Camp Mimi - Signa Bodishbaugh - ebook

Camp Mimi ebook

Signa Bodishbaugh

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72,99 zł

Opis

Die Zeiten mit Oma und Opa haben viele Menschen in guter Erinnerung - zunächst, weil die Großeltern immer "was Süßes" mitgebracht haben und oft als viel verständnisvoller als die Eltern erschienen. Doch später wird einem dann häufig auch bewusst, dass man als Enkelkind noch einiges mehr von ihnen mitbekommen hat, das einen dauerhaft geprägt hat und das eigene Leben beeinflusst. Diese Möglichkeit hat Signa Bodishbaugh - von ihren Enkeln liebevoll "Mimi" genannt - ganz bewusst als Chance begriffen. Jedes Jahr reservieren sie und ihr Mann ihren Enkeln eine Woche, in der die Eltern nichts zu suchen haben und auf die sich die Enkel schon das ganze Jahr freuen. Das Buch ist ein amüsanter, persönlicher Bericht über 10 Wochen in 10 Sommern, die Signa und Conlee Bodishbaugh ganz ihren Enkeln widmeten. Auch in Zeiten elektronischer Medien und häufig großer räumlicher Distanz zwischen Verwandten ist der Einfluss von Großeltern auf ihre Enkel wertvoll. Dieses Buch fordert dazu auf, die eigene Persönlichkeit - was ist mir wichtig, was macht mir Spaß, was bewundere ich? - gezielt zu vermitteln und so die Generationen zu verbinden. Jedes "Camp Mimi" steht unter einem Thema wie etwa "Um die Welt", wobei fremden Kulturen kennen und schätzen gelernt werden, "Manieren", wo bei einem extra arrangierten Restaurantbesuch Ordnung in die verwirrende Zahl von Besteckteilen und Gläsern gebracht wird, oder "Stiftshütte", "Wetter", "Helden". Dabei erlangen die Kinder praktische Fertigkeiten und Kenntnisse, gleichzeitig werden ihnen geistliche Wahrheiten und Werte vermittelt - und das mit viel Spaß für alle Beteiligten. Das Buch ist keine "How to"-Anleitung, es gibt vielmehr Anregungen, wie Großeltern ihr eigenes "Camp XXX" durchführen können.

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 688




Signa Bodishbaugh

Camp Mimi

Unseren Enkeln weitergeben, was uns wichtig ist

© Copyright 2016 by Signa Bodishbaugh. All rights reserved.

© Copyright der deutschen Ausgabe 2017 by Asaph-Verlag

1. Auflage 2017

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Camp Mimi

Aus dem Englischen übersetzt von Dorothea Appel

Bibelzitate wurden folgenden Übersetzungen entnommen:

Luther 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Luther 1984 © 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R. Brockhaus, Witten

Hoffnung für alle © 1986, 1996, 2002 Brunnen Verlag, Basel und Gießen

Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

Neue Genfer Übersetzung © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

Gute Nachricht © 1997 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus, Witten

Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf

(unter Verwendung eines Fotos von © Stocksy.com/Danil Nevsky)

Satz/DTP: Fontis Media, Jens Wirth

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017

ISBN 978-3-95459-016-2

Bestellnummer 148016

Auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-95459-575-4; Best.-Nr.148575

Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an:

Fontis Media GmbH, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid

[email protected] – www.fontis-shop.de

Für Alex, Macy, Sophie, Caleb, Anna, Edie, Jake und Graham, unsere geliebten BodishBabes

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Zum Geleit

Einleitung

Camp Mimi 1 – Manieren

Camp Mimi 2 – Um die Welt

Camp Mimi 3 – Ein Gang durch die Stiftshütte

Camp Mimi 4 – Im Wasser

Camp Mimi 5 – Reise nach Israel

Camp Mimi 6 – Helden

Camp Mimi 7 – Wunderbar gemacht

Camp Mimi 8 – Camp-Mimi-Kochschule

Camp Mimi 9 – Wetter

Camp Mimi 10 – Die BodishBabes in biblischer Zeit

Epilog

Anhang

Ablauf der Sabbatfeier

Die Haggadah – Ablauf des Passahfestes

Lied- und Gedichttexte

Camp-Mimi-Lieblingsrezepte

Anmerkungen

Zum Geleit

Wie kann ich der nächsten Generation ein sinnvolles Erbe weitergeben? Diese Aufgabe ist ein tiefer Wunsch in uns allen, unabhängig davon, ob wir eigene Kinder haben oder nicht. So habe ich als Single mit großem Interesse Signas neues Buch gelesen.

„Camp Mimi“ steckt voller kreativer Ideen, wie ich einer Gruppe, die mir eigentlich fremd ist, mitteilen kann, was mir von Gott anvertraut wurde. Vieles passt auch für andere Bezüge und nicht nur für die Weitergabe von Generation zu Generation. Ich habe das bereits ausprobiert und gute Resonanz bekommen.

Signa schreibt humorvoll, weise und spannend. Es gibt Geschichten aus der Bibel, „Real Life Stories“ und erprobte Rezepte, die sie zusammen mit den Kindern gekocht hat. In all dem wechseln sich nobles Essen und schneller Imbiss, Einfachheit und Extravaganz ab.

Besonders beeindruckt hat mich die Art, wie Signa durch das ganze Buch hindurch große Wertschätzung für ihre Enkel zeigt, wie z.B. die Entscheidung, ihnen das beste Geschirr zur Verfügung zu stellen.

Ich habe Signa nicht nur als mitreißende Rednerin, sondern auch sie und Conlee mehrmals besuchen und ihre Gastfreundschaft und fantastischen Kochkünste genießen dürfen.

Camp Mimi ermutigt die Leser dazu, die eigenen Schätze zu entdecken und für andere zugänglich zu machen – und zeigt eindrucksvoll, wie man dem anderen dabei viel Freiheit lässt, das im eigenen Leben umzusetzen.

Jeder kann auf einzigartige Weise den Segen, den er selbst empfangen hat, mit den Menschen in seinem Leben teilen und ein Erbe hinterlassen. Ich wünsche mir, dass sich viele davon anstecken lassen.

Christiane Mack, Con Vita und NIS-Netzwerk

Dieses Buch ist eine Fundgrube. Noch mehr: Eine Schatzkiste für alle, die mit Kindern arbeiten. Ob Großeltern – wie die Bodishbaughs –, ob Eltern, Tanten und Onkel, ob Kindermitarbeiter in der Gemeinde oder Erzieher und Lehrer: Hier findet jeder geistliche Impulse, kreative, kindgerechte und liebevolle Ideen, wie man Wissen und Glauben spielerisch vermitteln kann. Signa und Conlee haben als Großeltern ihren Enkeln im Camp Mimi ein geistliches Erbe bereitet, das sie nun mit uns teilen.

Was sie mit ihren Enkeln gestaltet haben, ist eine Inspiration – für jeden persönlich. Und natürlich ganz besonders in der Arbeit mit Kindern. Ich empfehle diese geistliche Schatzkiste von ganzem Herzen.

Elke Werner, Referentin, Autorin und Leiterin

von WINGS (Women in God’s Service)

Einleitung

Liebe Leserin, lieber Leser,

bevor Sie meine Geschichte lesen – bevor Sie lesen, wie ich ganz bewusst ein Vermächtnis dessen, was mir wertvoll ist, an die Kinder in meinem Leben weitergegeben habe –, sagen Sie sich doch bitte selbst folgenden Satz: „Ich bin einzigartig!“

Mit dieser Erklärung zeigen Sie, dass Sie die grundlegenden Prinzipien aus diesem Buch herausfiltern und an Ihr eigenes Leben anpassen können.

Dieses Buch ist nicht eine Anleitung nach dem Motto: „So und nicht anders geht es!“, es ist auch kein Erziehungsratgeber. Ich gebe weder Stundenentwürfe vor noch nenne ich viele Bezugsquellen für Material oder Richtlinien. Dies ist ein Buch, das inspirieren soll! Ich möchte Sie inspirieren, die Lebens-Lektionen zu entdecken, die Sie zu dem Menschen gemacht haben, der Sie heute sind. Achten Sie auf kleine, halb vergessene Erinnerungen, auf scheinbar unbedeutende Details Ihrer Erfahrungen, überlegen Sie, welche Ihrer Aktivitäten am meisten Spaß machen. Was gibt Ihnen Energie? Welche Themen fesseln Sie? Wer sind Ihre Lieblingspersönlichkeiten, und warum? Was weckt Ihre Leidenschaft?

Darauf gibt es die unterschiedlichsten Antworten – es könnte Angeln sein, eine große Reise, Familiengeschichten und Legenden über Ihre eigenen Großeltern, ein interessantes Thema, mit dem Sie sich intensiv beschäftigt haben, Wandern, Lieblingsbücher, Möbelrestaurieren, Golf, Sammelalben, Fotografie, Vögel, Geschichte, Ihr Glaube oder irgendetwas anderes aus tausenderlei Dingen. Sie wissen, was für Sie etwas ganz Besonderes ist.

All diese kleinen Erinnerungen summieren sich zu Ihrem Lebensvermächtnis, das Sie jemandem hinterlassen können. Wer soll das sein? Solche Sachen gehören nicht in ein notariell beglaubigtes Testament. Sie eignen sich nicht unbedingt als Stoff für eine Autobiografie. Und doch macht die Summe dieser Erfahrungen Ihre Einzigartigkeit aus. Wer Sie sind, ist zu kostbar, um eines Tages vergessen zu werden. Geben Sie es weiter!

Camp Mimi ist ein (hoffentlich) amüsanter, persönlicher Bericht darüber, wie ich, von meinen Enkeln „Mimi“ genannt, meine Lieblingsthemen und was mir wichtig ist, identifiziert und bewusst an die Kinder in meinem Leben weitergegeben habe. Die Empfänger waren zufällig meine Enkel, die wir „die BodishBabes“ nennen.

