111 Orte In Florenz und im Norden der Toskana, die man gesehen haben muss - Beate C. Kirchner - ebook

111 Orte In Florenz und im Norden der Toskana, die man gesehen haben muss ebook

Beate C. Kirchner

0,0

Opis

Die Domkuppel in Florenz, der Schiefe Turm von Pisa und sanfte Hügel, auf denen Zypressen Spalier stehen, gehören zum Pflichtprogramm. Doch die Kulturlandschaft der Renaissance-Stadt und die Natur der umliegenden Toskana sind unerschöpflich. Das Buch führt Sie zu 111 Details der bewegten Historie und zu spannenden Geschichten an überraschenden Orten. Wo gibt es 1.000 Objekte für freimaurerische Symbolik? Wo findet die offizielle Meisterschaft im Käsewerfen statt? Wo wird dem Attentäter des Königs ein Denkmal gewidmet, und wo kann man einen doppelten Sonnenaufgang sehen?

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 218

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Emons Verlag GmbH // 2015 Alle Rechte vorbehalten Texte: Beate C. Kirchner © alle Fotografien: Francesco P. Carbone Gestaltung: Emons Verlag Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL ISBN 978-3-86358-918-9 E-Book der gleichnamigen Originalausgabe erschienen im Emons Verlag

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de

Inhalt

Vorwort

1_Der Monte Giovi | AconeGipfeltreffen

2_Der alte Frankenweg | AltopascioAuf Pilgerpfaden

3_Das antike Hospital | AltopascioEmergency Room im Mittelalter

4_Das Hostel Antico Spedale | Bagno a RipoliPilger des dritten Jahrtausends

5_Santa Caterina delle Ruote | Bagno a RipoliFresken-Rausch

6_Der Walfischknochen | Barberino di MugelloAls das Mugello ein Meer war

7_Die Inschrift am Dom | BargaEin Mysterium

8_Die Burg Calenzano Alto | Calenzano AltoKleine Festung mit Miniatursoldaten

9_Die Autobahnkirche | Campi BisenzioRaststätte der Bewegung

10_Die Einsiedelei San Viano | CampocatinoDie schönste Alm der Toskana

11_Das Denkmal für Bresci | CarraraEin Attentäter als Held

12_Der Marmor-Bildhauer | CarraraFreiluft-Atelier von Mario Del Sarto

13_Die Via Carriona | CarraraAntike versus Zeitgeist

14_Das Wandbild | CarraraZu Ehren der Rebellin

15_Die Padule von Fucecchio | CastelmartiniItaliens größtes Sumpfgebiet

16_Der Forno Giotto | ChiesanuovaDie beste Schiacciata

17_Die romanische Kirche | CodiponteKultort zu Römerzeiten

18_Die Casa Villa Carlo Pepi | CrespinaDon Quixote der Kunst

19_Das ehemalige Salzlager | EmpoliRotes Haus mit grünen Flaschen

20_Die Fattoria di Maiano | FiesoleDer romantische Park der Königin

21_Naturalmente Lunigiana | FilattieraDer Käse von der glücklichen Kuh

22_Die Antica Farmacia Münstermann | FlorenzPionier der Homöopathie

23_Der Arno und sein Tal | FlorenzAdam und Eva am Bahnhof

24_Das Atelier Villoresi | FlorenzOrientalische Düfte am Arno

25_Die Bar Marisa | FlorenzAlé Viola!

26_Die Boutique della Pasta Fresca | FlorenzNudelparadies

27_Die Brancacci-Kapelle | FlorenzMasaccios Geheimnis

28_Die Bruderschaft der Barmherzigkeit | FlorenzKeine Angst vorm Kapuzenmann

29_Das Brunnenhaus | FlorenzWunderkammer der komischen Oper

30_Die »Buchette del vino« | FlorenzStraßenverkauf im 16. Jahrhundert

31_Das Denkmal des Inders | FlorenzDes Maharadschas Totenfeier

32_Die Ecke der Bischeri | FlorenzImmobilienspekulation in Zeiten des Dombaus

33_Der Garten der Vivarelli Colonna | FlorenzPicknick mit Orpheus

34_Das Gesicht von Michelangelo | FlorenzDer Aufdringliche

35_Die Hochwassermarken | FlorenzLand unter!

36_Das Hotel Granduomo | FlorenzAuf Tuchfühlung mit dem Dom

37_Der Karfreitag | FlorenzHalleluja!

