat sehr lange Zeit fern der Heimat gelebt. Ich habe ihn auf meinem Rückweg aus dem Heiligen Land kennengelernt, und wir sind Reisegefährten geworden. Außerdem wird er nur eine Nacht bleiben, er hat anderswo Geschäfte zu erledigen.«

Rainerio musterte das Gesicht des Franzosen, dessen unstete Augen möglicherweise viele Geheimnisse verbargen, und nickte schließlich. Er schien sich plötzlich an etwas zu erinnern und wandte sich daraufhin den hintersten Bankreihen der Kirche zu.

»Uberto!«, rief er und meinte damit einen dunkelhaarigen Jungen, der dort zwischen seinen Mitbrüdern saß. »Komm her, ich möchte dir jemanden vorstellen.«

Gerade in diesem Moment fragte Uberto einige Mönche nach den beiden Besuchern aus, die er noch nie gesehen hatte. Ein Mitbruder antwortete ihm leise: »Der große Mann mit dem Bart ist Ignazio da Toledo. Man sagt, ihm seien während der Plünderung Konstantinopels einige Reliquien in die Hände gefallen, aber auch wertvolle Bücher, sogar über Magie … Es heißt, er habe seine Beute dann nach Venedig gebracht, dort damit viel Geld verdient und sich die Gunst des Adels erworben. Aber im Grunde ist er ein guter Mensch. Nicht umsonst war er ein Freund von Abt Maynulfo. Die beiden führten einen regen Briefwechsel.«

Als Uberto hörte, dass Rainerio ihn rief, verabschiedete er sich von den Mitbrüdern und ging auf die kleine Gruppe Männer zu, die sich im dunklen Vorraum versammelt hatte. Erst jetzt schlug Ignazio die Kapuze zurück, als wollte er sich Uberto genauer ansehen. Unaufdringlich musterte er dessen Gesicht, die großen bernsteinfarbenen Augen und den dichten schwarzen Schopf.

»Du bist also Uberto?«, begann er.

Der Junge erwiderte seinen Blick, wusste jedoch nicht, wie er jenen Mann ansprechen sollte. Er war zwar jünger als Rainerio, doch seine würdevolle Ausstrahlung war Ehrfurcht gebietend. Beeindruckt schlug er die Augen nieder. »Ja, Herr.«

Der Händler lächelte. »›Herr‹ sagst du zu mir? Ich bin doch kein Kirchenfürst. Nenn mich ruhig bei meinem Namen und sag Du.«

Ubertos Gesicht erhellte sich. Er warf einen Blick auf Willalme, der unerschütterlich und aufmerksam danebenstand.

»Sag mir«, fragte Ignazio interessiert, »bist du ein Novize?«

»Nein«, mischte sich Rainerio ein, »er ist …«

»Kommt, Abt, lasst den Jungen sprechen.«

»Ich bin kein Mönch, sondern ein Converso«, erwiderte Uberto, und er wunderte sich, wie vertraulich der Händler mit dem Abt umging. »Die Brüder haben mich gefunden, als ich noch in den Windeln lag. Ich bin an diesem Ort aufgewachsen und erzogen worden.«

Über Ignazios Gesicht glitt ein Anflug von Traurigkeit, bevor es wieder distanzierte Gleichmut zeigte.

»Er ist ein ausgezeichneter Kopist«, fügte der Abt hinzu. »Ich lasse ihn oft kurze Kodizes abschreiben oder Dokumente aufsetzen.«

»Ich helfe, wo ich kann«, gab Uberto eher verlegen als bescheiden zu. »Man hat mich gelehrt, Latein zu lesen und zu schreiben.« Er zögerte einen Augenblick. »Ihr … du bist viel gereist?«

Der Händler nickte und verzog leicht das Gesicht, als wolle er so ausdrücken, wie viele Mühen er auf seinen Irrfahrten ausgestanden hatte. »Ja, ich habe viele Orte besucht«, sagte er. »Wenn du möchtest, können wir später gerne darüber reden. Mit Erlaubnis des Abtes werde ich einige Tage hier verweilen.«

Rainerio setzte eine väterliche Miene auf. »Mein Lieber, wie ich schon als Antwort auf Euren Brief schrieb, sind wir glücklich darüber, Euch beherbergen zu dürfen. Ihr werdet im Gästehaus neben der Klosterkirche schlafen und könnt mit mir und den Mönchen im Refektorium speisen. Ihr sollt schon heute Abend an meinem Tisch sitzen.«

»Dafür danke ich Euch, Vater. Nun würde ich gern meine Truhe in dem Zimmer abstellen, das Ihr uns zugedacht habt. Willalme hat sie den ganzen Weg von dort, wo uns der Fährmann abgesetzt hat, hierhergeschleppt, und sie ist sehr schwer.«

Der Abt nickte zustimmend, dann durchschritt er den Vorraum, öffnete das Portal und blickte sich draußen suchend um. »Hulco, bist du da?«, rief er und versuchte, durch den dichten grauen Vorhang des Platzregens etwas zu erkennen.