Die alles überragende Leidenschaft meines Lebens ist meine Beziehung zu Jesus und das nie nachlassende Verlangen, in Gottes Liebe zu wachsen. Das färbt auf alles andere ab. Alles, was wir im Camp Mimi machten, war darauf angelegt, diese tiefe Liebe zu reflektieren. Deshalb wollen mein Mann und ich unseren Kindern und Enkeln in erster Linie mehr weitergeben als die Hobbys ihrer Großeltern, wir wollen ihnen ein Erbe hinterlassen, das Auswirkungen auf die Ewigkeit hat.

Während der zehn Jahre, in denen mein Mann (Conlee für mich, „Papa“ für die BodishBabes) und ich Camp Mimi veranstalteten, wollten viele Freunde ihre eigenen Enkel herbringen und auch mitmachen lassen. Ich entschied, das Camp auf die BodishBabes beschränkt zu halten, und ermutigte andere, etwas Ähnliches in der Atmosphäre und mit der Prägung ihrer eigenen Familie durchzuführen. Viele haben genau das getan!

In Iowa veranstaltete eine Großmutter ihr eigenes Camp Nana, indem sie ihren Enkelkindern zunächst einfach ihre Liebe zum Gärtnern vermittelte und dann Vergleiche mit dem biblischen Prinzip von Saat und Ernte und der Frucht des Geistes anstellte.

In Michigan machten Großeltern aus dem jährlichen Verwandtschaftstreffen Camp Baldwin (das ist ihr Nachname). Was zuvor immer eine Zeit ungeplanter Aktivitäten am See gewesen war, wurde jetzt strukturiert und gestaltet, sodass Gespräche über verschiedene Themen geführt wurden, wo einer dem anderen Einblick in sein Herz gewährte. Sie sagten, ein so gutes Verwandtschaftstreffen habe es noch nie gegeben.

In Alabama hat eine Freundin, die von ihren Enkeln auch Mimi genannt wird, ihr eigenes Sommerlager gestartet. Obwohl sie die Kinder täglich sieht, war das besondere Camp Mimi strukturierten, themenbezogenen Projekten, Ausflügen und Bibelgeschichten vorbehalten. Die Kinder lieben es!

Sie hat zwar keine eigenen Kinder, doch in den Niederlanden lädt eine ledige Mittfünfzigerin regelmäßig Kinder von Freunden und Nachbarn zu sich nach Hause ein. Sie nennt die Veranstaltung „Zeit mit Jetteke“. Dann widmet sie sich ganz den Kindern. In zahlreichen Projekten lässt sie sie an ihrer Liebe zu Gott und kreativen Ausdrucksformen Anteil nehmen. Die Kinder verbringen zum Beispiel einen ganzen Tag oder sogar ein Wochenende bei Jetteke, die ihnen jede Menge Aufmerksamkeit und Liebe gibt und dabei das vermittelt, was sie selbst am meisten interessiert. Wenn wir sie besuchen, zeigt sie uns immer ihre neuesten Projekte und wir freuen uns über ihre kindliche Begeisterung. Wir konnten schon ein Puppenhaus bewundern, das sie zusammen gebaut hatten, Multimedia-Kunstwerke, einen kleinen Garten, den die Kinder mit ihr entworfen und angelegt hatten, und ein beeindruckendes Mittelalter-Brettspiel, welches sie in einer Gemeinschaftsproduktion ausgedacht und hergestellt hatten.

Für so etwas braucht man keine besondere Erzieherausbildung. Ich habe weder die Ausbildung noch den Wunsch, Kinder professionell zu unterrichten. Doch es gibt Themen, die meine Leidenschaft wecken: Gott, die Bibel, Kochen, Kunst, Hebräisch, Bücher. Ich wusste, meine Kinder und Enkel würden die Tiefe meiner Leidenschaft nicht quasi durch Osmose verstehen lernen. Camp Mimi wurde ein großartiges Instrument, um das weiterzugeben, was mir auf dem Herzen liegt.

Denken Sie nicht, Ihre Pläne müssten ausgeklügelt oder kompliziert sein. Einfach ist gut. Das Hauptziel ist Ihre entschiedene Absicht, diejenigen, die Gott Ihnen zum Lieben gibt – wer immer das ist –, mit wertvoller und ungeteilter Aufmerksamkeit regelrecht zu überschütten.

Weil Gott uns mit ungeteilter Aufmerksamkeit überschüttet, ist er stets mein Vorbild. Zu seiner überströmenden Liebe und Zuneigung gehören Regeln, flexible Richtlinien, Pläne, Überraschungen, Disziplin, Struktur, Freude, Lachen, Korrektur für Fehlverhalten und unglaubliche Liebe: Das ist eine Beschreibung von Camp Mimi.

Eines Tages, wenn meine Enkel erwachsen und selber Großeltern sind, werden sie hoffentlich nie sagen müssen: „Ich wünschte, ich hätte mehr von meiner Mimi gewusst, von ihrem Leben und dem, was ihr wichtig war.“

Was sind Ihre Leidenschaften?

Mit wem wollen Sie sie teilen?

Vergessen Sie nicht: Sie sind einzigartig!

Viel Spaß!

Signa Bodishbaugh

Camp Mimi 1

Manieren

„Stell dir vor, ich reise nach China!“

Nur eine Sorge überschattete die Begeisterung unserer Schwiegertochter Margo. Ihr bot sich eine einmalige Gelegenheit, aber da waren noch ihre drei Töchter und ihr Mann. Margo war jedoch überaus motiviert, vorzudenken und jedes Detail so zu planen, dass sie diese ersehnte Reise antreten konnte.

Margos jüngere Schwester Sara war kürzlich mit ihrem frischgebackenen Ehemann Nathan nach China gezogen. Sara unterrichtete Englisch in einer Privatschule, während Nathan im IT-Bereich arbeitete. Sie waren gerade dabei, sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen, und luden Margo ein, sie zu besuchen – einen ganzen Monat lang! Margo konnte sich nicht vorstellen, je wieder solch eine Gelegenheit zu bekommen: persönliche Fremdenführer zu haben, die die Landessprache – jedenfalls ein bisschen – beherrschten und sie auf so hohem Niveau in die fremde Kultur einführen konnten.

Monate vor ihrer Reise auf die andere Seite der Welt begann Margo jedes Detail im Leben ihrer Familie zu Hause in Arkansas zu organisieren. Das war eine äußerst ambitionierte Aufgabe, aber sie schaffte es. Alex und Macy, ihre 13- bzw. 11-jährigen Töchter, gehörten zu diversen Sportgruppen, das bedeutete im Sommer tägliches Training. Sie sollten tagsüber bei Freundinnen bleiben, von anderen Müttern zu den erforderlichen Terminen mitgenommen werden und abends dann zu ihrem Dad (unserem Sohn Matt) zurückkehren.

Matt war absolut bereit, ab dem Abendessen zuständig zu sein, aber die Verantwortung für Sophie, die Fünfjährige, stellte sie vor weitere Probleme. Das Schwierigste war, dass es niemanden gab, der Sophie tagsüber beaufsichtigen würde, wenn Matt arbeitete. Man konnte schlecht eine Freundin fragen: „Ach, übrigens, könntest du einen Monat lang Tag für Tag meine Fünfjährige hüten, während ich mir China angucke?“ Margo wusste auch, dass dieses Kind noch nicht bereit war für einen Monat Trennung von der Familie und dass professionelle Betreuung nicht funktionieren würde.

Und so geschah es, dass im Februar 2005 in Mobile, Alabama (elf Autostunden von Matt, Margo und unseren drei Enkeltöchtern entfernt), wo mein Mann Conlee und ich wohnten, unser Telefon klingelte: „Du wirst es nicht glauben – ich reise nach China!“

Darauf folgte: „Mimi und Papa, könnt ihr euch vorstellen, dass Sophie euch einen Monat lang besucht?“

Wir stimmten spontan zu – welch eine wunderbare Gelegenheit, eins unserer Enkel, die so weit entfernt wohnten, für eine ausgedehnte Besuchszeit ganz für uns zu haben! Es dauerte allerdings nicht lange, da machten wir uns Gedanken, was in aller Welt wir einen ganzen Monat lang mit einem fünfjährigen Mädchen anstellen sollten. Conlee und ich hatten drei Söhne großgezogen. Jungs fanden wir einfach. Wir wussten nicht sehr viel über das, was man Mädchen zu tun und zu essen gibt und wie man sie auf lange Sicht beschäftigt und glücklich hält. Aber wir waren bereit zu lernen.

Conlee und ich steckten die Köpfe zusammen und überlegten uns Ausflüge, Projekte, Spieltreffen mit kleinen Mädchen aus der Gemeinde und anderes, womit man Sophie beschäftigen könnte. Immer wieder aber kamen wir zu einer großen Schwierigkeit zurück: Im Juli und August herrscht in Mobile, Alabama, eine brutale Hitze – es ist fast zu heiß, um längere Zeit im Freien zu verbringen. Wenn wir doch nur einen Swimmingpool hätten! Bei jedem Gespräch über das Thema, jedes Mal, wenn wir mögliche Aktivitäten und Tagesabläufe auflisteten, kamen wir zu demselben Gedanken zurück: Hätten wir doch nur einen Pool!

Der Pool

Ein Pool ist teuer. Ein Pool ist aufwendig. Ein Poolbau erfordert Erdarbeiten. Ein Pool muss aus Sicherheitsgründen umzäunt werden. Im Pool brauchen Kinder ständige Aufsicht. Es schien, dass die Gegenargumente überwogen, aber wir kamen doch immer wieder auf diese Möglichkeit zurück. Inzwischen war es schon Juni geworden, und wir sagten uns, dass bis zu Sophies Ankunft im Juli sowieso nicht mehr genug Zeit für einen Bau war.

