Midlife Crisis - nicht mit mir! - Marco Aldag - ebook

Midlife Crisis - nicht mit mir! ebook

Marco Aldag

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Opis

Eigentlich ist es unfair: Wenn Mann gerade in akzeptabler Höhe auf der Karriereleiter angekommen ist, der Kontostand und die Wohnsituation genau so sind, wie man sie sich immer erträumt hat, und Mann sich gerade gemütlich zurücklehnen und das Leben genießen könnte, dann kommt sie um die Ecke, düster, bedrohlich und gemein: die Midlife-Crisis. "War das schon alles?" wird zum Mantra, die junge Blondine auf dem Beifahrersitz zum dürftigen Beweis der eigenen Jugend. Ein Schreckensszenario? Allerdings! Die gute Nachricht: So muss es nicht enden. Marco Aldag, seines Zeichens erfolgreicher Medienunternehmer, erkannte die Zeichen der Zeit - und ergriff radikale Maßnahmen. Haushalt auflösen, Porsche verkaufen, Wohnort ändern. Herzlich willkommen in New York! Gespickt mit witzigen Anekdoten, psychologischem Hintergrundwissen und jeder Menge Humor zeigt Aldag seinen Lesern die Ideen und Strategien für ein fantastisches Leben um die 40. Marco Aldag führt Ihnen auf raffinierte Weise vor, wie Sie Ihre Midlife-Crisis locker schon im Ansatz in den Griff bekommen.

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Midlife Crisis - nicht mit mir!

Der Männer-Ratgeber mit fesselnden Anekdoten aus New York

Marco Aldag

Copyright 2012: © Börsenmedien AG, Kulmbach

Gestaltung und Satz: Johanna Wack, Börsenmedien AG

Lektorat: Moritz Malsch

Korrektorat: Hildegard Brendel

Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

9783864700682

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051- 0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.books4success.de

Inhaltsverzeichnis

TitelImpressumEinleitang - DIE MITTE DES LEBENS1. Kapitel - ICH WILL EINFACH RAUS!2. Kapitel - ANKOMMEN IN NEW YORK3. Kapitel - DAS PHÄNOMEN MANN4. Kapitel - NEW YORK5. Kapitel - EINFACH ICH6. Kapitel - LEVERAGE YOUR LIFE!7. Kapitel - LIFESTYLE8. Kapitel - HINTERFRAGE DEINE WELT9. Kapitel - ES IST ZEIT ZU WAGEN

Einleitang

DIE MITTE DES LEBENS

Wann ist die Mitte des Lebens – muss ich 40 Jahre alt sein? Werde ich 80 Jahre alt?

Whitney Houston habe ich am Vortag meines 30. Geburtstages in Los Angees getroffen. Als Inhaber einer Medienproduktionsfirma muss man sich um seine Jobs selbst kümmern. Jahrelang haben wir uns auf Interviews von Stars konzentriert. Dazu muss man einen guten Kontakt zum Management pflegen, immer informiert sein, wann welcher Star etwas Neues macht. Sei es ein neuer Film, eine neue CD oder sonst irgendetwas, worüber man berichten könnte. Wichtig ist es, am Ball zu sein, tagesaktuell und schnell – schneller als die Konkurrenz zu sein, denn Storys über Stars wollen alle, und der Markt ist umkämpft. Gute Kontakte nach Los Angeles und New York sind wichtig, um Informationen zu bekommen und Einladungen zu wichtigen Events, nicht zuletzt der Oscar-Verleihung. Diese gilt als Beweis: Man ist noch mit dabei und gehört zu den angesagten Journalisten im Boulevard-Society-Bereich.

Verleiher und Produzenten sind natürlich einerseits sehr interessiert, Interviews und Geschichten über neue Produkte in Hochglanzmagazinen veröffentlicht zu sehen – denn das ist ja Promotion; andererseits gibt es das Problem mit der Zeit – denn wenn die Journalisten weltweit „gefüttert“ werden müssen, damit eine Story über das neue Projekt abgedruckt wird, wenn der Film, die CD et cetera startet, sind diese noch gar nicht fertig. Wenn über eine neue CD oder einen Film aus Amerika hier in Deutschland berichtet wird, ist der gesamte Marketingprozess bereits beendet. Gedruckte Magazine haben einen Vorlauf von mehreren Monaten.

Ein Film ist oft noch gar nicht abgedreht, geschweige denn geschnitten, wenn die Journalisten für Interviews eingeladen werden. Deshalb wird einem die Möglichkeit gegeben, am Filmset dabei zu sein. Dann schaut man ein wenig zu und bekommt anschließend die Möglichkeit, mit den Stars und dem Regisseur zu reden. Bei CDs besucht man die Produzenten und den Star im Studio und hört zu, wie einige Passagen eingesungen werden. Dann redet man über das neue Projekt und interessiert sich für das Zustandekommen der Texte, die Gesangspassagen, den neuen Sound, einen neuen Rhythmus und Effekte, fragt etwas über eine kommende Tournee. Aber in Wirklichkeit macht man diese Verrenkungen nur, um einige News zu privaten Dingen aufzuschnappen und auf Band zu haben.

US-Firmen organisieren sogenannte „International Junket Days“: Weltweit werden wir Society-Journalisten eingeflogen und in den tollsten Hotels untergebracht. Dann gibt es die Möglichkeit für Gespräche und Interviews. Man kommt in einer Hotelsuite zusammen – dort ist dann der Star, um den es geht. Ich erinnere mich an Pierce Brosnan, Mel Gibson, Meryl Streep und viele andere. Was muss das für sie anstrengend sein, von morgens bis abends die unterschiedlichsten Journalisten aus der ganzen Welt zu empfangen – meist mit denselben Fragen. Immer nett, immer Glamour, immer alles nur toll!

