Unsichtbare Mission #32 - Earl Warren - darmowy ebook

Unsichtbare Mission #32 ebook

Earl Warren

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Unsichtbare Mission - Band 32 von Earl Warren Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten. Nach dem Überfall auf eine Cocktailparty der US-Geheimdienst-Führungskräfte durch hypnotisierte Attentäter werden der CIA-Agent Mike Borran und seine Kollegen nach Indien gesandt, um dort einem selbsternannten Guru auf die Schliche zu kommen. Dieser soll sich mit der Vierten Macht verbündet haben, um deren Anführer Doc Alpha mit seinen angeblichen PSI-Kräften zu unterstützen. Im Ashram angekommen, trifft Borran auf seinen Erzfeind: Jon Steel, der eigentlich tot sein müsste. Borran selbst hatte den Alpha-Killer in eine Gletscherspalte fallen sehen … und nun steht dieser lebendig vor ihm und hat nur ein Ziel: Mike Borran zu töten!

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Earl Warren

Unsichtbare Mission #32

Der Killer-Guru

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Killer-Guru

Unsichtbare Mission - Band 32

von Earl Warren

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Nach dem Überfall auf eine Cocktailparty der US-Geheimdienst-Führungskräfte durch hypnotisierte Attentäter werden der CIA-Agent Mike Borran und seine Kollegen nach Indien gesandt, um dort einem selbsternannten Guru auf die Schliche zu kommen. Dieser soll sich mit der Vierten Macht verbündet haben, um deren Anführer Doc Alpha mit seinen angeblichen PSI-Kräften zu unterstützen. Im Ashram angekommen, trifft Borran auf seinen Erzfeind: Jon Steel, der eigentlich tot sein müsste. Borran selbst hatte den Alpha-Killer in eine Gletscherspalte fallen sehen … und nun steht dieser lebendig vor ihm und hat nur ein Ziel: Mike Borran zu töten!

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Die Transportmaschine landete um 24 Uhr 03 Ortszeit auf einem Militärflughafen in der Nähe von Santiago de Chile. Alle Vorbereitungen waren getroffen. Ein Kühlwagen stand bereit.

Im Licht der Flutscheinwerfer luden Arbeiter und Techniker den mit einem gläsernen Sarg vergleichbaren Behälter aus, während die Soldaten die Szene abschirmten. Nur wenige Kommandoworte und Anweisungen erschollen.

Vorsichtig verstaute man den länglichen Plexiglasbehälter, in dessen Innern technische Apparaturen arbeiteten, in dem Kühlwagen. Der Oberleutnant, der die Wachtruppe anführte, trat hinzu und reckte neugierig den Hals.

Sofort stellte sich ihm ein untersetzter Mann im dunklen Regenmantel entgegen. Von der Küste her trieb eine Bö Regenschauer über den Flugplatz. In der Ferne, an den Hängen der Anden, grollte der Donner eines Gewitters.

»Sie sollten nicht zu neugierig sein«, sagte der Untersetzte zu dem Uniformierten. »Es könnte tödlich für Sie sein. Oder Ihnen eine Internierung auf die Sträflingsinsel eintragen.«

Der Oberleutnant zuckte zusammen, fing sich aber gleich.

»Wer sind Sie überhaupt?«, fragte er.

Der Untersetzte zeigte ihm seine Dienstmarke.

»Geheimpolizei. Sonst noch Fragen?«

Der Oberleutnant hatte keine mehr. Wortlos drehte er sich auf dem Absatz um und entfernte sich. Wenig später sah er den metallicfarbenen, mit keiner Aufschrift versehenen Kühlwagen davonfahren. Mit gerunzelter Stirn schaute er ihm nach.

Die Transportmaschine rollte mit heulenden Motoren zu den Hangars. Die Soldaten marschierten ab. Auch die Techniker, die Arbeiter und die paar Zivilisten gingen weg. Nur der Oberleutnant zögerte noch eine Weile.