Eine seltsame Gestalt näherte sich schwankend, gebückt unter der Last eines Bündels Brennholz auf der Schulter. Anscheinend machte dem Mann der Regen nichts aus. Er war kein Mönch, sondern sah eher aus wie ein Bauer oder besser noch wie einer der Hausknechte, denen man die handwerklichen Arbeiten des Klosters übertrug. Das musste dieser Hulco sein. Er stammelte etwas in einer unverständlichen Mundart.

Sichtlich verärgert, dass er selbst dem Knecht Anweisungen erteilen musste, sprach Rainerio zu ihm, als wolle er einem Tier etwas beibringen: »Gut, Sohn … Nein, lass das Holz. Leg es hierhin, hier. Brav. Nimm eine Schubkarre und hilf den Herren, diese Truhe ins Gästehaus zu bringen. Ja, dorthin. Und pass auf, dass du sie nicht fallen lässt. Gut, begleite sie dorthin.« Seine Miene änderte sich schlagartig, als er sich wieder an seine Gäste wandte: »Er ist grob, aber willig. Wenn Ihr sonst nichts mehr benötigt, erwarte ich Euch dann in Kürze im Refektorium zum Abendessen.«

Nachdem sie sich von Rainerio und Uberto verabschiedet hatten, folgten die beiden Reisegefährten Hulco, der, obwohl er das Holzbündel abgelegt hatte, immer noch gebückt und schwankend ging und dabei die Fersen tief in den Morast drückte.

Der Regen hatte aufgehört. Die Wolken teilten sich und machten einem rötlichen Sonnenuntergang Platz. Schwärme kreischender Schwalben wirbelten durch die Luft, begleitet von einem Wind, der nach Salz und Meer roch.

Am Gästehaus angekommen, wandte sich Hulco den beiden Reisenden zu. Die letzten Schimmer Tageslicht beleuchteten seinen ungeschlachten Körper. Unter einer abgeschabten Kappe sahen stoppelige Haare und eine Knollennase hervor. Ein dreckiger Kittel und eine an den Knien fadenscheinige Hose rundeten den erbärmlichen Anblick ab.

»Domini illustrissimi«, nuschelte er. Darauf folgte eine Litanei in unsäglich stümperhaftem Latein, die so etwas heißen sollte wie: »Die Herrschaften wünschen, dass ich die Truhe hineinbringe?«

Auf ein Nicken hin hob der Diener die Truhe von der Karre und schleppte sie mühsam ins Innere des Gebäudes.

Das Gästehaus war beinahe zur Gänze aus Holz erbaut, die Wände mit Rohrgeflecht verkleidet. Am Eingang erwartete sie bereits ein eher finster wirkender Kerl mit stechenden Augen, der einen Kittel aus Flachsstoff trug. Ginesio, der Verwalter des Hauses, begrüßte die Reisenden und erklärte ihnen, dass der Abt ihm befohlen habe, er solle das bequemste Zimmer für sie bereithalten.

»Geht hinauf, die dritte Tür rechts führt zu Eurer Unterkunft«, sagte er mit einem plump vertraulichen Lächeln und zeigte auf eine Treppe, die ins obere Stockwerk führte. »Fragt mich bitte, wenn Ihr irgendetwas braucht. Guten Aufenthalt.«

Ignazio und Willalme folgten Ginesios Angaben. Nachdem sie die Stufen hinaufgestiegen waren, standen sie bald vor einer Holztür, die Ignazio, der daran gewöhnt war, in Gemeinschaftsräumen zu schlafen, wo die Lager nur mit Vorhängen abgetrennt waren, als wahren Luxus zu schätzen wusste.

Erschöpft blieb Hulco hinter den Gästen stehen.

»Danke, das genügt«, beschied ihm Ignazio. »Du kannst ruhig wieder an deine Arbeit gehen.«

Dankbar stellte der Diener die Truhe ab, verabschiedete sich mit einer Verbeugung und entfernte sich auf seine gebückt-schwankende Art.