Immer dasselbe. Das vorgesehene Zeitfenster von zehn Minuten. Der Star sitzt auf einem Stuhl, man selbst nimmt Platz gegenüber und stellt seine drei, vier Fragen, die natürlich vorher vom „Publizisten“, der zuständigen Fachperson für Marketing, Image und Presse, durchgesehen und mit ihm abgesprochen waren. Privates sollte tabu sein, erwünscht sind Fragen zum Film, zur Rolle und so weiter. Natürlich kann man diese Vorgaben nur durchbrechen. Man bekommt erst einen guten Kontakt zu diesen Stars und VIPs, wenn man sie über mehrere Projekte begleitet. Ist man freundlich zu Tom Cruise, so grüßt er einen einige Wochen später am roten Teppich bei der Premiere wieder – ein galantes „Hey, how was L.A.?“ oder: „Did you enjoy the interview?“ Man erkennt einander wieder, und das ist gut so. Beim nächsten Mal knüpft man daran an – denn von diesem angenehmen Wiedererkennen ist es abhängig, ob Anfragefaxe nach einer Homestory sowie weitergehende Interviews fernab in Produktionsfirmen und Managements erhört werden.

Ob man sich wiedersieht, hängt auch von den Veröffentlichungen ab, die man vorweisen kann. Mit einer Radioagentur im Hintergrund, die sämtliche Äußerungen, sogenannte O-Töne, europaweit verbreiten kann, um aktuelle Projekte zu bewerben, wird man sehr gerne zu Interviews eingeladen. Natürlich ist eine Agentur, die immer für mehrere Sender und Magazine arbeitet, gefragter – denn wenn ein Star mit einem Gespräch gleich in mehreren Sendern präsent ist, ist dies natürlich effizienter, als wenn jeder kleine Regionalsender (es gibt über 200 Radiostationen in Deutschland) einzeln Fragen beantwortet haben möchte. Ergänzt man sein Veröffentlichungsportfolio noch mit einer Glamourzeitschrift im Hochglanzsegment oder einem TV-Magazin, in dem über Premieren, Filme und CDs berichtet wird, so steigen die Chancen auf Exklusivinterviews oder gar Homestorys immens, und man findet sich bald am Strand von Malibu, bei Berühmtheiten zu Hause in Beverly Hills und in den Hollywood Hills oder auch am Schreibtisch von Steven Spielberg wieder. Shoppen bei Fred Segal auf der Melrose Avenue, Breakfast im Earth Cafe und so weiter … tägliches „must have“ – man ist genau am „Place to be“.

So war es auch am Vorabend meines 30. Geburtstags. Whitney Houston … Geladen zum Konzert in Los Angeles. Es war die Tour, für die Whitney von Dolce & Gabbana ausgestattet wurde – wenn man sich für sie interessierte, dann vergisst man diese bunten Kleider, die wirklich tollen Outfits und die Presseberichte darüber nicht mehr! Alles lief glatt – eine tolle Stimme, alle großen Hits und Emotionen pur – sie zog sich nach jedem zweiten Song um, das Licht war perfekt gesetzt, und irgendwann wurde ich mir wieder einmal bewusst, inmitten welcher Glamour-Welt ich mich bewegte.

Amerikanische Konzerte unterscheiden sich von Auftritten in Europa dadurch, dass zwar ebenfalls alle Zuschauer am Ende der Show „Zugabe“ schreien – diese ist aber meist auf ein weiteres Lied beschränkt. Kein Star kommt wieder auf die Bühne und nochmal und nochmal. Denn in den Staaten geht es eher um die Show – und die ist, genau wie die Interviews, präzise festgelegt und abgestimmt. Eine Tournee und selbst die Zugaben sind vorgeplant, alles stimmt und passt. Nicht zu viel Schweiß am Ende der festgesetzten Zeit und fernab der geplanten Glamourzeit für die Fans! Das sieht nicht gut aus und zerstört dann auch ein Stück Illusion. It’s professional, so be part of it!

Kylie Minogue kann man auf der Bühne kaum sehen – die Tänzer sind präsenter als sie selbst auf den großen Bildschirmen – irgendwo da vorne auf der Bühne huscht das kleine Mädchen herum … Bei Beyoncé wundert man sich, wie sich eine Frau so verdammt viele Schritte merken kann – darüber hinaus sind das Bühnenbild und die Animationen atemberaubend. Lady Gaga ist Wahnsinn, ebenso wie Madonna!

Doch zurück zu Whitney Houston: Auf ihrer letzten Tournee, es sollte ja ein Comeback sein, hat sie die Fans in Berlin angepöbelt: „Wenn ihr die Whitney von früher hören wollt, so müsst ihr die CDs abspielen!“ Aber damals in Los Angeles war sie noch perfekt. So war das Konzert wirklich toll, und eine Stunde nach dem Spektakel wartete ich dann am Bühneneingang darauf, zu ihr in die vorbereitete Garderobe vorgelassen zu werden.

Unvergesslich. Das war genau am Höhepunkt ihrer Karriere, und es ist erst ungefähr zehn Jahre her. Whitney Houston ist inzwischen tot.

Und ich? Ich werde nachdenklich. Habe ich jetzt noch einmal 40 Jahre zu leben oder nur 20 – oder sogar nur noch 10 Jahre? Whitney Houston hat ihr Leben selbst aus den Fugen gleiten lassen und ist zu selten aus dem Glamour-Himmel auf den Boden hinabgestiegen – vielleicht ist sie auch zu oft auf den Boden geknallt und hat sich dann auf dem Teppich nicht mehr sortieren können, um aufzustehen. Jedenfalls wird die Midlife-Season, die Mitte des Lebens, uns alle unaufhaltsam ereilen.

Neulich wäre ich fast von der Straßenbahn erwischt worden – in Gedanken vertieft und mit Kopfhörern im Ohr habe ich die nahende Tram echt nicht bemerkt – puh, das war wirklich knapp. Oder damals auf der Autobahn. Irgendwie habe ich in der Zeit, als ich noch ein Auto hatte, auf jeder Fahrt einen Unfall beobachtet. Ein Crash … das war’s dann.

Oder vor ein paar Jahren im Urlaub auf Jamaika … ein tolles Hotel an der Küste. Das Schild am Rand „no swimming“ habe ich einfach nicht beachtet – zu verlockend verliefen die Stufen von den Klippen hinunter zum Meer. Klar fielen mir die vielen Sedimentausläufer und Steine im flachen Wasser auf. Aber ein Einheimischer, der am Rand saß und kiffte, meinte, ich könne da ruhig reingehen. Er fragte mich noch, welche Bungalow-Nummer ich hätte.