Als die Scheinwerfer erloschen, zündete er sich mit zitternden Händen eine Zigarette an. Niemals würde er vergessen, was er in den wenigen Augenblicken im Tiefkühlbehälter gesehen hatte.

Den völlig nackten Körper eines hünenhaften Mannes mit dem Körperbau eines Mister Universum. Dieser Mann schwamm in flüssigem Sauerstoff. Er war ohne Zweifel tot - oder vielmehr eingefroren.

Der Oberleutnant hatte gehört und gelesen, dass man in den USA und in der UdSSR an der Möglichkeit arbeitete, Lebewesen bis zum absoluten Nullpunkt, Minus 273,15 Grad Celsius, abrupt zu unterkühlen, zu konservieren und dann wieder aufzutauen und zum Leben zu erwecken. In den USA, so hieß es, hatten sich bereits etliche alte oder todkranke Leute für horrendes Geld einfrieren lassen.

Sie hofften auf Fortschritte der Medizin und Wissenschaft in der Zukunft. Bisher war es noch längst nicht so weit, dass man einen solchen Kälteschläfer wieder lebendig machen konnte. Geschweige denn, dass Körper und Geist danach wie zuvor funktionierten.

Den Oberleutnant überlief es kalt. Für eine Sekunde war es ihm, als ob er selber in dem flüssigen Sauerstoff liegen würde. Der Kälteschlaf war der sichere Tod, davon war der Oberleutnant überzeugt.

Er sog heftig an seiner Zigarette. Bisher hatte er noch nicht gewusst, dass solche Experimente auch in seinem Land durchgeführt wurden. Es musste sich um ein streng geheimes, von der Regierung initiiertes und finanziertes Forschungsprojekt handeln.

Der Oberleutnant beschloss, das alles zu vergessen. Die Worte des Geheimpolizisten waren eindeutig gewesen. Wenn der Oberleutnant im Kasino oder sonst wo auch nur eine unvorsichtige Bemerkung fallenließ, konnte das sein Ende bedeuten. Rauchend ging er hinter seinen Soldaten her.

»Santa Madonna«, murmelte er, »wer mag nur der gefrorene Mann gewesen sein? Er kann nicht älter gewesen sein als ich - Anfang dreißig. Doch ich würde mir lieber eine Kugel durch den Kopf schießen, bevor ich mich zu einem solchen Projekt hergeben würde. - Nie!«

In dem Tiefkühlbehälter hatte der Oberleutnant Jon Steel gesehen, den Leibwächter und Top-Killer Doc Alphas, des Leiters der Vierten Macht. Jon Steel wurde unter enormen technischem Aufwand zu einem Forschungszentrum in den Anden gebracht.

Doc Alpha hatte in dem strengstens abgeschirmten und mit allen Mitteln gesicherten Forschungszentrum das Sagen. Wissenschaftler der Vierten Macht wollten ein Projekt durchführen, das noch nie zuvor gelungen war.

Jon Steel sollte wieder zum Leben erweckt werden.

2

Jon Steel erwachte. Er war nackt. Der weißblonde Hüne setzte sich auf, wobei ihm das Plastiklaken bis an die Hüften rutschte. Er reckte und streckte sich, gähnte gewaltig, bevor er seiner Umgebung Aufmerksamkeit schenkte.

Er befand sich in einem kahlen, schmalen Raum ohne Fenster. Indirektes Licht erhellte ihn. Zwei an der Decke montierte Fernsehkameras waren auf Steel gerichtet. Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ein Teil der Wand von der anderen Seite durchsichtig war, in der Art eines Einwegspiegels.

Jon Steel sah nur die nackte Wand. Doch auf der anderen Seite beobachteten ihn ein Dutzend Wissenschaftler sowie ein hochgewachsener Mann mit energischem Gesicht, kurzgeschnittenem grauem Bürstenhaar und Goldrandbrille. Sein Maßanzug, unter dem er ein am Hals offenes Hemd trug, war unauffällig.