Als sie allein waren, fragte Willalme: »Was tun wir jetzt?«

»Zunächst einmal verstecken wir die Truhe«, erwiderte Ignazio. »Dann gehen wir zum Abendessen. Wir werden am Tisch des Abts erwartet.«

»Ich glaube kaum, dass ich ihm sehr sympathisch bin, deinem Abt«, sagte der Franzose.

Ignazio lächelte. »Wolltest du dich etwa mit ihm anfreunden?«

Wie erwartet erhielt er keine Antwort. Willalme war kein Mann der vielen Worte.

Während sie das Zimmer betraten, fügte der Händler hinzu: »Vergiss nicht, du musst morgen bei Tagesanbruch abreisen. Achte darauf, dass niemand mitbekommt, wohin du willst.«

2

Das Kloster Santa Maria del Mare erhob sich über der Lagune, nicht weit von der Adriaküste entfernt. Obwohl es nicht sonderlich beeindruckend wirkte, beherrschte es doch an sonnigen Tagen die verlassenen, von Kanälen und Sümpfen durchzogenen Ebenen.

Die Kirche stammte aus den ersten Jahrzehnten des elften Jahrhunderts. Die nach Osten gehende Fassade wurde von vielen kleinen Fenstern durchbrochen, die scheinbar gewaltsam in die Mauern geschlagen worden waren. Links des Gotteshauses drängte sich eine Reihe von Gebäuden: das Refektorium, die Wirtschaftsgebäude und das Dormitorium der Mönche. Auf der gegenüberliegenden Seite lagen die Stallungen und das Gästehaus, in dem die unterschiedlichsten Reisenden übernachteten. Die Mehrzahl von ihnen passierte das Kloster auf dem Weg von Ravenna nach Venedig. Einige waren unterwegs zu heiligen Stätten, zu Klöstern in Deutschland und Frankreich oder zum Jakobsweg nach Spanien. Andere wollten dagegen nach Süden zur Kirche San Michele Arcangelo im Gargano.

Doch an diesem Tag war das Gästehaus beinahe leer. In der Dunkelheit des hereingebrochenen Abends rührte sich nichts und niemand. Niemand außer einem grobschlächtig wirkenden Mann. Angespannt hatte er im Verborgenen gelauert, bis alle zum Abendessen gegangen waren, die Mönche ins Refektorium und die Diener in ihre Hütten. Erst dann hatte er die Stallungen verlassen und war heimlich ins Gästehaus geschlüpft, hatte sich im Halbdunkel an der Wand entlanggedrückt, bis er das Zimmer des Händlers aus Toledo erreichte.

Nun legte er das Ohr horchend an die Tür und vergewisserte sich, dass sich niemand dahinter aufhielt, dann schlich er sich verstohlen hinein. Wenn er recht verstanden hatte, waren die Gäste zum Abendessen an den Tisch des Abts ins Refektorium eingeladen.

Der Mann bewegte sich gebückt und schweren Schrittes vorwärts, dass die Dielen unter seinen Füßen knarrten. Mit blitzenden Augen sah er sich gierig um.

Das Zimmer war spartanisch eingerichtet: zwei Lager, ein Stuhl und ein kleiner Tisch, auf dem eine Öllampe stand.

Doch wo befand sich diese Truhe? Sie war bestimmt bis zum Rand mit Silbermünzen oder wertvollem Schmuck gefüllt. Wo hatten die beiden sie hingestellt? Hulco untersuchte den Raum sorgfältig, ohne etwas zu verrücken. Vergebens, er fand sie nicht. Aber sie musste doch hier sein!

»Diese verfluchten Pilger!«, stieß er aus.

3

Nach dem Abendessen setzte sich Ignazio an den Tisch in dem Zimmer, das er sich mit Willalme teilte. Er entzündete die Öllampe und holte ein mit arabischen Buchstaben beschriftetes Pergament aus seiner ledernen Tasche. Ignazio nahm eine Gänsefeder, tauchte sie ins Tintenfass und begann zu schreiben.

Willalme legte sich dagegen sofort auf sein Lager. Jahrelang hatte er seine Nächte im Kielraum eines schwankenden Schiffes verbracht; aus diesem Grund brauchte er, obwohl erschöpft, eine Weile, bevor er Schlaf fand. Und am nächsten Tag hatte er einen wichtigen Auftrag für Ignazio zu erledigen.