Marco ist also beseelt von Sonne und Urlaub, hinein ins Wasser … das sollte ich bald bereuen. Noch nie hatte ich eine solche Panik: Ich schwamm, so gut ich konnte, und merkte dabei, dass ich nicht vorankam. Und da spürte ich schon den Sog nach unten. Die Strömung war einfach stärker als ich. Am Rand versammelten sich auf einmal unglaublich viele Menschen, die ich vorher im Ressort noch nie entdeckt hatte. Auch Simon, der Freund, mit dem ich dort war, stand auf den Klippen und schrie: „Du bist verrückt!“, wild gestikulierend. Wenn man spürt, es geht zu Ende, man kämpft und wird bei vollem Bewusstsein besiegt – dazu die Panik … Bilder aus meinem Leben schossen mir durch den Kopf. Nur indem ich durch ruhiges Atmen die Panik niederrang, konnte ich neue Kraft gewinnen, an den Steinen Halt finden – und mich darauf konzentrieren, diese verdammt weit entfernten Stufen zu erreichen.

Ich lebe noch. Simon habe ich danach, sozusagen als Revenge für das Fast-Ertrinken am Strand von Jamaika, drei Tage lang durch New York gehetzt. Schon immer war ich ein Freund davon, Dinge zu verbinden – und warum soll man nicht auf dem Weg in den Strandurlaub nach Jamaika einen Stopp in New York einlegen? Oft ist das kostengünstiger, als wenn man zweimal über den Atlantik fliegt: Ein Flug in die Karibik nach Jamaika kostet von Deutschland aus 700 Euro, 300 Euro mehr als nach New York. Nach New York sind es rund 400 Euro. Wenn man im Internet bei den Gesellschaften der amerikanischen Flugdrehkreuze nach Flugangeboten schaut, so sind Flüge von dort in die Karibik manchmal für 100 Dollar zu haben! Somit bleiben noch 400 Dollar übrig, um New York, Atlanta und so weiter zu entdecken. Und schon war man nicht „nur“ in der Karibik, sondern auch noch Shoppen in einer Weltmetropole – das hat doch was!

Natürlich ist es so etwas stressiger, und man muss es mögen. Vor allem aber muss man in der Lage sein, die Strand-Emotionen ein wenig zu verdrängen, um dann ganz lässig in New York, dem „Place to be“, zu landen. Dazu muss man entspannt die Wege vom Flughafen in die Stadt und später wieder zum Flughafen zurücklegen. Denn der, für den es schon Stress bedeutet, den richtigen Zug in die Stadt zu erwischen … der wird sich auch niemals über einen Kaffee-Stopp in Manhattan freuen.

So ging es auch Simon. Ich war ganz beseelt: Hey, wir sind in New York – that is so cool! Er dagegen dachte immer nur an das Gepäck – alles noch mal aus dem Koffer nehmen und umräumen, nur um jetzt noch drei Tage durch die Stadt zu hetzen … wozu das alles? Ganz beunruhigt ist er hinter mir hergelaufen, und ich, natürlich begeistert von all den Eindrücken und einer genauen Vorstellung, wo und wann man in welche Geschäfte muss oder wo man mal kurz stoppen sollte, um den Blick auf die Skyline, auf eine der Brücken oder Ähnliches zu erhaschen, fand es natürlich viel zu unbedeutend, irgendwo anzuhalten, damit er sich ein Wasser kaufen konnte … Irgendwie hatte ich den Eindruck, er wollte mitten in der coolsten Stadt der Welt immer nur Pause machen, um seine Freundin anzurufen, seine Beziehungskrise zu besprechen und noch einmal zu diskutieren, warum man nun alleine in den Urlaub fährt. Er war nach dem Urlaub eine Woche krank und litt an Dehydrierung. Heute, Jahre danach, sind das Erfahrungen und Erlebnisse, die zusammenschweißen, und man lacht darüber.

Aber da wir ja hier die Kosten im Blick behalten wollen: Was kostet das Beinahe-Ertrinken?

Gar nicht mal so teuer, und dafür gibt’s dann das Gefühl, fast zu ertrinken oder dehydriert zu sein, inklusive. Und solche Erlebnisse machen schließlich das Leben aus. Aber hilft eine Woche auszubrechen schon gegen die Midlife-Crisis? Wohl kaum – dennoch, wir sind auf der richtigen Spur. Denn geht es hier nicht um die nicht eingestandenen Bedürfnisse und die materiellen Dinge, die cool sind, die man unbedingt schon immer mal machen wollte? Geht es nicht darum, einmal aus der Rolle zu fallen, etwas ganz anderes zu machen, vielleicht auch etwas Exzessives, etwas, das Sie sich noch nie getraut haben – ohne die Konsequenzen fürs Morgen zu durchdenken?

Wovon träumen Sie? Was muss noch geschehen, wohin möchten Sie noch verreisen in Ihrem Leben? Wollen Sie etwas anderes entdecken oder einmal fremdgehen? Zieht es Sie nach New York? Buenos Aires? In den Weltraum? Oder wollen Sie doch eher alles in das Studium der Kinder investieren? Meine Antwort: Wenn es Ihr Traum ist, tun Sie’s einfach – was es auch ist. Probieren Sie es aus, sonst werden Sie nie erfahren, ob es richtig war!

Ich hatte schon lange darüber nachgedacht. Ich war schon einmal für zwei Jahre in Los Angeles – die Amerikaner und deren Art, Dinge anzugehen, einfach mal zu machen und nicht immer ewig nachzudenken und abzuwägen, bevor man etwas Neues macht, hat mich schon immer fasziniert. Da ich schon seit dem Studium in zwei deutschen Städten lebte und danach beruflich so alle vier, fünf Jahre umzog, habe ich den Entschluss gefasst, kurz vor 40 einen Cut zu machen und es einfach zu wagen, nach New York zu ziehen!