Umso exotischer wirkte die Frau neben ihm. Eine schlanke, rassige Eurasierin mit hauteng anliegendem Hosenanzug. Dieser war blau und mit goldenen Mustern versehen. Der tiefe Ausschnitt gab den Ansatz makelloser Brüste frei. Die schwarzen Stiefel aus weichem Leder reichten der betörenden Frau bis über die Knie.

Sie trug die seidigen schwarzen Haare bis über die Hüften niederfallend. In der Hand hielt sie eine Reitpeitsche, deren silberziselierter Griff ein Stilett enthielt. Außerdem hatte sie noch andere tödliche Waffen bei sich.

»Diesmal scheint er normal zu reagieren, Doc Alpha«, sagte sie zu dem Mann mit der Goldrandbrille.

Man sah durch das breite Sichtfenster, wie Jon Steel sich aufgeklebte Elektroden von den Schläfen, vom Hinterkopf und von der Brust abriss. Die Kabel, an dessen diese Elektroden hingen, verschwanden in der Wand.

Der weißblonde Hüne schaute sich sichtlich erstaunt um, fuhr sich mit der Hand über die Stirn und schwang dann die Beine von der Liege. Auf ihrem Rand blieb er sitzen. Das Laken bedeckte seinen Unterkörper.

Jon Steel neigte sich vornüber und verbarg das Gesicht in den Händen, während er sich zu erinnern versuchte. Hochempfindliche Mikrophone übertrugen jeden Laut, den er von sich gab, ins Nebenzimmer. Und die Videokameras zeichneten jede seiner Bewegungen auf.

»Still, Lucretia!«, sagte der Leiter der Vierten Macht zu der rassigen Frau, der Sektionsleiterin Südasien. »Jetzt entscheidet es sich. Die letzten beiden Versuche sind fehlgeschlagen. Aber diesmal waren die Hirnstromkurven so normal, wie sie nur sein können.«

Jon Steel erhob sich und schaute sich um. Die Augen des nackten Kolosses waren klar, sein Bewusstsein dem Anschein nach ungetrübt. Jon Steel schaute zur Tür, doch sie hatte keine Klinke.

Als er gegen die Wand klopfte, stellte er fest, dass sie aus einem elastischen Material bestand. Er war in einer Gummizelle eingesperrt. Falls er zu toben anfing, konnte man ihn binnen Sekunden mit Gas einschläfern.

»Wo bin ich?«, fragte der weißblonde Hüne, die Fäuste geballt. »Ich habe verdammte Kopfschmerzen wie nach einem fürchterlichen Saufabend. Ich erinnere mich noch undeutlich, was am Nordpol vorgefallen ist. Wir jagten diesen CIA-Hund Ben Copley. Hinter uns hatten die US-Streitkräfte bereits unsere Polarstation erobert, mit deren technischen Anlagen die Polkappe abgeschmolzen und das Weltklima verändert werden sollte. Aber ich ließ nicht locker - Copley wollte ich wenigstens erledigen.«

Der Hüne sprach laut aus, an was er sich entsann, um seine Gedanken zu ordnen. Denn er fühlte sich noch etwas benommen, wie nach einem Ätherrausch.

Die Wissenschaftler, die alle ein großes rotes A auf der Brust ihrer Kombinationen oder weißen Kittel trugen, Lucretia Lee und Doc Alpha schauten sich triumphierend an. Jon Steel dachte und redete logisch. Er tobte nicht wie beim letzten Versuch, und er tappte nicht dumpf und apathisch umher wie beim vorletzten.

Doc Alpha redete in die Sprechanlage.

»Sprich nur weiter, Jon. Hier ist Doc Alpha. Ich höre und sehe dich. Du musst dich erinnern.«

Jon Steel stand automatisch stramm.