Als der Händler das Schriftstück fertiggestellt hatte, entnahm er der Truhe einen dicken Kodex, stellte die Lampe direkt neben das Buch und vertiefte sich darin. So blieb er einige Stunden lang sitzen, eingehüllt vom warmen Lichtkreis. Erst als die Schrift vor seinen Augen verschwamm, schloss er das Buch und legte es zurück in die Truhe. Er rollte den Brief, den er zuvor geschrieben hatte, zusammen, siegelte ihn und steckte ihn in die Ledertasche, um dann das Licht zu löschen und im Dunkeln seine Lagerstatt aufzusuchen.

Bevor er sich niederlegte, blickte er zum Fenster, vor dem sich die Silhouette der Klosterkirche erhob. Er verjagte die düsteren Gedanken, die sich ihm bei diesem Anblick aufdrängten, und streckte sich aus. Doch er fand keinen Schlaf. Er musste an Maynulfo da Silvacandida denken und sah ihn vor sich: die hohe Stirn, die schlohweißen Haare und der Bart, die himmelblauen, gütigen Augen. Die Nachricht von seinem Tod hatte ihn völlig unvorbereitet getroffen. Obwohl Maynulfo schon fortgeschrittenen Alters war, hatte er sich immer durch eine robuste Konstitution ausgezeichnet. Konnte die Winterkälte seinem Körper wirklich so stark zugesetzt haben?

Ignazio wälzte sich unruhig zwischen den Laken hin und her. Der arme Maynulfo, viele Jahre lang war er der einzige Hüter seines Geheimnisses gewesen. Ignazio fragte sich besorgt, ob der alte Eremit es mit jemandem geteilt haben könnte. Zum Beispiel mit Rainerio. Dafür sprach vieles. Er musste den neuen Abt unter vier Augen sprechen und herausfinden, ob er davon Kenntnis hatte. Dabei blieb ihm nur wenig Zeit …

Ignazio dachte an die vor ihm liegende Aufgabe, deretwegen ihn der Conte so eilig aus dem Heiligen Land zu sich gerufen hatte. Er sollte sich auf die Suche nach einem Buch machen, das in der Lage war, unvorstellbare Geheimnisse zu enthüllen, die weit über das Wissen jedes Philosophen oder Alchimisten hinausreichten. Sehr bald schon sollte er aus Venedig genauere Anweisungen erhalten.

Er verschränkte die Hände im Nacken und starrte die Deckenbalken an, die ihn an die Rippen eines riesigen Skelettes erinnerten. Eine Beobachtung kam ihm in den Sinn, die er nach dem Abendessen gemacht hatte, als er sich mit Willalme für die Nacht zurückzog: Im Schatten des Gästehauses hatte er Hulco und Ginesio miteinander reden sehen, und ihre gestikulierenden Hände hatten die Form eines rechteckigen, ziemlich geräumigen Gegenstands beschrieben.

Ignazio fragte sich, ob er diesen beiden Dienern mehr Beachtung schenken sollte. Hulco und Ginesio hatten sich über den Inhalt der Truhe unterhalten, daran bestand kein Zweifel, und vielleicht hatte einer der beiden sogar das Zimmer betreten, um nach ihr zu suchen.

Nun übermannte ihn doch die Müdigkeit, seine Gedanken wurden immer schwerer, verschwommener und unzusammenhängender. Und im Schlaf, der mit Erinnerungen und alten Ängsten angefüllt war, glitt er in einen Alptraum. Ignazio hörte ein schleifendes Geräusch, als bewege sich jemand am Fußende seiner Bettstatt. Er sah zwei Hände, die langsam über die Decke nach oben glitten. Starr vor Staunen riss er die Augen auf und konnte nur ohnmächtig zusehen. Seine Glieder waren so unbeweglich und gefühllos wie die einer Marionette.

Während sich die Hände ihren Weg durch die Decken bahnten, stieg jemand auf das Lager. Es war, als hätte sich ein Schatten aus der Dunkelheit gelöst und drückte jetzt auf seine Brust. Der Schatten verwandelte sich in einen schwarzen Umhang, die Hände, diese schneeweißen Klauen, die aus den Ärmeln des Gewandes hervorsahen, hielten einen kreuzförmigen Dolch, und unter der Kapuze erschien ein Gesicht. Nein, das war kein Gesicht, sondern die rote Maske.