38_Der Kopf des Perseus | FlorenzAlter Ego

39_Der Kreuzgang des Barfüßigen | FlorenzDas stille Fresko

40_Die Kunstdruckerei | FlorenzIl Bisonte – Die Kraft des Bisons

41_Die Loggia del Bigallo | FlorenzDas zornige Pferd

42_Der »Marzocco« | FlorenzDer Löwe mit dem Lilienschild

43_Das Medici-Wappen | FlorenzFünf rote und eine blaue Kugel

44_Das Militärgeographische Institut | FlorenzDie Inselwelt um 1500

45_Die »Mosaici di Lastrucci« | FlorenzSteinchen an Steinchen

46_Das Museum für Freimaurer-Symbolik | FlorenzSchürzenbrüder

47_Das Observatorium | FlorenzDie Sterne über San Lorenzo

48_Die Piazza della Passera | FlorenzWo einst die Freudenhäuser standen

49_Der Polyphem | FlorenzDer Gigant im Philosophengarten

50_Das Restaurant In Fabbrica | FlorenzMit Hammer und Sichel

51_Das Roster-Gewächshaus | FlorenzKristallpalast mit Geschichte

52_Die Kirche San Leonardo | FlorenzDantes Kanzel

53_Der skandalträchtige Stein | FlorenzSchaulustige im Mittelalter

54_Der Storchen-Saal | FlorenzSymbiose von Kunst und Wissenschaft

55_Die Straßenschilder | FlorenzClet Abraham lässt Engel sprechen

56_Das Studio d'Arte Valkama | FlorenzDie Fresken-Restaurateurin

57_Der Tabernakel | FlorenzGeorg und der Drache

58_Das Teufelchen | FlorenzMissverständlicher Mythos

59_Der Turm der Santa Maria Maggiore | FlorenzVon oben guckt jemand: die Berta!

60_Der umgekehrte Balkon | FlorenzDie Tücken der Bürokratie zu Zeiten der Medici

61_Der Vasari-Korridor | FlorenzPanoramafenster für Hitler

62_Die Villa Broggi-Caraceni | FlorenzArt nouveau in der Renaissance-Stadt

63_Die Villa Castello | FlorenzWer die Spreu vom Weizen trennt

64_Die Villa Favard | FlorenzWolkenkratzer der Botanik

65_Die Villa Fontallerta | FlorenzDie Leichtigkeit des Seins

66_Die Werke Folons | Florenz… noch einen Koffer in Florenz

67_Die Werkstatt für Hammerklaviere | FlorenzDie Tastatur-Chirurginnen

68_Das große Käsewerfen | GallicanoSchäfer-Sport der Antike

69_Das Heldendenkmal | Gavinana»Feigling, du tötest einen Toten«

70_Die schwarze Salami | GiustagnanaDer »Brunello« unter den Würsten

71_Das Castello dell'Aquila | GragnolaDie Ritterburg

72_Das Feenhäuschen | GrassinaWo die Nymphen tanzten

73_Das Fest der Weinernte | ImprunetaKarneval im Chianti

74_Der Terrakotta-Künstler | ImprunetaWie der letzte Etrusker

75_Die Villa Caruso | Lastra a SignaDie Liebe des »größten Tenors aller Zeiten«

76_La Ghiacciaia della Madonnina | Le PiastreFrühindustrieller Gefrierschrank

77_Jhonny Paranza | LivornoHeiß frittiert

78_Der Ostricaio | LivornoAuf der Mauer

79_Die Riesenzisterne | LivornoEin halbes Thermalbad

80_Die Synagoge | LivornoAlienaugen in Beton

81_Die Torteria »Da Gagarin« | Livorno»Fünf und fünf« mit Auberginen

82_La Venezia | Livorno»ein einfaches und glückliches Leben« …

83_Der Bootshafen | Marina di PisaMeer, Land, Fluss

84_Der Reiterhof Equiluna | Moncigoli di FivizzanoAlpenpanorama im Pferdeparadies

85_Das Theater | MontecarloMailänder Scala in Miniatur

86_Die Villa Varramista | Montopoli in Val d'ArnoBei der Familie Piaggio

87_Das Dorf Tiziano Terzanis | OrsignaDer Baum mit den Augen

88_Die Cantine Basile | PietrasantaWein vom Meer

89_Das Labyrinth | PisaVerwirrung für Freund und Feind

90_Die Kirche Santo Stefano dei Cavalieri | PisaDas Bildnis von Mohammeds Schwert in Gottes Haus