Viele, denen ich von meinen Plänen erzählte, in die USA zu gehen, fanden das gut. „Oh ja, einfach mal raus hier!“ oder: „Oh, hast du es gut, wie gerne würde ich auch mal einfach den Job sein lassen und was Neues starten!“ – „Boah, Alter, was machst du? Du gibst das alles hier auf und ziehst nach New York?“

Ich mochte es nicht, dafür bewundert zu werden – aber wie soll man etwas ändern, wenn man nicht einfach mal etwas wagt? Wie soll man glücklich in die Zukunft gehen, wenn man nicht mal die Vergangenheit ausblendet und das Bewährte hinter sich lässt?

In Beziehungsbüchern wird genau beschrieben, was ein Paar tun soll, wenn es feststellt, dass es nicht mehr zusammenpasst. Mein Leben ist doch meine allererste Partnerschaft – bin ich nicht glücklich mit meinem Lebensverlauf, wie soll dann alles Weitere wie der Job, Beziehungen, Freizeitaktivitäten erfüllend sein? Wer sein Leben an sich nicht mag, wird niemals glücklich, das ist meine Meinung. Permanent an irgendetwas festzuhalten, und sei es ein Job, der mich nicht mehr ausfüllt, das kann es doch nicht sein! Ein unglückliches Leben frisst wirklich die gesamte Energie einer Person auf. Trägheit entsteht, eigene Ideen werden nicht mehr entfaltet, da man meint, es hätte sowieso alles keinen Sinn. Und genau darum geht es: mit sich selbst bewusst umzugehen, seine Möglichkeiten zu erspüren und die Schönheit des Lebens ein bisschen neu zu entdecken. Das lernt man zum Beispiel in New York – doch dazu später mehr.

Aber was kostet das alles?

Selbst Fremdgehen ist in Euro und Cent zu ermitteln. Sie beginnen eine Liebschaft, Sie laden sie zum Essen ein, danach verschwinden Sie irgendwo in einem Hotel, um „mal wieder“ so richtig Spaß zu haben. Sex findet statt, Beischlaf pur, und Sie leben sich aus: Sie bezahlen 100 Euro die Nacht, dafür kann man in Deutschland schon tolle Hotels buchen – oder Sie bieten Ihrer Geliebten etwas ganz Besonderes und entscheiden sich für ein Luxushotel, welches Sie sich und Ihrer eigenen Frau für den gemeinsamen Urlaub niemals gönnen würden. Wäre das eine Vorstellung, die Ihnen gefällt? Dann besorgen Sie vor dem Treffen eine Flasche Champagner, stellen diese kalt, blasen Luftballons auf (98 Cent im Supermarkt) und dekorieren diese auf dem Bett. Ihre Liebschaft wird bewundern, wie kreativ Sie sind. Sie strahlt übers ganze Gesicht, und dann kann es auch schon passieren: Sie erleben die Nacht der Nächte, jedes Mal, wenn Sie sich treffen. So geht das doch mit Liebschaften.

Allerdings – Ihre Ehefrau daheim wird irgendwann den fremden Geruch an Ihnen wahrnehmen. Zweifel an der Beziehung kommen auf. Macht die Ehe noch Sinn? Was wird aus den Kindern, was wird aus dem Haus, dem sozialen Umfeld und all dem Vertrauten?

Sie haben Kinder? Wenn Ihre Kinder die eigene Mutter irgendwann heulend vor der Waschmaschine sitzen sehen, weil wieder einmal Lippenstiftflecken am Hemdkragen entdeckt worden sind … das mag Klischee sein – aber dann ist es Zeit, zu gehen. Ich selbst erinnere mich noch an einen letzten Spaziergang meiner Eltern, und dieser dauerte nicht lange. Dann kehrte meine Mutter zurück und sagte: „Ich bringe den Papa jetzt mal zur Oma – von jetzt an sind wir allein. Aber wir schaffen das!“ Und der Vater kommt noch mal ins Zimmer und sagt, dass man sich bald wiedersieht und dass das alles nicht so schlimm sei … Wieder nur Klischee? Oder Wirklichkeit?

Das wird dann teurer als mal so eine Nacht in irgendeinem Hotel, eine Flasche Champagner, einmal essen gehen und 98 Cent für 10 bunte Luftballons … Aber sollte es das Geld sein, was uns lenkt? Kann man alles mit Geld aufwiegen?

Was macht mich zufrieden – und was riskiere ich dafür? Nicht für meine Familie, meinen Arbeitgeber, meine Nachbarin oder eine Freundin: Was riskiere ich für mich selbst, und vor allem: Wann riskiere ich das? In einem Ratgeber zum Männlichsein finde ich den Tipp, dass Männer einfach ehrlich sein sollen. Warum nicht einfach an einem Sonntagnachmittag sagen: „Du langweilst mich – unsere ganze Situation langweilt mich!“ Das wird in dem Ratgeber zur Abenteuerreise erklärt, als „Cowboy-Modell“ deklariert 1, aber darauf und auf die psychologischen Thesen dahinter kommen wir an anderer Stelle zu sprechen.

Dies ist kein egozentrisches Buch, auch wenn es sich vielleicht so liest wie die Anekdoten eines Egozentrikers, aber meine Erfahrungen, Erlebnisse und Thesen sollen Ihnen Anstoß und Anlass bieten, eigene Gedanken zu entfalten. Diese entzünden sich vielleicht, wenn Sie zwischen den Zeilen lesen, vielleicht, wenn Sie sich an den „bedeutungsschweren Auslassungspunkten …“ Ihren Teil denken. Sie werden sich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen und sich entdecken – schmunzeln Sie über Ihre Gefühle, über Ihre eigenen Assoziationen, fühlen Sie sich ertappt, oder entdecken Sie an sich Geheimnisse, die sich ein Mann von heute unbedingt bewusst machen sollte.