Ignazio zuckte zusammen. Diese Maske kannte er nur zu gut. Ihm stockte der Atem. Dann wich der Alptraum, stattdessen träumte er nun von einem Gewirr von Stimmen und Geräuschen. Er fand sich auf der Flucht wieder: Mit einem kostbaren Bündel in den Armen überwand er die Berge, während die Angst sich in seinen Eingeweiden festkrallte und ihm die Beine lähmte und der eiskalte Wind ihm ins Gesicht schnitt. Der Schnee wich dem Grün der Nadelbäume, und die Landschaft wurde sanfter, hügeliger, dann flach und eben. Die Sonne verlor an Kraft, und die Pfade wurden zu Labyrinthen zwischen Flüssen und Schilfrohr. Lagunen und Sümpfe versanken im Nebel.

Während aus der Ferne die Schreie der Verfolger immer näher kamen, sah er endlich, vollkommen unerwartet, das Licht …

Und ein lächelndes Antlitz: Maynulfo da Silvacandida.

Die Dunkelheit löste sich in der Stille der Morgenröte auf. In der Klosterkirche sangen die Mönche die Laudes.

Willalme war bereits aufgestanden. Gähnend dankte Ignazio dem Himmel, dass er ihn wieder einmal die Alpträume hatte überstehen lassen. Er steckte eine Hand in seine lederne Tasche, holte den Brief hervor, den er am Vorabend geschrieben hatte, und reichte ihn seinem Gefährten.

»Hör zu. Diese Aufgabe ist zwar nicht gefährlich, aber sei trotzdem immer auf der Hut. Die Lagunen haben Augen und Ohren. Leider kann ich dich nicht begleiten, das weißt du. Ich möchte im Augenblick nicht riskieren, dass mich jemand erkennt. Folge meinen Anweisungen, und du wirst auf keine Schwierigkeiten treffen.«

»Entspann dich, mein Freund, und mach dir keine Sorgen«, erwiderte Willalme. »Ich werde bald zurück sein.«

Der Franzose schlüpfte verstohlen aus dem Gästehaus, umrundete die Klosterkirche, ohne dass ihn jemand sah, und schlug den Weg zum Ufer ein. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich und verbarg sich hinter einem Dornbusch. Eine Gruppe Dörfler kam eine kleine Erhebung herab, die Hosen und Füße schlammbedeckt. Unter ihnen befand sich auch Hulco, den er an seinem merkwürdigen Gang erkannte.

Die Männer waren auf dem Weg zum Kloster und trugen Netze und Körbe mit zuckenden Fischen mit sich. Willalme verharrte in seinem Versteck, bis sie sich entfernt hatten, dann stand er auf und lief zum Ufer, hinter dem sich ein Kanal erstreckte.

Dort wartete schon ein Schiffer in einem plumpen, kleinen Boot auf ihn. Willalme sprang an Bord, grüßte hastig und reichte dem Mann vier Münzen.

»Bring mich zur Abtei von Pomposa.«

Der Fährmann nickte, versenkte seinen langen Stock im Kanalbett und stakte das Boot Richtung Norden.

4

Nach dem Gebet zur Terz, der Morgen war nun schon weit fortgeschritten, verließ Ignazio seine Unterkunft und fragte zwei Mönche, wo er Rainerio finden könnte. Sie zeigten auf ein kleineres, massives Gebäude gegenüber der Klosterkirche, dessen Fassade mit eleganten Verzierungen in Terrakotta geschmückt war. Dort, im sogenannten Castrum abbatis, verwaltete der Abt den klostereigenen Landbesitz und kam seinen repräsentativen Aufgaben nach.

Vor dem Haus hatte sich ein Grüppchen Bettler versammelt. Ignazio kam jedoch mühelos an ihnen vorbei und trat durch den Haupteingang ein. Er durchquerte den Flur im Erdgeschoss, ohne die zu beiden Seiten abgehenden Räume zu beachten, bis er am Ende des Ganges zu einer großen Holztür gelangte. Dahinter waren Stimmen zu vernehmen.

Ignazio klopfte, doch niemand antwortete.

»Ich möchte mit dem Abt sprechen«, rief er gegen die Tür gelehnt.

Bei diesen Worten wurde das Gespräch drinnen unterbrochen, und er erhielt zur Antwort: »Meister Ignazio, seid Ihr es? Tretet ein, die Tür ist offen.«

Ignazio betrat einen überaus wohnlich wirkenden Raum, an dessen Wänden sich Heiligenbilder und Schränke abwechselten. Ein Blick auf die Einrichtung verriet guten Geschmack, die allerdings nach den strengen Regeln der Benediktiner vielleicht ein wenig zu aufwendig sein mochte. Doch Äbte schwelgten häufig im Luxus, ganz wie Adlige.