91_Der Agriturismo Le Dogane | PiteglioWo der Wildbach rauscht

92_Die Turmhäuser | PonticelloDrei-Zimmer-Wohnung im 14. Jahrhundert

93_Santissima Annunziata | PontremoliDer Marmortempel in der Kirche

94_Das Deportationsmuseum | Prato29 Märtyrer

95_Die Schleuse | PratoGenialer Generator für die Industrie

96_Der Monte Forato | Pruno di StazzemaDes Teufels Ohrfeige

97_Das Schloss von Sonnino | QuercianellaAus der Sicht des Außenministers

98_Die Mühle Margheri | RontaDie Mühle am rauschenden Bach

99_Die weißen Strände | Rosignano SolvayKaribikflair mit Karbonat

100_Der verrückte Wagen | Rufina1.400 »fiaschi« und doch kein Fiasko

101_Die Villa Montepaldi | San Casciano Val di PesaWein mit Universitätsniveau

102_Die Sammlung Cerratelli | San Giuliano TermeDes Schneiders alte Kleider

103_Die Hängebrücke | San Marcello PistoieseAdrenalinschub in 40 Metern Höhe

104_Die Metzgerei Casci | San Pietro in CampoAlles für die Sau

105_Die Festung | San RomanoWie ein Fisch

106_Das Puppenmuseum | Santa Agata im MugelloVom Pfarrer bis Pinocchio

107_Das Restaurant »Il Fiore« | ScandicciBistecca alla Fiorentina – das Original!

108_Der Wehrturm | Serravalle PistoieseMeisterliche Militärarchitektur

109_Das Oratorium der Vannella | Settignano30 Zypressen neben Botticellis Madonna

110_Die Straße des 92. Bataillons | SommocoloniaDas Drama des John Fox

111_Das alte Gefängnis | VicopisanoFünf Jahrhunderte Knast-Graffiti

Bildteil

Übersichtskarten

Vorwort

Klassische Kunststädte, malerische Zypressen-Alleen, großartige Pasta-Gerichte und vollmundigen Chianti auf dem Tisch – so kennen und lieben viele ihren Urlaub in der Toskana. Und so schön ist es wirklich fast überall! Doch wer vermutet dort schon eine Alm, die auf 1.000 Metern am Felsen klebt? Oder das größte Sumpfgebiet Italiens? Oder wer kennt die kitschig-weißen »Karibik-Strände«?

Das Buch führt zu 111 überraschenden Orten der Natur und Kunst, der bewegten Historie mit skurrilen Geschichten sowie zu kuriosen Persönlichkeiten. In das Dorf Gallicano, wo die offizielle Meisterschaft im Käsewerfen stattfindet. Oder nach Vicopisano zu Gefängnis-Graffiti aus fünf Jahrhunderten.

Und zu Orten, die einst die Schlagzeilen der Klatschpresse füllten: In der Villa Varramsita lebten und liebten Sprösslinge der Fiat-Familie Agnelli und der Familie Piaggio, der Urväter des Kultrollers Vespa.

Und zu kuriosen Details, an denen selbst die Einheimischen vorbeispazieren. Wer kennt schon in den Straßen von Florenz die »Buchette del vino«, die ersten Straßenschenken aus dem Mittelalter? Oder wer hat schon gehört, dass sich am Mercato San Lorenzo die älteste Wetterwarte der Stadt befindet? Und wer weiß in Pisa, dass Piratenfahnen die Kirche Santo Stefano dei Cavalieri schmücken?

Das Buch lädt auch ein, hochrangige Kunstwerke abseits der gängigen Routen zu entdecken: In den Hügeln von Florenz überrascht in der kleinen Kirche San Leonardo in Arcetri eine marmorne Kanzel, von der einst Dante seine Reden hielt, und in Settignano ist eine Madonna von Botticelli, dem Schöpfer der »Geburt der Venus«, zu bewundern – ganz ungestört.

Und es geht an Orte, wo Einheimische die Klassiker ihrer Küche genießen oder kaum bekannte Spezialitäten herstellen wie die »Schwarze Salami« in Giustagnana. Und nach Pietrasanta, wo ein Wein ein wenig nach Meer schmeckt.

Acone
Zum Vollbild

1_Der Monte Giovi

Gipfeltreffen

weiter

Rebellen bildeten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Gipfel des Monte Giovi Partisanen-Brigaden, um gegen die Besetzung durch die Deutschen Widerstand zu leisten. Die strategische Position auf knapp 1.000 Metern Höhe und die Nähe zu Florenz waren für den Standort entscheidend, Freiwillige aus dem Mugello, Florenz und der Umgebung kamen. Die Widerstandskämpfer wurden in den Dörfern der Umgebung willkommen geheißen. Ganze Dörfer, etwa Acone, boten den Partisanen spontan Unterkunft an, die Widerstandskämpfer retteten im Gegenzug die Ernten der Bauern.