Viele Männer lieben ihr Auto. Klar ist es schön, in einer Garage die Auswahl zu haben zwischen den neuen Modellen. Egal ob Porsche, Infiniti oder BMW und Mercedes … alles steht da einfach herum. Aber wer hat schon das Glück oder auch das Pech, mit so viel Verantwortung – denn Besitz bringt Verantwortung mit sich – ausgestattet zu sein? Wer kann schon sich selbst neu entdecken oder die Welt, wenn daheim ein dickes Haus, eine große Firma et cetera stehen – irgendwann wird man davon eingeholt. Je weniger man besitzt, desto freier ist man – oder machen Geld und Reichtum etwa frei? „Freedom is just another word for nothing left to loose“, das sang schon Janis Joplin, und Roland Kaiser ergänzte: „Die Gefühle sind frei.“

Dagegen beobachte ich in den Städten Deutschlands das Phänomen, dass offensichtlich ein älteres Auto, richtig aufgemotzt mit dickem Auspuff, Ledersitzen und Bass-Reflexbox frei machen muss, jedenfalls dröhnt hier die Musik am lautesten aus allen Boxen. Das Gefühl, im Cabrio durch eine tolle Landschaft zu fahren gibt’s ab 86 Euro/Tag zuzüglich Benzingeld für ein Mietfahrzeug.

Aber fangen wir an, uns über Ihre Träume zu unterhalten: Wo wollen Sie leben? Vielleicht ist es bei Ihnen Buenos Aires – ich bin nach New York gegangen. In eine Stadt, wo Extreme aufeinanderprallen, ineinander und miteinander leben. Für Europäer ist New York ein Symbol. Der Traum vom „Alles, Immer und Öfter“: Die meisten Menschen haben Shoppen vor Augen, das Wahrwerden aller erdenklichen Träume, und auf der anderen Seite: arbeiten, bis der Reichtum zu Kopf steigt. Man kennt die Stadt von Kurztrips und meint meistens Manhattan, auch wenn die Stadt New York fünf Stadtteile hat und sich der Staat New York bis zu den Niagarafällen, hoch an der Grenze zu Kanada erstreckt.

Alle wissen genau, was sie mit New York verbinden. Es soll Leute geben, die in irgendeiner „Harry’s New York Bar“ sitzen – egal wo in der Welt, und glauben, sie hätten nun das New-York-Gefühl – wie auch immer sich das ihrer Meinung nach anfühlt!

Spielt es überhaupt eine Rolle, wo man ist? Kann man nicht einfach sein, wo man will, um Glück zu empfinden, Ruhe in sich zu entwickeln, um seine Midlife-Crisis auszuleben? Oder muss man alles aufgeben, um einen Schnitt im Leben zu machen, noch mal neu anzufangen, sich zu verwirklichen oder wie man das auch immer nennen mag – um dann für seine Midlife-Crisis bereit zu sein, sie vielleicht sogar im Keim zu ersticken?

1. Kapitel

ICH WILL EINFACH RAUS!

The secrets of a man’s life

Kennen Sie das Gefühl nach einer Nacht voller Träume? Sie erwachen am nächsten Morgen und haben genau davon geträumt, was Sie in der Zeit davor irgendwie beschäftigt hat? Eine Frau würde sagen: „Ich gehe mit etwas schwanger.“ Auf einmal durchleben die Traum-Gedanken eine Wandlung. Man liegt wach im Bett und denkt darüber nach. Man geht mehr schwanger, mehr und mehr – obwohl „schwanger sein“ überhaupt nicht steigerbar ist – wir tun es jetzt einfach!

Nur Sie selbst wissen es: Wie oft machen Sie die Person, die neben Ihnen vielleicht schläft, wach – so mitten in der Nacht, um von Gedanken zu berichten, die Sie auf einmal ganz für sich geträumt haben? Sie lassen doch den anderen weiterschlafen und erzählen dann am nächsten Morgen vielleicht von Ihren Träumen. Das, um was es aber wirklich geht und was Sie gerade beschäftigt, das erzählen Sie doch gar nicht ausführlich. Denn die neuesten Wandlungen Ihrer ureigensten Gedanken, die sich vielleicht um die Partnerschaft, um die Lebenssituation oder berufliche Dinge drehen, die berichten die meisten von uns nicht jeden Tag unseren Liebsten. Sie gehen also weiter damit schwanger. Und doch treiben Hirngespinste in uns herum. Einfach mal weg! Einfach mal einen neuen Job oder was wäre, wenn …

Und das fühlt sich gar nicht so gut an, weil man nicht wirklich weiterkommt. Man ist in sich selbst gefangen. Zwar hat das Problem durch die Gedanken vielleicht einen neuen Impuls bekommen – aber geklärt ist es nicht wirklich; es ist eben ein „secret“, dass wir als Männer doch nicht schwanger werden können. Bei einer Frau kann man Schwangerschaft sehen – wenn ein Mann etwas Lebensveränderndes ausheckt oder etwas in ihm Unruhe auslöst – niemand sieht etwas. Wir müssen darüber reden!

Und das ist ein entscheidender Nachteil bei uns Männern. Unzufriedene Frauen kennt jeder Mann, man trifft sie vornehmlich samstagabends in Diskotheken. Hier greift ein Prinzip, das ich als Frauen-Wunder bezeichne. Es mag ein Klischee sein, aber, geben wir es doch zu, ein bisschen was ist dran: Kaum hat eine Frau ein Kind geboren, ist sie glücklich, alle Probleme, Zweifel, Unzufriedenheit einer Lebensphase … vorbei – es folgen dann später noch die körperliche Umstellung und dieses „Mal-heiß-mal-kalt-Gefühl“ … Das nervt dann nochmal alle Beteiligten, aber im Prinzip ist eine Frau nach neun Monaten Schwangerschaft mit all ihren Problemen durch, alle Zweifel des Lebens sind dann vorbei. Wie einfach eigentlich, denn eine Schwangerschaft ist irgendwann beendet – da gibt es einen berechneten Termin, und dann sollte das Kind auf natürliche Weise geboren werden. Wenn nicht – dann wird es eben geholt. Narkose, Kaiserschnitt und dann gibt es News, ob Mädchen oder Junge! Von diesem Moment an sind dann die Frauen glücklich – praktisch automatisch kann man Frauen Glück bereiten, und man beobachtet, wie sie dann entspannt und selbstzufrieden mit dem Kinderwagen durch den Park schlendern. Aber wir Männer? Mann ist nicht nach neun Monaten mit seinen Wünschen und Begierden fertig, und es ist dann keineswegs alles so, wie man es will.