Wir wohnten zwar direkt am Mobile Bay, aber schwimmen konnte man dort doch nicht gut. Es war wunderbar, die Schiffe und Segelboote in der Bucht hin- und herfahren zu sehen, die Möwen und Fischreiher zu beobachten und am Strand zu spielen. Aber das Wasser war nicht so sauber, dass ich meine Enkel darin schwimmen lassen wollte. In der zweiten Juniwoche wurde es nun sehr heiß, und die Vorstellung, einen Pool anzuschaffen, kam uns immer besser vor, aber die Zeit war jetzt noch knapper.

Eines Morgens – Conlee war auf der Arbeit – blätterte ich die Gelben Seiten durch und suchte das Stichwort Swimmingpool-Bau. Die aufgeführten Unternehmen waren mir völlig unbekannt. Ich rief der Reihe nach die Nummern an, um mir nur einmal ganz unverbindlich sagen zu lassen, wie ihr Angebot aussah. Bei den ersten paar erreichte ich nur einen Anrufbeantworter. Ich hinterließ jeweils meinen Namen und meine Telefonnummer und bat um Rückruf (der in keinem Fall erfolgte) wegen eines möglichst baldigen Swimmingpool-Baus. Bei der vierten Nummer auf meiner Liste, „Bama Pools“, meldete sich sofort der sehr nette Besitzer, der mit seinem Handy auf einer Baustelle war. Er sagte, er würde am Nachmittag herauskommen, sich unseren Garten ansehen und mir ein Angebot machen. Ich war sehr nervös. Ich hatte noch nicht einmal Conlee von meinem Vorstoß erzählt.

Es verlief gut, das Treffen mit Johnny Rockhold, dem Poolbauer, der auch Laienprediger und ein angenehmer, lebhafter Mensch war. Meine Hauptforderung bestand darin, dass der Pool bis zum 4. Juli fertig und benutzbar sein müsste. Er sagte: „Kein Problem. Drei Tage nach Beginn der Arbeit lassen wir das Wasser einlaufen. In zwei Wochen können wir loslegen.“ Das hörte sich zu gut an, um wahr zu sein.

Und so kam es, dass eine weitere Beratung stattfand, Conlee Johnny sehr gern mochte, der Preis fair war, die Qualität super, das Timing perfekt – und wir einen Pool bekamen. Johnny hielt jedes einzelne seiner Versprechen pünktlich ein, und der Pool stellte sich als eine unserer besseren Investitionen heraus. Als Matt, Margo und ihre Familie am 1. Juli kamen, um Sophie zu bringen, gossen die Bauarbeiter gerade Beton aus einem langen Schlauch um die Schürze des Pools. Es war völlig chaotisch, überall spritzte Beton, riefen Arbeiter und herrschte Unordnung. Aber am 4. Juli schwammen wir unsere Bahnen, wie Johnny, der Poolmann-Prediger, versprochen hatte. Von dem Tag an nahmen Aktivitäten im und um das Schwimmbecken einen Großteil der Zeit ein, die wir im Sommer mit unseren Enkelkindern verbrachten. Und Conlee und ich genossen es auch darüber hinaus mehr, als wir uns je vorgestellt hätten.

Die Zeit mit Sophie war wunderbar! Sie half mir kochen, wir brachten ihr Schwimmen bei, wir malten, gingen einkaufen, machten uns die Nägel, stylten uns das Haar, wir schnitten Papierpüppchen aus und entwarfen Kleider für sie, wir gingen oft in die Bücherei und lasen jede Menge Bücher, wir sahen sehr wenig fern und lachten viel. Abends erzählte Sophie ihrem Dad am Telefon, was wir alles Schönes erlebt hatten. Da sagte Matt: „Sophie, das ist ja gerade so, als wärst du ins Ferienlager gefahren – ins Camp Mimi!“ Und so war der Name geboren. Noch ahnten wir nicht, dass Camp Mimi über die nächsten zehn Jahre zu einem jährlichen Ereignis und zu einer Bodishbaugh-Familientradition werden würde!

Unser ältester Enkelsohn, Caleb, ist nur drei Monate jünger als Sophie. Er ist der Große unseres jüngsten Sohnes Ben, und wohnte mit Eltern, den jüngeren eineiigen Zwillingsschwestern und seinem kleinen Baby-Bruder in Texas. Caleb und Sophie waren auch fast wie Zwillinge, obwohl sie sich nicht oft sahen. Als Caleb mitbekam, dass Sophie mehrere Wochen lang bei Mimi und Papa wohnte, zog er den Vergleich mit seiner eigenen Situation – einem Leben mit drei jüngeren Geschwistern, die den größten Teil von Mamas Aufmerksamkeit beanspruchten. Er bettelte, doch auch nach Mobile fahren zu dürfen. Und so wurde beschlossen, dass Caleb Sophie eine Woche lang Gesellschaft leisten sollte.

Wieder begannen Conlee und ich, Ideen zu sammeln, als wir uns auf Calebs Ankunft vorbereiteten. Wir konnten nicht einfach in den Tag hineinleben, wie wir es mit Sophie getan hatten. Wir wussten, mit zwei Fünfjährigen in unserer Obhut müssten wir für die täglichen Aktivitäten gewisse Pläne und Ordnungen haben. Es würde bestimmt Spaß machen, die Woche unter ein Thema zu stellen und nach Matts Idee „Camp Mimi“ zu nennen.

Conlee, Sophie und ich erstellten Pläne für den täglichen Ablauf, Aktivitäten und sogar Überraschungen für die Zeit mit Caleb. Die ganze „Camp“-Idee verselbstständigte sich und gab uns eine Struktur, mit deren Hilfe wir Werte, die uns wichtig waren, an unsere Enkelkinder weitergeben konnten.

Das Thema

Conlee und ich beteten viel darüber, welches Thema sich für Sophie und Caleb in jenem ersten Sommer am besten eignen würde. Unser Glaube an Jesus war schon immer das Wichtigste, was wir weitergeben können, und wir wollten es bewusst tun und so, dass es Spaß machte. Wir wollten den Kindern auch Gelegenheit geben, einige der Prinzipien auszuleben, die Jesus seinen Jüngern beigebracht hatte.

Eine Schriftstelle, die Conlee und mir immer wieder in den Sinn kam, war Lukas 17,11–19. Wir sprachen lange darüber. Es ist die Geschichte von einem Erlebnis, das Jesus hatte, als er auf seinem Weg nach Jerusalem entlang der Grenze zwischen Samarien und Galiläa wanderte. Zur Zeit Jesu war diese Grenze für Juden Niemandsland. Aufgrund alter Vorurteile und eines tiefen Hasses auf die Samariter reisten Juden nicht durch Samarien. Wenn sie von Galiläa nach Jerusalem gingen, machten sie einen weiten Umweg nach Osten, nur damit sie nicht durch ein Gebiet mussten, das sie für unrein hielten.

Als Jesus an diese Grenze kam, wurde er von zehn Männern angesprochen, die aussätzig waren. Sie litten unter einer Krankheit, die vielleicht nicht genau dem entspricht, was wir heute unter Lepra verstehen, aber jedenfalls eine zerstörerische Hautinfektion war, die sie für die ganze Gesellschaft unrein machte. Für uns sind die Aussätzigen in Israel das Beispiel im Kleinen dafür, wie die Juden damals alle Samariter ansahen und behandelten. Jüdische Aussätzige konnten nicht in Dörfern wohnen, nicht im Tempel anbeten, keine Synagoge besuchen und kein auch nur annähernd normales Leben führen. Ihre Existenz war ein einziges Dahinsiechen, so wie die Haut ihres Körpers verfaulte. Den Abstand wahrend, den sie zu anderen Menschen einhalten mussten, schrien die Aussätzigen zu Jesus, er möge sich ihrer erbarmen.

Jesus, der immer voll Mitgefühl war, sagte ihnen, sie sollten sich dem Priester zeigen. Die Untersuchung des Priesters und seine Bestätigung war die gesetzlich vorgeschriebene Prozedur für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Heilung einer solchen Hautkrankheit.

Als sie taten, was Jesus ihnen gesagt hatte, wurden sie alle geheilt! Ihre Haut war wieder neu. Ihr Status war ein anderer. Sie waren keine Ausgestoßenen mehr. Jeder Einzelne hatte ein neues Leben bekommen. Dies ist das lebendige Bild von jedem von uns, der in seinen Sünden verrottet, zu Jesus schreit, ihm gehorcht und ein ganz neues Leben empfängt!

Trotz solch einer gewaltigen Erfahrung kam nur einer der zehn, die geheilt worden waren, wieder zu Jesus zurück, lobte Gott und warf sich voller Dankbarkeit Jesus zu Füßen. Die Ironie an dieser Geschichte ist, dass der eine Mann, der mit Lobpreis und Dank zu Jesus zurückkam, ein verachteter Samariter war. Er war einer, von dem sich jeder Jude fernhalten würde. Doch sein Herz war so voller Glauben, dass er mehr empfing als eine körperliche Heilung. Jesus sagte ihm: „Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dir geholfen“ (sozo auf Griechisch). In diesem Wort, sozo, steckt die Bedeutung „gerettet, in Sicherheit, gesund gemacht“, sogar „vom Gericht befreit“. Dieser Bericht zeigt uns, dass Dankbarkeit vor Gott viel mehr Segen bringt, als wir zu bitten verstehen.

Nachdem Conlee und ich gelesen, diskutiert und über diesen Bericht aus dem Leben und Dienst Jesu gebetet hatten, stellten wir uns gegenseitig viele Fragen.