Zur Erinnerung an die Gründung der Brigaden wurde ein Denkmal errichtet, eine Pyramide aus Stein, die einmal im Jahr mit der italienischen Fahne geschmückt wird. Seit 1949 wird am zweiten Wochenende im Juli hier oben auf dem Berg ein Gedenkfest veranstaltet. Oft zelten die jungen Leute über das Wochenende, es wird getanzt, gegessen und getrunken.

Info

Adresse Via Palagio in Colognole 74, 50065 Pontassieve | Anfahrt von Florenz auf der SS 67 Richtung Pontassieve, dann weiter Richtung Rufina und weiter nach Scopertina, von dort die Abzweigung nach Colognole nehmen und links am Sieve entlang bis zum Schild »La Bottega di Monte Giovi«, dort abbiegen, die letzten drei Kilometer sind nicht asphaltiert | Tipp Viele schöne Wanderwege »auf den Spuren der Partisanen«, etwa CAI 11 (8,5 Kilometer bis zum Denkmal der Partisanen), www.cai.it.

Aber auch an allen anderen Tagen ist dies ein bemerkenswerter Ort. Vom Gipfel blickt man auf der einen Seite in das Tal des Sieve, auf der anderen Seite ins grüne Mugello. Es gibt einen kleinen See, der im Sommer Erfrischung bietet. Die Fische aus dem See landen nicht selten auf den Tellern der Berghütte »Bottega di Monte Giovi«, wo sie auf »Hausmannsart« zubereitet werden. Ebenso wie das Wildschwein, das von den Jägern aus der Umgebung geliefert wird. Die Pilze für das Risotto kommen auch von den waldigen Hügeln nebenan. Die »Tortelli di patate mugellari« sind eine Spezialität der Gegend.

In der Hütte ist alles einfach, alles ursprünglich, alles gut. Von der Terrasse aus blickt man ins grüne Tal. Wer übernachten will, kann eines der sechs Zimmer günstig mieten, wer mit dem Pferd kommt, findet auch für sein Tierchen eine Unterkunft im Stall. Die Hütte ist jeden Tag geöffnet, das Wirtsehepaar ist eigentlich schon in Rente und gerne hier, es ist ja auch schön!

In der Nähe

Der verrückte Wagen (6.62 km)

Die Mühle Margheri (15.05 km)

Das Oratorium der Vannella (15.41 km)

Die Fattoria di Maiano (15.74 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Altopascio
Zum Vollbild

2_Der alte Frankenweg

Auf Pilgerpfaden

zurück

weiter

»Pilgern ist der Weg der Seele über das Labyrinth des Lebens«, hieß es, aber das Labyrinth hatte es in sich. Im Mittelalter beruhte die Kartografie auf vagen Vorstellungen, im Zentrum der Welt befand sich Jerusalem, der Ort, der der Welt Heil bringen würde. Und ein Pilger musste sich den Gefahren der Welt stellen, um dem Heil näher zu kommen. Er verließ Vertrautes und Sicheres, auf dem Weg begegneten ihm Teufel, Dämonen und Geister, die heute als Blitz, Überschwemmung oder Krankheit bezeichnet würden.

Der Frankenweg war einer der ältesten Wege vom Norden in den Süden Europas, von Canterbury nach Rom, über Frankreich, über den Großen Sankt Bernhard und durch das Aostatal, über Piacenza im Apennin und Siena in der Toskana. Er setzt sich zusammen aus dem Wegenetz der alten Fernstraßen, die Pilger auf ihrem Weg nach Rom zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus nutzten. Oft findet sich dafür auch – auf das Ziel bezogen – die Bezeichnung »Via Romea«.

Info

Adresse Via Ponticelli 249, 50054 Galleno | Anfahrt von Altopascio Richtung Fucecchio, nach dem Ortsteil Chimenti findet man rechts eine Einbuchtung mit Bäumen, zwei Bänken und einem Schild »Tratto originale della francigena« | Tipp Altopascio ist bis heute Pilgerstation, mit einem Pilgerausweis bekommt man in der Bibliothek an der Piazza Cavalieri Stempel und Zuweisung einer Unterkunft.

Die Rekonstruktion der »Via Francigena« stützt sich heute im Wesentlichen auf Angaben des Erzbischofs Sigerich von Canterbury, der im Jahre 990 nach Rom pilgerte. Und der alte Frankenweg wäre wohl völlig in Vergessenheit geraten, wenn der Europarat ihn im Jahre 1994 nicht auf Antrag der italienischen Regierung zur europäischen Kulturstraße erklärt hätte.