Rainerio da San Donnino hatte sich im hinteren Teil des Raumes hinter einem mit Büchern und Pergamenten bedeckten Tisch verschanzt. Er saß auf einem mit rotem Samt gepolsterten Sessel und war wohl gerade dabei, einem jungen secretarius etwas zu diktieren. Er sah auf und wandte sich sehr herzlich an seinen Gast: »Meister Ignazio, tretet näher. Ich bin gerade fertig geworden.« Dann entließ er beiläufig seinen Sekretär: »Geh jetzt, Ugucio, wir fahren später fort.«

Der junge Mönch nickte nur. Er schloss sein kleines Diptychon mit den zwei miteinander verbundenen Wachstäfelchen, in das er die Notizen aufgenommen hatte, und verließ den Raum.

Der Abt lächelte. »Ignazio, Eure Anwesenheit ist ein unverhofftes Geschenk für mich.« Mit einer höflichen Geste lud er seinen Gast ein, auf einem der Stühle vor seinem Tisch Platz zu nehmen. »Gestern Abend beim Essen wart Ihr sehr schweigsam. Ihr habt mit keinem Wort angedeutet, was der Grund Eures Besuches ist.«

»Gestern war ich erschöpft«, erklärte Ignazio und setzte sich dem Abt gegenüber. »Eine Seereise schwächt Körper und Geist. Doch jetzt, nach einem guten Schlaf, fühle ich mich erholt.«

»Dann sprecht. Erzählt mir von Euren Reisen.«

In Vorfreude auf die Unterhaltung ließ sich Rainerio gegen die Rückenlehne seines Sessels sinken und verschränkte die Finger unter dem Kinn.

»Ich hätte Euch nicht für so neugierig gehalten, was mich anbelangt«, bemerkte Ignazio und verbarg seinen Argwohn.

Der Händler aus Toledo war gern bereit, über sich und von seinen Reisen zu erzählen, doch dafür würde er am Ende auch vom Abt seinen Lohn einfordern: einen Funken Wahrheit. Seit ihrer ersten Begegnung hatte er geahnt, dass Rainerio hinter all seiner Höflichkeit und Fürsorge etwas vor ihm verheimlichte. Das war nur zu offensichtlich. Ignazio hatte schon eine Vorstellung, worum es sich handelte, doch um Gewissheit zu erhalten, musste er den Abt aus der Reserve locken. Und ein Gespräch unter vier Augen bot dazu die beste Möglichkeit.

Er verkniff sich ein wissendes Lächeln und erzählte nun, wie es dazu gekommen war, dass er am vierten Kreuzzug und an der Zerstörung Konstantinopels teilgenommen hatte. Er schilderte den Dogen von Venedig, der wie kein anderer den Geist dieses Kreuzzugs und der folgenden verkörpert hatte, und die Kreuzritter, die ihm gefolgt waren. Aus purer Raffgier hatten diese Männer nicht davor zurückgeschreckt, unter den Christen im Orient ein Blutbad anzurichten. Ein wenig beschämt erinnerte sich Ignazio daran, dass auch er an dieser Unternehmung teilgenommen hatte. Und obwohl er selbst niemanden verwundet oder getötet hatte, hatte er sich doch am Unglück anderer bereichert.

Er ließ Schilderungen von Schlachten und Gewalttaten aus, die er miterlebt hatte, und berichtete stattdessen ausgiebig über den Zauber des Goldenen Horns und der byzantinischen Bauten. Doch das war nicht seine einzige Reise gewesen, sondern nur eine von vielen. Nachdem er von Konstantinopel aufgebrochen war, hatte er sich in die Lagune von Venedig begeben und dabei die Gelegenheit genutzt, seinen alten Freund Maynulfo und die Mönche im Kloster zu besuchen.