Eine andere Situation. Besonders an der Küste kann man das erleben: Am Abend Chaos oder heftiger Regen, der Wind bläst Ihnen um die Ohren, Bäume fallen um, ein Knacken geht durch die Nacht, und dann, am nächsten Morgen, kreisen die Möwen wieder am Strand – so als wäre nichts gewesen. Ein neuer Tag ist geboren, die Welt ist nicht untergegangen, und die Luft ist klar und frisch. Aber hat sich wirklich etwas verändert? Nein, es ist immer noch dieselbe Welt, und dieselbe Endlosschleife der Natur.

Bei uns Männern lässt sich das Gefühl: „Irgendetwas sollte oder könnte sich ändern, und ich will noch so viel …“ ebenfalls nicht durch einen Streit besiegen. Oder schaffen Sie das: Einfach mal ein Gewitter aufziehen lassen, einen Sturm, der bei Ihnen alles durcheinander fegt, und wenn man am nächsten Morgen aufwacht, ist alles gesagt und geklärt? Nein, am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorne! Wir machen nicht einfach mal das Fenster auf und alles ist schön und neu! Die Sonne scheint vielleicht, und Dinge klären sich, wenn man neu und mit Abstand einer Nacht darüber nachgedacht hat – aber die Midlife-Crisis ist ja eine ernsthafte Krise, die sich so schnell nicht besiegen lässt. Und die durchleben wir nun, oder besser gesagt, wir begegnen ihr, setzen uns mit den secrets eines Mannes auseinander, um so einer aufziehenden Krise locker zu begegnen.

Schauen Sie TV-Magazine, die sich mit fremden Kulturen beschäftigen – eine Reise dorthin schafft Aufschluss, was Sie wirklich faszinierend finden. Ein Blick in ein Modemagazin verrät Ihnen vielleicht, was Sie gerne einmal anziehen würden, wovon Sie immer glaubten, dass das nicht zu Ihnen passen würde.

In New York habe ich mir Schuhe gekauft mit einem Fashion-Absatz von fast acht Zentimetern, mit einer Plateausohle hinten und vorne – eine Art Cowboystiefel und wirklich für Männer.

Mein Cowboystiefel-Modell kann ich in Deutschland kaum wagen anzuziehen, es ist zu sehr Fashion. Immer wenn ich schlecht drauf bin, ziehe ich diese Schuhe an und laufe durch SoHo. Niemanden stört es, denn niemand hat hier Zeit, sich mit meinen Schuhen zu beschäftigen! Ich aber war happy und ich bin happy. Ich ziehe an, was mir Spaß macht und was für mich und meine Welt neu ist. Damit habe ich ein Bedürfnis befriedigt. 360 Dollar für ein Paar Schuhe, und schon habe ich das Gefühl, total zufrieden zu sein. So einfach kann es sein – aber hilft Shoppen auf Dauer?

Selbsterkenntnis

Die Midlife-Crisis wird versteckte Wünsche offenbaren, sie wird uns einholen, weil wir glauben, etwas zu verpassen, bzw. bis zum heutigen Tage tatsächlich etwas verpasst haben. Es ist egal, ob es um private oder berufliche Wünsche geht. Man möchte der eigenen Welt entfliehen und Dinge tun, die in dieser bisher nicht möglich waren, die aber eigentlich möglich sind, wie uns andere Menschen vorleben. Natürlich ist diese Krise nicht durch ein paar neue Schuhe oder andere Konsumausgaben zu lösen. Was können wir also tun? Beginnen wir mit eine Reflexion über uns selbst:

Wenn man sich mit Psychologen unterhält, kommt oft heraus, dass Männer ihre Sozialisation anders in sich hineinfressen und sich viel mehr von ihr bestimmen lassen als Frauen. Überlegen Sie für sich selbst, welche Themen in Ihrem Leben störend sind, und reden Sie darüber. Nach der Lektüre einiger Bücher zum Thema wird auch Ihnen endgültig klar, dass das Hauptproblem bei Männern darin liegt, dass Gefühle nicht geäußert werden. Wenn man Dinge nicht äußert, dann kann man auch keine Erkenntnisse erlangen, keine Differenzierungen vornehmen und sich selbst auch nicht einschätzen, es fehlt der Austausch mit anderen – und nur das hilft als Reflexion.

Lange ist es her, da habe ich einmal einen Schauspielkurs in Los Angeles besucht. Die für mich herausragende Übung lief so: Wir befragten völlig fremde Personen nach unserer Außenwirkung. Dazu sollten wir uns einmal besonders gut anziehen – was auch immer für uns „besonders gut“ bedeutete. Die meisten zogen eine Anzughose an, ein nicht ganz verschlossenes Hemd, dazu schöne Schuhe, etwas Gel in die Haare für einen Look, den man ansonsten samstagabends wählt, um alles aufzureißen, was … . Wir gingen zum Flughafen, um dort die wartenden Passagiere zu befragen. Ihnen wurde eine Liste mit circa 60 Adjektiven auf einem DIN-A4-Blatt vorgelegt. Wir hatten uns in Zweiergruppen aufgeteilt. Einer stellte sich einfach nur gut sichtbar für die wartenden Passagiere an eine Säule oder Wand – der andere ging auf die Passagiere zu und fragte, ob sie Lust hätten, unsere kleine Übung mitzumachen. Die Amerikaner sind dazu meistens spontan bereit, mögen sie doch solche kleinen Spielchen, um sich die Zeit vor dem Flug zu vertreiben. Sie sollten einfach nur spontan ankreuzen, wie die dort vor ihnen stehende und wartende Person wirkt. Schnell kamen so 40 bis 50 Antwortzettel zusammen.

An einem anderen Tag tat man dasselbe noch einmal, diesmal mit einem anderen Look. Schlabbershirt, Jeans oder Sporthose, Turnschuhe und gar kein Gel in den Haaren. Jeder von uns hatte ein Outfit, mit dem man eigentlich nicht am Flughafen auftaucht. Wieder alles nur, um sich von wartenden Passagieren einschätzen zu lassen.