„Gibt es Menschen, von denen ich mich fernhalte, denen Jesus helfen möchte? Gibt es Menschen, die ich nicht leiden kann, von denen Jesus möchte, dass ich sie liebe? Wen lasse ich links liegen? Rufe ich zu Jesus um Hilfe? Bin ich dankbar für das, was er mir gibt? Warum ist es wichtig, ihm Danke zu sagen? Reicht es, die Worte zu sagen, oder muss ich eine dankbare Herzenshaltung haben? Warum sind gute Manieren und Benehmen so wichtig?“

Aufgrund dieser frühmorgendlichen Diskussion, die Conlee und ich führten, wurde das Thema „Manieren“ für unser erstes Camp Mimi gewählt. Wir wollten unseren BodishBabes gerne vermitteln, dass gute Manieren viel mehr sind als nur das Befolgen von Regeln, die Eltern und Lehrer aufstellen. Manieren zeigen Respekt und ehren die Mitmenschen. Sie geben Segen weiter. Sie öffnen unser eigenes Herz, um weitere Segnungen zu empfangen.

Unsere Herausforderung war, das, was Gott uns zeigte, in einer Form zu präsentieren, die Fünfjährige begeistern und auf ihr ganzes Leben Einfluss nehmen würde. Eine große Aufgabe, aber nicht unmöglich für unseren kreativen Gott!

Regeln

Ich muss gestehen, dass ich selbst als Kind nie in einem wie auch immer gearteten Ferienlager gewesen war. Das hier war mir alles ganz neu. Ich hatte keine Erfahrungen und wusste nicht, wie ein Camp abläuft. Wir baten Gott, es Schritt für Schritt für uns zu organisieren. Die Struktur unseres Camps hat sich natürlich im Lauf der Zeit beträchtlich weiterentwickelt, mit zunehmender Zahl und zunehmendem Alter der teilnehmenden Enkel.

Von Anfang an war mir eine wichtige Sache klar: Wir würden Regeln und Grenzen brauchen. Regeln gibt Gott zu unserem Nutzen. Sie dienen unserer Sicherheit und unserm Schutz und sorgen für gesunde Grenzen für uns, innerhalb derer wir frei erkunden können, was er schenkt. Ich habe einmal von einer Studie gelesen, bei der Vorschulkinder für ihre Spielzeit im Freigelände in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Jede Gruppe hatte dieselbe Aufsicht, dasselbe Spielzeug und denselben Platz draußen. Der einzige Unterschied war, dass eine Gruppe einen Grenzzaun um das Außenspielgelände hatte und die andere nicht. Die Kinder mit dem Zaun erkundeten jeden Zentimeter ihres Spielplatzes. Die Kinder ohne Zaun bleiben dicht beieinander in der Nähe der Spielsachen in der Mitte.

Dieses einfache Beispiel spricht doch Bände: Wie viel verpasse ich im Leben, wenn ich mich nicht von Gottes Grenzen schützen lasse! Gott gibt seine Grenzen durch alle Arten von guter Autorität in meinem Leben, sowohl in geistlichen als auch in ganz profanen Zusammenhängen.

Ausgeglichene Kinder sind an Regeln gewohnt und haben wenig Schwierigkeiten, sie zu akzeptieren. Eine Herausforderung sind die sehr intelligenten Kinder, die alles hinterfragen: „Warum?“ Es reicht nicht, dass die Autoritätsperson antwortet: „Weil ich es sage!“ Es ist wichtig, einen Grund für Regeln zu haben, und es ist auch wichtig, sie konsequent ihrem Zweck unterzuordnen und durchzusetzen.

Uns ging es darum, Chaos zu vermeiden und zu erwarten, dass jeder jeden Tag etwas Neues lernte. Die Regeln, die wir für Sophie und Caleb verfassten, galten verbindlich, waren aber leicht einzuhalten. Wenn einer von ihnen einmal widerborstig wurde, ein bisschen außer Kontrolle geriet, Bitten ignorierte oder sogar dann und wann den ganz großen Anfall inszenierte, fragten Conlee und ich einfach: „Hast du vergessen, wie die Camp-Mimi-Regel Nummer 1 heißt?“ Darauf reagierten sie ausnahmslos und sofort mit dem lauten Ruf: „Mimi bestimmt!“

Hier die Regeln, die wir im Verlauf einiger Jahre entwickelt hatten. Die meisten sind einfach praktischer Natur. Aber jede Regel trägt zur Charakterbildung und zum persönlichen Schutz bei.

Camp-Mimi-Regeln

1. Mimi bestimmt

2. Pool-Regeln

► Keiner unter 11 darf ohne einen Erwachsenen rausgehen

► Um den Pool herum wird nicht gerannt

► Immer Sonnenschutz auftragen

► Abfälle immer in Mülleimer werfen

► Handtücher und nasses Badezeug immer auf Wäscheständer auf der Veranda aufhängen

3. Haus-Regeln

► Morgens als Erstes das Bett machen

► Schmutzwäsche immer in die Waschküche bringen

► Aufheben, aufhängen, aufräumen!

4. Tisch-Regeln

► Jeden Tag hilft ein Team (auch beim Kochen, Tischdecken und -abräumen)

► Immer respektvoll benehmen

► Nur mit Erlaubnis vom Tisch aufstehen

► Mindestens einen Bissen von allem probieren

5. Spaß-Regeln

► Achte auf die anderen

► Teile

► Freu dich an jeder Aktivität, auch wenn du etwas anderes lieber machst

► Sei dankbar für deine Familie

► Wer rumjammert, geht ins Bett, wer schlechte Laune hat, wird gekitzelt

Jedes Jahr wurde dieser Regelsatz am ersten Tag im Camp Mimi ausgeteilt. Alle lasen ihn laut vor und hefteten ihn in ihre Ringbücher, die sich bis zum Ende der Woche mit Info- und Arbeitsblättern füllten.

Das Camp-Mimi-Logo mit dem Lattenzaun wurde gewählt, weil wir in jenem ersten Jahr eben einen weißen Lattenzaun mit einem Torbogen rund um die Veranda und den Küchengarten an der Vorderseite des Hauses gezogen hatten. Auf dem Logo illustrierten die sieben vertikalen Latten die sieben BodishBabes, die wir damals hatten.1 Die Querstreben repräsentierten Mimi und Papa. Auch wenn wir den Torbogen in der Mitte nicht darstellten, verstanden die Kinder sofort die Symbolik und sagten, das Tor sei Jesus. Das passt gut, denn Jesus ist das Tor, die Tür, der Mittelpunkt, der Weg. Es ist wunderbar, wenn die Kleinen schon anfangen, so zu denken, wenn sie gewöhnliche Dinge des Lebens mit Gott in Verbindung bringen! Sie brauchen nur ein klein wenig Ermutigung, damit sie anfangen, in allem, was sie tun, nach Gott Ausschau zu halten.

Die Aktivitäten

Im ersten Jahr planten wir einige einfache Aktivitäten für Camp-Mimi, die sowohl Sophie als auch Caleb Spaß machten. Schwimmen kam dabei ganz besonders gut an. Nach ihrer ersten Woche bei uns schwamm Sophie mit nur einmal Atemholen allein durch den ganzen Pool. Sie sprang auch von der Seite ins Tiefe. Als Caleb kam, musste er den Vorsprung natürlich aufholen. Und so gab es jeden Morgen und jeden Nachmittag nach dem Mittagsschläfchen2 Schwimmunterricht. Ein kleiner freundschaftlicher Wettbewerb wirkt Wunder beim Lernen und Trainieren!

In dem Wissen, wie lebensnotwendig es für unsere Enkel war, schwimmen zu können – jetzt, da wir einen Pool im Garten hatten –, machten wir das zu einer Priorität. Spiele, Wettschwimmen, Zeitschwimmen, Preise, Anfeuern und Ermutigung sorgten nicht nur für Spaß im Pool: Am Ende der Woche schwammen sie beide wie kleine Fische.

Da sie mehrmals am Tag im und am Pool waren, wurden die Regeln Nr.2 und Nr.3 der Camp-Mimi-Regeln nötig. Ich wäre verrückt geworden, wenn jedes Kind zweimal täglich ein sauberes Badehandtuch auf den Boden geworfen oder Eispapiere und -stiele am Pool liegen gelassen hätte oder wenn sie tropfnass durchs Haus gelaufen wären, um zu duschen oder Shampoo zu holen. Deshalb wurden neben den Sicherheitsregeln einige praktische Haushaltsregeln aufgestellt. Die Kinder mussten sogar immer draußen duschen und Haare waschen, was ihnen außerordentlich gut gefiel. Ihre Dusche befand sich in einem abgetrennten, begehbaren Bereich im Freien. Zur Wahrung der Privatsphäre war die Tür mit einem Haken versehen. Dort konnten sie jede Menge warmes Wasser genießen.

Später, als Camp Mimi größer war, duschten immer jeweils alle Mädchen und alle Jungs gemeinsam. Wir merkten, dass es nötig war, nachzuhalten, welche Gruppe zuerst dran war, denn faires Abwechseln war ihnen sehr wichtig. Jedes Kind hatte seinen eigenen, gekennzeichneten Haken an der Wand, an den es sein Handtuch und die eigene Bürste hängen konnte. Das lange Duschregal war gut gefüllt mit Prinzessinnen-Waschlotionen für die Mädchen und Superhelden-Seife für die Jungen, ebenso mit allen möglichen duftenden Fruchtshampoos, die sie liebten.

Jede Aktivität musste mit unserem Thema „Manieren“ in Zusammenhang stehen. Auch wenn Kinder sehr gerne Freude machen und Aufmerksamkeit und Belohnung für ihr Verhalten bekommen, ist es nun einmal so, dass es in ihrer Welt meistens um sie selbst geht. Wir versuchten nun klarzumachen, dass das äußerlich sichtbare Tun (freundliches und dankbares Verhalten) mit dem inneren Sein einhergehen muss (dass man mehr an andere denkt als an sich selbst – oder wenigstens so viel wie).