Vergleicht man die Quellen und die vielen Wegbeschreibungen von damals, stellt man fest, dass eine einzige »Via Francigena« nicht existiert, darauf weist auch die Beschilderung hin, wenn man einen Spaziergang auf dem einzigen bekannten Originalstück des Frankenwegs nur wenige Kilometer neben dem Ortskern von Altopascio startet. Einig sind sich die Experten, dass dieses Stück mit den großen Steinen original erhalten ist. Und der Weg führt zauberhaft durch ein Wäldchen an einer Brücke vorbei zu einer kleinen Kirche, die einen Besuch lohnt.

In der Nähe

Das antike Hospital (4.36 km)

Das Theater (8.07 km)

Die Padule von Fucecchio (10.95 km)

Die Villa Varramista (13.32 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Altopascio
Zum Vollbild

3_Das antike Hospital

Emergency Room im Mittelalter

zurück

weiter

Altopascio lag auf dem gefahrvollsten Streckenabschnitt der Frankenstraße, von Pavia nach Rom, der einzigen Nord-Süd-Verbindung des Frühmittelalters. Der Fluss Arno trat regelmäßig über die Ufer, aus der Tiefebene wurde eine Sumpfund Moorlandschaft, im Sommer drohte Malaria. Für Pilger und andere Reisende war der Glockenklang des Turms des Hospitals der einzige Orientierungspunkt nach Anbruch der Dunkelheit. Die Türe stand immer offen, Pilger bekamen Mahlzeiten mit Wein und Fleisch oder mit Brot und Wasser, je nach sozialem Status.

Dem Hospital zugehörig war der Ritterorden Sankt Jakob von Altopascio, der wahrscheinlich älteste Ritterorden Europas. Er wurde nach dem T-förmigen Kreuz auf der Kleidung auch Tau-Ritter genannt. Das Hospital war hervorragend ausgestattet, verfügte über einen medizinischen Kräutergarten und Personal, das chirurgische Eingriffe durchführen konnte.

Info

Adresse Piazza degli Ospitalieri 6, 55011 Altopascio | Anfahrt von Lucca auf der E 76 circa 20 Kilometer, von Florenz über die E 76 circa 60 Kilometer, Ausfahrt Altopascio | Tipp Das Brot von Altopascio gilt als eine besondere Spezialität, es lohnt sich, eine »focaccia« zuprobieren. Im Mai findet die »festa del pane« statt, wo man jede Menge leckere Varianten kosten kann.

Die Tau-Ritter waren barmherzig und ausgesprochen geschäftstüchtig. Sie kümmerten sich um die Erhaltung der Straßen sowie um den Brückenbau. An einem bequemen Übergang über den Fluss Arno waren nicht nur Pilger interessiert, auch Kaufleute und Hirten nahmen die Abkürzung gern in Anspruch. Die mussten allerdings dafür bezahlen, ein einträgliches Geschäft für die Tau-Ritter: Mitte des 13. Jahrhunderts war das Jakobshospital die reichste kirchliche Institution im ganzen Bistum Lucca. Der beeindruckende Komplex legt Zeugnis davon ab.

Im späten Mittelalter verlor das Hospital durch die Trockenlegung der Sümpfe an Bedeutung, wurde vorübergehend ein Landwirtschaftsbetrieb und schließlich 1773 geschlossen. Erhalten ist die Kirche San Jacopo Maggiore. Schön ist ein Spaziergang durch die alten Gemäuer und über die Piazza degli Ospitalieri. Lohnenswert ist auch das Museum mit den archäologischen Funden, das die Geschichte des Hospitals und des täglichen Lebens damals erzählt.

In der Nähe

Das Theater (4.08 km)

Der alte Frankenweg (4.36 km)

Die Padule von Fucecchio (13.09 km)

Das alte Gefängnis (14.76 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Bagno a Ripoli
Zum Vollbild

4_Das Hostel Antico Spedale

Pilger des dritten Jahrtausends

zurück

weiter

»An der alten steilen Straße, die nach Arezzo führt, bevor man an das Haus der Apparita kommt, taucht ein grandioses und strenges Gebäude auf«, so beschreibt der Historiker Guido Carocci (1851–1916) das »Antico Spedale del Bigallo«. Gegründet auf Initiative des reichen Florentiners Dioticidiede di Bonaguida del Dado, hieß der Ort früher »Fonteviva«, weil er in der Nähe der Quelle lag, aus der das Kloster seine Wasserversorgung bezog und damit die Rastsuchenden versorgte, die auf dem alten Pilgerweg unterwegs waren.