»Da ist nicht mehr viel«, antwortete er. »Copley war mit dem Motorschlitten geflüchtet und hatte sich in einer Eishöhle verkrochen. Wir durchkämmten die Polarlandschaft, fanden seine Spuren und stellten ihn. Dann fielen welche von meinen Leuten um, wie von einer unsichtbaren Kraft niedergemäht. Copley schoss auf mich, aber die Kugel prallte von meiner Brustplatte ab. Ich warf ihn in die Gletscherspalte - wenigstens er hat dran glauben müssen.«

Hier irrte sich Jon Steel. Ben Copley lebte noch. Er war nur zwei Meter tief abgestürzt und dann auf einem Vorsprung liegen geblieben. Man hatte ihn rasch geborgen. Doc Alpha wusste, dass Ben Copley noch lebte, erwähnte es aber jetzt nicht.

»Dann ... dann ... ich weiß es nicht genau. Da war etwas. Ein fürchterlicher Schmerz in meinem Nacken. Und dann stürzte ich in die Eisspalte, tief, immer tiefer. Ich brüllte. Ich hatte Todesangst. Als nächstes entsinne ich mich nur noch an einen ungeheuer wuchtigen Aufprall - danach an nichts mehr.«

Jon Steel schwieg. Seine Erinnerung an die letzten Minuten vor dem Sturz in die Packeisspalte war getrübt. Er hatte ohnehin nicht genau erfasst, dass er mit dem unsichtbaren Mike Borran gekämpft hatte. Mike hatte ihm eine Thermitpatrone ins Genick gedrückt, diese gezündet und Steel über den Rand der Eisspalte gestoßen.

»Weshalb lebe ich denn überhaupt noch?«, schrie Jon Steel. »Der Sturz in den Abgrund hätte selbst mich töten müssen. Selbst wenn ich dank meiner Stahlglieder den Aufprall überlebt hätte, wäre die Kälte von vielleicht sechzig Grad unter Null doch binnen kurzem tödlich für mich gewesen.«

»Gerade die Kälte hat dich gerettet, Jon«, erwiderte Doc Alpha. »Deine stählerne Schädeldecke und die stählernen Glieder sind besonders gute Wärme und Kälteleiter. Du bist binnen kürzester Zeit zum Eisblock erstarrt. Dein Gehirn, das die Stahlplatte vor schweren Verletzungen schützte, wurde fast schlagartig eingefroren.«

Jon Steel erfuhr, dass einige Besatzungsmitglieder der Polarstation der Vierten Macht hatten entkommen können. Die übrigen waren von den von der US-Basis Thule ausgeschickten US-Luftlandestreitkräften abtransportiert worden.

Die Kraftwerksanlagen und die Stationsgebäude der Vierten Macht hatte man gesprengt. Damit war das großangelegte Projekt Nordpol gescheitert, ein weiterer Plan der Vierten Macht durchkreuzt.

Und wieder hatte Mike Borran, der Erzfeind und größte Gegner Doc Alphas, die Hand im Spiel gehabt.

Ein halbes Dutzend Alpha-Leute hatten sich in einem getarnten Iglu in der Eiswüste versteckt gehabt, bis die Luftlandetruppen mit ihren Gefangenen wieder starteten und nach Thule zurückkehrten. Da ein Alpha-Mann unter jenem halben Dutzend beobachtet hatte, wie Jon Steel in die Eisspalte stürzte, hatten die Alpha-Leute sich an die betreffende Stelle begeben.

Zwei Männer seilten sich ab und fanden in vierzig Meter Tiefe den erstarrten Jon Steel. Eine Funkmeldung erfolgte, die über Relaisstationen an den Leiter der Vierten Macht weitergesendet wurde. Doc Alpha handelte schnell und so präzise wie ein Computer.

Es war nicht einfach gewesen, mit dem nötigen Gerät an Ort und Stelle zu gelangen, ohne bei den Amerikanern oder Sowjets Verdacht zu erwecken. Denn die Überreste der zerstörten Alpha-Basis im Nordpolargebiet blieben ein Gegenstand des Interesses.

Aber ein Spezialtrupp hatte es geschafft. Jon Steel war aus der Gletscherspalte geholt, sein ohnehin erstarrter Körper auf absolut null gekühlt und abtransportiert worden. Man hatte Jon Steel nach Südamerika ins Forschungszentrum in den Anden gebracht.