Jeden Tag wechselten sich die Helferteams für Planen, Kochen und Tischdekorieren für das Abendessen ab. An einem Tag war Sophie der Chefkoch und Caleb ihr Assistent. Am nächsten Tag war Caleb verantwortlich. All dies geschah natürlich unter meiner Aufsicht und Anleitung. Mein Ziel war es, dass sie jedes für sie unbekannte Gericht probierten. Dies war eine riesige Herausforderung, weil Caleb damals nur Kohlehydrate mochte, hauptsächlich in Form von Brot. Er bereitete gerne etwas anderes zu, wollte es aber nicht essen. Die Konsistenz der Nahrungsmittel machte ihm sehr viel aus. Er war aber dennoch bereit, alles einmal zu probieren, und es half ihm sehr, zu wissen, aus was die Gerichte auf dem Tisch bestanden. Besonders gefiel es ihm, jeden Abend eine andere Sorte Brot anzubieten.

Wir entdeckten etwas Interessantes an Calebs Empfindlichkeit in Bezug auf Essen: Bestimmte Kombinationen konnte er einfach nicht hinunterbringen. Im Alter von fünf wusste er das nicht anders zum Ausdruck zu bringen als mit dem Ausruf: „Das hasse ich!“ und der Weigerung, es zu essen. Aber als er „Sophies Spiedini mit Huhn“3 zubereitete, eines ihrer Lieblingsgerichte, erkannte er, warum er es „hasste“. Die Hühnerbrüste in einer Plastiktüte flach zu klopfen, sie mit der wundervoll schmackhaften Mischung aus Olivenöl, Paniermehl, Knoblauch und Gewürzen zu bestreichen und mit Schinken zu belegen, machte ihm großen Spaß. Aber dann stockte er. Als wir Schweizer Käse und Parmesan darauf legen wollten, brach es aus ihm heraus: „Ich hasse Fleisch und Käse zusammen! Das esse ich nicht!“ Aha! Das Problem war erkannt. Wir mussten Caleb nur seine eigenen Spiedini ohne Käse zubereiten und deutlich kennzeichnen lassen, mehr nicht. Die auf seine Weise zubereiteten aß er fast auf.

Immer auf der Suche nach sinnvollen Anknüpfungspunkten für Bibellektionen, hatten wir an jenem Abend eine wunderbare Gelegenheit, beim Essen von den Speisegeboten zu erzählen, die Gott den Israeliten gegeben hatte, besonders dem einen, dass sie Fleisch nicht mit Milchprodukten kombinieren sollten.4 Ich weiß überhaupt nicht, warum Gott seinem Volk dieses Gebot gegeben hat. Nach dem, was ich gelesen habe, streiten sogar orthodoxe Rabbis über den Sinn dieser Anweisung Gottes. Aber ich weiß, dass in jedem Kontext, in dem solch ein Gesetz gegeben wurde, sein Volk ermahnt wurde, Gott zu gehorchen und vor allem heilig zu sein, weil er heilig ist.

Heilig sein bedeutet abgesondert sein, anders und getrennt von anderen Menschen. Die Trennung gewöhnlicher Alltagsdinge erinnerte die Israeliten und zeigte anderen, dass sie Gottes Regeln befolgten, weil sie ihn liebten und ihm vertrauten. Es gibt Dinge im Leben, die wir nicht ganz verstehen. Wir müssen dem, der über uns wacht, einfach vertrauen. Und aus Liebe und Respekt gegenüber unseren Beschützern tun wir, worum sie uns bitten, ohne uns dagegen aufzulehnen. Durch unseren Gehorsam sind wir ausgesondert für besondere Segnungen.

Beim Abendessen trugen wir im Gespräch über dieses Thema unverständliche Forderungen von Eltern oder anderen, die für uns verantwortlich sind, zusammen. Die Kinder wussten sofort Beispiele beizusteuern: Warum kann ich nicht so lange aufbleiben, wie ich will? Warum kann ich den Nachtisch nicht zuerst essen? Warum muss ich mich für den Gottesdienst schön anziehen? Papa brachte sogar ein eigenes Beispiel: Warum kann ich nicht so schnell fahren, wie ich will, wenn doch keiner in der Nähe ist?

Die Diskussion bei Tisch stellte sich als ein Gespräch über Verhalten und Manieren heraus, das wir gar nicht geplant hatten. Das ist uns immer ganz wichtig – flexibel bleiben. Wenn wir uns für Gott und seine Anweisung verfügbar machen, öffnet er uns die Augen, sodass wir Gelegenheiten erkennen, die wir uns gar nicht hätten vorstellen können.

Tischmanieren sind natürlich ein wichtiges Thema in der Kindererziehung. In der Schnelllebigkeit unserer Zeit gibt es nicht oft Gelegenheit, mit der ganzen Familie am Tisch zu sitzen, sich zu entspannen, ein liebevoll serviertes Mahl zu genießen und den richtigen Gebrauch des Bestecks, Benimm- und Verhaltensregeln zu lernen. Bei uns sollten die Kinder nicht rufen: „Ich will mehr Kartoffeln“ oder „Gib mir das Brot“, wir bestanden auf: „Darf ich bitte noch Kartoffeln haben?“, und: „Gibst du mir bitte das Brot?“ Sie sollten nicht nach Lust und Laune aufstehen; wir bestanden auf: „Darf ich bitte aufstehen?“ Ärmel waren nicht dazu da, Mund und Finger abzuwischen; wir bestanden auf den Gebrauch von Servietten. Sie sollten nicht einfach alles unbesehen in sich hineinschlingen; wir bestanden darauf, dass sie sich Zeit nahmen und würdigten, was ein anderer zubereitet hatte, und dass sie denen, die gekocht hatten und servierten, Danke sagten.

Da die Kinder jeden Abend viel in die Essenszubereitung investierten, war ihnen auch bewusst, welche Mühe in jeder Platte und jeder Schüssel steckte. Voller Stolz sagten sie: „Das habe ich klein geschnitten! Das habe ich verrührt! Diese Platte habe ich dekoriert!“ Jeder am Tisch sollte ihren Beitrag bewundern und loben.

Ich fand, es gab keine bedeutendere Gelegenheit, das beste Porzellan und Kristall und die schönste Tischwäsche zu benutzen, als für meine eigenen Enkelkinder, und wir gaben uns jeden Abend viel Mühe, den Tisch besonders schön zu decken. Caleb und Sophie bestimmten abwechselnd für jedes Abendessen ein Thema und dekorierten entsprechend. Ich ließ ihnen die freie Auswahl aus meinem Tischwäscheschrank, den Besteckschubladen und dem Geschirrschrank. Wir staunten über ihre Entscheidungen! Meistens begannen sie mit einem Farbthema und suchten für den Tischschmuck Dinge aus dem ganzen Haus zusammen, die sie in die Mitte auf den Esstisch setzten. Manches fand ich eher zweifelhaft, aber für sie war es von Bedeutung. Natürlich gab es bei Sophie einen „Abend in Pink“, zu dem sie eine leuchtend pinkfarbene Federboa auf dem Tisch drapierte und sogar Barbie in ihrem schönsten rosa Ballkleid als Blickfänger in die Mitte stellte. Conlee und Caleb hielten sich mit ihrer Meinung zurück, aber Caleb konterte mit einem „Abend in Tarnfarben“ mit der Actionfigur G.I. Joe, Zinntellern und Halstüchern als Servietten. Einmal schleppten die Kinder sogar Sand vom Strand an, verwendeten Badetücher als Tischdecke und legten Flipflops als Blickfänger in die Mitte. Immer gestalteten sie den Tisch auf spektakuläre Weise.

Sie investierten so viel Überlegung, Kreativität und Aufwand, dass keiner sofort nach dem Nachtisch aufstehen wollte und wir immer noch ein wenig länger am Tisch verweilten.

Der Ausflug

Nachdem wir uns ein paar Tage mit Manieren in allen Lebensbereichen beschäftigt hatten, wurde es Zeit, mit dieser Show auf Tournee zu gehen. Damals war The Pillars5 eins der besten Restaurants in Mobile. Im Besitz des Kochs Matt Shipp und seiner Frau Regina, bot es hochwertige Mahlzeiten in einem zum Restaurant umgestalteten, wunderschönen alten Herrenhaus an. Hinter der Eingangstür empfing einen eine gediegene Atmosphäre mit Buntglasfenstern, kunstvoll verlegten Bodenfliesen und kleinen, abgetrennten Essplätzen. Durch unsere Mitgliedschaft in ihrem Club bekamen Conlee und ich zu einem sehr vernünftigen Preis pro Monat zwei Drei-Gänge-Menüs mittags und zwei Vier-Gänge-Menüs abends. Einige Jahre lang hatten wir hier unser regelmäßiges romantisches Date als Ehepaar. Das half uns, nicht zu vergessen, dass wir uns mitten in unserem vollen Leben immer wieder auch einmal schön machen, ausgehen und besondere Zeit für uns selbst und unsere Beziehung nehmen mussten. Da wir im Voraus für dieses tolle Arrangement gezahlt hatten, wollten wir es natürlich auch ausnutzen.

Nun reservierten wir einen Tisch in The Pillars. Wir wollten mit Sophie und Caleb dort ein spätes Mittagessen einnehmen. Mit den Kindern mittags und nicht abends essen zu gehen, hielten wir für geschickter: Dann war es im Restaurant nicht so voll und es würde nicht so lange dauern. Und so hatten wir nun alle miteinander ein Date. Jeder zog sich so schön wie möglich an. Es war eine gute Entscheidung, eher spät, nämlich nach dem Mittagessen-Ansturm zu kommen. Auf diese Weise konnten wir ganz für uns an unserem Lieblingsplatz sitzen, im Wintergarten mit den Buntglasfenstern, dem Mosaikfußboden und seinem vornehmen Charme. Wir wurden vom Oberkellner willkommen geheißen und zu unserm Platz geführt, da kam auch schon die für uns zuständige Kellnerin und begrüßte uns. Weil sie um diese Uhrzeit wenig Gäste hatte, war genug Zeit, ihr von Camp Mimi zu erzählen, dass wir das Thema Manieren behandelt hatten, und warum wir als Großeltern und Enkel diesen Ausflug ins Restaurant machten.