Tja, und dann mussten wir uns auf einem dritten Bogen selbst bewerten, ankreuzen, wie wir uns mit den unterschiedlichsten Outfits einschätzen würden. Niemand von uns würde sich selbst als spießig bewerten, niemand möchte zwielichtig, draufgängerisch, sexsüchtig, schleimig, zu verträumt, eigen, äußerst in sich gekehrt oder pedantisch wirken. Jeder von uns möchte als aufgeschlossen, sympathisch, dezent eitel und interessant wahrgenommen werden.

Aber schauen wir nur einmal ins deutsche Fernsehen. Es gibt Stars, die werden immer wieder für ein und dieselbe Rolle verpflichtet. Es gibt die betrogene Ehefrau, den Draufgänger-Typ, die spießige Frau, die Geschäftsfrau, den Schlägertyp und die Rockröhre. Wir nennen das Schubladentypen und erfahren in sämtlichen Talkshows, dass die meisten Schauspieler, die immer die heile Welt verkörpern, auch gerne einmal den Räuber und den Fiesling spielen würden. Ich persönlich habe zu meiner Modelzeit immer Charakterpersonen dargestellt. Betont wurden immer dieses verschmitzte Lachen und die große Nase und das spitze Kinn – wie habe ich das gehasst, wollte ich doch so gerne einfach einmal Kaffeetrinken und nur sympathisch herüberkommen. Aber nein, solche Rollen habe ich nie erhalten. Für eine große Wochenzeitung war ich der Student, der erst durch die Inhalte dieser Zeitung zu einem guten Studenten wurde, für ein Haarshampoo war ich der aufdringliche Reporter, der die Blonde, die gerade aus der Dusche kam, nach ihren Haaren befragte, am Traualtar war ich für eine Handycam-Firma der Ehemann, der nach der Trauung aus der Kirche eilte und die Schwiegereltern nicht mochte, für einen Autokonzern wurde ich als markant aussehender Fahrer gecastet. Nie aber durfte ich nur nett sein, anschmiegsamer Ehemann, hilfsbereiter Nachbar oder schleimiger Liebhaber.

Nun ja – und genau darauf lief dieser Flughafentest hinaus. Egal wie wir uns angezogen haben, egal wie viel Gel wir in den Haaren hatten – die wartenden Personen haben jeden von uns unabhängig von Styling und Klamotten immer gleich bewertet. Besonders bei Frauen war das eklatant. Wie oft brauchen Frauen besonders lange, um sich „fertig“ zu machen, wie viel Mühe geben sie sich, um das perfekte Styling zu haben – aber dieser Test hat bewiesen: Einmal Schlampe, immer Schlampe – einmal interessanter Hingucker, immer interessanter Hingucker. Und wenn wir ehrlich sind, ist das ja auch so, aber nie redet man darüber! Dafür, ob wir eine Frau für einen Reißer im Bett halten und sie gerne einmal vernaschen wollen, spielt es keine Rolle, was sie anhat, welches Makeup sie trägt und wie sie sich die Haare stylt – entweder ich möchte mit jemandem Sex haben oder nicht. Klar gibt es Outfits, die stärkere Signale aussenden und angenehmer sind als andere. Aber Frauen, die nachts so ab elf vornehmlich in Regional-Diskotheken an der Bar stehen, nett zurechtgemacht auf einen Mann warten, Cha-Cha- und Samba-Schritte beherrschen und nach zwei, drei Stunden dann sowieso mit sich selbst tanzen – diese Frauen werden auch noch in ein paar Monaten, oder, wagen wir es zu sagen, in ein paar Jahren alleine an selbiger Tanzfläche stehen und auf den Traumprinzen warten, wobei die Ansprüche an diesen im Laufe der Zeit sinken. Egal, welcher Mann, Hauptsache überhaupt einer.

Ich wirke, wie ich wirke – im Schauspielbereich hat die Flughafenübung gezeigt, dass ich meinen Typ erkennen muss. Und da Schauspiel ein Business ist und nichts mit meinen eigenen Wünschen zu tun hat, ist derjenige erfolgreich, der diese Tatsachen kennt und sie für sich selbst nutzen kann. Dementsprechend wird das Casting-Material zusammengesucht – diese Aspekte werden mit dem Styling, dem Fotografen und der Garderobe abgestimmt, es wird noch an den „Eigenschaften“ gefeilt, um einen Typ zu unterstreichen – denn was bringt ein biederer Typ, der mit seiner Setcard oder Headshot in zu modischem Outfit in den Agenturen aushängt? Den werden die Regisseure übersehen, und er wird irgendwann als nicht vermittelbar aus der Agentur fliegen. Das lernt man in den USA! Dieses „Rezept“ gilt übrigens dann wiederum privat wie beruflich. Ein Aufreißertyp wird eine Frau mit mimihafter Liebe zum Herd und Trutschigkeit niemals glücklich machen, da sie immer bedacht ist, ihren Mann vor der Bewunderung anderer zu schützen, Eifersucht ist vorprogrammiert. Beruflich bringt es nichts, wenn ich als Verkäufer arbeite, aber nun einmal kein Verkäufertyp bin. Andere werden immer mehr Umsatz einfahren als ich, der viel besser im organisatorischen Bereich aufgehoben ist.

Sie ahnen, worauf ich hinaus möchte?

Natürlich befriedigt mich selbst die Erkenntnis, dass ich persönlich kein schmusiger Liebhaber und Kaffeetrinker bin in keiner Weise. Ich möchte es aber vielleicht sein.

Jeder von uns hat andere Erinnerungen, Vorstellungen oder Imaginationen, die er mit einer fremden Stadt verbindet. Welche Stadt es ist, hängt davon ab, wo man vielleicht schon ein- oder zweimal urlaubsbedingt war, worüber man etwas gelesen oder im Fernsehen etwas Faszinierendes gesehen hat.

Passe ich in die Zeit, passe ich in den Trend – was ist gerade „angesagt“, und wer ist gerade gefragt – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Habe ich eine Idee, die einen anderen fasziniert, oder bin ich nur da, wo ich einmal hinwollte – was ist überhaupt die Faszination von New York, von Tokio oder von Buenos Aires, Singapur oder … ?