Der Name kommt von Compagnia del Bigallo, einer Bruderschaft, gegründet im 13. Jahrhundert, um den Glauben zu verteidigen. Das Wappen ist deutlich sichtbar angebracht, ein Hahn, »Gallo«, mit den Buchstaben S. M. B. (Santa Maria del Bigallo).

Info

Adresse Via del Bigallo e Apparita, 50012 Bagno a Ripoli, www.anticospedalebigallo.it | Anfahrt auf der Autobahn A1, Ausfahrt »Firenze Sud«, dort auf der SP 127 Richtung Florenz und der Beschilderung »Bagno a Ripoli« folgen, hier den braunen Schildern »Antico Spedale Bigallo« folgen, die Ortschaft durchqueren, etwa 3 Kilometer nach einer Kurve geht es links zum »Bigallo« | Öffnungszeiten 1. April–30. Sept.| Tipp Zu Fuß und mit dem Pferd werden Touren in die zauberhafte Umgebung angeboten.

Nach 1500 wurde der Komplex ein Klausur-Kloster für Nonnen, die weiterhin Kranke und Pilger beherbergten. Doch das Hospiz wurde vom Gebäude der Nonnen und dem Garten durch hohe Mauern getrennt, die heute noch sichtbar sind.

1808 wurde das Kloster von den Franzosen geschlossen und gab Bauernfamilien ein Heim. Die Gemeinde kaufte das Gebäude 1920 und beherbergte dort nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge, danach war das Ex-Kloster lange Zeit unbewohnt.

Erst in den 1990er Jahren wurde das Gebäude liebevoll restauriert und zum Hostel ausgebaut. In der Kapelle Maria del Fonte aus dem 15. Jahrhundert wurden weiße Stuckarbeiten wieder zutage gefördert sowie die Deckenmalereien. Der Blick von der Terrasse auf Florenz ist zauberhaft, die Zimmer sind bis heute schlicht, haben eine besondere, ruhige Atmosphäre.

Das »Antico Spedale del Bigallo« wartet auf die Pilger des dritten Jahrtausends, »die in eine Atmosphäre jenseits von Zeit und Raum eintauchen wollen, nahe der Natur«, so hat sich eine Kooperative von jungen Leuten, die das Hostel verwaltet, dem nachhaltigen Tourismus verschrieben.

In der Nähe

Santa Caterina delle Ruote (3.29 km)

Die Villa Favard (4.25 km)

Das Brunnenhaus (5.47 km)

Das Feenhäuschen (5.55 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Bagno a Ripoli
Zum Vollbild

5_Santa Caterina delle Ruote

Fresken-Rausch

zurück

weiter

Der Ort könnte friedlicher nicht sein: Mitten in der grünen Landschaft am Rande des Chianti-Gebiets steht die schlichte Kirche aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Idylle pur! Da kann man gut verstehen, dass die Kirche, die inzwischen entweiht ist, oft als Hochzeitslocation gebucht wird.

Öffnet man die Tür zum einstigen Gotteshaus, explodiert vor den Augen ein Feuerwerk an Farben und Bildern, ein wahrer Rausch für die Sinne. So einfach und streng das Gebäude von außen anmutet, so üppig ist das Innere der Kirche dekoriert. Die Bilder reichen flächendeckend bis in das spitze gotische Gewölbe. Die Fresken wurden vor einigen Jahren restauriert und erstrahlen seitdem wieder in leuchtenden Farben.

Info

Adresse Via Del Carota, 50012 Bagno a Ripoli | ÖPNV Bus 31, 32 vom Piazza San Marco, Haltestelle Chiantigiana 7, von dort die Straße circa 50 Meter zurückgehen in die Via Ferrero, rechts in die Piazza Bacci, von hier der Beschilderung »Santa Caterina delle Route« folgen, an den Tennisplätzen vorbei bis zum Schild »Ponte a Ema«, dann leicht rechts einbiegen bis zur Kirche (zu Fuß etwa 20 Minuten) | Öffnungszeiten nach Voranmeldung bei Roberta Tucci, Tel. +39/3355428515, Treffpunkt Bushaltestelle Chiantigiana 7 | Tipp Wunderschön durch die Landschaft spaziert man weiter auf der Via Roma zum Antico Ospedale del Bigallo (circa fünf Kilometer).