Unsere Kellnerin war sofort dabei! Ausführlich erklärte sie den Kindern, wie es in einem Restaurant zugeht, und auch Conlee und ich lernten viel von ihr. Sie erzählte uns, warum wir von dem Oberkellner, der den Titel Maître d’ trägt, an der Tür begrüßt und zu unserem Tisch geführt wurden. Sein Titel ist die abgekürzte Form des französischen maître d’hôtel, das bedeutet „Meister des Hauses“. Statt die Leute einfach hereinspazieren und sich selbst einen Platz suchen zu lassen, nimmt er Reservierungen entgegen, heißt jeden Gast willkommen, entscheidet, wo die Gäste sitzen sollen, und sorgt für Ruhe und Ordnung in einer Umgebung, die sonst wohl unruhig wäre. Der Maître d’ beaufsichtigt auch die Kellner und ist dafür zuständig, dass die Mahlzeit insgesamt für die Gäste eine angenehme Erfahrung ist. Unsere Kellnerin bat den Maître d’, noch einmal an unseren Tisch zu kommen und Caleb und Sophie kennenzulernen, und erläuterte ihm begeistert unser Vorhaben. Er war ein bisschen förmlich, aber sehr freundlich. Unsere Kellnerin erklärte, dass jeder in ihrem Beruf als „waiter“ (Kellner) angesprochen wird, egal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.

Als ein junger Mann in einer langen weißen Schürze an unseren Tisch kam, um uns Wasser einzuschenken, erklärte sie seine Rolle als Bedienungshilfe (Busser oder Busboy) und warum er einen Willkommens-Krug Wasser serviert, bevor der Kellner andere Getränkebestellungen entgegennimmt. Unser Busser brachte auch einen Silberkorb mit verschiedenen warmen Broten und zwei kleine Buttertöpfchen, eins mit normaler und eins mit Kräuterbutter. Wir erfuhren, dass der Busser eine ganz wichtige Rolle spielt: Er sorgt dafür, dass alles immer ordentlich, sauber und einladend aussieht, obwohl im Laufe des Tages viele Menschen nacheinander an demselben Tisch essen. Nach jedem Gast wechselt er die Tischtücher und deckt den Tisch wieder neu. Der Busser stellt die Nahrungsgrundlagen (Brot und Wasser) bereit, was eine Geste des Willkommens ist. Er räumt leere Teller ab, füllt Wassergläser auf und bringt schmutziges Geschirr und Tischtücher nach hinten. Wir bemerkten, dass er sich nicht mit uns unterhielt, wie es die Kellnerin tat. Danach befragt, sagte sie, dass das Wesen eines Bussers darin besteht, unsichtbar im Hintergrund zu bleiben und dem Gast die Illusion zu lassen, dass Ordnung und Sauberkeit etwas Selbstverständliches seien, was überhaupt keine Umstände mache. Sie sagte uns, dass die Kellner auch ausgebildet werden, einladend und freundlich zu sein, ohne sich jedoch auf persönliche Gespräche mit den Gästen einzulassen. Sie sollen sich nicht mit Namen vorstellen und beim Servieren und Bedienen der Gäste diskret bleiben. Nun, das steht gewiss in starkem Kontrast zu vielen Restaurants, wo die Kellner einen mit „Hallo, ich bin Soundso, ich bin heute für euch da“ begrüßen. Manche tragen sogar Namensschildchen, damit man auch ganz sicher auf du und du mit ihnen ist (und manche erzählen dem Gast ihre ganze Lebensgeschichte).

Dann nahm unsere Kellnerin die Getränkebestellungen entgegen, brachte uns die Speisekarten und erklärte das besondere Tagesgericht. Sie fragte, ob wir irgendwelche Fragen zu den Gerichten auf der Speisekarte hätten. Wir sahen uns an, was angeboten wurde, erklärten es den Kindern und ermutigten Caleb, den empfindlichsten Esser von uns vieren, alles zu fragen, was er über die Zubereitung der Gerichte wissen wollte. Sie war sehr geduldig mit ihm und holte sogar Matt, den Koch, her, um eine von Calebs Fragen zu beantworten. Zuerst war es Caleb peinlich, aber bald erkannte er, dass der Koch seinem Gast sehr gerne die Zutaten erläuterte. Er war sogar bereit, ein paar kleine Änderungen vorzunehmen, damit es Caleb schmeckte.

Nachdem sie unsere Bestellungen aufgenommen hatte, nahm die Kellnerin die Suppenlöffel weg, die ganz rechts gedeckt waren, weil keiner von uns Suppe bestellt hatte. Auch die Weingläser nahm sie vom Tisch. Sie bat die Kinder, alle Messer, Gabeln und Löffel zu zählen, die jetzt noch an jedem Platz lagen. Es waren sechs. Sie sagte, dass sie sich nicht von der Anzahl oder den unterschiedlichen Formen irritieren lassen sollten. Jedes Besteckteil diente einem sinnvollen Zweck und man musste nur daran denken, mit denen zu beginnen, die am weitesten vom Teller entfernt lagen, und von außen nach innen zu gehen. Die Gabeln waren links vom Teller aufgereiht, daneben lag eine gefaltete Leinenserviette; Messer und Löffel lagen rechts.

„Fangen wir an“, sagte sie. „Zuerst faltet ihr eure Serviette auseinander und legt sie euch auf den Schoß.“ Sie zwinkerte den Kindern zu und flüsterte: „Ihr glaubt gar nicht, wie viele Erwachsene das nicht tun. Manchmal müssen wir ihnen die Serviette auf den Schoß legen.“ Kichernd kamen die Kinder ihrer Aufforderung nach.

„Nun seht ihr unter das Tuch, das diesen kleinen Silberkorb bedeckt, nehmt das Stück Brot, das ihr möchtet, und legt es auf euren Brotteller. Das ist der kleine Teller links. Dann reicht ihr den Korb weiter um den Tisch.“

Sehr ernsthaft befolgten wir alle ihre Anweisungen. Die Kinder waren gebannt. Von dieser freundlichen Frau in dem ungewohnt förmlichen Umfeld lernten sie viel mehr, als sie je zu Hause gelernt hätten!

„Jetzt nehmt ihr euer Buttermesser; das ist das kleine, das oben auf dem Brotteller liegt.“

Sowohl Caleb als auch Sophie wählten die Butter ohne „das grüne Zeug“ und fingen sofort an, sie auf dem Brot zu verstreichen.

„Richtig wäre es, die Butter erst auf den Teller zu tun und dann vor jedem Bissen ein wenig auf das Brot zu geben und nicht das ganze Brot auf einmal zu bestreichen.“

Wieder kicherten sie und begannen noch einmal neu nach ihrer Anweisung.

„Wenn ihr das Buttermesser benutzt habt, legt ihr es quer oben auf euren Brotteller.“

Sie ging fort, damit wir unser Brot und unsere Umgebung genießen konnte. Natürlich machten wir Bilder und sprachen über den schönen Raum, die frischen Blumen auf dem Tisch und darüber, wie nett unsere Kellnerin war.

Bald kamen wunderschön zusammengestellte Salate auf gekühlten Tellern, die auf unsere Platzteller gestellt wurden. Auch beim Servieren der Salate wechselte unsere Kellnerin in ihren professionellen Lehrer-/Präsentations-Modus – sie war ein Naturtalent. Aufmerksam hörten wir zu. Zuerst erklärte sie, dass der Salat manchmal nach einer Mahlzeit serviert werde und dass sie das natürlich auch machen würde, wenn ein Gast es so lieber hätte. (Ich gehöre zu den Menschen, die den Salat viel lieber zum Schluss essen.) Die meisten Restaurants, besonders die amerikanischen, servieren Salat jedoch als Erstes, während in der Küche der Hauptgang zubereitet wird.

„Nun, was denkt ihr: Welche Gabel ist für den Salat?“ Wie aus einem Mund erwiderten die Kinder: „Die äußere!“ Sie wurden mit einem überschwänglichen „Ausgezeichnet!“ belohnt. „Wenn ihr aufgegessen habt, lasst ihr diese Gabel auf eurem Salatteller liegen.“

Darauf brachte sie uns eine riesige Pfeffermühle und fragte, ob jemand frisch gemahlenen Pfeffer auf dem Salat wolle. Conlee und ich sagten Ja, aber die Kinder lehnten ab. Sie wurden jetzt mutiger, und als unsere Kellnerin den Pfeffer mahlte, fragte Caleb: „Warum machen Sie das? Wir haben doch Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch stehen.“

„Gute Frage!“, antwortete sie. „Es ist eigentlich eine alte Tradition aus der Zeit, wo Gewürze sehr teuer waren und in verschließbaren Dosen aufbewahrt und nur bei feierlichen Anlässen herausgegeben wurden. Aber dass die Kellner den Pfeffer direkt bei Tisch mahlen, stellt auch sicher, dass er ganz frisch ist. Wir füllen die Pfefferkörner jeden Tag neu auf.“

Ehrlich gesagt, aßen die Kinder nicht viel von ihren Salaten, aber sie waren respektvoll und gaben keinen einzigen Kommentar wie „Igitt, das mag ich nicht“, oder: „Ich will etwas anderes!“ von sich. Sie verhielten sich so erwachsen, wie unsere Kellnerin sie behandelte. Sie waren richtig begeistert!

Etwa als Conlee und ich unseren Salat aufgegessen hatten, mussten beide Kinder zur Toilette. Sie legten ihre Servietten auf den Tisch und kamen gerade wieder, als der Hauptgang serviert wurde. Bevor sie sich daranmachen konnten, hatte unsere Kellnerin noch eine Lektion für sie. „Wenn ihr aufsteht, bevor ihr zu Ende gegessen habt, legt ihr eure Serviette auf die Stuhllehne. Dann weiß euer Kellner, dass ihr wiederkommt. Wenn ihr aber das Restaurant verlasst, dann legt ihr die Serviette auf den Tisch.“ Hier lernten wir alle!

