Überführungsstücke - Ludwig Laher - ebook

Überführungsstücke ebook

Ludwig Laher

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Opis

Lahers Held ist ein Tausendsassa: bayerischer Justizverwaltungsinspektor und begnadeter Erzähler mit schauspielerischer Begabung, unterwegs auf den Kleinkunstbühnen der Republik. Endlich kann Oskar Brunngraber, seit 25 Jahren Justizverwaltungsinspektor in einer Asservatenkammer, jemandem erzählen von den geheimnisvollen Beweisstücken, die in seinem Refugium lagern: von den Waffen und Drogen und Mordwerkzeugen und den kriminellen Hintergründen, die sich hinter ihnen verbergen und die auch Brunngraber meist nur ansatzweise kennt. Aber wenn seine Phantasie ihn dazu treibt, erfindet er ihnen wilde Geschichten, die es in sich haben. Und wie schwer es ihm manchmal fällt, diese Beweisstücke nach den gesprochenen Urteilen zu vernichten! - wenn man allein an den Marktwert draußen denkt, der BTM etwa, der Betäubungsmittel, die den größten Platz in der Kammer einnehmen und Gerüche verbreiten, die man aus den Kleidern nicht mehr herausbekommt. Die Überführungsstücke aus dem Hochsicherheitstrakt sind nicht nur dazu da, die Täter zu überführen, sondern auch Anlässe, die Welt zu deuten. Brunngraber sprudelt fast über vor Erfindungsreichtum und Sprachlust; ganz und gar nicht ist sein Leben reduziert auf das, was er in seinem Beruf täglich zu leisten hat, in den er ohnehin eher zufällig hineingerutscht ist. Auf den Kleinkunstbrettern, die die Welt bedeuten, kennt man seinen Namen jedenfalls, und in der Leipziger »Pfeffermühle" gilt er gar als »Mimikmonster".

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Ludwig Laher

Überführungsstücke

Roman

Für Ernst J.

alles kann dies und jenes heißen.

alles mag auch etwas anderes heißen.

der apfel zwischen den zähnen ist geschmack.

der stein auf meinem schädel ist die ursache einer beule.

die dame vor deinen augen ist einstweilen noch ein anblick.

Konrad Bayer

I

Von Zeit zu Zeit, gesteht Brunngraber, da juckt es mich, und mich überkommt unbändige Lust, so ein bereinigtes Hanfsamentütchen wie dieses hier beim Stoßlüften einfach in den Hof zu entleeren. Direkt unter meinem Bürofenster findet sich nämlich an der Rückseite des Justizzentrums seit der Erweiterung ein dekoratives, aufwendig gestaltetes Biotop, Sumpf, Teich, künstliches Bächlein im Schotterbettchen, eine gefällig kupierte Wiesenfläche mit allerlei Pflanzungen. So etwas wie Kunst am Bau, nur eben Natur, genutzt in erster Linie von Hundebesitzern aus der ganzen Gegend. Ich stelle mir dann immer vor, dass Monate vergehen könnten, bis dort jemandem auffällt, da stimmt doch etwas nicht.

Ehrlich gesagt, ich habe nicht die geringste Ahnung, ob das Zeug da unten im Schatten auch wirklich keimen würde, aber so ein gepflegtes kleines Hanfdickicht mitten in der Höhle des Löwen, das wäre doch was. Sehen Sie, solche und ähnliche Hirngespinste begleiten mich durch den Alltagstrott. Darf ich natürlich nicht laut sagen, versteht sich.

Brunngraber ergänzt in der Maske des staatsanwaltschaftlichen Verwaltungsprogramms den Datenbestand zu dem unter Betäubungsmittel, kurz BTM, rubrizierten Überführungsstück auf seinem Schreibtisch um das Wort vernichtet und generiert so automatisch ein Vernichtungsprotokoll, das bis zur tatsächlichen Vernichtung in einem gesonderten Aktenordner geführt wird, den er, ohne einen Blick darauf zu verschwenden, mit sicherem Griff aus dem Regal schräg hinter sich zieht. Das Blatt wird noch gelocht und dann vorläufig abgelegt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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