Ausführende Künstler waren der Meister von Barberino, Pietro Nelli und Spinello Aretino aus dem 14. Jahrhundert. Bei der Fülle der Bilder ist es nicht ganz einfach, sich zu orientieren: Erzählt wird die Schauergeschichte der Märtyrerin Katharina von Alexandria: Katharina wurde zur Zeit des römischen Kaisers Maxentius (306–312) in Alexandrien zum Tod verurteilt. Doch vor ihrer Hinrichtung erhielt die hochgebildete Frau Gelegenheit, sich von 50 Gelehrten bekehren zu lassen. Weil diese nicht in der Lage waren, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, sondern ganz im Gegenteil von ihr bekehrt wurden, schickte der Kaiser alle auf den Scheiterhaufen. Sie selbst sollte mit dem Folterwerkzeug des Rads zu Tode gebracht werden – daher der Name »delle route« (Räder). Vier »mit eisernen Sägen und spitzen Nägeln« gesäumte Räder sollten die Unbeirrbare zerreißen. Doch das Folterinstrument zerbrach, sie wurde mit dem Schwert enthauptet.

Vor der Kirchentür ist wieder alles friedlich. Die berühmte Familie Alberti, die einst die Kirche errichten ließ, bewohnte in der Nähe ein Landhaus mit dem Namen »Paradies der Alberti«. Vom Paradies ist ein bisschen etwas übrig geblieben.

In der Nähe

Das Feenhäuschen (2.36 km)

Das Brunnenhaus (2.58 km)

Das Hostel Antico Spedale (3.29 km)

Die Villa Favard (3.47 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Barberino di Mugello
Zum Vollbild

6_Der Walfischknochen

Als das Mugello ein Meer war

zurück

weiter

Bevor die Straße zur berühmten Medici-Villa von Cafaggiolo abgeht, lohnt an der Landstraße ein kurzer Stopp. Einst war die Post in diesem Haus untergebracht, inzwischen steht es leer. Niemand würde sich dafür interessieren, gäbe es da nicht das krumme hölzern wirkende Ding an der Mauer unter dem Dach.

Es handelt sich um einen prähistorischen Walknochen, genauer um den Zahn eines Pottwals, der über zwei Meter misst. Woher er genau stammt, ist nicht bekannt. Fest steht, dass die gesamte Region, wie auch der Großteil der Toskana, früher vom Meer überflutet war.

Info

Adresse Via Nazionale 16, 50031 Barberino di Mugello | Anfahrt von Florenz auf der Autobahn A 1 die Ausfahrt Barberino di Mugello nehmen, dann im Kreisverkehr die 3. Ausfahrt nehmen (Via del Lago), dann im Kreisverkehr die 2. Ausfahrt nehmen (Via Nazionale), dann rechts halten | Tipp In der Osteria »Girodibacco«, Via Nazionale 8, www.girodibacco.it, werden frische Pilze und das klassische florentinische T-Bone-Steak serviert.

Bis vor 30 Millionen Jahren gab es anstelle der italienischen Halbinsel nur das offene Meer, im Laufe von Millionen von Jahren formierte sich durch Ablagerungen Land. Ein kleiner Teil des Meeres wurde abgetrennt und zu einem See, der an Alpenseen erinnert, mit 200 Quadratkilometern Oberfläche. Untersuchungen der Schichtenfolge in Sedimentgesteinen im Mugello legen Zeugnis davon ab, ebenso wie ein vollständiges Walskelett, das im Museum für Mineralogie und Paläontologie in Scandicci ausgestellt ist. Der Walfischknochen stammt nach Auffassung der Forscher von einem der Wale, die hier im ehemaligen Wasserbecken des Mugello vor Millionen Jahren umherschwammen.

Das skurrile maritime Relikt prangte nicht immer am ehemaligen Posthäuschen. Auf einem Gemälde von Giusto Utens, einem italienischen Maler flämischer Herkunft, das die Medici-Villa in Cafaggiolo im Jahr 1600 darstellt, ist der Walknochen gut erkennbar auf einem der Häuser abgebildet.

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine bürgerliche Familie das Anwesen von der Königsfamilie der Savoia erwarb, wurde der Knochen entfernt und an seinem heutigen Standort platziert.

Das Wasser der Urzeiten ist längst gewichen, aber in der Nähe ist ein Stausee, der »Lago di Bilancino«, entstanden. Dort kann man sich in den heißen Sommermonaten erfrischen, Windsurfen, Kanu fahren oder segeln.