Nun ersetzten die Speiseteller den Platzteller, und auf dem Tisch lagen links nur noch die normale und die Dessertgabel und rechts Messer und Teelöffel. Wir hatten mit den Kindern Nachfragen eingeübt, damit sie verstanden, warum Manieren so wichtig sind. Und so kam jetzt, wieder von Caleb, die logische Frage: „Warum ist die Gabel links? Die meisten Menschen sind doch Rechtshänder.“

Die Kellnerin erklärte, es sei seit über einhundertfünfzig Jahren Tradition, auf dem fein gedeckten Tisch das Besteck in dieser Weise aufzulegen. Ursprünglich hielt die rechte Hand das Messer zum Schneiden und die linke Hand die Gabel. Dann führte man mit der Gabel in der linken Hand das geschnittene Essen zum Mund. Eigentlich sind es nur Amerikaner, die heute die Gabel zum Essen wieder in die rechte Hand wechseln. In den meisten anderen Ländern wird die Gabel immer noch während der ganzen Mahlzeit in der linken Hand gehalten. Beide Kinder waren sich einig: „Das ist auch sinnvoller!“

„Darf ich Ihnen sonst noch etwas bringen?“, fragte die Kellnerin.

„Nein, danke“, antwortete Conlee, „es sieht wunderbar aus. Jetzt wollen wir Gott danken und das Essen dann genießen.“

„Guten Appetit!“, sagte sie und ließ uns allein, sodass wir uns die Hände reichen und Gott für unser gutes Essen danken konnten. Als offenbar jeder fertig war, kam sie wieder und erklärte, dass das benutzte Messer und die Gabel parallel zueinander auf den Teller gelegt werden sollten. Das ist das Zeichen für den Kellner, dass der Teller abgeräumt werden kann. Sie sagte, man würde keinen Teller abräumen, bevor nicht alle am Tisch aufgegessen haben. Auf diese Weise muss sich niemand angetrieben und gehetzt fühlen.

Schließlich blieb nur noch eine Gabel übrig, und wofür diese war, wussten die Kinder – für das buchstäbliche Sahnehäubchen der Mahlzeit. Sie sahen die Dessertkarte durch und bekamen alles erklärt, aber sie konnten sich nicht entscheiden. Unsere Kellnerin schlug vor, dass Matt, der Koch, ihnen einen Musterteller zusammenstellte, sodass sie von den beliebtesten Desserts auf der Karte jeweils ein bisschen probieren konnten. Der Teller sah sehr ansprechend aus und sie waren rundum zufrieden.

An diesem Tag gab es nur ein einfaches Abendessen, weil wir mittags ein solches Festmahl zu uns genommen hatten. Aber Caleb und Sophie wollten unbedingt anwenden, was sie über das feine Essen gelernt hatten. Sorgfältig deckten sie den Tisch, wobei ihnen ein Anleitungsblatt, das ich ihnen gab, half, und zeigten mustergültige Manieren (wenigstens für diesen einen Abend!).

Die Belohnungen

Kinder lieben Belohnungen!

Ich erinnere mich, wie vor vielen Jahren einer meiner Söhne (ich sage nicht, welcher), damals im Grundschulalter, einen Sommer-Schnupperkurs Golfspielen belegte. Wir Mütter mussten die Löcher abgehen und die Punkte für unser eigenes Kind aufschreiben. Wir hatten die Aufgabe, bei jedem Loch für jeden Schlag, den unser Kind ausführte, einen Strich auf den Notizblock zu machen. Am Ende des Sommers wurden die Punktestände ermittelt und im Rahmen eines Hamburger-Awards-Dinners Preise verliehen. Leider hatte mein Kind so viele Schläge gebraucht, dass der ganze Notizblock voll war! Ich fürchtete, dass er sehr enttäuscht sein würde, wenn er überhaupt keine Auszeichnung bekäme.

Dennoch gingen wir als ganze Familie zu dem Festabend. Nachdem all die Erster-Platz-, Zweiter-Platz-, Dritter-Platz-, Ehren- und anderen besonderen Auszeichnungen verliehen worden waren, wurde auch unser Sohn nach vorn gerufen. Er bekam einen Preis für die „größte Leistungssteigerung“. Er war ganz aus dem Häuschen vor Freude! Diesen Pokal haben wir immer noch, nachdem er jahrelang stolz in seinem Zimmer präsentiert worden war. Er hatte sein Bestes gegeben!

Wir beschlossen, Sophie und Caleb jeden Abend beim Essen für irgendetwas kleine Belohnungen zu geben und dass wir an ihrem letzten Abend ein besonderes Festessen mit Preisverleihung machen würden. Ich hatte von Konferenz-Namensschildern einige Schlüsselbänder übrig. Daran befestigte ich extragroße Sicherheitsnadeln. In Bastelgeschäften fand ich kleine Anhänger, die alle möglichen Tiere, Tätigkeiten, christlichen Symbole, Sportarten usw. darstellten. Jeden Abend sprach Conlee einiges an, wobei sich die Kinder an dem Tag christusähnlich verhalten hatten, und als Symbol dafür bekamen sie Anhänger für ihre Sicherheitsnadeln. Er lobte sie für Dinge wie Dankesagen oder Warten, bis sie dran waren, ohne zu schubsen, oder für Gehorsam gegenüber Mimi und Papa. Auch für Schwimmleistungen bekamen sie Anhänger, wenn sie z.B. mit einmal Luftholen ganz durch den Pool schwimmen konnten, oder dass sie nicht um den Pool herum gerannt waren oder von selber daran gedacht hatten, sich mit Sonnenschutz einzucremen.

All so etwas wurde mit einem Anhänger belohnt, und ihre Ketten machten sie so stolz, als wären es Oscars. Sie wurden im Esszimmer in einer besonderen Schale aufbewahrt, und bald war es ein Ritual, sie jeden Abend beim Abendessen zu tragen.

Für unseren letzten gemeinsamen Abend, bevor die Kinder von ihren Eltern abgeholt werden würden, planten wir eine große Preisverleihungszeremonie. Auf die Frage, was sie dabei essen wollten, riefen beide laut: „Steak!“ Deshalb gab es seitdem bei jedem Last Night Awards Dinner Steak zu essen. Traditionen entstanden. Wir sprachen über alles, was wir während der Woche getan hatten, sagten, was uns persönlich am besten gefallen hatte, es wurde viel gelacht und Conlee und ich mussten versprechen, dass es im nächsten Jahr wieder ein Camp Mimi geben würde.

Die Aktivitäten

In jenem ersten Sommer war Karaoke sehr beliebt, und ein besonderes Geschenk, das wir für Camp Mimi kauften, war die Kinderversion einer Karaokemaschine. Dazu gehörte ein Mikrofon mit Ständer, Lautsprecher und sogar ein Schalter, mit dem man frenetischen Beifall abspielen konnte. Jeden Abend nach dem Abendessen gab es eine „Talent“-Show, und danach kuschelten sich alle, gebadet und im Schlafanzug, in die Kissen und bekamen ein Buch vorgelesen. In jenem Sommer lasen wir Das Geheimnis der Höhle am Löwenfels6 von Elizabeth Goudge und ausgewählte Kurzgeschichten von Hans Christian Andersen.7

Außer dem Ausflug zu The Pillars unternahmen wir zwei weitere Exkursionen während des Camp Mimi, die beide ein großer Erfolg waren. An einem Nachmittag fuhren wir hinüber nach Pensacola in Florida und besuchten das National Naval Aviation Museum (ein Luftfahrtmuseum mit dem Schwerpunkt Marinefliegerei). Dort können Kinder so tun, als wären sie Piloten, in Cockpits klettern und mit der Kunstflugstaffel The Blue Angels „fliegen“. Es gibt auch eine sehr beliebte Modell-Kleinstadt, an der man sehen kann, wie es in Amerika in den 1940er-Jahren und während des Zweiten Weltkriegs aussah. Es ist ein tolles Museum – und der Eintritt ist frei!

Außerdem besuchten wir auch die Bellingrath Gardens in Mobile. Hier konnten die Kinder stundenlang über Pfade laufen, die sich durch herrlichste Blumen entlang des Fowl River, durch eine Marsch und um einen See herum schlängelten.

Beide Ausflüge machten ihnen so viel Spaß, dass auch sie zu einer Tradition wurden, die in jedem Sommer unbedingt dazugehörten.

Das erste Camp Mimi wurde von Tag zu Tag, manchmal von Stunde zu Stunde geplant. Es war eine gewaltige Hilfe, dass Conlee eine Woche Urlaub nahm, in der er nicht Pastor, sondern nur Papa war. In den folgenden Jahren wurde dies zur Priorität für eine seiner Urlaubswochen.

Als die Eltern in diesem ersten Jahr kamen und ihre Kinder abholten, verabschiedeten wir uns unter dem Eindruck, eine tolle Erfahrung gemacht zu haben. Wir waren aber nicht sicher, ob sie sich je wiederholen ließe.

Gemäß unserer Familientradition, mit jedem sechsjährigen Enkelkind in der Woche nach Thanksgiving zu Disney Land zu fahren, waren in diesem Herbst Sophie und Caleb dran. Sophie war gerade sechs geworden, und Caleb stand kurz vor seinem Geburtstag, sodass wir beschlossen, mit beiden gemeinsam zu fahren.

Wir hatten eine wunderbare Zeit im Magic Kingdom, aber fast jeden Tag wurde am meisten über das Camp Mimi im nächsten Sommer gesprochen. Bei unserer Rückfahrt war es schon beschlossene Sache: Im nächsten Sommer würde es für jedes BodishBabe, das dabei sein wollte, ein Camp Mimi geben.