Ich hörte von einem Aussteiger, der in seiner Midlife-Crisis beschloss, Schafzüchter zu werden, und sich ein Haus im Grünen anschaffte. Er kaufte ein paar Tiere, die er pflegte und wieder verkaufte – Ökobauer sein ist doch gerade „in“ und gibt ein Gefühl von etwas Neuem. Doch diese Geschichte ist eine andere.

Endlich ich!

Kennen Sie das: Du sitzt daheim mit der Familie am gedeckten Tisch und konzentrierst dich aufs Essen; plötzlich klingelt es an der Tür. Oder du bist gerade dabei einzuschlafen, und auf einmal bringt dich eine SMS wieder in den absoluten Wachzustand.

Plötzlich wieder dieses Gefühl: Als klingele die innere Uhr, die eigene Glocke – ein „Bang“ haut dich aus den versunkenen Gedanken eines inzwischen zur Routine gewordenen Fluges.

Etwas muss sich ändern! Die Glocke lässt dich hochschrecken. Hinten am Rückgrat kriecht dieses Gefühl hoch, ein vergessenes Gefühl, der Kopf wird heiß und im Nacken dieses Kribbeln: Etwas muss sich ändern, etwas wird sich ändern, und irgendwie hat sich auch schon etwas geändert.

Bin ich vielleicht in der Midlife-Crisis, wo Beischlaf noch so eben klappt, meine Substanz aber nachlässt und ich spüre, wie die letzten Happen des Glücks mir in meiner Persönlichkeit willkommen sind, um verschlungen, aber dennoch nur benutzt zu werden, um einer Lust zu frönen? Was kann ich tun, das ist die entscheidende Frage: Was wird sich ändern, was mich ändert, oder ändere nur ich mich selbst? Und vor allem was kostet das alles?

Bleaching, Botox für Männer – oder tut es die Zahnseide von Schlecker für 0,97 Euro und die Massagelotion für 7,46 Euro mit Geruch Calendula, die ich dann demonstrativ beim nächsten Damen- oder Herrenbesuch (ist heute ja eigentlich egal) auf dem Nachttisch platziere, um massiert zu werden, ohne diese 34 Euro pro 30 Minuten im Fitness-Studio bezahlen zu müssen oder wahlweise 10 Euro Praxisgebühr, wenn ich mir die Massage vom Arzt verschreiben lasse? In den USA würde ich 90 Dollar zahlen, zusätzlich aber die doppelte Anzahl an Meilen erhalten, denn ich kombiniere ja immer geschickt die Kreditkarte je nach Zahlungsgrund. Angesammelt ergibt sich nach ein paar Monaten eine schöne Summe, und damit könnte ich eine Menge anstellen – das bewegt die Welt sozusagen im Lifestyle von heute. Für 10.000 Meilen gibt’s schon einen Europaflug, und diese Meilen kommen fix zusammen – sich ein paarmal massieren lassen und drei Zeitungen zur Probe abonnieren – man muss nur wissen, wie.

Was aber macht mich wirklich glücklich, reicht mein Geld in der neuen Heimat, wie viel Geld benötige ich noch, bis ich Fuß gefasst habe, und wie stelle ich es geschickt an, mir das alles zu erlauben?

Welcher Typ sind Sie, in welchem sozialen Niveau bewegen Sie sich, welches Leben haben Sie sich gewählt und wo sind Sie angekommen?

Wie sage ich es meiner Frau, dass nun etwas anderes kommen muss als immer nur der triste Familienalltag – setze ich alles aufs Spiel, nur um mich neu zu entdecken?

Geschieden, alleine, vielleicht verzweifelt, kaum Geld für die monatliche Telefonrechnung von 28,60 Euro oder gehören Sie etwa zu dem Milieu Berlins, am Prenzlauer Berg, das inzwischen als peinlich belächelt wird und wurde Ihre Frau fitgespritzt, damit es mit dem Nachwuchs noch klappte? Schieben Sie schon Doppelkinderwagen vor sich her?

Wo ist unsere Gesellschaft eigentlich angekommen? Wie wollen Sie Ihren Kindern einmal erklären, dass es sie nur gibt, weil die Person namens Mutter damals regelmäßig zu einem Arzt ging und sich hat fitspritzen lassen, um zu gebären … was ist verwerflicher aus dem Blickwinkel von Gestern, sagen wir, der Großeltern: Botox ins Gesicht zu spritzen, sich mit fast 50 Jahren als Frau für den Playboy auszuziehen oder zur Mutter gespritzt zu werden? Das alles ist nicht so einfach zu beurteilen – bleiben wir also bei uns Männern, denn das ist schon kompliziert genug.

Der Abschied vom alten Leben:

Wieder einmal sind neue berufliche Pläne angesagt – diesmal in New York. Wenn man eine Wohnung selbst umgebaut hat, steckt besonders viel Herzblut drin, Geschichten, die einen prägen. Also gehe ich noch einmal durch die leeren Räume, noch einmal fällt mein Blick aus dem Fenster – werde ich diesen Blick in den Himmel jemals wieder haben?

Wird noch einmal irgendwann so eine tolle Badewanne mitten im Raum meiner Wohnung stehen – mit Blick auf den Kamin? Werde ich jemals wieder solch eine tolle alte Tür irgendwo in Frankreich auf dem Flohmarkt finden und dann nach Berlin bringen? All diese Erinnerungen und noch zwei Fotos fürs Handy gemacht – dann den Zählerstand von Wasser und Gas noch einmal überprüfen, Licht überall aus – sind die Fenster alle geschlossen? Noch einmal durchatmen und klick … die Tür ganz bewusst zugezogen. Im Treppenhaus steht schon das letzte Gepäck – zwei wirklich große Taschen mit dem Nötigsten, denn der Rest ist schon von der Spedition abgeholt worden und auf dem Weg zum Container, der dann über den Atlantik gebracht wird – fast 3.000 Dollar kostet das … nennen wir es einmal: das Experiment.

2. Kapitel

ANKOMMEN IN NEW YORK

Ich sitze im Flugzeug: Europa – New York