In der Nähe

Das Puppenmuseum (7.29 km)

Die Mühle Margheri (13.14 km)

Die Burg Calenzano Alto (15.21 km)

Die Schleuse (15.74 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Barga
Zum Vollbild

7_Die Inschrift am Dom

Ein Mysterium

zurück

weiter

Das Städtchen Barga liegt malerisch am Hang mitten in der ursprünglichen Garfagnana. Der romanische Dom San Christofero thront hoch über der Stadt: Weit gleitet der Blick zu allen Seiten ins Tal bis hinüber zur Bergkette mit dem Monte Forato, der an klaren Tagen aus der Ferne wie ein schlafender Riese wirkt. Der Dom wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erbaut, aus weißem Kalkstein mit einer schlichten Fassade.

Wer genau hinsieht, entdeckt rechts vom Eingangsportal eine hieroglyphenartige Inschrift. Sie besteht aus griechischen und lateinischen Buchstaben sowie anderen Zeichen. Illustre Persönlichkeiten hat die enigmatische Inschrift bereits an diesen Ort gelockt, darunter unter anderem Papst Paul III. und Kaiser Karl V., Experten und Forscher sind sich bis heute nicht einig, von wem die Zeichen stammen und was sie bedeuten.

Info

Adresse Via del Pretorio, 55051 Barga | Anfahrt von Lucca circa 45 Kilometer auf der SS 12 und SP 20 Richtung Castelnuovo Garfagnana, dann an der Kreuzung in der Ortschaft Gallicano rechts der Beschilderung nach Barga folgen | Tipp Jedes Jahr findet das Festival »Barga Jazz« statt, www.bargajazz.it.

Der Philologe Augusto Mancini kam in den 1950er Jahren etwa zu dem Schluss, es handele sich hier um einen klaren Bezug zur Dreifaltigkeit. Eine Epigrafikerin ist hingegen überzeugt, dass die korrekte Transkription »Mi-cha-el«, in Anlehnung an den Erzengel Michael, heißen müsse, der im Kampf zwischen Gut und Böse steht. Wieder andere Wissenschaftler erkennen Schriftzüge aus dem Arabischen. Eine weitere Meinung lautet, die Schrift hätte Papst Alexander II. bei der Weihe persönlich angebracht. Oder es sollten gar die Fratelli Comacini gewesen sein, der Zusammenschluss der Bauhandwerker aus dem lombardischen Raum, die angeblich später in den Freimaurern aufgingen, was wiederum andere vehement bestreiten. Viele Kirchen wurden immerhin von den kunstfertigen Bauleuten aus der Gegend um den Comer See errichtet.

Und exakt dieselbe Schrift ist auch am Eingang zum Baptisterium in Pisa auf der linken Seite des Eingangs zu finden sowie an der Kirche San Frediano in Pisa links vom Eingangsportal – die Nachricht bleibt jedoch ein Mysterium.

In der Nähe

Die Straße des 92. Bataillons (2.3 km)

Die Metzgerei Casci (2.48 km)

Das große Käsewerfen (3.78 km)

Die Festung (15.32 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Calenzano Alto
Zum Vollbild

8_Die Burg Calenzano Alto

Kleine Festung mit Miniatursoldaten

zurück

weiter

Wer von Florenz Richtung Calenzano fährt, möchte meist zum Discounter oder Designerkleider im Outlet kaufen. Große Hallen und sperrige Betonbauten prägen das Bild der Gegend. Doch nur ein paar Kilometer die Hügel hinauf Richtung Norden führt eine Zeitreise direkt ins Mittelalter.

Bis heute ist Calenzano Alto von einer historischen Mauer umschlossen. In alle vier Himmelsrichtungen kann man von oben ins Tal blicken: Das Städtchen, das eigentlich eine Burg ist, ist eine typische ehemalige Befestigungsanlage in den Hügeln.

Info

Adresse Via del Castello 7, 50041 Calenzano Alto | Anfahrt A 1, Ausfahrt Calenzano-Sesto Fiorentino, dann Richtung Calenzano/Sesto Fiorentino, leicht links, dann im Kreisverkehr erste Ausfahrt Via Vittoria Emanuele, dann rechts Via del Garille,dann Kreisverkehr erste Ausfahrt, Via S. Pertini, Kreisverkehr dritte Ausfahrt Via Giuseppe Giusti, Kreuzung Via Giacomo Puccini links, dann leicht rechts | Öffnungszeiten Museum: Mo–Fr 16–19.30 Uhr, Sa, So 10–12 Uhr sowie 16–19.30 Uhr| Tipp Im Ristorante La Terrazza, Tel. +39/0558873302, wird Gourmetküche serviert.