Wie sich herausstellte, wollten alle sieben kommen. Also dann –!

Camp Mimi 2

Um die Welt

Kinder sind unbeständig: Sie können sich heute für etwas begeistern, was sie schon morgen nur noch mäßig interessiert. Das sehe ich ganz realistisch. Obwohl die BodishBabes direkt nach dem ersten Camp Mimi voller Begeisterung vom nächsten redeten, sogar noch in Disney World, dachten Conlee und ich deshalb weiterhin, dass es möglicherweise ein einmaliges Ereignis gewesen war, wenn auch ein großartiges. Wir waren absolut bereit, es im nächsten Sommer zu wiederholen, aber wir wollten nichts forcieren.

Zu Weihnachten jedoch sprachen die Cousins und Cousinen noch mehr darüber. Alle waren mit von der Partie. Die Eltern mussten eine logistische Meisterleistung vollbringen, um eine Woche zu finden, in der sie ihre Kinder von Arkansas und Texas nach Mobile in Alabama bringen konnten, und die älteren Kinder hatten für den Sommer schon jetzt viele Termine. Aber Camp Mimi wurde zu einer Priorität, und wir legten ein Datum im Juli fest. Ständig fragten mich die Kinder am Telefon oder bei unseren Besuchen: „Weißt du schon das Thema?“ Für den einwöchigen Besuch von sieben BodishBabes musste ich super organisiert, gut vorbereitet und ausgeruht sein, das war mir klar. Bis Ostern hatte ich jedes Detail der Aktivitäten geplant und freute mich von Tag zu Tag mehr.

Um die Spannung zu erhöhen, beschlossen wir, das Thema erst am Eröffnungstag zu enthüllen. Wir erklärten auch, dass Camp Mimi nicht offiziell beginnen würde, bevor nicht alle Eltern weg waren. Es war nur für die BodishBabes. Dies war ihre exklusive Zeit.

Als die Eltern ihre Kinder brachten, schliefen sie die Nacht vor der langen Rückfahrt bei uns, frühstückten noch, blieben über einer Tasse Kaffee sitzen … Die Kinder konnten es fast nicht aushalten. Die Spannung stieg. Ständig fragte ein Kind Vater oder Mutter: „Wann seid ihr endlich weg?“

Schließlich fuhren die Eltern heim und wir versammelten uns um unseren großen Esszimmertisch aus Glas, der jetzt offiziell „Camp-Mimi-Tisch“ hieß. Interessanterweise wurden die Plätze, die die Kinder an diesem ersten Morgen einnahmen, für viele Jahre zu ihren Stammplätzen.

Conlee und Jake (knapp ein Jahr alt) saßen an einem Ende. Jake liebte es, in seinem Hochstuhl höher zu sitzen als alle anderen am Tisch. Ich besetzte das andere Tischende mit meinen ganzen Unterlagen für die Woche. Ich hatte einen großen Ordner voller Notizen, Hand-outs, Zeitplänen, Essensplänen und Projektideen.

Zu meiner Linken saßen Alex (14), Caleb (6) und Anna (4), rechts von mir Macy (12), Sophie (6) und Edie (4). Alle Augen waren auf mich gerichtet – in Erwartung der großen Enthüllung.

Ich nahm mir Zeit, und um die Situation möglichst auszukosten, brachte ich eine große Kerze in einem Glas her. Ich hatte zwei Etiketten gedruckt, die ich nun auf die Seiten klebte. Auf dem einen stand „Camp Mimi 2006“. Auf der anderen Seite war unser Thema aufgedruckt: „Um die Welt“. Als Älteste durfte Alex die Kerze anzünden und erklären, dass Camp Mimi jetzt offiziell eröffnet war. (In jedem Jahr war es ihnen sehr wichtig, wer die Thema-Kerze täglich anzünden und wer sie ausblasen durfte!)

Jedes Kind bekam einen Schnellhefter, der in einer Einstecktasche auf der Vorderseite unser offizielles Camp-Mimi-Logo, das Thema und Jahr und sein eigenes Bild zeigte. Diese Mappen sollten sie verwenden, um all ihre Info- und Arbeitsblätter zu organisieren und ordentlich aufzuheben. Die erste Seite, die ausgeteilt wurde, waren die Camp-Mimi-Regeln, die jeder, der konnte, laut vorlas.

Ich gab auch jedem Kind eine klare Plastikbox, groß genug, um die Mappe und andere Dinge aufzunehmen, die sie während der Woche sammeln würden. Auf diese Weise würde alles ordentlich und aus den Augen sein, wenn es gerade nicht verwendet wurde. Die erste Aufgabe bestand im Dekorieren ihrer Boxen, die dadurch Unikate wurden. Die Kinder bekamen Figuren und Buchstaben aus Aufkleber-Filz und Plastik, mit denen sie sich kreativ betätigen konnten. Bald sah es aus wie im Bastelunterricht, jeder arbeitete konzentriert daran, eine gewöhnliche Plastikvorratsbox zu einer Schatzkiste umzugestalten.

Als unser Kunstprojekt beendet und alle Boxen von allen bewundert worden waren, war es Zeit für einen Snack. Diese regelmäßige Pause am Vormittag entpuppte sich als überaus beliebt. Wir versuchten die Kinder bei allen Mahlzeiten gesund zu ernähren, aber die Snackzeit warf alle Regeln über den Haufen, da gab es einfach Chips und Süßigkeiten. Sie liebten es! Trinkpäckchen waren perfekt für kleckerfreien Saftgenuss und mit einer großen Schüssel voll von allen möglichen einzeln verpackten Keksen, Süßigkeiten und Mini-Chipsportionen konnten wir jedem Kind etwas anbieten, was es mochte.

Nach der Snackzeit setzten wir uns für die erste Lektion wieder an den Tisch. Ich stellte einen großen Behälter mit Buntstiften in die Mitte auf den Tisch und erklärte, dass wir uns jeden Tag mit einem Land befassen würden, welches Papa und ich besucht hatten oder das wir gerne besuchen würden. Wir würden etwas über Bräuche dieser Länder lernen, typisches Essen, typische Kleidung und auch kurzweilige Fakten. Wir würden „um die Welt“ reisen.

Kontinente der Welt

Unser erstes Infoblatt zeigte die Kontinente der Welt. Alex brachte uns einen Rap bei, den sie für die Schule geschrieben hatte, um sich die sieben Erdteile zu merken:

Nordamerika, Südamerika, Europa dazu.

Afrika, Asien und Australien – puh!

Vergiss nicht Antarktis, da gibt’s ’n kalten Bauch.

Sieben Kontinente: Jetzt kennst du sie auch!

Wir ließen die Kinder Nordamerika grün anmalen, Südamerika rot, Europa orange, Afrika gelb, Asien violett, Australien dunkel- und die Antarktis hellblau. Es zeigte sich, dass Buntmalen eine ihrer liebsten Aktivitäten war. Wenn ihre Hände damit beschäftigt waren, ein passendes Bild bunt zu malen, konzentrierten sie sich richtig auf eine Lektion oder eine Geschichte.1

Ich hatte Fimo in verschiedenen Farben gekauft, und wir kneteten jeden Tag einige Anhänger, die etwas über das Land, das wir besuchen würden, symbolisierten. Fimo lässt sich leicht modellieren und dann im Ofen backen und anmalen. Ich hatte auch ein paar gekaufte Anhänger, die wir nehmen konnten, wenn jemand mit dem Modellieren nicht klarkam. Abends verlieh Conlee die Anhänger als Preis. Sie wurden dann auf ihre Ketten aus geflochtenem Garn aufgefädelt. Sie liebten es, diese Anhänger zu sammeln, und freuten sich darauf, sie jeden Abend nach dem Essen zu präsentieren. Conlee rief jedes Kind einzeln vor und lobte es für Verhalten oder Eigenschaften, die es an dem Tag gezeigt hatte und die Gott gefielen. Sie bewahrten ihre Ketten in ihren Schatzkisten auf und trugen sie jeden Abend beim Abendessen.

Bei der Planung der Zeitabläufe (bei sieben Kindern unbedingt nötig!) beschlossen Conlee und ich, dass das Lernen und die Projekte des Morgens am besten von einer Zeit im Freien mit Schwimmen und Mittagessen im Badezeug am Pool abgelöst würden. Das vereinfachte das Aufräumen und Säubern, sowohl drinnen als auch draußen, sehr. Während ich ein einfaches Mittagessen zubereitete, ging Conlee mit den Kindern schwimmen. Alex und Macy organisierten Spiele und Wettbewerbe und alle halfen mit, dem kleinen Jake Unterwasserschwimmen beizubringen. Bald war es eine Routine und alle mochten die Vertrautheit dieser Abläufe in dem Wissen, dass es später immer wieder Überraschungen geben würde.

Nach dem Mittagessen stand die Open-Air-Dusche an, danach eine Ruhezeit. Mindestens fünf der sieben Kinder schliefen, aber Lesen war auch erlaubt. Wahrscheinlich profitierte ich mehr als alle anderen von der Ruhezeit! Nach dem Ausruhen waren alle bereit, noch einmal schwimmen zu gehen (wenn wir nicht gerade einen Ausflug machten). Jakes Laufstall wurde in der Nähe des Pools in den Schatten gestellt, und jedes Kind setzte sich dann und wann einmal zu ihm, damit er sich nicht vernachlässigt fühlte. Seine Schwimmkünste wurden täglich besser, und in nur wenigen Tagen konnte er unter Wasser einmal quer durch das Becken schwimmen. Besonders beliebt war Stieleis am Pool. Mit dem Gartenschlauch ließen sich die klebrigen Rückstände von solchen Süßigkeiten leicht wieder saubermachen.

Vor dem Schlafengehen lasen wir auf vielfachen Wunsch wieder jeden Abend Märchen von Hans Christian Andersen vor.

Tag 1 – Ruanda