»Damals sind wir uns das erste Mal begegnet, erinnert Ihr Euch noch, Rainerio?«

»Wie könnte ich es vergessen?«, erwiderte der Abt. »Das war im März 1210, ich war gerade aus Bologna ins Kloster übergesiedelt. Ihr kamt wegen Eurer Geschäfte hierher: Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, habt Ihr Euch mit dem Kapellan von Kaiser Otto dem Vierten getroffen, der damals durch diese Gegend kam, und ihm einige Reliquien verkauft.«

Ignazio nickte zustimmend und erzählte, wie er bald darauf ins Burgund aufgebrochen war und später Toledo erreicht hatte, wo er einst seine Jugend verbracht hatte. Darauf hatte er sich nach Gibraltar eingeschifft und war an den Küsten Afrikas bis nach Alexandria in Ägypten gereist.

Er erwähnte nichts über die Gründe, die ihn zu diesem unsteten Leben gezwungen hatten. Es schien, als hätte er während seines unaufhörlichen Umherziehens nirgendwo Frieden gefunden.

Rainerio hörte ihm aufmerksam zu und ließ sich kein Wort entgehen. »Eure Erzählungen klingen so unglaublich, Ihr solltet sie niederschreiben«, sagte er schließlich. »Doch jetzt stillt meine Neugier: Ihr lebt davon, die Reliquien von Heiligen zu entdecken und zu bergen. Wie vielen Wundern habt ihr bei diesen Gelegenheiten beiwohnen dürfen?«

»Auf meinen Reisen habe ich viele Reliquien gefunden«, bestätigte Ignazio. »Aber Ihr könnt mir glauben, an ihnen ist nichts Aufregendes.«

»Meint Ihr das ernst?«

Ignazio beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tisch. »Reliquien sind ganz gewöhnliche Dinge ohne jede Fähigkeit, Wunder zu wirken. Knochen, Zähne, Kleiderfetzen … So etwas findet sich auf jedem Friedhof.«

»Achtet auf Eure Worte!«, rief der Abt erregt und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Reliquien bezeugen die Opfer und die Hingabe der Heiligen. Vor ihnen beten die Gläubigen.«

Ignazio erkannte die offensichtliche Empörung in Rainerios Miene, meinte darin jedoch auch noch verborgenere, gefährliche Gefühle zu lesen. »Vielleicht habt Ihr recht«, sagte er ruhig. »Doch auf meinen Reisen habe ich beobachtet, dass die Geistlichen den Reliquienkult oft missbrauchen und aus ihm etwas machen, das Götzenverehrung oder Aberglauben gleichkommt.«

»Unsinn. Das könnt Ihr nicht beweisen.«

»Im Gegenteil, ich habe es selbst erlebt. In manchen Klöstern wurden die Reliquien ins Gebüsch oder in die Herdasche geworfen, wenn sie die Gebete der Gläubigen nicht ›erhörten‹. Ich habe diesen Brauch mehr als einmal gesehen, und ich versichere Euch, das hatte mehr mit Hexerei zu tun als mit christlichen Gebeten.«

»Unerhört!«

»Ich verstehe Eure Entrüstung, aber ich versichere Euch, dass dies geschieht.«

Rainerio senkte die Lider ein wenig und bekreuzigte sich. »Daran sind nur diese dunklen Zeiten schuld. Diese Zeiten der Barbarei.«

»Der Mensch ist schuld«, sagte Ignazio. »Er bringt Licht und Schatten. Jederzeit und an jeden Ort.«

Darauf kehrte kurz Schweigen ein.

Der Abt berührte mit dem Zeigefinger das Grübchen in seinem Kinn. Er schien es kaum abwarten zu können, auf ein bestimmtes Thema zu kommen. Als er sich nicht mehr zurückhalten konnte, begann er: »Nun gut, Ignazio, wolltet Ihr mir nicht etwas über Euer Geheimnis erzählen?«

Ignazio hatte diese Frage erwartet. Er hob die Augenbrauen und musterte die erregte Miene seines Gegenübers. »Sprechen wir also darüber«, erwiderte er. »Doch erst sagt mir, was Euch Maynulfo da Silvacandida diesbezüglich enthüllt hat. Ich möchte Euch nicht langweilen, indem ich Euch Dinge erzähle, die Ihr bereits wisst.«

»Offen gesagt weiß ich sehr wenig.« Rainerio versank tiefer in seinem Sitz, und in seinen Augen lag ein unergründliches Funkeln. »Maynulfo hat mir anvertraut, dass Ihr etwas sehr Kostbares in diesem Kloster versteckt habt … Etwas, das Ihr Euch früher oder später zurückholen würdet.«

»Das ist vielen hier bekannt. Ihr müsst etwas mehr in die Tiefe gehen.«

»Maynulfo hatte sich immer wieder vorgenommen, mir alles darüber zu erzählen«, gab der Abt zurück. »Unglücklicherweise hat sein plötzlicher Tod dies verhindert.«

»Nun gut, eigentlich hat es keine Eile, dass Ihr alles erfahrt«, sagte Ignazio insgeheim erleichtert. Maynulfo hatte seinen Schwur gehalten und sein Geheimnis nicht einmal mit seinem Nachfolger geteilt.