»Über einen Monat haben die Spezialisten an dir gearbeitet, Jon«, erklang Doc Alphas Stimme aus dem verborgenen Deckenlautsprecher. »Theoretisch müsstest du so gut wie neu sein. Ich bin sogar davon überzeugt. Aber jetzt folgen erst einmal die praktischen Tests.«

Im Nebenzimmer wandte sich der Leiter der Vierten Macht an die Wissenschaftler.

»Ich überlasse ihn Ihnen, meine Herren. Verlieren Sie keine Zeit. Jon Steel ist eine lebende Waffe, ein Wesen mit enormen Fähigkeiten und für mich so gut wie unbezahlbar und kaum zu ersetzen. Ich muss schnellstens wissen, ob er wieder voll einsatzfähig ist.«

Der Leiter des Wissenschaftlerteams, ein zierlicher, kleiner Mann mit einem grauen Haarkränzchen um die Glatze, verbeugte sich und nickte dann mehrmals übereifrig. Der Zierliche hatte vier Jahre zuvor den Nobelpreis erhalten, er galt als einer der klügsten Köpfe und fähigsten Wissenschaftler der Welt.

Aber Doc Alpha hatte er nichts entgegenzusetzen. Er kroch förmlich vor ihm.

»Selbstverständlich, erhabener Doc Alpha. Wir beginnen sofort mit den Tests, sowie die medizinischen Untersuchungen abgeschlossen sind.«

Doc Alpha nickte knapp, nahm sein Aktenköfferchen und schritt aus dem Laborraum, gefolgt von der hochmütig blickenden Lucretia Lee. An dem Fehlschlag, den die Vierte Macht am Nordpol erlitten hatte, hatte Lucretia immerhin keinen Anteil gehabt. Das war ihr ein Trost.

Die nächsten achtundvierzig Stunden wurden für Jon Steel sehr anstrengend. Er musste Hunderte von Untersuchungen und Tests über sich ergehen lassen und auf vielfältige Weise seine Leistungsfähigkeit und Reaktion demonstrieren.

Nach diesen achtundvierzig Stunden stand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass Jon Steels geistige Funktionen nicht gelitten hatten. Körperlich war er nicht in Topform, was nicht verwundern konnte.

Immerhin hatten selbst bei ihm innere Verletzungen ausheilen müssen. Jon Steels Brandwunde im Nacken waren durch Hauttransplantationen geheilt worden. Seine Stahlglieder zu richten, war, soweit nötig, keine besondere Schwierigkeit gewesen. Denn Jon Steels Schädeldecke mitsamt der Stirn, dem Kiefer, das Rückgrat, die linke Hüfte und Arm und Beingelenke sowie seine Hände bestanden aus Stahl.

Eine Stahlplatte in der Brust schützte das Herz und andere wichtige Organe. Ein normaler Mensch hätte den Sturz in die Eisspalte niemals überlebt. Doch Jon Steel konnte aus zehn Meter Höhe hinunterspringen, ohne sich zu verletzen, und war fähig, sich mit bloßen Händen den Weg durch eine Mauer zu bahnen.

Er hing mit hündischer Treue an Doc Alpha. Dessen kleinster Wink war ihm Befehl.

Zwei Tage nach Jon Steels »Wiedererweckung« fand der letzte Test statt. Jon Steel, der langen Untersuchungs- und Testreihen gründlich überdrüssig und in gereizter Stimmung, wurde von zwei grauuniformierten Alpha-Gardisten durch einen langen, unterirdischen Betongang geführt.

Er schnupperte Tiergeruch. Ehe er sich noch darüber klar werden konnte, was das zu bedeuten hatte, rasselte ein stählernes Gitter nach oben. Einer der Alpha-Gardisten wies stumm nach vorn.

Jon Steel trat in eine runde Arena von dreißig Meter Durchmesser. Flutlichtscheinwerfer erleuchteten sie, denn es war Nacht. Hinter dem Hünen, der nur eine knappsitzende scharlachrote Kombination trug, fiel das Gittertor herab.

Während Jon Steel noch die Augen zusammenkniff und blinzelte, um sich an das grelle Licht zu gewöhnen, öffnete sich auf der anderen Seite der Arena ein Gittertor. Im nächsten Moment raste ein mächtiger schwarzer Pampas-Stier heraus.

Er stoppte so abrupt, dass der Sand unter seinen Füßen stob. Schnaubend blickte er um sich. Jon Steel konnte noch nicht sehen, dass Doc Alpha, Lucretia Lee und etliche Wissenschaftler sowie weitere Zuschauer auf den Rängen der Arena saßen.

Lucretia atmete heftig. Ihre Zunge fuhr immer wieder über die roten Lippen. Die schöne Lucretia faszinierten Kampf und Tod stets aufs Neue. Von Männern wollte sie nichts wissen, ihre Interessen konzentrierten sich auf andere Gebiete.

Doc Alpha war keine Gemütsbewegung anzumerken. Er nahm eine kostbare, mit Edelsteinen verzierte Tabaksdose aus der Tasche und gönnte sich eine Prise seines speziellen Aufputschmittels.

Es klärte seine Sinne und schärfte seinen Verstand.

Jon Steel verstand, was von ihm verlangt wurde. Er sollte, nur mit den bloßen Händen, gegen diesen wilden Stier kämpfen. Gegen eine Dreivierteltonne festen Fleisches, Muskeln und massiver Knochen.

Der Stier war gewiss ein Mörder, der zuvor schon aufgefallen und dementsprechend ausgesucht worden war. Und er wurde nicht, wie bei den normalen Stierkämpfen üblich, von Picadores und Banderilleros geschwächt. Jon Steel hatte auch kein rotes Tuch, um den Stier abzulenken.

Er war in seiner Kombination selbst dieses rote Tuch. Der Stier würde ihn in wenigen Sekunden voller Ungestüm angreifen.

»Der Stier hat bereits Arena-Erfahrung. Er tötete einen Torero und verwundete zwei Banderilleros. Pass auf, Jon Steel!«

Doc Alphas Stimme hallte aus dem Lautsprecher.

Jeder andere wäre verloren gewesen. Aber Doc Alphas Leibwächter grinste nur. Er atmete tief durch.

Schon geschah es. Der Pampas-Stier griff an. Er bewegte sich viel schneller, als man es ihm bei seiner Masse zugetraut hätte, und raste auf Jon Steel zu. Erst im letzten Moment sprang der weißblonde Hüne zur Seite.

Es zeigte sich, dass der Stier so gelenkig war wie eine Katze. Denn er schnellte herum, und um ein Haar hätte er Jon Steel mit dem rechten Horn erwischt. Die Hornspitze riss einen Fetzen aus der Kombination.

Der Stier musste zuvor bis aufs Blut gereizt worden sein. Oder man hatte ihm Drogen ins Futter gemischt, die ihn wie tollwütig werden ließen. Immer wieder griff er an.

Jon Steel blieb kaltblütig. Er testete seine Reflexe, indem er dem Stier jedes Mal erst im letzten Augenblick auswich. Die Zuschauer, außer dem völlig ruhigen Doc Alpha, beobachteten gebannt und atemlos.

Dann ging ein Aufschrei durch die Reihen der Zuschauer. Jon Steel wurde von dem Stier hoch in die Luft geschleudert. Aber der Stier hatte den Mann nur mit der Stirn getroffen und nicht mit einem Horn verletzt.

Steel drehte sich in der Luft und landete so gelenkig wie eine Katze auf den Beinen. Der schnaubende Stier, dessen Flanken schweißbedeckt waren, wendete und stürzte sich wieder auf den Mann in der scharlachroten Kombination.

Aber jetzt ging Jon Steel zum Gegenangriff über. Er wich gedankenschnell aus, und seine rechte Handkante schmetterte nieder.