»Aber ich bin der Abt«, beharrte Rainerio und zeigte auf einmal deutlich, dass ihn die Neugier innerlich zerfraß. »Ich bin für dieses Kloster verantwortlich. Also muss ich wissen, was sich in seinen Mauern verbirgt.«

»Ich versichere Euch, dass es sich um nichts Wichtiges handelt, verehrter Pater«, sagte Ignazio beschwichtigend, während in seinem Kopf deutlich der drohende und wütende Tonfall des Abts nachhallte. Er machte Anstalten, sich zu erheben, zum Zeichen, dass das Gespräch für ihn beendet war. »Geduldet Euch. In ein paar Tagen breche ich einiger Geschäfte wegen wieder auf. Bei meiner Rückkehr, in höchstens einigen Monaten, werde ich Euch das Geheimnis enthüllen. Das verspreche ich Euch.«

Der Abt würdigte ihn keiner Antwort, sondern brummte bloß verärgert. Ignazios Angebot war ihm nur ein schwacher Trost.

5

Es war nun nicht mehr weit zur Abtei von Pomposa. Willalme kniff die Augen zusammen, während er versuchte, etwas jenseits der grün bewachsenen Hügel zu erkennen. Er konnte die Kirchturmspitze der Gebäudeansammlung ausmachen und bewunderte deren schlanke Form, dann wanderte sein Blick weiter nach oben, zu den weißlich schimmernden, über den ganzen Himmel verteilten Zirruswölkchen.

Der Frieden dieses Ortes nahm ihn gefangen, doch er ermahnte sich, dass er wachsam bleiben musste: Schließlich hatte er für Ignazio einen Auftrag zu erfüllen. Der Händler hatte sein Schreiben keinem Boten Rainerios anvertrauen wollen, da er fürchtete, der Abt könnte den Brief lesen, bevor er ihn verschickte. Daher hatte er beschlossen, ihn insgeheim von der nahe gelegenen Abtei Pomposa abzusenden, wo niemand ihn kannte.

Während der Franzose seinen Gedanken nachhing, betrachtete der Fährmann beim Staken die Scheide des Krummsäbels, der unter dessen Umhang hervorschaute. Er sah aus wie die Waffe eines Sarazenen. Der Schiffer bemühte sich zwar, nur verstohlen hinzusehen, doch sein neugieriger Gesichtsausdruck blieb Willalme nicht verborgen. Er drehte sich ruckartig um, durchbohrte den Fährmann mit einem eiskalten Blick und zog mit einer knappen Geste den Umhang wieder über den Säbel. Der Schiffer wandte hastig den Blick ab. Niemand, nicht einmal ein tollwütiger Hund, hatte ihn je so angesehen.

Es war beinahe Mittag, als Willalme sein Ziel erreicht hatte. Sobald das Boot das Ufer berührte, ging er an Land und verabschiedete sich von dem Schiffer.

Auf dem Weg zur Abtei erinnerte er sich daran, was Ignazio über Pomposa erzählt hatte: Es sei eines der namhaftesten Benediktinerklöster des italienischen Stiefels, bekannt als monasterium in Italia primum. Allerdings beeindruckte Willalme das wenig.

In der Abtei näherte er sich einem Mönch und grüßte ihn freundlich. »Verzeiht mir, Vater, ich müsste dringend einen Brief nach Venedig schicken. Es ist wirklich eilig«, erläuterte er und benutzte dabei die Worte, die ihm Ignazio ans Herz gelegt hatte. »An wen kann ich mich wenden?«

»Frag den Bruder Pförtner, mein Sohn«, erwiderte der Benediktiner. »Wenn du dich allerdings beeilst, könntest du den Brief auch diesen Seeleuten dort drüben anvertrauen. Siehst du sie? Sie sind auf dem Weg nach Pavia, werden vorher aber noch in Venedig anlegen.«

Nachdem Willalme ihm gedankt hatte, eilte er zu den Männern, die ihm der Mönch gezeigt hatte. Sie luden Salzsäcke auf ein Schiff, das am Ufer des Kanals festgemacht hatte.

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